Mit Technologie gegen Textilmüll — Transcript
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- 0:00Die Welt ertrinkt in Textilmüll und
- 0:03jedes Jahr kommen geschätzt 90 Millionen
- 0:05Tonnen dazu. Umgerechnet auf Stunden
- 0:08bedeutet das, alle 60 Minuten entsteht
- 0:11so viel Textilmüll, wie 18 vollgepackte
- 0:14A380 Flugzeuge beim Start wiegen.
- 0:17Mindestens, denn das ist eine
- 0:18konservative Schätzung. Was geschieht
- 0:21mit all dem Material? Noch immer wird
- 0:23das meiste verbrannt oder deponiert, oft
- 0:26in Ländern des globalen Südens.
- 0:29Chile ist zum weltweiten
- 0:30Textildumpingplatz geworden.
- 0:33Tatsächlich recycled, also für neue
- 0:35Textilien genutzt werde in Europa
- 0:38weniger als 1% schätzte eine Stiftung.
- 0:41Inzwischen aber gibt es technische
- 0:43Innovationen, mit denen viel mehr
- 0:44möglich wäre. In dieser Folge erklären
- 0:47wir, was passieren muss, damit die neuen
- 0:49Technologien endlich eingesetzt werden.
- 0:54Immer mehr, immer preiswertere Mode. Die
- 0:56Fast Fashion Industrie verschärft einen
- 0:59Trend, der schon in den 90er Jahren
- 1:00begann, die Textilproduktion in
- 1:03Niedriglohnländern.
- 1:04Das Ergebnis in Industrieländern ist
- 1:07Kleidung vergleichsweise billig. In den
- 1:10USA z.B. gab es in den letzten 10 Jahren
- 1:13kaum Preissteigerungen für Bekleidung
- 1:15und Schuhe. Im Vergleich zum
- 1:17Gesamtwarnkorbieben
- 1:18Textilien preiswert. Modefans können
- 1:21sich zu kleinen Preisen reichlich
- 1:23eindecken. Die Zahl der weltweit
- 1:25produzierten Kleidungsstücke wächst.
- 1:27Geschätzt 100 Millionen Neue kommen
- 1:29jedes Jahr auf den Markt. Die
- 1:32Begleidungsindustrie verbraucht nach
- 1:34Schätzung der UN 4% des weltweiten
- 1:37Frischwassers und erzeugt rund 10% des
- 1:41weltweiten CO2 Ausstoßes.
- 1:43Recycling könnte helfen, Ressourcen zu
- 1:46sparen. Diese Modellfabrik soll zeigen,
- 1:49wie Schritt für Schritt.
- 1:53völlig unabhängig, ob sie chemisch,
- 1:55mechanisch, enzymatisch oder wie auch
- 1:57immer recyceln. Sie müssen vorher
- 1:59sortieren und je besser sie sortieren,
- 2:02desto äh besser ist das Ergebnis am Ende
- 2:06auch.
- 2:08Der neue Ansatz, den wir hier verfolgen,
- 2:10ist der, dass wir KI anwenden.
- 2:13Stefan Schlichter hat die Modellfabrik
- 2:15gegründet. Die KI erkennt Störstoffe wie
- 2:18Knöpfe oder Reißverschlüsse und auch um
- 2:21welche Art Gewebe und Kleidung es sich
- 2:23handelt.
- 2:26Wir sind noch in Teilen der
- 2:27Grundlagenforschung, aber auf dem
- 2:29Schritt zur Anwendung. Wir rechnen aber
- 2:31damit, dass das innerhalb der nächsten
- 2:33zwei Jahre die ersten Systeme auf den
- 2:35Markt kommen.
- 2:36Technischer Fortschritt also. Doch die
- 2:38aktuelle Lage ist ernüchternd, denn die
- 2:41meisten Alttextilien schaffen es gar
- 2:43nicht bis in eine Sortieranlage.
- 2:46Auch in Europa landet das meiste
- 2:48schlicht im Hausmüll, wird also auch so
- 2:50behandelt, deponiert oder thermisch
- 2:52verwertet, das heißt verbrannt. Und auch
- 2:55von den Textilien, die extra gesammelt
- 2:57werden, landet noch einmal mehr als ein
- 2:59Viertel, am Ende doch in der Tonne.
- 3:02Dabei gibt es neue Recycling Verfahren
- 3:05und damit auch neue Materialien. Diese
- 3:07Jacke z.B. besteht zu 100% [musik] aus
- 3:10Lopamid. So nennt BSF recyceltes
- 3:13Polyamid 6.
- 3:14Polymid 6.
- 3:16Polyamid 6 ist ein Polymer, das aus
- 3:18einer Art langer Molekülkette besteht.
- 3:21Diese Moleküle bezeichnen wir Chemiker
- 3:23als Monomere. Beim Recycling wird so
- 3:25eine Molekülkte erst in einzelne
- 3:28Bausteine zerlegt und anschließend
- 3:31wieder zusammengesetzt.
- 3:35So ist das recycelte Produkt chemisch
- 3:37identisch mit dem Neuprodukt, das aus
- 3:39fossilen Ressourcen hergestellt wird.
- 3:44DAC Wiebelhaus ist Chemiker und leitet
- 3:46das Lopamidprojekt bei BSF. Bis zu 70%
- 3:51CO2 Ausstoß. Lasse sich durch chemisches
- 3:53Recycling einsparen, sagt das
- 3:55Unternehmen und die Technologie sei
- 3:57startklar für den industriellen Einsatz.
- 4:00Problem gelöst also leider nein.
- 4:06Um einen solchen Prozess zu skalieren,
- 4:08muss man die gesamte Lieferkette
- 4:10gleichmäßig skalieren. Wir müssten
- 4:12weitere und größere dieser Anlagen
- 4:14bauen.
- 4:16Das Hauptproblem aber bleibt das
- 4:18Rohmaterial.
- 4:22Um mehr zu recyceln, bräuchten wir mehr
- 4:24Textilabfälle aus Polyamid 6. Eine
- 4:27Sortierung nach Materialien gibt es für
- 4:29die nötigen Mengen aber leider noch
- 4:31nicht.
- 4:34So läuft die Pilotanlage in Shanghai
- 4:36hauptsächlich mit Schnittabfällen aus
- 4:38der nah gelegenen Textilproduktion.
- 4:40In Europa werden Textilien bisher nicht
- 4:43in großen Mengen Sorten reinsortiert,
- 4:45dafür aber teilweise als Ganzes
- 4:47exportiert als Secondhware. Fast 1,4
- 4:51Millionen Tonnen ging 2023 in meist
- 4:54ärmere Länder in Asien, Afrika,
- 4:56Osteuropa und Lateinamerika.
- 5:01Chile ist das einzige Land in
- 5:02Lateinamerika, das die unregulierte
- 5:04Einfuhr von Altkleidern gestattet.
- 5:07Pauline Silver Heredia ist Anwältin und
- 5:09Umweltaktivistin. Sie sieht den
- 5:12unkontrollierten Import von Altkleidern
- 5:14kritisch, denn sie hat beobachtet, das
- 5:16Geschäft der Händler auf den
- 5:18Secondhmärkten hat sich verändert. Es
- 5:20bliebe immer mehr Kleidung übrig, die
- 5:22sich nicht verkaufen lasse.
- 5:27Ungefähr seit 2010 ist das Volumen
- 5:29deutlich gestiegen und die Qualität hat
- 5:32sich verändert.
- 5:36Das steht direkt im Zusammenhang mit
- 5:38Fast Fashion.
- 5:41Es ist ja ein globaler Trend, Textilien
- 5:44weitaus billiger und in größeren Mengen
- 5:46zu produzieren.
- 5:49Und dieser Trend zu mehr Masse und
- 5:51weniger Qualität zeigt sich auch hier
- 5:53auf den Märkten,
- 5:56was zu Problemen führt, denn was die
- 5:58Händler nicht verkaufen, landet oft hier
- 6:00auf wilden Müldeponien in der
- 6:02chilenischen Atakama Wüste. Niemand
- 6:05weiß, wie viel Müll hier liegt und auch
- 6:07woher er kam. Lasse sich nicht mehr
- 6:09nachvollziehen, sagt die Anwältin. Sie
- 6:11hat den chilenischen Staat wegen
- 6:13Untätigkeit verklagt und in erster
- 6:15Instanz gewonnen. Das bringt
- 6:17Aufmerksamkeit sowie auch diese
- 6:19künstlerische Protestaktion vom Januar.
- 6:28Doch lassen sich die Altkleider auch
- 6:30wirtschaftlich nutzen? Das chilenische
- 6:32Unternehmen Prositex setzt auf
- 6:34Downcycling, macht aus Altkleidern z.B.
- 6:38Dämplatten.
- 6:45Das Kleidungsstück als solches
- 6:46durchläuft einen Selektionsprozess. Die
- 6:49Metalle werden entfernt, die Kunststoffe
- 6:51werden entfernt.
- 6:55[musik]
- 6:56Dann wird es geschreddert und verdichtet
- 6:58und es entsteht eine Dämmplatte, die
- 7:00allen Baustandards entspricht.
- 7:04Normale Konstruktion.
- 7:06600 Tonnen Altkleider verarbeitet
- 7:09Positex nach eigenen Angaben im Jahr.
- 7:11Ein Anfang, aber keine Lösung für den
- 7:14Textilmüll in Chile.
- 7:16Die abgelöste chilenische Regierung
- 7:18plante bereits die Einfuhr von Textilien
- 7:21besser zu kontrollieren. Ich finde es
- 7:24empörend, dass man am Ende des Tages
- 7:25Müll erhält, für den der Importeur
- 7:27bezahlt. Das heißt, man bezahlt dafür,
- 7:29dass Müll ins Land kommt. Das ist
- 7:30wirklich unverständlich.
- 7:34Und was macht die Europäische Union? Sie
- 7:36hat eine ganze Reihe von Maßnahmen
- 7:38beschlossen. Sie will den Export von
- 7:41textilenabfällen drastisch einschränken.
- 7:44Textilproduzenten sollen unter anderem
- 7:47verpflichtet werden, eine Sortier und
- 7:49Recycling Infrastruktur für Textilien zu
- 7:51finanzieren. Und auch Textilien sollen
- 7:54möglichst umweltverträglich produziert
- 7:57werden. Klappt das?
- 8:01Das kann äh das wird klappen. Ich bin
- 8:03mir ganz sicher. Wir haben momentan eine
- 8:07ja etwas schwierige Situation. Das Thema
- 8:09ist sehr sehr komplex. Ja, und aufgrund
- 8:12dieser Komplexität ist es eine Frage von
- 8:15wann greift welche Gesetzgebung.
- 8:18Auch Nicole Hüden arbeitet für die
- 8:20Recycling Modellfabrik in Augsburg.
- 8:23Deren Garner aus Alttextilien sein
- 8:25bereits marktreif, sagt sie. Nun müssten
- 8:28die Textilproduzenten über die Ökodesign
- 8:30Verordnung auch verpflichtet werden, sie
- 8:32einzusetzen.
- 8:36Wir brauchen verpflichtende Rezikatante
- 8:40in neuen Textilien und erst dann kann
- 8:43der Markt sich selbst so regulieren,
- 8:46dass man sagt, ja, die Einkäufer
- 8:48Einkäuferinnen sind auch dazu bereit,
- 8:50recycelte Fasern einzukaufen. Nur so
- 8:53kriegen wir das hin, dass wir diese
- 8:55Abfälle, die da so massiv da sind, nicht
- 8:57mehr verbrennen müssen, sondern diese
- 8:58dann auch verwendet werden und in neue
- 9:00Textilien einfließen.
- 9:025% Rezikatanteil, das wäre ein guter
- 9:06Anfang, meint Nicole Hühnen. Die
- 9:08Augsburger Forscher setzen auf
- 9:10mechanisches Recycling. Das so sagen
- 9:12sie, sei die am weitesten
- 9:14fortgeschrittene Technologie.
- 9:16Mechanisches Recycling bedeutet, die
- 9:19Textilien werden nach dem Sortieren
- 9:20zerkleinert und schließlich bis in
- 9:23einzelne Fasern aufgelöst.
- 9:26Die Kamera kann, das ist was ganz Neues,
- 9:29Materialbestandteile erkennen mit
- 9:32Nahinfrarot. Das heißt, die kann
- 9:34feststellen, wie viel Polyester, wie
- 9:36viel Baumwolle in dem Material drin ist.
- 9:39Diese Fasern lassen sich durch mischt
- 9:41mit Neumaterial dann zu neuem Garn
- 9:43verspinnen. Der Vorteil für mechanisches
- 9:46Recycling muss das Rohmaterial, die
- 9:48Altkleider nicht komplett sortenrein
- 9:51sein.
- 9:54Nehmen Sie beispiel Polyester Baumwolle,
- 9:56dann gehen natürlich alle die
- 9:58klassischen Abfallleute gehen davon aus,
- 10:00man muss das erstmal trennen, separat
- 10:03aufbereiten, zusammenführen. Wir haben
- 10:05hier z.B. Im Recycling hat die je
- 10:07nachgewiesen, dass man die sehr wohl
- 10:09zusammenrecyn kann. Das Polyester hält
- 10:12sogar eine extrem gute Qualität. Das
- 10:16übersteht das Recycling mit weniger Eink
- 10:18als die Baumwolle. Also es gibt da jede
- 10:21Menge Möglichkeiten auch heute
- 10:24tragfähige Produkte zu machen.
- 10:26Allerdings klein anfangen funktionieren
- 10:29nicht, sagen die Unternehmensberater von
- 10:31Mcinsey. Recycling rechne sich nur, wenn
- 10:34man mit großen Mengen starte. Dafür
- 10:36müssen bis 2030 bis zu 7 Milliarden Euro
- 10:40investiert werden, schätzen die Berater.
- 10:42Doch schon wenig später könnte sich das
- 10:44auszahlen. Eine neue Recycling Industrie
- 10:47in der EU könnte jährlich mehr als 2
- 10:49Milliarden Euro Profit erreichen.
- 10:54Fazit: Das Thema Recycling wurde zu
- 10:56lange vernachlässigt. Viele neue
- 10:58Technologien sind entwickelt, aber noch
- 11:01nicht auf industriellem Level erprobt.
- 11:03Entscheidend könnte sein, wie die neuen
- 11:05EU-Regeln im Detail ausgestaltet werden
- 11:08und wann sie greifen.
- 11:11Die Frage ist s mal so die Henner und E
- 11:14Problematik so ein bisschen. Wer fängt
- 11:16denn hier überhaupt an, wenn die EU
- 11:20daherkäme und sagt, äh, die Unternehmen
- 11:23müssen einen bestimmten Rezikatanteil
- 11:26in neue Produkte einfließen lassen und
- 11:29es ist aber noch niemand da, der
- 11:32überhaupt recycen kann. Das ist
- 11:34problematisch. So, das heißt, das müssen
- 11:36wir erst aufbauen.
- 11:38Gelingt aber der Aufbau, könnte das eine
- 11:40Chance sein, gerade für Deutschland, wo
- 11:42Lord Greenpeace geschätzt 5 Milliarden
- 11:44Kleidungsstücke im Umlauf sind.
- 11:48Wir könnten unsere eigene Industrie
- 11:51damit wiederbeleben. Wir haben textiles
- 11:54NOHu in Deutschland. Wir waren eins der
- 11:56größten Produktionsländer. Das Haowu ist
- 11:58nicht weg. Das heißt, wir können das und
- 12:00wir können mit so Technologien wie
- 12:02automatisch im Sortieren schaffen wir
- 12:05auch Möglichkeiten, die nicht kopierbar
- 12:07sind, die unsere hohen Arbeitskosten
- 12:11auch durchaus rechtfertigen und wir
- 12:13haben den Markt hier.
- 12:16Was meint ihr? Ist Fast Fashion zu
- 12:18billig?
- 12:20Wie lange können wir uns dieses
- 12:21Geschäftsmodell noch leisten?
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