telc C1 | telc Prüfung Deutsch C1 | Hören 1-3 mit Lösung — Transcript
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- 0:00T C1
- 0:02Hörverstehen Teil 1. Sie hören die
- 0:06Meinungen von acht Personen. Sie hören
- 0:09die Meinungen nur einmal. Entscheiden
- 0:12Sie beim Hören, welche Aussage A bis Jer
- 0:17Sprecherin Sprecher 1 bis 8 passt. Zwei
- 0:20Aussagen passen nicht. Markieren Sie
- 0:22Ihre Lösungen für die Aufgaben 1 bis 8
- 0:25auf dem Antwortbogen. Lesen Sie jetzt
- 0:28die Aussagen A bis J. Sie haben dazu
- 0:31eine Minute Zeit.
- 1:36Sprecher 1. Ich arbeite bei der
- 1:39Kriminalpolizei und erlebe täglich, wie
- 1:42viel Zeit bei der Suche nach
- 1:44Verdächtigen verloren geht. Vor allem
- 1:46dann, wenn nur Videomaterial vorliegt,
- 1:49aber niemand Namen hat.
- 1:51Gesichtserkennung kann solche Prozesse
- 1:53beschleunigen, nicht als Urteil, sondern
- 1:56als Hinweis, welche Aufnahmen man
- 1:58genauer prüfen sollte. Wichtig ist mir
- 2:00das Zweistufenprinzip.
- 2:03Ein Treffer ist erst einmal nur ein
- 2:05Signal. Danach prüft ein Mensch Kontext,
- 2:09Ort, Zeit, weitere Merkmale.
- 2:12Entscheidend ist außerdem der Rahmen:
- 2:14Einsatz nur bei schweren Straftaten mit
- 2:17richterlicher Anordnung, klaren
- 2:19Löschfristen und dokumentierter
- 2:21Nachvollziehbarkeit. Mir geht es nicht
- 2:23um Massenüberwachung, sondern um
- 2:26konkrete Fahndung. Wer sagt, das sei
- 2:28grundsätzlich unvereinbar mit Freiheit,
- 2:31übersieht, dass Opfer auch Grundrechte
- 2:33haben, nämlich Schutz. Und je schneller
- 2:36man Täter findet, desto weniger müssen
- 2:38Unbeteiligte befragt oder kontrolliert
- 2:41werden.
- 2:52Sprecher 2.
- 2:54Ich finde die Technik verführerisch,
- 2:57gerade weil sie so neutral wirkt, aber
- 2:59sie ist es nicht. Systeme arbeiten mit
- 3:02Trainingsdaten und die sind selten
- 3:04repräsentativ. In Studien zeigt sich
- 3:07immer wieder, die Fehlerquoten sind bei
- 3:09manchen Gruppen höher, etwa bei
- 3:11dunklerer Haut oder bei Frauen. Das ist
- 3:14kein Randproblem, denn im Zweifel wird
- 3:17ein falscher Treffer zur polizeilichen
- 3:19Maßnahme, die man erst einmal erklären
- 3:22muss. Und selbst wenn es nur eine
- 3:25Kontrolle ist, sie kann demütigen, Angst
- 3:28machen, Türen schließen. Wer einmal zu
- 3:31Unrecht herausgezogen wurde, verliert
- 3:34Vertrauen. Und das trifft meist nicht
- 3:37die, die ohnehin privilegiert sind.
- 3:39Bevor man solche Systeme einsetzt,
- 3:42müsste man transparente
- 3:43Qualitätsstandards,
- 3:45unabhängige Tests, laufende
- 3:47Rezertifizierung und echte
- 3:49Haftungsregeln haben. Sonst bleibt das
- 3:52Risiko bei den Betroffenen hängen.
- 4:05Sprecher Brei. Als Jurist sehe ich
- 4:07weniger die einzelne Anwendung, sondern
- 4:10die Dynamik. Heute heißt es nur an
- 4:13Bahnhöfen, nur gegen Terror. Morgen
- 4:16heißt es auch gegen Taschendiebstahl.
- 4:19Übermorgen zur Gefahrenprognose.
- 4:23Der Zweck dehnt sich fast automatisch
- 4:25aus, weil die Infrastruktur dann schon
- 4:27da ist und man sie ja nutzen könnte. Das
- 4:31ist der klassische Dampmbruch. Selbst
- 4:33wenn man anfangs gute Regeln hat, ändert
- 4:36sich politische Stimmung und plötzlich
- 4:38werden Ausnahmen zur Normalität.
- 4:41Außerdem verschiebt sich das
- 4:42Machtverhältnis zwischen Staat und
- 4:44Bürger. Wer ständig identifizierbar ist,
- 4:48verhält sich anders. Viele sagen dann
- 4:51weniger, treffen sich anders,
- 4:53protestieren weniger, nicht aus Schuld,
- 4:56sondern aus Vorsicht. Diese Chilling
- 4:59Effects sind schwer messbar, aber
- 5:01gesellschaftlich real und genau deshalb
- 5:04sind sie juristisch so heikel.
- 5:17Sprecher 4.
- 5:19Ich wohne in einer Großstadt und ganz
- 5:21ehrlich, in manchen Vierteln wünsche ich
- 5:24mir mehr Sicherheit. Wenn ich nachts aus
- 5:26der U-Bahn komme, schaue ich
- 5:28automatisch, ob jemand hinter mir läuft.
- 5:31Für mich wäre es schon ein Fortschritt,
- 5:33wenn die Polizei an bekannten
- 5:35Brennpunkten schneller reagieren könnte.
- 5:38Trotzdem will ich keine flächendeckende
- 5:40Überwachung. Mir würde ein begrenzter
- 5:43Einsatz reichen, z.B. bei
- 5:45Großveranstaltungen
- 5:47oder an bestimmten Tagen, wenn konkrete
- 5:49Gefahrenlagen bestehen. Wichtig ist,
- 5:52dass man es auch merkt. Klare
- 5:54Hinweisschilder, wer verantwortlich ist,
- 5:57wie lange gespeichert wird und wohin man
- 6:00sich bei Beschwerden wenden kann. Wenn
- 6:02der Staat so etwas heimlich macht,
- 6:05verspielt er Vertrauen. Wenn er es
- 6:07transparent macht, kann man zumindest
- 6:10ernsthaft diskutieren, ob es
- 6:12verhältnismäßig ist.
- 6:24Sprecher 5.
- 6:25Aus technischer Sicht wird oft zu viel
- 6:27versprochen. Kameras liefern nicht immer
- 6:30gute Bilder. Schlechte Beleuchtung,
- 6:32Regen, Masken, Winkel. Dann werden
- 6:36Treffer probabilistisch und schon ist
- 6:38die objektive Aura weg. Außerdem ist die
- 6:41Frage, wer pflegt die Datenbank? Wer
- 6:44aktualisiert Fotos, wer korrigiert
- 6:46Fehler? Schon ein veraltetes Bild oder
- 6:49ein schlechtes Referenzfoto kann zu
- 6:52Verwechslungen führen. Viele Probleme
- 6:54liegen gar nicht im Algorithmus, sondern
- 6:57in der Prozesskette. Qualität der
- 6:59Aufnahme, Datenabgleich, menschliche
- 7:02Kontrolle, Dokumentation.
- 7:05Wenn ich für jeden Treffer manuell
- 7:06nachprüfen muss, habe ich am Ende neue
- 7:08Arbeit statt weniger. Deshalb würde ich
- 7:11eher in bessere Beleuchtung klare
- 7:13Notrufpunkte, mehr Personal vor Ort und
- 7:16schnellere Abläufe investieren. Technik
- 7:19ist sinnvoll, wenn sie ein reales
- 7:21Problem löst, nicht wenn sie nur modern
- 7:23klingt.
- 7:35Sprecher 6. Ich komme aus der
- 7:37Datenschutzaufsicht und ich sage:
- 7:40Anonymität im öffentlichen Raum ist kein
- 7:42Luxus, sondern ein Schutzmechanismus.
- 7:45Wenn Menschen jederzeit identifizierbar
- 7:47sind, wird aus Bewegung ein Datensatz
- 7:50und Datensätze sind begehrlich, auch
- 7:53jenseits der ursprünglichen Absicht.
- 7:56Selbst wenn heute alles staatlich
- 7:57bleibt, entstehen Begehrlichkeiten,
- 8:00Schnittstellen, Kooperationen.
- 8:03Könnte man die Daten nicht auch für?
- 8:06Deshalb braucht es, falls man überhaupt
- 8:09über Gesichtserkennung spricht, extrem
- 8:11hohe Hürden. Klare Rechtsgrundlage,
- 8:15Zweckbindung, minimale Speicherung,
- 8:18unabhängige Kontrolle, wirksame
- 8:20Sanktionen und echte Klagemöglichkeiten
- 8:24und vor allem kein Dauerbetrieb. Sonst
- 8:27normalisieren wir eine Infrastruktur,
- 8:29die man nicht mehr zurückdrehen kann.
- 8:31Einmal eingeführte Überwachung
- 8:33verschwindet historisch selten wieder.
- 8:35Und genau das macht mich skeptisch.
- 8:48Sprecher 7.
- 8:49Ich bin Veranstalterin und habe bei
- 8:52großen Events ein ganz praktisches
- 8:54Problem. Menschenmengen, Stress.
- 9:00Orientierung. Wenn irgendwo etwas
- 9:02passiert, zählt jede Minute. Eine
- 9:06automatisierte Erkennung kann helfen,
- 9:08vermisste Personen schneller zu finden
- 9:10oder gesuchte Täter zu identifizieren,
- 9:13bevor es eskaliert. Aber das
- 9:15funktioniert nur, wenn es eng begrenzt
- 9:17ist und die Leute wissen, worauf sie
- 9:19sich einlassen.
- 9:21Ich würde mir ein Modell wünschen, bei
- 9:23dem es zeitlich befristet ist, nur für
- 9:25ein Ereignis mit klaren Zonen und danach
- 9:28wird alles gelöscht. Gleichzeitig muss
- 9:31klar sein, wer Zugriff hat und wer die
- 9:34Verantwortung trägt. Wenn private
- 9:36Sicherheitsfirmen mit solchen Systemen
- 9:38arbeiten, wird es schnell intransparent.
- 9:41Ich will keine Blackbox, sondern klare
- 9:44Verantwortlichkeit
- 9:46und eine Evaluation, ob der Nutzen
- 9:48überhaupt die Eingriffe rechtfertigt.
- 10:01Sprecher 8.
- 10:03Ich halte die Debatte für schief. Wir
- 10:05reden über Gesichtserkennung, als wäre
- 10:08sie die Antwort auf Unsicherheit.
- 10:11Dabei sind die Ursachen oft sozial.
- 10:13Schlechte Beleuchtung, fehlende
- 10:15Ansprechpersonen,
- 10:17überlastete Jugendhilfe, Drogenprobleme,
- 10:20fehlende Prävention. Technik adressiert
- 10:23Symptome und sie kostet Anschaffung,
- 10:27Wartung, Datenmanagement, juristische
- 10:30Absicherung. Das Geld fehlt dann dort,
- 10:33wo Prävention wirkt und Konflikte gar
- 10:35nicht erst entstehen. Außerdem erzeugt
- 10:38Überwachung eine falsche Beruhigung. Man
- 10:41hat Kameras, also fühlt man sich
- 10:44sicherer, obwohl die meisten Delikte
- 10:46dadurch nicht verhindert werden. Ich
- 10:49wäre für mehr sichtbare Polizei, bessere
- 10:52Sozialarbeit und gut gestaltete
- 10:55öffentliche Räume. Das schützt auch
- 10:57Freiheitsrechte, weil man nicht jeden
- 10:59Bürger unter Generalverdacht stellt. Und
- 11:02wenn man pilotiert, dann bitte mit
- 11:04klaren Kennzahlen, nicht mit
- 11:06Bauchgefühl.
- 11:33Hörverstehen Teil 2.
- 11:37Sie hören eine Radiosendung.
- 11:39Sie hören die Sendung nur einmal.
- 11:42Entscheiden Sie beim Hören, welche
- 11:44Aussage A, B oder C am besten passt.
- 11:49Markieren Sie Ihre Lösungen für die
- 11:51Aufgaben 55
- 11:53bis 64 auf dem Antwortbogen.
- 11:57Lesen Sie jetzt die Aufgaben 55 bis 64.
- 12:02Sie haben dazu 3 Minuten Zeit.
- 15:13Willkommen zurück bei Stadtgespräch.
- 15:17Heute geht es um einen Moment, den
- 15:18niemand mag. Plötzlich ist der Strom
- 15:20weg. Im Haus wird es still. Das WLAN
- 15:23bricht ab, die Heizung bleibt stehen.
- 15:26Und bei vielen kommt sofort die Frage,
- 15:28was jetzt? Wer in solchen Situationen
- 15:31als erstes angerufen wird, sind die
- 15:33Störungsnummern der Energieversorger.
- 15:36Unsere heutige Gästin Svenja Reuter
- 15:38leitet die 24 Stunden Hotline eines
- 15:41regionalen Netzbetreibers und
- 15:43koordiniert die Kommunikation zwischen
- 15:45Kundinnen und Kunden, Leitstelle und
- 15:47Einsatzteams. Schön, dass Sie da sind,
- 15:50Frau Reuter.
- 15:51Danke, ich freue mich.
- 15:52Viele stellen sich eine Hotline so vor.
- 15:55Man liest vom Bildschirm ab und
- 15:57vertröstet die Leute. Was passiert bei
- 15:59ihnen tatsächlich, wenn ein größerer
- 16:01Ausfall reinkommt? Zuerst wird es sehr
- 16:04organisatorisch.
- 16:05In der Leitstelle laufen Messdaten ein.
- 16:08Wir sehen, welche Stationen betroffen
- 16:09sind und wir bekommen Rückmeldungen von
- 16:11den Monteuren. In der Hotline müssen wir
- 16:14dann zweierlei leisten. Wir sammeln
- 16:16Hinweise aus der Bevölkerung. Manchmal
- 16:19sind es Kleinigkeiten, die bei der
- 16:20Fehlersuche helfen und wir erklären, was
- 16:22gerade passiert, ohne falsche Sicherheit
- 16:25zu geben. Das Schwerste ist, ehrlich zu
- 16:27bleiben und trotzdem zu beruhigen. Und
- 16:30wir müssen Prioritäten verständlich
- 16:32machen. Wenn ein Krankenhaus betroffen
- 16:34wäre, hat das natürlich Vorrang vor
- 16:36einer einzelnen Straßenlaterne, die
- 16:38ausgefallen ist.
- 16:40Beruhigen. Wie macht man das am Telefon,
- 16:42wenn jemand aufgebracht ist?
- 16:44Mit Struktur.
- 16:46Viele Menschen wollen in Stress nicht
- 16:47eine Erklärung, sondern einen nächsten
- 16:50Schritt. Wir sagen deshalb zuerst: Sind
- 16:53Sie in Sicherheit? Gibt es Rauch oder
- 16:56Brandgeruch? Ist jemand medizinisch auf
- 16:58Geräte angewiesen? Dann klären wir, ob
- 17:01es nur die Wohnung betrifft oder die
- 17:03Straße. Allein diese Fragen senken oft
- 17:06die Panik, weil der Anruf einen Rahmen
- 17:08bekommt. Und ja, Tonfall ist wichtig.
- 17:12Wenn ich hektisch klinge, wird der
- 17:13andere hektischer. Manchmal reicht schon
- 17:16langsam zu sprechen und kurze Sätze zu
- 17:18machen. Fachwörter helfen in so einer
- 17:21Lage kaum.
- 17:22Wann werden Anruferinnen und Anrufer
- 17:24besonders schwierig?
- 17:26Typischerweise, wenn Unsicherheit länger
- 17:27dauert. Wenn wir sagen können, in 30
- 17:30Minuten sind wir wieder da, ist fast
- 17:33alles leicht. Wenn wir aber noch keine
- 17:35verlässliche Prognose haben, weil erst
- 17:37vor Ort geprüft werden muss, entsteht
- 17:39Frust.
- 17:41Viele sind dann nicht böse auf Technik,
- 17:43sondern auf das Gefühl, ausgeliefert zu
- 17:45sein. Und manche haben reale Sorgen. Im
- 17:48Winter fällt die Heizung aus, im
- 17:50Homeoffice geht der Arbeitsplatz nicht.
- 17:53Im Laden ist die Kasse tot. Kühlware
- 17:55droht zu verderben. Besonders sensibel
- 17:58ist es bei Menschen, die
- 17:59Sauerstoffgeräte oder Pflegehilfen
- 18:01brauchen. Da organisieren wir, wenn
- 18:03nötig, auch über andere Stellen
- 18:05Unterstützung, aber dafür brauchen wir
- 18:07die Information.
- 18:09Wie weit helfen Scripts? oder behindern
- 18:11sie eher? Beides. Für Sicherheitsfragen
- 18:15brauchen wir klare Abläufe, da darf
- 18:17niemand improvisieren.
- 18:19Gleichzeitig ist jedes Gespräch anders.
- 18:22Ein älterer Mensch, der allein ist,
- 18:23braucht etwas anderes als jemand, der
- 18:25vor allem wütend ist. Wir trainieren
- 18:28daher Standard bei Sicherheit, flexibel
- 18:31bei Sprache und wir sagen unserem Team
- 18:34ausdrücklich lieber eine klare kurze
- 18:36Aussage als zehn Sätze, die am Ende nur
- 18:39neue Fragen öffnen. Außerdem arbeiten
- 18:42wir mit sogenannten Lagebildern.
- 18:45Wenn sich die Situation ändert, bekommt
- 18:47das Team sofort ein Update, damit nicht
- 18:50jede Kollegin etwas anderes sagt.
- 18:52Viele rufen ja auch an, obwohl das
- 18:54Problem gar nicht im Netz liegt, sondern
- 18:56im eigenen Sicherungskasten. Nervt das?
- 18:59Ich verstehe das. Für die Anrufenden ist
- 19:02kein Strom, erst einmal ein Zustand,
- 19:05keine Diagnose.
- 19:07Wir sehen tatsächlich sehr viele Fälle,
- 19:09die im Haus liegen. Etwa eine ausgelöste
- 19:12Sicherung, ein defekter FI Schalter oder
- 19:15ein Gerät, das einen Kurzschluss
- 19:16verursacht. Es bringt aber nichts,
- 19:19darüber zu spotten. Im Gegenteil.
- 19:22Wenn wir freundlich erklären, wie man
- 19:24prüfen kann, ob Nachbarn auch betroffen
- 19:26sind, sparen wir am Ende Zeit für alle.
- 19:29Was ich allerdings schwierig finde, sind
- 19:31Anrufe, die eigentlich nichts mit einer
- 19:33Störung zu tun haben. Z.B. wenn jemand
- 19:36sich über die Rechnung beschwert oder
- 19:38fragt, warum die Preise steigen. Das
- 19:40sind wichtige Themen, aber nicht in der
- 19:42Notfallnummer.
- 19:43Sie sammeln Hinweise aus der
- 19:44Bevölkerung. Was kann denn wirklich
- 19:46helfen? Oft sind es sehr konkrete
- 19:48Beobachtungen. Ich habe einen Knall
- 19:51gehört. Da hängt ein Ast in der Leitung.
- 19:53Die Ampel an der Kreuzung ist aus.
- 19:56Solche Informationen sind für die Teams
- 19:58vor Ort wertvoll, weil sie den Suchraum
- 20:00verkleinern. Wir fragen deshalb nach
- 20:03Ort, Zeitpunkt und sichtbaren Gefahren.
- 20:06Gleichzeitig achten wir darauf, keine
- 20:08riskanten Tipps zu geben. Es ist z.B.
- 20:11Keine gute Idee, wenn jemand selbst am
- 20:13Verteilerkasten herumprobiert.
- 20:15Wie kommunizieren Sie Zeitangaben? Viele
- 20:17wollen ja eine genaue Minute wissen.
- 20:20Das ist ein Klassiker. Wir sagen bewusst
- 20:22nicht, um 18:17 Uhr uh Uhr ist alles
- 20:25wieder da, weil das bei Technik selten
- 20:27seriös.
- 20:28Wir geben Zeitfenster und erklären
- 20:30Prioritäten.
- 20:32Erst muss die Stelle gesichert werden,
- 20:34dann wird gemessen, dann repariert.
- 20:37Gerade bei Sturmschäden kann es sein,
- 20:39dass die Teams erst arbeiten können,
- 20:40wenn es nicht mehr gefährlich ist.
- 20:42Interessant ist. Menschen akzeptieren
- 20:45auch längere Wartezeiten, wenn sie
- 20:46verstehen, warum und wenn wir nicht
- 20:48ständig neue widersprüchliche
- 20:50Versprechen machen.
- 20:51Was ist mit Social Media? Da verbreiten
- 20:54sich Gerüchte ja extrem schnell.
- 20:56Absolut. Wir haben inzwischen ein
- 20:58kleines Team, das parallel Updates auf
- 21:01der Website und in Kanälen
- 21:02veröffentlicht. Problematisch ist, dass
- 21:05sich Halbwissen gut verbreitet. Jemand
- 21:07schreibt er, das dauert bestimmt bis
- 21:09morgen. Und plötzlich gilt das als Fakt.
- 21:12Wir versuchen deshalb früh zu sagen, was
- 21:14wir wissen und genauso klar, was wir
- 21:17noch nicht wissen. Das nimmt
- 21:19Spekulationen die Luft.
- 21:22Trotzdem bleibt die Hotline wichtig,
- 21:24weil Menschen im direkten Gespräch eher
- 21:26beruhigt werden als durch einen Post.
- 21:29Gibt es ein Beispiel, das ihnen
- 21:30besonders im Kopf geblieben ist? Einmal
- 21:32hatten wir einen Ausfall in mehreren
- 21:34Ortsteilen. Es war später Abend und die
- 21:37sozialen Medien liefen heiß. Die da oben
- 21:40kümmern sich nicht. Gleichzeitig standen
- 21:43unsere Monteure im Regen an einer
- 21:44Leitung, weil zuerst ein Baum entfernt
- 21:47werden mußte. In der Hotline hatten wir
- 21:49dann einen Anrufer, der meinte, er wisse
- 21:52genau, was zu tun sei, und wir sollten
- 21:54einfach den Schalter umlegen.
- 21:57Da muss man ruhig bleiben und erklären.
- 21:59Im Netz kann man nicht beliebig
- 22:01schalten, wenn man nicht weiß, wo der
- 22:02Fehler ist, sonst gefährdet man
- 22:04Menschen.
- 22:06Ein anderes Mal rief eine Frau an,
- 22:08völlig aufgelöst, weil sie dachte, ihre
- 22:10Alarmanlage würde jetzt ausfallen. Und
- 22:13dann kommt sofort jemand.
- 22:15Da merkt man, wie stark Ausfälle
- 22:17Sicherheitsfantasien triggern.
- 22:19Wie gehen Sie mit solchen Besserwissern
- 22:20um?
- 22:21Ich frage nach konkreten Beobachtungen.
- 22:24Wo genau sind die Lichter aus? Haben Sie
- 22:26Funken gesehen? Ist nur eine Phase
- 22:28betroffen? Wenn jemand wirklich etwas
- 22:31beitragen kann, nehme ich das gern auf.
- 22:34Wenn es nur darum geht, Dampf
- 22:35abzulassen, setze ich Grenzen.
- 22:38Freundlich, aber klar. Ich verweise dann
- 22:40auf Sicherheitsregeln, weil sie nicht
- 22:42verhandelbar sind und ich versuche nicht
- 22:45in einen Wettstreit zu geraten. Wer sich
- 22:48ernst genommen fühlt, wird oft
- 22:49sachlicher.
- 22:50Die Ansprache: duzen oder sitzen. Manche
- 22:53Hotlines duzen inzwischen.
- 22:55Wir starten grundsätzlich mit Sie.
- 22:58In Stresssituationen kann ein Du zu nah
- 23:01oder sogar herablassend empfunden
- 23:03werden. Wenn die Person selbst zum Du
- 23:06wechselt und die Stimmung passt, kann
- 23:07man sich anpassen. Aber das ist eine
- 23:10bewusste Entscheidung.
- 23:12Und wie ist das für Ihr Team? Das ist ja
- 23:14Dauerstress.
- 23:16Es ist intensiv. Man muss gleichzeitig
- 23:18empathisch sein und Grenzen halten. Wir
- 23:21arbeiten deshalb mit kurzen Übergaben.
- 23:24Nach besonders aggressiven Anrufen gibt
- 23:26es ein kurzes Debriefing. Was ist
- 23:29passiert? Was hat geholfen? Und wir
- 23:32erinnern unser Team daran. Wut am
- 23:34Telefon ist selten persönlich gemeint.
- 23:36Sie ist ein Ventil.
- 23:38Bekommen Sie eigentlich Anerkennung für
- 23:40diese Arbeit?
- 23:41Es gibt mehr Dank als man denkt. Manche
- 23:44schreiben nachher eine Mail oder sagen:
- 23:46"Danke, daß Sie ruhig geblieben sind."
- 23:49Sehr persönliche Geschenke lehnen wir
- 23:51ab, weil wir neutral bleiben müssen.
- 23:53Aber wenn jemand dem Nachtdienst eine
- 23:55Kiste Wasser oder Schokolade für alle
- 23:57hinstellt, nehmen wir das als Teamgeste
- 24:00an und freuen uns ehrlich.
- 24:02Frau Reuter, vielen Dank für den
- 24:04Einblick.
- 24:04Sehr gern.
- 24:08Hörverstehen, Teil 3. Sie hören einen
- 24:12Vortrag.
- 24:13Sie hören den Vortrag nur einmal. Sie
- 24:16haben Handzettel mit den Folien der
- 24:18Präsentation erhalten. Schreiben Sie die
- 24:21fehlenden Informationen stichwortartig
- 24:24in die freien Zeilen 1 bis 10 in der
- 24:27rechten Spalte. Die Lösung 0 ist ein
- 24:30Beispiel. Lesen Sie jetzt die
- 24:32Stichworte. Sie haben dazu eine Minute
- 24:35Zeit.
- 25:20Guten Abend und willkommen zur
- 25:22Vortragsreihe Wirtschaft verstehen.
- 25:24Unser heutiges Thema lautet:
- 25:26Lieferketten unter Druck. Warum
- 25:28Transparenz plötzlich strategisch ist.
- 25:30Referent ist Dr. Jonas Bergmann, Berater
- 25:33für Beschaffung und Risikomanagement.
- 25:35Dr. Bergmann, schön, dass Sie da sind.
- 25:37Danke für die Einladung. Ich beginne mit
- 25:40einer These, die in Unternehmen lange
- 25:42unpopulär war. Transparenz kostet, aber
- 25:46Intransparenz kostet meist mehr. Das
- 25:49haben die letzten Jahre sehr deutlich
- 25:51gemacht. Viele verbinden Lieferketten
- 25:54mit etwas abstraktem: Container, Häfen,
- 25:57globale Karten. In der Praxis ist eine
- 26:01Lieferkette aber eine Kette aus
- 26:03Entscheidungen und oft entscheidet
- 26:05einziges Bauteil, ob ein ganzes Produkt
- 26:08ausgeliefert werden kann. Ein
- 26:10klassisches Beispiel: Ein Hersteller hat
- 26:13alles, nur ein winziger Chip fehlt. Dann
- 26:16stehen Maschinen nicht, weil das große
- 26:18Ganze zusammenbricht, sondern weil ein
- 26:21kleiner Engpass die Kette unterbricht.
- 26:24Genau an solchen Stellen merkt man, wie
- 26:26wichtig Resilienz ist.
- 26:28Resilienz bedeutet, vereinfacht gesagt
- 26:31die Fähigkeit, Störungen auszuhalten und
- 26:35trotzdem handlungsfähig zu bleiben. Also
- 26:37nicht nur Schäden zu vermeiden, sondern
- 26:40auch schnell zu reagieren, wenn sie
- 26:42eintreten. Das klingt banal, ist aber
- 26:45ein Kulturwechsel,
- 26:47denn jahrzehntelang galt Effizienz als
- 26:50oberstes Ziel. Möglichst wenig Lager,
- 26:53möglichst wenige Lieferanten, möglichst
- 26:56niedrige Stückkosten. Dieses Just in
- 26:59Time Denken hat Vorteile, aber es ist
- 27:02fragil. Sobald ein Hafen streikt, eine
- 27:04Straße gesperrt ist oder ein Zulieferer
- 27:06ausfällt, wird aus Effizienz sofort
- 27:09Verwundbarkeit. Der erste Schritt zu
- 27:12mehr Resilienz ist eine gute
- 27:14Risikoanalyse.
- 27:16Viele Unternehmen schauen dabei nur auf
- 27:18direkte Lieferanten, also auf die
- 27:20sogenannten Tier 1 Partner. Das reicht
- 27:24nicht. Risiken entstehen oft tiefer in
- 27:27der Kette bei Tier 2 oder Tier 3
- 27:30Zulieferern. Rohstoffe,
- 27:32Spezialchemikalien,
- 27:34seltene Vorprodukte. Wenn ich nicht
- 27:36weiß, wer dort liefert, kann ich auch
- 27:38nicht einschätzen, ob ich abhängig bin.
- 27:42Ein verbreiteter Irrtum ist, wir haben
- 27:44doch einen Vertragspartner, also sind
- 27:46wir sicher. Tatsächlich kann ein
- 27:48einziger Vorlieferand, den niemand auf
- 27:51dem Radar hat, zum Flaschenhals werden.
- 27:54Hier kommen wir zum zweiten Problem,
- 27:56Daten in vielen Organisationen existiert
- 28:00keine Single Source of Truth.
- 28:03Informationen liegen in Excel Listen, in
- 28:06E-Mails, in verschiedenen Systemen,
- 28:08manchmal nur in Köpfen. Das ist nicht
- 28:11nur unübersichtlich, sondern gefährlich,
- 28:14weil Entscheidungen dann auf veralteten
- 28:16oder widersprüchlichen Daten beruhen.
- 28:19Transparenz heißt daher nicht nur eine
- 28:21Karte zu zeichnen, sondern Daten so zu
- 28:24pflegen, dass sie vergleichbar und
- 28:26aktuell sind. Welche Teile kommen woher?
- 28:30Welche Alternativen gibt es?
- 28:32Wie lange sind Lieferzeiten realistisch
- 28:35und welche Abhängigkeiten entstehen
- 28:37durch Zertifikate, Transportwege oder
- 28:41politische Risiken? Viele sagen, dann
- 28:44machen wir eben Audits. Audits sind
- 28:47wichtig, aber sie sind eine
- 28:49Momentaufnahme.
- 28:50Ein Lieferant kann am Auditag perfekt
- 28:53aussehen und zwei Monate später Probleme
- 28:55bekommen durch Personalwechsel, durch
- 28:58finanzielle Engpässe, durch
- 29:00Subunternehmer.
- 29:02Deshalb setzt sich zunehmend ein
- 29:04zweistufiges Vorgehen durch. Audits als
- 29:07Basis ergänzt durch kontinuierliches
- 29:10Monitoring, also regelmäßige
- 29:12Datenupdates, Risikoindikatoren
- 29:15und wo sinnvoll unabhängige
- 29:18Informationen. Das Ziel ist nicht
- 29:20Kontrolle um der Kontrolle willen,
- 29:22sondern frühe Warnsignale. Ein dritter
- 29:25Hebel ist Diversifizierung.
- 29:28Ein Sonderfall ist das sogenannte Near
- 29:30oder Friendsoring.
- 29:32Unternehmen verlagern Teile der
- 29:34Produktion näher an ihre Absatzmärkte
- 29:37oder in Länder, die politisch als
- 29:40stabiler gelten. Das klingt nach einer
- 29:43einfachen Lösung, hat aber
- 29:44Nebenwirkungen.
- 29:46Nähe senkt Transportzeiten, aber sie
- 29:48garantiert weder Kapazitäten noch
- 29:51automatisch bessere Arbeitsbedingungen.
- 29:54Oft verschieben sich Risiken nur von
- 29:56geopolitischen Abhängigkeiten hin zu
- 29:59Engpässen bei Fachkräften oder
- 30:01Energiepreisen.
- 30:03Entscheidend ist daher nicht die
- 30:04geographische Nähe, sondern die Frage,
- 30:07wie schnell man Alternativen aktivieren
- 30:10kann und wie realistisch die Kapazitäten
- 30:13sind. In der Beschaffung gilt Single
- 30:16Sourcing ist bequem, aber riskant. Wenn
- 30:19ich nur eine Quelle habe, bin ich
- 30:21abhängig, preislich und organisatorisch.
- 30:25Dual Sourcing oder zumindest
- 30:27qualifizierte Zweitlieferanten schaffen
- 30:30Handlungsspielraum, auch wenn sie
- 30:32kurzfristig teurer sind. Wichtig ist
- 30:34dabei, nicht nur eine zweite Firma zu
- 30:37haben, sondern wirklich kompatible
- 30:39Spezifikationen, damit man im Ernstfall
- 30:42umschalten kann. Viele merken erst in
- 30:45der Krise, daß ein alternativer
- 30:47Lieferant zwar existiert, aber die
- 30:50Zertifizierung fehlt oder die Qualität
- 30:53nicht passt. Damit verbunden ist die
- 30:55Lagerfrage. In den 1990ern war
- 30:59Lagerhaltung fast ein Schimpfwort.
- 31:02Kapitalbindung, ineffizient, altmodisch.
- 31:06Heute sprechen viele wieder über
- 31:07Sicherheitsbestände, nicht als Rückkehr
- 31:10zur Vollagerwirtschaft, sondern als
- 31:12gezielte Puffer, dort wo Risiken hoch
- 31:15und Ersatzteile kritisch sind. Die Kunst
- 31:19liegt im Maß. Zu viel Lager bindet Geld,
- 31:22zu wenig Lager bindet die Produktion.
- 31:25Resilienz ist daher immer eine Abwegung
- 31:28zwischen Kosten und Risiko. Nun kommt
- 31:31ein Aspekt hinzu, der die Debatte
- 31:33moralisch und juristisch auflädt.
- 31:35Nachhaltigkeit und Menschenrechte. Ein
- 31:38weiterer Trend ist der digitale
- 31:40Produktpass. Informationen über
- 31:43Herkunft, Materialien und
- 31:45Reparierbarkeit sollen über QR-Codes
- 31:48oder Datenbanken abrufbar sein. Für die
- 31:51Lieferkette heißt das, Daten müssen
- 31:53entlang der Kette kompatibel sein. Ohne
- 31:57gemeinsame Standards wird Transparenz
- 31:59zur Insellösung, in der jeder eigene
- 32:02Formate pflegt. Gleichzeitig wächst die
- 32:04Gefahr von Greenwashing. Wenn Kennzahlen
- 32:07nur gut aussehen sollen, statt reale
- 32:09Verbesserungen abzubilden, verliert
- 32:12Transparenz ihren Zweck. Deshalb braucht
- 32:15es nicht nur Daten, sondern auch
- 32:17Prüfbarkeit. Mit Lieferkettengesetzen
- 32:20entstehen Sorgfaltpflichten.
- 32:22Unternehmen sollen Risiken in Bezug auf
- 32:25Arbeitsbedingungen, Umwelt und
- 32:27Korruption analysieren, Maßnahmen
- 32:29ableiten und darüber berichten. Das
- 32:32verändert Beschaffung. Es reicht nicht
- 32:35mehr nur Preis und Qualität zu
- 32:37verhandeln, sondern auch Nachweise,
- 32:40Dokumentation und Prozesse. Für große
- 32:43Unternehmen ist das machbar, für
- 32:45kleinere Zuliefer kann es aber eine
- 32:47enorme Last werden. Deshalb ist wichtig,
- 32:50dass man Anforderungen pragmatisch
- 32:52gestaltet und nicht nur Papier
- 32:54produziert. Ein Schlüsselbegriff ist der
- 32:57Beschwerdemechanismus.
- 32:59Moderne Systeme verlangen Kanäle, über
- 33:01die Missstände gemeldet werden können,
- 33:04intern und extern, oft anonym. Das
- 33:07klingt nach Compliance Bürokratie, kann
- 33:10aber sehr praktisch sein. Wenn Hinweise
- 33:13früh kommen, bevor ein Skandal
- 33:14eskaliert, kann ein Unternehmen
- 33:17reagieren. Entscheidend ist, dass solche
- 33:20Hinweise ernst genommen werden und dass
- 33:22es Schutz für Hinweisgeber gibt, sonst
- 33:25bleibt es ein Formular ohne Wirkung. Und
- 33:28natürlich stellt sich die Kostenfrage
- 33:30Transparenz, Audits, Datenpflege,
- 33:34Zweitlieferanten, das alles kostet. In
- 33:37der Praxis werden diese Kosten oft
- 33:39weitergegeben, entweder über
- 33:41Preisanpassungen oder über neue
- 33:43Vertragsmodelle. Für Verbraucherinnen
- 33:46und Verbraucher bedeutet das, manche
- 33:48Produkte werden nicht nur wegen
- 33:50Rohstoffpreisen teurer, sondern weil
- 33:53Lieferketten robuster gemacht werden.
- 33:56Transparenz ist damit auch
- 33:58Kommunikation.
- 34:00Zum Schluss, woran misst man Erfolg?
- 34:03Noch ein Punkt, der oft unterschätzt
- 34:05wird, ist Zusammenarbeit.
- 34:07Resiliente Lieferketten sind selten das
- 34:10Ergebnis einer einzelnen Firma, sondern
- 34:13von Absprachen, gemeinsame Forcasts,
- 34:16abgestimmte Lagerpuffer, transparente
- 34:19Eskalationswege.
- 34:21Wenn jedes Glied der Kette Informationen
- 34:23zurückhält, optimiert es sich selbst und
- 34:27destabilisiert das System. In der Krise
- 34:30zeigt sich dann, wer wirklich
- 34:31partnerschaftlich arbeitet und wer nur
- 34:34Risiken nach unten durchreicht. Viele
- 34:36Firmen messen immer noch primär
- 34:38Einkaufspreise.
- 34:40Das greift zu kurz. Sinnvoll sind
- 34:42mehrere Indikatoren, Lieferfähigkeit,
- 34:46Ausfallzeiten, Reaktionsgeschwindigkeit,
- 34:49aber auch Nachhaltigkeitskennzahlen
- 34:51und Compliance Risiken. Resilienz ist
- 34:54kein Zustand, den man einmal erreicht,
- 34:57sondern ein Prozess, der laufend
- 34:59überprüft werden muss, wenn Sie aus
- 35:01diesem Vortrag eine Sache mitnehmen.
- 35:04Lieferketten sind nicht nur Logistik,
- 35:07sie sind Strategie und Strategie beginnt
- 35:10dort, wo man bereit ist, unbequemes
- 35:13sichtbar zu machen.
- 35:15Vielen Dank, Herr Dr. Bergmann, für
- 35:16diesen sehr praxisnahen Vortrag.
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