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Kurze Einarbeitung, große Verantwortung: Ärztin Jule (27) im Dauerstress I 37 Grad — Transcript

by 37 Grad · 2,133 words · 141 segments · language en · Watch on YouTube

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  1. 0:07Schauen sie mir mal eben auf meine goldene Brille,  ich leucht' mal eben an die Augen rein, ja.
  2. 0:12Mal mit den Zehnen wackeln? - Ja! - Das geht. Merken sie das, wenn ich sie anfasse ? - Ja. - Das erste Mal OP,
  3. 0:18der erste OP Eingriff, alles, was man zum ersten Mal macht, jetzt in den Rufdiensten,
  4. 0:22das erste mal irgendwie Akutoperation, das  erste Mal machen, ist natürlich genau das,
  5. 0:26weswegen ich natürlich jetzt auch hier bin.  Man kommt körperlich, als auch emotional,
  6. 0:31würde ich sagen, an seine Grenzen. Es geht ja  hier um Menschenleben und wenn da was schief geht,
  7. 0:36ich glaub, das ist dann auch ein Problem,  womit man dann nicht so gut umgehen kann.
  8. 1:01Hallo ich bin Jule. Ich bin 27 Jahre alt und  Assistenzärztin in der Viszeralchirurgie.
  9. 1:05Ich hab ja im Winter angefangen, ganz frisch, das  war anderthalb Monate nach meinem Examen, war man
  10. 1:12natürlich ganz aufgeregt, war ja auch noch Winter  in Schwerin, da ist es duster und dunkel und mit
  11. 1:17Umzug und ist natürlich viel auf einem zugekommen.
  12. 1:25Also ich bin vor allem aufgeregt natürlich,
  13. 1:28zum Glück habe ich hier schon mal Praktikum  gemacht, deswegen kenn ich ein paar Sachen, aber
  14. 1:32man ist da doch aufgeregt, wenn es jetzt endlich  losgeht und der erste Tag irgendwie als Ärztin,
  15. 1:36man fühlt sich noch so wie im Studium, aber das  wird schon. Freudig erregt, würde ich sagen!
  16. 1:47Guten morgen, herzlich willkommen!
  17. 1:53Also ich finde man wächst irgendwie gar nicht mit,
  18. 1:55man hat das Gefühl es ist noch genau das gleiche,  wie vor einem halben oder dreiviertel Jahr
  19. 1:58im Praktischen Jahr. Auf einmal heißt man dann  Ärztin und hat Verantwortung und muss entscheiden,
  20. 2:04aber eigentlich hat man das Gefühl, man ist immer  noch die gleiche Studentin und weiß viel zu wenig,
  21. 2:09für die ganzen Aufgaben, die da so kommen. - Wie  beim Öl bohren. - Ja, Öl bohren. - Da hat man Glück.
  22. 2:17Ich meine, es kommt ja auch immer was! - Ah, da sind sie drin! - Haben Sie gemerkt? - Ja! - Toll!
  23. 2:29Man hat natürlich immer Angst, dass irgendwas  passiert für dass man selber verantwortlich ist,
  24. 2:33dass man falsch entschieden hat, so falsch,  dass irgendwie ein Patient zu Schaden kommt,
  25. 2:39das heißt ja nicht immer was ganz schlimmes,  wobei ich habe immer einen Ansprechpartner,
  26. 2:43wenn ich Fragen hab, hab ich immer jemanden, den  ich anrufen kann, und das ist natürlich viel wert,
  27. 2:48weil ich dadurch immer wenn ich nicht genau  weiß, fragen kann und das mache ich auch.
  28. 3:11Ich glaub auch im Studium ist es wahrscheinlich  uns allen gemeinsam, dass man automatisch
  29. 3:16Verantwortung übernimmt, weil man weiß, es geht  irgendwie um ein Menschenleben, das ist halt
  30. 3:21einfach noch mal anders als bei einem anderen  Beruf. Und da finde ich es es dann auch ganz
  31. 3:26wichtig, dass man sich selber bewusst sein muss,  was trau' ich mir zu und wo sind meine Grenzen,
  32. 3:32wo brauche ich Hilfe, auch im praktischen. Ich  fahr sie hier schon mal ein bisschen ran.
  33. 3:38Mein Name ist Hatloka, ich bin ein der diensthabenden  Chirurgen. Seit wann haben sie die Schmerzen?
  34. 3:43Seit heute kann ich gar nicht mehr gehen, also  gar nicht. - Perfekt. Tut das weh? Wenn ich hier
  35. 3:50schiebe? Auch nicht. Hier unten? - Auch nicht. -  Auch nicht. Ich bin da jetzt nicht der Profi,
  36. 3:55was diese ganzen Meniskuszeichen angeht.  Erstmal röntgen, gut, alles klar, danke, tschüss.
  37. 4:01Also der Facharzt hat auch gesagt, wir röntgen das.
  38. 4:08Also am meisten glaube ich, hab ich Bedenken gehabt oder auch immer noch, so das Körperliche nicht so gut wegstecken
  39. 4:14zu können, weil die Dienste natürlich insofern erstmal  anstrengend sind, dass man zum Teil wenig schläft,
  40. 4:19dass man dann auf der Matte steht und  funktionieren muss, das Operieren sehr
  41. 4:24schwierig ist, gerade wenn man Assistenzarzt  ist, dann hält man ja oft die Haken oder
  42. 4:29muss halt wirklich dann auch anfassen, und am  Anfang verkrampft man total, weil man denkt, oh
  43. 4:34Gott, ich muss jetzt hier total dran ziehen und  alles richtig halten, damit alle Leute das sehen,
  44. 4:38das ist schon sehr anstrengend, und ich  hatte dann halt auch immer bedenken,
  45. 4:42dass wenn es jetzt weitergeht und man weiterkommt  in seiner Ausbildung, mehr im OP steht, mehr den
  46. 4:47Dienst macht, dass man das irgendwie nicht  wegsteckt und dann irgendwie merkt, oh Gott,
  47. 4:50nach dem zweiten Dienst im Monat, das war's jetzt,  ich kann nichts mehr machen, außer schlafen.
  48. 4:56Wir machen jetzt eine Hemikolektomie auf der rechten Seite, das heißt wir schneiden ein Stück vom Dickdarm weg,
  49. 5:02weil die Patientin dort einen Tumor hat, einen bösartigen.
  50. 5:15Haben wir ein Blut aus der Vena Mesenterica.
  51. 5:26Mein Chef ist ja schön ruhig geblieben,
  52. 5:27mein Instinkt war ja, oh Gott, oh Gott, das ist ja dann die,
  53. 5:31die, die Kunst ruhig zu bleiben.
  54. 5:36Ich denke es wird irgendwann ein Patient kommen,
  55. 5:38der, der einen vielleicht aufgrund seines  Krankheitsgeschehens total aus der Bahn wirft.
  56. 5:43Bisher habe ich das immer noch alles so, glaube  ich, ganz gut besprechen können. Ich denke, das
  57. 5:48wird auf jeden Fall auf einen zukommen und dann  irgendwann mal jemand, der einen nicht loslässt.
  58. 6:00Also ich glaube, wichtig ist, dass man das mit  jemandem bespricht, bestenfalls wahrscheinlich
  59. 6:06mit jemandem, der auch involviert war, weil man  dann bestimmte Geschehnisse auch einfach auswerten
  60. 6:10kann, und ich denk, da werde ich bestimmt  viel mit meinem Freund, mit meiner Mutti,
  61. 6:15die ja auch den medizinischen Background hat,  besprechen, aber ich denke, das ist wichtig,
  62. 6:19dass man darüber redet und dass man es  nicht so in sich reinfrisst oder sich sagt,
  63. 6:22das muss ein jetzt kalt lassen, weil das ist  ja nur menschlich, dass es das nicht tut.
  64. 6:31Ich hab mein Schulpraktikum bei meiner Mama  gemacht und fand sie da extrem cool, wie sie so
  65. 6:35als Neurochirurgin da operiert hat, an den Köpfen,  und das hat man natürlich vorher noch nie gesehen,
  66. 6:39und das hat mir extrem imponiert. und ich fand es  auch schon immer spannend, mit dem menschlichen
  67. 6:44Körper und das zu verstehen, wie das funktioniert  und wie man da Krankheiten heilen kann. Ich glaub,
  68. 6:50ich hab schon relativ früh gemerkt, dass ich  das Operieren immer schon am spannendsten fand,
  69. 6:54trotzdem wusste ich halt durch meine  Mutti, anstrengend wird es werden.
  70. 7:01Es ist ein mega toller Beruf, ich würde das  jederzeit auch wieder machen, nach wie vor,
  71. 7:05es ist ja doch Mehrarbeit in jeglicher  Hinsicht geworden, aber ich wollte,
  72. 7:11dass sie das gut überlegt, es sind Dienste,  die man absolvieren muss und Familienplanung,
  73. 7:16das ist haarig, und ich weiß, dass das ganz  schwierig ist und dass da nachher so ein Spagat
  74. 7:21ist, und da sollte sie bewusst dran gehen und das  selbst für sich entscheiden. - Die Mutti ist mega stolz!
  75. 7:27Doch schon, und ich freue mich auch,  dass die gut angenommen wird in der Klinik,
  76. 7:30ich wusste, dass sie da keine Probleme haben  wird, und ich bin natürlich total stolz.
  77. 7:44So immer Kittel anziehen, wird man ernst genommen, wenn man jung ist.
  78. 7:54Da braucht man natürlich einen Partner, der das irgendwo versteht, da braucht man Freunde, die das verstehen,
  79. 7:58wobei seien wir ehrlich, Medizinstudenten haben  Medizinstudenten als Freunde, aber trotzdem,
  80. 8:03es war halt immer das Fachgebiet, wofür man  brennt, und ich wollte halt nichts wählen,
  81. 8:07nur weil das vielleicht bisschen angenehmer oder  besser kompatibel ist, mit später Familienleben,
  82. 8:12was wählen, was einem nicht gefällt, das ist  ja dann auch nicht die Lösung, weil auch da,
  83. 8:16ist denke ich, der medizinische Beruf schon  anstrengend und das muss man wollen.
  84. 8:22Sie dürfen sich einmal hinsetzen und versuchen sie mal  alle Finger, dass man mal sieht den Vergleich,
  85. 8:26ja, merken sie, dass wenn ich sie hier anfasse?  - Ja, ja. - Das merken sie. - So ein Gefühl.
  86. 8:31Sind bei ihn Allergien bekannt? - Ne, nichts. - Hallo! Wissen  wir schon, wann er dran kommt, weil wir laufen
  87. 8:37jetzt hier schon wieder voll und dann kann  ich mir mal keine neuen Patienten anschauen,
  88. 8:40wenn ich ihn aufkläre. Okay, alles klar, danke!  Nebenbei, wir sind jetzt ganz schnell hier,
  89. 8:48weil sie gleich in den OP dürfen. Wundinfektionen  können natürlich immer auftreten, gerade weil das
  90. 8:52natürlich eine Wunde, sie tief in die Hand  eingedrungen sind mit etwas nicht sterilem,
  91. 8:56ist auch klar. Spezielle Komplikation sind  natürlich alles was wir versuchen heil zu machen,
  92. 9:01könnte man grundsätzlich natürlich auch kaputt  machen in der OP, mit scharfen Instrumenten,
  93. 9:04das heißt Gefäße, Nerven, Muskeln. Es ist ja so  ein bisschen unsere Generation, die auch so ein
  94. 9:09bisschen mehr darüber nachdenkt, Work-Life  Balance, ich glaub, das hat eine Generation
  95. 9:13von meiner Mutti keiner in den Mund genommen, und  als Assistenzarzt dufte das bestimmt auch niemand
  96. 9:18erfragen, und jetzt ist das ja immer mehr so eine  Sache, berechtigterweise wie ich finde, wo man
  97. 9:24drüber nachdenken muss, wie viel kann ich leisten  und wie viel mehr könnte ich vielleicht leisten,
  98. 9:28wenn ich mehr Freizeit hab, aber grundsätzlich  denke ich, wird es, wird es sehr anstrengend
  99. 9:31werden in den nächsten Jahren, und deswegen muss  das natürlich was sein, was einem Spaß macht.
  100. 9:43Die ersten sechs Monate war ich auf Station, da  hatte ich auch noch ein bisschen Welpenschutz,
  101. 9:48viele Leute, die ich fragen konnte,  man lernt das Team noch besser kennen.
  102. 10:01Und nach den ersten sechs Monaten ging's ja dann  in die Notaufnahme, da bin ich derzeit auch und
  103. 10:06man kommt körperlich, als auch emotional,  würde ich sagen, an seine Grenzen.
  104. 10:15Okay, geht aber so, geht gar nicht, auch nicht hier  oben? Das geht auch nicht? - Ne.
  105. 10:22Muss versuchen, den roten Faden zu behalten, vor allem auch  einen kühlen Kopf, irgendwie an alles zu denken,
  106. 10:28weil vieles passiert parallel. Der Stress kommt  einfach durch diesen unheimlich großen Durchlauf
  107. 10:34an Patienten, also man hat das Gefühl, man  hat für den Einzelnen keine Zeit, in der Zeit,
  108. 10:39wo ich mir jemanden reinhole, den untersuche, mit dem spreche,
  109. 10:43kommen fünf neue für die man zuständig ist,  und man ist natürlich verantwortlich.
  110. 10:49Ca. 0,3 cm große Stichverletzung. So, jetzt müssen sie  mir trotzdem noch mal erzählen, was passiert ist.
  111. 10:59Ich hab auf der Arbeit haben sich zwei Hunde  gebissen und ich wollt halt dazwischen gehen
  112. 11:03und wurde dann auch gebissen. - Das ist die einzige?  - Ja, das ist einzigste Wunde. - Okay.
  113. 11:11Und auf jeden Fall wiederkommen, ja, wenn es rot und entzündet ist, dann alles Gute für sie. - Schön. - Man kommt so
  114. 11:18durch den Tag, aber ich find's super anstrengend.  Wenn ich nach Hause komme, ist auch alles vorbei,
  115. 11:21nur noch tot ins Bett halt! Notaufnahme ist nicht  desto trotz total wichtig, auch anstrengend,
  116. 11:30bin ich trotzdem auch froh, wenn, wenn, wenn die  vorbei ist, man fühlt sich irgendwie immer so
  117. 11:34unwissend, aber das wird ja mit der Erfahrung  kommen, mit den Jahren, die man auf Station
  118. 11:39arbeitet, im OP arbeitet, in der Notaufnahme  ist, dass man Sachen, Notfälle einschätzen kann,
  119. 11:44weiß wie man was behandelt, das sind glaube  ich, so die Sachen die am Anfang noch fehlen,
  120. 11:50und natürlich irgendwie auch die  Ruhe zu bewahren, ich finde das,
  121. 11:53das versuche ich jetzt gerade Notaufnahme ein  bisschen zu üben, aber dass man weiß wann,
  122. 11:58wann darf man nervös sein, wann es ist brenzlich,  wann nicht, und dann natürlich eigentlich in
  123. 12:03den brenzlichen Situationen muss man möglichst  ruhig sein, weil dann ist es irgendwie wichtig,
  124. 12:06dann kommt's drauf an, dass man da irgendwie  so ein bisschen seine innere Ruhe findet,
  125. 12:10ganz oft ist es aber glaube ich auch so, dass  man selber total nervös sich fühlt und unsicher,
  126. 12:15und nach außen habe ich jetzt schon manchmal  das Feedback bekommen, gar nicht so wirke und
  127. 12:20ich mal denke, wie kann das sein, also ich fand  das diese Situation gerade extrem schrecklich,
  128. 12:23und ich hab mich extrem inkompetent gefühlt  und nach außen muss man natürlich nicht so
  129. 12:27auf den Patienten wirken, das ist ja auch immer  wichtig, klare Anweisung geben, also ich denke,
  130. 12:31das ist so ein bisschen die Erfahrung,  dann halt, die mit der Zeit dann kommen wird.
  131. 12:39Können sie aufstehen? Okay. So und dann am besten  einmal hier auf die Liege rüber. Tut das hier weh?
  132. 12:49Ja. - Wo? Hier vorne oder oben drauf? - Oben drauf.  - Dann machen wir Röntgen von den Schultern, und wir
  133. 12:56machen noch mal den Unterarm, einfach weil der so  dick ist, dass wir uns das alles einmal angeguckt haben.
  134. 13:00Ich hat doch am Anfang so gehört, auch von  Kollegen, die dann irgendwie mal zusammengebrochen
  135. 13:05sind, weil so anstrengend war oder ich warte  irgendwie so noch da drauf, dass das passiert,
  136. 13:09bisher bin ich ganz standhaft. Also ich finde  schon die Dienste in der Notaufnahme irgendwie
  137. 13:16extrem ernüchtern und man ist so k.o. Aber die  Notaufnahmezeit natürlich auch vieles gebracht,
  138. 13:20auch kollegial, und wahrscheinlich auch  wie man mit Stress umgeht.
  139. 13:25Der, der Job macht mir super Spaß, ich bin eigentlich gerne  hier, ich bin nur nicht gerne in Notaufnahme.
  140. 13:37Und wenn dir dieser Film gefallen hat,
  141. 13:39dann hinterlass uns doch ein Like oder abonniere den Kanal.

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