Sophie Scholl & die Weiße Rose: die 5 letzten Tage — Transcript
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- 0:00In diesem Video geht es um Wahrheit, Freiheit und Gerechtigkeit.
- 0:03Das hört sich vielleicht erst mal überzogen an, aber es stimmt.
- 0:06Wir erzählen euch die Geschichte
- 0:08fünf dramatischer Tage im Februar 1943.
- 0:11In diesen fünf Tagen entscheidet sich das Schicksal
- 0:14einer Gruppe, die unter dem Namen die "Weiße Rose"
- 0:17die Nazidiktatur herausfordert.
- 0:19Sie sind die bekannteste Gruppe des bürgerlichen Widerstandes,
- 0:22die für ihre Ideale auch den eignen Tod in Kauf nimmt.
- 0:25(Nachdenkliche Musik)
- 0:28Bevor es mit der spannenden
- 0:29und zugleich grausamen Geschichte losgeht,
- 0:31einige Fakten vorab. Die "Weiße Rose",
- 0:34so nennt sich die Widerstandsbewegung
- 0:36gegen die Nazidiktatur.
- 0:37Ihr gehören die Medizinstudenten
- 0:39Hans Scholl und Alexander Schmorell an,
- 0:41ihre Freunde Christoph Probst und Willi Graf,
- 0:43Hans' Schwester Sophie und Prof. Kurt Huber.
- 0:47Während die Scholls in ihrer Jugend noch bei der Hitlerjugend mitmachen,
- 0:51ist Willi Graf schon damals gegen die Nazis.
- 0:53Als Mitglieder der Weißen Rose
- 0:55wollen sie etwas gegen die Diktatur unternehmen.
- 0:57Zum einen, weil sie als kritisch denkenden junge Leute
- 1:00vom NS-Staat ungerecht behandelt werden.
- 1:03Zum anderen, weil sie als Soldaten an der Front
- 1:05und als aufmerksame Menschen in der Heimat sehen,
- 1:08wie verbrecherisch das Regime ist. Deshalb wollen sie nicht schweigen,
- 1:12sondern den Deutschen die Augen öffnen.
- 1:14Sie wollen die Wahrheit sagen
- 1:16und zum Widerstand gegen die Verbrecher ermutigen.
- 1:18Dazu verfassen sie Flugblätter, vervielfältigen diese
- 1:21und verschicken sie dann zu Tausenden vor allem im Raum München
- 1:25und dem weiteren Umland,
- 1:26aber auch in österreichischen Städten.
- 1:28Schnell finden sie auch in anderen Städten Mutige,
- 1:31die die Blätter weitergeben, nachdrucken und versenden.
- 1:35In München bringen sie auch Parolen an den Hauswänden an.
- 1:38Zum Beispiel schreiben sie groß "Hitler Massenmörder"
- 1:41an ein Haus in der Münchner Fußgängerzone.
- 1:45Und dann kommt der Donnerstag, 18 Februar 1943.
- 1:51Zwei Studierende betreten die Universität München.
- 1:54Es handelt sich um Hans Scholl und seine Schwester Sophie Scholl.
- 1:58Die beiden Geschwister tragen einen Koffer bei sich,
- 2:01in dem sich Flugblätter befinden,
- 2:03die sie im Unigebäude auslegen wollen.
- 2:05Seit Monaten ist die Gruppe die Weiße Rose aktiv.
- 2:08Ihr Ziel: die Naziregierung stürzen.
- 2:10Ihre Motive: die Verbrechen der Regierung müssen aufhören.
- 2:14Ihre Aktionen werden immer größer,
- 2:16und die Staatsmacht tappt wohl im Dunkeln.
- 2:19Obwohl die Universität überwacht wird,
- 2:21versenden sie über 1.000 Flugblätter.
- 2:23Eine Flugblattaktion in der Universität wird erwogen.
- 2:26Was treibt sie zu dieser riskanten Aktion?
- 2:29Sind sie sich des Risikos bewusst?
- 2:32Wenn dann eher abstrakt.
- 2:33Konkret fürchten die sich nicht.
- 2:35Wer so lange gegen die Nazis kämpft, weiß, dass er erwischt werden kann.
- 2:39Aber ihr Gewissen ist stärker als ihre Angst.
- 2:42In der Uni sind die Flure wegen der Vorlesungen leer.
- 2:45Die beiden kommen gut voran.
- 2:46Zum Schluss steigen sie die Treppe hinauf.
- 2:49Von der Balustrade des Lichthofs flattert bald
- 2:51ein ganzer Stapel Flugblätter in die Tiefe.
- 2:54Ein Hausmeister, der genau das sieht,
- 2:57hastet alarmiert die Treppe nach oben.
- 2:59Er erklärt Sophie und Hans für verhaftet und nimmt sie mit,
- 3:03um sie kurze Zeit später der Gestapo zu übergeben,
- 3:06dem Geheimdienst der Nazis.
- 3:08Hans Scholl trägt noch einen Zettel bei sich.
- 3:10Es handelt sich um einen Textentwurf für das nächste Flugblatt
- 3:14der Weißen Rose, den Christoph Probst formuliert hat.
- 3:17Der Hausmeister vereitelt Hans' Versuch, den Zettel zu beseitigen.
- 3:20Ein Beweisstück mehr.
- 3:21Etwa ab elf Uhr werden die beiden von der Gestapo befragt.
- 3:25Sophie erzählt den Beamten, dass sie, wie ihr Bruder,
- 3:28Mitglied der HJ war, der Hitlerjugend.
- 3:30Sophie bei der Jungmädelschaft und im BDM,
- 3:32von 1934 bis 1941. Sie steigt zur Gruppenführerin auf.
- 3:35Sie schildert ihre Abkehr von der Organisation und sagt,
- 3:38dass sie mit den Nazis nichts zu tun haben will.
- 3:41Sophie und ihr Bruder Hans leugnen aber,
- 3:43etwas mit den Flugblättern zu tun zu haben.
- 3:45Aber die Gestapo hat bei Hans Beweismaterial gefunden.
- 3:48So erklärt er: "Ja, ich habe die Flugblätter verfasst, alleine."
- 3:52Er nimmt damit alle Beteiligten in Schutz,
- 3:55indem er alles auf sich zieht.
- 3:56Auch seine Schwester habe nichts gewusst.
- 3:59Er habe sie erst eingeweiht, als er die Flugblätter verteilen wollte.
- 4:02Auch Probst versucht er aus der Schusslinie zu ziehen.
- 4:05Der habe den Text auf seinen Auftrag hin verfasst
- 4:08und nichts von den Flugblättern gewusst.
- 4:11Freitag, der 19. Februar 1943. (Beklemmende Musik)
- 4:15Die Gestapo verhaftet Christoph Probst.
- 4:17Der Medizinstudent hat an der Ostfront Kriegsdienst geleistet
- 4:20und studiert in München Medizin.
- 4:22Hier lernt er die Geschwister Scholl kennen.
- 4:25Probst hat an den Flugblättern mitformuliert.
- 4:27Aber weil er drei kleine Kinder hat,
- 4:29hat er sich bei der Weißen Rose zurückgehalten.
- 4:32Der Entwurf für das siebte Flugblatt stammt von ihm.
- 4:35Genau diesen Entwurf trug Hans Scholl bei sich
- 4:37und konnte ihn nicht mehr vernichten.
- 4:39So kommt die Gestapo auf die Spur von Probst.
- 4:42Sophie Scholl wird von der Gestapo
- 4:44mit dem Geständnis ihres Bruder konfrontiert.
- 4:47Sie macht klar, dass sie von Anfang an
- 4:49in die Idee mit den Flugblättern eingeweiht
- 4:52und sogar maßgeblich daran mitbeteiligt war.
- 4:54Sie habe auch mitgeschrieben.
- 4:57Samstag, der 20, Februar 1943. (Beklemmende Musik)
- 5:01Die Gestapo verhört Hans Scholl noch einmal.
- 5:04Wieder gibt er an, eigentlich alles allein unternommen zu haben.
- 5:08Sophie und Alexander Schmorell hätten nur einmal auf sein Bitten hin
- 5:11Flugblätter in andere Städte gefahren.
- 5:13Er erklärt auch den Namen die "Weiße Rose".
- 5:16Er habe einfach einen Namen mit gutem Klang gesucht.
- 5:19Christoph Probst, den man nach München gebracht hat,
- 5:22wird ebenfalls verhört.
- 5:23In der Vernehmung gibt er an, wegen der Niederlage im Osten
- 5:26das Vertrauen zur deutschen Führung verloren zu haben.
- 5:29Über seine Ängste habe er mit Hans Scholl gesprochen.
- 5:32Den Text habe er in seiner Depression geschrieben,
- 5:35um sich abzureagieren.
- 5:36Er sei nicht zur Veröffentlichung gedacht gewesen.
- 5:39Von den Aktivitäten seiner Freunde habe er nichts gewusst.
- 5:42Er sei in unpolitischer Mensch. Warum macht Probst das?
- 5:46Na ja, ihr müsst daran denken, sich gegen Hitler zu stellen,
- 5:49gegen das Regime, das war lebensgefährlich.
- 5:51Wer gegen Hitler war, schwieg in den allermeisten Fällen.
- 5:54Kann man als feige bezeichnen, ist aber menschlich.
- 5:57Probst schwieg nicht, er wagte den Widerstand.
- 6:00Und jetzt, im Moment seiner Verhaftung,
- 6:02den Tod vor Augen, dass er in diesem Moment versucht,
- 6:05sich und seine Familie zu schützen, das ist eben nur menschlich
- 6:08und nicht feige.
- 6:10Sonntag, der 21. Februar 1943. (Beklemmende Musik)
- 6:15Auch an diesem Tag gehen die Verhöre weiter.
- 6:18Weil die jungen Männer der Weißen Rose,
- 6:20wie nahezu alle jungen Männer, im Krieg offiziell Soldaten sind,
- 6:24dürfen sich eigentlich nicht vor ein Zivilgericht gestellt werden.
- 6:27Deshalb werden sie aus der Armee entlassen.
- 6:30Damit ist der Weg frei, die Mitglieder der Weißen Rose
- 6:33vor das damals oberste deutsche Gericht zu bringen:
- 6:36den Volksgerichtshof.
- 6:39Dessen Präsident Roland Freisler
- 6:40reist extra mit dem Flugzeug nach München.
- 6:43Er will die Widerstandskämpfer persönlich verurteilen.
- 6:46Freisler versteht sich besonders auf Schauprozesse,
- 6:49in denen die Angeklagten vorgeführt und gedemütigt werden.
- 6:52Der NS-Apparat arbeitet schnell.
- 6:55Noch an diesem Sonntag liegen die Anklageschriften vor.
- 6:59Montag, 22. Februar 1943. (Beklemmende Musik)
- 7:03Am Montag füllt sich
- 7:04der Verhandlungssaal des Volksgerichtshofes mit Zuschauern.
- 7:08Es sind Frauen und Männer, die treue Anhänger Hitlers sind.
- 7:11Richter Freisler betritt um zehn Uhr die Bühne.
- 7:14Er ist in seinem Element.
- 7:15Wenn er die Angeklagten befragt, schreit und tobt er herum,
- 7:19springt immer wieder auf.
- 7:20Hans Scholl hat recht,
- 7:22wenn er den Prozess als ein "Affentheater" bezeichnet.
- 7:25Gegen Christoph Probst hat Freisler wenig in der Hand.
- 7:28Nur den zerrissenen Text, den außer Hans Scholl niemand gesehen hat.
- 7:32Probst erklärt, er sei wegen seiner kranken Frau depressiv.
- 7:35Auch Hans Scholl bittet Freisler darum, Probst zu verschonen.
- 7:39Aber Freisler verurteilt den dreifachen Vater gnadenlos.
- 7:42Um 12.45 Uhr verkündet Freisler das Urteil:
- 7:45Die Angeklagten haben im Kriege in Flugblättern zur Sabotage
- 7:49der Rüstung und zum Sturz der nationalsozialistischen Lebensform
- 7:52unseres Volkes aufgerufen, defätistische Gedanken propagiert
- 7:56und den Führer aufs Gemeinste beschimpft.
- 7:58Und dadurch den Feind des Reiches begünstigt
- 8:00und unsere Wehrkraft zersetzt.
- 8:02Sie werden deshalb mit dem Tode bestraft.
- 8:05Die Geschwister Scholl bekommen noch einmal Besuch von ihren Eltern.
- 8:08Christoph Probst darf seine Frau und seine Kinde nicht mehr sehen.
- 8:12Er lässt sich noch vom katholischen Pfarrer taufen,
- 8:15danach rauchen die drei Freunde eine letzte Zigarette.
- 8:18Um 17 Uhr beginnen die Hinrichtungen.
- 8:20Sieben Stunden nach Beginn der Gerichtsverhandlung,
- 8:23und nur fünf Tage nach den ersten Verhaftungen.
- 8:27Als Erste wird Sophie Scholl hingerichtet.
- 8:30Es wird berichtet, sie sei völlig gefasst gewesen.
- 8:33Hans Scholls letzter Satz ist ein Bekenntnis:
- 8:35"Es lebe die Freiheit!"
- 8:37Dann legt er den Kopf unter das Fallbein der Guillotine.
- 8:41Als Letzter stirbt auch Christoph Probst.
- 8:45Damit sind die fünf dramatischen Tage vorüber.
- 8:48Aber die Verfolgung der Weißen Rose
- 8:50und des Netzwerkes des Widerstandes gehen weiter.
- 8:53Auch Schmorell, Huber und Graf werden gefasst, verurteilt und hingerichtet.
- 8:57Weitere Helfer und Mitwisser der Weißen Rose
- 8:59werden in den kommenden Monaten und Jahren zu Haftstrafen verurteilt.
- 9:03Das sechste Flugblatt gelangt durch Widerstandskreise nach England.
- 9:07Im Juli 1943 werfen alliierte Flugzeuge
- 9:09das Flugblatt über deutschen Städten ab.
- 9:11In einem Film würde die Geschichte jetzt enden.
- 9:14Ein letzter Triumph der Weißen Rose.
- 9:16Aber in Wirklichkeit gehen der Krieg und die Terrorherrschaft weiter,
- 9:20noch fast zwei lange Jahre.
- 9:21Die Nazis verursachen weiteres unendliches Leid
- 9:24bis zur bedingungslosen Kapitulation.
- 9:27Das Ziel der Weißen Rose hat Deutschland also nicht erreicht:
- 9:31Die Kraft aufzubringen, das Naziregime selbst zu stürzen.
- 9:35War damit alles vergebens?
- 9:37Was bleibt von der Weißen Rose?
- 9:39Wie kann ihr Wirken auf uns heute noch Einfluss nehmen?
- 9:42So merkwürdig es auch klingen mag,
- 9:44das Einfachste und Bequemste für uns heute ist,
- 9:47Hans und Sophie Scholl, Wilhelm Graf, Alexander Schmorell,
- 9:50Christoph Probst und Kurt Huber als Helden zu verehren,
- 9:53weil sie für Wahrheit, Freiheit und Gerechtigkeit kämpften.
- 9:56Denn vor Helden kann man sich problemlos demütig verneigen.
- 10:00Helden spielen in einer ganz anderen Liga.
- 10:02Aber was kann ich tun, wo ich doch kein Held bin?
- 10:05Das ist es eben nicht,
- 10:07was die Weiße Rose bis heute ausmacht.
- 10:09Es waren junge Menschen, keine Überwesen.
- 10:11Sie wollten keine Helden sein, die die Sache für uns richten
- 10:15wie Superman und Wonder Woman. Sie wollten was anderes sein.
- 10:18Sie wollten unser böses Gewissen sein.
- 10:20Uns nicht in Ruhe lassen,
- 10:22bis wir uns gegen das Unrecht erheben.
- 10:24Und genau diese Botschaft hat immer Gültigkeit.
- 10:27Gestern, heute, morgen.
- 10:28Wenn das bei uns ankommt, war ihr Wirken nicht vergebens,
- 10:32würde ich zumindest sagen.
- 10:33Wie seht ihr das? Was bedeutet für euch die Weiße Rose?
- 10:36Wie würdet ihr den Widerstand bewerten?
- 10:38Schreibt's gerne in die Kommentare.
- 10:40Hier gibt's ein Video zu einem besonderen Schriftzeugnis
- 10:44des Nationalsozialismus: dem Tagebuch der Anne Frank.
- 10:46Und direkt darunter eins,
- 10:48das Sophie Scholl ganz besonders beleuchtet.
- 10:50Danke fürs Zuschauen. Bis zum nächsten Mal!
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