Natascha Kampusch First Interview after abduction — Transcript
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- 0:00Ganz viele Menschen haben mich in den
- 0:01letzten Tagen gefragt, wie es ihnen geht
- 0:04und es ist unglaublich, dass sie jetzt
- 0:05da sitzt und sie selber fragen kann.
- 0:07Frau Kampusch, wie geht's Ihnen?
- 0:10Ja, den um Umständen entsprechend gut.
- 0:14Sie sind jetzt zwei Wochen in Freiheit.
- 0:17Wie haben Sie diese neue Freiheit
- 0:18erlebt? Was was machen Sie die ganze
- 0:20Zeit jetzt? Na ja, in erster Linie mich
- 0:24äh von den Strabatzen der Flucht
- 0:26erholen, mich entspannen,
- 0:29m
- 0:33telefonieren
- 0:35mit Ich habe mich gestern und vorgestern
- 0:37mit meiner Mutter schon getroffen.
- 0:39Mhm. Auch ähm bei der Polizei habe ich
- 0:43mich schon mit meinen Eltern getroffen
- 0:45und gestern habe ich zum ersten Mal
- 0:48meine
- 0:49jüngere ältere Schwester getroffen, die
- 0:52Sabina. Und gestern hat mein Neffe
- 0:55Geburtstag gehabt und er hat sich
- 0:56gewunschen, dass ich ihn anrufe, was ich
- 0:58auch gestern noch erledigt habe, obwohl
- 1:00ich so viel zu tun habe.
- 1:02Mhm.
- 1:03Sie sind im Stress
- 1:05schon.
- 1:07Was sind denn so? Wer sind denn die
- 1:09Menschen, mit denen Sie jetzt am meisten
- 1:10sprechen, denen Sie auch am meisten
- 1:12vertrauen?
- 1:13Ja, also
- 1:15denen ich am meisten vertraue, h weiß
- 1:19nicht, Dr. Friedrich z.B.,
- 1:22aber auch die ganzen
- 1:25Psychologen und so, die sich um mich
- 1:27kümmern, aber hauptsächlich vertraue ich
- 1:29eigentlich
- 1:31meiner Familie und auf mich halt.
- 1:35Mhm. Das ist gut. Ja,
- 1:37sie sind ja äh da jetzt ziemlich von der
- 1:41Außenwelt abgeschirmt. Sie haben auch in
- 1:43ihrem Brief ja geschrieben, dass es
- 1:45ihnen hier sehr gut geht und dass man
- 1:47sie super gut behandelt. Äh, sie haben
- 1:51aber auch gesagt, sie fühlen sich
- 1:52vielleicht ein bisschen bevormundet. Ja,
- 1:54das wollte ich gerade andeuten. Es ist
- 1:56es ist wirklich sehr schwer sich da also
- 1:59alle Leute wollen einen irgendwie
- 2:02beeinflussen.
- 2:04Sie wollen, sie meinen es zwar gut, aber
- 2:07z.B. Für die ersten Nächte haben sie
- 2:09versucht, mich dazu zu bringen, zu
- 2:12schlafen. Sie wollten am Anfang nicht
- 2:14verstehen, warum ich um vi in der Früh
- 2:16schon munter bin und mich erst um 11 Uhr
- 2:18oder so schlafen lege, aber ich habe sie
- 2:23davon überzeugt, dass ich das schon
- 2:24selbst in den Griff bekommen werde
- 2:27und ohne Schlafmittel oder sonst
- 2:29irgendwelche Medikamente auskomme.
- 2:31Mhm. Sie sind in Frühfsteherin.
- 2:33Ja, sicher.
- 2:36Was war der erste Wunsch, den Sie sich
- 2:38erfühlt haben?
- 2:40H
- 2:41geht so
- 2:44ist nicht so wichtig. Es hat
- 2:46wahrscheinlich so viele gegeben.
- 2:49Ja, schon. Also, es gab sehr viele
- 2:51Wünsche und
- 2:54der hauptsächliche Wunsch, den ich mir
- 2:56erfüllt habe in den letzten Tagen, ist
- 2:57eben die Freiheit. was ich eigentlich
- 2:59wissen wollte, weil Sie ja ziemlich
- 3:02abgeschimpt sind von der Öffentlichkeit
- 3:03und ich wollte eigentlich fragen, waren
- 3:04Sie trotzdem schon draußen so spazieren,
- 3:07einkaufen?
- 3:08Ja, na einkaufen war ich war Inkognito
- 3:11Eisessen.
- 3:14Wie hat dieses Inkognito ausgeschaut?
- 3:16Also, ich war mit dem Dr. Berger
- 3:20äh auf der Werringerstraße
- 3:23in einem Eissalon, aber wir wollen da
- 3:25nicht Werbung machen.
- 3:27Okay.
- 3:27Ja. Und da haben wir uns ein Eisbecher
- 3:30bestellt. Ich hatte eine Sonnenbrille
- 3:33auf und Kopftuch um und tja, da hat man
- 3:37mich nicht erkannt.
- 3:38Es war Wir sind auch mit der Schnellbahn
- 3:41oder was?
- 3:42Mit der U-Bahn sogar. sind noch mit der
- 3:44U-Bahn gefahren und es war toll, die
- 3:46Menschen alle anzulächeln und keiner hat
- 3:49mich erkannt.
- 3:51Äh ja.
- 3:53Haben Sie schon außerhalb des
- 3:55Betreuerteams, dass Sie auch ständig
- 3:57ungibt, Freundschaften schließen können?
- 3:59Ja,
- 4:01äh sozusagen auf der Station, da wo ich
- 4:04auf aufgehoben bin, habe ich schon
- 4:06Freundschaft geschlossen.
- 4:07Das heißt, sie sind auch jetzt schon mit
- 4:09anderen jungen Menschen zusammen,
- 4:11äh mit denen man sich
- 4:13gut unterhalten kann.
- 4:14Genau.
- 4:15Mhm.
- 4:16Auch mit Jüngeren, mit
- 4:19so Zehnjährigen oder so.
- 4:20Mhm.
- 4:21Wie war das erste Wiedersehen mit ihren
- 4:23Eltern?
- 4:25Ja, also das komische war, dass meine
- 4:29Eltern so wie sämtliche Verwandte
- 4:32mehr geweint, also sie haben geweint und
- 4:35mich umarmt und gedrückt
- 4:37und ich weiß nicht in dem Moment
- 4:42äh
- 4:44hm
- 4:45zwar bisschen viel.
- 4:47Ja, schon. Ich habe mich ein bisschen
- 4:49ja, ich habe mich ein bisschen
- 4:51überfordert und ein bisschen beengt
- 4:53gefühlt durch die durch dieses
- 4:56plötzliche Einfall. Also die Polizisten
- 4:58z.B. dort, die haben es auch nicht
- 5:00gefasst, die die wollten mich fast vor
- 5:03Glück zerquetschen.
- 5:06Ja, also und sie brauchen ein bisschen
- 5:08um das zu realisieren.
- 5:09Ja, sicher, sicher, weil vor also
- 5:13ich meine nicht so sehr ich, sondern
- 5:15eher die Polizisten, weil die haben sie
- 5:18haben mir erzählt, dass sie ein paar
- 5:20Tage bevor ich im Floh noch nach also
- 5:23eine Genehmigung beantragt haben, um
- 5:25nach meiner Läche zu graben oder so.
- 5:29Und sie haben schon die Hoffnung fast
- 5:32aufgegeben.
- 5:33Dazu muss ich noch sagen, meine Mutter
- 5:35hat die Hoffnung nie aufgegeben, dass
- 5:36ich noch lebe.
- 5:38Ich weiß.
- 5:42Und
- 5:44was ist das für Verbindung jetzt, wenn
- 5:47man jetzt wirklich sagt, 8 Jahre liegen
- 5:49da dazwischen? Ja. Das liegt bei uns
- 5:51nicht dazwischen. Die Öffentlichkeit
- 5:53meint ja, ich sei kein gutes Kind oder
- 5:55meine Mutter sei keine gute Mutter, weil
- 5:57sie mich nicht sofort bei sich haben
- 5:59möchte oder ich sie bei mir haben
- 6:01möchte. Aber bei uns ist es eher so, als
- 6:04wären überhaupt als wäre gar nichts
- 6:06geschehen.
- 6:07Schön. Wie ist das? Ich habe ja damals
- 6:10auch ihre Schwestern kennengelernt und
- 6:11die hatten ja ganz kleine Kinder damals.
- 6:14Die sind ja jetzt groß. Haben sie die
- 6:16wieder erkannt? Wie war das? Na ja, ich
- 6:19habe sie noch nicht gesehen, aber Fotos
- 6:22und ich habe sie natürlich wieder
- 6:23erkannt und ich habe sogar eine neue
- 6:26Nichte dazu bekommen. 7 Jahre ist sie
- 6:29jetzt,
- 6:30die kleine Alina und
- 6:32ich ja, ich habe mich sehr gefreut, dass
- 6:34ich jetzt nur eine Verwandte dazu habe.
- 6:36Eine Nichte schon?
- 6:37Ja, sicher. Ich habe na ja, wenn das die
- 6:39Kinder von Mensch. So. Ja, stimmt. Ich
- 6:41war jetzt immer bei Cousinur und
- 6:42Cousine, aber stimmt, das sind ja schon
- 6:44nichten.
- 6:45Ja, also ich hatte damals eine Cousine,
- 6:47eine neu, ich mein, was heißt neu, eine
- 6:49kleine, sie war ungefähr zwei Jahre oder
- 6:52so damals. Die wird jetzt auch schon
- 6:53ungefähr zehn sein.
- 6:55Mhm.
- 6:55Und ich hatte weiß nicht, wie alt meine
- 6:58ältere Cousine ist. Die wird jetzt auch
- 7:00eine junge erwachsene Frau sein.
- 7:03Hm.
- 7:03Was haben Sie denn jetzt sich in diesen
- 7:06zwei Wochen? Haben Sie ja sicher sich
- 7:07viel Gedanken um Ihre Zukunft gemacht.
- 7:09Was haben Sie für Pläne? Gibt's ein
- 7:11Berufswunsch?
- 7:12Na ja, konkrete Berufswünsche habe ich
- 7:14noch nicht. Ich möchte zuerst meine
- 7:17Bildung komplettieren und äh
- 7:22die Matura machen und vielleicht
- 7:26studieren, aber ich weiß noch nicht, was
- 7:28ich studieren möchte.
- 7:30Irgendjemand hat mir erzählt, dass sie
- 7:32gerne Schauspielerin werden möchten. Ja,
- 7:35schon. Aber sei wir uns doch ehrlich,
- 7:38Hollywood ist auch nicht so.
- 7:41Muss ja nicht immer Hollywood sein.
- 7:43Österreich schönes Burgtheater.
- 7:45Ja, meine Mutter hat immer gesagt, wenn
- 7:47du groß bist, kommst du auf die Burg.
- 7:49Aber was mich schon interessiert, dieser
- 7:51Berufswunsch, also rein schon der
- 7:53Gedanke, ich habe ja von Ihnen auch
- 7:54Kinderfotos gesehen früher, wo ich
- 7:56gesehen habe, sie haben sich ja gern
- 7:57verkleidet. Ja, sch und haben ich habe
- 8:00sie damit Hüten gesehen und auch ein
- 8:02bisschen schon geschminkt.
- 8:04Hat das auch damit zu tun? Irgendwie
- 8:07schon damals war das
- 8:08schon schon außerdem war das immer so
- 8:10eine Art Alibi, Geburtstag zu feiern
- 8:12oder so. Also, ich meine, weil ich
- 8:16feierte gern, aber ich wollte auch nicht
- 8:18irgendwie sagen, ich möchte gerne
- 8:19feiern, sondern ich habe den Geburtstag
- 8:21dann halt immer als Anlass genommen und
- 8:23es mussten sich alle verkleiden. Das mit
- 8:25dem vergleiden hat mich hier nicht
- 8:26amüsiert.
- 8:28überhaupt so Kleidungsvorschriften für
- 8:30mich eigentlich nicht, aber für die
- 8:32anderen.
- 8:33Lesen Sie eigentlich alles, was über Sie
- 8:35oder über den Fall Natascha Kampusch
- 8:38auch in den Zeitungen jetzt
- 8:39veröffentlicht wird?
- 8:40Im Prinzip möchte ich mich nicht mit
- 8:42solchen Verunglimpfungen, Verleungen und
- 8:44Demütigungen
- 8:47belasten momentan. Es ist auch zu viel.
- 8:49Ich könnte mir nicht jede Zeitung zu
- 8:51Gemüte führen. Ich habe so viel zu tun.
- 8:55medizinische Untersuchungen,
- 8:59Gespräche,
- 9:00alles mögliche.
- 9:01Was sind denn so die Dinge, die Sie am
- 9:03meisten ärgern? Ich denke mal, das ist
- 9:05jetzt auch ein
- 9:05Ja, also z.B.
- 9:07m
- 9:10so Sachen,
- 9:13die einfach der Unwahrheit entsprechen,
- 9:15Missbrauch oder vor allem ärgern mich
- 9:18diese Fotos von meinem Verlies, weil das
- 9:21geht niemanden etwas an. Ich möchte auch
- 9:23nicht in die Wohnzimmer und Schlafzimmer
- 9:26von denen Leuten schauen. Warum sollen
- 9:28die Leute dann morgens ihre Zeitung
- 9:31aufschlagen und in mein Zimmer schauen?
- 9:33Das ist schon ein Eingriff in die
- 9:34Persönlichkeit und
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