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Natascha Kampusch First Interview after abduction — Transcript

by Laced · 1,385 words · 262 segments · language en · Watch on YouTube

Full transcript

  1. 0:00Ganz viele Menschen haben mich in den
  2. 0:01letzten Tagen gefragt, wie es ihnen geht
  3. 0:04und es ist unglaublich, dass sie jetzt
  4. 0:05da sitzt und sie selber fragen kann.
  5. 0:07Frau Kampusch, wie geht's Ihnen?
  6. 0:10Ja, den um Umständen entsprechend gut.
  7. 0:14Sie sind jetzt zwei Wochen in Freiheit.
  8. 0:17Wie haben Sie diese neue Freiheit
  9. 0:18erlebt? Was was machen Sie die ganze
  10. 0:20Zeit jetzt? Na ja, in erster Linie mich
  11. 0:24äh von den Strabatzen der Flucht
  12. 0:26erholen, mich entspannen,
  13. 0:29m
  14. 0:33telefonieren
  15. 0:35mit Ich habe mich gestern und vorgestern
  16. 0:37mit meiner Mutter schon getroffen.
  17. 0:39Mhm. Auch ähm bei der Polizei habe ich
  18. 0:43mich schon mit meinen Eltern getroffen
  19. 0:45und gestern habe ich zum ersten Mal
  20. 0:48meine
  21. 0:49jüngere ältere Schwester getroffen, die
  22. 0:52Sabina. Und gestern hat mein Neffe
  23. 0:55Geburtstag gehabt und er hat sich
  24. 0:56gewunschen, dass ich ihn anrufe, was ich
  25. 0:58auch gestern noch erledigt habe, obwohl
  26. 1:00ich so viel zu tun habe.
  27. 1:02Mhm.
  28. 1:03Sie sind im Stress
  29. 1:05schon.
  30. 1:07Was sind denn so? Wer sind denn die
  31. 1:09Menschen, mit denen Sie jetzt am meisten
  32. 1:10sprechen, denen Sie auch am meisten
  33. 1:12vertrauen?
  34. 1:13Ja, also
  35. 1:15denen ich am meisten vertraue, h weiß
  36. 1:19nicht, Dr. Friedrich z.B.,
  37. 1:22aber auch die ganzen
  38. 1:25Psychologen und so, die sich um mich
  39. 1:27kümmern, aber hauptsächlich vertraue ich
  40. 1:29eigentlich
  41. 1:31meiner Familie und auf mich halt.
  42. 1:35Mhm. Das ist gut. Ja,
  43. 1:37sie sind ja äh da jetzt ziemlich von der
  44. 1:41Außenwelt abgeschirmt. Sie haben auch in
  45. 1:43ihrem Brief ja geschrieben, dass es
  46. 1:45ihnen hier sehr gut geht und dass man
  47. 1:47sie super gut behandelt. Äh, sie haben
  48. 1:51aber auch gesagt, sie fühlen sich
  49. 1:52vielleicht ein bisschen bevormundet. Ja,
  50. 1:54das wollte ich gerade andeuten. Es ist
  51. 1:56es ist wirklich sehr schwer sich da also
  52. 1:59alle Leute wollen einen irgendwie
  53. 2:02beeinflussen.
  54. 2:04Sie wollen, sie meinen es zwar gut, aber
  55. 2:07z.B. Für die ersten Nächte haben sie
  56. 2:09versucht, mich dazu zu bringen, zu
  57. 2:12schlafen. Sie wollten am Anfang nicht
  58. 2:14verstehen, warum ich um vi in der Früh
  59. 2:16schon munter bin und mich erst um 11 Uhr
  60. 2:18oder so schlafen lege, aber ich habe sie
  61. 2:23davon überzeugt, dass ich das schon
  62. 2:24selbst in den Griff bekommen werde
  63. 2:27und ohne Schlafmittel oder sonst
  64. 2:29irgendwelche Medikamente auskomme.
  65. 2:31Mhm. Sie sind in Frühfsteherin.
  66. 2:33Ja, sicher.
  67. 2:36Was war der erste Wunsch, den Sie sich
  68. 2:38erfühlt haben?
  69. 2:40H
  70. 2:41geht so
  71. 2:44ist nicht so wichtig. Es hat
  72. 2:46wahrscheinlich so viele gegeben.
  73. 2:49Ja, schon. Also, es gab sehr viele
  74. 2:51Wünsche und
  75. 2:54der hauptsächliche Wunsch, den ich mir
  76. 2:56erfüllt habe in den letzten Tagen, ist
  77. 2:57eben die Freiheit. was ich eigentlich
  78. 2:59wissen wollte, weil Sie ja ziemlich
  79. 3:02abgeschimpt sind von der Öffentlichkeit
  80. 3:03und ich wollte eigentlich fragen, waren
  81. 3:04Sie trotzdem schon draußen so spazieren,
  82. 3:07einkaufen?
  83. 3:08Ja, na einkaufen war ich war Inkognito
  84. 3:11Eisessen.
  85. 3:14Wie hat dieses Inkognito ausgeschaut?
  86. 3:16Also, ich war mit dem Dr. Berger
  87. 3:20äh auf der Werringerstraße
  88. 3:23in einem Eissalon, aber wir wollen da
  89. 3:25nicht Werbung machen.
  90. 3:27Okay.
  91. 3:27Ja. Und da haben wir uns ein Eisbecher
  92. 3:30bestellt. Ich hatte eine Sonnenbrille
  93. 3:33auf und Kopftuch um und tja, da hat man
  94. 3:37mich nicht erkannt.
  95. 3:38Es war Wir sind auch mit der Schnellbahn
  96. 3:41oder was?
  97. 3:42Mit der U-Bahn sogar. sind noch mit der
  98. 3:44U-Bahn gefahren und es war toll, die
  99. 3:46Menschen alle anzulächeln und keiner hat
  100. 3:49mich erkannt.
  101. 3:51Äh ja.
  102. 3:53Haben Sie schon außerhalb des
  103. 3:55Betreuerteams, dass Sie auch ständig
  104. 3:57ungibt, Freundschaften schließen können?
  105. 3:59Ja,
  106. 4:01äh sozusagen auf der Station, da wo ich
  107. 4:04auf aufgehoben bin, habe ich schon
  108. 4:06Freundschaft geschlossen.
  109. 4:07Das heißt, sie sind auch jetzt schon mit
  110. 4:09anderen jungen Menschen zusammen,
  111. 4:11äh mit denen man sich
  112. 4:13gut unterhalten kann.
  113. 4:14Genau.
  114. 4:15Mhm.
  115. 4:16Auch mit Jüngeren, mit
  116. 4:19so Zehnjährigen oder so.
  117. 4:20Mhm.
  118. 4:21Wie war das erste Wiedersehen mit ihren
  119. 4:23Eltern?
  120. 4:25Ja, also das komische war, dass meine
  121. 4:29Eltern so wie sämtliche Verwandte
  122. 4:32mehr geweint, also sie haben geweint und
  123. 4:35mich umarmt und gedrückt
  124. 4:37und ich weiß nicht in dem Moment
  125. 4:42äh
  126. 4:44hm
  127. 4:45zwar bisschen viel.
  128. 4:47Ja, schon. Ich habe mich ein bisschen
  129. 4:49ja, ich habe mich ein bisschen
  130. 4:51überfordert und ein bisschen beengt
  131. 4:53gefühlt durch die durch dieses
  132. 4:56plötzliche Einfall. Also die Polizisten
  133. 4:58z.B. dort, die haben es auch nicht
  134. 5:00gefasst, die die wollten mich fast vor
  135. 5:03Glück zerquetschen.
  136. 5:06Ja, also und sie brauchen ein bisschen
  137. 5:08um das zu realisieren.
  138. 5:09Ja, sicher, sicher, weil vor also
  139. 5:13ich meine nicht so sehr ich, sondern
  140. 5:15eher die Polizisten, weil die haben sie
  141. 5:18haben mir erzählt, dass sie ein paar
  142. 5:20Tage bevor ich im Floh noch nach also
  143. 5:23eine Genehmigung beantragt haben, um
  144. 5:25nach meiner Läche zu graben oder so.
  145. 5:29Und sie haben schon die Hoffnung fast
  146. 5:32aufgegeben.
  147. 5:33Dazu muss ich noch sagen, meine Mutter
  148. 5:35hat die Hoffnung nie aufgegeben, dass
  149. 5:36ich noch lebe.
  150. 5:38Ich weiß.
  151. 5:42Und
  152. 5:44was ist das für Verbindung jetzt, wenn
  153. 5:47man jetzt wirklich sagt, 8 Jahre liegen
  154. 5:49da dazwischen? Ja. Das liegt bei uns
  155. 5:51nicht dazwischen. Die Öffentlichkeit
  156. 5:53meint ja, ich sei kein gutes Kind oder
  157. 5:55meine Mutter sei keine gute Mutter, weil
  158. 5:57sie mich nicht sofort bei sich haben
  159. 5:59möchte oder ich sie bei mir haben
  160. 6:01möchte. Aber bei uns ist es eher so, als
  161. 6:04wären überhaupt als wäre gar nichts
  162. 6:06geschehen.
  163. 6:07Schön. Wie ist das? Ich habe ja damals
  164. 6:10auch ihre Schwestern kennengelernt und
  165. 6:11die hatten ja ganz kleine Kinder damals.
  166. 6:14Die sind ja jetzt groß. Haben sie die
  167. 6:16wieder erkannt? Wie war das? Na ja, ich
  168. 6:19habe sie noch nicht gesehen, aber Fotos
  169. 6:22und ich habe sie natürlich wieder
  170. 6:23erkannt und ich habe sogar eine neue
  171. 6:26Nichte dazu bekommen. 7 Jahre ist sie
  172. 6:29jetzt,
  173. 6:30die kleine Alina und
  174. 6:32ich ja, ich habe mich sehr gefreut, dass
  175. 6:34ich jetzt nur eine Verwandte dazu habe.
  176. 6:36Eine Nichte schon?
  177. 6:37Ja, sicher. Ich habe na ja, wenn das die
  178. 6:39Kinder von Mensch. So. Ja, stimmt. Ich
  179. 6:41war jetzt immer bei Cousinur und
  180. 6:42Cousine, aber stimmt, das sind ja schon
  181. 6:44nichten.
  182. 6:45Ja, also ich hatte damals eine Cousine,
  183. 6:47eine neu, ich mein, was heißt neu, eine
  184. 6:49kleine, sie war ungefähr zwei Jahre oder
  185. 6:52so damals. Die wird jetzt auch schon
  186. 6:53ungefähr zehn sein.
  187. 6:55Mhm.
  188. 6:55Und ich hatte weiß nicht, wie alt meine
  189. 6:58ältere Cousine ist. Die wird jetzt auch
  190. 7:00eine junge erwachsene Frau sein.
  191. 7:03Hm.
  192. 7:03Was haben Sie denn jetzt sich in diesen
  193. 7:06zwei Wochen? Haben Sie ja sicher sich
  194. 7:07viel Gedanken um Ihre Zukunft gemacht.
  195. 7:09Was haben Sie für Pläne? Gibt's ein
  196. 7:11Berufswunsch?
  197. 7:12Na ja, konkrete Berufswünsche habe ich
  198. 7:14noch nicht. Ich möchte zuerst meine
  199. 7:17Bildung komplettieren und äh
  200. 7:22die Matura machen und vielleicht
  201. 7:26studieren, aber ich weiß noch nicht, was
  202. 7:28ich studieren möchte.
  203. 7:30Irgendjemand hat mir erzählt, dass sie
  204. 7:32gerne Schauspielerin werden möchten. Ja,
  205. 7:35schon. Aber sei wir uns doch ehrlich,
  206. 7:38Hollywood ist auch nicht so.
  207. 7:41Muss ja nicht immer Hollywood sein.
  208. 7:43Österreich schönes Burgtheater.
  209. 7:45Ja, meine Mutter hat immer gesagt, wenn
  210. 7:47du groß bist, kommst du auf die Burg.
  211. 7:49Aber was mich schon interessiert, dieser
  212. 7:51Berufswunsch, also rein schon der
  213. 7:53Gedanke, ich habe ja von Ihnen auch
  214. 7:54Kinderfotos gesehen früher, wo ich
  215. 7:56gesehen habe, sie haben sich ja gern
  216. 7:57verkleidet. Ja, sch und haben ich habe
  217. 8:00sie damit Hüten gesehen und auch ein
  218. 8:02bisschen schon geschminkt.
  219. 8:04Hat das auch damit zu tun? Irgendwie
  220. 8:07schon damals war das
  221. 8:08schon schon außerdem war das immer so
  222. 8:10eine Art Alibi, Geburtstag zu feiern
  223. 8:12oder so. Also, ich meine, weil ich
  224. 8:16feierte gern, aber ich wollte auch nicht
  225. 8:18irgendwie sagen, ich möchte gerne
  226. 8:19feiern, sondern ich habe den Geburtstag
  227. 8:21dann halt immer als Anlass genommen und
  228. 8:23es mussten sich alle verkleiden. Das mit
  229. 8:25dem vergleiden hat mich hier nicht
  230. 8:26amüsiert.
  231. 8:28überhaupt so Kleidungsvorschriften für
  232. 8:30mich eigentlich nicht, aber für die
  233. 8:32anderen.
  234. 8:33Lesen Sie eigentlich alles, was über Sie
  235. 8:35oder über den Fall Natascha Kampusch
  236. 8:38auch in den Zeitungen jetzt
  237. 8:39veröffentlicht wird?
  238. 8:40Im Prinzip möchte ich mich nicht mit
  239. 8:42solchen Verunglimpfungen, Verleungen und
  240. 8:44Demütigungen
  241. 8:47belasten momentan. Es ist auch zu viel.
  242. 8:49Ich könnte mir nicht jede Zeitung zu
  243. 8:51Gemüte führen. Ich habe so viel zu tun.
  244. 8:55medizinische Untersuchungen,
  245. 8:59Gespräche,
  246. 9:00alles mögliche.
  247. 9:01Was sind denn so die Dinge, die Sie am
  248. 9:03meisten ärgern? Ich denke mal, das ist
  249. 9:05jetzt auch ein
  250. 9:05Ja, also z.B.
  251. 9:07m
  252. 9:10so Sachen,
  253. 9:13die einfach der Unwahrheit entsprechen,
  254. 9:15Missbrauch oder vor allem ärgern mich
  255. 9:18diese Fotos von meinem Verlies, weil das
  256. 9:21geht niemanden etwas an. Ich möchte auch
  257. 9:23nicht in die Wohnzimmer und Schlafzimmer
  258. 9:26von denen Leuten schauen. Warum sollen
  259. 9:28die Leute dann morgens ihre Zeitung
  260. 9:31aufschlagen und in mein Zimmer schauen?
  261. 9:33Das ist schon ein Eingriff in die
  262. 9:34Persönlichkeit und

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