Ottakringer-Chefin Wenckheim: Bierpreis, Würstelstand, Familienstreit — Transcript
Full transcript
- 0:00100 l Bier trinken Österreicher und auch
- 0:03Österreicherinnen durchschnittlich pro
- 0:05Jahr. 10 Millionen Hektoliter Bier
- 0:08werden in Österreich jedes Jahr gebraut.
- 0:10Die Ottergringer Getränkeag ist der
- 0:12drittgrößte Bierhersteller des Landes
- 0:15mit einer Aufsichtsratschefin an der
- 0:17Spitze. Christiane Wenkheim wurde in die
- 0:20Braudynastie hineingeboren, aber so
- 0:22erzählt sie, ihr Berufsweg war
- 0:24keineswegs vorgezeichnet.
- 0:27Was ihr wichtig ist, erzählt sie uns
- 0:28auch und wie sie sich bemüht hat aus
- 0:31Ottergringer, diesen
- 0:32Traditionsunternehmen eine moderne Marke
- 0:35zu machen. Ich bin Bitra Ströber, das
- 0:38ist das CEO Podcast des Standard.
- 0:41[musik]
- 0:47Frau Wenkem, vielen Dank fürs Kommen.
- 0:49Bevor wir starten, machen wir wie immer
- 0:50so eine kleine Lockerungsübung und zwar
- 0:53ist das ein Wordrab. Ich stelle Ihnen 12
- 0:55Fragen, die Sie bitte so kurz wie
- 0:57möglich beantworten. Können man
- 0:59loslegen?
- 0:59Wir legen los.
- 1:00Okay. Vier Tage Woche oder sieben Tage
- 1:03Woche? Na ja, für eine
- 1:05Familienunternehmerin, wie ich es bin,
- 1:07ist die 7 Tage Woche 24 Stunden
- 1:09eigentlich angesagt. Für die Menschen,
- 1:13mit denen ich arbeite, würde ich mir die
- 1:14vier Tage wünschen. Ähm plus einen Tag,
- 1:17wo wir kreativ arbeiten und ein bisschen
- 1:18anders arbeiten und lustigere und
- 1:21kreative Zusammenarbeit fördern und eine
- 1:24andere neue Gesprächsgute miteinander
- 1:25haben.
- 1:26Mhm. Sport vor oder nach der Arbeit?
- 1:29Vor der Arbeit. ähm damit ich effizient
- 1:32dann im der Arbeit bin. [schnauben]
- 1:34Führen Sie ihren Terminkalender selbst?
- 1:36Ich gebe zu, nicht ganz. Es macht schon
- 1:38eine wunderbare Beziner, die mich
- 1:40begleitet und ähm die ist ein bisschen
- 1:42akkurater als ich.
- 1:43Mhm. Auf welche Eigenschaften achten Sie
- 1:46denn bei Bewerbern am meisten?
- 1:50Mich interessieren Geschichten aus der
- 1:51Vergangenheit, wo diese Menschen zeigen,
- 1:54was sie schon geleistet haben und wie
- 1:56sie das angegangen sind und ähm wie sie
- 1:59ihre Passion ausgelebt haben und wie sie
- 2:01ihre Begeisterung für etwas ausgelebt
- 2:02haben.
- 2:03Gibt es eine gute Art zu kündigen?
- 2:07Ja, ich glaube mit Dankbarkeit.
- 2:09Dankbarkeit für das, was war.
- 2:10Mhm. Was ist Ihr wichtigster Softskill?
- 2:15ähm Menschen lesen zu können über ihre
- 2:19Körpersprache, das interessiert mich
- 2:21unglaublich und ihre Stimme. Ich kann
- 2:23sehr gut zwischen den Tönen hören, wie
- 2:25es ihnen geht oder was sie jetzt
- 2:26wirklich denken und das gibt mir sehr
- 2:28viel Power in Gesprächen.
- 2:31Cool. Muss ich mich jetzt fürchten?
- 2:33Nein, [gelächter]
- 2:35kann ich ein und ausschalten.
- 2:37Auf welches Networking Event können Sie
- 2:40nicht verzichten? Ja, das krieg ja
- 2:42Bierfest natürlich im Sommer die zwei
- 2:44Monate. Ich finde das ist einfach so ein
- 2:46Ort der Begegnung mit einem Bier
- 2:48zusammen mit einem guten Ottergringer.
- 2:49Das ist ganz wichtig für mich.
- 2:51Office, Homeoffice oder Hybrid?
- 2:55Nicht irgendwo angefesselt zu sein ist
- 2:57mein mein Wunsch für mein Leben.
- 3:00Natürlich brauchen wir mehr Office Time
- 3:02mit den Mitarbeitern, damit die eben
- 3:04ihre Kultur, die die Kultur des
- 3:06Unternehmens weiter äh lebendig bleibt,
- 3:09wenn die Menschen zusammen sind. Also,
- 3:10das würde ich mir wünschen für mich, ich
- 3:12bin mal dort mal da, also Hybrid.
- 3:14Mhm. Welche Eigenschaft hat sie denn an
- 3:17die Spitze ihres Unternehmens gebracht?
- 3:19Ich glaube, ein Maß an Hartnäckigkeit
- 3:21und Freude und Passion für Getränke und
- 3:25für Familien ähm Zusammengehörigkeit.
- 3:28Mhm. Gibt es das eine Work Life Balance?
- 3:32Ja, die habe ich nicht immer gekannt in
- 3:34meinem Leben. Jetzt ist es besser. Ich
- 3:36glaube, es ist sehr wichtig für die
- 3:37Menschen. Ähm und ja, sie gibt's glaube
- 3:40ich schon.
- 3:41Sollten Väter und Mütter gleich lange in
- 3:44Karenz gehen müssen.
- 3:47Also ich find's super, dass ä jetzt
- 3:48Männer das überhaupt auch mehr ins Auge
- 3:50fassen. Das finde ich sehr toll, dass
- 3:52das jetzt mehr Gleichgewicht bekommt,
- 3:54wenn auch ich finde, verpflichtend soll
- 3:56das alles nicht sein. Das sollen die
- 3:58Menschen selbst entscheiden können, was
- 4:00sie und wie sie das händeln wollen.
- 4:01Mhm. Was ist denn ihr Tipp an junge
- 4:04Leute, die erfolgreich werden wollen?
- 4:07ähm etwas zu entdecken, was sie wirklich
- 4:09gern machen und das einfach konsequent
- 4:12verfolgen.
- 4:12Mhm.
- 4:14Gut, vielen Dank für diesen kleinen
- 4:16Wordrap. Äh wir starten mit unserem
- 4:20eigentlichen Podcast und da habe ich mal
- 4:22gleich eine Fachfrage an Sie. Wie trinkt
- 4:24man den Bier richtig? Als Krügel oder
- 4:27als Seidel?
- 4:28Na ja, der Heavy, also der, der mehr
- 4:30trinkt, trinkt ein Krügel. Ich
- 4:32persönlich liebe Seideln. Warum? Weil
- 4:34das Bier immer kalt bleibt und ich mag
- 4:36halt kaltes Bier und deshalb trinke ich
- 4:38lieber mehrere Seiteln und nicht ein
- 4:41Krügel.
- 4:42Heißt's eigentlich Krügel oder Krügerl?
- 4:44Ich sag Krügerl.
- 4:46Krügerl.
- 4:46Krügerl.
- 4:47Also die Verniedlichung macht es etwas
- 4:50bekömmlicher beim Konsum oder wie?
- 4:52Wahrscheinlich ja. Bisschen harmloser.
- 4:55Dose oder Flasche? Was ist besser?
- 4:58Ja, die Dose ist erstaunlich gut, weil
- 5:00sie das ähm Bier schützt vom Licht äh
- 5:03und das der Lichinfluss ist ein großer
- 5:05Faktor für die Bierqualität und daher
- 5:08tendenziell Dose.
- 5:10Umweltfreundlich ist natürlich die
- 5:11Mehrwgflasche.
- 5:12Mhm. Ihr Unternehmen vereint Bier und
- 5:15Wasser. Sie selbst, sind Sie eher eine
- 5:18Biertrinkerin oder eine Wassertrinkerin?
- 5:21Anlassbezogen.
- 5:22Äh, ich trinke sehr viel Gutes fürs
- 5:24Lauer hier. vor allen Dingen das ohne äh
- 5:27das ja 20.000 Jahre alt ist und
- 5:29irgendwie ich habe das Gefühl, das
- 5:30trinkt man einfach leichter und das ist
- 5:32wahnsinnig bekömmlich und ähm für die
- 5:36Anlässe natürlich ein gutes
- 5:38Ottergränerbier,
- 5:39also nie Sekt eher Ottergräner
- 5:41[gelächter]
- 5:42Sekt. Nein.
- 5:44Okay.
- 5:44Ottergräer Bier.
- 5:46Jetzt gibt's leider ein kleines Problem.
- 5:48Der Absatz alkoholischer Getränke sinkt.
- 5:51Ähm, es gibt ein Wirtsus sterben. Haben
- 5:54Sie das Gefühl, dass die Branche
- 5:55insgesamt so den Zenit überschritten
- 5:57hat?
- 5:59Ähm ja, das das also ich würde sagen,
- 6:02die Zenit überschritten hat nein. Es
- 6:04sind, glaube ich, in unserem Geschäft
- 6:05immer Wellen gewesen. Ähm mal besser,
- 6:09mal weniger gut. Äh das alkoholfreie
- 6:11Bier boomt ja enorm. Ähm, das hat
- 6:14zweistellige Wachstumsraten. Also, das
- 6:15ist schon eine wirkliche Alternative für
- 6:17die alkoholfreien Getränke oder für das
- 6:20Bier ähm insgesamt.
- 6:23Und ich denke, der Tourismus ist ein
- 6:26riesen Faktor, also für uns, die sehr
- 6:27stark auch in Wien ansässig sind, ist
- 6:29der Tourismus ein Riesen Faktor und der
- 6:31bumt ja enorm und damit sind wir
- 6:33natürlich auch mit der Gastronomie, die
- 6:35hier die Touristenabdeck auch sehr gut
- 6:38abgesichert, sage ich jetzt mal und also
- 6:40in Summe ähm
- 6:43ist der Markt zwar unter Druck, aber ich
- 6:46glaube, es geht schon wieder langsam
- 6:47Berg auf und ich bin zuversichtlich,
- 6:49dass das Trinken nie aufhören wird.
- 6:50jetzt vor allen Dingen auch von Wasser,
- 6:52aber auch von alkoholischen Getränken.
- 6:55Gastronomie ist ein gutes Stichwort. Ähm
- 6:58in Wien wurde die 6 € Marke für ein
- 7:01Grügel Bier im Gasthaus schon längst
- 7:03überschritten, manchmal sieht man auch 7
- 7:05€. Äh, was darf denn ein Krügelbier
- 7:08ihrer Meinung nach im Gasthaus kosten?
- 7:11Wir mischen uns nicht in die
- 7:13Bierpreisgestaltung
- 7:15unserer Kunden ein. Ähm natürlich desto
- 7:18weniger es kostet, desto besser für die
- 7:19Konsumenten und ähm es gibt ja auch
- 7:22inzwischen Lokale, die 390 fürs Krüger
- 7:24verlangen und äh durchaus überrannt
- 7:27sind. Also es ist ähm ja eine große
- 7:29Bandbreite von Preisen, die am Markt
- 7:31draußen zu sehen sind. Und ich finde ähm
- 7:34das ist die Freiheit des Wirten, der
- 7:35sich seine Kosten ähm ja selbst im Griff
- 7:37haben hat und ähm auch seine Wahl ist,
- 7:40was er da für Preise macht. Äh uns ist
- 7:43wichtig, dass sie ähm gutes Bier
- 7:46verkaufen, qualitätsorientiertes Bier,
- 7:49dass sie gut auf die Schranktechnik
- 7:50schauen, dass die äh Qualität passt. Auf
- 7:52das achten wir eigentlich mehr als auf
- 7:54die Preise.
- 7:55Mhm. Lassen Sie uns ein bisschen in den
- 7:57Handel blicken. Der verkauft 90% des
- 7:59Biers zu Aktionspreisen.
- 8:01Die Kiste um 15 € ist z.B. keine
- 8:04Seltenheit. Ähm, tut [räuspern] Ihnen
- 8:07das jetzt auch weh oder machen Sie
- 8:09damit?
- 8:10Na ja, ähm natürlich ist das schwierig,
- 8:13weil ähm diese Preis ähm aggressiven
- 8:16Aktionen eine ganze Branche, vor allen
- 8:19Dingen uns Privatbrauerein sehr unter
- 8:21Druck setzen. Das muss man schon klar
- 8:22sagen. Natürlich wünschen wir uns da
- 8:25eine Entspannung ähm seitens des
- 8:27Handels. Ähm, aber wie auch da, wie auch
- 8:29in der Gastronomie, haben wir nicht die
- 8:31Preishoheit über diese Dinge und ähm wir
- 8:34versuchen halt möglichst unsere Qualität
- 8:36in den Vordergrund zu stellen und hier
- 8:38die Preiswürdigkeit, unsere Produkte und
- 8:39ich glaube, das sind die Privatbauereien
- 8:41ja auch Vorreiter darin eben genau das
- 8:44zu tun, zu schauen, dass wir äh mit
- 8:47guten ähm Qualitäten, punkten und
- 8:50dadurch hoffentlich auch diese
- 8:51Preisaggression irgendwann hoffentlich
- 8:54eine eine Beruhigung findet, dass es
- 8:56schon ein
- 8:56das ist nämlich eigentlich dahinter
- 8:57Hintergrund meiner Frage, weil also vor
- 8:59allem die kleinen Privatbrauereien
- 9:01sagen, also dieser dieser Preiskampf,
- 9:03der bringt uns noch um. Jetzt gehören
- 9:04Sie eigentlich zu den großen, sind aber
- 9:06eine Privatbrauerei. Also wo stehen Sie
- 9:08da?
- 9:09Ja, mal so, mal so muss man klar sagen.
- 9:11Natürlich machen wir immer wieder auch
- 9:13Preisaktionen mit. Ähm, aber in Summe
- 9:16wünschen wir uns eine Beruhigung des der
- 9:18Preis ähm der Preisaktionitis am Markt.
- 9:22Ist das realistisch? Weiß ich nicht. Der
- 9:23Handel hat natürlich ähm durch den ähm
- 9:26durch die ähm durch das Bier einen
- 9:28großen Zuzug in seine Outlets und Bier
- 9:31ist nun mal ein Kernlebensmittel für die
- 9:34Menschen und bringt die Menschen in die
- 9:37in die Supermärkte.
- 9:38Mhm. Mhm. Jetzt hat's in der Finanzkrise
- 9:41noch geheißen, alles Krise, da Krise,
- 9:43dort Krise. Nur beim Bier gibt's nie
- 9:45eine Krise. Spätestens seit Corona
- 9:47wissen wir, das stimmt nicht ganz. Ähm
- 9:50äh wenn Sie sich zurückerinnern, was hat
- 9:52diese Coronakrise für Ottergringer
- 9:55bedeutet?
- 9:56Also für Otterkringer war es schon ein
- 9:58herber Schlag. Ähm auch für unseren ähm
- 10:01also unsere Tochter Delfo Kolik, die
- 10:04auch zu uns gehört, ja reine
- 10:05Gastronomiebelieferung macht, war das
- 10:07natürlich ein herber Schlag, weil die
- 10:09Gastronomie zugesperrt war und ähm das
- 10:12für einige Zeit und daher haben wir 50%
- 10:15so des Umsatzes war dann zugesperrt
- 10:17quasi. Ähm, das hat sich teilweise in
- 10:19den Handel verlagert, aber eben nur
- 10:21teilweise die Menschen konnten sich
- 10:22nicht mehr in Gruppen treffen und wir
- 10:24sind nun mal mit Otter Kringer ein Bier,
- 10:26das Community ähm wo Menschen
- 10:28zusammenkommen, wo Menschen verbunden
- 10:30werden, wo Menschen miteinander feiern
- 10:32äh Indoor, Outdoor und das war halt
- 10:34nicht. Und ähm wir sind sehr froh, dass
- 10:36das wieder äh zurückgekommen ist und
- 10:38dass das jetzt wieder so ein wirkliches
- 10:40Leben ähm wieder stattfindet und ähm
- 10:43damit diese diese Delle, die durchaus da
- 10:46war, wieder ähm zumindest großteils
- 10:49zurückgekommen ist.
- 10:51Jetzt ist aber in der Coronaphase der
- 10:53Alkoholkonsum insgesamt glaube ich gar
- 10:55nicht so zurückgegangen, sondern eher
- 10:57das Gegenteil. Das heißt, ähm, kann man
- 10:59den Schluss ziehen? Also, das Bier ist
- 11:01nicht schuld daran, wenn die Leute zu
- 11:03viel dem Alkohol zusprechen oder wie
- 11:05würden sie das interpretieren?
- 11:07Ähm, da bin ich jetzt ehrlich gesagt ein
- 11:11bisschen überfragt.
- 11:13Ähm, ich glaube, dass ähm dadurch, dass
- 11:16es keine Feiern gab, trotz allem, ja,
- 11:18und dieses diese Community Zeit
- 11:20miteinander, die Leute ja nicht alleine
- 11:23Biere und Schnäpse getrunken haben zu
- 11:25Hause. Also das hat man in den Zahlen so
- 11:29nicht gesehen. Das hat schon gefehlt,
- 11:31dieser Teil des Zusammenkommens. Ähm und
- 11:34den haben wir halt auch stark gespürt.
- 11:36Was was tut denn Ihr Unternehmen, um den
- 11:39insgesamt sinkenden Bierkonsum
- 11:41entgegenzuwirken?
- 11:42[räuspern]
- 11:42Wir haben sehr viel, also beim Bier, wir
- 11:45sind ja als Gruppe sehr innovativ und äh
- 11:48machen sehr viele neue ähm innovative
- 11:51Produkte. Wir haben entwickelt einen
- 11:53Bierspritz z.B. das ist so ähm ein mit
- 11:56Blutorange ein ein typisches
- 11:58Spritzgetränk, wie wir es jetzt sehr
- 12:00viel sehen am Markt. Ähm aber mit einem
- 12:02Touch Bier in der O3er Dose, das z.B.
- 12:04ein Riesenerfolg, haben wir gemeinsam
- 12:07ähm entwickelt äh mit Kunden von uns und
- 12:10ähm ja, dann haben wir z.B. z.B. einen
- 12:12Frokaderadel auf den Markt gebracht
- 12:14heer, der ein Riesenerfolg ist, ähm der
- 12:16ähm wirklich köstlich schmeckt und der
- 12:19ein ganz neues und auch innovatives
- 12:21Produkt ist in einer Kooperation mit
- 12:23Frokade, was ja auch sehr neuartig ist,
- 12:26dass man eben Kooperationen macht mit
- 12:28nichtalkoholischen Getränken.
- 12:29Mhm. Jetzt haben Sie vorher schon
- 12:31erwähnt, das alkoholfreie Bier. Hat das
- 12:33insgesamt, glauben Sie, das Potential
- 12:36quasi die Umsätze zu stabilisieren?
- 12:39M [räuspern] gänzlich nein, aber es hat
- 12:41einen durchaus Potenzial so 10 % des
- 12:44Volumens vom Biermarkt ähm zu erreichen.
- 12:47Momentan liegen wir ja bei ca. 6 %,
- 12:49zwischen 4 und 6 % und ähm ich glaube,
- 12:53es hat ein durchaus Potenzial noch für
- 12:54ein ordentliches Stück Wachstum. ähm
- 12:58ganz wird es das nicht kompensieren,
- 12:59aber es ist sicher das Alkohol,
- 13:01nichtalkoholische Getränk in der
- 13:04Alkoholindustrie, das ähm wirklich ähm
- 13:06gut schmeckt und anders als Wein
- 13:09wirklich trinkbar geworden ist.
- 13:11Haben Sie haben Sie da auch
- 13:13Marktuntersuchungen?
- 13:15Wer wer trinkt denn alkoholfreies Bier?
- 13:17Mehr Frauen, mehr Junge oder ist das
- 13:21geht das durch die Bevölkerung durch?
- 13:22geht durch die Bevölkerung durch, aber
- 13:24auch Junge trinken das, aber auch sehr
- 13:27viele Leute auch inzwischen zu Mittag
- 13:29als das Mittagsbier, das eben jetzt
- 13:31alkoholfrei ist, durchaus ein wirklicher
- 13:33Erfolg. Ja,
- 13:34jetzt ich habe es nicht herausgefunden.
- 13:37Ähm 0 kom Josef gibt's ja schon lange.
- 13:40Ich weiß nicht, ob sie die ersten waren
- 13:41am Markt, die ein alkoholfreies Bier
- 13:43angeboten haben. Allerdings halt schon
- 13:45zu einer Zeit, als alkoholfreies Bier
- 13:47noch den Ruf hatte, das kann man nicht
- 13:50trinken, [gelächter]
- 13:51das schmeckt einfach nicht gut. Ähm,
- 13:54jetzt gibt's das 0 Kom Josef noch immer.
- 13:57haben sie schon also es hat so ein
- 13:59bisschen, es ist sozusagen quasi die
- 14:00alte Tante unter den alkoholfreien
- 14:02Bieren. Haben Sie schon jemals an ein
- 14:04Rebranding gedacht, das irgendwie ein
- 14:07bisschen moderner zu machen?
- 14:08Wir haben es gerade moderner gemacht und
- 14:11es ist tatsächlich das erste
- 14:12Alkoholfreib in Österreich gewesen, muss
- 14:14man sagen.
- 14:16Und ja, wir haben auch immer wieder den
- 14:17Geschmack angepasst, auch zuletzt jetzt.
- 14:20Es schmeckt wirklich großartig. Wenn sie
- 14:21es jetzt ähm frisch kosten, insbesondere
- 14:24auch vom Fass ist es wirklich eine
- 14:25Sensation. Schmeckt eigentlich fast wie
- 14:27Bier. Also, es ist echt wirklich
- 14:29köstlich.
- 14:30Mhm. Jetzt ähm ist unsere
- 14:32Bundesregierung vielfach beschäftigt,
- 14:34nicht nur mit einem äh knackigen
- 14:36Sparpaket, das erneut geschnürt werden
- 14:38muss und einem Doppelbudget und das
- 14:40gerungen wird, sondern sie muss sie
- 14:42müssen auch versuchen, die Inflation zu
- 14:44bekämpfen und um das zu tun sind auf
- 14:47bestimmte Lebensmittel die Steuern
- 14:49reduziert worden, die Massensteuern, um
- 14:51den Leuten die Teuerung ein wenig zu
- 14:53erleichtern. Auf Bier nicht. finden Sie
- 14:56das okay? [schnauben][seufzt]
- 14:59Schade, weil es ein Grundnahrungsmittel
- 15:01meiner Meinung nach [gelächter]
- 15:02gehört zu unseren Grundnahrungsmitteln.
- 15:04Ja, man muss auch bedenken, man muss das
- 15:06ja dann auch wieder gegen finanzieren
- 15:08und ähm und ähm die Erfindungs der
- 15:11Erfindungsreichtung in neue Steuern
- 15:13setzen ähm ist auch nicht immer ganz ähm
- 15:15hilfreich für diverse Branchen. Wir
- 15:17haben gerade die Plastiksteuer abwenden
- 15:19können für den Biermarkt, auch für den
- 15:22ähm alkoholfreien Getränkemarkt. Ähm,
- 15:25also ja, natürlich wäre es schön, wenn
- 15:27das billiger wird für die Konsumenten,
- 15:28keine Frage, aber wenn wir dann
- 15:31Gegenmaßnahmen treffen müssen, dann
- 15:33wieder Menschen betroffen sind von den
- 15:35Gegenmaßnahmen, ist es vielleicht auch
- 15:36nicht unbedingt hilfreich.
- 15:38Kann es sein, dass am sinkenden
- 15:40Bierkonsum vielleicht auch die
- 15:41Verdoppelung des Pfandes äh für
- 15:43Bierflaschen verantwortlich ist?
- 15:45Vielleicht war das doch nicht so eine
- 15:46gute Idee.
- 15:47Ja, und die Einführung von Dosenpfand
- 15:49ähm ja, die Sammelquote war hoch. Ähm,
- 15:52inzwischen ist das ähm seit einem Jahr
- 15:55äh am Markt das Einwegpfahren, das hat
- 15:57uns tatsächlich äh insbesondere für auch
- 15:59für Ottergring, weil wir halt sehr
- 16:01dosenlastig sind in der Produktion, weil
- 16:03Wien ein Dosen äh eine Dosenstadt ist.
- 16:05Die Menschen kaufen zu fast 80%
- 16:07Dosenbier in Wien, weil sie es
- 16:09hinauftragen [räuspern]
- 16:10müssen. Ähm, also im urbanen Raum ist
- 16:13die Dose einfach das Nummer ein ähm
- 16:16Getränk und ja, deshalb haben wir einen
- 16:18höheren Dosenanteil, weil wir hal
- 16:20hauptsächlich die Wiener und Wienerinnen
- 16:21bedienen. Äh und dadurch waren wir
- 16:23natürlich stärker betroffen und das
- 16:25Dosenpfand hat einen Einbruch gebracht,
- 16:27aber es stabilisiert sich jetzt zum
- 16:28Glück und die Menschen haben sich jetzt
- 16:30langsam gewöhnt, dass man das halt
- 16:31zurückbringt. Sie haben ein System zu
- 16:32Hause gefunden, wie sie es managen und
- 16:35ähm
- 16:35aber es hat die Leute genervt oder
- 16:37es hat die Leute genervt, aber jetzt
- 16:39hoffen wir alle sehr, dass es und wir
- 16:41merken, dass es eine gewisse
- 16:42Stabilisierung gibt und die Leute das
- 16:44jetzt ähm ein bisschen besser können und
- 16:47auch die Supermärkte ehrlicherweise auch
- 16:49besser können. Die Maschinen
- 16:50funktionieren besser, die Menschen
- 16:51können besser mit diesen Maschinen. Am
- 16:52Anfang waren ja da lauter Störungen,
- 16:54also das war schon schwierig und jetzt
- 16:56ist, glaube ich, eine Routine bei allen
- 16:58eingetreten,
- 16:59was zu einer Stabilisierung führt.
- 17:01[gelächter] Hoffentlich.
- 17:02Sie haben einen großen Konkurrenten, das
- 17:04ist die Brauunion, gegen den läuft
- 17:06gerade ein Kartellverfahren. Der
- 17:08Standard hat schon mehrfach äh darüber
- 17:10berichtet. Ähm dem Unternehmen wird äh
- 17:14nur für unsere Zuhörer und Zuhörerinnen,
- 17:17dem Unternehmen wird vorgeworfen im
- 17:19wesentlichen Getränkehändler unter Druck
- 17:21zu setzen, dass nur ihre Produkte
- 17:24vertrieben werden, äh was die Brauion
- 17:26selbst bestreitet. Äh, wir haben gemerkt
- 17:29bei unserer Berichterstattung, dass die
- 17:30Zeugenaussagen vor Gericht stark
- 17:32divergieren. Ähm, das Verfahren wird
- 17:35wahrscheinlich noch lange dauern. Ähm,
- 17:38jetzt einmal die eine grundsätzliche
- 17:39Frage an Sie. Das was die Braunion dann
- 17:42macht, das nennt man das
- 17:43Streckengeschäft. Machen Sie über Ihren
- 17:46Getränke Handel auch Streckengeschäft?
- 17:49Ja, teilweise.
- 17:50Mhm. Wie gestalten Sie Ihr Verhältnis äh
- 17:53zu Ihren äh zu Ihren Getränkehändlern?
- 17:56Ja, sehr gut. Wir haben ein sehr enges
- 17:58Verhältnis zu unseren ähm Partnern. Wir
- 18:00sind ja hauptsächlich im urbanen Raum
- 18:02tätig mit Otterkringer und mit FLer sind
- 18:05wir national tätig mit Getränkehändler
- 18:08und haben eine sehr enge Beziehung mit
- 18:09denen.
- 18:10Könnte Ihnen dasselbe passieren wie der
- 18:12braun, dass irgendwer sagt, die setzen
- 18:15uns unter Druck,
- 18:15sind nicht, wir sind nicht solche
- 18:17Marktführer und wir setzen unsere Kunden
- 18:19nicht unter Druck. Wir sind ähm ein
- 18:21Verfechter von ähm einer guten Beziehung
- 18:24miteinander, ein gutes Auskommen
- 18:26miteinander, ähm ein freundschaftliches
- 18:29äh Geschäftsverhältnis und
- 18:31Geschäftsgebarung.
- 18:32Jetzt ist eine heikle Frage, aber ich
- 18:34stell sie trotzdem. War das vielleicht
- 18:35von Beginn an ein Problem, ähm, dass man
- 18:39die Brauunion so stark werden hat
- 18:41lassen, also mit Duldung der EU und auch
- 18:43der Bundeswettbewerbsbehörde
- 18:45sind da ja diese Zusammenschlüsse
- 18:46genehmigt worden. Jetzt ist das ein
- 18:48Riesen Ding und jetzt versucht man
- 18:49vielleicht im Nachhinein das Ganze
- 18:51wieder über solche Kartellverfahren
- 18:53irgendwie aufzudröseln.
- 18:55Ist das Grundproblem ein anderes aus
- 18:57Ihrer Sicht?
- 18:59Also aus meiner Sicht äh möchte ich zur
- 19:01Themen der Braunion und Heineken ehrlich
- 19:04gesagt nicht viel Stellung nehmen, weil
- 19:06ich den Fall weder besonders gut kenne
- 19:07noch ähm irgendwelche
- 19:10[schnauben] Involverungen hier habe.
- 19:12Ähm, aber was glaube ich schon ein
- 19:14wichtiger Punkt ist, wir haben eine
- 19:16Gruppierung von österreichischen
- 19:17Privatbrauereien, die sich
- 19:19gemeinschaftlich zusammengetan haben, um
- 19:21hier schon auch zu zeigen, dass Biere in
- 19:24Österreich von Privatbrauern geführt
- 19:27werden und dass das eben auch ein gutes
- 19:29ähm zusätzliches
- 19:31Angebot ist am Markt, dass du halt ähm
- 19:34frei wählen kannst und sagen kannst, ja,
- 19:36ich möchte einfach ähm mich ähm ähm mit
- 19:39Bieren versorgen, die noch in privater
- 19:42der Hand sind und ich finde das ist doch
- 19:43die Vielfalt ist wichtig finde ich und
- 19:45das ist das was auch österreichische
- 19:47Biermarkt ja immer gehabt hat Vielfalt
- 19:49und die sollte erhalten bleiben in jeden
- 19:51Fall.
- 19:51Wie gelingt Ihnen denn das? Also sie
- 19:53führen, sie sie haben ja eine recht sie
- 19:56sind ein recht wichtiges Zugpferd in
- 19:57dieser Vereinigung der Privatbauereien
- 20:00ist. Sind Sie zufrieden mit dem
- 20:02Ergebnis? Greifen die Leute tatsächlich
- 20:04auch zu den kleinen Biern?
- 20:06Mhm.
- 20:07Ähm ja, weil [räuspern] wir haben ja
- 20:09alle ein Abzeichen drauf auf unseren
- 20:11Bierflaschen und Bierdosen, dass wir zu
- 20:14dieser Gruppierung gehören und natürlich
- 20:16kann es immer mehr sein. Ich glaube, es
- 20:18ist eine Bewusstseinmachung und ich
- 20:20denke, wir sind da auf einem guten Weg
- 20:21und natürlich geht da immer noch mehr.
- 20:23Das ist keine Frage und mehr Engagement.
- 20:25Man darf auch nicht vergessen, sind halt
- 20:27viele kleinere Brainien auch dabei, die
- 20:29jetzt nicht die riesigen Budgets haben,
- 20:31aber äh natürlich sind wir am Weg ähm
- 20:34hier schon ein Bewusstsein zu schaffen,
- 20:37dass es diese Gruppierung gibt. Und ich
- 20:38glaube inzwischen wissen das schon viele
- 20:40Österreicher und Österreicherinnen, das
- 20:41macht uns stolz. Dieser diese Craft
- 20:43Beers, das ist ja auch so ein Trend. Und
- 20:46äh ein Kollege von mir, der auch beim
- 20:48Standard arbeitet, der hat vor einiger
- 20:50Zeit mal mit Hilfe der KI ein Craft Beer
- 20:53erstellt, sein eigenes. Super.
- 20:54[gelächter]
- 20:56Das wollte ich Sie fragen. Wie sehen Sie
- 20:57solche Dinge, wenn die Leute da selber
- 20:59herumchen?
- 21:00Ich finde das lustig. Ich finde das gut.
- 21:02Das ist ähm alles, was uns dazu bringt,
- 21:05dass die Menschen sich mit unseren
- 21:06Produkten beschäftigen, ähm ist
- 21:09wunderbar. Wir haben auch einen Yellow
- 21:10Heart Club z.B. in Ottergränk, wo die
- 21:12Menschen verkosten kommen und uns
- 21:13Feedback geben über neue Sorten. Also
- 21:15ich finde das Involvement mit Bier und
- 21:18mit ähm dem Getränk ähm das ja der
- 21:21Jahrtausende alt ist, ist großartig jede
- 21:23Form davon und wenn sie es in der
- 21:24Badewanne braun großartig.
- 21:27Insgesamt gehen ja die Umsätze im
- 21:29Getränkehandel zurück. Auch bei eben bei
- 21:31den nichtalkoholischen Getränken. Ich
- 21:34nehme an, das trifft sie eben vor allem
- 21:35im Wasserbereich. Ähm vielleicht ist
- 21:38auch hier das Pfand ein bisschen ein
- 21:39Hemmschuh. ähm Wasser in Flaschen zu
- 21:42kaufen oder erleben Sie das so nicht?
- 21:46[schnauben]
- 21:46Wenn Sie jetzt den Getränkehandel per se
- 21:48ansprechen, haben wir ein Wachstum im
- 21:50Getränkehandel,
- 21:51weil wir auch z.B. einen neuen Partner
- 21:53für Österreich gewinnen konnten im
- 21:55Getränkehandel, das ist Fever Tree, ähm
- 21:57das jetzt auch ein tolle alkoholfreie
- 21:59Marke ist. ähm und mit ähm Butweise
- 22:02einen sehr erfolgreichen Partner haben,
- 22:04ja auch ähm den wir national vertreiben
- 22:07und wir sehr viele ähm auch zwei neue
- 22:10Getränkehändler an Bord genommen haben
- 22:12und integriert haben in unser System.
- 22:14Also unser Getränke Gehandel wächst
- 22:17ähm tatsächlich und das ist eigentlich
- 22:19äh ein sehr freuliches Geschäft, weil es
- 22:21uns natürlich Zugang für unsere Produkte
- 22:23fürs Lauer Ottergringen zu vielen
- 22:25Gastronomen gibt.
- 22:26Mhm. Okay, also das heißt, die die
- 22:29Absätze steigen bei Ihnen. Es ist dann
- 22:31eigentlich entgegen den Bundestrend,
- 22:33muss man sagen.
- 22:34Bei dem Getränkehandel jetzt im äh im
- 22:36Bereich Wasser ist es im Moment wie
- 22:39gesagt durch das Einwegfahren schon
- 22:40unter Druck, aber durch die Sorten und
- 22:43auch unsere Deutschlandexpansion
- 22:45schaffen wir es dann doch immer wieder
- 22:46auch ein Wachstum hinzulegen. Und ähm
- 22:50Ja, aber das Einwegfand hat uns auch im
- 22:52alkoholfreien Bereich deutliche
- 22:53Einbussen gebracht. Ja.
- 22:55Mhm.
- 22:56Äh, jetzt haben sie ein
- 22:57Familienunternehmen
- 22:59übernommen. Sie haben einmal in einem
- 23:01Interview erzählt, dass Sie schon als
- 23:02Kind oft in die in der Brauerei waren.
- 23:05Äh, dennoch ist der Einstieg ins
- 23:07Unternehmen für sie überraschend
- 23:10gekommen. Das haben Sie mehrfach schon
- 23:11gesagt. Wie kann das sein, dass sie das
- 23:14überrascht hat?
- 23:15Na ja, äh man muss bedenken, dass das
- 23:18Unternehmen ja eigentlich ähm der
- 23:21Familie meiner Mutter gehört hat und ähm
- 23:24hier mein Onkel und ähm Hauptbeteiligt
- 23:28war und die meisten Aktien hatte und wir
- 23:30erst in den 90er Jahren mit meinem Onkel
- 23:33sozusagen ein Management Beyout gemacht
- 23:36hat, mein Vater und daher war das nie
- 23:38geplant, dass einer von uns ins
- 23:40Unternehmen kommt und ja und so bin ich
- 23:43eigentlich gekommen. um meinem Vater
- 23:45auszuhelfen im Marketing und das war
- 23:47eigentlich nur ein Kurzzeitjob, den ich
- 23:50eigentlich angenommen habe und wollte
- 23:53eigentlich gleich wieder weggehen nach
- 23:54zwei Monaten. Er hat gerade ein neues
- 23:56Produkt damals eingeführt und das gibt's
- 23:58nicht mehr leider. Ich habe ihm dabei
- 24:01geholfen und ähm weil seine
- 24:03Marketingerteilung sich aufgelöst hatte,
- 24:04so bin ich da hineinestolpert, habe mich
- 24:06aber so unglaublich interessiert, habe
- 24:08alle Akten durchgelesen. Monatelang war
- 24:10ich in Akten drinnen und habe mich
- 24:12wirklich ganz tief hinein getaucht in
- 24:14die diversen ähm Themen und so bin ich
- 24:18dann irgendwie auch dort geblieben und
- 24:20mit viel Freude und viel Engagement habe
- 24:22ich dann weitergemacht. Ich habe ein
- 24:24Standardinterview aus dem Jahr 2017
- 24:26ausgegraben. Da haben sie folgendes
- 24:28gesagt: "Ich bin viel in der Welt
- 24:30herumgekommen. Ich war in Amerika, ich
- 24:32war in Südamerika, in Restaurants, auf
- 24:35einer Ranch habe ich gearbeitet. Ich war
- 24:37Tellerwäscherin und habe ein Restaurant
- 24:40geführt." War in der Schweiz, wo ich
- 24:42studiert habe. Ich habe mir viel
- 24:43angeschaut. Zurück in Österreich bin ich
- 24:46Würstelstandlerin geworden. Was davon
- 24:49hat sie am besten auf ihr späteres Leben
- 24:52als Vorstandsvorsitzende und dann
- 24:53Aufsichtsratschefin vorbereitet?
- 24:56Ich glaube zwei Dinge. Einerseits viele
- 24:58Kulturen kennenzulernen, durch
- 25:00Südamerika, Amerika zu reisen, England,
- 25:04äh die Schweiz. Ähm, also ich habe
- 25:06wirklich viele viele Kulturen sehen
- 25:08dürfen. Hawaii, zuletzt Singapur war ich
- 25:11und diese Diversität zu verstehen,
- 25:14Toleranz zu lernen, das ist in dem
- 25:16Familienunternehmen sehr wichtig, weil
- 25:17du hast verschiedene
- 25:18Familienpersönlichkeiten, um zu
- 25:20akzeptieren, da gibt's einfach
- 25:21Unterschiede und auch wenn sie anders
- 25:23denken, ist es in Ordnung. Ich glaube,
- 25:25das war das eine und das zweite war
- 25:26sicherlich das Unternehmerische über den
- 25:28Würstelstand kennenzulernen. Habe ich
- 25:30kommt auf die Idee einen Würstelstand zu
- 25:31eröffnen.
- 25:32Ich hab kein tatsächlich keine Arbeit
- 25:33gefunden. Niemand wollte mich haben nach
- 25:35Amerika
- 25:36in der Gastronomie oder Hotellerie. Ich
- 25:38habe einige Lebensläufe ausgeschickt,
- 25:39aber niemand hat mich nehmen wollen und
- 25:40hat mir ein Kollege von der Brauerei
- 25:42gesagt, da gibt's jetzt ein
- 25:43Würstelstandler Event, da kannst du
- 25:45einen Stand haben am Rathausplatz und
- 25:47mach doch damit. Und dann habe ich
- 25:49gesagt, ja, weil ich habe jetzt eh
- 25:50keinen Job gefunden, jetzt mache ich das
- 25:52einfach. und habe mich so selbstständig
- 25:53gemacht. Habe ein Unternehmen gegründet
- 25:55und habe das dann als Einzelkauffrau
- 25:57sozusagen geführt und habe wirklich ganz
- 26:00wirklich ganz simpel angefangen und hab
- 26:02das
- 26:02Wo war der Würstelstand?
- 26:03Am Rathausplatz beim Filmfestival.
- 26:05Ah okay. Mhm. und dann in Schbrun vor am
- 26:08Schloss Schumbrun und viele Jahre, glaub
- 26:1130 Jahre, habe ich diesen Stand
- 26:13betrieben mit einer Freundin dann
- 26:14zusammen und ja, sehr erfolgreich und
- 26:17habe das, was ich dort verdient habe, in
- 26:20eine Kunstsammlung investiert
- 26:21eigentlich. Das hat mich dann sehr
- 26:23motiviert
- 26:24eben, weil zeitgenössische Kunst sehr
- 26:27interessiert hat
- 26:28und heute sammel ich nicht mehr, aber
- 26:30ich gehe sehr gerne in Ausstellungen und
- 26:32schaue wirklich gerne einfach
- 26:34zeitgenische Künstler an. um zu sehen,
- 26:36wer hat die neue Idee in der Kunst.
- 26:38Mhm. Haben Sie sich vielleicht auch sehr
- 26:41bewusst ausprobiert in unterschiedlichen
- 26:43Konstellationen,
- 26:45weil Sie irgendwie geahnt haben, dass da
- 26:47was auf Sie zukommt?
- 26:49Nein, aber ich gestehe, dass wie ich 16
- 26:51war, habe ich den Traum gehabt, dass ich
- 26:54einmal ganz viele Menschen führen werde
- 26:55und ich habe immer diese Zahl ca. 1000
- 26:57im Kopf gehabt.
- 26:59Mhm. Ähm und das ist dann irgendwie
- 27:01wieder verschwunden, weil ich mir
- 27:02dachte, aha ja gut, also das ist dieser
- 27:04Traum, den du hast, aber schauen wir
- 27:06mal. Und ich, meine Besehlung war einen
- 27:08schönen tollen Arbeitsplatz den Menschen
- 27:10zu geben. Ja, also dass die wirklich
- 27:12glücklich sind bei der Arbeit und ein
- 27:13glückliches Leben da haben in einer
- 27:16Arbeit und das hat mich irgendwie
- 27:18besählt und ich habe mir gedacht, das
- 27:19wird über die Hotellerie passieren. Also
- 27:21ich habe überhaupt nicht dran gedacht,
- 27:23dass das in unserem eigenen Unternehmen
- 27:25passieren könnte. Mhm. Aber dann
- 27:27irgendwie
- 27:27Mhm. Wie führt man deinen
- 27:29Familienunternehmen?
- 27:31Ich glaube, einerseits, indem man ähm es
- 27:35vorlebt, wie eine gewisse
- 27:38Bescheidenheit, Demut, ähm eine
- 27:41sozusagen, dass man hier ähm etwas
- 27:44bekommt, dass man weiterführt für die
- 27:45nächste Generation. Dieses Verständnis
- 27:47zu entwickeln, glaube ich, ist sehr
- 27:48wichtig
- 27:49mit viel Achtsam per Toleranz ähm viel
- 27:52Geduld, viel zuhören können, den
- 27:54Familienmitgliedern mit ihren Anlegen.
- 27:56Das ist die eine Seite ähm um die
- 27:59Familie als Team zu behalten, weil es
- 28:02immer nicht immer einfach ist natürlich
- 28:04äh und manche mehr dabei sein wollen,
- 28:08andere weniger. Und wie schaffst du das
- 28:09da, dass alle sich gleich informiert
- 28:11sind, gleich behandelt fühlen? Das ist
- 28:13die Kunst, die eine Kunst und das zweite
- 28:16ist im Unternehmen eine Kultur zu
- 28:18schaffen, dass die Menschen im genau
- 28:19das, was mein Traum war, einen
- 28:20Arbeitsplatz haben, den sie gern haben.
- 28:22Und ich glaube heute sagen zu können,
- 28:23dass wir ganz viele Menschen bei uns
- 28:25haben, die wirklich gerne da arbeiten
- 28:27und wirklich gerne für die Kunden da
- 28:29sind und
- 28:30den Kunden lieben und ihre Produkte
- 28:32lieben und die gerne den zu den Kunden
- 28:34bringen in allen drei unserer
- 28:36Unternehmen und das macht mich schon
- 28:38sehr stolz.
- 28:40Ähm, jetzt hab mein Onkel erwähnt, 2009
- 28:43gab es auf Wienerisch würde man sagen
- 28:45einen Megawickel in ihrer Familie, als
- 28:48ihr Onkel über sein Aktienpaket eben die
- 28:51bereits erwähnte Brauunion am Bord
- 28:52holte. Sie haben [schnauben] das dann
- 28:54unternehmerisch bereinigt, äh die
- 28:56Anteile wurden wieder zurückgekauft,
- 28:58aber wie legt man so einen Streit in der
- 29:02Familie bei?
- 29:04Also das war dann eigentlich im
- 29:06Endeffekt für alle das Richtige. Also
- 29:08mein Onkel hat eigentlich eh das
- 29:10Richtige für alle gemacht, weil wir
- 29:11haben dann halt die Industrien
- 29:13übernommen, er hat die Immobilien
- 29:14übernommen mit seiner Familie und
- 29:17eigentlich war der Weg so dann im
- 29:19Endeffekt gut.
- 29:21Heute bin ich bestens mit meinem Onkel.
- 29:23Ich treffe ihn, er ist auch 92 und ich
- 29:25treffe ihn immer wieder und wir plaudern
- 29:27über alte Zeiten. Und ich glaube, man
- 29:29muss ein Stück die Vergangenheit auch
- 29:31hinten lassen und nach vorne schauen und
- 29:33in Familien hast du halt Strittigkeiten,
- 29:35aber ich bin und wir sind nicht
- 29:37nachragend.
- 29:39Mhm. Das hilft, oder?
- 29:40Und das hilft, glaube ich, sehr. Und
- 29:43mein Vater, der ja ein Flüchtling ist
- 29:45aus Ungarn, ähm die Aristokraten waren,
- 29:47hat immer gesagt, ein Graf ist nur 3
- 29:49Jahre. Wir sind Grafen. Äh sie ist nur
- 29:51maximal dre Jahre beleidigt [gelächter]
- 29:54und ich finde, das ist auch eine gute
- 29:56Einstellung. Er hat auch immer gesagt,
- 29:57[räuspern] weißt du, every Problem ist
- 29:59an opportunity, jedes Problem ist eine
- 30:01Chance und ähm so war das dann
- 30:03eigentlich auch. Ja, es ist zwar
- 30:05momentan ein Problem gewesen, aber ich
- 30:06glaube, es ist heute eine Chance, weil
- 30:08wir sind nun ähm in diesem Unternehmen
- 30:11als Familie sehr verankert und mein
- 30:14Onkel und seine Familie sind sehr
- 30:16verankert in ihren Immobiliengeschäften
- 30:18und ich glaube, das ist gut so, wie es
- 30:20ist.
- 30:21Mhm. Aber ihr Interesse dafür, wie wie
- 30:24gutes Management gehen sollte, rührt
- 30:27dann nicht aus dieser Zeit, sondern
- 30:29eigentlich schon als Teenager, wenn ich
- 30:30sie richtig verstanden habe, weil ich
- 30:32habe mir gedacht, wenn es so einen
- 30:33Streit in der Familie gibt, dann kann
- 30:35ich verstehen, warum die Frau Wenkheim
- 30:37gesagt hat, ich interessiere mich total
- 30:41dafür, wie man ein Unternehmen gut führt
- 30:43und ich mache da auch noch eine extra
- 30:45Ausbildung und so weiter, aber
- 30:46offensichtlich war das etwas, was sie
- 30:48schon früher wollten, oder? Ja, das war
- 30:50schon etwas, was ich mit 16
- 30:52Warum? Wie kommt man auf sowas?
- 30:53Ich habe ich 14 war schon Kanarienvögel
- 30:56gezüchtet, mus sagen und hatte 17
- 30:59Kanarienvogel am in meinem Ding und
- 31:01hatte die Faszination, wie schafft man
- 31:04ein Kanarienvogelteam
- 31:06und wie kann man das, wie kann diese zu
- 31:08also es hat mich immer schon fasziniert.
- 31:10Dann war ich Gutscher in einer Farm in
- 31:12Argentinien und mich hat das fasziniert,
- 31:13wie man eine Gruppe, eine Herde
- 31:16irgendwie führt mit einem Pferd. Also
- 31:18das war für mich faszinierend und so
- 31:20glaube ich ist es halt immer stärker
- 31:21gekommen, dass ich mich interessiert
- 31:23habe, wie kann man Gruppen gut ähm gut
- 31:26äh managen und habe dann eben für
- 31:29Gruppen, weil Menschen sind noch mal
- 31:30eine andere Dimension natürlich und ähm
- 31:33habe dann sehr viele Ausbildungen in dem
- 31:34Bereich gemacht, äh über Gruppendynamik
- 31:37sehr viel gelernt, äh
- 31:38Supervisionsausbildung,
- 31:39Coachingausbildung gemacht. Das ist,
- 31:41glaube ich, auch extrem wichtig, wenn du
- 31:42in einem Familienunternehmen bist, weil
- 31:44du eben äh lernen musst, äh die Dinge
- 31:48nicht persönlich zu nehmen, sondern
- 31:49besser zu verstehen, woher die Dynamiken
- 31:52kommen und es nicht auf dich zu
- 31:53beziehen, sondern ähm zu schauen, was
- 31:56muss ich da jetzt im System besser
- 31:57machen, damit das Ganze besser
- 31:59funktioniert.
- 32:00Mhm. Und das war immer mein Bestreben,
- 32:02es gut für alle zu machen. Gelingen
- 32:05tut's einem eh nicht immer, aber ähm das
- 32:07ist sozusagen meine persönliche Mission
- 32:11und an dem habe ich halt sehr
- 32:12gearbeitet, erstens mal als Mensch an
- 32:14mir selber. Das ist glaube ich extrem
- 32:17wichtig. Ohne dem geht ja das gar nicht,
- 32:19dass du ein guter Lieder bist, wenn du
- 32:22dich selbst nicht genug kennst oder
- 32:24deine Stärke unds Schwächen vielleicht
- 32:26ein bisschen abrunden lernst. Jetzt
- 32:29haben sie erzählt eben, ihr Vater kommt
- 32:31ja aus Ungarn, also die Familie hat
- 32:32auch, glaube ich, Immobilien nach wie
- 32:34vor in Ungarn und es gibt ja auch eine
- 32:36gibt's nicht auch eine Brauerei in
- 32:38Ungarn. Wie war denn das eigentlich, als
- 32:41der eiserne Vorhang fiel, dann hat das
- 32:43für ihre Familie wahrscheinlich einen
- 32:44großen Unterschied gemacht oder sie
- 32:46konnten sie konnten restituieren, ist
- 32:48das richtig? Und äh wie haben Sie diese
- 32:51Zeit damals erlebt? Haben Sie das
- 32:53bewusst miterlebt? Und wie war das dann
- 32:55auch unter Viktor Orbn? Da war gab's ja
- 32:57dann immer wieder Phasen, wo äh wo wo
- 33:00man nicht so freundlich war gegenüber
- 33:02österreichischen Investments. Können Sie
- 33:04da ein bisschen was erzählen?
- 33:06Also, das hat ähm wie der eiserne vor
- 33:08geefallen ist, hat vor allen Dingen,
- 33:10also mein Vater, der ja schon das sehr
- 33:14schwierig äh gesehen hat, diese ähm
- 33:16diese diese dies, dass man in sein, dass
- 33:18er in seiner Jugend alles verloren hat.
- 33:20Ich meine, der musste auf einem
- 33:21Pferdewagen ähm über Nacht plötzlich
- 33:23verschwinden, weil er Sorge hatte, dass
- 33:25die Russen kommen und ihn und seine
- 33:27Familie umbringen. Äh, also durchaus
- 33:29wirklich ein traumatisierendes Erlebnis.
- 33:31Ähm und er hat sehr viel Glück gehabt,
- 33:33dass er in Österreich viele Freunde
- 33:35gefunden hat, die ihn aufgenommen haben
- 33:36und die ihn auch groß gezogen haben
- 33:37teilweise. Und mein Bruder hat das
- 33:40eigentlich ähm das Heft dann übernommen,
- 33:42wie der vorh gefallen ist und hat
- 33:43gesagt, nein, also der möchte sich
- 33:45engagieren und möchte das Ding ähm
- 33:47sozusagen diese Restitutionsarbeit
- 33:50machen und er hat sich wirklich er hat
- 33:53sich wirklich reingetigert, unglaublich.
- 33:54Er hat spricht perfekt ungarisch heute
- 33:56und liebt dieses Land. ähm unglaublich,
- 33:59ja, und ähm hat dort auch Land zurück
- 34:03ähm bekommen ähm für die Familie und hat
- 34:07sich unglaublich engagiert. Also, wir
- 34:09haben dort wieder Landwirtschaft, aber
- 34:11wir haben keine Schlösser mehr, weil das
- 34:12ja sowieso nur eine Belastung wäre.
- 34:15Deine Landwirtschaft haben wir teilweise
- 34:16zurückging. Mein Bruder ist viel unten.
- 34:19Wir hatten eine Brauerei, die haben wir
- 34:20aber vor 10 Jahren ca. verkauft an
- 34:22ungarische Eigentümer. Das war dann ähm
- 34:26notwendig, weil die Österreicher anders
- 34:28besteuert wurden von der Biersteuer her
- 34:29als ähm als sozusagen ein Lokaler und
- 34:32dadurch konnte er relativ schnell eine
- 34:34profitable Brauerei führen. Das war uns
- 34:37nicht möglich, weil wir in der Gruppe
- 34:38ähm sozusagen ein österreichisches
- 34:40Konsortium waren. Äh und ähm damals
- 34:43haben wir uns dazu entschieden eben ähm
- 34:46auch das zu machen. Das war ein
- 34:48schmerzvoller Schritt natürlich für
- 34:49meinem Vater, der noch einmal ein
- 34:51zweites Mal dann eine sozusagen Eigentum
- 34:53verlieren. Also für ihn war es halt
- 34:55trotzdem ein Verlust. Ja. Ähm aber ich
- 34:59glaube, es ist dann auch im Endeffekt
- 35:01gut gewesen.
- 35:01Warum musste ihr Vater flüchten? Weil er
- 35:03adelig war oder? äh ja, weil sie ähm
- 35:05alle Adeligen auch umgebracht haben, wie
- 35:08die Russen eben über die Grenze gekommen
- 35:09sind und ähm die Familie Sorge hatte,
- 35:13dass sie nicht überleben werden.
- 35:15Ja. Äh, jetzt gab's noch ein weiteres,
- 35:18sicherlich auch schwieriges Kapitel für
- 35:19ihre Familie, äh die nämlich die
- 35:21Aufarbeitung auch der eigenen
- 35:23Brauereigeschichte. Es gab ähm ein ein
- 35:27eigenes Historiker Gutachten, dass die
- 35:30Familie ihrer Mutter, die Familie H, die
- 35:32jüdische Gründerfamilie Kffner, ich
- 35:35glaube, da ist die Kufner Sternwarte
- 35:36noch nach dieser Familie benannt im 16.
- 35:39Bezirk, dass diese Gründerfamilie Kufner
- 35:41so fair wie nur irgend möglich
- 35:44entschädigt worden ist in der Nazizeit.
- 35:47Also, man hat das zwar sozusagen quasi
- 35:49übernommen, hat die aber ähm gut
- 35:52behandelt. Äh wie haben Sie diese
- 35:55Aufarbeitung erlebt und wie war das eine
- 35:58Erleichterung, dass äh ihre Vorfahren
- 36:01keine bösen Nazis waren?
- 36:04Also ganz grundsätzlich ist die ganze
- 36:06Sache natürlich schon eine große, also
- 36:08für mich persönlich eine große Belastung
- 36:10gewesen. Ähm ich bin dankbar, dass mein
- 36:14Onkel diese Aufarbeitung mit dem Oliver
- 36:17Ratkolb gemeinsam [räuspern] gemacht
- 36:19hat.
- 36:20Die war sehr wichtig für die Familie.
- 36:21auch dieses ganze Restitutionsähm
- 36:24Papier, das ä gemacht wurde, die die der
- 36:28gemeinsame Vertrag, der gemacht wurde äh
- 36:30in den 50er Jahren ähm um das ordentlich
- 36:33abzuwickeln, ist glaube ich schon eine
- 36:36Seltenheit in der österreichischen ähm
- 36:39Industrie gewesen, muss man auch klar
- 36:40sagen. Also, das hat mein Großvater,
- 36:42glaube ich, sehr ordentlich gemacht. Ähm
- 36:45in den 19er, also 2019 habe ich noch
- 36:48einmal eine Aufarbeitung selber gemacht,
- 36:50weil ich einfach die Mitarbeiter, die
- 36:52hier zu Schaden gekommen sind, ins Auge
- 36:55betrachten wollte. [räuspern]
- 36:57Und habe dort zwei Jahre recherchiert,
- 36:59gemeinsam mit einer Mitarbeiterin ähm um
- 37:02diese Menschen zumindest wieder
- 37:04ausfindig zu machen. Wir haben dann ihre
- 37:06Familien leider nicht gefunden, aber wir
- 37:08haben diese Menschen gefunden und wir
- 37:10haben ein Denkmal für diese Menschen in
- 37:11der Brauerei gesetzt. ähm die natürlich,
- 37:14es waren um die 40 jüdische Mitarbeiter,
- 37:17Mitarbeiterinnen und ähm 2019 haben wir
- 37:21es auch geschafft, einen danachfahren
- 37:23von den KFners ähm nach Wien zu holen,
- 37:25um auch sozusagen teilzaben und wir
- 37:27haben auch für Sie ein Denkmal gesetzt.
- 37:29Also, wir haben für die Mitarbeiter und
- 37:30für die Familie Kufner im Herzen der
- 37:32Brauerei ein Denkmal gesetzt und das war
- 37:34mir ein wirklich wichtiges Anlegen, dort
- 37:37noch einmal hinzuschauen und auch ähm zu
- 37:40sagen, nie wieder so eine so eine
- 37:42Situation äh wollen wir einfach als
- 37:45Menschen nicht mehr erleben. Jetzt haben
- 37:48hat aber offensichtlich ihr ihre Familie
- 37:51sich da ein bisschen leichter getan,
- 37:54diese Zeit aufzuarbeiten als viele viele
- 37:57andere österreichische Familien. Worauf
- 37:59führen Sie das zurück?
- 38:01Sicher darauf, dass mein Großvater aus
- 38:04allem, was ich recherchiert habe, ein
- 38:06ordentliche Abwicklung gemacht hat nach
- 38:08dem Krieg. Ich glaube, das ist
- 38:10entscheidend gewesen, dass er das noch
- 38:12sozusagen, dass er 1938 diese
- 38:15Entscheidung getroffen hat. aber auch
- 38:161950 das wieder gut gemacht hat. Ja,
- 38:20noch in seinem Leben, in seinem eigenen.
- 38:22Haben Sie mit ihm darüber gesprochen?
- 38:23War das so ein Stachel in seinem?
- 38:25Nein, weil ich 6 Jahre alt war, wie er
- 38:27gestorben ist.
- 38:27Mhm.
- 38:28Und meine Mutter erzählt da ganz wenig
- 38:31darüber und ähm
- 38:33es war sehr es war sehr verschlossen ähm
- 38:36darüber zu sprechen, trotz allem. Ähm
- 38:40aber ich denke, das ist der eine Teil,
- 38:42warum das gut ist. Und ich glaube, weil
- 38:44wir ähm das auch ehrlich aufgearbeitet
- 38:47haben, jetzt auch 2019 und ich halte das
- 38:49für wichtig,
- 38:50ähm dem ins Auge zu schauen und zu
- 38:53sagen, das war nicht in Ordnung und da
- 38:55ist Unrecht passiert, da ist
- 38:56Mitarbeitern Unrecht passiert. Äh und
- 38:59ich denke, das ist ein Teil von Kultur
- 39:03auch von Kulturarbeit, ja, ähm fair zu
- 39:06sein, ordentlich zu sein, anständig zu
- 39:08sein.
- 39:09Was ist mit diesen jüdischen
- 39:10Mitarbeitern passiert? Waren die
- 39:11Zwangsarbeit oder sind die deportiert
- 39:13worden? Wissen Sie das?
- 39:14Teilweise ähm wir haben jeden einzelnen
- 39:17recherchiert und das Schicksal jedes
- 39:18einzelnen auf dieser Plakette
- 39:20festgehalten teilweise natürlich. Und
- 39:23ähm Zwangsarbeiter waren eher Polen und
- 39:26Italiener und und gar nicht unbedingt
- 39:30jüdische äh Menschen.
- 39:32Ähm also es waren auch diverseste
- 39:34Kulturen auch ähm hier an der Arbeit.
- 39:37Mhm. M also
- 39:39ähm jetzt äh kommen wir in die
- 39:42Jetztzeit. Ich glaube, sie haben nach
- 39:44ihrer Vorstandszeit ein Change
- 39:46Management Studium angehängt. Ist das
- 39:48richtig? Einen Master gemacht darin ähm
- 39:52und sie haben einmal gesagt, da hätten
- 39:54Sie gelernt, wie man Menschen mitnimmt,
- 39:57wenn man etwas verändert, wenn man etwas
- 39:59neu macht. Wie macht man denn das? Wie
- 40:01nimmt man Menschen mit? Ich [schnauben]
- 40:04glaube, also was ich habe ja in Front
- 40:07Blowau, also in Intig
- 40:11ein ein Organisationspsychologiestudium,
- 40:14also wie funktionieren Organisationen
- 40:16und was du dort gelernt hast, ist
- 40:18einfach wie funktionierst du einmal und
- 40:20wie geht dein eigener Changeprozess,
- 40:22dann wie geht's in einer kleineren
- 40:24Gruppe und dann wie in einer größeren
- 40:25Organisation
- 40:27und es fangt immer damit an, dass du ein
- 40:29mal bei dir selber anfangst sozusagen,
- 40:31wie ist deine Vorbildwirkung als Lieder.
- 40:34Wie wie trittst du gegenüber den
- 40:36Menschen an den Menschen gegenüber?
- 40:38Wie wertschätzend bist du und was gibst
- 40:40du in die Welt? Also ich glaube, das ist
- 40:42einmal da das erste, was wesentlich ist
- 40:44und dann das zweite ist ist wirklich
- 40:46zuhören zu lernen, Menschen zuhören zu
- 40:49lernen. Ich glaube, das ist eine ganz
- 40:50wesentliche Qualifikation
- 40:52äh und viele Stimmen zu hören und die
- 40:55zuzulassen, ohne gleich emotional zu
- 40:57werden, sondern mal zu hören, hey, was
- 40:59was haben die Menschen da eigentlich zu
- 41:00diesem Thema zu sagen?
- 41:03Und durch diese wirklich, wir nennen das
- 41:05Fair process, das heißt der fair
- 41:07Prozess, dass alle sozusagen ihre
- 41:09Stimmen gehört werden, das ist, denke
- 41:12ich, etwas, was ähm entscheidend ist,
- 41:14weil aus dem herauskommen dann sozusagen
- 41:17die Menschen treten die Menschen hervor,
- 41:19die das Problem weiter bearbeiten
- 41:20wollen, also die sich wirklich
- 41:21engagieren wollen für ein Thema
- 41:23und das hört man dann heraus und dann
- 41:25nimmt man die nimmt man die Gruppe
- 41:27anders mit, weil sie konnten mitdenken
- 41:29und mitun. Ich glaube, das ist ganz
- 41:31entscheidend.
- 41:31Um wen muss man sich mehr kümmern? Wenn
- 41:33man etwas verändert, dann ist es ja
- 41:34meistens so, es entstehen zwei Gruppen
- 41:36von Menschen. Die einen, die da
- 41:38mitmachen und mitziehen und sagen, das
- 41:40ist super und da will ich irgendwie
- 41:42dabei sein und die anderen, die sich
- 41:43eher passiv verhalten und versuchen
- 41:46irgendwie das unangenehmste zu
- 41:47verhindern. Um wen muss man sich mehr
- 41:49kümmern?
- 41:51Also ich glaube, die Energie von den
- 41:54Menschen, die mit einmal ganz
- 41:57wesentlich, um die anderen mitzureißen.
- 41:59Und dann muss man natürlich auch
- 42:01schauen, wie geht man damit um, wenn
- 42:03jemand nicht mitun will. Und da denke
- 42:06ich mir immer, was ist der Grund oder
- 42:08was was ist die Stimme dagegen?
- 42:10Vielleicht haben sie ja einen Punkt,
- 42:12vielleicht kann man ja dort noch mal
- 42:13hinhören, warum sie finden, dass das
- 42:15jetzt nicht gut ist. Ja, und da bin ich
- 42:17sehr achtsam, dass ich mir das sehr wohl
- 42:19auch anhöre, wenn jemand sozusagen
- 42:21dagegen spricht, genau den vielleicht
- 42:24einzuladen, zu sagen, auch in der Gruppe
- 42:26der Befürworter zu sagen, hören wir doch
- 42:28mal seine Stimme. Ich glaube, das ist es
- 42:30und das macht's wertvoll und wenn es
- 42:31dann irgendwann gar nicht mehr geht,
- 42:33dann ist sowieso ähm eine Entscheidung
- 42:35von entweder
- 42:37der Gruppe, die es vorwärts treiben will
- 42:39oder dem Menschen selber, der gar nicht
- 42:41mitwachen will. glaube, dass es dann
- 42:44das war wäre mir nämlich meine nächste
- 42:46Frage. Also wie weit kann man gehen in
- 42:48Sachen auch Mitarbeiter Mitbestimmung,
- 42:50wo bis wohin geht man da? Wo ist die
- 42:52Grenze, dass man sagt, ja, okay, ich
- 42:55habe jetzt alles gehört, aber jetzt
- 42:56machen wir es aber trotzdem so, wie ich
- 42:57will.
- 42:59Ja, ich glaube, das ist eben
- 43:00entscheidend, dass das ähm also für mich
- 43:03ist es immer sehr wichtig, dass die
- 43:05Leute das Gefühl haben, das haben wir
- 43:06gemeinschaftlich entschieden. Ähm jetzt
- 43:10kannst du das natürlich nicht in allen
- 43:11Belangen des Lebens machen, das ist
- 43:12schon klar, aber zumindest in auch wenn
- 43:14es kleinere Gruppen sind, manchmal muss
- 43:16ja nicht immer diese riesigen Gruppen,
- 43:18das ist schon richtig, da kommst du noch
- 43:19nie zu einer Entscheidung, aber in
- 43:20kleineren Gruppen zu sagen, so, wie
- 43:22machen wir es jetzt? Also, ich lebe ja
- 43:25z.B. auch in einer Aufsichtsratgruppe
- 43:27und hier gibt's durchaus diverseste
- 43:29Meinungen und das ist aber so unglaub,
- 43:30ich finde das so wahnsinnig bereichernd
- 43:32und man findet ja dann trotzdem einen
- 43:34Konsens, trotzdem man anderer Meinung
- 43:37ist und das ist so spannend, wie
- 43:39schaffst du diesen Konsens auch mit
- 43:41divergierenden Meinungen und das ist
- 43:43eigentlich die Kunst, die hohe Kunst des
- 43:46ähm Zuhörens, das das Gefühl geben, dass
- 43:50du mitgemacht hast und trotzdem
- 43:52vielleicht anders entschieden hast. Das
- 43:53ist glaube ich schon ein eine gewisse
- 43:56Begabung, das zu schaffen.
- 43:57Mhm. Sie waren früher gegen Quoten für
- 44:02Frauen in Führungspositionen. Da haben
- 44:04Sie Ihre Meinung geändert. Warum? Ich
- 44:08werde nie vergessen, ich war in einem
- 44:10ähm Vortrag, wo es ging um die Quoten
- 44:13und drei Männer saßen am Podium und
- 44:15haben diskutiert, warum man die Quoten
- 44:17nicht braucht. Ähm, das hat mich damals
- 44:20wirklich richtig geflasht, weil ich mir
- 44:22gedacht habe, aha, in Österreich, wir
- 44:25sind noch nicht soweit, wir brauchen
- 44:27eine Quote, weil wir sonst nicht
- 44:29verstehen. Es ist irgendwie schwierig,
- 44:32es durchzusetzen, weil ja und m die drei
- 44:37Männer haben sehr stark diese
- 44:38Freiwilligkeit kpiert. Ich bin dann
- 44:40aufgestanden, habe gesagt, jetzt bin ich
- 44:42überzeugt, wir brauchen eine Quote nach
- 44:44diesem Podium hier, wo nicht einmal eine
- 44:47Frau im Podium saß. Also, das ist schon
- 44:49interessant. Ähm, also da war ich schon
- 44:51ein starker Verfächter dann davon, weil
- 44:53ich wirklich der Überzeugung bin, dass
- 44:54in Österreich braucht das leider ähm
- 44:57vielleicht in skandinavischen Ländern
- 44:58nicht. Wir sind aber noch nicht so weit,
- 45:00glaube ich, in Österreich, dass wir so
- 45:02eine Equality, also eine
- 45:03Gleichberechtigung so wirklich schaffen.
- 45:06Wie schaut's denn bei Ihnen im Konzern
- 45:08aus?
- 45:09Ja, witzigerweise, das muss ich wirklich
- 45:11meinem Vater hoch anrechnen und auch
- 45:13seinem Geschäftspartner, der ja mit ihm
- 45:15die Geschäfte lange geführt hat. Sie
- 45:17gemenz beide waren immer totale
- 45:20Verfechter von Frauen in der Führung und
- 45:22wir haben wirklich seit Jahrzehnten
- 45:24Frauen in der Führung und du merkst, das
- 45:26ist einfach eine total gleichberechtigte
- 45:29ähm [räuspern]
- 45:30ist das 5050.
- 45:31Ja, wir haben wir haben ähm eine
- 45:34Vorständen einen Vorstand.
- 45:36Ähm, wir haben in der Geschäftsführung
- 45:37Frauen und ähm das ist, finde ich
- 45:40wirklich total wichtig. Ja,
- 45:41es heißt ja immer, wenn Frauen gefragt
- 45:43werden, dann sagen sie viel zu oft nein,
- 45:44weil sie viel zu oft bedenken äh alles
- 45:47mögliche und dann äh schlüpft diese
- 45:50Chance weg. Äh, was brauchen den Frauen,
- 45:53wenn man sie in einem Unternehmen äh für
- 45:55eine höhere Position motivieren möchte?
- 45:58Also unsere Finanzchefin, die jetzt seit
- 46:02doch einigen Jahren jetzt schon
- 46:03Finanzchefin ist und ähm auch
- 46:06tatsächlich nicht ähm Finanzchefin
- 46:08werden wollte, weil sie genau diese
- 46:10Bedenken hatte, ähm hat jetzt so viel
- 46:14Freude mit dieser Aufgabe, so
- 46:16unglaublich viel Freude, weil sie so
- 46:17viel mitgestalten kann und eine
- 46:19Gestalterin ist. Aber es war wirklich
- 46:21harte Überzeugungsarbeit und ich glaube,
- 46:23was sie schon ähm warum sie es dann
- 46:26letztendlich gemacht hat, we sie
- 46:27verstanden hat, dass s dann die Kultur,
- 46:29die sozusagen auch stark von der Familie
- 46:31jetzt mit einer neuen Kultur, nächste
- 46:33Generation, andere Kultur, mehr
- 46:35Augenhöhe in in
- 46:38der sozusagen im Familienunternehmen und
- 46:41das wollte sie dann wirklich
- 46:42mitgestalten und ich glaube das ähm war
- 46:45der ausschlaggebende. ist glaube ich ein
- 46:46Kulturthema. Wenn die Frauen das Gefühl
- 46:49haben, sie können in dieser Kultur
- 46:50aufleben und da mitgestalten, dann
- 46:52glaube ich, funktioniert's. Mhm.
- 46:55So war bei uns zumindest.
- 46:56Unsere Familienministerin
- 46:58hat den Frauen vor kurzem geraten, sie
- 47:00sollten beim Kinderkriegen nicht so viel
- 47:02nachdenken, sondern mehr auf ihr Gespür,
- 47:05vertrauen. Was haben Sie sich gedacht,
- 47:07als Sie das gehört haben?
- 47:10Ähm, ich bin ein großer Verfechter, dass
- 47:13wir Kinder brauchen in der Welt. Warum?
- 47:15Weil das sind die Biertrinker von
- 47:16morgen. [gelächter]
- 47:18Bin ich recht egoistisch.
- 47:21Daher denke ich über solche Statements
- 47:23ehrlich gesagt wenig nach. Ich finde,
- 47:25man arrangiert sich irgendwie, man macht
- 47:27das, man manag. Ähm, alle Frauen, die
- 47:30wir in Topf Positionen haben, haben auch
- 47:32Kinder und wir haben das alle
- 47:34gemeinschaftlich gut gemanaged. Ich habe
- 47:36auch zwei Kinder und habe trotzdem meine
- 47:37Vorstandsrolle gut machen können. Ich
- 47:40habe es einfach meine die Verantwortung
- 47:41für eine Zeit abgegeben an andere, die
- 47:44sich dann ausprobieren konnten in der
- 47:45Rolle, die jetzt Geschäftsführer
- 47:47geworden sind. Also, ich finde, das ist
- 47:50auch eine unglaubliche Chance, ähm
- 47:52vielleicht Menschen, wenn man jetzt in
- 47:53Karenz geht, Menschen einen Platz zu
- 47:55geben, dass die mal die Rolle
- 47:57ausprobieren können, die mögliche
- 47:59potenzielle Nachfolger sind.
- 48:00Mhm.
- 48:01Ist das Kindergartenplatzt
- 48:03Thema? Ist das in Wien nicht so ein
- 48:05starkes gewesen? Weil das ist ja auch
- 48:07oft ein Problem.
- 48:08Das stimmt ja. Das ist war schon, du
- 48:10hast ein ein Thema. Wir waren auf einer
- 48:12Warteliste relativ lang. Ähm und weil
- 48:15wir halt einen ganz bestimmten
- 48:16Kindergarten wollten, das ist natürlich
- 48:18dann auch wieder schwierig, aber ich
- 48:21habe zum Glück sehr viel Hilfe meiner
- 48:23Mutter gehabt auch und ich habe mir auch
- 48:25selber sehr viel Hilfe zugelegt mit
- 48:27Nanny und so weiter. Das ist natürlich
- 48:30in meiner Position,
- 48:31wie war die Rolle ihres Mannes?
- 48:33Der war Unternehmer vor allen Dingen.
- 48:34[gelächter]
- 48:35Okay.
- 48:36Aber er war auch ein sehr liebender
- 48:37Vater, muss ich sagen. Ja.
- 48:39Viele Unternehmer klagen ja, sie bekämen
- 48:41keine guten Mitarbeiter mehr. Wie ist
- 48:44denn das bei Ottergringer?
- 48:46Nein, das kann ich so nicht bestätigen.
- 48:48Ich finde, wir kriegen tolle Leute. Ich
- 48:51meine, wir haben sicher einen Vorteil,
- 48:52dass wir in Wien, also im urbanenzentrum
- 48:54sind.
- 48:55Ähm, das hilft sicher, aber ich glaube,
- 48:58die Leute, also ich mir rufen immer
- 49:00wieder Leute an und sagen, du wir hören,
- 49:02dass es bei euch so ein kulturell
- 49:04einfach ähm eine gute Stimmung gibt,
- 49:06dass wir eben Bier trinken nach der
- 49:08Arbeit zusammen und so weiter. Es macht
- 49:09ja was aus, ähm, dass wir Feste feiern,
- 49:12aber dass wir auch zusammen ähm
- 49:14sozusagen Leistung bringen können. Also,
- 49:17wir freuen uns schon immer, dass wir
- 49:19wirklich tolle Leute finden. Also, ich
- 49:21kann das so nicht bestehen. Es gibt
- 49:23natürlich Fachkräftemangel, richtig?
- 49:25Aber sonst finden wir wirklich tolle
- 49:28auch junge Leute.
- 49:29Das wollte ich Sie nämlich fragen. Was
- 49:30tun Sie denn, um junge Menschen in Ihrem
- 49:32Unternehmen zu fördern?
- 49:35Also, wir haben ganz viele ähm
- 49:37Ausbildungsprogramme, die wir anbieten,
- 49:39unseren Leuten.
- 49:41Ähm,
- 49:43wir machen auch Führungskräfte
- 49:45Entwicklungen, also wenn du in die
- 49:46Führungsebene kommst, kriegst du auch
- 49:48ein eigenes Entwicklungsprogramm dazu.
- 49:51Wir machen auch Mitarbeitergespräche,
- 49:53wo wir auch sagen, wo sind deine
- 49:55Entwicklungspotenziale und machen im
- 49:56Einzelgespräch sozusagen, wo kannst du
- 49:59oder wo solltest du noch hinschauen oder
- 50:01was sind die nächsten Schritte, dass du
- 50:02vielleicht einmal eine Geschäftsführung
- 50:03auch ins Auge fassen kannst. Also, wir
- 50:07schauen uns die Jungen schon an, die
- 50:08Potenzial haben und fördern sie ähm hin.
- 50:12Äh eigentlich sind fast alle unsere
- 50:14Geschäftsführer ähm bis auf vielleicht
- 50:17einen einzigen ähm aus dem Unternehmen
- 50:19entstanden, die nicht ähm in der
- 50:21Geschäftsführung waren, sondern die sich
- 50:23aus ähm Führungspositionen
- 50:26zu Geschäftsführern entwickelt haben.
- 50:28Also, wir versuchen wirklich stark die
- 50:30Menschen aus dem Unternehmen zu fördern
- 50:32und das gelingt uns sehr gut.
- 50:33Wie divers sind Sie denn eigentlich? Wir
- 50:35sind divers ähm in der Führung. Ähm, wir
- 50:38haben ungefähr 40% Frauen in der äh
- 50:41Topführungsebene.
- 50:43Ich sage jetzt mal äh auch im Vorstand
- 50:45haben wir eine Frau, einen Mann. und ähm
- 50:48international, wir haben sehr viele
- 50:49Kulturen natürlich auch bei uns,
- 50:51Kroaten, diverseste Menschen aus allen
- 50:55Weltecken.
- 50:56Ähm, also das ist, glaube ich, schon
- 50:59auch eine wichtige wichtiges Asset, dass
- 51:02es verschiedene Kulturen gibt, auch sehr
- 51:04viele, sage ich jetzt mal,
- 51:06Niederösterreicher, Tiroler, Salzburger,
- 51:08also auch aus Österreich verschiedene
- 51:10Kulturen. Äh jetzt habe ich äh wir
- 51:13führen seit Jahrzehnten eine
- 51:14Bildungsdiskussion in Österreich und das
- 51:16heißt äh und die jungen Menschen sind
- 51:19kommen immer schlechter ausgebildet aus
- 51:20der Schule. Es gibt auch eben diverse
- 51:22Untersuchungen, Piser Studien, die das
- 51:25auch belegen. Äh und manchmal stellt
- 51:27sich also speziell auch oft bei bei
- 51:31Kindern und Jugendlichen aus eher
- 51:34bildungsfernen Schichten erst am Ende
- 51:35einer Schulzeit heraus, die können gar
- 51:37nicht richtig lesen oder schreiben oder
- 51:39auch rechnen. Kriegt so jemand eine
- 51:41Chance bei Ihnen im Haus oder muss ich
- 51:43schon einen gewissen Standardanbildung
- 51:46haben, damit ich überhaupt aufgenommen
- 51:47werde bei Ottergringer?
- 51:49Also, wir nehmen sicherlich, also so
- 51:52genau kann ich Ihnen das nicht
- 51:53beantworten, aber was wir schon durchaus
- 51:56machen, wir haben ja sehr viele
- 51:57handwerkliche Arbeiten und ähm natürlich
- 52:01musst du zumindest etwas lesen können.
- 52:03Also, das wäre schon wichtig, weil
- 52:05natürlich Vorschriften manchmal
- 52:06schriftlich kommen oder ähm Warnsignale
- 52:10schriftlich das ähm damit du nicht in
- 52:13eine Maschine hineingerätzt. Aber
- 52:14grundsätzlich, wenn du m
- 52:17sozusagen eine händische Arbeit machen
- 52:19kannst, dann kannst du durchaus auch bei
- 52:21uns einen Arbeit finden. Ja.
- 52:23Mhm.
- 52:24Mhm. Was ist Ihnen denn wichtig, wenn
- 52:26sich jemand bei Ihnen bewirbt? Worauf
- 52:28schauen Sie da?
- 52:30dass die Menschen wirklich zu uns kommen
- 52:32wollen, dass eine gewisse Passion da ist
- 52:35und vor allen Dingen aber auch eine
- 52:36Passion für das, was sie vorher gemacht
- 52:38haben und dass sie irgendwie eine
- 52:39Leidenschaft haben für das, was sie
- 52:42beruflich machen wollen. Ich glaube, das
- 52:44ist wirklich wichtig, ähm dass sie
- 52:49kulturell dazu passen oder vielleicht
- 52:51gerade ein bisschen ein Störer sind,
- 52:53damit man die Kultur auch ein bisschen
- 52:54belebt. Ja.
- 52:56Ähm, das glaube ich ist sehr wichtig,
- 52:58dass man unterschiedliche
- 52:59Persönlichkeitstypen findet, die auch
- 53:01sozusagen das Team aufmischen und
- 53:04positiv aufmischen.
- 53:05Mhm. Ich glaube, das ist sehr, sehr
- 53:07wichtig und halt Menschen, die wirklich
- 53:10auch leisten wollen und mitun wollen und
- 53:14ähm sozusagen ein Potenzial haben auch
- 53:16vielleicht ein mal eine Führungsrolle
- 53:18einzunehmen. Das wird man nicht in jeder
- 53:19Position schaffen, aber grundsätzlich
- 53:23die Möglichkeit soll es geben.
- 53:25Jetzt haben Sie selbst Kinder, ihre
- 53:26Geschwister haben auch Kinder. Ist es
- 53:28schon fix, wer aus der nächsten
- 53:30Generation die Ottergringer Getränke AG
- 53:33führen wird?
- 53:35Also, es ist so, dass wir ja schon zwei
- 53:38Kinder ähm in Aufsichtsräten haben. eine
- 53:43junge Dame, die 30 um die 30 ist und die
- 53:46um die 40, Entschuldigung, ist und die
- 53:48bei uns im Familienaufsichtsrat sitzt
- 53:51und einer meiner Neffen, der 2 und 23
- 53:53ist, der sitzt auch in einer in einem
- 53:56Aufsichtsrat einer unserer
- 53:57Familienholding und ich finde, das ist
- 54:00ein gutes langsames heranführen an die
- 54:02an die an das Unternehmen über den
- 54:05Aufsichtsrat ein bisschen das
- 54:06kennenzulernen, ein Interesse zu
- 54:08erwecken und damit haben wir schon
- 54:10gestartet und dann haben wir eine zweite
- 54:12Ebene wo wir eben ähm immer wieder
- 54:14Veranstaltungen z.B. mit Frau Professor
- 54:16Kalz haben wir ein Jugend Event gemacht,
- 54:18wo wir sozusagen Ihnen erklärt haben,
- 54:20was ist ein Vorstand, was ist ein
- 54:22Aufsichtsratzusagen,
- 54:23wie funktioniert ein
- 54:24Familienunternehmen, ähm Schulungen
- 54:27machen. Und der dritte Baustein ist, wir
- 54:29laden unsere Jungen auch in die
- 54:30Hauptversammlung ein, äh damit sie hören
- 54:33auch vom Vorstand, wie läuft unser
- 54:34Geschäft, was machen wir, was sind
- 54:36unsere Innovationen, welche Wege gehen
- 54:38wir, wohin geht die Reise der Strategie
- 54:40unseres Unternehmens. Also da äh
- 54:42müssen Sie sich auch an die Maschine
- 54:44stellen, müssen Sie auch wissen oder an
- 54:46den Kessel müssen Sie auch wissen, wie
- 54:48man Bier braut?
- 54:49Also wie man Bier braut, da haben wir
- 54:50noch kein Interesse gehabt, aber wir
- 54:52haben schon einige unserer Jungen bei
- 54:54uns gehabt. Einer in der Eventabteilung,
- 54:56mein Sohn war in der Eventabteilung und
- 54:58ähm mein Neffe ist zwei Wochen durch die
- 55:01Maschinenbereiche
- 55:02gelaufen, also durch die
- 55:03Produktionsbereiche.
- 55:05Ähm einer hat einen Tag lang in der
- 55:07Produktion mitgearbeitet. Ja, das ist
- 55:10sehr wichtig und wenn Interesse besteht
- 55:12und der Wunsch ist nach einem Praktikum
- 55:14sind wir immer offen für die Familie.
- 55:16Aber das heißt, wer sozusagen sich
- 55:18herauskristallisiert als der Chef aller
- 55:20Schiefs, das ist noch nicht klar.
- 55:23Das ist noch nicht klar, weil die alle
- 55:25um die 20 sind, also um die 23 ist der
- 55:28älteste. Also ich glaube, es ist einfach
- 55:29sind mitten im Studienprozess, also sie
- 55:31studieren gerade. Ich glaube, es ist
- 55:33jetzt muss man noch ein bisschen
- 55:35abwarten.
- 55:36Okay. Was passiert denn, wenn was werden
- 55:39Sie tun, wenn Sie abgehen aus dem
- 55:41Unternehmen? Was werden Sie machen?
- 55:44Ja, ich habe schon begonnen nebenher ähm
- 55:47mein Wissen an vor allen Dingen junge
- 55:49Frauen weiterzugeben, die im Berufsleben
- 55:50stehen und mach Coaching und Supervision
- 55:53für junge Führungspersönlichkeiten.
- 55:57Ähm und das macht meine große Freude und
- 56:00das mache ich schon ein bisschen
- 56:02nebenbei, sofern das geht und ich
- 56:04glaube, das werde ich vermehrt machen,
- 56:06wenn ich dann einmal nicht mehr so aktiv
- 56:08bin.
- 56:09Ich habe das Gefühl, Sie arbeiten nur.
- 56:10Wie entspannen Sie sich denn? Ich mache
- 56:13sehr viel Sport. Ähm und ich lese gerne,
- 56:17sammle Kunst und ähm ja und wir haben
- 56:21ein kleines ähm Schräbergartenhaus und
- 56:23da chillen wir dann am Wasser im 23.
- 56:27Bezirk.
- 56:28Schön. Ja.
- 56:29Ähm was raten Sie denn heute ihrem
- 56:31jüngeren Ich?
- 56:34Ja, mach das ähm Vertrau auf dich
- 56:38selber, würde ich sagen, wahrscheinlich
- 56:40das Wichtigste und dass du das schaffen
- 56:42kannst, was immer du dir vornimmst.
- 56:45Ähm und hab Spaß dabei.
- 56:48Vielen Dank, Frau Wenkamp, für das
- 56:49Gespräch.
- 56:50Danke auch.
- 56:52Wenn euch diese Folge gefallen hat und
- 56:54ihr unsere Arbeit unterstützen wollt,
- 56:56dann abonniert am besten den Standard.
- 56:58Alle Infos dazu findet ihr auf abo.at.
- 57:01[musik]
- 57:04Ihr könnt uns auch auf YouTube
- 57:06abonnieren und auf jeder Podcast
- 57:08Plattform eurer Wahl. Feedback und
- 57:10Vorschläge schickt bitte gerne an die
- 57:12E-Mailadresse podcast@standard.
- 57:16Diese Folge wurde produziert von
- 57:18Christoph Neuwert und Tobias Holob.
- 57:21Unser Podcast Chef heißt Schold Wilhelm.
- 57:23Mein Name ist Petra Stüber. Ich danke
- 57:26euch fürs Zuhören und bis zum nächsten
- 57:28Mal. [musik]
- 57:31M.
About this transcript
This page contains the full transcript of Ottakringer-Chefin Wenckheim: Bierpreis, Würstelstand, Familienstreit by DER STANDARD, generated from the public captions YouTube serves with the video. The transcript has 9,282 words across 1,621 segments, with the original timestamps preserved so you can click any line to jump to that moment in the embedded player.
What you can do with it
Use the transcript to take notes, quote the speaker, build a study guide, generate a summary with ChatGPT or Claude via the YouTube Summary tool, or export it as a timed subtitle file with YouTube to SRT. You can also re-open it in the transcriber to translate the transcript into 100+ languages.
Free YouTube transcript tool
YouTube2Text is a free YouTube transcript generator — no signup, no daily limit. Paste any YouTube link and get the full transcript instantly, with timestamps, click-to-jump, translation to 100+ languages, AI prompts for ChatGPT, Claude, and Gemini, and exports to TXT, SRT, VTT, or Markdown.