Keine Smartphones mehr an Schulen? | 13 Fragen | UNBUBBLE — Transcript
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- 0:05Kinder müssen rechnen, schreiben
- 0:07und lesen, lernen und sollen nicht
- 0:09auf dem Handy herumspielen, sagt
- 0:10unser aller Kanzler Friedrich Merz
- 0:12und begründet damit die Forderung
- 0:14nach einem Handyverbot an Schulen.
- 0:17Das könnte man sich die Frage
- 0:17stellen, ist ausgerechnet dieser
- 0:18ältere Herr kredibil in Sachen
- 0:20Kinder, Jugend und Social Media.
- 0:23Aber viele sehen es ja wie er.
- 0:25Viele Landesregierungen erlassen
- 0:26strenge Verbote, dazu
- 0:28Schulleitungen, Lehrkräfte und auch
- 0:30Schüler und Schülerinnen, die sagen,
- 0:31es ist zu viel Handy, zu viel
- 0:33TikTok, zu viel alles.
- 0:35Handys sind wie Zigaretten und
- 0:37Alkohol. Man sollte ein bestimmtes
- 0:39Alter erreicht haben, um überhaupt
- 0:40darauf Zugriff zu kriegen.
- 0:42Meine Aufmerksamkeitsspanne ist
- 0:43schon so sehr sehr gering und durch
- 0:45das Handyverbot kann ich mich viel
- 0:46besser auf die Schule konzentrieren.
- 0:49Im Schutzraum Schule lernen Kinder sich auszutesten
- 0:50und Menschlichkeit.
- 0:51Wenn sie permanent aufs Handy
- 0:52schauen, fällt das weg.
- 0:54Naja, sagen die anderen, Handys
- 0:56gehören halt zum Alltag, die kann
- 0:57man nicht einfach weg verbieten und
- 0:59dann wird die Welt eine bessere.
- 1:03Das Handyverbot ist Symbolpolitik als Lehrer, unterstütze und
- 1:04begleite ich lieber.
- 1:05Wer das Handy wegnimmt, muss erst
- 1:06mal bessere Angebote für
- 1:07Sozialinteraktion in der Schule
- 1:08schaffen. Ein Alkoholverbot führt
- 1:10auch nicht dazu, dass Menschen kein
- 1:12Alkohol trinken.
- 1:13Und was sagt ihr?
- 1:14Weg mit den Handys oder ist dein
- 1:16Smartphoneverbot völliger Quatsch?
- 1:18Schreibt es uns gerne in die
- 1:19Kommentare.
- 1:2013 Fragen, hier kommt die
- 1:22erste. Und die geht an dich, Lena.
- 1:24Du bist Schülerin einer elften
- 1:25Klasse und produzierst
- 1:27selber auch viel Content mit dem
- 1:29Handy.
- 1:31Stehst aber auf der grünen Seite,
- 1:32warum?
- 1:34Ja, also ich persönlich finde, ich
- 1:35muss das trennen können, weil ich
- 1:37habe schon generell sehr, sehr viel
- 1:38Stress in meinem Leben auch, das ist
- 1:40ja auch nebenbei noch mein Job und
- 1:41ich merke, dass wenn ich in der
- 1:43Schule am Handy bin oder auf Social
- 1:44Media in der Schule bin, dann merke
- 1:46ich das, dass ich Job und mein
- 1:48privates Leben verbindet und das
- 1:50kommt mir überhaupt nicht gut und
- 1:51ich persönlich finde, das sollte man
- 1:53trennen können. Wie viel Zeit
- 1:54verbringst du so auf TikTok?
- 1:56Boah, sehr viel.
- 1:57Also es ist immer unterschiedlich.
- 1:598 bis zu 20 Stunden am Tag
- 2:00tatsächlich. Also keine Ahnung wann
- 2:02ich schlafe, aber ich hab mir eben
- 2:03meine Bildschirmzeit nochmal
- 2:04angeschaut und es ist ein bisschen
- 2:04schlimm. 8 bis 20 Stunden
- 2:06am Tag?
- 2:07Ja, am Tag. Das ist eine Menge.
- 2:09Und deswegen willst du ein
- 2:10Handyverbot, damit du dein Leben
- 2:12besser in den Griff kriegst. Ja, auf
- 2:13jeden Fall. Ich hab schon bei meiner
- 2:15Schule ein Handyverbot und das
- 2:17hilft mir tatsächlich viel besser,
- 2:19damit klarzukommen.
- 2:20Maja, du bist ja nun auch Schülerin,
- 2:23du stehst aber auf der gelben Seite.
- 2:24Warum? Verstehst du nicht, was sie
- 2:25meint?
- 2:26Also ich verstehe das auf jeden
- 2:27Fall, ich persönlich
- 2:29habe auch ein Handyverbot an meiner
- 2:30Schule, aber durch, das ist von
- 2:32der fünften bis zur zehnten Klasse,
- 2:34das heißt es betrifft hauptsächlich
- 2:35die Kinder.
- 2:36Aber ich bin aus Prinzip
- 2:38einfach dagegen, weil ich einfach
- 2:40das Gefühl habe und die Angst, wenn
- 2:42wir wieder nur über ein Handyverbot
- 2:43sprechen und an Handys verbieten,
- 2:46weder die ganz anderen Themen, die
- 2:47eine super wichtige Rolle spielen,
- 2:48wie die ganze Lernumgebung,
- 2:50Schulgebäude oder Medienkompetenz
- 2:52in der Schule, dass es wieder alles
- 2:54unter den Teppich gefegt wird.
- 2:55Und noch mehr Verantwortung auf
- 2:57unsere Schulter geschoben wird
- 2:59und alle anderen Themen, die uns
- 3:01betreffen, dann wieder noch weniger
- 3:02Raum bekommen.
- 3:03Silke, du warst ja jahrelang
- 3:05Schulleiterin.
- 3:06Du guckst natürlich aus einer
- 3:07anderen Perspektive auf das Problem.
- 3:09Aber wenn sie das sagt, was sie
- 3:11gerade sagt, nämlich das Handyverbot
- 3:13einfach nur Probleme unter den Tisch
- 3:14kehren würde, kannst du das
- 3:16nachvollziehen?
- 3:17Nein, das kann ich nicht
- 3:18nachvollziehen. Und ich glaube, es
- 3:19ist tatsächlich eine
- 3:20Verantwortungsübernahme, dass wir
- 3:21endlich mal dafür sorgen, dass
- 3:23Schülerinnen und Schüler in den
- 3:24Pausen, mir geht es insbesondere in
- 3:26den Bereichen, in den Pausen, wieder
- 3:27miteinander in Interaktion kommen,
- 3:29miteinander sprechen, miteinander
- 3:30lachen und streiten auf Augenhöhe.
- 3:33Und ich glaube, dass das Thema
- 3:34Medienkompetenz umso wichtiger wird,
- 3:36weil das Handyverbot, was immer
- 3:38so groß propagiert wird, hängt
- 3:39automatisch damit zusammen, dass wir
- 3:41Kinder und du hast ja eben von
- 3:42Kindern gesprochen, insbesondere
- 3:44vorbereiten müssen auf diese Zeit
- 3:46um. Mit Inhalten und
- 3:48Suchtgefahren bei Social Media
- 3:49umzugehen. Also über Medienkompetenz
- 3:51werden wir sicherlich noch
- 3:52intensiver sprechen, aber vielleicht
- 3:53erzählst du mal ein bisschen, was du
- 3:54erlebt hast, was sind denn deine
- 3:55Erfahrungen?
- 3:56Ich muss dazu sagen, ich habe
- 3:58eine sehr digitale Schule geleitet
- 4:00und trotzdem war niemals das Handy
- 4:02erlaubt in den Pausen.
- 4:04Und gleichzeitig haben wir eine
- 4:05Social-Media-Sprechstunde
- 4:07eingeführt. Viele von denen, die
- 4:08zuschauen, können sich nicht
- 4:09vorstellen, mit was Kinder kommen.
- 4:12Von Nacktfotos über Cybermobbing,
- 4:13über Erwachsene, die Kinder
- 4:14ansprechen, über wirklich
- 4:16sexualisierten und wirklich
- 4:18ganz, ganz dramatisch brutalen
- 4:20Inhalt. Das ist wirklich schlimm, wo
- 4:21mit Kindern zum Teil alleine sind.
- 4:23Und das war mein Schulalltag.
- 4:24Daniel, du bist auf dieser Seite, du
- 4:26bist sehr in Mobbingprävention
- 4:28z.B. Aktiv.
- 4:29Kannst du das nicht nachvollziehen?
- 4:30Also die Frage ist, warum stehst du
- 4:32nicht auf der grünen Seite?
- 4:33Ich bin total offen für das, was
- 4:35du gerade gesagt hast, und ich finde
- 4:36vieles daran total richtig.
- 4:38Ich weiß nicht, ob das Verbot der
- 4:40richtige Weg dahin ist, denn ich
- 4:41habe eine große Sorge.
- 4:43Wenn ein Verbot ausgesprochen wird,
- 4:45dann könnte sich Schule zurücklehnen
- 4:47und sagen, wir haben damit nichts
- 4:48mehr zu tun.
- 4:49Und alles, was Prävention und
- 4:50Aufklärung ist, was sowieso in
- 4:52unserer Gesellschaft schon sehr
- 4:53schwer überhaupt umsetzbar
- 4:55ist, könnte noch schwerer werden,
- 4:57und davor habe ich Sorge, weil ich
- 4:58der Meinung bin, dass wir Aufklärung
- 4:59und Prävention ...
- 5:01Genauso in den Fokus rücken müssten
- 5:03wie ein Verbot.
- 5:05Da hast du zumindest Silke nach
- 5:06vorne geholt.
- 5:08Niklas geht auch so einen kleinen
- 5:09Schritt, aber Niklas, du stehst
- 5:10trotzdem auf der grünen Seite.
- 5:11Was interessant deswegen auch ist,
- 5:12weil du ja selber auch Content
- 5:14produzierst und sehr viel im Netz
- 5:16unterwegs bist, aber du bist
- 5:17trotzdem für ein Handyverbot.
- 5:18Warum?
- 5:19Ich sage ja nicht, dass mein
- 5:20Content, den ich mache, in der
- 5:22Schule konsumiert werden soll.
- 5:23Das kann man ja auch zu Hause
- 5:24machen.
- 5:24Also meine persönliche Haltung ist,
- 5:26dass wir eigentlich einen
- 5:27gesellschaftlichen Kulturwandel
- 5:28bräuchten im Umgang mit dem Thema
- 5:29Handy. Ich glaube, dass
- 5:31der Gesamtumgang der Gesellschaft
- 5:32mit dem Thema Smartphone auch im
- 5:34öffentlichen Raum in sich schon
- 5:35verkehrt ist.
- 5:36Und ein Teil davon wäre ein
- 5:38Verbot?
- 5:39Ich glaube, es wäre ein Anfang und
- 5:41ich glaube, ich zahle auch auf
- 5:42dasselbe ein, was du sagst, dass
- 5:43Schule einfach ein Schutzraum
- 5:45sein soll. Also...
- 5:46Ich bin jetzt nicht hier als der
- 5:47Experte, der zehn Studien zitieren
- 5:49kann, aber im Fußballkontext gab es
- 5:51letztens einen Fall da gegen Video
- 5:52Viral von Florian Neuhaus, ein
- 5:53Spieler von Borussia Mönchengladbach,
- 5:55der sich auf Mallorca im
- 5:57Suff schlecht über seinen Chef,
- 5:59seinen Sportdirektor geäußert hat.
- 6:00Das ist in dem Moment, glaube ich,
- 6:01aushaltbar, weil es einfach jemanden
- 6:03trifft, der, glaube ich, sehr weich
- 6:04fällt. Aber ich finde,
- 6:06es muss noch einen Raum geben, wo
- 6:07dir was Peinliches passieren kann.
- 6:09Und es geht vorbei.
- 6:11Und dieser Moment ist nicht für die
- 6:11Ewigkeit festgehalten.
- 6:13Und das ist in der Gesellschaft
- 6:14sowieso schon nicht mehr garantiert.
- 6:15Und dass zumindest die Schule ein
- 6:16Ort ist, wo, wenn dir mal was Blödes
- 6:18passiert, du die
- 6:20Sicherheit hast, ich wurde dabei
- 6:21nicht gefilmt. Und das wird jetzt
- 6:22jahrelang irgendwie schwebt das über
- 6:24meinem Kopf und begleitet mich.
- 6:25Das glaube ich, wäre ein Faktor, der
- 6:26auch dafür sprechen würde.
- 6:27Nico, du kennst all diese Beispiele,
- 6:29du bist Medienschutzbeauftragter an
- 6:30deiner Schule, das heißt du weißt
- 6:32auch, was Silke gerade erzählt hat.
- 6:34Ich mach ganz ähnliches in meiner
- 6:35Sprechstunde, was ich gerade
- 6:36ausgesprochen hab. Das dachte ich mir und
- 6:37trotzdem stehst du auf dieser Seite
- 6:38und bist klar gegen ein Handyverbot.
- 6:40Ja, auf jeden Fall.
- 6:41Also meiner Meinung nach hilft ein
- 6:42Verbot in dem Sinne nicht, weil
- 6:44es meistens aus dem Auge, aus dem
- 6:46Sinn, dann doch irgendwie befördert
- 6:48oder produziert in der Form.
- 6:50Und gleichzeitig, wie vorhin
- 6:51angesprochen wurde, passiert es ja
- 6:53nicht, dass Medienkompetenz
- 6:54vorangestellt wird, dass mehr
- 6:56Prävention betrieben wird, dass mehr
- 6:58aufgeklärt wird.
- 6:59Es gibt nur die Verbotsdiskussion.
- 7:01Wir entscheiden nur über andere und
- 7:02deswegen bin ich auch sehr froh,
- 7:03dass Jugendliche heute mal hier
- 7:05sind. In den allermeisten Talkshows
- 7:07sind keine.
- 7:08Und in den Schulen entscheiden auch
- 7:09keine über diese Regeln mit und
- 7:11auch nicht in der Politik.
- 7:12Und die können sie auch nicht wählen,
- 7:14weil sie zu jung sind.
- 7:15Das heißt, es ist mit dem komplett
- 7:16ausgeliefert, was wir als
- 7:17Erwachsenen entscheiden.
- 7:18Und das finde ich falsch.
- 7:20Wie geht dir das, Lena?
- 7:22Hast du den Eindruck, er hat recht
- 7:23mit dem, was er sagt?
- 7:25Also werdet ihr gehört oder nicht
- 7:26gehört? Was ist deine Erfahrung?
- 7:28Also ich verstehe schon, was er
- 7:29gesagt hat.
- 7:30Im Endeffekt müssen wir uns nach den
- 7:32Erwachsenen richten, was die für
- 7:33Regeln aufstellen.
- 7:35Aber also für mich hilft es halt mir
- 7:36viel besser, wenn ich das Handy halt
- 7:37nicht dabei habe, also nicht
- 7:39benutzen kann, weil einfach
- 7:41diese Sucht halt da ist.
- 7:43Und mir hilft das wirklich total,
- 7:44auch in den Pausen tatsächlich,
- 7:47weil das war zum Beispiel in meiner
- 7:48alten Schule so, auch in den Pausen
- 7:49war komplettes Handyverbot.
- 7:50Und da habe ich mich auch immer mit
- 7:52meinen Freunden unterhalten, hatten
- 7:53wir immer richtig viel Spaß.
- 7:54Und jetzt merke ich das selber, in
- 7:56den Pausen darf ich das Handy jetzt
- 7:57wieder benutzen, aber am Unterricht
- 7:58nicht. Aber in den Pausen bin ich
- 8:00die ganze Zeit am Handy und rede
- 8:01nicht mehr mit meinen Mitmenschen
- 8:03und das ist für mich ein sehr großer
- 8:05Nachteil, weil ich finde, dadurch
- 8:06geht halt auch diese ganze
- 8:07Kommunikation mit Freunden und
- 8:09dieser ganze Kontakt geht ein
- 8:10bisschen verloren dann.
- 8:11Soll ich da kurz sein, einhaken?
- 8:13Du darfst natürlich was sagen, ich
- 8:14würde ...
- 8:15Also, nur auch darauf Bezug
- 8:17nehmend, ich finde ...
- 8:19Also, ein Teil der Aufgabe der
- 8:20Erwachsenen ist ja auch,
- 8:21Verantwortung für Kinder zu
- 8:22übernehmen und für Kinder
- 8:23Entscheidungen zu treffen.
- 8:25Weil Kinder eben, da sie
- 8:27Kinder sind, gewisse Dinge nur in
- 8:29einem begrenzten Rahmen entscheiden
- 8:30können. Das machen wir auch in
- 8:31anderen Bereichen der Gesellschaft.
- 8:33Wo wir sagen, du musst Altersschwellen
- 8:35erreichen, um Zugriff zu kriegen zu
- 8:36Alkohol, ein Auto fahren zu dürfen,
- 8:38rauchen zu können, das haben wir in
- 8:39anderen Bereichen auch reguliert.
- 8:41Und ich finde per se, dass nichts
- 8:43dagegen spricht, mit Kindern und
- 8:44Jugendlichen aktiv darüber zu
- 8:45sprechen, wie sie das sehen, und zu
- 8:46gucken, wie können wir das so
- 8:48gestalten, dass wir euch nicht nur
- 8:49das Handy wegnehmen, sondern auch
- 8:50Wege aufzeigen, was ihr dann mit der
- 8:52Zeit, die ihr vielleicht dadurch
- 8:53gewinnt, auch Besseres anfangen
- 8:55könnt. Aber ich glaube,
- 8:58also erst die Leute süchtig danach
- 8:59machen und dann die süchtigen
- 9:01Fragen, ob sie es haben wollen oder
- 9:02nicht, finde ich ein bisschen fragwürdig.
- 9:04Maja, wie geht es dir? Hast du den
- 9:05Eindruck, dass Stimmen wie deine
- 9:07gehört werden in der Diskussion?
- 9:09Also ich habe mich auch mit den
- 9:10kleineren Kids natürlich in der
- 9:11Schule unterhalten und da war
- 9:13eigentlich kein Verständnis dafür
- 9:14da. Das ist natürlich auch super
- 9:15Lehrer*innen abhängig, ob
- 9:17da jetzt überhaupt darüber aufgeklärt
- 9:18wird, ob die
- 9:20mit den Kindern auch in Dialog
- 9:21kommen, warum ein Handyverbot
- 9:23sinnvoll ist und da kommen sie
- 9:25wieder nach Hause und ich habe das
- 9:26Gefühl, das ist wieder so ein
- 9:27Jojo-Effekt.
- 9:28Da sind sie halt noch mehr am Handy,
- 9:30weil das nicht nur wertvoller wird
- 9:31durch ein Verbot, sondern man
- 9:34möchte das zurückkriegen, was man
- 9:36quasi in der Schule verpasst.
- 9:37Also so fühlt sich das an.
- 9:38Und da werden die Kinder auch
- 9:40überhaupt nicht gehört, weil wann
- 9:41wurden wir gefragt oder wann werden
- 9:43Schülerinnen gefragt, was sie sich
- 9:45für die Schule wünschen würden.
- 9:46Aber gibt es nicht sowas, also
- 9:47verzeih ich, meine Schulzeit ist ja
- 9:48schon ein bisschen länger her, aber
- 9:50Schülervertretung,
- 9:51Schülerinnenvertretung,
- 9:52Schulkonferenzen, das sind doch
- 9:54eigentlich alles theoretisch
- 9:55Gremien, wo auch die Schülerschaft
- 9:57gehört wird oder nicht?
- 9:58Ja, klar, man wird gehört, man kommt
- 10:00in Dialog, aber wie gesagt,
- 10:02da wird es wieder sehr schnell
- 10:03gesagt, da fehlt das Geld
- 10:05oder ja, das
- 10:07kommt aber von oben so und
- 10:09noch die kleineren Kinder im
- 10:11Klassenraum, da fehlt auch erst
- 10:13mal überhaupt die Zeit, ins Gespräch
- 10:14zu kommen, da muss erst mal das
- 10:15Kern-Kurrikulum durchgearbeitet
- 10:17werden und irgendwas über
- 10:19Handyverbot ist
- 10:21halt und man so haltet euch mal
- 10:23dran und das war's und
- 10:25ich glaube, das ist auch bei den
- 10:25meisten Schulen so.
- 10:27Silke, jetzt kommst du ausgerechnet
- 10:28von so einer digitalen
- 10:29Muster-Schule.
- 10:30Da ist es ein bisschen anders
- 10:31gewesen, aber du, also das, was sie
- 10:32sagt, ist ja nichts Neues, ne?
- 10:34Also, dass überall Geld fehlt und
- 10:35dass man sagt, ja, sorry, wir müssen
- 10:36jetzt erstmal den Stoff durchbringen,
- 10:37bevor wir über Handys reden.
- 10:38Das kennst du wahrscheinlich auch.
- 10:40Wir müssen aufpassen mit
- 10:41Pauschal-Urteilen.
- 10:42Die fünf Schulen, die jetzt einen
- 10:44extra deutschen Schulpreis bekommen
- 10:45haben für Demokratiebildung, die
- 10:47zeigen zum Beispiel, wie es geht,
- 10:48die reden mit den Schülern, die
- 10:49haben eine tolle Partizipation, die
- 10:50haben Schülerentscheide und
- 10:52Formate gefunden, wo man sagt, man
- 10:54ist auf Augenhöhe in der
- 10:55Entscheidung.
- 10:56Aber ich glaube trotzdem, dass es
- 10:58super wichtig ist, das, was du
- 10:59gerade gesagt hast.
- 11:00Wir müssen uns auch der
- 11:02Verantwortung stellen, dass wir mit
- 11:03der Erfahrung, mit dem Weitblick,
- 11:05den viele von uns haben, einige auch
- 11:07nicht, Entscheidungen treffen.
- 11:09Der Schutz von Kindern muss dabei im
- 11:11Fokus stehen.
- 11:12Und wenn sie in der Schule
- 11:13tatsächlich dann eher, sag
- 11:16ich mal, das Gefühl haben, hier kann
- 11:17ich nicht daddeln und zu Hause muss
- 11:19ich das dann nachholen, so wie du es
- 11:20gesagt hast, kann ich diesen
- 11:21Suchtfaktor, von dem gesprochen
- 11:23wurde, total nachvollziehen.
- 11:25Ich glaube, dann haben wir aber
- 11:26gesellschaftlich ein richtiges
- 11:27Problem, dass wir auch Eltern viel
- 11:28mehr an die Kandare nehmen müssen,
- 11:30was da zu Hause eigentlich los ist,
- 11:32dass das überhaupt möglich ist.
- 11:33Warum bist du nach vorne gegangen?
- 11:35Weil ich das richtig finde, was sie
- 11:37gesagt hat, dass es um Schutz gehen
- 11:38darf und dass wir als Erwachsene uns
- 11:40viele Gedanken dazu machen müssen,
- 11:41wie wir Kinder schützen können.
- 11:43Und auch was du gesagt hast, da bin
- 11:44ich dabei, die Handynutzung macht
- 11:46Kindern ein Stück weit abhängig,
- 11:47dann zu fragen, wie wollen wir damit
- 11:49umgehen, ist ein spannender
- 11:51Punkt in der Debatte.
- 11:52Auf der anderen Seite sind wir alle
- 11:53davon abhängig und wenn wir uns die
- 11:54Gesellschaft per se anschauen,
- 11:56finde ich es ein bisschen, da bin
- 11:57ich wieder bei dir, spannend, dass
- 11:59wir uns als Erwachsene das komplette
- 12:00Recht rausnehmen, das Ding ...
- 12:02Die ganze Zeit zu benutzen im
- 12:03Bundestag sieht man ständig Handys
- 12:05und dann sagen diese Leute ja,
- 12:07aber in der Schule da ist es jetzt
- 12:09ein Problem. Also dann müsste die
- 12:10Debatte sein, haben wir ein
- 12:12grundsätzliches Problem mit Medien.
- 12:15Gut, aber ich glaube, wir sind auch
- 12:16alle nach vorne gegangen, ich
- 12:17glaube, da kriegst du Unterstützer,
- 12:18aber das Argument steht natürlich
- 12:19noch weiter im Raum.
- 12:21Erwachsene haben die Pflicht,
- 12:22verantwortliche Regeln auch für
- 12:24Kinder zu erstellen.
- 12:26Das ist tatsächlich, ist es ja so,
- 12:27kann man ja unter Zuhilfenahme oder
- 12:29in der Diskussion mit Jugendlichen
- 12:30machen, würdest du da zustimmen oder
- 12:32nicht? Die Erwachsener haben die
- 12:34Pflicht. Ich frage mich nur, ob das
- 12:35Verbot dazu führt, dass sie dieser
- 12:36Pflicht gerecht werden oder ob sie
- 12:38sich ein Stück weit auch wieder dazu
- 12:40ermutigt fühlen,
- 12:42dieses Thema in Schule ad acta zu
- 12:43legen, weil jetzt haben wir ein
- 12:44Verbot.
- 12:45Und ein Verbot führt dazu, dass wir
- 12:46uns nicht mehr darum kümmern müssen,
- 12:47sollen es die Eltern machen.
- 12:48Aber die Medienkompetenz in unserer
- 12:49Gesellschaft ist nicht auf dem
- 12:51Level, dass ich sage,
- 12:52das können wir einfach allen
- 12:54überlassen. Das heißt aber im
- 12:55Umkehrschluss, wenn es
- 12:57flankierende Maßnahmen,
- 12:58Medienbildung usw.
- 12:59Gibt, dann könntest du dir auch ein
- 13:00Verbot vorstellen.
- 13:02Dann könnte ich darüber diskutieren,
- 13:04ja.
- 13:06Nico wie geht's dir damit? Ah ne, wenn es
- 13:07eine funktionierende Prävention gäbe
- 13:09und eine gute begleitende
- 13:10Medienkompetenz, die Aufwachsenden
- 13:12im Unterricht beigebracht wird,
- 13:13dann gäbe es den Bedarf nicht.
- 13:15Es wird gerade vorhin auch darüber
- 13:16gesprochen, eine Bildschirmzeit zu
- 13:17haben mit Verbot, mit 20 Stunden.
- 13:19Respekt dafür, ehrlich gesagt.
- 13:20In dem Moment, in dem ich kompetente
- 13:21Menschen habe, die alle damit
- 13:22umgehen können, brauche ich keine
- 13:24Verbotspolitik.
- 13:25Es handelt sich ja nicht, wie vorhin
- 13:26angesprochen, um Alkohol, der auf
- 13:27jeden Fall schädlich ist und meine
- 13:28Organe zerstört.
- 13:30Wenn man damit gut umgeht und vor
- 13:31allem, und darüber haben wir noch
- 13:32gar nicht versprochen.
- 13:33Auch die Konzerne verpflichtet,
- 13:35geltendes Recht dort durchzusetzen,
- 13:36was ganz, ganz wichtig wäre meiner
- 13:38Meinung nach, dann braucht
- 13:39es kein Verbot mehr.
- 13:41Lena, kannst du damit, kämst du
- 13:42damit klar? Also nehmen wir an, du
- 13:43hättest jetzt gute Medienbildung,
- 13:45super Kompetenztraining.
- 13:46Du würdest in der Pause eben ganz
- 13:48bewusst sagen, nö, brauche ich jetzt
- 13:49gerade nicht, weil ich will mich
- 13:50jetzt mit Leuten unterhalten, dann
- 13:51bräuchte es doch kein Verbot.
- 13:53Wenn ich das ganz bewusst machen
- 13:54würde, schon, aber für mich ist es
- 13:56halt nicht so und für meine
- 13:58Mitmenschen, also eigentlich alle in
- 13:59meiner Schule, ist es auch nicht so,
- 14:02dass die selbstständig sagen, ich
- 14:04mach das jetzt nicht und das ist
- 14:05halt das Traurige daran und deswegen
- 14:07würde ich mir halt das Handyverbot
- 14:09überhaupt wünschen, weil wenn damit
- 14:10alle umgehen könnten,
- 14:12dann würde ich auch nicht hier stehen.
- 14:15Niklas? Wir reden immer über
- 14:16Smartphone-Verbot, aber in
- 14:17Klammern steht eigentlich, dass man
- 14:18mehrheitlich das Social-Media-Verbot
- 14:20meint, weil der Grund, warum die
- 14:21Bildschirmzeiten von den Leuten so
- 14:22hoch sind, ist ja nicht, weil wir
- 14:24alle den ganzen Tag irgendwie, keine
- 14:26Ahnung, irgendwelche
- 14:28wissenschaftlichen Artikel lesen
- 14:29oder was auch immer, sondern wir
- 14:30sehr viel Zeit verbringen auf
- 14:31Instagram, auf TikTok,
- 14:33auf Twitter, ehemalsTwitter, heute
- 14:35X, das sind ja alles Apps.
- 14:37Die so designt sind, dass wir da
- 14:39bleiben sollen.
- 14:39Und ich glaube, wenn man dem
- 14:40beikommen könnte auf einer
- 14:42Handlungsebene, glaube ich, dann
- 14:43kann man auch drüber reden, ob man
- 14:44das Verbot in der Form noch braucht.
- 14:46Aber ich glaube, es ist
- 14:47wahrscheinlicher, ein Verbot
- 14:48durchsetzen zu können, als an
- 14:50diese großen Konzerne ranzugehen.
- 14:52Nico? Ich finde halt der Knackpunkt
- 14:54ist natürlich die Realisierbarkeit,
- 14:55das check ich komplett.
- 14:57Also mit diesem Verbot, das können
- 14:57wir leichter überstülpen so in der
- 14:59Richtung. Ich glaube aber, der
- 15:00Effekt ist nicht groß und ich
- 15:02glaube, du hast eigentlich den
- 15:03Knackpunkt angesprochen.
- 15:04Wir haben gefährliche Konzerne,
- 15:06die nicht geltendes Recht
- 15:08durchsetzen.
- 15:09Die freuen sich, während wir hier
- 15:11diskutieren, ob wir das da
- 15:12verbieten, gehen bei denen die
- 15:13Zahlen hoch, die Leute benutzen es
- 15:15trotzdem. Nach der Schule 20
- 15:16Stunden, kein Problem, reicht ja
- 15:18noch. Und wir sitzen hier
- 15:20und denken nicht mal dran, dehnen
- 15:22jetzt endlich mal den Riegel vorzuschieben.
- 15:23Ich glaube, da seid ihr euch einig,
- 15:25ihr seid auch alle vorgegangen.
- 15:26Natürlich wäre es toll, wenn wir die
- 15:27großen Konzerne, die großen Tech-
- 15:28Konzerne besser an die Kandare
- 15:30nehmen.
- 15:31Aktuell passiert es aber nicht und
- 15:32dann ist dann vielleicht dann doch
- 15:34das Argument treffend, dass man
- 15:36sagt, hey, was wir jetzt gerade
- 15:37schnell machen können.
- 15:38Jede Schule für sich ist
- 15:40Handyverbot.
- 15:41Ja wir drehen uns aber irgendwie im Kreis. Wir sagen immer
- 15:42wieder, wir hätten bessere Lösungen,
- 15:44aber die wollen wir eben nicht
- 15:45angehen. Dann machen wir halt, was
- 15:47nichts kostet, was populär
- 15:48ist und was wir umsetzen können.
- 15:50Wir wollen sie angehen und ich
- 15:51glaube sogar einige Menschen in der
- 15:53Politik wollen sie angehen, aber
- 15:54aktuell findet sich niemand, der das
- 15:56wirklich durchsetzt EU-weit,
- 15:58so dass es den Kindern im Schulhof
- 15:59hilft, was den Kindern vielleicht im
- 16:01Schulhof helfen könnte, wenn sie
- 16:02kein Handy dabei haben. Das stimmt,
- 16:03aber dann haben wir damit nur eine
- 16:04Verschiebung in den privaten Raum.
- 16:06Ich glaube, das ist übrigens der
- 16:07Knackpunkt. Wir haben im jedem
- 16:08Lebensbereich Regulierungen,
- 16:10angefangen von den zehn Geboten, die
- 16:11uns sagen, wie wir miteinander leben
- 16:13sollen, bis hin zum Strafrecht,
- 16:15Verkehrsrecht, Punktekonto
- 16:17in Flensburg habe ich zumindest,
- 16:19weil ich mich manchmal vielleicht
- 16:20auch nicht an Regeln halte und weil
- 16:21ich da einen Punkt habe, halte ich
- 16:23mich dann doch mal ein bisschen mehr
- 16:24an die Regeln, weil ich den Führerschein
- 16:25behalten will. Das heißt, ich selber
- 16:26lasse mich ja auch regulieren.
- 16:28Das können wir in jedem Bereich
- 16:29machen. Und diese Regulierung
- 16:30übertrage ich quasi auf das
- 16:32Handyverbot, wo ich dir Recht gebe.
- 16:34Das darf nicht dazu führen, dass ein
- 16:35Lehrer, und die Angst habe ich auch,
- 16:37einen Haken im Klassenbuch macht,
- 16:38sagt, ich habe das Thema Handy heute
- 16:39besprochen, einmal im Sachkunde-
- 16:42oder Gesellschaftskundeunterricht,
- 16:43wie auch immer.
- 16:44Tschüss. So, ist nicht mehr mein
- 16:46Thema, ist Thema der Eltern.
- 16:47Das darf nicht passieren.
- 16:48Und wo ich euch allen Recht gebe,
- 16:50das, was wir durchsetzen, muss
- 16:52wirksam sein.
- 16:53Und wir brauchen zum Beispiel auch
- 16:53verpflichtende Lehrkräftefortbildung,
- 16:55dass sie überhaupt mal wissen,
- 16:57worüber wir da eigentlich sprechen
- 16:58im Netz.
- 16:59Maja, wäre das nicht was?
- 17:01Also das eine machen, das andere
- 17:02nicht lassen. Also klar, wir wollen
- 17:03Medienkompetenz, aber eine
- 17:05Maßnahme unter vielen könnte auch
- 17:07ein Handyverbot sein.
- 17:08Oder sagst du, nee, Handyverbot ist
- 17:10vom Tisch niemals, niemals mit mir.
- 17:12Ich finde, da macht es viel mehr
- 17:13Sinn, das pädagogisch zu begleiten,
- 17:15sodass wir digital und analog
- 17:17diese Kommunikationsform irgendwie
- 17:19prägen und fördern.
- 17:21Und durch ein Handyverbot, also
- 17:23durch dieses ganze Gesamtpaket,
- 17:26ist ein Verbot dann irgendwann nicht
- 17:28mehr nötig, weil dann haben die
- 17:30Kinder einfach gar nicht mehr das
- 17:31Bedürfnis, an diesem Handy zu
- 17:32hängen. Aber wenn sie ja nicht mal
- 17:33einen Ruheraum haben oder nicht mal
- 17:34irgendeinen sicheren Raum in der
- 17:36Schule, dann haben sie nur das
- 17:37Handy. Also spielt für dich keine
- 17:38Rolle. Überzeugt dich das, Niklas?
- 17:41Ehrlicherweise nicht.
- 17:43Resilienz dem gegenüber, dem Handy
- 17:45gegenüber, widerstehen können,
- 17:47entsteht, glaube ich, auch dadurch,
- 17:48dass man vielleicht in kritischen
- 17:50Jahren des Heranwachsens dem nicht
- 17:52mehr oder weniger schutzlos
- 17:53ausgesetzt ist, sondern eben
- 17:55die Fähigkeit erlernt,
- 17:58Langeweile aushalten zu können.
- 17:59Aushalten zu können, ist etwas, das
- 18:00temporär nicht Spaß macht.
- 18:03Ich finde auch, das ist ein Faktor,
- 18:04den wir alle als Erwachsene erleben.
- 18:06Wie viel unserer Zeit, die wir am
- 18:07Tag wach sind, gehört uns noch
- 18:08wirklich selber.
- 18:10Weil im Prinzip ist die, wenn man
- 18:11arbeitet am Bildschirm, dann ist
- 18:12man, man kocht, hört dabei einen
- 18:13Podcast, dann isst man, schaut eine
- 18:14Serie, was auch immer.
- 18:15Also wie viel Zeit ist noch übrig,
- 18:17in der ich wirklich mit mir selbst
- 18:19um meinen Gedanken bin?
- 18:20Also ist da nicht mehr wahnsinnig
- 18:21viel, glaube ich, bei den meisten
- 18:21Leuten, was übrig bleibt, inklusive
- 18:23mir selber.
- 18:24Und ich glaube aber, genau das ist
- 18:25eine ganz, ganz...
- 18:26Wichtige Zeit, in der viel
- 18:27Wertvolles im Menschen entstehen
- 18:29kann. Kreativität, ich glaube, Ideen
- 18:31entspringen ganz oft auch einfach
- 18:32aus Langeweile.
- 18:34Und ich finde, Schule ist eigentlich
- 18:35ein idealer Ort um diesen Raum
- 18:37schaffen zu wollen.
- 18:38Ich glaube, bei der Problematik
- 18:40werden wahrscheinlich viele dir
- 18:41zustimmen, aber was du ja auch
- 18:42gesagt hast, man muss auch mal
- 18:43Langeweile aushalten.
- 18:44Das bedeutet aber im Umkehrschluss
- 18:45für Maja, wir haben zwar keinen
- 18:46Ruheraum, wir haben keinen Platz, wo
- 18:47wir uns treffen können, aber wir
- 18:49nehmen euch jetzt noch die Handys
- 18:50weg, dann könnt ihr mal Langeweile
- 18:51aushalten.
- 18:54Wahrscheinlich schon. Ich bin in
- 18:56einem Tausendseelendorf
- 18:57aufgewachsen, ohne irgendeine
- 18:59nennenswerte Infrastruktur, die in
- 19:00irgendeiner Form kinder- oder
- 19:01jugendlich-freundlich gewesen ist.
- 19:03Und wir haben dann auf einer Hütte
- 19:05getroffen und unten war der
- 19:07Sportplatz.
- 19:08Und um den Sportplatz sind da manchmal
- 19:09so Rehlinge rum aus Stahl oder aus
- 19:10Metall. Und wir haben von oben dann
- 19:12versucht, mit den Glasflaschen diese
- 19:13Rehlinge zu treffen. Das war völlig
- 19:14bescheuert und eine dumme Aktivität.
- 19:16Aber das sind Sachen, die wir
- 19:16gemacht haben.
- 19:17Und ich würde trotzdem sagen, selbst
- 19:19das gemacht zu haben und das
- 19:20irgendwie gemeinschaftlich erlebt zu
- 19:21haben, dann aber erwischt worden zu
- 19:22sein, dafür Ärger bekommen zu haben.
- 19:23Ist als Gesamterlebnis wertvoller,
- 19:25als die Zeit im Handy verbracht zu
- 19:26haben.
- 19:29Maja? Ja, also ich finde das immer
- 19:31schwierig, in diesen Debatten
- 19:33so alte Erinnerungen da
- 19:34hochzubringen, weil wir einfach in
- 19:35einer ganz anderen Zeit
- 19:37sind.
- 19:38Wie wir miteinander kommunizieren,
- 19:39ist auch schon stark vom Internet
- 19:41abhängig und alles.
- 19:42Und wer kein Handy hat in der Schule
- 19:44beispielsweise oder zu Hause auch,
- 19:46das ist ja auch schon automatisch
- 19:47eine gewisse Isolation, weil die
- 19:49anderen Kinder, die Mehrheit der
- 19:50Kinder weiß, was im Internet abgeht,
- 19:52irgendwelche TikTok-Trends und so
- 19:53weiter. Das ist alles Diskussionsthema.
- 19:56Und ich sage jetzt nicht, dass das
- 19:57Platz in der Schule haben sollte.
- 19:59Aber das ist auf jeden Fall so ein
- 20:01unabdingbarer Teil unseres Alltags
- 20:03ist. Silke, digitale Teilhabe
- 20:05steht ja sogar in der
- 20:06UN-Kinderrechtskonvention
- 20:08drin, die würde mit einem
- 20:09Handyverbot natürlich genommen
- 20:10werden.
- 20:11Ich glaube nicht, dass man das
- 20:12interpretieren sollte, dass das das
- 20:14Recht auf Besitz eines Smartphones
- 20:15ist, denn das Smartphone an sich hat
- 20:17für mich überhaupt nichts damit zu
- 20:18tun, dass wir über digitale Teilhabe
- 20:20sprechen, sondern es bedeutet, dass
- 20:22ich irgendwann in der Lage bin, an
- 20:24digitalen Kommunikationsformen
- 20:25teilzunehmen, dass ich natürlich in
- 20:27der Lage bin, mit Social Media
- 20:28umzugehen, dass ich in der Lage bin,
- 20:30KI richtig anzuwenden oder auch
- 20:32kritisch hinter zu hinterfragen.
- 20:33Wie geht das ohne Handy?
- 20:35Wenn ich einen guten digitalen
- 20:36Unterricht habe, spricht nichts
- 20:37dagegen, wenn ein Lehrer da steht
- 20:39und sagt, dafür brauchen wir jetzt
- 20:40mal kurz eure Smartphones und
- 20:42guckt mal bitte eure Bildschirmzeit
- 20:43an.
- 20:45Oder möchte jemand mal gerade seinen
- 20:46TikTok-Account öffnen
- 20:48und gucken, was der Schmelzer als
- 20:49letztes dort gepostet hat,
- 20:51beispielsweise?
- 20:52Ich hab gerade das Gefühl, du sprichst gerade aus
- 20:52einer sehr privilegierten Position.
- 20:54Ihr habt eine digitale Schule, wie
- 20:55gesagt, aber das
- 20:57ist ja nicht bei jeder Schule so.
- 20:59Und da wollte ich das einfach nur
- 21:00anmerken, dass wir immer noch das
- 21:02Tablets da auch immer wieder einfach
- 21:04komplett vergessen werden.
- 21:05Und die Administration dahinter.
- 21:06Also da kann ich nach vorne gehen,
- 21:07da stimme ich dir zu.
- 21:08Ich bin nicht in einer
- 21:09privilegierten Situation, denn
- 21:11am Ende des Tages sind wir eher eine
- 21:13finanzschwache Gemeinde, also der
- 21:14Schulträger gewesen.
- 21:16Wir mussten ganz kreativ sein, mit
- 21:17dem Förderverein zu überlegen,
- 21:19welche Firmen können wir mal
- 21:20anquatschen, dass wir ein paar
- 21:21Geräte brauchen.
- 21:22Irgendwann habe ich beim Bürgermeister
- 21:23Schlange gestanden und gesagt,
- 21:24bitte, bitte, bitte, wir brauchen
- 21:25jetzt diese Stellenschaffung für den
- 21:26Admin, bis es geklappt hat.
- 21:28Also mit priviligiert meine ich jetzt überhaupt nicht die
- 21:28Finanzen. Ich weiß, dass ihr
- 21:30schlecht seid oder einfach nur die
- 21:31Personalien. Also, dass ihr einfach,
- 21:32dass ihr als Erwachsene euch darum
- 21:34kümmert. Das kann nicht jede Schule
- 21:35sagen. Das ist der Punkt, wo es an vielen
- 21:36Schulen nicht gut läuft und übrigens
- 21:38auch systematisch einfach komplett
- 21:40falsch läuft, weil es kann nicht
- 21:41einem Lehrer zugemutet werden, dass
- 21:42er sozusagen Administration machen
- 21:44muss, das müssen Fachleute machen.
- 21:47Daniel warum bist du nach vorne gegangen? Was hat dich überzeugt?
- 21:50Sie kümmert sich darum, dass da was
- 21:52passiert und ich bin der Meinung,
- 21:54wenn wir jetzt ein Verbot umsetzen
- 21:55würden und gleichzeitig würden wir
- 21:57es schaffen, in irgendeinen
- 21:58Gesetzesentwurf mit reinzubringen,
- 22:00dass externe Dienstleister in
- 22:01Schulen kommen, leichter, die das
- 22:03Thema übernehmen, was Lehrer
- 22:04vielleicht nicht die ganze Zeit
- 22:05machen können, weil ihr habt halt
- 22:06noch einen anderen Job zu erledigen,
- 22:08dann kann man diesen
- 22:09Gesetzesentwurf gut diskutieren.
- 22:11Niklas, ist doch nachvollziehbar
- 22:13oder nicht?
- 22:14Auf jeden Fall.
- 22:15Aber ich würde halt die Gegenfrage
- 22:16stellen, wenn wir voraussetzen
- 22:18würden, dass die
- 22:21Schulung von Medienkompetenz auf dem
- 22:22Level ist, wie es sich die Experten
- 22:24in der Runde wünschen, was verliert
- 22:26man, wenn das
- 22:28private Smartphone aus der
- 22:30Gleichung Schulalltag verschwindet?
- 22:32Also ich würde wieder eine
- 22:34Gegenfrage stellen, warum brauche
- 22:35ich ein Verbot, wenn ich mit
- 22:37Kompetenz die Lösung
- 22:39schon habe?
- 22:40Also das heißt, wenn ich alles habe,
- 22:42ich bilde alle richtig fort, ich
- 22:43mache das zum Pflichtteil, damit
- 22:44keiner mehr drumherum kommt, ich
- 22:46kriege es hin, dass alle keine 20
- 22:48Stunden TikTok mehr haben, sorry,
- 22:49dass wir dauernd wieder drauf zurückkommen,
- 22:51warum sollte ich dann noch eine
- 22:52Regulierung in der Form brauchen?
- 22:53Aus Schulleitungssicht ist es total
- 22:54sinnvoll, dass wir Grundregeln
- 22:56haben, wo man sagt, das ist erst mal
- 22:58die niederste Ebene, zum Beispiel
- 23:00von fünf bis zehn, keine Smartphones
- 23:01in den Pausen, das wäre für mich
- 23:03eine Grundregel, auf die sich aus
- 23:05meiner Sicht jede Schule einigen
- 23:07könnte.
- 23:08Und ich möchte das einmal kurz
- 23:09ergänzen oder einen Gedanken
- 23:10dahinter.
- 23:11Ich glaube, dass beides sich nicht
- 23:13ausschließt. Das heißt, wenn wir
- 23:15eine solche Grundregel schaffen und
- 23:16nicht mehr immer von Verbot oder so
- 23:17sprechen, sondern einfach das
- 23:18reguliert, das Handy ...
- 23:20In der Pause in der Tasche bleiben
- 23:21oder manchmal im Handy-Hotel oder
- 23:22negativer gesagt in der Handy-Garage
- 23:24wo auch immer.
- 23:25Und gleichzeitig die
- 23:26Präventionsangebote, die
- 23:27Ausbildungsangebote laufen,
- 23:29dann ist es eher die Akzeptanz,
- 23:31glaube ich, für so eine Regel.
- 23:32Warum geht ihr nicht nach vorne?
- 23:33Ist das nicht nachvollziehbar, wenn
- 23:35man das beides zusammen denkt, genau
- 23:36so? Ich finde, zum Beispiel sagt, in
- 23:38den Pausen lassen wir die Handys mal
- 23:39weg.. Nein, also ich checke schon,
- 23:41wo man da jetzt in die Richtung
- 23:42gehen möchte an der Stelle.
- 23:43Ich behalte es nur eben durch die
- 23:44Effektstärke, die dann erzielt wird,
- 23:46für nicht mehr notwendig.
- 23:47Wenn ich das alles andere
- 23:48hinbekommen habe, glaube ich,
- 23:50das kann ich jetzt nur vermuten,
- 23:51weil wir in dieser Utopie leider
- 23:53nicht so leben, dass wir
- 23:55es nicht mehr brauchen.
- 23:56Und was ist mit Suchtfaktor?
- 23:57Der Suchtfaktor hört ja nicht auf,
- 23:59wenn ich sage in der Pause nein,
- 24:00sondern es wird noch spannender.
- 24:02Dann ist direkt nach der Schule der
- 24:03erste Griff in die Hosentasche,
- 24:04jeder macht seine App auf, jeder
- 24:06schaut, was bei Brawl Stars abgeht
- 24:08und dann verstärke ich diesen
- 24:09Mechanismus. Ich mache es
- 24:10interessanter, ich fördere keine
- 24:12Kompetenz zur Selbstregulierung,
- 24:14weil wenn ich aus dem Auge aus dem
- 24:15Sinn habe, muss ich mich nicht
- 24:16selber damit auseinandersetzen und
- 24:18es verstärkt nicht den Gebrauch auch
- 24:20im privaten Bereich. Es gibt aber auch
- 24:21viele Schüler, die sagen, Gott sei
- 24:22Dank mir hat es geholfen, ich komme
- 24:23raus aus dieser Suchtnummer.
- 24:24Ja, aber um dann wieder 20 Stunden
- 24:26einzutauchen, offensichtlich.
- 24:27Ja, aber in der Schule ist mir das
- 24:29viel wichtiger. Also das muss man ja jetzt wirklich
- 24:29sagen. Jaja, klar. Aber was sagst
- 24:31du, Lena? In der Schule ist mir das
- 24:33viel wichtiger, weil damals war
- 24:35ich schon die ganze Zeit auch auf
- 24:36meinem Handy auf TikTok in der
- 24:38Schule und ich habe nichts im
- 24:40Unterricht mitbekommen.
- 24:40Und ich musste das halt alles zu
- 24:42Hause dann nacharbeiten.
- 24:47Und dann musste ich halt
- 24:49zweimal lernen.
- 24:50Und jetzt bin ich in der Schule
- 24:51konzentriert und danach vielleicht
- 24:52nicht. Aber dann brauche ich
- 24:54das nicht mehr so viel, wie ich
- 24:56es halt damals gebraucht habe.
- 24:58Also verstehst du was ich meine?Ja,
- 25:01checke ich, aber was
- 25:03sagt denn deine Lehrkraft dazu?
- 25:05Also es ist ja nicht so, dass wir
- 25:06ohne ein Verbot da sitzen,
- 25:08ach so, du spielst eine Runde
- 25:09Fortnite, viel Erfolg,
- 25:12viel Spaß. Poste doch noch einen
- 25:13TikTok. Mach einen Livestream.
- 25:15Das ist ja keine Realität, es ist
- 25:17ja nicht so, als würden wir im
- 25:18Unterricht sitzen und jeder spielt
- 25:19irgendwie was anderes.
- 25:20Du vielleicht nicht, aber wie ist
- 25:22das bei dir? Ja, doch,
- 25:24es war wirklich so, es hat also
- 25:25entweder mein Handy hinter dem
- 25:27iPad versteckt oder auf meinem iPad
- 25:29und jetzt ist es halt so, dass man
- 25:30das Handyverbot in den Schulen und
- 25:32mein iPad muss ich halt flachlegen,
- 25:33also ich habe gar nicht mehr die Möglichkeit
- 25:34und damals war das gar nicht so
- 25:36streng und da habe ich es
- 25:38halt auch immer.
- 25:39Nicht immer, aber oft... Du
- 25:40schränkst doch den Handy-Konsum
- 25:41deiner Tochter auch ein, glaube ich
- 25:42ne? Ich schränke den Handy-Konsum
- 25:44meiner Tochter ein, ja.
- 25:45So, weil du davon überzeugt bist,
- 25:46dass es für sie besser ist.
- 25:47Jetzt gibt es natürlich einige
- 25:49Eltern, und ich weiß wovon ich
- 25:51spreche, die selber,
- 25:53also restlos überfordert damit
- 25:54sind, ihren eigenen Handy-Konsum und
- 25:56den der Kinder einzuschränken, weil
- 25:57auch das ist ja eine technische
- 25:59Kompetenz erforderlich, die man
- 26:00erstmal haben muss.
- 26:01Auch für alle Eltern, die das
- 26:03vielleicht nicht können, die
- 26:03vielleicht sagen, hier ist dein Handy,
- 26:05alle haben ein Handy, okay, hast du
- 26:06auch ein Handy, ich weiß aber nicht,
- 26:07wie ich dich einschränken soll.
- 26:08Ist es da nicht viel schlauer, auch
- 26:10aus Lenas Sicht zu sagen, hey, hier
- 26:12ist Handyverbot?
- 26:13Auch für alle gleich vor allem.
- 26:15Ja, also ich bin ja nach
- 26:16wie vor sehr offen
- 26:19dafür, das zu diskutieren und
- 26:21ich glaube das was du gesagt hast,
- 26:22es geht vielleicht nicht um ein
- 26:23hartes Verbot, sondern darum was
- 26:25gibt es für Regeln,
- 26:27die gesamtheitlich in der Schule
- 26:28dienen, weil wenn ich ein
- 26:29Handyverbot habe, so deute ich das,
- 26:31darf ich das Handy nicht mitnehmen
- 26:32und das halte ich für falsch.
- 26:34Ja, bitte Niklas.
- 26:35Ich stimme dir komplett zu dabei,
- 26:38dass es generell, glaube ich, ein
- 26:39Problem ist, dass mittlerweile
- 26:40Erziehungsverantwortung sehr stark,
- 26:42vom Selbstverständnis her,
- 26:43ausgelagert wird an Institutionen
- 26:45wie Kita oder auch Schulen und
- 26:47ich glaube auch, dass da zu wenig
- 26:48Eltern in die Verantwortung genommen
- 26:50werden, weil ich sehe immer noch das
- 26:51als primäre Aufgabe der Eltern an,
- 26:52Erziehungsarbeit bei ihren Kindern
- 26:53zu leisten.
- 26:55Ich bin nach hinten gegangen.
- 26:56Ich kann den Gedanken nachvollziehen,
- 26:57dass man sagt, man kann natürlich
- 26:59nicht Lehrkräften alles aufladen,
- 27:00sondern Eltern müssen auch was
- 27:01übernehmen. Das stimmt auch zum
- 27:03Teil, dem würde ich jetzt nicht
- 27:04komplett entgegengehen.
- 27:05Aber es gibt eben auch Elternhäuser,
- 27:07die können das nicht.
- 27:09Und in dem Moment, in dem wir das
- 27:10als Schule, als gelernte,
- 27:12professionelle Institution nicht
- 27:13übernehmen, werfen wir die vor
- 27:15den Bus, die das nicht können.
- 27:17Aber ist dann nicht genau das
- 27:18Argument, was wir vorhin schon
- 27:19diskutiert hatten, dann doch
- 27:21tragend, sage ich mal?
- 27:23Weil es gibt ja genauso Eltern, die
- 27:24eben nicht so wie du als
- 27:27intellektuell gebildeter, technisch
- 27:29versierter Vater über Handykonsum
- 27:31sprechen können, Handykonsum
- 27:32einschränken.
- 27:33Und weil das eben nicht alle Eltern
- 27:34können, wäre es viel schlauer, die
- 27:35Schule würde das einfach für alle
- 27:37gleich behandeln. Ich glaube vor allem nicht
- 27:37mal, dass es eine Bildungsfrage ist.
- 27:39Also ich glaube... Es gibt genügend
- 27:40Leute, die hochgebildet sind
- 27:42und trotzdem ihren Kindern
- 27:43Smartphones in die Hand rücken.
- 27:45Aus welchen Gründen auch immer das
- 27:46so ist, aber es ist ja teilweise so.
- 27:48Manche Eltern kümmern sich darum und
- 27:50manche kümmern sich nicht darum,
- 27:51dann wär's doch schlauer in der
- 27:52Schule einheitliche Regeln zu haben.
- 27:53Ja, aber wenn ich in der Schule die
- 27:54einheitliche Regel habe, dann gilt
- 27:55sie ja zuhause eben nicht.
- 27:57Das heißt also, ich kann ja nicht
- 27:58für zuhause diese Regel erfinden.
- 28:00Ich kann aber die Kompetenz stärken,
- 28:02damit zuhause selbst regulierend
- 28:03umgegangen werden kann.
- 28:04Ich glaube, dass ganz viele Eltern,
- 28:05egal in welchem Bildungsgrad,
- 28:07überhaupt keine Aufklärung haben.
- 28:09Die glauben, Bildschirmzeit ist
- 28:10ausreichend für Schutz von
- 28:12meinen Kindern im Netz.
- 28:13Und die können auch in fünf Minuten
- 28:14unter die Räder kommen, bei all dem,
- 28:15was da unterwegs ist.
- 28:17Und ich würde eher, wenn wir die
- 28:19Verbotsdebatte weiterführen.
- 28:21A, das Wort Regel statt Verbot
- 28:22einsetzen wollen und B, Eltern
- 28:24genauso mit in die Pflicht nehmen.
- 28:25Ob sie einen Social-Media-Führerschein
- 28:27abgeben müssen bei der Anmeldung von
- 28:28ihrem Kind, ob sie es zur
- 28:29Steuererklärung abgeben müssen oder
- 28:31wo auch immer. Das heißt ich glaube,
- 28:33dieses Thema ist so umfassend auch
- 28:35für unser demokratisches
- 28:37Zusammensein, dass wir nichts
- 28:39davon auslassen dürfen und dass wir
- 28:40uns alle in die Pflicht nehmen
- 28:42müssen. Das heißt, am Ende des
- 28:43Tages, glaube ich, müssen wir Eltern
- 28:45auch zwingen, so schwer das ist,
- 28:47sich mit dieser Technologie und mit
- 28:48den Kindern auseinanderzusetzen.
- 28:50Wir sind kurz vor der
- 28:51Kompromissrunde.
- 28:52Ich glaube, vieles ist ausgetauscht
- 28:53worden. Ich hätte nur gerne mal, ich
- 28:55weiß nämlich, das Thema beschäftigt
- 28:56so viele.
- 28:58Mich hat es früher auch beschäftigt,
- 28:59aber nicht digital, sondern analog,
- 29:00das Thema Mobbing.
- 29:02Welche, ich will jetzt kein riesen
- 29:03Fass aufmachen, nur mal ein paar
- 29:04Erfahrungen abfragen, was ihr
- 29:06erlebt, digitales Mobbing,
- 29:08Klassenchats, Social Media und so
- 29:10weiter. Was hast du da erlebt?
- 29:12Also, ich hab tatsächlich nicht so
- 29:14viel dazu erlebt.
- 29:16Außer als ich jetzt zum Beispiel mit
- 29:17Social Media angefangen hab.
- 29:18Da wurde sich in meiner Schule immer
- 29:20sehr darüber lustig gemacht.
- 29:22Aber das lässt ja dann nach, umso
- 29:23mehr Erfolg du damit hast.
- 29:25Aber sonst habe ich Mobbing
- 29:26eigentlich bei mir nicht so wirklich
- 29:28erlebt. Aber das liegt glaube ich
- 29:30auch daran, dass wir ein sehr gutes
- 29:31Klassenklima hatten.
- 29:33Und auch wir uns alle super
- 29:34verstanden haben.
- 29:35Aber ich hab das auch schon auf
- 29:36Social Media schon oft erlebt.
- 29:38Storys wo dann in der Klassengruppe,
- 29:41sich über Leute lustig gemacht wurde
- 29:42oder Videos reingeschickt wurden
- 29:43oder Sticker.
- 29:44Also es gibt es auf jeden Fall
- 29:45schon. Maja? Also ich hab das Privileg, dass
- 29:48bei uns in der Schule auch
- 29:49Klassenchats, die schulisch sind,
- 29:52auch, also da wird auch
- 29:53nachgegangen, da werden auch
- 29:53Konsequenzen rausgezogen, aber
- 29:55weil ich auch auf dem Gymnasium gehe
- 29:57und man sich das einfach leisten
- 29:58kann, zeitlich beispielsweise,
- 30:00und ich kenne zum Beispiel von
- 30:02Hauptschulen, beispielsweise, die noch
- 30:03ein bisschen überlasteter in meiner
- 30:04Region sind, da gibt es gar
- 30:06keinen Platz mehr dafür.
- 30:07Also da muss man schon
- 30:09darüber sehen und da weiß ich nicht,
- 30:11inwiefern ein Handyverbot
- 30:13da irgendwie helfen sollte, außer
- 30:14dass man vielleicht auf dem Schulhof,
- 30:15wie du schon glaube ich, erwähnt
- 30:17hast.
- 30:18Die Wahrscheinlichkeit ist niedriger,
- 30:19dass auf einmal gefilmt wird, wenn
- 30:21irgendwas Peinliches passiert.
- 30:22Aber auch das kann man umgehen, auch
- 30:23da kann man ein Zweit-Handy
- 30:24mitnehmen und sich eventuell nicht
- 30:26erwischen lassen.
- 30:29Und da sehe ich das mit dem
- 30:29Handyverbot ist jetzt auch keine
- 30:30Lösung, wenn es überhaupt um Mobbing
- 30:32geht.
- 30:32Nico, wie groß ist denn das Problem?
- 30:35Also ich lese in der Studie
- 30:36irgendwie bis zu jeder fünfte
- 30:38Schüler Schülerin ist schon von
- 30:39digitalen Mobbing betroffen worden,
- 30:41im Klassenchat oder auf Social
- 30:42Media.
- 30:42Wie erlebst du das?
- 30:45Anekdotisch gesprochen, aus meiner
- 30:46Social-Media-Sprechstunde kriege ich
- 30:48natürlich jede Woche solche Fälle
- 30:49mit tatsächlich.
- 30:50Also wir sind eine große Schule, wir
- 30:51sind tausend Schülerinnen und
- 30:52Schüler ungefähr.
- 30:53Das heißt, da passiert schon
- 30:54ziemlich viel.
- 30:55Gleichzeitig muss man natürlich auch
- 30:57Studien betrachten, wie viel
- 30:58verbessert sich, wenn man ein
- 31:00Handyverbot an Schulen durchsetzt.
- 31:01Und das ist meistens eher eine
- 31:02geringe oder kaum Effektstärke.
- 31:04Das heißt also, wenn wir das angehen
- 31:06wollen, müssen wir andere Wege
- 31:08gehen. Vielleicht kann ich das noch
- 31:09kurz ergänzen, denn bei mir ist es
- 31:10ähnlich mit der Social-Media-Sprechstunde
- 31:12gewesen, dass das sind übrigens die
- 31:13Fälle, die ich mit nach Hause
- 31:14genommen habe. Das, was Kinder da
- 31:16schildern, mit welchen psychischen
- 31:19Befastheiten, sag ich es mal
- 31:20neutral, sie da unterwegs sind und
- 31:22wie lange sie oft Probleme haben und
- 31:23gemobbt werden oder auch
- 31:25sexuell erpresst werden zum Teil.
- 31:28Und wir haben Todesfälle auch in
- 31:29unserem Land gehabt, zuletzt in
- 31:30Hamburg im Frühjahr, dass sich ein
- 31:32Mädchen umgebracht hat von ...
- 31:35Nacktbilder sind rumgegangen und sie
- 31:36konnte es nicht aushalten und hat
- 31:37sich suizidiert und das sind Fälle,
- 31:39das musste ich Gott sei Dank nicht
- 31:40erleben, aber schon, dass Kinder
- 31:42sehr, sehr stark belastet sind und
- 31:43das macht mir Sorge.
- 31:44Das lösen wir nicht durch ein
- 31:45Handyverbot, mit Sicherheit nicht.
- 31:47Dieses Thema werden wir nicht
- 31:49sozusagen in den
- 31:51Griff bekommen, glaube ich, aber wir
- 31:52müssen für Kinder auch im Schutzraum
- 31:53Schule da sein.
- 31:54Das heißt, viel mehr Psychologen,
- 31:57viel mehr Schulsozialbearbeiter oder
- 31:58einfach Menschen mit einem Herz am
- 32:00rechten Fleck, die Zeit haben, wo
- 32:01Kinder hingehen können und sagen
- 32:02können, ich kann nicht mehr.
- 32:03Wenn diese Kinder weinend vor einem
- 32:04sitzen, dann ist einem jede Debatte
- 32:06egal. Hauptsache ist jemand da, der
- 32:07die Kinder endlich mal in den Arm
- 32:08nimmt.
- 32:09Ganz wichtig finde ich das, was
- 32:10gerade gesagt wurde.
- 32:11Und ich glaube, da ist auch ganz
- 32:12wichtig, und das finde ich sehr gut,
- 32:14dass du es gesagt hast, dass für
- 32:15dieses Thema ist das Verbot, das
- 32:16macht gar nichts. Nein.
- 32:18Beim Thema Mobbing, dann ist
- 32:20das Handy in der Schule nicht da.
- 32:21Danach kannst du trotzdem analoges
- 32:23und digitales Mobbing durchführen.
- 32:25Und du hast die Zahlen genannt, die
- 32:27sind recht hoch und deswegen 100%
- 32:29tige Zustimmung.
- 32:30Du hast viel mehr Personalleistungen
- 32:32die letztendlich reinkommen und da
- 32:33brauchen wir wieder Geld.
- 32:34Aber wir sind an einem Punkt
- 32:36angekommen, wo wir, glaube ich, A,
- 32:37schon relativ nah beieinander stehen
- 32:39und B, vielleicht noch näher
- 32:41zusammenkommen können.
- 32:42Geht mal in eurer Gruppe zusammen,
- 32:43steckt mal die Köpfe zusammen und
- 32:44formuliert einen Satz, womit ihr
- 32:46glaubt, die andere Seite näher an
- 32:47euch ranziehen zu können.
- 32:55Was glaubt ihr, wir können Team Grün
- 32:56und Team Gelb noch näher aufeinander
- 32:58zugehen? Schreibt es uns gerne in
- 33:00die Kommentare. Vielen Dank.
- 33:08Was sind eure Kompromissvorschläge?
- 33:09Team Grün, fängt einfach mal an.
- 33:11Wir sind dafür, dass die
- 33:12Regel überall in Deutschland gilt,
- 33:14dass Smartphones in der
- 33:15unterrichtsfreien Zeit, also in den
- 33:17Pausen und Freistunden nicht genutzt
- 33:19werden dürfen.
- 33:20Zusätzlich müssen aber auf jeden
- 33:21Fall die Medienkompetenzen gefördert
- 33:23werden.
- 33:25Und ich spul noch was Politisches
- 33:26rein, an der Stelle für mich
- 33:28selber zumindest, denn es
- 33:29geht um Geld, was dann gleichzeitig
- 33:31eingesetzt werden muss, um eben
- 33:33die Infrastruktur bereitzustellen,
- 33:35die ihr ja auch gefordert und hier
- 33:37umrissen habt. Also der Vorschlag
- 33:38lautet, wir wollen ein
- 33:40bundesweit flächendeckend gleiches
- 33:42Smartphoneverbot
- 33:44in der unterrichtsfreien Zeit,
- 33:45gekoppelt mit Prävention und
- 33:47Medienkompetenz und Geld für alle
- 33:48erforderlichen Maßnahmen von
- 33:50Lehrerfortbildung über Personal zur
- 33:52psychosozialen Begleitung der
- 33:53Kinder.
- 33:55Stimmt ihr zu?
- 33:56Schritt? Ja, nein?
- 33:57Zwei Drittel.
- 33:59Immerhin. Es war eine Linie.
- 34:02Zwei Drittel ein Ja.
- 34:03Im ersten Drittel kann ich mich
- 34:04pauschal nicht anschließen.
- 34:06Das ist so utopisch und traumhaft.
- 34:07Natürlich kann man da zustimmen,
- 34:09aber dann denke ich mir so, ja,
- 34:10okay, aber nach den Ferien
- 34:12ist es dann wahrscheinlich sowieso,
- 34:13die ganzen Probleme sind wieder da
- 34:15und es wird wahrscheinlich sogar für
- 34:16meine Kinder genau so sein in 20
- 34:18Jahren, also es ist
- 34:20schwierig zuzustimmen, weil es
- 34:22einfach so ein Idyllegedanke ist.
- 34:24Ihr dürft einen konkreteren oder
- 34:26noch weniger utopischen Gedanken
- 34:28formulieren, wenn ihr wollt?
- 34:28Wir sagen,
- 34:32dass wir absolut dafür sind, dass
- 34:33Schulen individuelle Regeln
- 34:34aufstellen sollen, die, wenn
- 34:36das von der Schule gewünscht ist,
- 34:38auch genauso aussehen können, wie
- 34:39die, die du gesagt hast.
- 34:40Wir aber nicht allen Schulen
- 34:42sozusagen überschlüpfen, das muss
- 34:43die Regel sein. Das heißt, wir sind
- 34:44für eine Regulierung.
- 34:45Wir sind aber vor allem dafür, dass
- 34:47diese Regulierung nicht den Schulen
- 34:48überlassen wird, sondern Gelder als
- 34:50auch personelle Ressourcen von
- 34:51Seiten der Regierung bereitgestellt
- 34:53werden.
- 34:54Geht ihr nach vorne, das ist
- 34:57zwar nicht genau das, was ihr
- 34:57wolltet, aber wir suchen ja
- 34:58Kompromisse und damit habt ihr die
- 35:00Leute nach vorne gezogen.
- 35:01Mensch, toll.
- 35:05Vielen, vielen Dank, dass ihr hier
- 35:06so engagiert diskutiert habt.
- 35:07Ich glaube, der ein oder die andere,
- 35:09die gerade zuschauen, werden sich
- 35:11denken, wow, ich bin eins schlauer
- 35:12geworden. Das ist Ziel dieser Übung,
- 35:14von daher ganz herzlichen Dank dafür
- 35:15und bitte immer dran denken, wir
- 35:17müssen alles erwarten, auch das
- 35:19Gute. Danke.
- 35:24Wenn euch 13 Fragen gefällt, dann
- 35:26könnt ihr hier unseren Kanal
- 35:27abonnieren. Hier oben gibt's ne
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