Minimalismus als Befreiungsakt I 37 Grad — Transcript
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- 0:03Selbstoptimierung sehen wir eigentlich als wieder zu sich zurückfinden, wofür ist ein Mensch
- 0:10überhaupt gemacht und daraus die positiven Aspekte halt mitzunehmen.
- 0:24Bei Karinas und Philips Selbstoptimierung spielt Ernährung eine wichtige Rolle.
- 0:30Schon der Einkauf wirkt ungewohnt die Ware bestellt Carina vor. 64 Kilo Äpfel Avocados,vier Kisten Zucchini
- 0:37und Mangos - der Vorrat reicht eine Woche. Einkaufen verbindet die beiden auf besondere Weise.
- 0:44Vor zwei Jahren leitet Carina die Gemüseabteilung eines Supermarktes und lernt dort Philipp kennen.
- 0:51Und da hatte Philipp Barfußschuhe an und das fand ich super interessant. - Und dann habe ich
- 0:56ihr das versucht zu demonstrieren indem ich, wie sagst du immer, vor dir
- 0:59rumgesprungen bin. - Er sagte immer man ist viel verbundener mit der Erde und da
- 1:05habe ich gedacht hm, okay, verbundener mit der Erde, alles klar, und so ging es dann los. - Ja.
- 1:15Das erste Zusammentreffen mit Philipp war für Karina der Einstieg in ein Leben
- 1:20als Rohköstlerin. Rohköstler halten gekochte oder gebratene Nahrung für schädlich.
- 1:25Sie essen alles roh und verzichten auf tierische Produkte.
- 1:32So kann ich ja hier schon mal direkt loslegen. - Ja, ich habe mega Durst.
- 1:37Obst und Gemüse sind die einzige Flüssigkeitszufuhr der beiden. Herd oder Kühlschrank brauchen sie nicht.
- 1:45Philipp lebt bereits seit sechs Jahren so.
- 1:54Durch die Rohkost, ich werde klar in der Birne, ich werde gesund, ich werde fit, ich werde vital
- 1:57und ich habe Lebensfreunde. Weil auch in meinem Körper steckt noch ganz, ganz viel Müll
- 2:02und mit jedem bisschen Müll was aus dem Körper hinaus kommt, umso klarer und bewusster wird man.
- 2:10Das selbstoptimierte Leben des Paares basiert auf Minimalismus. Ihre Eigentumswohnung hat
- 2:16die 29-Jährige vor kurzem verkauft und ihre Leitungsposition im Job aufgegeben.
- 2:22Also ich glaube der stärkste Glaubenssatz der für mich ganz entscheidend war den zu ändern, auf mein Herz zu hören,
- 2:28eine innere Führung zu haben. Ich hab immer gedacht, das was man beigebracht bekommt, dass das
- 2:36so ist und dass das so läuft und gleichzeitig hatte ich immer was in mir was geschrien hat irgendwie.
- 2:41Ich wusste nicht nach was, ich wusste nicht wohin, aber immer, ich wurde immer geführt,
- 2:46bis ich letzten Endes jetzt irgendwie so gemerkt hab hey, dass du das bist du nicht, dein Leben ist
- 2:51da draußen, das ist die Natur und das ist fernab von dem was die Gesellschaft sich vorstellt.
- 2:57Kommst mit hinten drauf.
- 3:10Philip hat sein Leben bereits mit Mitte 20 radikal verändert. Vorher war er Kraftsportler, wiegt zu
- 3:18Spitzenzeiten 105 Kilo, bei einer Größe von 1,83 m. Doch damals hat er das Gefühl der Kraftsport mache
- 3:26ihn krank. Philipp leidet unter Kopfschmerzen und Schwindel.
- 3:33Erst über die Rohkost findet er für sich den Weg zur Heilung .
- 3:45In ein paar Wochen muss Karina aus ihrer bereits verkauften Wohnung raus. sie plant
- 3:50mit Philipp ihren Bus auszubauen um darin zu wohnen. Wann immer es geht, sucht das Paar
- 3:55Auszeiten in der Natur. Heute wollen die beiden ihre Abwehrkräfte stärken auf ungewöhnliche Weise.
- 4:03Wow, alles klar.
- 4:06Huhuhu!
- 4:11Find'st Du's gut? - Ja. - Ja, is gut?
- 4:15Aber hier sind Stacheln zwischen, also du müsstest den gleichen Weg wahrscheinlich nehmen wie ich.
- 4:18Ja, okay. Schau ich mir genau an.
- 4:35Oh Gott! Ah, mein Rücken!
- 4:45Was machst du denn mit deinen Armen? Müssen da auch rein.
- 4:49Ich freue mich so sehr, es geht aber eigentlich, oh!
- 4:57Oh, die Hände sind ganz empfindlich, an den Händen habe ich es tatsächlich auch noch nicht, die Brennnesseln.
- 5:03Oho, die Liebe zur Natur.
- 5:08Das Brennesselbad soll die Durchblutung fördern und die Sinne schärfen.
- 5:18Einfach dieses aber auch wahrzunehmen, was für Gefühle hochkommen, das ist Angst,
- 5:22das ist Respekt und dann dieser Moment einfach okay, was macht das wenn die
- 5:25Pflanze dich berührt und das hat so viel mit Achtsamkeit zu tun das zu beobachten.
- 5:36In ein paar Tagen ziehen Philip und Karina aus.
- 5:40Bis ihr Bus fertig ist, werden sie bei Philips Familie wohnen.
- 5:45Nur die wichtigsten Sachen sollen mit. Karinas Mutter Cornelia hilft beim Aussortieren.
- 5:56Das kann auch schon mal da rüber. Und dann meine schönen Dirndl!
- 6:03Weil die möchte ich auf jeden Fall verkaufen, aber weist du noch als wir hier auf dem Oktoberfest waren?
- 6:07Ja, das weiß ich noch, das war schön. Das hat richtig Spaß gemacht. Ich weiß gar nicht, nur mit
- 6:12der Einstellung die ich jetzt habe ja, werde ich wahrscheinlich kein Dirndl mehr tragen.
- 6:18Das Thema, dieses geballte Ding loszulassen, und natürlich ist das mit vielen Emotionen,
- 6:23mit Schmerz, mit der Erinnerung, mit, mit Zweifeln, mit ganz großen Zweifeln einhergegangen, weil das war
- 6:30immer meine Altersvorsorge, das sollte immer meine Absicherung bleiben, ja, und jetzt habe ich dann
- 6:35Null Besitz mehr, das ist, ich bin so ein sicherheits- denkender Mensch, das ist echt schwierig, aber das
- 6:44ist richtig, ich weiß, dass es richtig ist und das es das ist, was ich tun muss, damit ich dann hier ankomme.
- 6:54Die Worte der Tochter für die Mutter kaum auszuhalten.
- 7:00Ja, das ist halt so mit Erinnerungen.
- 7:03Und loslassen, und ich kann das halt eben noch nicht.
- 7:06Soll ich dir mal ein Taschentuch geben? - Nein, geht schon.
- 7:10Weil es ist ja so, man hat ja nur noch ziemlich viel hier so erlebt oder gemacht,
- 7:17Ne, ich brauche ja vielleicht auch Zeit um mich daran zu gewöhnen.
- 7:24Die muss man mir dann auch geben
- 7:29Positiv sein könnte weil's dann -
- 7:31Karina und Philip bereiten ein Abendessen vor, sie erwarten Besuch. Auf dem Speiseplan stehen Zucchininudeln
- 7:37mit Mangosauce. Kalt, nicht aus Teig, ohne Öl und ohne Gewürze.
- 7:46Pascal ist ein alter Schulfreund.
- 7:52Für das Essen haben sie extra Tisch und Stühle ausgeliehen.
- 7:54Normalerweise wird auf dem Boden gegessen.
- 7:58Erster Bissen. - Alle warten gespannt, und?
- 8:06Das darfst du ihn nicht immer fragen! Er muss erstmal schmecken. Ich weiß, alles roh, alles kalt.
- 8:07Alles roh, alles kalt, ne, wie kommt 's in deinem Magen an? - Ungewohnt. Also, ich esse halt auch gerne
- 8:15würzig, also ich salze, nehme Pfeffer und solche Sachen und die Zucchini weich, kommt so einem vor -
- 8:26Nur mit dem Vorteil, dass sie schnell durch den Magen wandert, das ganze sich leicht anfühlt nach dem Essen,
- 8:31also überhaupt, du bist dann wirklich leicht, weil der Körper hat weniger zu verdauen,
- 8:36und es ist gesund wie man so schön sagt. - Also würde ich jetzt aktuell glaube ich
- 8:41nicht jeden Tag haben wollen, ich glaube auch nicht, dass das vielleicht dann so gesund wäre.
- 8:57Karinas Mutter tut sich schwer mit der radikalen Wende ihrer Tochter.
- 9:08Das ich gedacht hab, stoppt, das kann hier irgendwo nicht gut sein, das kann nicht gut sein, aber jetzt
- 9:12nur irgendwie alles raspeln und Rohkost und kein Gewürz und dies nicht mehr und das nicht mehr,
- 9:16hm, das ist schon extrem. Zuerst hat es mir irgendwie so ein bisschen Sorge gemacht, weil
- 9:23ich so's Gefühl hatte, sie ist da ja wie in so einer Glocke, das immer einer so, ne, dass ich
- 9:31auch wirklich mal gefragt habe, entscheidest du das auch wirklich aus freien Stücken oder
- 9:34wirst du da irgendwo geführt oder geleitet? Das hat sie erst gar nicht verstanden,
- 9:39ich sag ja, ich hab halt immer das Gefühl, ich hab dich jetzt niemals so wirklich alleine gehabt.
- 9:44Nee, aber da konnte sie mir so ein bisschen den Wind aus dem Segeln nehmen, dass sie sagt, ja Mama
- 9:48ich hätte es so oder so gemacht, ob mit ihm oder ohne ihn, also mich beeinflusst da keiner.
- 9:53Vor einem halben Jahr haben Philip und Karina begonnen ihren Bus auszubauen. Sobald wie möglich möchten
- 9:59sie darin wohnen und auf Reisen gehen. Dabei werden sie zunächst von ihren Ersparnissen leben.
- 10:13Ich glaube wir werden da viele, viele Geschichten erleben und viele, viele Dinge erfahren die uns
- 10:17noch näher zusammenbringen. - Wir haben alles losgelassen was wir besitzen, wir
- 10:23haben uns getrennt von materiellen Dingen. Glaube wir haben uns in diesen sehr weit
- 10:28selbst optimiert und können den Fokus komplett auf uns und die Natur lenken.
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