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telc C1 | telc Prüfung Deutsch C1 | Hören 1-3 mit Lösung — Transcript

by Deutschprüfungen - German Tests and Grammar · 3,535 words · 702 segments · language en · Watch on YouTube

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  1. 0:00T C1
  2. 0:02Hörverstehen Teil 1. Sie hören die
  3. 0:06Meinungen von acht Personen. Sie hören
  4. 0:09die Meinungen nur einmal. Entscheiden
  5. 0:12Sie beim Hören, welche Aussage A bis Jer
  6. 0:17Sprecherin Sprecher 1 bis 8 passt. Zwei
  7. 0:20Aussagen passen nicht. Markieren Sie
  8. 0:22Ihre Lösungen für die Aufgaben 1 bis 8
  9. 0:25auf dem Antwortbogen. Lesen Sie jetzt
  10. 0:28die Aussagen A bis J. Sie haben dazu
  11. 0:31eine Minute Zeit.
  12. 1:36Sprecher 1. Ich arbeite bei der
  13. 1:39Kriminalpolizei und erlebe täglich, wie
  14. 1:42viel Zeit bei der Suche nach
  15. 1:44Verdächtigen verloren geht. Vor allem
  16. 1:46dann, wenn nur Videomaterial vorliegt,
  17. 1:49aber niemand Namen hat.
  18. 1:51Gesichtserkennung kann solche Prozesse
  19. 1:53beschleunigen, nicht als Urteil, sondern
  20. 1:56als Hinweis, welche Aufnahmen man
  21. 1:58genauer prüfen sollte. Wichtig ist mir
  22. 2:00das Zweistufenprinzip.
  23. 2:03Ein Treffer ist erst einmal nur ein
  24. 2:05Signal. Danach prüft ein Mensch Kontext,
  25. 2:09Ort, Zeit, weitere Merkmale.
  26. 2:12Entscheidend ist außerdem der Rahmen:
  27. 2:14Einsatz nur bei schweren Straftaten mit
  28. 2:17richterlicher Anordnung, klaren
  29. 2:19Löschfristen und dokumentierter
  30. 2:21Nachvollziehbarkeit. Mir geht es nicht
  31. 2:23um Massenüberwachung, sondern um
  32. 2:26konkrete Fahndung. Wer sagt, das sei
  33. 2:28grundsätzlich unvereinbar mit Freiheit,
  34. 2:31übersieht, dass Opfer auch Grundrechte
  35. 2:33haben, nämlich Schutz. Und je schneller
  36. 2:36man Täter findet, desto weniger müssen
  37. 2:38Unbeteiligte befragt oder kontrolliert
  38. 2:41werden.
  39. 2:52Sprecher 2.
  40. 2:54Ich finde die Technik verführerisch,
  41. 2:57gerade weil sie so neutral wirkt, aber
  42. 2:59sie ist es nicht. Systeme arbeiten mit
  43. 3:02Trainingsdaten und die sind selten
  44. 3:04repräsentativ. In Studien zeigt sich
  45. 3:07immer wieder, die Fehlerquoten sind bei
  46. 3:09manchen Gruppen höher, etwa bei
  47. 3:11dunklerer Haut oder bei Frauen. Das ist
  48. 3:14kein Randproblem, denn im Zweifel wird
  49. 3:17ein falscher Treffer zur polizeilichen
  50. 3:19Maßnahme, die man erst einmal erklären
  51. 3:22muss. Und selbst wenn es nur eine
  52. 3:25Kontrolle ist, sie kann demütigen, Angst
  53. 3:28machen, Türen schließen. Wer einmal zu
  54. 3:31Unrecht herausgezogen wurde, verliert
  55. 3:34Vertrauen. Und das trifft meist nicht
  56. 3:37die, die ohnehin privilegiert sind.
  57. 3:39Bevor man solche Systeme einsetzt,
  58. 3:42müsste man transparente
  59. 3:43Qualitätsstandards,
  60. 3:45unabhängige Tests, laufende
  61. 3:47Rezertifizierung und echte
  62. 3:49Haftungsregeln haben. Sonst bleibt das
  63. 3:52Risiko bei den Betroffenen hängen.
  64. 4:05Sprecher Brei. Als Jurist sehe ich
  65. 4:07weniger die einzelne Anwendung, sondern
  66. 4:10die Dynamik. Heute heißt es nur an
  67. 4:13Bahnhöfen, nur gegen Terror. Morgen
  68. 4:16heißt es auch gegen Taschendiebstahl.
  69. 4:19Übermorgen zur Gefahrenprognose.
  70. 4:23Der Zweck dehnt sich fast automatisch
  71. 4:25aus, weil die Infrastruktur dann schon
  72. 4:27da ist und man sie ja nutzen könnte. Das
  73. 4:31ist der klassische Dampmbruch. Selbst
  74. 4:33wenn man anfangs gute Regeln hat, ändert
  75. 4:36sich politische Stimmung und plötzlich
  76. 4:38werden Ausnahmen zur Normalität.
  77. 4:41Außerdem verschiebt sich das
  78. 4:42Machtverhältnis zwischen Staat und
  79. 4:44Bürger. Wer ständig identifizierbar ist,
  80. 4:48verhält sich anders. Viele sagen dann
  81. 4:51weniger, treffen sich anders,
  82. 4:53protestieren weniger, nicht aus Schuld,
  83. 4:56sondern aus Vorsicht. Diese Chilling
  84. 4:59Effects sind schwer messbar, aber
  85. 5:01gesellschaftlich real und genau deshalb
  86. 5:04sind sie juristisch so heikel.
  87. 5:17Sprecher 4.
  88. 5:19Ich wohne in einer Großstadt und ganz
  89. 5:21ehrlich, in manchen Vierteln wünsche ich
  90. 5:24mir mehr Sicherheit. Wenn ich nachts aus
  91. 5:26der U-Bahn komme, schaue ich
  92. 5:28automatisch, ob jemand hinter mir läuft.
  93. 5:31Für mich wäre es schon ein Fortschritt,
  94. 5:33wenn die Polizei an bekannten
  95. 5:35Brennpunkten schneller reagieren könnte.
  96. 5:38Trotzdem will ich keine flächendeckende
  97. 5:40Überwachung. Mir würde ein begrenzter
  98. 5:43Einsatz reichen, z.B. bei
  99. 5:45Großveranstaltungen
  100. 5:47oder an bestimmten Tagen, wenn konkrete
  101. 5:49Gefahrenlagen bestehen. Wichtig ist,
  102. 5:52dass man es auch merkt. Klare
  103. 5:54Hinweisschilder, wer verantwortlich ist,
  104. 5:57wie lange gespeichert wird und wohin man
  105. 6:00sich bei Beschwerden wenden kann. Wenn
  106. 6:02der Staat so etwas heimlich macht,
  107. 6:05verspielt er Vertrauen. Wenn er es
  108. 6:07transparent macht, kann man zumindest
  109. 6:10ernsthaft diskutieren, ob es
  110. 6:12verhältnismäßig ist.
  111. 6:24Sprecher 5.
  112. 6:25Aus technischer Sicht wird oft zu viel
  113. 6:27versprochen. Kameras liefern nicht immer
  114. 6:30gute Bilder. Schlechte Beleuchtung,
  115. 6:32Regen, Masken, Winkel. Dann werden
  116. 6:36Treffer probabilistisch und schon ist
  117. 6:38die objektive Aura weg. Außerdem ist die
  118. 6:41Frage, wer pflegt die Datenbank? Wer
  119. 6:44aktualisiert Fotos, wer korrigiert
  120. 6:46Fehler? Schon ein veraltetes Bild oder
  121. 6:49ein schlechtes Referenzfoto kann zu
  122. 6:52Verwechslungen führen. Viele Probleme
  123. 6:54liegen gar nicht im Algorithmus, sondern
  124. 6:57in der Prozesskette. Qualität der
  125. 6:59Aufnahme, Datenabgleich, menschliche
  126. 7:02Kontrolle, Dokumentation.
  127. 7:05Wenn ich für jeden Treffer manuell
  128. 7:06nachprüfen muss, habe ich am Ende neue
  129. 7:08Arbeit statt weniger. Deshalb würde ich
  130. 7:11eher in bessere Beleuchtung klare
  131. 7:13Notrufpunkte, mehr Personal vor Ort und
  132. 7:16schnellere Abläufe investieren. Technik
  133. 7:19ist sinnvoll, wenn sie ein reales
  134. 7:21Problem löst, nicht wenn sie nur modern
  135. 7:23klingt.
  136. 7:35Sprecher 6. Ich komme aus der
  137. 7:37Datenschutzaufsicht und ich sage:
  138. 7:40Anonymität im öffentlichen Raum ist kein
  139. 7:42Luxus, sondern ein Schutzmechanismus.
  140. 7:45Wenn Menschen jederzeit identifizierbar
  141. 7:47sind, wird aus Bewegung ein Datensatz
  142. 7:50und Datensätze sind begehrlich, auch
  143. 7:53jenseits der ursprünglichen Absicht.
  144. 7:56Selbst wenn heute alles staatlich
  145. 7:57bleibt, entstehen Begehrlichkeiten,
  146. 8:00Schnittstellen, Kooperationen.
  147. 8:03Könnte man die Daten nicht auch für?
  148. 8:06Deshalb braucht es, falls man überhaupt
  149. 8:09über Gesichtserkennung spricht, extrem
  150. 8:11hohe Hürden. Klare Rechtsgrundlage,
  151. 8:15Zweckbindung, minimale Speicherung,
  152. 8:18unabhängige Kontrolle, wirksame
  153. 8:20Sanktionen und echte Klagemöglichkeiten
  154. 8:24und vor allem kein Dauerbetrieb. Sonst
  155. 8:27normalisieren wir eine Infrastruktur,
  156. 8:29die man nicht mehr zurückdrehen kann.
  157. 8:31Einmal eingeführte Überwachung
  158. 8:33verschwindet historisch selten wieder.
  159. 8:35Und genau das macht mich skeptisch.
  160. 8:48Sprecher 7.
  161. 8:49Ich bin Veranstalterin und habe bei
  162. 8:52großen Events ein ganz praktisches
  163. 8:54Problem. Menschenmengen, Stress.
  164. 9:00Orientierung. Wenn irgendwo etwas
  165. 9:02passiert, zählt jede Minute. Eine
  166. 9:06automatisierte Erkennung kann helfen,
  167. 9:08vermisste Personen schneller zu finden
  168. 9:10oder gesuchte Täter zu identifizieren,
  169. 9:13bevor es eskaliert. Aber das
  170. 9:15funktioniert nur, wenn es eng begrenzt
  171. 9:17ist und die Leute wissen, worauf sie
  172. 9:19sich einlassen.
  173. 9:21Ich würde mir ein Modell wünschen, bei
  174. 9:23dem es zeitlich befristet ist, nur für
  175. 9:25ein Ereignis mit klaren Zonen und danach
  176. 9:28wird alles gelöscht. Gleichzeitig muss
  177. 9:31klar sein, wer Zugriff hat und wer die
  178. 9:34Verantwortung trägt. Wenn private
  179. 9:36Sicherheitsfirmen mit solchen Systemen
  180. 9:38arbeiten, wird es schnell intransparent.
  181. 9:41Ich will keine Blackbox, sondern klare
  182. 9:44Verantwortlichkeit
  183. 9:46und eine Evaluation, ob der Nutzen
  184. 9:48überhaupt die Eingriffe rechtfertigt.
  185. 10:01Sprecher 8.
  186. 10:03Ich halte die Debatte für schief. Wir
  187. 10:05reden über Gesichtserkennung, als wäre
  188. 10:08sie die Antwort auf Unsicherheit.
  189. 10:11Dabei sind die Ursachen oft sozial.
  190. 10:13Schlechte Beleuchtung, fehlende
  191. 10:15Ansprechpersonen,
  192. 10:17überlastete Jugendhilfe, Drogenprobleme,
  193. 10:20fehlende Prävention. Technik adressiert
  194. 10:23Symptome und sie kostet Anschaffung,
  195. 10:27Wartung, Datenmanagement, juristische
  196. 10:30Absicherung. Das Geld fehlt dann dort,
  197. 10:33wo Prävention wirkt und Konflikte gar
  198. 10:35nicht erst entstehen. Außerdem erzeugt
  199. 10:38Überwachung eine falsche Beruhigung. Man
  200. 10:41hat Kameras, also fühlt man sich
  201. 10:44sicherer, obwohl die meisten Delikte
  202. 10:46dadurch nicht verhindert werden. Ich
  203. 10:49wäre für mehr sichtbare Polizei, bessere
  204. 10:52Sozialarbeit und gut gestaltete
  205. 10:55öffentliche Räume. Das schützt auch
  206. 10:57Freiheitsrechte, weil man nicht jeden
  207. 10:59Bürger unter Generalverdacht stellt. Und
  208. 11:02wenn man pilotiert, dann bitte mit
  209. 11:04klaren Kennzahlen, nicht mit
  210. 11:06Bauchgefühl.
  211. 11:33Hörverstehen Teil 2.
  212. 11:37Sie hören eine Radiosendung.
  213. 11:39Sie hören die Sendung nur einmal.
  214. 11:42Entscheiden Sie beim Hören, welche
  215. 11:44Aussage A, B oder C am besten passt.
  216. 11:49Markieren Sie Ihre Lösungen für die
  217. 11:51Aufgaben 55
  218. 11:53bis 64 auf dem Antwortbogen.
  219. 11:57Lesen Sie jetzt die Aufgaben 55 bis 64.
  220. 12:02Sie haben dazu 3 Minuten Zeit.
  221. 15:13Willkommen zurück bei Stadtgespräch.
  222. 15:17Heute geht es um einen Moment, den
  223. 15:18niemand mag. Plötzlich ist der Strom
  224. 15:20weg. Im Haus wird es still. Das WLAN
  225. 15:23bricht ab, die Heizung bleibt stehen.
  226. 15:26Und bei vielen kommt sofort die Frage,
  227. 15:28was jetzt? Wer in solchen Situationen
  228. 15:31als erstes angerufen wird, sind die
  229. 15:33Störungsnummern der Energieversorger.
  230. 15:36Unsere heutige Gästin Svenja Reuter
  231. 15:38leitet die 24 Stunden Hotline eines
  232. 15:41regionalen Netzbetreibers und
  233. 15:43koordiniert die Kommunikation zwischen
  234. 15:45Kundinnen und Kunden, Leitstelle und
  235. 15:47Einsatzteams. Schön, dass Sie da sind,
  236. 15:50Frau Reuter.
  237. 15:51Danke, ich freue mich.
  238. 15:52Viele stellen sich eine Hotline so vor.
  239. 15:55Man liest vom Bildschirm ab und
  240. 15:57vertröstet die Leute. Was passiert bei
  241. 15:59ihnen tatsächlich, wenn ein größerer
  242. 16:01Ausfall reinkommt? Zuerst wird es sehr
  243. 16:04organisatorisch.
  244. 16:05In der Leitstelle laufen Messdaten ein.
  245. 16:08Wir sehen, welche Stationen betroffen
  246. 16:09sind und wir bekommen Rückmeldungen von
  247. 16:11den Monteuren. In der Hotline müssen wir
  248. 16:14dann zweierlei leisten. Wir sammeln
  249. 16:16Hinweise aus der Bevölkerung. Manchmal
  250. 16:19sind es Kleinigkeiten, die bei der
  251. 16:20Fehlersuche helfen und wir erklären, was
  252. 16:22gerade passiert, ohne falsche Sicherheit
  253. 16:25zu geben. Das Schwerste ist, ehrlich zu
  254. 16:27bleiben und trotzdem zu beruhigen. Und
  255. 16:30wir müssen Prioritäten verständlich
  256. 16:32machen. Wenn ein Krankenhaus betroffen
  257. 16:34wäre, hat das natürlich Vorrang vor
  258. 16:36einer einzelnen Straßenlaterne, die
  259. 16:38ausgefallen ist.
  260. 16:40Beruhigen. Wie macht man das am Telefon,
  261. 16:42wenn jemand aufgebracht ist?
  262. 16:44Mit Struktur.
  263. 16:46Viele Menschen wollen in Stress nicht
  264. 16:47eine Erklärung, sondern einen nächsten
  265. 16:50Schritt. Wir sagen deshalb zuerst: Sind
  266. 16:53Sie in Sicherheit? Gibt es Rauch oder
  267. 16:56Brandgeruch? Ist jemand medizinisch auf
  268. 16:58Geräte angewiesen? Dann klären wir, ob
  269. 17:01es nur die Wohnung betrifft oder die
  270. 17:03Straße. Allein diese Fragen senken oft
  271. 17:06die Panik, weil der Anruf einen Rahmen
  272. 17:08bekommt. Und ja, Tonfall ist wichtig.
  273. 17:12Wenn ich hektisch klinge, wird der
  274. 17:13andere hektischer. Manchmal reicht schon
  275. 17:16langsam zu sprechen und kurze Sätze zu
  276. 17:18machen. Fachwörter helfen in so einer
  277. 17:21Lage kaum.
  278. 17:22Wann werden Anruferinnen und Anrufer
  279. 17:24besonders schwierig?
  280. 17:26Typischerweise, wenn Unsicherheit länger
  281. 17:27dauert. Wenn wir sagen können, in 30
  282. 17:30Minuten sind wir wieder da, ist fast
  283. 17:33alles leicht. Wenn wir aber noch keine
  284. 17:35verlässliche Prognose haben, weil erst
  285. 17:37vor Ort geprüft werden muss, entsteht
  286. 17:39Frust.
  287. 17:41Viele sind dann nicht böse auf Technik,
  288. 17:43sondern auf das Gefühl, ausgeliefert zu
  289. 17:45sein. Und manche haben reale Sorgen. Im
  290. 17:48Winter fällt die Heizung aus, im
  291. 17:50Homeoffice geht der Arbeitsplatz nicht.
  292. 17:53Im Laden ist die Kasse tot. Kühlware
  293. 17:55droht zu verderben. Besonders sensibel
  294. 17:58ist es bei Menschen, die
  295. 17:59Sauerstoffgeräte oder Pflegehilfen
  296. 18:01brauchen. Da organisieren wir, wenn
  297. 18:03nötig, auch über andere Stellen
  298. 18:05Unterstützung, aber dafür brauchen wir
  299. 18:07die Information.
  300. 18:09Wie weit helfen Scripts? oder behindern
  301. 18:11sie eher? Beides. Für Sicherheitsfragen
  302. 18:15brauchen wir klare Abläufe, da darf
  303. 18:17niemand improvisieren.
  304. 18:19Gleichzeitig ist jedes Gespräch anders.
  305. 18:22Ein älterer Mensch, der allein ist,
  306. 18:23braucht etwas anderes als jemand, der
  307. 18:25vor allem wütend ist. Wir trainieren
  308. 18:28daher Standard bei Sicherheit, flexibel
  309. 18:31bei Sprache und wir sagen unserem Team
  310. 18:34ausdrücklich lieber eine klare kurze
  311. 18:36Aussage als zehn Sätze, die am Ende nur
  312. 18:39neue Fragen öffnen. Außerdem arbeiten
  313. 18:42wir mit sogenannten Lagebildern.
  314. 18:45Wenn sich die Situation ändert, bekommt
  315. 18:47das Team sofort ein Update, damit nicht
  316. 18:50jede Kollegin etwas anderes sagt.
  317. 18:52Viele rufen ja auch an, obwohl das
  318. 18:54Problem gar nicht im Netz liegt, sondern
  319. 18:56im eigenen Sicherungskasten. Nervt das?
  320. 18:59Ich verstehe das. Für die Anrufenden ist
  321. 19:02kein Strom, erst einmal ein Zustand,
  322. 19:05keine Diagnose.
  323. 19:07Wir sehen tatsächlich sehr viele Fälle,
  324. 19:09die im Haus liegen. Etwa eine ausgelöste
  325. 19:12Sicherung, ein defekter FI Schalter oder
  326. 19:15ein Gerät, das einen Kurzschluss
  327. 19:16verursacht. Es bringt aber nichts,
  328. 19:19darüber zu spotten. Im Gegenteil.
  329. 19:22Wenn wir freundlich erklären, wie man
  330. 19:24prüfen kann, ob Nachbarn auch betroffen
  331. 19:26sind, sparen wir am Ende Zeit für alle.
  332. 19:29Was ich allerdings schwierig finde, sind
  333. 19:31Anrufe, die eigentlich nichts mit einer
  334. 19:33Störung zu tun haben. Z.B. wenn jemand
  335. 19:36sich über die Rechnung beschwert oder
  336. 19:38fragt, warum die Preise steigen. Das
  337. 19:40sind wichtige Themen, aber nicht in der
  338. 19:42Notfallnummer.
  339. 19:43Sie sammeln Hinweise aus der
  340. 19:44Bevölkerung. Was kann denn wirklich
  341. 19:46helfen? Oft sind es sehr konkrete
  342. 19:48Beobachtungen. Ich habe einen Knall
  343. 19:51gehört. Da hängt ein Ast in der Leitung.
  344. 19:53Die Ampel an der Kreuzung ist aus.
  345. 19:56Solche Informationen sind für die Teams
  346. 19:58vor Ort wertvoll, weil sie den Suchraum
  347. 20:00verkleinern. Wir fragen deshalb nach
  348. 20:03Ort, Zeitpunkt und sichtbaren Gefahren.
  349. 20:06Gleichzeitig achten wir darauf, keine
  350. 20:08riskanten Tipps zu geben. Es ist z.B.
  351. 20:11Keine gute Idee, wenn jemand selbst am
  352. 20:13Verteilerkasten herumprobiert.
  353. 20:15Wie kommunizieren Sie Zeitangaben? Viele
  354. 20:17wollen ja eine genaue Minute wissen.
  355. 20:20Das ist ein Klassiker. Wir sagen bewusst
  356. 20:22nicht, um 18:17 Uhr uh Uhr ist alles
  357. 20:25wieder da, weil das bei Technik selten
  358. 20:27seriös.
  359. 20:28Wir geben Zeitfenster und erklären
  360. 20:30Prioritäten.
  361. 20:32Erst muss die Stelle gesichert werden,
  362. 20:34dann wird gemessen, dann repariert.
  363. 20:37Gerade bei Sturmschäden kann es sein,
  364. 20:39dass die Teams erst arbeiten können,
  365. 20:40wenn es nicht mehr gefährlich ist.
  366. 20:42Interessant ist. Menschen akzeptieren
  367. 20:45auch längere Wartezeiten, wenn sie
  368. 20:46verstehen, warum und wenn wir nicht
  369. 20:48ständig neue widersprüchliche
  370. 20:50Versprechen machen.
  371. 20:51Was ist mit Social Media? Da verbreiten
  372. 20:54sich Gerüchte ja extrem schnell.
  373. 20:56Absolut. Wir haben inzwischen ein
  374. 20:58kleines Team, das parallel Updates auf
  375. 21:01der Website und in Kanälen
  376. 21:02veröffentlicht. Problematisch ist, dass
  377. 21:05sich Halbwissen gut verbreitet. Jemand
  378. 21:07schreibt er, das dauert bestimmt bis
  379. 21:09morgen. Und plötzlich gilt das als Fakt.
  380. 21:12Wir versuchen deshalb früh zu sagen, was
  381. 21:14wir wissen und genauso klar, was wir
  382. 21:17noch nicht wissen. Das nimmt
  383. 21:19Spekulationen die Luft.
  384. 21:22Trotzdem bleibt die Hotline wichtig,
  385. 21:24weil Menschen im direkten Gespräch eher
  386. 21:26beruhigt werden als durch einen Post.
  387. 21:29Gibt es ein Beispiel, das ihnen
  388. 21:30besonders im Kopf geblieben ist? Einmal
  389. 21:32hatten wir einen Ausfall in mehreren
  390. 21:34Ortsteilen. Es war später Abend und die
  391. 21:37sozialen Medien liefen heiß. Die da oben
  392. 21:40kümmern sich nicht. Gleichzeitig standen
  393. 21:43unsere Monteure im Regen an einer
  394. 21:44Leitung, weil zuerst ein Baum entfernt
  395. 21:47werden mußte. In der Hotline hatten wir
  396. 21:49dann einen Anrufer, der meinte, er wisse
  397. 21:52genau, was zu tun sei, und wir sollten
  398. 21:54einfach den Schalter umlegen.
  399. 21:57Da muss man ruhig bleiben und erklären.
  400. 21:59Im Netz kann man nicht beliebig
  401. 22:01schalten, wenn man nicht weiß, wo der
  402. 22:02Fehler ist, sonst gefährdet man
  403. 22:04Menschen.
  404. 22:06Ein anderes Mal rief eine Frau an,
  405. 22:08völlig aufgelöst, weil sie dachte, ihre
  406. 22:10Alarmanlage würde jetzt ausfallen. Und
  407. 22:13dann kommt sofort jemand.
  408. 22:15Da merkt man, wie stark Ausfälle
  409. 22:17Sicherheitsfantasien triggern.
  410. 22:19Wie gehen Sie mit solchen Besserwissern
  411. 22:20um?
  412. 22:21Ich frage nach konkreten Beobachtungen.
  413. 22:24Wo genau sind die Lichter aus? Haben Sie
  414. 22:26Funken gesehen? Ist nur eine Phase
  415. 22:28betroffen? Wenn jemand wirklich etwas
  416. 22:31beitragen kann, nehme ich das gern auf.
  417. 22:34Wenn es nur darum geht, Dampf
  418. 22:35abzulassen, setze ich Grenzen.
  419. 22:38Freundlich, aber klar. Ich verweise dann
  420. 22:40auf Sicherheitsregeln, weil sie nicht
  421. 22:42verhandelbar sind und ich versuche nicht
  422. 22:45in einen Wettstreit zu geraten. Wer sich
  423. 22:48ernst genommen fühlt, wird oft
  424. 22:49sachlicher.
  425. 22:50Die Ansprache: duzen oder sitzen. Manche
  426. 22:53Hotlines duzen inzwischen.
  427. 22:55Wir starten grundsätzlich mit Sie.
  428. 22:58In Stresssituationen kann ein Du zu nah
  429. 23:01oder sogar herablassend empfunden
  430. 23:03werden. Wenn die Person selbst zum Du
  431. 23:06wechselt und die Stimmung passt, kann
  432. 23:07man sich anpassen. Aber das ist eine
  433. 23:10bewusste Entscheidung.
  434. 23:12Und wie ist das für Ihr Team? Das ist ja
  435. 23:14Dauerstress.
  436. 23:16Es ist intensiv. Man muss gleichzeitig
  437. 23:18empathisch sein und Grenzen halten. Wir
  438. 23:21arbeiten deshalb mit kurzen Übergaben.
  439. 23:24Nach besonders aggressiven Anrufen gibt
  440. 23:26es ein kurzes Debriefing. Was ist
  441. 23:29passiert? Was hat geholfen? Und wir
  442. 23:32erinnern unser Team daran. Wut am
  443. 23:34Telefon ist selten persönlich gemeint.
  444. 23:36Sie ist ein Ventil.
  445. 23:38Bekommen Sie eigentlich Anerkennung für
  446. 23:40diese Arbeit?
  447. 23:41Es gibt mehr Dank als man denkt. Manche
  448. 23:44schreiben nachher eine Mail oder sagen:
  449. 23:46"Danke, daß Sie ruhig geblieben sind."
  450. 23:49Sehr persönliche Geschenke lehnen wir
  451. 23:51ab, weil wir neutral bleiben müssen.
  452. 23:53Aber wenn jemand dem Nachtdienst eine
  453. 23:55Kiste Wasser oder Schokolade für alle
  454. 23:57hinstellt, nehmen wir das als Teamgeste
  455. 24:00an und freuen uns ehrlich.
  456. 24:02Frau Reuter, vielen Dank für den
  457. 24:04Einblick.
  458. 24:04Sehr gern.
  459. 24:08Hörverstehen, Teil 3. Sie hören einen
  460. 24:12Vortrag.
  461. 24:13Sie hören den Vortrag nur einmal. Sie
  462. 24:16haben Handzettel mit den Folien der
  463. 24:18Präsentation erhalten. Schreiben Sie die
  464. 24:21fehlenden Informationen stichwortartig
  465. 24:24in die freien Zeilen 1 bis 10 in der
  466. 24:27rechten Spalte. Die Lösung 0 ist ein
  467. 24:30Beispiel. Lesen Sie jetzt die
  468. 24:32Stichworte. Sie haben dazu eine Minute
  469. 24:35Zeit.
  470. 25:20Guten Abend und willkommen zur
  471. 25:22Vortragsreihe Wirtschaft verstehen.
  472. 25:24Unser heutiges Thema lautet:
  473. 25:26Lieferketten unter Druck. Warum
  474. 25:28Transparenz plötzlich strategisch ist.
  475. 25:30Referent ist Dr. Jonas Bergmann, Berater
  476. 25:33für Beschaffung und Risikomanagement.
  477. 25:35Dr. Bergmann, schön, dass Sie da sind.
  478. 25:37Danke für die Einladung. Ich beginne mit
  479. 25:40einer These, die in Unternehmen lange
  480. 25:42unpopulär war. Transparenz kostet, aber
  481. 25:46Intransparenz kostet meist mehr. Das
  482. 25:49haben die letzten Jahre sehr deutlich
  483. 25:51gemacht. Viele verbinden Lieferketten
  484. 25:54mit etwas abstraktem: Container, Häfen,
  485. 25:57globale Karten. In der Praxis ist eine
  486. 26:01Lieferkette aber eine Kette aus
  487. 26:03Entscheidungen und oft entscheidet
  488. 26:05einziges Bauteil, ob ein ganzes Produkt
  489. 26:08ausgeliefert werden kann. Ein
  490. 26:10klassisches Beispiel: Ein Hersteller hat
  491. 26:13alles, nur ein winziger Chip fehlt. Dann
  492. 26:16stehen Maschinen nicht, weil das große
  493. 26:18Ganze zusammenbricht, sondern weil ein
  494. 26:21kleiner Engpass die Kette unterbricht.
  495. 26:24Genau an solchen Stellen merkt man, wie
  496. 26:26wichtig Resilienz ist.
  497. 26:28Resilienz bedeutet, vereinfacht gesagt
  498. 26:31die Fähigkeit, Störungen auszuhalten und
  499. 26:35trotzdem handlungsfähig zu bleiben. Also
  500. 26:37nicht nur Schäden zu vermeiden, sondern
  501. 26:40auch schnell zu reagieren, wenn sie
  502. 26:42eintreten. Das klingt banal, ist aber
  503. 26:45ein Kulturwechsel,
  504. 26:47denn jahrzehntelang galt Effizienz als
  505. 26:50oberstes Ziel. Möglichst wenig Lager,
  506. 26:53möglichst wenige Lieferanten, möglichst
  507. 26:56niedrige Stückkosten. Dieses Just in
  508. 26:59Time Denken hat Vorteile, aber es ist
  509. 27:02fragil. Sobald ein Hafen streikt, eine
  510. 27:04Straße gesperrt ist oder ein Zulieferer
  511. 27:06ausfällt, wird aus Effizienz sofort
  512. 27:09Verwundbarkeit. Der erste Schritt zu
  513. 27:12mehr Resilienz ist eine gute
  514. 27:14Risikoanalyse.
  515. 27:16Viele Unternehmen schauen dabei nur auf
  516. 27:18direkte Lieferanten, also auf die
  517. 27:20sogenannten Tier 1 Partner. Das reicht
  518. 27:24nicht. Risiken entstehen oft tiefer in
  519. 27:27der Kette bei Tier 2 oder Tier 3
  520. 27:30Zulieferern. Rohstoffe,
  521. 27:32Spezialchemikalien,
  522. 27:34seltene Vorprodukte. Wenn ich nicht
  523. 27:36weiß, wer dort liefert, kann ich auch
  524. 27:38nicht einschätzen, ob ich abhängig bin.
  525. 27:42Ein verbreiteter Irrtum ist, wir haben
  526. 27:44doch einen Vertragspartner, also sind
  527. 27:46wir sicher. Tatsächlich kann ein
  528. 27:48einziger Vorlieferand, den niemand auf
  529. 27:51dem Radar hat, zum Flaschenhals werden.
  530. 27:54Hier kommen wir zum zweiten Problem,
  531. 27:56Daten in vielen Organisationen existiert
  532. 28:00keine Single Source of Truth.
  533. 28:03Informationen liegen in Excel Listen, in
  534. 28:06E-Mails, in verschiedenen Systemen,
  535. 28:08manchmal nur in Köpfen. Das ist nicht
  536. 28:11nur unübersichtlich, sondern gefährlich,
  537. 28:14weil Entscheidungen dann auf veralteten
  538. 28:16oder widersprüchlichen Daten beruhen.
  539. 28:19Transparenz heißt daher nicht nur eine
  540. 28:21Karte zu zeichnen, sondern Daten so zu
  541. 28:24pflegen, dass sie vergleichbar und
  542. 28:26aktuell sind. Welche Teile kommen woher?
  543. 28:30Welche Alternativen gibt es?
  544. 28:32Wie lange sind Lieferzeiten realistisch
  545. 28:35und welche Abhängigkeiten entstehen
  546. 28:37durch Zertifikate, Transportwege oder
  547. 28:41politische Risiken? Viele sagen, dann
  548. 28:44machen wir eben Audits. Audits sind
  549. 28:47wichtig, aber sie sind eine
  550. 28:49Momentaufnahme.
  551. 28:50Ein Lieferant kann am Auditag perfekt
  552. 28:53aussehen und zwei Monate später Probleme
  553. 28:55bekommen durch Personalwechsel, durch
  554. 28:58finanzielle Engpässe, durch
  555. 29:00Subunternehmer.
  556. 29:02Deshalb setzt sich zunehmend ein
  557. 29:04zweistufiges Vorgehen durch. Audits als
  558. 29:07Basis ergänzt durch kontinuierliches
  559. 29:10Monitoring, also regelmäßige
  560. 29:12Datenupdates, Risikoindikatoren
  561. 29:15und wo sinnvoll unabhängige
  562. 29:18Informationen. Das Ziel ist nicht
  563. 29:20Kontrolle um der Kontrolle willen,
  564. 29:22sondern frühe Warnsignale. Ein dritter
  565. 29:25Hebel ist Diversifizierung.
  566. 29:28Ein Sonderfall ist das sogenannte Near
  567. 29:30oder Friendsoring.
  568. 29:32Unternehmen verlagern Teile der
  569. 29:34Produktion näher an ihre Absatzmärkte
  570. 29:37oder in Länder, die politisch als
  571. 29:40stabiler gelten. Das klingt nach einer
  572. 29:43einfachen Lösung, hat aber
  573. 29:44Nebenwirkungen.
  574. 29:46Nähe senkt Transportzeiten, aber sie
  575. 29:48garantiert weder Kapazitäten noch
  576. 29:51automatisch bessere Arbeitsbedingungen.
  577. 29:54Oft verschieben sich Risiken nur von
  578. 29:56geopolitischen Abhängigkeiten hin zu
  579. 29:59Engpässen bei Fachkräften oder
  580. 30:01Energiepreisen.
  581. 30:03Entscheidend ist daher nicht die
  582. 30:04geographische Nähe, sondern die Frage,
  583. 30:07wie schnell man Alternativen aktivieren
  584. 30:10kann und wie realistisch die Kapazitäten
  585. 30:13sind. In der Beschaffung gilt Single
  586. 30:16Sourcing ist bequem, aber riskant. Wenn
  587. 30:19ich nur eine Quelle habe, bin ich
  588. 30:21abhängig, preislich und organisatorisch.
  589. 30:25Dual Sourcing oder zumindest
  590. 30:27qualifizierte Zweitlieferanten schaffen
  591. 30:30Handlungsspielraum, auch wenn sie
  592. 30:32kurzfristig teurer sind. Wichtig ist
  593. 30:34dabei, nicht nur eine zweite Firma zu
  594. 30:37haben, sondern wirklich kompatible
  595. 30:39Spezifikationen, damit man im Ernstfall
  596. 30:42umschalten kann. Viele merken erst in
  597. 30:45der Krise, daß ein alternativer
  598. 30:47Lieferant zwar existiert, aber die
  599. 30:50Zertifizierung fehlt oder die Qualität
  600. 30:53nicht passt. Damit verbunden ist die
  601. 30:55Lagerfrage. In den 1990ern war
  602. 30:59Lagerhaltung fast ein Schimpfwort.
  603. 31:02Kapitalbindung, ineffizient, altmodisch.
  604. 31:06Heute sprechen viele wieder über
  605. 31:07Sicherheitsbestände, nicht als Rückkehr
  606. 31:10zur Vollagerwirtschaft, sondern als
  607. 31:12gezielte Puffer, dort wo Risiken hoch
  608. 31:15und Ersatzteile kritisch sind. Die Kunst
  609. 31:19liegt im Maß. Zu viel Lager bindet Geld,
  610. 31:22zu wenig Lager bindet die Produktion.
  611. 31:25Resilienz ist daher immer eine Abwegung
  612. 31:28zwischen Kosten und Risiko. Nun kommt
  613. 31:31ein Aspekt hinzu, der die Debatte
  614. 31:33moralisch und juristisch auflädt.
  615. 31:35Nachhaltigkeit und Menschenrechte. Ein
  616. 31:38weiterer Trend ist der digitale
  617. 31:40Produktpass. Informationen über
  618. 31:43Herkunft, Materialien und
  619. 31:45Reparierbarkeit sollen über QR-Codes
  620. 31:48oder Datenbanken abrufbar sein. Für die
  621. 31:51Lieferkette heißt das, Daten müssen
  622. 31:53entlang der Kette kompatibel sein. Ohne
  623. 31:57gemeinsame Standards wird Transparenz
  624. 31:59zur Insellösung, in der jeder eigene
  625. 32:02Formate pflegt. Gleichzeitig wächst die
  626. 32:04Gefahr von Greenwashing. Wenn Kennzahlen
  627. 32:07nur gut aussehen sollen, statt reale
  628. 32:09Verbesserungen abzubilden, verliert
  629. 32:12Transparenz ihren Zweck. Deshalb braucht
  630. 32:15es nicht nur Daten, sondern auch
  631. 32:17Prüfbarkeit. Mit Lieferkettengesetzen
  632. 32:20entstehen Sorgfaltpflichten.
  633. 32:22Unternehmen sollen Risiken in Bezug auf
  634. 32:25Arbeitsbedingungen, Umwelt und
  635. 32:27Korruption analysieren, Maßnahmen
  636. 32:29ableiten und darüber berichten. Das
  637. 32:32verändert Beschaffung. Es reicht nicht
  638. 32:35mehr nur Preis und Qualität zu
  639. 32:37verhandeln, sondern auch Nachweise,
  640. 32:40Dokumentation und Prozesse. Für große
  641. 32:43Unternehmen ist das machbar, für
  642. 32:45kleinere Zuliefer kann es aber eine
  643. 32:47enorme Last werden. Deshalb ist wichtig,
  644. 32:50dass man Anforderungen pragmatisch
  645. 32:52gestaltet und nicht nur Papier
  646. 32:54produziert. Ein Schlüsselbegriff ist der
  647. 32:57Beschwerdemechanismus.
  648. 32:59Moderne Systeme verlangen Kanäle, über
  649. 33:01die Missstände gemeldet werden können,
  650. 33:04intern und extern, oft anonym. Das
  651. 33:07klingt nach Compliance Bürokratie, kann
  652. 33:10aber sehr praktisch sein. Wenn Hinweise
  653. 33:13früh kommen, bevor ein Skandal
  654. 33:14eskaliert, kann ein Unternehmen
  655. 33:17reagieren. Entscheidend ist, dass solche
  656. 33:20Hinweise ernst genommen werden und dass
  657. 33:22es Schutz für Hinweisgeber gibt, sonst
  658. 33:25bleibt es ein Formular ohne Wirkung. Und
  659. 33:28natürlich stellt sich die Kostenfrage
  660. 33:30Transparenz, Audits, Datenpflege,
  661. 33:34Zweitlieferanten, das alles kostet. In
  662. 33:37der Praxis werden diese Kosten oft
  663. 33:39weitergegeben, entweder über
  664. 33:41Preisanpassungen oder über neue
  665. 33:43Vertragsmodelle. Für Verbraucherinnen
  666. 33:46und Verbraucher bedeutet das, manche
  667. 33:48Produkte werden nicht nur wegen
  668. 33:50Rohstoffpreisen teurer, sondern weil
  669. 33:53Lieferketten robuster gemacht werden.
  670. 33:56Transparenz ist damit auch
  671. 33:58Kommunikation.
  672. 34:00Zum Schluss, woran misst man Erfolg?
  673. 34:03Noch ein Punkt, der oft unterschätzt
  674. 34:05wird, ist Zusammenarbeit.
  675. 34:07Resiliente Lieferketten sind selten das
  676. 34:10Ergebnis einer einzelnen Firma, sondern
  677. 34:13von Absprachen, gemeinsame Forcasts,
  678. 34:16abgestimmte Lagerpuffer, transparente
  679. 34:19Eskalationswege.
  680. 34:21Wenn jedes Glied der Kette Informationen
  681. 34:23zurückhält, optimiert es sich selbst und
  682. 34:27destabilisiert das System. In der Krise
  683. 34:30zeigt sich dann, wer wirklich
  684. 34:31partnerschaftlich arbeitet und wer nur
  685. 34:34Risiken nach unten durchreicht. Viele
  686. 34:36Firmen messen immer noch primär
  687. 34:38Einkaufspreise.
  688. 34:40Das greift zu kurz. Sinnvoll sind
  689. 34:42mehrere Indikatoren, Lieferfähigkeit,
  690. 34:46Ausfallzeiten, Reaktionsgeschwindigkeit,
  691. 34:49aber auch Nachhaltigkeitskennzahlen
  692. 34:51und Compliance Risiken. Resilienz ist
  693. 34:54kein Zustand, den man einmal erreicht,
  694. 34:57sondern ein Prozess, der laufend
  695. 34:59überprüft werden muss, wenn Sie aus
  696. 35:01diesem Vortrag eine Sache mitnehmen.
  697. 35:04Lieferketten sind nicht nur Logistik,
  698. 35:07sie sind Strategie und Strategie beginnt
  699. 35:10dort, wo man bereit ist, unbequemes
  700. 35:13sichtbar zu machen.
  701. 35:15Vielen Dank, Herr Dr. Bergmann, für
  702. 35:16diesen sehr praxisnahen Vortrag.

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