Learn German | German Podcast | Ep 248: Menschen, die nie erwachsen werden — Transcript
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- 0:00Stell dir einmal einen Mann vor. Sagen
- 0:03wir, er ist dreig Jahre alt. Er hat
- 0:06einen guten Job, ein geregeltes
- 0:08Einkommen, ist gepflegt und im Umgang
- 0:11mit anderen Menschen ausgesprochen
- 0:13höflich. Von außen wirkt er wie ein ganz
- 0:16normaler erwachsener Mann.
- 0:20Aber zu Hause sieht die Sache plötzlich
- 0:22ganz anders aus. Bei Konflikten schweigt
- 0:25er, knallt die Tür zu oder geht einfach
- 0:28weg. Im Haushalt macht er kaum etwas,
- 0:32wenn man ihn nicht daran erinnert. Und
- 0:34wenn doch, dann oft nur halbherzig.
- 0:39Große Entscheidungen überlässt er lieber
- 0:41der Person an seiner Seite. Und wenn es
- 0:44bei der Arbeit oder im Leben schwierig
- 0:46wird, gibt es meistens sofort einen
- 0:49Grund. Mein Chef ist einfach schwierig.
- 0:53Die Umstände sind schuld.
- 0:56Vielleicht kennst du so jemanden.
- 0:58Vielleicht lebst du sogar mit jemandem
- 0:59zusammen, der sich so verhält.
- 1:02Umgangssprachlich werden solche Männer
- 1:04oft als Manchild bezeichnet. Wichtig ist
- 1:08aber, Manchild ist weder ein
- 1:11medizinischer Fachbegriff noch eine
- 1:13psychologische Diagnose. Gemeint ist
- 1:17damit ein erwachsener Mann, der sich in
- 1:19bestimmten Bereichen seines Lebens noch
- 1:22sehr unreif verhält.
- 1:25Und nein, ein Mann ist nicht unreif, nur
- 1:28weil er gerne Computerspiele spielt,
- 1:31Zeichentrickfilme schaut, Modelle
- 1:33sammelt oder manchmal herumalbert.
- 1:37Du kannst mit 40 auf dem Wohnzimmerboden
- 1:39sitzen und ein Modellflugzeug
- 1:41zusammenbauen und trotzdem ein sehr
- 1:45verantwortungsvoller Erwachsener sein.
- 1:48Kindlich zu sein und kindisch zu sein
- 1:50ist nicht dasselbe. Der entscheidende
- 1:53Unterschied liegt für mich vor allem
- 1:55darin, wie jemand mit seinem eigenen
- 1:57Leben und seinen Pflichten umgeht. Bei
- 2:01einem sogenannten Manchild zeigen sich
- 2:04oft vier typische Verhaltensweisen.
- 2:07Erstens Verantwortung vermeiden. Wenn
- 2:10etwas schiefläuft, sind schnell die
- 2:12anderen schuld. Für fast alles gibt es
- 2:15einen Grund oder eine Ausrede, durch die
- 2:18man am Ende selbst zum Opfer der
- 2:21Situation wird. Zweitens,
- 2:24Schwierigkeiten im Umgang mit den
- 2:26eigenen Gefühlen. Enttäuschung oder
- 2:28Kritik auszuhalten, fällt schwer. Statt
- 2:31miteinander zu reden, kommt es zu
- 2:33Wutausbrüchen oder der andere wird mit
- 2:36Schweigen bestraft.
- 2:38Drittens, Abhängigkeit im Alltag. Es
- 2:42braucht weiterhin jemanden, besonders
- 2:44die eigene Mutter oder die Partnerin,
- 2:47der die Wäsche macht, kocht, an Termine
- 2:50erinnert, aufräumt und sich um die
- 2:53kleinen Dinge des Alltags kümmert, fast
- 2:57wie bei einem Kind, um das sich ein
- 2:59Erwachsener kümmern muss.
- 3:02Viertens, ich stehe im Mittelpunkt.
- 3:06Die eigenen Bedürfnisse, die eigene
- 3:08Bequemlichkeit und der eigene Spaß
- 3:10stehen über den Gefühlen der Menschen im
- 3:13eigenen Umfeld. Wenn man diese vier
- 3:16Punkte so hört, ist es ziemlich leicht,
- 3:18solche Menschen einfach als egoistisch
- 3:21oder faul zu bezeichnen.
- 3:24Doch die spannendere Frage ist
- 3:25eigentlich: Woher kommt dieses
- 3:28Verhalten?
- 3:30Ein erster Grund kann in einer Familie
- 3:32liegen, in der die Eltern ihrem Kind zu
- 3:35viel abnehmen. Schon von klein auf wird
- 3:38alles für das Kind erledigt. Die
- 3:41Schultasche wird gepackt. Werden die
- 3:43Hausaufgaben vergessen, kümmern sich die
- 3:45Eltern darum. Gibt es Probleme mit einem
- 3:48Lehrer, greifen die Eltern ein. Sobald
- 3:52etwas schwierig wird, ist jemand da, der
- 3:55es übernimmt. Natürlich ist es wichtig,
- 3:58sich um die eigenen Kinder zu kümmern,
- 4:00aber irgendwann muss ein Kind auch die
- 4:03Erfahrung machen. Wenn ich etwas nicht
- 4:05erledige, hat das Konsequenzen und ich
- 4:08kann mit diesen Konsequenzen umgehen.
- 4:11Fehlt diese Erfahrung, kann sich die
- 4:14Abhängigkeit bis ins Erwachsenenalter
- 4:16fortsetzen.
- 4:18Ein zweiter Grund sind bestimmte
- 4:20Erwartungen der Gesellschaft.
- 4:23Viele Jungen lernen schon früh Sätze wie
- 4:26sei stark, wein nicht. Sie lernen ihre
- 4:29Gefühle zu unterdrücken, aber oft lernen
- 4:32sie nicht, wie sie mit diesen Gefühlen
- 4:35eigentlich umgehen sollen. Sie wissen
- 4:38nicht, wie sie sagen können, dass sie
- 4:40verletzt sind. Und später kann es ihnen
- 4:44dadurch sehr schwer fallen, Kritik
- 4:46anzunehmen, sich ehrlich zu
- 4:48entschuldigen oder in einem Streit ruhig
- 4:51zu bleiben.
- 4:53Der dritte Grund ist die Angst vor dem
- 4:56Scheitern.
- 4:57Ein erwachsener Mann versteht, dass
- 4:59Scheitern zum Leben dazu gehört. Bei
- 5:02einem Manschild kann das eigene
- 5:05Selbstbild dagegen sehr empfindlich
- 5:07sein. Das kann damit zusammenhängen,
- 5:10dass jemand als Kind ständig und
- 5:13unabhängig von seiner Leistung gelobt
- 5:15wurde oder immer das Gefühl hatte,
- 5:18perfekt sein zu müssen.
- 5:20Die Angst vor dem Scheitern kann dann so
- 5:23groß werden, dass man lieber gar nicht
- 5:25erst versucht etwas zu schaffen, als am
- 5:28Ende zu zeigen, dass man vielleicht
- 5:30nicht gut genug darin ist. Faulheit oder
- 5:34Vermeidung werden dann zu einer Art
- 5:36Schutz, denn so kann man sich immer noch
- 5:39sagen: "Ich bin nicht schlecht darin,
- 5:42ich wollte es einfach noch nicht
- 5:44wirklich versuchen."
- 5:46Aber wie wirkt sich all später auf
- 5:49Beziehungen aus?
- 5:51Die Beziehung kann langsam in eine
- 5:54Dynamik geraten, die manchmal mit Peter
- 5:57Pan und Wendy beschrieben wird.
- 6:00Peter Pan steht dabei für den Mann, der
- 6:03nicht erwachsen werden will, während
- 6:05Wendy immer mehr Verantwortung für ihn
- 6:07übernimmt. Am Anfang sind es vielleicht
- 6:11nur Kleinigkeiten. Du erinnerst ihn an
- 6:13seinen Zahnarzttermin
- 6:15oder daran, dass seine Socken noch auf
- 6:18dem Boden liegen. Aber mit der Zeit
- 6:21wirst du immer mehr zu einer Art
- 6:23Managerin und eher zu einem passiven
- 6:26Teilnehmer in seinem eigenen Leben.
- 6:30Manchmal nutzt er, um in dieser passiven
- 6:32Rolle zu bleiben, eine Strategie, die
- 6:35man als strategische Inkompetenz
- 6:38bezeichnet.
- 6:39Er spült z.B. das Geschirr, aber es
- 6:43bleiben Flecken zurück. Er wischt den
- 6:45Boden, aber der Staub ist danach immer
- 6:48noch da. Das Ziel ist, dass du
- 6:51irgendwann denkst, wenn ich es selbst
- 6:53mache, geht es schneller als ihn darum
- 6:56zu bitten.
- 6:58Und genau daraus kann ein ziemlich
- 7:00ungesunder Kreislauf entstehen. Du
- 7:02übernimmst immer mehr. Er wird immer
- 7:05passiver. Du beschwerst dich häufiger,
- 7:08während er sich von dir wie ein Kind
- 7:11behandelt fühlt.
- 7:13Am Ende sind beide unzufrieden und auch
- 7:16die Nähe zwischen euch kann langsam
- 7:18verloren gehen.
- 7:21Aber wie kommt man aus so einer
- 7:22Situation heraus? Für einen Manchild
- 7:27beginnt wahrscheinlich alles damit, sich
- 7:29selbst ernsthaft anzuschauen und sich
- 7:31des eigenen Verhaltens bewusst zu werden
- 7:35und zu verstehen. Niemand ist dazu
- 7:38verpflichtet, das eigene Leben für einen
- 7:41zu übernehmen.
- 7:42Erwachsen zu sein bedeutet manchmal
- 7:45Dinge zu tun, die man überhaupt nicht
- 7:48tun möchte. ein schwieriges Gespräch
- 7:51führen, sich entschuldigen, mit den
- 7:54eigenen Gefühlen umgehen, eine Rechnung
- 7:57bezahlen, die Küche aufräumen, zugeben,
- 8:01dass man einen Fehler gemacht hat. Für
- 8:04die Partnerin bedeutet Veränderung
- 8:06manchmal genau das Gegenteil, weniger
- 8:09für ihn zu erledigen und nicht mehr jede
- 8:12Konsequenz für ihn aufzufangen.
- 8:15Manchmal ist genau das die beste Art,
- 8:18ihn dabei zu unterstützen, erwachsen zu
- 8:21werden. Am Ende bedeutet erwachsen
- 8:24werden nicht, dass die Freude
- 8:25verschwindet oder dass du das Kind in
- 8:29dir ablegen musst. Du darfst deinen
- 8:31Neugier, deinen Humor und die
- 8:34unbeschwerte Freude an deinen eigenen
- 8:37Interessen behalten. Erwachsen zu sein
- 8:40bedeutet einfach, das Gewicht der
- 8:42Verantwortung zu spüren, das eigene
- 8:45Leben selbst in die Hand zu nehmen und
- 8:48für die Menschen um sich herum da sein
- 8:51zu können.
- 8:58halbherzig etwas ohne echte Begeisterung
- 9:02vollen Einsatz oder wirkliches Interesse
- 9:04tun. Z.B. er entschuldigte sich nur
- 9:08halbherzig, weil er seinen Fehler
- 9:10eigentlich nicht einsehen wollte,
- 9:15jemandem etwas überlassen, einer anderen
- 9:19Person die Verantwortung für etwas geben
- 9:22oder sie etwas entscheiden lassen. Z.B.
- 9:26Er überläßt seiner Partnerin alle
- 9:28wichtigen Entscheidungen.
- 9:32Unreif, noch nicht genügend entwickelt
- 9:36oder nicht erwachsen genug im Verhalten.
- 9:40Z.B. sein Verhalten im Streit wirkt
- 9:43manchmal sehr unreif.
- 9:47Kindlich, so wie bei einem Kind,
- 9:50besonders auf eine natürliche, offene
- 9:53oder unschuldige Art.
- 9:55Z. Er kann sich noch immer kindlich über
- 9:59kleine Überraschungen freuen.
- 10:03Kindisch sich auf eine unangemessene
- 10:06oder unreife Weise wie ein Kind
- 10:09verhalten, die nicht zu einem
- 10:11Erwachsenen passt. Z.B.
- 10:13Es ist kindisch, wegen jeder Kleinigkeit
- 10:16wütend zu werden.
- 10:20Das Opfer, eine Person, die durch
- 10:23jemanden etwas oder eine bestimmte
- 10:26Situation Schaden erleidet. Z.B. er
- 10:30sieht sich immer als Opfer der Umstände
- 10:32und gibt anderen die Schuld.
- 10:37Aushalten, etwas unangenehmes oder
- 10:40schwieriges ertragen können. Z.B.
- 10:43Sie hält den Stress bei der Arbeit schon
- 10:45seit Monaten aus.
- 10:49Der Wutausbruch, ein plötzlicher und
- 10:52sehr starker Ausdruck von Wut. Z.B. nach
- 10:56der Kritik bekam er einen Wutausbruch
- 10:58und knallte die Tür zu.
- 11:03Eingreifen durch aktives Handeln
- 11:06Einfluss auf eine Situation nehmen. Z.B.
- 11:10Als der Streit immer heftiger wurde,
- 11:12griff die Lehrerin ein.
- 11:16Die Inkompetenz, das Fehlen der nötigen
- 11:20Fähigkeiten oder Kenntnisse für eine
- 11:22bestimmte Aufgabe. Z.B. seine
- 11:26Inkompetenz bei dieser Aufgabe führte
- 11:28immer wieder zu Problemen.
- 11:36Stell dir einmal einen Mann vor.
- 11:39Sagen wir, er ist dreizig Jahre alt. Er
- 11:42hat einen guten Job, ein geregeltes
- 11:44Einkommen, ist gepflegt und im Umgang
- 11:47mit anderen Menschen ausgesprochen
- 11:49höflich. Von außen wirkt er wie ein ganz
- 11:52normaler erwachsener Mann.
- 11:56Aber zu Hause sieht die Sache plötzlich
- 11:58ganz anders aus. Bei Konflikten schweigt
- 12:01er, knallt die Tür zu oder geht einfach
- 12:04weg. Im Haushalt macht er kaum etwas.
- 12:08wenn man ihn nicht daran erinnert und
- 12:10wenn doch, dann oft nur halbherzig.
- 12:15Große Entscheidungen überlässt er lieber
- 12:17der Person an seiner Seite. Und wenn es
- 12:20bei der Arbeit oder im Leben schwierig
- 12:22wird, gibt es meistens sofort einen
- 12:25Grund. Mein Chef ist einfach schwierig.
- 12:28Die Umstände sind schuld.
- 12:31Vielleicht kennst du so jemanden.
- 12:33[schnauben] Vielleicht lebst du sogar
- 12:35mit jemandem zusammen, der sich so
- 12:37verhält. Umgangssprachlich werden solche
- 12:40Männer oft als Manchild bezeichnet.
- 12:43Wichtig ist aber, Manchild ist weder ein
- 12:47medizinischer Fachbegriff noch eine
- 12:49psychologische Diagnose. Gemeint ist
- 12:53damit ein erwachsener Mann, der sich in
- 12:55bestimmten Bereichen seines Lebens noch
- 12:58sehr unreif verhält.
- 13:01Und nein, ein Mann ist nicht unreif, nur
- 13:04weil er gerne Computerspiele spielt,
- 13:07Zeichentrickfilme schaut, Modelle
- 13:09sammelt oder manchmal herumalbert.
- 13:12Du kannst mit 40 auf dem Wohnzimmerboden
- 13:15sitzen und ein Modellflugzeug
- 13:17zusammenbauen und trotzdem ein sehr
- 13:20verantwortungsvoller Erwachsener sein.
- 13:23Kindlich zu sein und kindisch zu sein
- 13:26ist nicht dasselbe. Der entscheidende
- 13:28Unterschied liegt für mich vor allem
- 13:30darin, wie jemand mit seinem eigenen
- 13:33Leben und seinen Pflichten umgeht. Bei
- 13:36einem sogenannten Manchild zeigen sich
- 13:39oft vier typische Verhaltensweisen.
- 13:43Erstens Verantwortung vermeiden.
- 13:45[räuspern] Wenn etwas schief läuft, sind
- 13:48schnell die anderen schuld. Für fast
- 13:50alles gibt es einen Grund oder eine
- 13:53Ausrede, durch die man am Ende selbst
- 13:55zum Opfer der Situation wird. Zweitens,
- 14:00Schwierigkeiten im Umgang mit den
- 14:01eigenen Gefühlen. Enttäuschung oder
- 14:04Kritik auszuhalten, fällt schwer. Statt
- 14:07miteinander zu reden, kommt es zu
- 14:09Wutausbrüchen oder der andere wird mit
- 14:12Schweigen bestraft.
- 14:14Drittens, Abhängigkeit im Alltag. Es
- 14:18braucht weiterhin jemanden, besonders
- 14:20die eigene Mutter oder die Partnerin,
- 14:23der die Wäsche macht, kocht, an Termine
- 14:26erinnert, aufräumt und sich um die
- 14:28kleinen Dinge des Alltags kümmert, fast
- 14:33wie bei einem Kind, um das sich ein
- 14:35Erwachsener kümmern muss.
- 14:38Viertens, ich stehe im Mittelpunkt.
- 14:41Die eigenen Bedürfnisse, die eigene
- 14:44Bequemlichkeit und der eigene Spaß
- 14:46stehen über den Gefühlen der Menschen im
- 14:49eigenen Umfeld. Wenn man diese vier
- 14:52Punkte so hört, ist es ziemlich leicht,
- 14:54solche Menschen einfach als egoistisch
- 14:57oder faul zu bezeichnen.
- 14:59Doch die spannendere Frage ist
- 15:01eigentlich: Woher kommt dieses
- 15:04Verhalten?
- 15:06Ein erster Grund kann in einer Familie
- 15:08liegen, in der die Eltern ihrem Kind zu
- 15:11viel abnehmen. Schon von klein auf wird
- 15:14alles für das Kind erledigt. Die
- 15:16Schultasche wird gepackt. Werden die
- 15:19Hausaufgaben vergessen, kümmern sich die
- 15:21Eltern darum. Gibt es Probleme mit einem
- 15:24Lehrer, greifen die Eltern ein. Sobald
- 15:28etwas schwierig wird, ist jemand da, der
- 15:30es übernimmt. Natürlich ist es wichtig,
- 15:33sich um die eigenen Kinder zu kümmern,
- 15:36aber irgendwann muss ein Kind auch die
- 15:39Erfahrung machen. Wenn ich etwas nicht
- 15:41erledige, hat das Konsequenzen und ich
- 15:44kann mit diesen Konsequenzen umgehen.
- 15:47Fehlt diese Erfahrung, kann sich die
- 15:49Abhängigkeit bis ins Erwachsenenalter
- 15:52fortsetzen.
- 15:54Ein zweiter Grund sind bestimmte
- 15:56Erwartungen der Gesellschaft.
- 15:59Viele Jungen lernen schon früh Sätze wie
- 16:01sei stark, wein nicht. Sie lernen ihre
- 16:05Gefühle zu unterdrücken, aber oft lernen
- 16:08sie nicht, wie sie mit diesen Gefühlen
- 16:11eigentlich umgehen sollen. Sie wissen
- 16:14nicht, wie sie sagen können, dass sie
- 16:16verletzt sind. Und später kann es ihnen
- 16:19dadurch sehr schwer fallen, Kritik
- 16:22anzunehmen, sich ehrlich zu
- 16:24entschuldigen oder in einem Streit ruhig
- 16:27zu bleiben. [räuspern]
- 16:29Der dritte Grund ist die Angst vor dem
- 16:32Scheitern.
- 16:33Ein erwachsener Mann versteht, dass
- 16:35Scheitern zum Leben dazu gehört. Bei
- 16:38einem Manschild kann das eigene
- 16:41Selbstbild dagegen sehr empfindlich
- 16:43sein. Das kann damit zusammenhängen,
- 16:46dass jemand als Kind ständig und
- 16:49unabhängig von seiner Leistung gelobt
- 16:51wurde oder immer das Gefühl hatte,
- 16:54perfekt sein zu müssen.
- 16:56Die Angst vor dem Scheitern kann dann so
- 16:59groß werden, dass man lieber gar nicht
- 17:01erst versucht, etwas zu schaffen, als am
- 17:04Ende zu zeigen, dass man vielleicht
- 17:06nicht gut genug darin ist. Faulheit oder
- 17:10Vermeidung werden dann zu einer Art
- 17:12Schutz, denn so kann man sich immer noch
- 17:15sagen: "Ich bin nicht schlecht darin,
- 17:17ich wollte es einfach noch nicht
- 17:20wirklich versuchen."
- 17:22Aber wie wirkt sich all später auf
- 17:25Beziehungen aus?
- 17:27Die Beziehung kann langsam in eine
- 17:29Dynamik geraten, die manchmal mit Peter
- 17:32Pan und Wendy beschrieben wird.
- 17:35Peter Pan steht dabei für den Mann, der
- 17:39nicht erwachsen werden will, während
- 17:41Wendy immer mehr Verantwortung für ihn
- 17:43übernimmt. Am Anfang sind es vielleicht
- 17:46nur Kleinigkeiten. Du erinnerst ihn an
- 17:49seinen Zahnarzttermin
- 17:51oder daran, dass seine Socken noch auf
- 17:54dem Boden liegen. Aber mit der Zeit
- 17:57wirst du immer mehr zu einer Art
- 17:59Managerin und eher zu einem passiven
- 18:02Teilnehmer in seinem eigenen Leben.
- 18:04[räuspern]
- 18:05Manchmal nutzt er, um in dieser passiven
- 18:08Rolle zu bleiben, eine Strategie, die
- 18:11man als strategische Inkompetenz
- 18:14bezeichnet.
- 18:15Er spült z.B. das Geschirr, aber es
- 18:18bleiben Flecken zurück. Er wischt den
- 18:21Boden, aber der Staub ist danach immer
- 18:23noch da. Das Ziel ist, dass du
- 18:26irgendwann denkst, wenn ich es selbst
- 18:29mache, geht es schneller als ihn darum
- 18:32zu bitten.
- 18:33Und genau daraus kann ein ziemlich
- 18:36ungesunder Kreislauf entstehen. Du
- 18:38übernimmst immer mehr. Er wird immer
- 18:41passiver. Du beschwerst dich häufiger,
- 18:44während er sich von dir wie ein Kind
- 18:46behandelt fühlt.
- 18:49Am Ende sind beide unzufrieden und auch
- 18:52die Nähe zwischen euch kann langsam
- 18:54verloren gehen.
- 18:56Aber wie kommt man aus so einer
- 18:58Situation heraus?
- 19:00Für einen Manchild beginnt
- 19:03wahrscheinlich alles damit, sich selbst
- 19:05ernsthaft anzuschauen und sich des
- 19:07eigenen Verhaltens bewusst zu werden und
- 19:11zu verstehen. Niemand ist dazu
- 19:13verpflichtet, das eigene Leben für einen
- 19:16zu übernehmen.
- 19:18Erwachsen zu sein bedeutet manchmal
- 19:21Dinge zu tun, die man überhaupt nicht
- 19:24tun möchte. ein schwieriges Gespräch
- 19:27führen, sich entschuldigen, mit den
- 19:30eigenen Gefühlen umgehen, eine Rechnung
- 19:33bezahlen, die Küche aufräumen, zugeben,
- 19:37dass man einen Fehler gemacht hat. Für
- 19:40die Partnerin bedeutet Veränderung
- 19:42manchmal genau das Gegenteil, weniger
- 19:45für ihn zu erledigen und nicht mehr jede
- 19:48Konsequenz für ihn aufzufangen.
- 19:50Manchmal ist genau das die beste Art,
- 19:53ihn dabei zu unterstützen, erwachsen zu
- 19:56werden. Am Ende bedeutet erwachsen
- 19:59werden nicht, dass die Freude
- 20:01verschwindet oder dass du das Kind in
- 20:04dir ablegen musst. Du darfst deinen
- 20:07Neugier, deinen Humor und die
- 20:10unbeschwerte Freude an deinen eigenen
- 20:12Interessen behalten. Erwachsen zu sein
- 20:15bedeutet einfach das Gewicht der
- 20:18Verantwortung zu spüren, das eigene
- 20:21Leben selbst in die Hand zu nehmen und
- 20:24für die Menschen um sich herum da sein
- 20:26zu können.
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