Vom Hörsaal in die Arbeitslosigkeit - deshalb ist die Jobsuche oft so schwierig | ZDF Länderspiegel — Transcript
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- 0:02Der sogenannte Absolventenkongress in
- 0:04Köln, eine Jobmesse. Junge Menschen,
- 0:06ambitioniert mit besten Noten dränge
- 0:08sich vor den Ständen der Unternehmen.
- 0:10Sie wollen Jobs endlich den Sprung in
- 0:12den Arbeitsmarkt schaffen, doch viele
- 0:14hängen in der Luft.
- 0:16Es ist nicht so einfach aktuell, also
- 0:18sehr viele suchen, aber gerade ohne
- 0:21Arbeitserfahrung einfach ist es aktuell
- 0:23sehr schwer. Also das war jetzt schon
- 0:26zwei, dreimal bei mir eben der
- 0:27Knackpunkt, wo sie gesagt haben, ja, wir
- 0:28haben jemanden gefunden, der hat eben
- 0:30mehr Arbeitserfahrung.
- 0:31Von anderen habe ich gehört, dass man
- 0:33schon eine Zeit lang braucht, dass man
- 0:34schon so ein paar Monate oder ein halbes
- 0:35Jahr suchen muss, bis man was findet.
- 0:37Ich gucke vor allem nach Einstiegsjobs,
- 0:39entweder Trainy stellen oder andere
- 0:42Dinge im Bereich Marketing oder
- 0:43Kommunikation eben, weil ich gerade mein
- 0:45Master abgeschlossen habe und natürlich
- 0:46jetzt gerne durchstarten würde.
- 0:48Hanna Zupfer hat Medienmanagement
- 0:50studiert. Seit Herbst schreibt sie nun
- 0:52Bewerbungen ohne Erfolg. Vielleicht tut
- 0:55sich ja hier etwas auf im
- 0:56Karrieregespräch am Stand eines großen
- 0:58Konzerns, der ja immer Bedarf haben
- 1:00müsste an guten, engagierten Marketing
- 1:02Leuten. Doch leider kein
- 1:04Hoffnungsschimmer.
- 1:06beobachten.
- 1:07Tatsächlich habe ich damit gerechnet,
- 1:08weil im Vorfeld schon klar war, dass der
- 1:10Arbeitsmarkt im Moment halt äh doch
- 1:12gerade bei Einstiegstellen bisschen die
- 1:13Brüche geht. Ich habe auch im Zuge
- 1:15meiner Abschlussarbeit
- 1:17Fachkräfte interviewt, auch in
- 1:18Leitungsposition verschiedenen
- 1:19Unternehmen in dem Bereich und die haben
- 1:21ja auch schon gesagt, dass gerade auch
- 1:23aufgrund von KI und eben der Wirtschaft
- 1:24gerade eher junge Leute nicht
- 1:26eingestellt werden, weil die Chefs der
- 1:28Meinung sind, man könnte jetzt
- 1:29versuchen, diese auch zu ersetzen.
- 1:31Nicht unterkriegen lassen, den Glauben
- 1:33auch an sich selbst nicht verlieren,
- 1:35sagt Hanna Zupfer. nicht immer einfach
- 1:37die Situation zu ertragen.
- 1:40Ich habe mich auch schon damit befasst,
- 1:41ob ich einfach in irgendeinem anderen
- 1:43Bereich erstmal einen Job annehme, sei
- 1:44es zum Einzelhandel oder sonst was, um
- 1:46eben zu überbrücken oder eben auch eine
- 1:48Praktikumstelle erstmal, um noch mal
- 1:50weitere Erfahrung zu sammeln.
- 1:52Eine ganze Generation auf der Wartebank.
- 1:55Auch Rachita Maruti Gundi sucht und
- 1:57poliert ihre Bewerbungsunterlagen auf.
- 1:59Sie hat Informatik studiert, bis vor
- 2:01kurzem noch eine sichere Bank, doch
- 2:03mittlerweile nicht mehr.
- 2:08Das hat sich in den letzten Jahren
- 2:09verändert. Wir haben mal sehr schnell
- 2:11Jobs gefunden, vielleicht zehn
- 2:12Bewerbungen rausgeschickt und dann drei,
- 2:14vier Vorstellungsgespräche gehabt, aber
- 2:16jetzt schicken wir 200, 250 Bewerbungen
- 2:19raus, um vielleicht zwei oder dreimal
- 2:21eingeladen zu werden.
- 2:27Auch in ihrem Bereich, Informatik,
- 2:30Programmieren, schlägt künstliche
- 2:32Intelligenz alles Karl.
- 2:38K hat so viele Jobs, so viele Stellen
- 2:40auf dem Gewissen. Wofür eine Person 5
- 2:42oder 10 Stunden benötigt, braucht die KI
- 2:45Sekunden.
- 2:48Wie umgehen mit dieser Revolution? Sich
- 2:50unbedingt auseinandersetzen mit KI, mit
- 2:53digitalen Tools. Raten Firmenchefs und
- 2:55Personalentwickler den Absolventinnen
- 2:57und Absolventen, um sich fit zu machen
- 2:59für die Arbeitswelt.
- 3:02Ja, das kann durchaus helfen. Ja, also
- 3:03schon mal im Studium z.B. zu nutzen,
- 3:06wenn man Projektarbeiten hat,
- 3:07Projektmanagement Tools, ja, online, die
- 3:10auch teilweise KI basiert sind, schon
- 3:12mal auch anzubringen. Das kann man ja
- 3:14auch in seiner Bewerbung sehr gut
- 3:16darstellen, denn was wir ja wollen sind
- 3:18Innovationen voranzutreiben.
- 3:20Man muss auch so ein gewissen
- 3:21Eigenantrieb haben und ich kann das aus
- 3:23der eigenen Familie sagen, mein Sohn äh
- 3:26äh beginnt vor dem Studium äh äh aus
- 3:30Eigeninitiative eine Ausbildung an einer
- 3:33ausländischen Bildungseinheit. in
- 3:35Englisch halt ähm um KI zu lernen und
- 3:37bereitet sich auf den Studiengang in
- 3:39Deutschland vor, ne? Und das sind so
- 3:42Themen nachzuweisen, sich auch selber
- 3:45eigenständig äh fortgebildet zu haben.
- 3:48Ich glaube, dass das auch ein
- 3:49entscheidender Punkt ist.
- 3:51Die RWT Achen, eine der führenden
- 3:53technischen Hochschulen in Europa. Wer
- 3:55hier studiert, wird mit Kussand
- 3:57genommen. Das galt lange Zeit, doch
- 3:59mittlerweile nicht mehr. Ich bin jetzt
- 4:01seit dem 1. Oktober mehr oder weniger
- 4:05konsequent am bewerben und äh wenn man
- 4:09mal eine Rückmeldung bekommt von einer
- 4:11von den wenigen Stellen, die zur
- 4:13Verfügung sind, dann ist sie oft oft
- 4:15halt einfach nicht mal eine Einladung
- 4:16zum ersten Gespräch. Es gab auch schon
- 4:18erste Gespräche und dann geht's in die
- 4:20zweite Runde und das ist also alles sehr
- 4:23eng auf dem Jobmarkt aktuell würde ich
- 4:25sagen. Echt wichtiger
- 4:26Anja Robert von der unieigenen
- 4:28Karriereberatungsstelle hat viele
- 4:30verunsicherte junge Leute vor sich
- 4:32sitzen. Seit Firmen wie Bosch, Wacker,
- 4:35Siemens oder VW tausende Stellen
- 4:37streichen.
- 4:38Bestes Beispiel Automobilbranche,
- 4:40wahnsinnige Transformationsprozesse,
- 4:42ne? Die Leute, die bei uns vor ne
- 4:45Maschinenbau in Aen dauert 5 Jahre, die
- 4:47da angefangen haben, sich auf den
- 4:48Automotivbereich vorzubereiten, die
- 4:51müssen sich jetzt verändern, ne? Dafür
- 4:52sind andere Branchen gerade stark.
- 4:54Rüstungsindustrie kennen wir sicherlich
- 4:56gerade alle aus den Medien, weil da
- 4:57einfach ein großer Nachroollbedarf ist.
- 5:00Ähm, also insofern Fenster haben sich
- 5:02geschlossen, definitiv in manchen
- 5:04Branchen. Fenster tun sich auf in
- 5:06anderen Branchen, ne? Da muss man
- 5:08flexibler sein.
- 5:10Und nicht nur auf die großen Arbeitgeber
- 5:12fokussieren rätdt sie den Absolventen,
- 5:14sondern auch bei Mittelstand oder bei
- 5:16Startups anklopfen. Abseits der Konzerne
- 5:19entsteht viel Neues. Wenn wir uns
- 5:21Technologien im Batteriebereich
- 5:23angucken, Vernetzung von Mobilität
- 5:25angucken, Mobilität, neu denken, alles
- 5:28das sind total spannende Themen in der
- 5:30Peripherie der Automotive Branche,
- 5:34häufig aber eben leider etwas schwerer
- 5:35zu finden, weil die nicht diese großen
- 5:37Namen haben, ne? Also insofern finde ich
- 5:39das aber trotzdem wichtig, sich da auf
- 5:41dem Weg zu machen. Die Zukunft ist schon
- 5:42noch spannend, die ist nicht so düster,
- 5:44wie man vielleicht manchmal denkt,
- 5:45sondern da tun sich auch viele neue
- 5:47Türen auf.
- 5:48Tatsächlich suchen manche Branchen
- 5:50händeringend nach Mitarbeitern.
- 5:53Markus Neumann von der Wasserstraßen und
- 5:55Schiffahrtsverwaltung des Bundes ist
- 5:57jedenfalls froh über jeden potenziellen
- 6:00Bewerber. äh freinstellen.
- 6:02Also, ich bin jetzt dieses Jahr schon
- 6:04auf der vierten Messe, wo wo wir halt äh
- 6:06Werbung machen. Wir haben tatsächlich
- 6:07laufend Ausbildungsplätze, die wir
- 6:09nachbesetzen wollen. Wir haben auch ähm
- 6:12äh Stellen, die wir mit fertigen
- 6:13Wasserbauern schon besetzen wollen und
- 6:15haben leider das Problem, dass wir kaum
- 6:17Bewerber haben oder kaum geeignete und
- 6:19Stellen oft auch nicht besetzen können.
- 6:22Eine Schieflage beobachtet er. Auf der
- 6:24einen Seite viele junge Menschen auf
- 6:26Jobsuche, auf der anderen offene
- 6:28Stellen, die kaum einer möchte.
- 6:31Das Problem ist glaube ich einfach ein,
- 6:33ich will nicht sagen ein
- 6:34gesellschaftliches, aber es will ja kaum
- 6:35einer noch im Handwerk arbeiten. Das
- 6:38würde die Problematik bei den
- 6:39Ausbildungsplätzen erklären. Man möchte
- 6:41gerne im Homeoffice arbeiten. Ähm kann
- 6:44ich z.B. überhaupt gar nicht anbieten.
- 6:46Wir arbeiten draußen vor Ort an der
- 6:48Wasserstraße, da ist Homeoffice einfach
- 6:50überhaupt gar nicht möglich.
- 6:52Rund eine halbe Million Fachkräfte
- 6:54fehlen in Deutschland, vor allem im
- 6:56Handwerk, in der Pflege, in Mintberufen.
- 6:59Rund 100 Arbeitgeber präsentieren sich
- 7:01beim Karrieretag in Köln und versuchen
- 7:04interessierte Menschen von sich zu
- 7:05überzeugen.
- 7:06Besucherseitig ist es so, dass wirklich
- 7:08im Grunde vom 14-jährigen Schüler, der
- 7:11so langsam anfängt seinen
- 7:12Ausbildungsplatz zu suchen bis zur
- 7:1460-jährigen Führungskraft im Grunde
- 7:16jeder hier seinen Job finden kann, ne?
- 7:18Wir haben Position für hochqualifizierte
- 7:21ITer oder Ingenieure. Ähm wir haben ein
- 7:24Omnibusunternehmen, das sucht Busfahrer.
- 7:27Äh ich habe vorhin Unternehmen gesucht
- 7:28gesehen, die suchen Fördner. Also es ist
- 7:30wirklich von bis alles dabei.
- 7:33Doch wie einen Job finden, der zu einem
- 7:35passt, auch wenn die Aussichten
- 7:37schwierig sind. Annika Kuchter berätt
- 7:39junge Menschen etwa bei der Frage, wie
- 7:41schreibe ich einen Lebenslauf? Aus
- 7:43welcher Perspektive und was gehört da
- 7:45alles rein?
- 7:47Soft Skills sind wahnsinnig wichtig. ähm
- 7:50als auch beispielsweise wie tickt die
- 7:53Person, also so was hat die für Hobbies,
- 7:55was macht die in ihrem Privatleben, weil
- 7:57das gibt mir immer so ein Gefühl davon,
- 7:59mit wem arbeite ich denn, wenn ich den
- 8:00jetzt morgen einstelle und im Lebenslauf
- 8:02lässt sich das halt gut ausdrücken
- 8:04dadurch, was habe ich vielleicht schon
- 8:06erreicht, statt einfach nur was habe ich
- 8:08gemacht, also einfach mit einer dezent
- 8:10anderen Fragestellung an das Schreiben
- 8:12des Lebens auch ranzugehen. Gerade bei
- 8:14jungen Leuten, die frisch von der Uni
- 8:16kommen, erlebt sie immer wieder, dass
- 8:18die sich schwer tun mit Bewerbungen,
- 8:19weil sie glauben, noch nichts erreicht
- 8:21zu haben.
- 8:22Man muss sich aber vorher einmal die
- 8:23Mühe geben zu analysieren, was genau
- 8:25habe ich denn auch aus meinem Studium
- 8:27mitgenommen, was habe ich über mich
- 8:28selber gelernt und da aus meiner Sicht
- 8:31hapert's am meisten, weil viele gar
- 8:33nicht daran denken, sich erstmal selber
- 8:35zu analysieren, bevor sie wirklich sich
- 8:37dann präsentieren. Künstliche
- 8:39Intelligenz, die schwierige
- 8:41konjunkturelle Lage. Der Sprung ins
- 8:43Arbeitsleben ist für Unibsolventen
- 8:45zurzeit so schwierig, wie schon lange
- 8:47nicht mehr. Dennoch sagen Experten,
- 8:49dicht sei der Arbeitsmarkt nicht,
- 8:51sondern in Bewegung.
- 8:52Leben war immer Veränderung, ne? Wir tun
- 8:55so, als hätte es die letzten 100 Jahre
- 8:56keine Veränderung gegeben. Das ist ja
- 8:59Quatsch, ne? Industrien haben sich immer
- 9:00verändert. Daraus ist aber auch gutes
- 9:02Neues geworden. Wir haben in Deutschland
- 9:03nach wie vor ein wahnsinnig agilen,
- 9:06innovativen Mittelstand,
- 9:08der auch in den Weltmärkten sich gut
- 9:10positioniert hat, der nach wie vor ein
- 9:12großen großen Fachkräftebedarf hat. So,
- 9:15also insofern für uns als Career Center
- 9:18ist der Arbeitsmarkt gerade wirklich im
- 9:20wahrsten Sinn des Wortes dynamisch.
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