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Kai Felkendorff, PHZH, kommentiert Thesen zur schulischen Inklusion — Transcript

by Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik · 823 words · 153 segments · language en · Watch on YouTube

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  1. 0:02Für die Pädagogische Hochschule Zürich ist
  2. 0:04inklusive Bildung eine wichtige Antwort
  3. 0:07auf gesellschaftliche Diversität.
  4. 0:09Ein wichtiges Ziel: Die langfristige Inklusion
  5. 0:13mit verschiedenen Angeboten in Lehre
  6. 0:15und Forschung zu unterstützen.
  7. 0:17Kai Felkendorff leitet das Fachteam
  8. 0:20Inklusive Bildung und Sonderpädagogik.
  9. 0:23Im Gespräch mit Steff Aellig von der
  10. 0:25Wissenschaftskommunikation der HfH bezieht er
  11. 0:28Stellung zu zentralen Thesen rund um die
  12. 0:31schulische Inklusion.
  13. 0:42Stimmt eindeutig, das ist so.
  14. 0:44Das zeigen unzählige Studien.
  15. 0:46Und auch am Beispiel Verhaltensauffälliger
  16. 0:48ist es ja völlig unstrittig,
  17. 0:50dass Verhaltensauffällige sich besser entwickeln,
  18. 0:55wenn sie mit vielen Prosozialen zusammen sind.
  19. 0:58Das heisst aber eben noch nicht,
  20. 1:00dass sich daraus sozusagen konkludent
  21. 1:04ein harter Rechtsanspruch ergibt,
  22. 1:07der in jedem politischen Umfeld durchsetzbar wäre
  23. 1:11oder auch politisch mehrheitsfähig wäre
  24. 1:14und gesetzlich gewährt würde,
  25. 1:18nur mit anderen prosozialen Schüler:innen zusammen zu sein.
  26. 1:22Eben genau deswegen,
  27. 1:23weil die anderen ihre Rechte ja auch geltend machen.
  28. 1:29Und nicht nur die anderen,
  29. 1:30sondern auch deren Eltern zum Beispiel.
  30. 1:32Das ist wahr, aber es ist eben im
  31. 1:35politischen Rahmen komplizierter.
  32. 1:38Da ist ganz viel dazwischen.
  33. 1:40Also dass eine Aussage wissenschaftlich wahr ist,
  34. 1:43heisst noch lange nicht, dass sie politisch
  35. 1:46auch Umsetzung findet und von einer Mehrheit
  36. 1:50mitgetragen wird, mit allen Konsequenzen.
  37. 2:01Nein, dafür gibt es auch keine Belege,
  38. 2:05in dieser Globalität nicht.
  39. 2:09Es ist eben ein Problem, dass hier eine Kategorie
  40. 2:12wie sonderpädagogischer Förderbedarf
  41. 2:14verwendet wird.
  42. 2:15Der ist gar nicht das Entscheidende
  43. 2:16in der Förderklasseninitiative.
  44. 2:18Was ist das Entscheidende dann?
  45. 2:19Die Förderklasseninitiative argumentiert
  46. 2:21mit einem spezifischen Förderklassenbedarf,
  47. 2:24der viel schmaler konzipiert ist als
  48. 2:26sonderpädagogischer Förderbedarf.
  49. 2:29Sonderpädagogischer Förderbedarf
  50. 2:30umfasst ja auch Psychomotoriktherapien,
  51. 2:33Psychotherapien, Logopädie, wenn
  52. 2:35ein Kind einmal die Woche in die Logo geht und so weiter.
  53. 2:41Wir haben es hier eigentlich
  54. 2:42mit feineren Kategorien zu tun,
  55. 2:44als nur sonderpädagogischer Förderbedarf,
  56. 2:46nicht sonderpädagogischer Förderbedarf.
  57. 2:55Ja, das stimmt.
  58. 2:56Also, ich meine, die Frage ist,
  59. 2:58wo man sozusagen den Nullpunkt setzt, oder?
  60. 3:01Aber dass wir heute um die
  61. 3:0530 bis 40 sonderpädagogische Maßnahmen auf
  62. 3:08100 Primarschulkinder haben, ist eine ganze Menge.
  63. 3:11Das wird niemand bestreiten können.
  64. 3:13Selbst im hochschwelligen Förderbedarfsbereich,
  65. 3:18Förderstufe drei, hat sich im Kanton Zürich
  66. 3:21die Fallzahl verdoppelt
  67. 3:22in den letzten 15 Jahren, glaube ich, was es war.
  68. 3:26Also natürlich nimmt es zu.
  69. 3:28Dazu sind noch Nachteilsausgleiche gekommen.
  70. 3:32Wir haben es mit einer großen Ausweitung der
  71. 3:35Behinderungszone zu tun, so nenne ich das.
  72. 3:47Tendenziell stimmt das, aber da haben wir
  73. 3:50natürlich wieder das Kategorienproblem:
  74. 3:52Was ist sonderpädagogischer Förderbedarf?
  75. 3:54Das kann der Psychotherapiebedarf
  76. 3:55der Ritzerin sein oder ein Logo,
  77. 3:58ich will es nicht noch mal alles wiederholen.
  78. 4:01Also das ist so eine weite Kategorie,
  79. 4:03dass man da lieber genauer schauen müsste,
  80. 4:06wovon genau sprechen wir.
  81. 4:08Häufig wird damit was gemeint,
  82. 4:11also so bestimmte, ganz bestimmte Probleme,
  83. 4:13aber dann sollte man es auch so benennen,
  84. 4:15und nicht so eine breite Kategorie, wie
  85. 4:18sonderpädagogischen Förderbedarf verwenden, der
  86. 4:21tatsächlich irgendwie bei um die 40% liegt.
  87. 4:23Im Gymnasium gibt es das auch.
  88. 4:35Das stimmt sehr eindeutig.
  89. 4:37Da gibt es unzählige Studien.
  90. 4:40Ich glaube, es würde heute nicht mal mehr
  91. 4:42wahnsinnig viel Forschungsmittel dafür geben,
  92. 4:45weil das so abgegrast ist, diese Frage.
  93. 4:48Also wenn ich vor allem aus den untersten
  94. 4:52und auch stigmatisierten Abteilungen komme,
  95. 4:55dann habe ich viel schlechtere Startchancen.
  96. 4:57Welche wären das?
  97. 4:58Das sind Sonderschulen
  98. 4:59für Verhaltensauffällige. Ich verwende jetzt bewusst
  99. 5:02den Begriff Verhaltensauffälligkeiten, weil der auch
  100. 5:04in der öffentlichen Debatte verwendet wird.
  101. 5:06Diese Sonderschulen für Verhaltensauffällige
  102. 5:08heissen heute nicht mehr so,
  103. 5:09aber jeder weiss, was sie sind.
  104. 5:12Das sind die Randzonen und die
  105. 5:14stigmatisierten Randzonen des Bildungswesens.
  106. 5:16Früher gab es ganz viel Forschung zu den
  107. 5:18Kleinklassen für Lernbehinderte, das auch.
  108. 5:22Bestimmte andere Sonderschulen,
  109. 5:24aber auch andere Sonderschulen wiederum nicht.
  110. 5:27Also es ist was anderes, ob ich
  111. 5:28aus einem Sehbehinderten-Internat
  112. 5:31oder einem Gehörlosen-Internat komme,
  113. 5:37oder aus dem Verhaltensförderzentrum Regenbogen
  114. 5:40im Limmattal.
  115. 5:42Es gibt eine ganz brutale, harte
  116. 5:45Hierarchie im Bildungswesen.
  117. 5:47Wer aus bestimmten Abteilungen kommt,
  118. 5:49hat es schwerer.
  119. 6:00Es kommt darauf an,
  120. 6:02wie Wirksamkeit definiert wird.
  121. 6:06Für sie selber kann es im Einzelfall schon
  122. 6:10wirksam sein, aber die Befunde
  123. 6:12sind insgesamt eher ernüchternd.
  124. 6:14Es geht ja da häufig um die Anderen.
  125. 6:16Und nicht, in Wirklichkeit, um die
  126. 6:20bessere Entwicklung der Ausgesonderten.
  127. 6:24Wir haben es eben wieder mit
  128. 6:25kollidierenden Rechten zu tun.
  129. 6:26Also aus Sicht derjenigen,
  130. 6:28die während der in vier Wochen,
  131. 6:30während der Benny, der vorher am Ausflippen war,
  132. 6:34die ganze Zeit, aus ihrer Sicht, im Time-out ist,
  133. 6:37ist es eine wirksame Massnahme,
  134. 6:39weil der Benny gerade nicht da ist.
  135. 6:49Ja, selbstverständlich.
  136. 6:51Die Frage ist auch hier wieder:
  137. 6:53Welches Know-how? Welches gehört dazu?
  138. 6:56Ich will mal ein Beispiel machen.
  139. 6:58Wir haben an der PH den Standard
  140. 7:01«Gesundbleiben», also Belastungsmanagement.
  141. 7:05Und in der Förderklasseninitiative
  142. 7:08wird mit Überlastung argumentiert.
  143. 7:11Das heisst also auch das Know-how
  144. 7:14«Wie schütze ich mich vor Überlastungsgefühlen?»,
  145. 7:18würde sicher davor schützen, dass Lehrpersonen
  146. 7:23am Ende die ganze Inklusion ablehnen,
  147. 7:29weil sie aus ihrer Sicht
  148. 7:31zu einer Überlastung ihrer Tätigkeit führt.
  149. 7:34Aber dafür müssten auch die Hochschulen und die Politik
  150. 7:38den Lehrpersonen klar mitteilen:
  151. 7:42Zu eurem Know-how gehört es auch,
  152. 7:44dass ihr euch vor Überlastung schützt.
  153. 7:47Und zwar, indem ihr nicht immer perfekt unterrichtet.

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