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Mit Technologie gegen Textilmüll — Transcript

by DW Deutsch · 1,492 words · 294 segments · language en · Watch on YouTube

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  1. 0:00Die Welt ertrinkt in Textilmüll und
  2. 0:03jedes Jahr kommen geschätzt 90 Millionen
  3. 0:05Tonnen dazu. Umgerechnet auf Stunden
  4. 0:08bedeutet das, alle 60 Minuten entsteht
  5. 0:11so viel Textilmüll, wie 18 vollgepackte
  6. 0:14A380 Flugzeuge beim Start wiegen.
  7. 0:17Mindestens, denn das ist eine
  8. 0:18konservative Schätzung. Was geschieht
  9. 0:21mit all dem Material? Noch immer wird
  10. 0:23das meiste verbrannt oder deponiert, oft
  11. 0:26in Ländern des globalen Südens.
  12. 0:29Chile ist zum weltweiten
  13. 0:30Textildumpingplatz geworden.
  14. 0:33Tatsächlich recycled, also für neue
  15. 0:35Textilien genutzt werde in Europa
  16. 0:38weniger als 1% schätzte eine Stiftung.
  17. 0:41Inzwischen aber gibt es technische
  18. 0:43Innovationen, mit denen viel mehr
  19. 0:44möglich wäre. In dieser Folge erklären
  20. 0:47wir, was passieren muss, damit die neuen
  21. 0:49Technologien endlich eingesetzt werden.
  22. 0:54Immer mehr, immer preiswertere Mode. Die
  23. 0:56Fast Fashion Industrie verschärft einen
  24. 0:59Trend, der schon in den 90er Jahren
  25. 1:00begann, die Textilproduktion in
  26. 1:03Niedriglohnländern.
  27. 1:04Das Ergebnis in Industrieländern ist
  28. 1:07Kleidung vergleichsweise billig. In den
  29. 1:10USA z.B. gab es in den letzten 10 Jahren
  30. 1:13kaum Preissteigerungen für Bekleidung
  31. 1:15und Schuhe. Im Vergleich zum
  32. 1:17Gesamtwarnkorbieben
  33. 1:18Textilien preiswert. Modefans können
  34. 1:21sich zu kleinen Preisen reichlich
  35. 1:23eindecken. Die Zahl der weltweit
  36. 1:25produzierten Kleidungsstücke wächst.
  37. 1:27Geschätzt 100 Millionen Neue kommen
  38. 1:29jedes Jahr auf den Markt. Die
  39. 1:32Begleidungsindustrie verbraucht nach
  40. 1:34Schätzung der UN 4% des weltweiten
  41. 1:37Frischwassers und erzeugt rund 10% des
  42. 1:41weltweiten CO2 Ausstoßes.
  43. 1:43Recycling könnte helfen, Ressourcen zu
  44. 1:46sparen. Diese Modellfabrik soll zeigen,
  45. 1:49wie Schritt für Schritt.
  46. 1:53völlig unabhängig, ob sie chemisch,
  47. 1:55mechanisch, enzymatisch oder wie auch
  48. 1:57immer recyceln. Sie müssen vorher
  49. 1:59sortieren und je besser sie sortieren,
  50. 2:02desto äh besser ist das Ergebnis am Ende
  51. 2:06auch.
  52. 2:08Der neue Ansatz, den wir hier verfolgen,
  53. 2:10ist der, dass wir KI anwenden.
  54. 2:13Stefan Schlichter hat die Modellfabrik
  55. 2:15gegründet. Die KI erkennt Störstoffe wie
  56. 2:18Knöpfe oder Reißverschlüsse und auch um
  57. 2:21welche Art Gewebe und Kleidung es sich
  58. 2:23handelt.
  59. 2:26Wir sind noch in Teilen der
  60. 2:27Grundlagenforschung, aber auf dem
  61. 2:29Schritt zur Anwendung. Wir rechnen aber
  62. 2:31damit, dass das innerhalb der nächsten
  63. 2:33zwei Jahre die ersten Systeme auf den
  64. 2:35Markt kommen.
  65. 2:36Technischer Fortschritt also. Doch die
  66. 2:38aktuelle Lage ist ernüchternd, denn die
  67. 2:41meisten Alttextilien schaffen es gar
  68. 2:43nicht bis in eine Sortieranlage.
  69. 2:46Auch in Europa landet das meiste
  70. 2:48schlicht im Hausmüll, wird also auch so
  71. 2:50behandelt, deponiert oder thermisch
  72. 2:52verwertet, das heißt verbrannt. Und auch
  73. 2:55von den Textilien, die extra gesammelt
  74. 2:57werden, landet noch einmal mehr als ein
  75. 2:59Viertel, am Ende doch in der Tonne.
  76. 3:02Dabei gibt es neue Recycling Verfahren
  77. 3:05und damit auch neue Materialien. Diese
  78. 3:07Jacke z.B. besteht zu 100% [musik] aus
  79. 3:10Lopamid. So nennt BSF recyceltes
  80. 3:13Polyamid 6.
  81. 3:14Polymid 6.
  82. 3:16Polyamid 6 ist ein Polymer, das aus
  83. 3:18einer Art langer Molekülkette besteht.
  84. 3:21Diese Moleküle bezeichnen wir Chemiker
  85. 3:23als Monomere. Beim Recycling wird so
  86. 3:25eine Molekülkte erst in einzelne
  87. 3:28Bausteine zerlegt und anschließend
  88. 3:31wieder zusammengesetzt.
  89. 3:35So ist das recycelte Produkt chemisch
  90. 3:37identisch mit dem Neuprodukt, das aus
  91. 3:39fossilen Ressourcen hergestellt wird.
  92. 3:44DAC Wiebelhaus ist Chemiker und leitet
  93. 3:46das Lopamidprojekt bei BSF. Bis zu 70%
  94. 3:51CO2 Ausstoß. Lasse sich durch chemisches
  95. 3:53Recycling einsparen, sagt das
  96. 3:55Unternehmen und die Technologie sei
  97. 3:57startklar für den industriellen Einsatz.
  98. 4:00Problem gelöst also leider nein.
  99. 4:06Um einen solchen Prozess zu skalieren,
  100. 4:08muss man die gesamte Lieferkette
  101. 4:10gleichmäßig skalieren. Wir müssten
  102. 4:12weitere und größere dieser Anlagen
  103. 4:14bauen.
  104. 4:16Das Hauptproblem aber bleibt das
  105. 4:18Rohmaterial.
  106. 4:22Um mehr zu recyceln, bräuchten wir mehr
  107. 4:24Textilabfälle aus Polyamid 6. Eine
  108. 4:27Sortierung nach Materialien gibt es für
  109. 4:29die nötigen Mengen aber leider noch
  110. 4:31nicht.
  111. 4:34So läuft die Pilotanlage in Shanghai
  112. 4:36hauptsächlich mit Schnittabfällen aus
  113. 4:38der nah gelegenen Textilproduktion.
  114. 4:40In Europa werden Textilien bisher nicht
  115. 4:43in großen Mengen Sorten reinsortiert,
  116. 4:45dafür aber teilweise als Ganzes
  117. 4:47exportiert als Secondhware. Fast 1,4
  118. 4:51Millionen Tonnen ging 2023 in meist
  119. 4:54ärmere Länder in Asien, Afrika,
  120. 4:56Osteuropa und Lateinamerika.
  121. 5:01Chile ist das einzige Land in
  122. 5:02Lateinamerika, das die unregulierte
  123. 5:04Einfuhr von Altkleidern gestattet.
  124. 5:07Pauline Silver Heredia ist Anwältin und
  125. 5:09Umweltaktivistin. Sie sieht den
  126. 5:12unkontrollierten Import von Altkleidern
  127. 5:14kritisch, denn sie hat beobachtet, das
  128. 5:16Geschäft der Händler auf den
  129. 5:18Secondhmärkten hat sich verändert. Es
  130. 5:20bliebe immer mehr Kleidung übrig, die
  131. 5:22sich nicht verkaufen lasse.
  132. 5:27Ungefähr seit 2010 ist das Volumen
  133. 5:29deutlich gestiegen und die Qualität hat
  134. 5:32sich verändert.
  135. 5:36Das steht direkt im Zusammenhang mit
  136. 5:38Fast Fashion.
  137. 5:41Es ist ja ein globaler Trend, Textilien
  138. 5:44weitaus billiger und in größeren Mengen
  139. 5:46zu produzieren.
  140. 5:49Und dieser Trend zu mehr Masse und
  141. 5:51weniger Qualität zeigt sich auch hier
  142. 5:53auf den Märkten,
  143. 5:56was zu Problemen führt, denn was die
  144. 5:58Händler nicht verkaufen, landet oft hier
  145. 6:00auf wilden Müldeponien in der
  146. 6:02chilenischen Atakama Wüste. Niemand
  147. 6:05weiß, wie viel Müll hier liegt und auch
  148. 6:07woher er kam. Lasse sich nicht mehr
  149. 6:09nachvollziehen, sagt die Anwältin. Sie
  150. 6:11hat den chilenischen Staat wegen
  151. 6:13Untätigkeit verklagt und in erster
  152. 6:15Instanz gewonnen. Das bringt
  153. 6:17Aufmerksamkeit sowie auch diese
  154. 6:19künstlerische Protestaktion vom Januar.
  155. 6:28Doch lassen sich die Altkleider auch
  156. 6:30wirtschaftlich nutzen? Das chilenische
  157. 6:32Unternehmen Prositex setzt auf
  158. 6:34Downcycling, macht aus Altkleidern z.B.
  159. 6:38Dämplatten.
  160. 6:45Das Kleidungsstück als solches
  161. 6:46durchläuft einen Selektionsprozess. Die
  162. 6:49Metalle werden entfernt, die Kunststoffe
  163. 6:51werden entfernt.
  164. 6:55[musik]
  165. 6:56Dann wird es geschreddert und verdichtet
  166. 6:58und es entsteht eine Dämmplatte, die
  167. 7:00allen Baustandards entspricht.
  168. 7:04Normale Konstruktion.
  169. 7:06600 Tonnen Altkleider verarbeitet
  170. 7:09Positex nach eigenen Angaben im Jahr.
  171. 7:11Ein Anfang, aber keine Lösung für den
  172. 7:14Textilmüll in Chile.
  173. 7:16Die abgelöste chilenische Regierung
  174. 7:18plante bereits die Einfuhr von Textilien
  175. 7:21besser zu kontrollieren. Ich finde es
  176. 7:24empörend, dass man am Ende des Tages
  177. 7:25Müll erhält, für den der Importeur
  178. 7:27bezahlt. Das heißt, man bezahlt dafür,
  179. 7:29dass Müll ins Land kommt. Das ist
  180. 7:30wirklich unverständlich.
  181. 7:34Und was macht die Europäische Union? Sie
  182. 7:36hat eine ganze Reihe von Maßnahmen
  183. 7:38beschlossen. Sie will den Export von
  184. 7:41textilenabfällen drastisch einschränken.
  185. 7:44Textilproduzenten sollen unter anderem
  186. 7:47verpflichtet werden, eine Sortier und
  187. 7:49Recycling Infrastruktur für Textilien zu
  188. 7:51finanzieren. Und auch Textilien sollen
  189. 7:54möglichst umweltverträglich produziert
  190. 7:57werden. Klappt das?
  191. 8:01Das kann äh das wird klappen. Ich bin
  192. 8:03mir ganz sicher. Wir haben momentan eine
  193. 8:07ja etwas schwierige Situation. Das Thema
  194. 8:09ist sehr sehr komplex. Ja, und aufgrund
  195. 8:12dieser Komplexität ist es eine Frage von
  196. 8:15wann greift welche Gesetzgebung.
  197. 8:18Auch Nicole Hüden arbeitet für die
  198. 8:20Recycling Modellfabrik in Augsburg.
  199. 8:23Deren Garner aus Alttextilien sein
  200. 8:25bereits marktreif, sagt sie. Nun müssten
  201. 8:28die Textilproduzenten über die Ökodesign
  202. 8:30Verordnung auch verpflichtet werden, sie
  203. 8:32einzusetzen.
  204. 8:36Wir brauchen verpflichtende Rezikatante
  205. 8:40in neuen Textilien und erst dann kann
  206. 8:43der Markt sich selbst so regulieren,
  207. 8:46dass man sagt, ja, die Einkäufer
  208. 8:48Einkäuferinnen sind auch dazu bereit,
  209. 8:50recycelte Fasern einzukaufen. Nur so
  210. 8:53kriegen wir das hin, dass wir diese
  211. 8:55Abfälle, die da so massiv da sind, nicht
  212. 8:57mehr verbrennen müssen, sondern diese
  213. 8:58dann auch verwendet werden und in neue
  214. 9:00Textilien einfließen.
  215. 9:025% Rezikatanteil, das wäre ein guter
  216. 9:06Anfang, meint Nicole Hühnen. Die
  217. 9:08Augsburger Forscher setzen auf
  218. 9:10mechanisches Recycling. Das so sagen
  219. 9:12sie, sei die am weitesten
  220. 9:14fortgeschrittene Technologie.
  221. 9:16Mechanisches Recycling bedeutet, die
  222. 9:19Textilien werden nach dem Sortieren
  223. 9:20zerkleinert und schließlich bis in
  224. 9:23einzelne Fasern aufgelöst.
  225. 9:26Die Kamera kann, das ist was ganz Neues,
  226. 9:29Materialbestandteile erkennen mit
  227. 9:32Nahinfrarot. Das heißt, die kann
  228. 9:34feststellen, wie viel Polyester, wie
  229. 9:36viel Baumwolle in dem Material drin ist.
  230. 9:39Diese Fasern lassen sich durch mischt
  231. 9:41mit Neumaterial dann zu neuem Garn
  232. 9:43verspinnen. Der Vorteil für mechanisches
  233. 9:46Recycling muss das Rohmaterial, die
  234. 9:48Altkleider nicht komplett sortenrein
  235. 9:51sein.
  236. 9:54Nehmen Sie beispiel Polyester Baumwolle,
  237. 9:56dann gehen natürlich alle die
  238. 9:58klassischen Abfallleute gehen davon aus,
  239. 10:00man muss das erstmal trennen, separat
  240. 10:03aufbereiten, zusammenführen. Wir haben
  241. 10:05hier z.B. Im Recycling hat die je
  242. 10:07nachgewiesen, dass man die sehr wohl
  243. 10:09zusammenrecyn kann. Das Polyester hält
  244. 10:12sogar eine extrem gute Qualität. Das
  245. 10:16übersteht das Recycling mit weniger Eink
  246. 10:18als die Baumwolle. Also es gibt da jede
  247. 10:21Menge Möglichkeiten auch heute
  248. 10:24tragfähige Produkte zu machen.
  249. 10:26Allerdings klein anfangen funktionieren
  250. 10:29nicht, sagen die Unternehmensberater von
  251. 10:31Mcinsey. Recycling rechne sich nur, wenn
  252. 10:34man mit großen Mengen starte. Dafür
  253. 10:36müssen bis 2030 bis zu 7 Milliarden Euro
  254. 10:40investiert werden, schätzen die Berater.
  255. 10:42Doch schon wenig später könnte sich das
  256. 10:44auszahlen. Eine neue Recycling Industrie
  257. 10:47in der EU könnte jährlich mehr als 2
  258. 10:49Milliarden Euro Profit erreichen.
  259. 10:54Fazit: Das Thema Recycling wurde zu
  260. 10:56lange vernachlässigt. Viele neue
  261. 10:58Technologien sind entwickelt, aber noch
  262. 11:01nicht auf industriellem Level erprobt.
  263. 11:03Entscheidend könnte sein, wie die neuen
  264. 11:05EU-Regeln im Detail ausgestaltet werden
  265. 11:08und wann sie greifen.
  266. 11:11Die Frage ist s mal so die Henner und E
  267. 11:14Problematik so ein bisschen. Wer fängt
  268. 11:16denn hier überhaupt an, wenn die EU
  269. 11:20daherkäme und sagt, äh, die Unternehmen
  270. 11:23müssen einen bestimmten Rezikatanteil
  271. 11:26in neue Produkte einfließen lassen und
  272. 11:29es ist aber noch niemand da, der
  273. 11:32überhaupt recycen kann. Das ist
  274. 11:34problematisch. So, das heißt, das müssen
  275. 11:36wir erst aufbauen.
  276. 11:38Gelingt aber der Aufbau, könnte das eine
  277. 11:40Chance sein, gerade für Deutschland, wo
  278. 11:42Lord Greenpeace geschätzt 5 Milliarden
  279. 11:44Kleidungsstücke im Umlauf sind.
  280. 11:48Wir könnten unsere eigene Industrie
  281. 11:51damit wiederbeleben. Wir haben textiles
  282. 11:54NOHu in Deutschland. Wir waren eins der
  283. 11:56größten Produktionsländer. Das Haowu ist
  284. 11:58nicht weg. Das heißt, wir können das und
  285. 12:00wir können mit so Technologien wie
  286. 12:02automatisch im Sortieren schaffen wir
  287. 12:05auch Möglichkeiten, die nicht kopierbar
  288. 12:07sind, die unsere hohen Arbeitskosten
  289. 12:11auch durchaus rechtfertigen und wir
  290. 12:13haben den Markt hier.
  291. 12:16Was meint ihr? Ist Fast Fashion zu
  292. 12:18billig?
  293. 12:20Wie lange können wir uns dieses
  294. 12:21Geschäftsmodell noch leisten?

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