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Umstrittenes Imperium: Wie wurden die USA so einflussreich? | ZDFinfo Doku — Transcript

by ZDFinfo Dokus & Reportagen · 4,383 words · 938 segments · language en · Watch on YouTube

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  1. 0:00[Musik]
  2. 0:03Die Vereinigten Staaten von Amerika.
  3. 0:07Wie sind sie zur Weltmacht aufgestiegen?
  4. 0:12Ein Land zwischen zwei Ozeanen
  5. 0:17mit gemäßigtem Klima, fruchtbaren Böden
  6. 0:20und riesigen Rohstoffvorkommen.
  7. 0:24Die Landkarten zeigen, was möglich ist,
  8. 0:26was schwierig ist und was unmöglich ist.
  9. 0:30Unzählige Flüsse und Seen durchziehen
  10. 0:33das Land. Ideal für Handel und den
  11. 0:35Transport von Menschen und Ideen.
  12. 0:39Perfekt, um eine Supermacht zu werden.
  13. 0:43In den Great Planes gedeih Weizen und
  14. 0:45Mais. Grundlage für eine blühende
  15. 0:48Landwirtschaft. Kohle und Eisen treiben
  16. 0:50die Industrialisierung voran und Gold
  17. 0:53finanziert den Ausbau der Eisenbahn.
  18. 0:56Eine Geographie, die zu Reichtum und
  19. 0:58Macht führt, aber auch zu Konflikten.
  20. 1:04[Musik]
  21. 1:17White Sands.
  22. 1:19Hier sollen sich die Fußabdrücke der
  23. 1:21ersten Siedler in Amerika befinden.
  24. 1:25Vor Jahrtausenden konserviert der hohe
  25. 1:27Gipsanteil im Schlamm eines Seeufers die
  26. 1:29Abdrücke.
  27. 1:32Gefunden werden die Spuren in New Mexico
  28. 1:35im Süden der heutigen USA.
  29. 1:39Doch wie gelangen Menschen damals auf
  30. 1:41den Kontinent?
  31. 1:46[Musik]
  32. 1:51Wo heute die Beringstraße Nordamerika
  33. 1:54und Russland trennt, sinkt während der
  34. 1:56Eiszeit der Meeresspiegel.
  35. 2:01Eine Landbrücke entsteht, Beringia.
  36. 2:07Nach bisherigen Theorien wandern
  37. 2:09Menschen aus Asien über diese Landbrücke
  38. 2:11nach Osten.
  39. 2:18Doch weil große Gletscherschilde in
  40. 2:20Kanada das Weiterkommen verhindern,
  41. 2:22gelangen sie erst am Ende der letzten
  42. 2:24Eiszeit vor etwa 11500 Jahren weiter
  43. 2:28nach Süden.
  44. 2:33Die Fußabdrücke von White Sands in New
  45. 2:35Mexico erzählen eine andere Geschichte.
  46. 2:38Radiocarbonmessungen
  47. 2:40eingeschlossener Pflanzensamen ergeben
  48. 2:43ein Alter von etwa 23 000 Jahren. Nach
  49. 2:47der bisherigen Theorie wäre eine
  50. 2:49Besiedlung Amerikas über die
  51. 2:51Beringstraße zu dieser Zeit noch gar
  52. 2:53nicht möglich.
  53. 2:57Wir können definitiv sagen, dass hier in
  54. 2:59White Sense während des letzten
  55. 3:00Höhepunkts der Eiszeit Menschen gelebt
  56. 3:02haben. Das wäre älter als alles, was
  57. 3:05bisher in Nord und Südamerika
  58. 3:07nachgewiesen wurde.
  59. 3:09Die Forscher entdecken über 400
  60. 3:12menschliche Fußabdrücke, darunter
  61. 3:14mehrere Spuren von Kindern.
  62. 3:18Die Abdrücke geben einen Einblick in
  63. 3:20eine Zeit, in der sich unsere Vorfahren
  64. 3:23den Kontinent noch mit riesigen
  65. 3:24Säugetieren teilen. Darunter Mammuts und
  66. 3:28Riesenfaultiere,
  67. 3:29so groß wie Elefanten.
  68. 3:38Der Schlamm, durch den Menschen und
  69. 3:39Tiere gingen, trocknete schnell, weshalb
  70. 3:42die Forscher vermuten, dass die
  71. 3:44Fußabdrücke in kurzer Zeit entstanden.
  72. 3:51So öffnet White Sands ein Fenster in den
  73. 3:54prähistorischen Alltag.
  74. 4:00Man kann sehen, wie eine Mutter ihr Kind
  75. 4:02hochhebt, wie sie es absetzt, wie
  76. 4:04verschiedene Tiere miteinander
  77. 4:05interagieren oder wo Kinder miteinander
  78. 4:08spielen. Das sind ganz unglaubliche
  79. 4:10Szenen, die man sich hier vorstellen
  80. 4:12kann. Man schaut sich das an und es wird
  81. 4:14lebendig.
  82. 4:19[Musik]
  83. 4:22Wie die Menschen nach Whitesense
  84. 4:24gekommen sind, ist nicht eindeutig
  85. 4:26geklärt.
  86. 4:27Theorien zufolge könnten sie mit Kanus
  87. 4:30entlang der eisfreien Westküste oder
  88. 4:33über das offene Meer gefahren sein.
  89. 4:36Fest steht, lange bevor die Europäer im
  90. 4:3915. Jahrhundert Nordamerika erreichen,
  91. 4:42ist der Kontinent besiedelt.
  92. 4:45Schätzungen zufolge von bis zu 18
  93. 4:47Millionen Menschen, organisiert in
  94. 4:50Hunderten von Stammesverbänden.
  95. 4:53Amerikas Ressourcenreichtum bringt schon
  96. 4:56seit Jahrtausenden Kulturen hervor.
  97. 5:01Auf der Suche nach einem Seeweg nach
  98. 5:03Indien treffen Christoph Columbus und
  99. 5:06seine Mannschaft am 12. Oktober 1492
  100. 5:09auf diese Menschen.
  101. 5:12Zurück in der Heimat berichten die
  102. 5:14Seefahrer von einem blühenden Land, das
  103. 5:16nur darauf warte, in Besitz genommen zu
  104. 5:18werden.
  105. 5:21Es werden Ansprüche erhoben über Gebiet,
  106. 5:23von der dessen Erstreckung eigentlich
  107. 5:24noch gar nicht so ganz bekannt ist. Äh,
  108. 5:27die wissen eigentlich gar nicht, wie
  109. 5:28groß das Land ist, in dem sie da
  110. 5:30agieren.
  111. 5:31Karten werden zum entscheidenden
  112. 5:33Herrschaftsinstrument,
  113. 5:34denn was kartiert ist, lässt sich
  114. 5:36erobern und kontrollieren.
  115. 5:39So sichert sich Spanien, das heutige
  116. 5:42Florida und den Südwesten und gründet
  117. 5:441565
  118. 5:46mit St. Augustine die älteste
  119. 5:48europäische Siedlung der USA.
  120. 5:52Frankreich beansprucht das Mississippi
  121. 5:54Becken und Kanada. England, Teile der
  122. 5:57Ostküste.
  123. 6:00Amerika lockt die Europäer nicht nur mit
  124. 6:02fruchtbarem Ackerland. Riesige
  125. 6:05Waldgebiete versprechen auch Gewinne aus
  126. 6:07dem Handel mit Pelzen und Holz und
  127. 6:10Schutz vor Verfolgung.
  128. 6:14Im Jahr 1620 wagen rund 100 englische
  129. 6:17Pilgerväter an Bord der Mayflower die
  130. 6:20Reise über den Atlantik. ihr Wunsch,
  131. 6:23ihren puritanischen Glauben ungehindert
  132. 6:26ausüben zu können.
  133. 6:29Damit begründen Sie den Kern des
  134. 6:31amerikanischen Selbstverständnisses,
  135. 6:34eine Nation freier und gleicher Bürger.
  136. 6:38[Musik]
  137. 6:44Doch das Überleben gelingt nur mit Hilfe
  138. 6:46der Ureinwohner.
  139. 6:48Sie bringen den Siedlern
  140. 6:49landwirtschaftliche Techniken bei und
  141. 6:51wie sie sich in der neuen Heimat
  142. 6:53zurechtfinden.
  143. 6:56Im Herbst 1621
  144. 6:58feiern die Pilgerväter gemeinsam mit dem
  145. 7:00Stamm der Wampenog angeblich das erste
  146. 7:03Thanksgiving, das traditionelle
  147. 7:05Ernteedankfest.
  148. 7:07Doch der Frieden hält nicht lange, schon
  149. 7:09bald kommt es zu Konflikten und zur
  150. 7:11Vertreibung der indigenen Bevölkerung
  151. 7:14aus den Kolonien.
  152. 7:16[Musik]
  153. 7:20Ein weiteres dunkles Kapitel Amerikas
  154. 7:23beginnt mit der Ankunft afrikanischer
  155. 7:25Sklaven im 16. Jahrhundert. Ab dem 17.
  156. 7:29Jahrhundert werden sie in den britischen
  157. 7:31Gebieten als Arbeitskräfte auf Plantagen
  158. 7:33ausgebeutet.
  159. 7:35Wirtschaftliche Grundlage dafür ist der
  160. 7:38atlantische Dreieckshandel zwischen
  161. 7:40Europa, Afrika und Amerika.
  162. 7:43Europäische Schiffe steuern zunächst die
  163. 7:45westafrikanische Küste an. Dort werden
  164. 7:48Fertigwaren, wie Waffen und Textilien
  165. 7:50gegen afrikanische Sklaven getauscht.
  166. 7:53Bis ins 19. Jahrhundert werden so bis zu
  167. 7:5612,5 Millionen Afrikanerinnen und
  168. 7:59Afrikaner aus ihrer Heimat verschleppt.
  169. 8:02Sie landen auf den Plantagen der neuen
  170. 8:04Welt und müssen unter unmenschlichen
  171. 8:06Bedingungen die Güter produzieren, die
  172. 8:08der europäische Markt verlangt. Zucker,
  173. 8:11Indigo und Tabak. Später vor allem
  174. 8:13Baumwolle.
  175. 8:16Bei der Sklaverei ging es nicht um
  176. 8:18billige Arbeit, sondern um unbezahlte
  177. 8:21Arbeit. Ein Unterschied, der den Profit
  178. 8:24enorm steigerte. Die Europäer streben
  179. 8:27nach immer mehr Land und Ressourcen auf
  180. 8:29Kosten von Sklaven und Indigenen.
  181. 8:33[Musik]
  182. 8:35Um die Beziehungen zu den Ureinwohnern
  183. 8:37zu stabilisieren, begrenzt König George
  184. 8:40II 1763
  185. 8:42die britischen Kolonien schließlich auf
  186. 8:44die Ostküste.
  187. 8:47Die Idee war, dass europäische Siedlung
  188. 8:50oder dass der Siedlungsprozess
  189. 8:51eigentlich östlich der Apalachen sich
  190. 8:53erstmal konzentriert. dass das Gebiet
  191. 8:56westlich der Apalachen eigentlich als
  192. 8:58ein großes Indianer Reservat gesichert
  193. 9:00wird und dass der englische König als
  194. 9:02der große weiße Vater in London und
  195. 9:04nicht in Washington äh eben äh praktisch
  196. 9:06in auch dafür sorgt, dass die Indianer
  197. 9:08dort überleben können. Ähm, aber das ist
  198. 9:11ja eine der Ursachen für die
  199. 9:12amerikanische Revolution,
  200. 9:14weil eben die amerikanischen Siedler
  201. 9:17längst schon jenseits der Apalachen A
  202. 9:19gesiedelt haben und noch viel wichtiger
  203. 9:21Land gekauft hatten, dass sie dann in
  204. 9:23Zukunft äh weiter verkaufen wollten.
  205. 9:26Die britischen Siedler wollen sich in
  206. 9:28ihrer Handelsfreiheit nicht beschneiden
  207. 9:30lassen. Weitere Einschränkungen ihrer
  208. 9:33Rechte führen 1775
  209. 9:35schließlich zur amerikanischen
  210. 9:37Revolution.
  211. 9:39Im darauffolgenden Jahr erklären die 13
  212. 9:41Kolonien ihre Unabhängigkeit.
  213. 9:44Es ist die Geburtsstunde der Vereinigten
  214. 9:46Staaten von Amerika. Nach dem Ende des
  215. 9:49Unabhängigkeitskrieges 1783
  216. 9:52steht die junge Nation vor großen
  217. 9:55Herausforderungen,
  218. 9:56vor allem bei der Erschließung neuer
  219. 9:58Gebiete im Westen.
  220. 10:01Ende des 18. Jahrhunderts gibt es noch
  221. 10:03andere Großmächte auf dem Kontinent. So
  222. 10:06fließt der Mississippi etwa durch
  223. 10:08französisches Gebiet.
  224. 10:11[Musik]
  225. 10:13Mississippi, Missouri, Ohio und Arkansa
  226. 10:16River. Das weit verzweigte Wassernetz,
  227. 10:18gilt als Lebensader der USA. Das
  228. 10:22Besondere, die Flüsse fließen ruhig,
  229. 10:24ideal für Schiffaht, Transport und
  230. 10:27Handel.
  231. 10:29Rund 90 Tage braucht das Wasser des
  232. 10:30Mississippi von seiner Quelle in
  233. 10:32Minnesota im Norden bis zum Golf von
  234. 10:35Mexiko.
  235. 10:36Auf 3700 km verbindet sein Flusssystem
  236. 10:41heute zehn Bundesstaaten.
  237. 10:48Schon lange bevor die Europäer nach
  238. 10:50Amerika kommen, nutzen Ureinwohner diese
  239. 10:52Wasserwege.
  240. 10:54Wo heute St. Leis am Mississippi liegt,
  241. 10:57entsteht vor mehr als 1000 Jahren die
  242. 10:59erste Großstadt Nordamerikas,
  243. 11:02Kahakia.
  244. 11:03Gigantische Erdhügel, sogenannte Mouns,
  245. 11:06sind als stumme Zeugen erhalten
  246. 11:08geblieben.
  247. 11:11Die Erdhügel von Kahokia gelten als
  248. 11:13erste Stadt Amerikas, weil sie
  249. 11:16urbanisiert war mit einer großen
  250. 11:17Bevölkerung.
  251. 11:19Mit etwa 20.000 Einwohnern war sie sogar
  252. 11:22größer als London oder Paris zu dieser
  253. 11:25Zeit. Die Archäologin Angela Cooper
  254. 11:28erforscht die Überreste der
  255. 11:30untergegangenen Stadt seit mehreren
  256. 11:32Jahren. Ihre Erkenntnis: Die Lage ist
  257. 11:35ideal für eine stetig wachsende
  258. 11:37Bevölkerung.
  259. 11:40Fisch und Wild bieten ausreichend
  260. 11:42Nahrung. Mit Holz und Präiegras werden
  261. 11:44Häuser gebaut.
  262. 11:48Die Flusssedimente begünstigen den Anbau
  263. 11:50von Mais, Bohnen und Kürbissen. Doch der
  264. 11:54Mississippi dient auch als Transportweg
  265. 11:56und hilft den Einflussbereich Kahokias
  266. 11:59auszudehnen.
  267. 12:04Wir bezeichnen die Wasserstraßen
  268. 12:06manchmal als ihre Autobahnen.
  269. 12:09Sie nutzen den Mississippi, seine
  270. 12:11Nebenflüsse und Wasserläufe, um sich zu
  271. 12:14verbinden oder unterwegs zu treffen.
  272. 12:20Auch für die USA wird der Fluss zum
  273. 12:22entscheidenden Faktor auf dem Weg zur
  274. 12:24Supermacht. Denn wer den Mississippi
  275. 12:26beherrscht, kontrolliert auch den Handel
  276. 12:29in Nordamerika.
  277. 12:31Rund 500 Millionen Tonnen Güter werden
  278. 12:34jährlich auf den Fluss transportiert.
  279. 12:40Anfang des 19. Jahrhunderts allerdings
  280. 12:42versperrt der Mississippi den jungen USA
  281. 12:45noch den Zugang zu neuen
  282. 12:46Siedlungsgebieten im Westen.
  283. 12:51Erst ein außergewöhnlicher Deal ebnet
  284. 12:54den Weg.
  285. 12:56[Musik]
  286. 12:58Am 30. April 1803 trifft sich eine
  287. 13:01amerikanische Delegation in Paris mit
  288. 13:04einem Minister des französischen
  289. 13:05Herrschers Napoleon Bonapard.
  290. 13:07[Musik]
  291. 13:08Eigentlich wollen sie sich New Orleans
  292. 13:10und damit den Zugang zum Atlantikhandel
  293. 13:13sichern.
  294. 13:14Doch Napoleon möchte gleich den gesamten
  295. 13:17französischen Besitz in Nordamerika
  296. 13:19verkaufen, um seine Kriege in Europa zu
  297. 13:22finanzieren.
  298. 13:24Die USA willigen ein und schließen mit
  299. 13:26dem Louisiana Purchase den größten
  300. 13:29Landkauf der Geschichte ab für nur 15
  301. 13:32Millionen Dollar.
  302. 13:35Und damit verdoppeln die USA 180 ihr ihr
  303. 13:38Territorium
  304. 13:40praktisch über Nacht. Aber was genau da
  305. 13:42verkauft worden ist, wusste weder
  306. 13:43Napoleon noch noch die amerikanische
  307. 13:46Regierung in Washington.
  308. 13:48Das neue Gebiet erstreckt sich vom Golf
  309. 13:50von Mexiko bis zu den großen Seen im
  310. 13:53Nordosten und den Rocky Mountains im
  311. 13:55Westen.
  312. 13:57Es ist der Startpunkt für die weitere
  313. 13:59Eroberung des Kontinents.
  314. 14:08folgt eine beispiellose
  315. 14:09Wanderungsbewegung, die immer mehr
  316. 14:11Siedler in die Great Planes, die großen
  317. 14:14Ebenen führt.
  318. 14:17[Musik]
  319. 14:20Diese Präandschaft erstreckt sich
  320. 14:22zwischen den Apalachen und den Rocky
  321. 14:25Mountains auf rund 2,9 Millionen
  322. 14:27Quadratkilometern.
  323. 14:29Eine Fläche, fast acht mal so groß wie
  324. 14:32Deutschland.
  325. 14:42Mit ihrer Reise zur Pazifikküste
  326. 14:44beginnen die Entdecker Leis und Clark
  327. 14:47hier 1804 die erste amerikanische
  328. 14:50Überlandexpedition.
  329. 14:52Dabei reicht die Geschichte der Region
  330. 14:54noch viel weiter in die Vergangenheit
  331. 14:56zurück.
  332. 15:00Einst von einem tropischen Flachmeer
  333. 15:02bedeckt, zieht sich das Wasser vor fast
  334. 15:0570 Millionen Jahren von den Great Planes
  335. 15:07zurück.
  336. 15:09Tektonik und Sedimentablagerungen
  337. 15:11hinterlassen ein flaches, fruchtbares
  338. 15:13Plateau.
  339. 15:15[Musik]
  340. 15:20Darunter verbirgt sich der Ogelala
  341. 15:22Aquifer, einer der größten
  342. 15:24Grundwasserspeicher der Erde.
  343. 15:27Das riesige Reservoir erstreckt sich
  344. 15:29über acht Bundesstaaten und entsteht vor
  345. 15:31rund 20 Millionen Jahren als Folge der
  346. 15:34Erosion der Rocky Mountains.
  347. 15:42[Musik]
  348. 15:45Fast ein Drittel des Wassers für die
  349. 15:48amerikanische Landwirtschaft stammt von
  350. 15:50hier. Doch die kostbare Ressource ist
  351. 15:53bedroht.
  352. 15:57Die intensive Landwirtschaft beansprucht
  353. 15:59den Olala Aquifer heute mehr denn je.
  354. 16:12Der 100. Längengrad teilt die Region. Im
  355. 16:15Osten ermöglichen hohe Niederschläge den
  356. 16:17Anbau von Weizen, Mais und Soja. Im
  357. 16:20trockenen Westen dominiert die
  358. 16:22Rinderzucht. Bereits Ende des 19.
  359. 16:25Jahrhunderts lockt der Homestad Act
  360. 16:27zahlreiche Siedler in die Region. Er
  361. 16:30verspricht jedem Landflächen, der sie
  362. 16:32bewirtschaften kann.
  363. 16:34Im 18. Jahrhundert entwickelt sich der
  364. 16:36amerikanische Traum eigentlich als ein
  365. 16:38agrarischer Traum, der darin kulminiert,
  366. 16:40dass ein europäischer Siedler durch
  367. 16:43seine eigene Hände Arbeit äh am Ende ein
  368. 16:46Stück Land erwirbt und das Land als
  369. 16:48Eigentümer bearbeitet.
  370. 16:50Noch heute bilden die Great Planes das
  371. 16:53Rückgrad amerikanischen Viehwirtschaft.
  372. 16:56Knapp die Hälfte aller Rinder und Schafe
  373. 16:58in den USA werden hier gezüchtet.
  374. 17:02Besonders der Anbau von Weizen macht die
  375. 17:05Region aber auch zur Kornkammer
  376. 17:07Amerikas.
  377. 17:08Jährlich produzieren Farmbetriebe hier
  378. 17:11bis zu 50% der amerikanischen
  379. 17:13Gesamtproduktion.
  380. 17:16Längst sichern die schier endlosen
  381. 17:18Felder die Ernährung von über 340
  382. 17:21Millionen US-Bürgern.
  383. 17:27Doch die Geographie der Region hat auch
  384. 17:29eine Schattenseite.
  385. 17:31Regelmäßig ziehen Wirbelstürme durch die
  386. 17:34sogenannte Tornado Alley. Dabei
  387. 17:37vernichten sie Ernten und verwüsten
  388. 17:40ganze Landstriche.
  389. 17:50Verantwortlich dafür sind die Apalachen
  390. 17:53und die Rocky Mountains, die eine
  391. 17:55Wetterscheide bilden.
  392. 17:58Zwischen ihnen treffen feuchtwarme
  393. 18:00Luftmassen vom Golf von Mexiko auf kalte
  394. 18:03Luft aus dem Norden. Das führt zu
  395. 18:06unbeständigem Wetter und Gewittern.
  396. 18:18Wenn die Gewitter in vertikale
  397. 18:20Luftströmungen geraten, können sie sich
  398. 18:22zu Superzellen entwickeln und daraus
  399. 18:24entsteht dann manchmal ein Tornado.
  400. 18:29Ein besseres Frühwarnsystem für
  401. 18:31Wirbelstürme soll in Zukunft
  402. 18:33Menschenleben retten und die Erträge der
  403. 18:36Landwirtschaft.
  404. 18:38Rund 1000 Tornados feggen während der
  405. 18:41Tornado Saison von Anfang März bis Mai
  406. 18:43über die Great Planes.
  407. 18:52Anfang November 1805 erreichen Leis und
  408. 18:55Clark in Oregon dem pazifischen Ozean
  409. 18:59und damit die natürliche Westgrenze
  410. 19:02Nordamerikas.
  411. 19:08Weiter südlich annektieren die USA rund
  412. 19:1140 Jahre später Texas und führen
  413. 19:14schließlich Krieg gegen den Nachbarn
  414. 19:16Mexiko.
  415. 19:22Nach dem Sieg 1848
  416. 19:24gewinnen sie zahlreiche neue Gebiete
  417. 19:26hinzu, darunter Nevada, Uta, Teile von
  418. 19:30Arizona, New Mexico, Colorado, Wyoming
  419. 19:34und Californien.
  420. 19:40[Musik]
  421. 19:44Sie überwandten die Rocky Mountains und
  422. 19:45wurden eine Großmacht mit Zugang zu zwei
  423. 19:47Ozeanen. Sie konnten sich entfalten und
  424. 19:50zeigen, wie groß und reich sie waren und
  425. 19:53wie sicher.
  426. 19:54[Musik]
  427. 19:58Im selben Jahr macht ein Glücksfund die
  428. 20:00USA über Nacht zum modernen Eldorado.
  429. 20:03[Musik]
  430. 20:07In Nordkalifornien stößt der Arbeiter
  431. 20:09James Marshall 1848
  432. 20:12auf Gold.
  433. 20:16[Musik]
  434. 20:22Die Nachricht verbreitet sich wie ein
  435. 20:24Lauffeuer. Der kalifornische Goldrausch
  436. 20:27beginnt.
  437. 20:30Auf der Suche nach dem kostbaren
  438. 20:32Edelmetall zieht es bald tausende
  439. 20:34Glücksritter in den wilden Westen.
  440. 20:42[Musik]
  441. 20:45Rund um die Goldvorkommen schießen
  442. 20:47Siedlungen und Städte aus dem Boden. San
  443. 20:49Francisco entwickelt sich innerhalb
  444. 20:51kurzer Zeit zur Metropole.
  445. 20:54Gleichzeitig treibt das geförderte Gold
  446. 20:56die Industrialisierung im ganzen Land
  447. 20:59voran und ermöglicht so den Bau der
  448. 21:01Eisenbahn.
  449. 21:04Seit den 1830er Jahren werden vor allem
  450. 21:07an der Ostküste Schienen verlegt. Doch
  451. 21:09nun soll die erste transkontinentale
  452. 21:12Verbindung entstehen. Das Kernstück
  453. 21:14bildet die über 3000 km lange First
  454. 21:17Transcontinental Railroad zwischen Omaha
  455. 21:20in Nebraska und Kaliforniens Hauptstadt
  456. 21:23Sacramento.
  457. 21:251869
  458. 21:27eröffnet und an das bestehende
  459. 21:29Schienennetz angeschlossen, gibt es nun
  460. 21:31endlich eine durchgehende Bahnverbindung
  461. 21:34zwischen Ost und Westküste.
  462. 21:41Tausende von Arbeitern, darunter viele
  463. 21:43Einwanderer aus China und Osteuropa sind
  464. 21:46daran beteiligt.
  465. 21:48Sie treiben die Schienen durch Ebenen,
  466. 21:50Wüsten und Gebirge.
  467. 21:54Doch der Ausbau hat seinen Preis. Die
  468. 21:57Ureinwohner Amerikas verlieren weitere
  469. 22:00Teile ihrer Heimat.
  470. 22:03Durch Krankheiten, Gewalt und
  471. 22:05Vertreibung werden sie im Laufe von nur
  472. 22:07200 Jahren auf einen Bruchteil ihrer
  473. 22:10ursprünglichen Zahl reduziert.
  474. 22:15Ein weiteres dunkles Kapitel der
  475. 22:17Geschichte schreiben die USA mit der
  476. 22:19Sklaverei.
  477. 22:28Mitte des 19. Jahrhunderts ist die
  478. 22:31Nation tief gespalten.
  479. 22:33Die sogenannte Mason Dixon Linie teilt
  480. 22:36die USA.
  481. 22:38Im Norden floriert die Industrie, im
  482. 22:41Süden werden Sklaven in der
  483. 22:43Plantagenwirtschaft ausgebeutet.
  484. 22:49Der Umfang und die Bedeutung des Anbaus
  485. 22:52von Nutzpflanzen wie Tabak, Zucker und
  486. 22:55Indigo waren die Grundpfeiler der
  487. 22:57Wirtschaft im Süden,
  488. 23:01auch weil diese Staaten größer und das
  489. 23:03Klima wärmer war.
  490. 23:07Das verschaffte den Farm und
  491. 23:09Grundbesitzern
  492. 23:11einen Vorteil.
  493. 23:16Die Sklavenarbeit ist zum wichtigsten
  494. 23:18Wirtschaftsfaktor in den USA geworden.
  495. 23:21Ihr Wert übersteigt die Summe aller
  496. 23:24Investitionen in Eisenbahnen, Fabriken
  497. 23:27und Banken.
  498. 23:28Der Preis: Eine ganze Bevölkerungsgruppe
  499. 23:31wird ihrer Menschenrechte beraubt und
  500. 23:34systematisch ausgebeutet.
  501. 23:38[Musik]
  502. 23:45Es ist schwierig von einer großartigen
  503. 23:47Nation zu sprechen,
  504. 23:50wenn ihre Wurzeln in Rassismus, Gewalt,
  505. 23:53Ausbeutung und Unterdrückung liegen.
  506. 23:591860 leben in den Südstaaten der USA
  507. 24:03fast 4 Millionen Sklavinnen und Sklaven.
  508. 24:10[Musik]
  509. 24:16In diesem Jahr setzt sich der
  510. 24:18republikanische Präsidentschaftskandidat
  511. 24:20Abraham Lincoln für ein Ende der
  512. 24:22Sklaverei ein und wird mit großer
  513. 24:25Mehrheit gewählt.
  514. 24:29Sieben Südstaaten sehen nach der Wahl
  515. 24:32ihre wirtschaftliche Existenz bedroht
  516. 24:34und treten aus der Union mit dem Norden
  517. 24:36aus.
  518. 24:38Nach dem Beginn des Bürgerkriegs folgen
  519. 24:40vier weitere.
  520. 24:43Über vier Jahre tobt der Konflikt. Mehr
  521. 24:46als eine halbe Million Menschen finden
  522. 24:49den Tod.
  523. 24:50Es ist ein Krieg, der zum ersten Mal so
  524. 24:52Züge eines modernen industriellen
  525. 24:54Krieges zeigt, der destruktiv ist wie
  526. 24:56kaum ein Krieg zuvor.
  527. 24:59Und von Lincens Perspektive aus beginnt
  528. 25:01dieser Krieg als ein Krieg zur Erhaltung
  529. 25:04der Union, um die Sezzession der
  530. 25:06Südstaaten rückgängig zu machen. Er wird
  531. 25:08dann aber einen Krieg zur Abschaffung
  532. 25:10der Sklaverei.
  533. 25:121865
  534. 25:14endet der Krieg. Die Sklaverei wird
  535. 25:16offiziell abgeschafft.
  536. 25:21Doch die systematische Diskriminierung
  537. 25:23der Schwarzen geht weiter. Im Süden
  538. 25:26folgt auf die Sklaverei die
  539. 25:28Rassentrennung.
  540. 25:30Bis zum Civil Rights Act von 1964
  541. 25:34gibt es dort getrennte Schulen und
  542. 25:36Restaurants, sogar Toiletten und
  543. 25:39Wasserspender.
  544. 25:41Ein Erbe, das sich bis heute in den
  545. 25:43Köpfen fortsetzt.
  546. 25:51Die Unterscheidung in Rassen ist in den
  547. 25:54Vereinigten Staaten tief verwurzelt.
  548. 25:57Jede Ebene der Gesellschaft hat das auf
  549. 25:59unterschiedliche Weise gerechtfertigt.
  550. 26:02Rechtlich, religiös und natürlich
  551. 26:05sozial.
  552. 26:08Die Südstaaten verlieren nicht nur den
  553. 26:10Krieg. Mit dem Ende der Sklaverei bricht
  554. 26:13auch Ihr Wirtschaftssystem zusammen.
  555. 26:20Kurz vor Ausbruch des Bürgerkriegs 1860
  556. 26:23ist der Süden noch deutlich reicher.
  557. 26:26Bis 1870 nimmt das Vermögen drastisch
  558. 26:29ab.
  559. 26:32Gleichzeitig beginnt die
  560. 26:33Industrialisierung im Norden.
  561. 26:39Dort begünstigt die Geografie die Nation
  562. 26:41erneut. Große Rohstoffvorkommen ebenen
  563. 26:45Ende des 19. Jahrhunderts den Weg zur
  564. 26:47Supermacht.
  565. 26:52In den östlichen Apalachen, vor allem in
  566. 26:55Pennsylvania, West Virginia und
  567. 26:57Kentucky, lagern riesige
  568. 26:59Steinkohlevorkommen.
  569. 27:01Sie liefern den Brennstoff für die
  570. 27:03Dampfmaschinen und Hochöfen der
  571. 27:05aufstrebenden Schwerindustrie.
  572. 27:07[Musik]
  573. 27:15Der Aufstieg der USA zur Industrie macht
  574. 27:17ist vor allen Dingen dadurch auch
  575. 27:18begünstigt, dass die USA das Land sind,
  576. 27:21dass alle für die Industrialisierung
  577. 27:23notwendigen Rohstoffe
  578. 27:26in einem Land vereinigt hat. Ähm, also
  579. 27:28gerade auch im Unterschied jetzt zu
  580. 27:30beispielsweise in lateinamerikanischen
  581. 27:32Ländern, da hat jedes Land einen
  582. 27:34wichtigen Rohstoff, aber die USA haben
  583. 27:36alle.
  584. 27:38Auch Eisenerz trägt zum Aufschwung bei.
  585. 27:41Es stammt aus der Iron Range am Lake
  586. 27:43Superior im Grenzgebiet von Minnesota,
  587. 27:46Wisconsin und Michigan.
  588. 27:51In der Nähe der Eisen und Kohlereviere
  589. 27:54entsteht schließlich der sogenannte
  590. 27:56Manufacturing Bild, die größte und
  591. 27:59älteste Industrieregion der USA.
  592. 28:04Vor allem in Chicago wird sie zur Wiege
  593. 28:06der amerikanischen Stahlproduktion.
  594. 28:10185
  595. 28:12entsteht dort ein zehnstöckiges Gebäude
  596. 28:14mit Stahlskelett.
  597. 28:16Das sogenannte Home Insurance Building
  598. 28:19gilt damit als erstes Hochhaus der Welt.
  599. 28:23In nur einem Jahrzehnt folgen 50 weitere
  600. 28:26Wolkenkratzer.
  601. 28:29All das wird möglich mit Rohstoffen aus
  602. 28:31dem eigenen Land.
  603. 28:3385% des Eisens, das in den 1950ern in
  604. 28:37den USA verarbeitet wird, stammt aus der
  605. 28:40Region der großen Seen.
  606. 28:44Die USA entwickeln sich in gerade mal 50
  607. 28:48Jahren, also zwischen 1865
  608. 28:51und 1913 von diesem agrarisch
  609. 28:54rückständigen Land zur Industriemacht
  610. 28:58Nummer 1. Also 1913 produzieren die USA
  611. 29:00alleine mehr als die nächst beiden
  612. 29:02industriellen Länder auf der Liste und
  613. 29:04das sind Deutschland und England
  614. 29:05zusammen.
  615. 29:06Der kometenhafte Aufstieg der USA macht
  616. 29:09sie zum Einwanderungsland Nummer 1. Die
  617. 29:11meisten Einwanderer kommen aus Europa,
  618. 29:14Irland, Deutschland, Italien. Gegen Ende
  619. 29:17des 19. Jahrhunderts verstärkt sich der
  620. 29:20Zustrom aus Osteuropa, vor allem aus
  621. 29:22Russland, Polen und Ungarn. Neben Kohle
  622. 29:26und Stahl wird Erdöl zum Schmierstoff
  623. 29:28der Wirtschaft. Große Vorkommen gibt es
  624. 29:30in Texas, Louisiana und Oklahoma. Sie
  625. 29:33sichern im 20. Jahrhundert den stetig
  626. 29:35wachsenden Energiebedarf. Hinzu kommt
  627. 29:38ein geopolitischer Glücksgriff. Bereits
  628. 29:411867
  629. 29:42kaufen die USA Russland für rund 7
  630. 29:45Millionen US-Dollar Alaska ab und
  631. 29:47erwerben neben Gold, Kupfer und
  632. 29:49Silbervorkommen riesige Öl und
  633. 29:51Gasfelder, die dort im 20. Jahrhundert
  634. 29:54entdeckt werden. All das legt den
  635. 29:57Grundstein für den Aufstieg Amerikas zu
  636. 29:59einer der größten Industrien der Welt.
  637. 30:02Ihr Brutto Inlandsprodukt ist heute
  638. 30:04höher als das der drei nächst
  639. 30:06platzierten China, Deutschland und Japan
  640. 30:10zusammen.
  641. 30:12Mit dem Kauf Alaskas erlangen die USA im
  642. 30:1519. Jahrhundert endgültig die
  643. 30:17Vorherrschaft über den
  644. 30:18nordamerikanischen Kontinent.
  645. 30:21Seitdem ist das Land durch seine
  646. 30:23isolierte Lage vor Angriffen geschützt.
  647. 30:26im Westen durch den Pazifik, im Osten
  648. 30:29durch den Atlantik, im Norden und Süden
  649. 30:32durch den kanadischen Schild und den
  650. 30:34Golf von Mexiko.
  651. 30:37Aus dieser Position heraus beginnen die
  652. 30:40USA über ihre Grenzen hinaus Einfluss zu
  653. 30:43nehmen, um neue Märkte zu erschließen,
  654. 30:46aber auch um strategische Interessen
  655. 30:48durchzusetzen,
  656. 30:50notfalls mit kriegerischen Mitteln.
  657. 31:00Am 15. Februar 1898
  658. 31:03explodiert im Hafen von Havana ein
  659. 31:05amerikanisches Schlachtschiff.
  660. 31:08Obwohl Experten heute von einem Unfall
  661. 31:10ausgehen, liefert der Zwischenfall einen
  662. 31:12Vorwand für einen Krieg mit Kubas
  663. 31:14Kolonialmacht Spanien.
  664. 31:17Nach wenigen Monaten siegen die USA und
  665. 31:20Kuba wird unter ihrem Schutz unabhängig.
  666. 31:25[Musik]
  667. 31:30So haben sie die Spanier aus Kuba
  668. 31:31vertrieben, denn Kuba war wichtig.
  669. 31:36Es war eine Art Festung, um den Zugang
  670. 31:38zum Golf von Mexiko zu kontrollieren
  671. 31:43und damit auch den Zugang zu den großen
  672. 31:45Häfen im Süden der USA. Allen voran New
  673. 31:49Orleans.
  674. 31:50[Musik]
  675. 31:53In dem kurzen Konflikt entreißen die
  676. 31:55Amerikaner den Spaniern die Reste eines
  677. 31:58einst weltumspannenden Kolonialreichs.
  678. 32:02Puerto Rico in der Karibik und Guam im
  679. 32:05Pazifik gehen in amerikanischen Besitz
  680. 32:08über. Die Philippinen in Südostasien
  681. 32:11werden bis zu ihrer Unabhängigkeit 1946
  682. 32:15zu Amerikas einziger Kolonie.
  683. 32:19Schon seit der Mitte des 19.
  684. 32:21Jahrhunderts weiten amerikanische
  685. 32:23Geschäftsleute und christliche
  686. 32:25Missionare ihren Einfluss auch auf
  687. 32:27Hawaii aus.
  688. 32:29Der amerikanische Zucker und Ananasanbau
  689. 32:31auf den Inseln bount. 1887
  690. 32:35errichtet die US Navy sogar einen
  691. 32:37Marinestützpunkt in Pearl Harbor. Nach
  692. 32:40dem Sturz der hawaianischen Königin
  693. 32:42durch einen von Amerika unterstützten
  694. 32:44Putsch wird Hawaii 1898
  695. 32:47annektiert.
  696. 32:49Darüber hinaus dehenen die USA ihren
  697. 32:51Einfluss mit einem Netz von
  698. 32:53Protektoraten und Einflusszonen immer
  699. 32:55weiter aus. Teile von Samoa, die
  700. 32:58dominikanische Republik, Haiti,
  701. 33:00Nicaragua und Panama werden politisch
  702. 33:03beeinflusst.
  703. 33:05In nur einem Jahrzehnt werden die USA so
  704. 33:08zur dominanten Großmacht im Pazifik.
  705. 33:12[Musik]
  706. 33:18Der Zugang zu zwei Weltmehren bedeutet
  707. 33:21ein enormes strategisches Potenzial und
  708. 33:24die Möglichkeit militärische und
  709. 33:26wirtschaftliche Interessen durch
  710. 33:28Stützpunkte und Handelswege zu sichern.
  711. 33:37Die Amerikaner haben am Beispiel der
  712. 33:38Briten erkannt, dass man mit seiner
  713. 33:40Marine globale Präsenz zeigen muss, wenn
  714. 33:42man eine Weltmacht sein will.
  715. 33:44Anfang des 20. Jahrhunderts beginnt ein
  716. 33:47Infrastrukturprojekt mit gigantischem
  717. 33:49Ausmaß, der Bau des Panamakanals.
  718. 33:53Seit seiner Fertigstellung 1914 verkürzt
  719. 33:56er den Seeweg und bringt enorme
  720. 33:58wirtschaftliche und militärische
  721. 34:00Vorteile.
  722. 34:03Als der Erste Weltkrieg ausbricht,
  723. 34:05wollen die USA neutral bleiben, werden
  724. 34:07aber durch ihr globales Handelsnetzwerk
  725. 34:10in den Konflikt hineingezogen.
  726. 34:12wirtschaftlich bereits eine Welt macht,
  727. 34:15verstärken sie nun auch ihre
  728. 34:16Streitkräfte.
  729. 34:18Das sind amerikanische Banken, die den
  730. 34:20Europäischen Krieg finanzieren. Das sind
  731. 34:21amerikanische Farmer, die die
  732. 34:23europäischen Gesellschaften und auch
  733. 34:25Armeen ernähren. Es ist die
  734. 34:27amerikanische Industrie, die dann doch
  735. 34:29jede Menge Kriegsgerät bereithält. Also
  736. 34:31insofern gibt es diese Diskrepanz, die
  737. 34:32sich bis 1917 auch dann immer weiter
  738. 34:34verschärft, äh dass man offiziell
  739. 34:37neutral ist und zwar riguros, dogmatisch
  740. 34:39neutral, äh aber tatsächlich eben
  741. 34:42ökonomisch immer mehr zur Kriegspartei
  742. 34:44wird. Hinzu kommen ab 1917 die Angriffe
  743. 34:47deutscher U-Boote auf britische Schiffe,
  744. 34:50die zivile amerikanische Opfer fordern.
  745. 34:55Als ein abgefangenes Telegramm den
  746. 34:57Versuch Berlins belegt, Mexiko zum
  747. 34:59Angriff auf die USA zu bewegen, ist eine
  748. 35:02rote Linie überschritten.
  749. 35:04Präsident Woodro Wilson gelingt es
  750. 35:06schließlich, den Kongress vom
  751. 35:08Kriegseintritt zu überzeugen.
  752. 35:15Ein Sieg soll den USA helfen, die
  753. 35:17politische Ordnung Europas zu
  754. 35:19beeinflussen.
  755. 35:21Präsident Wilson sieht die Demokratie
  756. 35:23als wichtiges Exportgut. Sie verspricht
  757. 35:26freien Handel und den Zugang zu
  758. 35:28Rohstoffen und neuen Absatzmärkten für
  759. 35:31die USA.
  760. 35:33Das Problem sind halt immer Autokratien,
  761. 35:35Despotin, Diktaturen.
  762. 35:37Das ist für ihn eigentlich so der Hebel,
  763. 35:39wo er ansetzt und sagt, also wir müssen
  764. 35:41jetzt unsere Macht dafür einsetzen, die
  765. 35:43Welt safe for Democracy zu machen. Also
  766. 35:47das internationale Umfeld äh so zu
  767. 35:49verwandeln, dass Demokratien,
  768. 35:51freiheitliche Systeme in ihm sicher
  769. 35:54existieren können. Bis zum Ausbruch des
  770. 35:56Zweiten Weltkriegs 1939
  771. 35:59fallen die USA allerdings wieder in eine
  772. 36:01isolationistische Politik zurück. Erst
  773. 36:05der japanische Angriff auf Pearl Harbor
  774. 36:071941
  775. 36:09beendet die Neutralität.
  776. 36:22December 7 1941
  777. 36:26a
  778. 36:29infit
  779. 36:30amica
  780. 36:32del
  781. 36:35by naval forces of the ire of jaan
  782. 36:45[Musik]
  783. 36:53Nach dem Sieg der Alliierten kommt den
  784. 36:56USA vor allem die große Entfernung zu
  785. 36:58den Kriegsschauplätzen zugute.
  786. 37:08Nach Kriegsende waren die USA die
  787. 37:11einzige Großmacht, deren Infrastruktur
  788. 37:14nicht durch den Krieg zerstört oder
  789. 37:16schwer beschädigt wurde.
  790. 37:20Aufgrund der Geographie wurde in den
  791. 37:22Vereinigten Staaten selbst kein Krieg
  792. 37:24geführt.
  793. 37:28Das war ein großer materieller und
  794. 37:30wirtschaftlicher Vorteil.
  795. 37:32Ein Vorteil, der sich über Jahrzehnte
  796. 37:35hinweg positiv auswirkte.
  797. 37:40Das Ende des Zweiten Weltkriegs markiert
  798. 37:42zugleich den Beginn des kalten Krieges.
  799. 37:48Im Westen steht das Verteidigungsbündnis
  800. 37:51der NATO unter Führung der USA. Im Osten
  801. 37:54führt die Sowjetunion die
  802. 37:56kommunistischen Staaten des
  803. 37:57Warschauerpaktes an. Beide Seiten stehen
  804. 38:01sich hochgerüstet gegenüber. jederzeit
  805. 38:04bereit, vermeintliche Bedrohungen mit
  806. 38:06einem nuklearen Erstschlag zu
  807. 38:08beantworten,
  808. 38:11bis die Welt während der Kuberkrise 1962
  809. 38:15tatsächlich an den Rand eines Atomkriegs
  810. 38:18gerät. In Stellvertreterkonflikten wie
  811. 38:21diesem werden zwischen 1947
  812. 38:24und 1991
  813. 38:26Einflusssphären mit Waffengewalt
  814. 38:28ausgehandelt. Zu den Kriegen und dem
  815. 38:31beispiellosen atomaren Wettrüsten kommt
  816. 38:33der Wettlauf um die Vorherrschaft im
  817. 38:35Weltraum.
  818. 38:38Wirtschaftlich jedoch sind die USA
  819. 38:40während des kalten Krieges die
  820. 38:41unangefochtene Supermacht. Über 60% der
  821. 38:45weltweiten Industriegüter werden damals
  822. 38:48in den USA produziert. Der Weltmarkt
  823. 38:51steht nahezu konkurrenzlos offen.
  824. 38:54Spätestens im 20. Jahrhundert haben die
  825. 38:56USA ihre geographischen Grenzen
  826. 38:59überwunden.
  827. 39:00Mit rund 800 Militärbasen sind sie auf
  828. 39:03der ganzen Welt präsent. Von Guam über
  829. 39:06Hawaii bis in die Bucht von Tokyo. Von
  830. 39:10Osteuropa über den Nahen Osten bis nach
  831. 39:12Afrika und Lateinamerika.
  832. 39:19Das ist die wirkliche Karte
  833. 39:20amerikanischer Macht. Sie zeigt die USA
  834. 39:22und deren Stützpunkte auf der ganzen
  835. 39:24Welt.
  836. 39:32Diese Stützpunkte dienen vielfältigen
  837. 39:34Zwecken. Sie sollen die USA als
  838. 39:37Supermacht militärisch absichern,
  839. 39:39Rivalen in Schach halten und den Zugang
  840. 39:42zu Handelsrouten und Rohstoffen sichern.
  841. 39:49Gleichzeitig unterstützen sie Verbündete
  842. 39:52und ermöglichen die Kontrolle von
  843. 39:53Krisenregionen.
  844. 40:00Dass sie selbst nicht unverwundbar sind,
  845. 40:03erfahren die USA am 11. September 2001
  846. 40:10die Terrorange auf das World Trade
  847. 40:12Center in New York und das Pentagon in
  848. 40:15Washington. eine Zesur.
  849. 40:27Ich glaube, dass der psychologische
  850. 40:28Schock der Anschläge von vielen immer
  851. 40:30noch nicht verstanden wird.
  852. 40:33Dazu muss man die amerikanische Psyche
  853. 40:35begreifen.
  854. 40:37Die Amerikaner glauben, dass ihnen
  855. 40:39niemand etwas tun kann, dass sie in
  856. 40:41ihrer Existenz nicht bedroht sind, dass
  857. 40:43niemand in die USA einmarschieren kann
  858. 40:45und sie deswegen sicher sind.
  859. 40:48In gewisser Weise stimmt das auch, aber
  860. 40:50dann kam dieser Anschlag mit über 3000
  861. 40:52Toten aus heiterem Himmel.
  862. 41:05Das hat sie zutiefst erschüttert.
  863. 41:20Nach den Terroranschlägen vom 11.
  864. 41:22September beginnt eine neue politische
  865. 41:25Zeitrechnung.
  866. 41:27Die USA nutzen ihre Stützpunkte nun
  867. 41:30nicht mehr zur Verteidigung und
  868. 41:31Friedenssicherung.
  869. 41:33Vielmehr dienen einige von ihnen jetzt
  870. 41:35der Durchsetzung amerikanischer
  871. 41:37Interessen ohne rechtliche Grundlage.
  872. 41:41Weltweit werden Geheimgefängnisse
  873. 41:43eingerichtet, sogenannte Blacksides.
  874. 41:48In Lagern wie Guantam Mobile auf Kuba
  875. 41:51werden bis heute Terrorverdächtige ohne
  876. 41:53Gerichtsverfahren festgehalten.
  877. 41:56Kritiker werfen den USA Folter und
  878. 41:58schwere Menschenrechtsverletzungen vor.
  879. 42:01Alles im Namen des Krieges gegen den
  880. 42:04Terror.
  881. 42:07Vom ehemaligen USPäsidenten George W.
  882. 42:10Bush ausgerufen, richtet sich der Kampf
  883. 42:13nun gegen die sogenannte Achse des
  884. 42:15Bösen.
  885. 42:20Ich denke, sie haben blind um sich
  886. 42:22geschlagen und ich verstehe das.
  887. 42:25Aber strategisch gesehen haben sie den
  888. 42:27Fokus verloren und sich auf Orte wie
  889. 42:29Afghanistan und den Irak konzentriert,
  890. 42:32die für sie keine große Rolle spielten.
  891. 42:35In den 20 Jahren, in denen sie sich
  892. 42:37darauf konzentriert haben, konnten sich
  893. 42:39China und Russland ganz frei in der Welt
  894. 42:41bewegen. Und das haben sie mit großem
  895. 42:43Erfolg getan.
  896. 42:46Seit 2013 baut China seinen Einfluss im
  897. 42:49Indo Pazifik konsequent aus. mit der
  898. 42:52sogenannten neuen Seidenstraße und
  899. 42:55zahlreichen Militär und
  900. 42:56Handelsstützpunkten.
  901. 42:59Eine starke Konkurrenz für die USA, denn
  902. 43:02hier befinden sich die Volkswirtschaften
  903. 43:04der Zukunft.
  904. 43:06Mehr als 60% der Weltbevölkerung leben
  905. 43:09in der Region. Fast zwei Drittel des
  906. 43:12globalen Brutto Inlandprodukts werden
  907. 43:14mittlerweile hier erwirtschaftet.
  908. 43:20Asien ist das Herz der Welt.
  909. 43:23In diesem Sinne wird der
  910. 43:24asiatischpazifische Raum in Zukunft zum
  911. 43:27Zentrum der Weltwirtschaft werden, mehr
  912. 43:30noch als Europa oder die Vereinigten
  913. 43:32Staaten.
  914. 43:34Und das ist eine Herausforderung für die
  915. 43:36USA, weil sie die Welt nicht beherrschen
  916. 43:39können wie ein Imperium.
  917. 43:43Es lässt sich also nicht leugnen, dass
  918. 43:46wir in eine zunehmend multipolare Welt
  919. 43:48eintreten.
  920. 43:51Die Geschichte der Vereinigten Staaten
  921. 43:53ist untrennbar mit ihrer Geographie
  922. 43:55verbunden. Die Lage zwischen zwei
  923. 43:58Ozeanen bietet Schutz und öffnet
  924. 44:01gleichzeitig das Tor zur Welt.
  925. 44:03Reichhaltige Böden, Rohstoffe und
  926. 44:06schiffbare Wasserwege bilden die
  927. 44:08Grundlage für Handel und Fortschritt.
  928. 44:11Die USA nutzen diese Vorteile und
  929. 44:14steigen im 20. Jahrhundert zur globalen
  930. 44:16Supermacht auf. Doch inzwischen
  931. 44:18verschieben sich die Machtverhältnisse,
  932. 44:20neue und alte Rivalen beanspruchen die
  933. 44:23Vorherrschaft. Ob der Einfluss der USA
  934. 44:26in der Welt von Dauer sein wird, hängt
  935. 44:28auch davon ab, wie sie im globalen
  936. 44:30Mächtespiel agieren. Ihre geographischen
  937. 44:33Vorteile allein werden im 21.
  938. 44:36Jahrhundert nicht mehr ausreichen.

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