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Unser Gehirn - Aufbau und Funktion einfach erklärt — Transcript

by Neurologie mit Dr. Janis · 4,743 words · 324 segments · language de · Watch on YouTube

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  1. 0:00Das Gehirn ist eines der kompliziertesten  Konstrukte des bekannten Universums und
  2. 0:03trotzdem - oder vielleicht auch gerade  deswegen - ist es auch (noch) das einzige
  3. 0:07was über sich selbst nachdenken kann und  zumindest versuchen kann sich selbst zu
  4. 0:10verstehen. In diesem Video geht es genau  um die Neuroanatomie - also aus welchen
  5. 0:14Abschnitten das Gehirn aufgebaut  ist und welche Funktion diese haben.
  6. 0:20Moin, ich bin Janis und hier auf dem Kanal geht's  immer um unser Gehirn und deswegen ist es auch
  7. 0:24nicht schwer zu erraten dass ich absolut  fasziniert bin von unserem Gehirn, so sehr
  8. 0:28dass ich sogar Medizin studiert habe, die letzten  zwei Jahre in der Neurologie gearbeitet habe,
  9. 0:32und sogar meine Doktorarbeit in der Neuro-Anatomie  geschrieben habe. Und trotzdem würde es absolut
  10. 0:38nicht stimmen zu behaupten, dass ich das Gehirn  wirklich verstehe. Aber die Grundlagen vom Gehirn
  11. 0:42die müssen nicht kompliziert sein und die sind  trotzdem spannend und genau die kommen jetzt.
  12. 0:46Also, wenn wir einmal richtig rauszoomen, dann  ist ja unser ganzer Körper komplett durchzogen
  13. 0:51von unserem Nervensystem. Und da können wir  unterscheiden einmal das zentrale Nervensystem
  14. 0:55mit Gehirn und Rückenmark von dem peripheren Nervensystem mit den Spinalnerven und den
  15. 1:00Hirnnerven. Die verkabeln quasi das  zentrale Nervensystem mit den Muskeln
  16. 1:03und den anderen peripheren Organen. Und wenn wir  die jetzt aber einmal alle weglassen und dann dem
  17. 1:07Rückenmark von unten nach oben folgen, dann kommen  wir beim Gehirn an. Das fängt definitionsgemäß
  18. 1:12an der Stelle an, direkt über dem obersten  Spinalnerven, da wo der austritt. Da drunter:
  19. 1:17Rückenmark, darüber ist Gehirn. Und auch beim  Gehirn macht das Sinn, wenn wir uns das einmal
  20. 1:21von unten nach oben schrittweise angucken.  Denn so ist es entwicklungsgeschichtlich mehr
  21. 1:25oder weniger entstanden und so lassen sich dann  auch die Abschnitte und die Funktionen ganz gut
  22. 1:29zuordnen. Und als allererstes kommt da der  Hirnstamm. Der ist ganz sinnvoll benannt,
  23. 1:34denn der ist quasi wie ein kleiner Stamm der oben  dann seine Baumkrone hat, das ist das Großhirn,
  24. 1:39und hinten noch so eine kleine seitliche Baumkrone  dran, das ist das Kleinhirn. Und die verbindet er
  25. 1:44zum einen miteinander und zum anderen auch nach  unten mit dem Rückenmark und dann quasi indirekt
  26. 1:48mit den Spinalnerven, also letztendlich wie  ein Baumstamm auch die Äste, die Baumkrone
  27. 1:53und die Wurzeln miteinander verbindet. Und auch  wenn die überragenden und spannenden Leistungen
  28. 1:57des menschlichen Gehirns zwar hauptsächlich an  anderen Stellen erbracht werden, ist der Hirnstamm
  29. 2:01trotzdem essentiell, denn ohne ihn wäre kein  Überleben möglich. Also zum einen, weil er die
  30. 2:05ganzen Bahn durchleitet, aber vor allen Dingen  auch weil die meisten unserer unbewussten aber
  31. 2:09lebensnotwendigen Funktionen dort lokalisiert  sind. Also ist er letztendlich die Steuerzentrale
  32. 2:13von vielen wichtigen Vitalfunktionen und  von vielen lebensnotwendigen Reflexen,
  33. 2:17also zum Beispiel von unserer Kreislauffunktion,  steuert mit dem Blutdruck und die Herzfrequenz
  34. 2:22und die Atmung. Und an Reflexen zum Beispiel  Husten, Schlucken, oder Brechen. Das heißt,
  35. 2:26jede wirklich größere Schädigung vom  Hirnstamm ist absolut lebensbedrohlich,
  36. 2:29während bei einer größeren Schädigung vom Großhirn  Überleben durchaus noch möglich sein kann. Selbst
  37. 2:34wenn quasi das ganze Großhirn kaputt ist,  kann es im Wachkoma manchmal noch sein,
  38. 2:38dass durch den Hirnstamm das Überleben trotzdem  weiter aufrechterhalten wird. Aber dann ist halt
  39. 2:42kein Bewusstsein mehr möglich. Also um wirklich  ein Leben führen zu können, wie wir das wollen,
  40. 2:46brauchen wir auf jeden Fall beides - Hirnstamm und  Großhirn. Und was eigentlich ganz beeindruckend
  41. 2:50ist zum Hirnstamm, ist dass er tatsächlich nur  ungefähr so groß ist wie unser Daumen. Und weil
  42. 2:54er der entwicklungsgeschichtlich älteste Teil  ist, fallen auch die Unterschiede zwischen Tier
  43. 2:58und Mensch hier relativ gering aus. Man kann den  Hirnstamm noch unterteilen in drei verschiedene
  44. 3:02Abschnitte und die gucken uns jetzt noch einmal  einzeln an. Also los geht's wie wir ja gesagt
  45. 3:06hatten über dem ersten Spinalnerven. Darüber  kommt dann die Medulla oblongata, das heißt zu
  46. 3:11Deutsch das "verlängerte Mark" - also auch eine  sinnvolle Bezeichnung weil das Rückenmark sich
  47. 3:16da quasi nach oben verlängert. Und außer dieser  Definition wo es los geht, die Abgrenzung von
  48. 3:20den beiden voneinander gar nicht so leicht ist.  Als nächstes kommt darüber dann die Brücke. Auf
  49. 3:24Lateinisch ist das der Pons und so kann man sich  übrigens ganz gut als Kenner outen wenn man sagt
  50. 3:29der Pons obwohl es die Brücke auf Deutsch heißt,  weil auf Lateinisch ist "der" dann korrekt auch
  51. 3:34wenn ich Latein hatte, aber so wurde es mir  gesagt und das sagen immer alle falsch - also
  52. 3:38Geheimtipp... Und die Brücke die ist zum einen  gut erkennbar, weil es einfach diese Querwulst
  53. 3:43ist. Der Name macht auch irgendwie wieder Sinn,  weil es aussieht wie so eine Brücke die da drüber
  54. 3:46zieht über den restlichen Hirnstamm. Und wenn  wir einmal von hinten auf den Hirnstamm gucken,
  55. 3:51dann sehen wir, dass die Brücke da ziemlich  dick verbunden ist mit dem Kleinhirn, was hier
  56. 3:55dem Hirnstamm quasi so von hinten aufliegt.  Diese Verbindung das sind die Kleinhirnstiele
  57. 3:59und die geben uns eigentlich auch schon die  Hauptfunktion von der Brücke: nämlich dass sie
  58. 4:03eine Umschaltstation ist von Informationen die  z.B. vom Großhirn oder auch vom Rückenmark zum
  59. 4:08Kleinhirn hin müssen und dann vom Kleinhirn auch  wieder zurück und wieder an irgendwelche anderen
  60. 4:12Ziele müssen. Diese Verbindungen sind ja ganz  schön dick, was sind das also für Informationen
  61. 4:15die da alle ins Kleinhirn hinein müssen?  Letztendlich mehr oder weniger alles was mit
  62. 4:20unserer Motorik und unserer Bewegung zu tun hat.  Also das Kleinhirn ist vor allem zuständig für
  63. 4:24die Koordination und für die Feinabstimmung  von unseren Bewegungen. Auch wenn viel von
  64. 4:28der Bewegungsplanung auch in unserem Großhirn  funktioniert, aber ohne das Kleinhirn klappt
  65. 4:32das alles nicht so richtig. Ihr habt vielleicht  schon mal freiwillig oder auch weniger freiwillig
  66. 4:36die Funktion vom Kleinhirn an eurem eigenen Körper  quasi getestet - nämlich wenn man wirklich stark
  67. 4:41betrunken ist. Die ganzen Koordinationsstörungen  die dann auftreten, die sind größtenteils dadurch
  68. 4:46bedingt, dass das Kleinhirn nicht mehr so richtig  funktioniert. Das ist nämlich ziemlich anfällig
  69. 4:50für Alkohol. Und das ist letztendlich auch der  Grund warum die Untersuchung von Polizisten in
  70. 4:54der Verkehrskontrolle oder von Neurologen in der  Notaufnahme also z.B. dieses auf einem Strich
  71. 4:59laufen, oder mit dem Finger gucken wie gut man die  Nase treffen kann, ziemlich ähnlich sind. Beide
  72. 5:03wollen eigentlich herausfinden ob das Kleinhirn  richtig funktioniert. Der Neurologe aber um zu
  73. 5:08gucken, ob irgendeine neurologische Erkrankung  dahinter steckt, und der Polizist wahrscheinlich
  74. 5:12eher weil er nach dem Alkohol gucken will.  Jetzt hoffen wir aber mal, euer Kleinhirn hat
  75. 5:15die Polizei-Kontrolle überstanden. Dann gibt's  noch ein super spannenden Fakt zum Kleinhirn.
  76. 5:20Dazu müssen wir aber erst noch einmal ein  bisschen rausgehen, oder eigentlich reingehen,
  77. 5:24in das Ganze. Nämlich generell ist das Ganze  Nervensystem ja aus ganz ganz vielen kleinen
  78. 5:28Nervenzellen aufgebaut. Man schätzt, dass das  menschliche Gehirn aus so etwas 86 Milliarden
  79. 5:33Nervenzellen besteht, also über 10 Mal so viel  wie wir Menschen auf der Erde haben. Und was denkt
  80. 5:39ihr, wie viel von diesen Nervenzellen eigentlich  im Kleinhirn lokalisiert sind? Tatsächlich über
  81. 5:4450%. Das wirkt irgendwie komisch - weil das ist ja  relativ klein im Vergleich zum Großhirn. Aber das
  82. 5:49funktioniert letztendlich durch zwei Tricks:  zum einen ist einfach die Population von den
  83. 5:53ganzen Nervenzellen ziemlich divers. Also da  gibt's ganz viele verschiedene und vor allen
  84. 5:57Dingen ganz große und ganz kleine und im Kleinhirn  gibt's ganz viele von diesen Körnerzellen. Und die
  85. 6:02sind einfach ziemlich klein im Vergleich. Das  heißt, davon passen viele ins Kleinhirn rein.
  86. 6:05Aber es gibt noch einen weiteren Trick damit das  auch wirklich passt. Und dafür müssen wir uns so
  87. 6:09eine Nervenzelle noch mal angucken. Die besteht  ja letztendlich aus drei entscheidenden Dingen:
  88. 6:13also einmal dem Zellkörper und dann zwei  Fortsätzen. Auf der einen Seite des Axon. Das ist
  89. 6:18letztendlich der Fortsatz, wo die Informationen  elektrisch weitergeleitet wird. Das zweigt sich
  90. 6:22dann auf und dann bindet es an andere Nervenzellen  und sendet die Informationen dann chemisch an
  91. 6:27diese weiter über die Synapsen. Und am anderen  Ende hat die Nervenzelle diesen anderen Fortsatz,
  92. 6:31den Dendritenbaum. Das ist genau das, wo dann  diese Synapsen von anderen Nervenzellen wieder
  93. 6:34ankommen. Und mit diesen Nervenzellen da hat  die Evolution anscheinend herausgefunden,
  94. 6:39dass es nicht so wahnsinnig gut funktioniert wenn  man die einfach so chaotisch zusammenklumpt und
  95. 6:43alle ins Gehirn reinsteckt. Sondern die sind  tatsächlich fein säuberlich sortiert. Und so
  96. 6:47ist es, dass diese ganzen Zellkerne sich an einer  Stelle immer sammeln. Und dass dann die Axone,
  97. 6:52die teilweise sehr weit laufen müssen bis  sie bei ihrer Zielzelle ankommen, relativ
  98. 6:56geordnet und getrennt davon verlaufen. Und diese  Stellen wo sich diese Nervenzellkörper sammeln,
  99. 7:01die sehen auch tatsächlich anders aus. Die sind  etwas dunkler, das sind also wirklich eure grauen
  100. 7:05Zellen also die graue Substanz. Auch wenn das  tatsächlich beim lebenden Menschen meistens
  101. 7:09eher etwas rosa aussieht und nicht so grau. Und  die Bereiche wo dann nur die Axone durchlaufen,
  102. 7:13das ist dann die weiße Substanz. Wenn man jetzt  ganz viele von diesen Nervenzellkörpern an
  103. 7:17einer Stelle versammeln will, dann kann man das  natürlich entweder in so einem Klumpen machen,
  104. 7:20das gibt es auch, ne das sind zum Beispiel  dann die Hirnnervenkerne im Hirnstamm, oder
  105. 7:24die Basalgangien im Großhirn und auch im Kleinhirn  gibt es ein paar kleine davon. Aber eine weitere
  106. 7:29Möglichkeit ist es die ganzen Nervenzellkerne  in so einer Schicht anzuordnen. Und das ist
  107. 7:33ganz entscheidend sowohl im Kleinhirn als auch  im Großhirn. Also wenn wir uns dieses Kleinhirn
  108. 7:36mal so angucken, dann hat das ja ganz ganz viele  ganz feine Furchen und feine Erhebungen. Und wenn
  109. 7:41wir das einmal schräg durchschneiden, dann sieht  man, das wirklich oben an der Oberfläche dieses
  110. 7:45gräuliche Band ist. Das ist die graue Substanz,  das ist die Hirnrinde vom Kleinhirn. Und genau
  111. 7:49da sammeln sich auch diese ganzen unzähligen  Körnerzellen. Und das ist der zweite Trick,
  112. 7:53dass das Kleinhirn einfach so wahnsinnig gefaltet  ist, weil es halt gerne das so organisiert, dass
  113. 7:57die ganzen Zellkörper an der Oberfläche in diesem  Band, in diesem Krotex, drin stecken. Und wenn das
  114. 8:01Kleinhirn einfach eine Kugel wäre, dann wäre ja  ziemlich wenig Oberfläche da, aber durch diese
  115. 8:04starke Fältelung hat es sehr viel mehr Oberfläche  und dadurch passen diese ganzen Zellen dann auch
  116. 8:08geordnet und wunderschön sortiert da rein. Aber  damit genug zum Kleinhirn. Jetzt gehen wir noch
  117. 8:13mal zurück zum Hirnstamm, da fehlt noch der  dritte und letzte Teil. Das ist das Mittelhirn,
  118. 8:17oder das Mesencephalon. Und das sieht eigentlich  auch ganz interessant aus. Also von vorne sehen
  119. 8:22wir einmal hier diese Hirnschenkel, so heißen die  tatsächlich. Und wenn wir von hinten draufgucken,
  120. 8:26das Kleinhirn einmal ausblenden, dann sehen  wir die Vierhügelplatte mit wirklich diesen
  121. 8:31vier Erhebungen. Und bei Vögeln und Reptilien ist  das Mittelhirn super wichtig. Da enden ganz viele
  122. 8:36Bahnen von Sinnesorganen: also die Sehbahn,  die Hörbahn und auch die von der Sensibilität
  123. 8:40und werden dann da wirklich endgültig weiter  verarbeitet. Dafür hat bei uns bei uns Menschen
  124. 8:45der Platz im Mittelhirn nicht ausgereicht, das  wurde größtenteils an den Cortex vom Großhirn
  125. 8:49ausgelagert. Aber auch wenn das arme Mittelhirn  diese ganzen Funktionen bei uns abgeben musste,
  126. 8:53bleibt das trotzdem immer noch wichtig, wie  eigentlich alles im Gehirn, da wird kein Platz
  127. 8:57verschwendet. Was jetzt z.B. noch übrig bleibt,  ist die Steuerung von unseren Augenmuskeln. Und
  128. 9:01wenn man einmal quer durchschneidet, dann sieht  man hier auf beiden Seiten so'n Bereich der etwas
  129. 9:04schwärzer ist, das liegt daran, dass das  eine Ansammlung von Nervenzellen ist, die
  130. 9:08etwas mehr Eisen haben als die sonstigen Zellen.  Dadurch sieht das so dunkel aus. Und das ist die
  131. 9:12Substantia nigra, die kann man schon mit zu den  Basalganglien zählen, die auch wieder wichtig für
  132. 9:16die Bewegung sind. Und wenn die Substantia nigra  nicht mehr richtig funktioniert, dann führt das
  133. 9:19zur Parkinson-Krankheit. Über dem Mittelhirn endet  dann der Hirnstamm, der ist jetzt also abgehakt.
  134. 9:23Aber es kommt noch nicht direkt das Großhirn  was man hier sieht, sondern es gibt noch einen
  135. 9:27Bereich dazwischen. Das ist passenderweise das  Zwischenhirn, oder auf griechisch der Fachbegriff
  136. 9:31ist das Diencephalon. Und da wird es schon richtig  spannend. Also das Zwischenhirn, das besteht aus
  137. 9:36mehreren Ebenen, die alle irgendwie Thalamus  mit im Namen haben. Das ist einmal der Thalamus
  138. 9:40wirklich selbst, dann z.B. noch der Hypothalamus  und der Epithalamus und noch einige weitere. Aber
  139. 9:45das sind eigentlich die Spannendsten. Fangen wir  mal mit dem Hypothalamus an. Der sitzt hier vorne
  140. 9:49über der Hypophyse und der ist eigentlich die  wichtigste Schnittstelle zwischen unserem Gehirn
  141. 9:54und unserem weiteren Körper. Also er ist die  Steuerzentrale von dem vegetativen Nervensystem
  142. 9:59und der steuert auch die Hypophyse, wo dann ganz  viele Hormone ausgeschüttet werden. Und so steuert
  143. 10:05der Hypothalamus ganz wichtige Verhaltensweisen,  wie z.B. Hunger, Durst, Schlafen und Wachsein und
  144. 10:11auch unsere Sexualverhalten. Und gucken wir aber  einmal von der Hypophyse die hier dran hängt,
  145. 10:15der vorderen Drüse, nach hinten an das  Zwischenhirn, dann gibt es da auch noch
  146. 10:19eine Drüse und das ist die Epiphyse, oder zu  Deutsch die Zirbeldrüse. Die heißt Zirbeldrüse,
  147. 10:23weil sie wohl so ähnlich aussieht wie so ein  Zapfen von der Zirbelkiefer. Und die Zirbeldrüse,
  148. 10:29das ist wahrscheinlich so mit die Region vom  Gehirn, um die sich die meisten Mythen ranken.
  149. 10:33Das liegt wahrscheinlich daran, dass es die eine  Struktur vom Gehirn ist, die ziemlich in der Mitte
  150. 10:37liegt und die es als eine von den ganz wenigen  Strukturen nicht doppelt gibt. Ne, das meiste
  151. 10:42ist im Gehirn ist eigentlich gespiegelt, auf der  linken und auf der rechten Seite. Und weil die
  152. 10:45Zirbeldrüse aber genau in der Mitte liegt, gibt's  die halt nur einmal. Und das hat unter anderem
  153. 10:49schon den französischen Philosophen René Descartes  dazu gebracht, dass er vermutet hat, dass das der
  154. 10:53Sitz der Seele ist. Diese ganzen Mythen, viele von  denen halten sich auch heutzutage noch ziemlich
  155. 10:58stark, da ist nicht so viel dran, aber was die  Epiphyse wirklich macht und was auch wichtig ist,
  156. 11:02ist dass sie Melatonin ausschüttet und dadurch  unseren Schlaf- und Wach-Rhythmus steuert. Und
  157. 11:07das letzte große Element vom Diencephalon, vom  Zwischenhirn, ist der Thalamus. Der liegt hier
  158. 11:12quasi mehr in der Mitte, auf beiden  Seiten, ne - nicht wie die Epiphyse,
  159. 11:15gibt es den nicht nur einmal, sondern gleich  zweimal. Und der Thalamus, das ist quasi so der
  160. 11:19der Türsteher von unserem Gehirn. Also alles, was  wir irgendwie sehen, hören, schmecken oder fühlen,
  161. 11:24das will ja irgendwie zu unserer Großhirnrinde,  damit uns das ganze bewusst werden kann und damit
  162. 11:30wir bewusst damit etwas anfangen können. Aber  weil das wahnsinnig viele Informationen sind,
  163. 11:34müssen die alle erstmal durch den Thalamus durch  und der sortiert dann ordentlich aus was ins
  164. 11:38Großhirn rein kann und was nicht rein kann. Und  ohne den Thalamus kommt da nichts durch. Wenn der
  165. 11:42Thalamus aber gut gelaunt ist und die Information  durchlässt, dann geht's ins Großhirn und das ist
  166. 11:47das was ja uns Menschen auch wirklich besonders  ausmacht. Also, im Unterschied zum Hirnstamm, ist
  167. 11:52hier der Unterschied zur Maus auch ganz deutlich,  allein schon von der Größe. Und bei Menschen macht
  168. 11:57das Großhirn tatsächlich so 80 bis 85 % von der  gesamten Masse von unserem Gehirn aus. Und es
  169. 12:02ist auch der am weitesten differenzierte, also  der am weitesten und am neuesten entwickelte,
  170. 12:06Teil unseres Gehirns. Und besonders spannend davon  ist die Großhirnrinde, der Cortex. Die Tatsache,
  171. 12:11dass ihr mich gerade sehen könnt und mich hören  könnt und hoffentlich sogar versteht was ich
  172. 12:15sage - und euch vielleicht sogar etwas davon  merken könnt - für alles davon ist der Cortex
  173. 12:20essentiell. Und der ist erstmal riesig. Ne, der  überzieht hier wirklich hier das gesamte Großhirn.
  174. 12:24Aber verschiedene Bereiche haben verschiedene  Aufgaben. Und dank seiner Windungen und den
  175. 12:29Furchen von denen zumindest die ganz großen auch  eigentlich bei allen Menschen ziemlich ähnlich
  176. 12:33sind, kann man diese verschiedenen Bereiche auch  ziemlich gut, eigentlich auch schon makroskopisch,
  177. 12:37unterscheiden. Die Fachbegriffe sind dafür  vielleicht auch noch ganz nützlich. So eine
  178. 12:40Furche nennt man beim Großhirn Sulcus und so  eine Windung nennt man Gyrus. Nicht Gyros,
  179. 12:45sondern Gyrus mit U. Und so lässt sich das  Großhirn dann erstmal aufteilen in vier große
  180. 12:50Lappen. Das ist einmal der Frontallappen, dann  der Parietallappen, der Occipitallappen und der
  181. 12:55Temporallappen. Und dann gibt's das Ganze doppelt  wie ja die meisten Dinge im Gehirn. Das heißt,
  182. 12:59es gibt eine linke Hemisphäre und eine rechte  Hemisphäre. Und die sind verrückter Weise
  183. 13:03weitgehend voneinander getrennt. Aber es gibt eine  wirklich große Verbindung, das ist der Balken in
  184. 13:07der Mitte. durch den laufen etwa 200 Millionen  Nervenfasern. Und bei Menschen die eine schwere
  185. 13:14Epilepsie hatten, wurde das früher manchmal  gemacht, dass dieser Balken durchtrennt wurde.
  186. 13:17Das verrückte dabei ist, dass diese Menschen im  Alltag kaum Auffälligkeiten gezeigt haben. Also
  187. 13:21tatsächlich konnten die ziemlich gut auch  ohne diese Verbindung, ohne diesen Balken,
  188. 13:25leben. Aber bei genaueren Untersuchungen hat man  dann doch herausgefunden, dass die Verbindung
  189. 13:28natürlich wichtig ist und nicht umsonst da ist.  Es gibt da ganz verrückte Dinge, weil die Funktion
  190. 13:35der beiden Hirnhälften teilweise unterschiedlich  aufgeteilt ist. Also vieles machen sie auch
  191. 13:39jeweils identisch und verrückter Weise jeweils  für die andere Körperhälfte meistens. Aber eine
  192. 13:44Sache die z.B. nicht mehr funktioniert hat, ist  wenn diese Menschen in ihrem linken Gesichtsfeld
  193. 13:49irgendetwas gesehen haben, z.B. einen Apfel,  dann wurde diese Information so weitergeleitet,
  194. 13:55dass die letztendlich rechts im Gehirn angekommen  ist im Occipitallappen, auch unabhängig von dieser
  195. 14:00Durchtrennung von dem Balken. Dort wurde der  Apfel dann quasi erkannt als Bild. Aber die
  196. 14:04Benennung, die erfolgt in der Regel in der linken  Hirnhälfte und das hat dann nicht mehr geklappt,
  197. 14:08dass diese Information von dem Bild dann  nach links zu dem Sprachzentrum rüber kam.
  198. 14:11Das heißt die Menschen konnten diesen Apfel,  den Sie im linken Gesichtsfeld gesehen haben,
  199. 14:14dann nicht mehr benennen. Das war jetzt  schon ein bisschen ein Vorausgriff darauf,
  200. 14:17welche Funktionen an welchen Stellen so verteilt  sind im Gehirn. Gucken uns noch mal die spannenden
  201. 14:22Dinge genauer an. Wir fangen mal ganz hinten  an beim Occipitallappen, oder zu Deutsch,
  202. 14:26wenn man so will, der Hinterkopflappen. Und die  Aufgabe von dem ist ganz simpel, ganz eindeutig,
  203. 14:30der ist für's Sehen zuständig. Das ist ein  bisschen komisch konstruiert -± die Augen
  204. 14:34sind vorne und die Gehirnregion die für's Sehen  zuständig ist, ist ganz hinten. Warum das so ist,
  205. 14:39ist schwer zu sagen, aber es funktioniert. Und  die Informationen, die wir dann mit unseren Augen
  206. 14:43aufnehme,n die werden gesteuert erstmal durch  den Thalamus, durch den Türsteher, natürlich
  207. 14:47und kommen dann hinten im Occipitallappen an. Und  da sehen wir schon ein spannendes Prinzip. Denn,
  208. 14:53damit wir dann tatsächlich etwas erkennen und  einen Sinn daraus machen können, was wir sehen,
  209. 14:57ist das ein mehrstufiger Prozess der ablaufen  muss. Erstmal landet diese Information im primären
  210. 15:01visuellen Kontext wo sie weiter verarbeitet  wird. Aber das reicht noch nicht aus, sondern
  211. 15:05dann gibt es weitere Cortex-Areale, auch erstmal  noch im Occipitallappen, die sich dann sekundäre
  212. 15:10und auch weitere Assoziationskortizes nennen.  Und erst durch diese mehrstufige Verarbeitung
  213. 15:14in denen - und dann sogar noch Weiterleitung  in den Parietal- und in den Temporallappen,
  214. 15:18können wir letztendlich wirklich etwas damit  anfangen was wir sehen. Gucken wir doch direkt
  215. 15:21mal weiter zum Parietallappen. Der liegt davor  und geht nach vorne bis hin zur Zentralfurche,
  216. 15:26bis zum Sulcus centralis. Und der Parietallappen,  der ist zuständig für unsere ganze Sensibilität.
  217. 15:32Und wir kennen ja inzwischen die Logik. Auch  hier gibt es wieder einen Bereich an dem die
  218. 15:35Information als erstes ankommt. Also die sensible  Information, zum Beispiel von unserer Haut vom
  219. 15:39ganzen Körper, die kommt hier ganz vorne an,  in dem Gyrus postcentralis. Für die weitere
  220. 15:44Verarbeitung der sensiblen Information braucht  der dann auch wieder Unterstützung. Und so der
  221. 15:48hintere Bereich vom Parietallappen, der fasst die  verschiedenen Wahrnehmungen zusammen - nicht nur
  222. 15:52die Sensibilität, sondern auch das visuelle  und auch das auditive von unseren Ohren,
  223. 15:56und baut uns daraus so ein 3D-Bild, eine  Gesamtwahrnehmung von uns und von unserer
  224. 16:01Umgebung. Wenn diese Region nicht mehr  funktioniert, z.B. nach einem Schlaganfall,
  225. 16:05dann kommt es zu einem ganz verrückten Phänomen,  insbesondere wenn die rechte Seite betroffen ist,
  226. 16:09nämlich zu einem sogenannten Neglect. Und das  heißt, dass Dinge die man wahrnimmt - es kreuzt
  227. 16:15ja quasi wieder alles im Gehirn - das heißt  Dinge von der Gegenseite, die man da sieht,
  228. 16:18hört, oder fühlt, obwohl man die eigentlich noch  wahrnehmen könnte, werden die nicht mehr richtig
  229. 16:23in dieses 3D-Bild eingebaut und werden deswegen  nicht mehr richtig erkannt. Das heißt, wenn zum
  230. 16:28Beispiel jemand sich mit einem Betroffenen  unterhält und auf der linken Seite steht,
  231. 16:32dann kann es sein, dass sie den überhaupt nicht  wahrnehmen - nicht hören, nicht sehen - obwohl das
  232. 16:36eigentlich vom restlichen Gehirn her funktionieren  würde. Es kann sogar soweit gehen, dass man seine
  233. 16:40eigenen Körperteile, also zum Beispiel seinen Arm,  selbst wenn man ihn spüren kann, nicht mehr als
  234. 16:44sich selbst zugehörig empfindet. Das ist also die  Sensibilität und die Wahrnehmung. Gehen wir mal
  235. 16:49noch einen Schritt weiter nach vorne, dann kommen  wir zum Frontallappen, oder zum Stirnlappen,
  236. 16:53der hinter dieser Zentralfurche beginnt. Und  der ist für zwei verschiedene Dinge eigentlich
  237. 16:58zuständig. Erstmal vor allen Dingen für die  Motorik, die fehlt uns ja noch. Beziehungsweise
  238. 17:02macht das Kleinhirn schon vieles davon, aber  die eigentliche Planung der Motorik, die findet
  239. 17:06tatsächlich im Großhirn statt im Frontallappen.  Und dann die Feinabstimmung und Koordination im
  240. 17:09Kleinhirn. Der primäre motorische Cortex hat noch  eine spannende Gemeinsamkeit mit dem primären
  241. 17:14sensiblen Cortex den wir gerade hatten. Nämlich  sind die beide somatotop aufgebaut. Somatotop, was
  242. 17:19heißt das? Gucken wir uns noch mal das Beispiel  von dem primären sensiblen Cortex an. Da kann man,
  243. 17:24wie auch beim motorischen, quasi  so einen Homunculus drüberlegen,
  244. 17:28also so ein kleines Männchen. Und dieses  Männchen, wenn man das hier einmal drauf malt,
  245. 17:31dann zeigt uns das an welcher Stelle hier von dem  Cortex welche Stelle des Körpers wahrgenommen wird
  246. 17:36von der Oberflächensensibilität. Also das heißt,  auch hier ist nicht wieder alles irgendwie wild
  247. 17:40durcheinander, sondern alles fein geordnet. Und  zum Beispiel das Knie, das liegt hier an der
  248. 17:44Mantelkante, während die Wahrnehmung von der  Hand weiter außen ist und die Wahrnehmung vom
  249. 17:48Gesicht noch weiter unten. Und man sieht, dass  die Maße ja nicht mit dem zusammenpassen wie
  250. 17:52groß unsere Körperteile wirklich sind. Also wenn  man dieses Männchen einmal so umsetzt, dann würde
  251. 17:56das so aussehen. Und hier sieht man jetzt quasi  wie fein die Wahrnehmung in den verschiedenen
  252. 18:03Körperregionen ist. Ne, am Rücken z.B. nehmen wir  ziemlich wenig war, während unsere Hände, die sind
  253. 18:08super fein, die brauchen wir sehr genau, oder auch  unser Gesicht, da liegen viel mehr Sinneszellen
  254. 18:11und dementsprechend ist dann auch im Gehirn das  viel größer abgebildet. Das gleiche Prinzip gilt
  255. 18:16auch für den primären motorischen Cortex. Und wenn  es jetzt eine ganz kleine Schädigung, zum Beispiel
  256. 18:20einen kleinen Schlaganfall an einer Stelle gibt,  dann ist das tatsächlich auch dazu passend. Also
  257. 18:24wenn hier zum Beispiel an der Stelle wo die Hand  gesteuert wird dann ein mini-Schlaganfall ist,
  258. 18:28dann kann auch einfach nur die Hand (wieder  auf der Gegenseite) gelähmt sein. Aber ich
  259. 18:32hatte ja gesagt, der Frontalappen hat neben der  Motorik noch eine zweite Aufgabe. Und - das habe
  260. 18:38ich jetzt mehrfach gesagt... - aber da wird es  wirklich spannend! Also, der vorderste Bereich,
  261. 18:42der präfrontale Cortex, den braucht man wirklich  für Aufmerksamkeit, zum Nachdenken, zum Planen,
  262. 18:48zum Entscheidungen Treffen, und man sagt auch  dass hier quasi der Sitz der Persönlichkeit
  263. 18:52ist. Es gibt eine richtig berühmte Geschichte,  wie man das erste Mal darauf gekommen ist, dass
  264. 18:55diese Funktionen dort lokalisiert sein könnten.  Das ist die Geschichte von Phineas Gage. Der war
  265. 19:00Arbeiter bei einer Eisenbahngesellschaft  und bei einem Unfall bei einer Sprengung,
  266. 19:04da ist ganz unglücklich eine Eisenstange durch  sein Schädel hindurch geschossen, unten unter
  267. 19:10das linke Auge rein und dann oben aus dem Kopf  wieder raus und hat dabei seinen präfrontal Cortex
  268. 19:14zerstört oder zumindest teilweise kaputt gemacht.  Und das verrückte war, das Phineas Gage diesen
  269. 19:20Unfall überlebt hat und sogar die ganze Zeit dabei  bei Bewusstsein war und darüber berichten konnte.
  270. 19:24Und hinterher, noch verrückter quasi, eigentlich  keine erkennbaren Schädigung erstmal hatte. Ne,
  271. 19:30wir wissen ja jetzt, dass quasi die Motorik und  die Sensorik und auch das Sehen weiter hinten
  272. 19:35angesiedelt sind. Und diese Bereiche hat es nicht  verletzt. Das heißt, er konnte alles ganz normal
  273. 19:38spüren und bewegen. Aber, was dann relativ  schnell doch seine Freunde und Verwandten und
  274. 19:43Mitarbeiter festgestellt haben, war, dass er  von der Persönlichkeit einfach verändert war,
  275. 19:48dass er nicht mehr der gleiche Phineas Gage war,  wie sie ihn kannten. Früher war er wohl sehr
  276. 19:52ruhig und zuverlässig und dann sei er sehr viel  impulsiver und unzuverlässiger geworden. Also,
  277. 19:57wirklich eine total verrückte Geschichte. Aber  die illustriert auch sehr gut wie man früher Dinge
  278. 20:01übers Gehirn hat hauptsächlich herausgefunden  hat, nämlich einfach zufällig dadurch, dass es
  279. 20:05irgendwelche Unfälle gab und man dann feststellen  konnte wo das Gehirn geschädigt war und was dann
  280. 20:10nicht mehr funktioniert hat. So funktioniert  das heute auch noch teilweise, also z.B konnte
  281. 20:15ich auf der Schlaganfallstation eindrücklich  sehen, wenn man das CT oder das MRT vom Kopf
  282. 20:19des Patienten sieht, da sehr genau sehen kann,  an welcher Stelle die Schädigung ist und dann die
  283. 20:24Patienten auch selber sieht und untersuchen kann  und feststellt an welcher Stelle sie zum Beispiel
  284. 20:28etwas nicht mehr bewegen können oder nicht mehr  spüren können. Aber zum Glück gibt es auch heute
  285. 20:31in der Hirnforschung andere Möglichkeiten, nämlich  das funktionelle MRT (fMRT) wo man ganz ohne
  286. 20:36Schädigung quasi live mitverfolgen kann welche  Regionen des Gehirns mehr Energie verbrauchen,
  287. 20:40also gerade stärker arbeiten, während man den  untersuchten Leuten irgendwelche Aufgaben gibt.
  288. 20:44Hier zum Beispiel ein Bild davon - die Person die  da untersucht wurde, die musste mit den Fingern
  289. 20:48tippen, also die Finger bewegen. Und jetzt  können wir unsere Kenntnisse noch mal testen.
  290. 20:51Die Region die hier so rot gelb aufleuchtet, die  ist hauptsächlich im Gyrus praecentralis, also da
  291. 20:56wo die Motorik gesteuert wird. Und, wenn wir den  Homunculus hier noch mal drüberlegen, dann passt
  292. 21:01es sogar ziemlich genau, dass die Stelle rot-gelb  aufleuchtet an der die Hand gesteuert wird. Also,
  293. 21:06das ist ein wahnsinniger Fortschritt von der  Forschung. Und hier funktioniert das auch super
  294. 21:11gut. Das Verrückte dabei ist, dass es selten  so simpel ist wie an dieser Stelle sondern dass
  295. 21:16man meistens auch dabei eher herausfindet,  dass die Dinge komplizierter sind als man
  296. 21:20sie früher dachte und an vielen Funktionen  doch mehrere Gehirnregionen einfach in der
  297. 21:24Zusammenarbeit beteiligt sind. Aber diese großen  Einteilungen die wir jetzt durchgegangen sind,
  298. 21:28die passen ziemlich gut. Es fehlt uns aber noch  ein letzter Lappen und zwar der Temporallappen,
  299. 21:32der hier an der Seite liegt. Oder zu deutsch ist  es der Schläfenlappen. Der hat zum Occipital- und
  300. 21:36zum Parietallappen hin keine so richtig scharfe  Abgrenzung, aber zum Frontallappen ist er durch
  301. 21:40diese riesige Furche hier, den sogenannten Sulcus  lateralis, abgetrennt. Und der Temporallappen,
  302. 21:45bei dem ist die Funktion ein bisschen weniger  eindeutig. Ne, wir hatten ja vorher Sehen,
  303. 21:49Fühlen, Motorik und dann so Persönlichkeit und die  ganzen ganz komplexen Sachen. Der Temporallappen,
  304. 21:54der ist eher multimodal. Also, der macht viele  Sachen, unter anderem das Riechen, das Hören,
  305. 21:58auch noch viele Funktionen fürs Verstehen und  für das visuelle Erkennen von Gegenständen.
  306. 22:03Und dann ganz entscheidend auch das Gedächtnis  oder die Gedächtnisbildung. Dafür gucken wir
  307. 22:07das Gehirn noch einmal von unten an. Und  dann sehen wir hier diesen kleinen Haken,
  308. 22:11der nennt sich Uncus. In diesem Uncus, da liegt  oberflächlich die Riechrinde, und da drunter,
  309. 22:15da wird's noch spannender, da steckt die Amygdala.  Die ist ja so für für die emotionale Einfärbung
  310. 22:21von unseren Wahrnehmungen und auch von unseren  Erinnerungen zuständig. Allerdings ist sie eher
  311. 22:26diejenige, die die Dinge negativ einfärbt.  Außerdem ist sie Teil vom limbischen System.
  312. 22:30Da gehören noch verschiedene andere Dinge zu.  Eine ganz entscheidende Sache die dazu gehört
  313. 22:35ist der Hippocampus. Der versteckt sich direkt  hier daneben im Gyrus parahippocampalis - ganz
  314. 22:40schöner Zungenbrecher... das habe ich jetzt  heimlich zehn mal aufgenommen, aber schneide
  315. 22:43ich alles raus - aber da steckt der Hippocampus  drin und der ist auch super spannend. Der ist ganz
  316. 22:48entscheidend für das Bilden und das Abrufen  von Erinnerungen. Die Langzeiterinnerungen,
  317. 22:53die sind nicht im Hippocampus selber  abgespeichert, sondern eher im Cortex. Aber
  318. 22:56ohne den Hippocampus kriegen wir die Dinge nicht  gespeichert und kriegen sie auch nicht wieder
  319. 23:00abgerufen. Die Übertragung von Erinnerungen  aus dem Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis,
  320. 23:04die findet vor allem im Schlaf statt. Das heißt,  ich wünsche euch heute wirklich guten Schlaf,
  321. 23:08damit ihr euch möglichst viele von diesen  Dingen über's Gehirn merken könnt. Wenn ihr
  322. 23:12bis zum Schlafen aber noch ein bisschen Zeit  habt, dann habe ich eine Playlist für euch
  323. 23:15gebastelt mit weiteren Videos zu den einzelnen  Hirnregionen, die findet ihr hier. Vielen
  324. 23:20Dank fürs Gucken auf jeden Fall, ich hoffe wir  sehen uns in einem der nächsten Videos! Tschau.

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