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Flex: Die Marke aus Stuttgart, die zum deutschen Wort fürs Schleifen wurde und Geschichte schrieb — Transcript

by Markenruinen · 4,410 words · 805 segments · language en · Watch on YouTube

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  1. 0:00Es gibt ein deutsches Wort, das
  2. 0:02Millionen Menschen jeden Tag benutzen,
  3. 0:04ohne zu ahnen, dass sie damit den Namen
  4. 0:07einer Firma aussprechen. Das Wort heißt
  5. 0:10Flexen. Wer eine Wand aufschneidet, eine
  6. 0:13Fliese kürzt, eine Schweißnaht glättet
  7. 0:16oder einen rostigen Bolzen durchtrennt,
  8. 0:18der flext, so selbstverständlich, als
  9. 0:21hätte es dieses Wort schon immer
  10. 0:23gegeben. Doch Flexen ist kein
  11. 0:25gewöhnliches Verb. Es ist der Name einer
  12. 0:28kleinen Firma aus Stuttgart, die vor
  13. 0:30mehr als hundert Jahren ein Werkzeug
  14. 0:32erfand, das die Welt für immer verändern
  15. 0:35sollte, den handgeführten Schleifer, aus
  16. 0:38dem später der Winkelschleifer wurde,
  17. 0:41Flex, ein Name, so tief in die deutsche
  18. 0:44Sprache eingebrannt, dass kaum jemand
  19. 0:47ihn noch als Marke erkennt. ist der
  20. 0:50seltene, fast magische Fall, in dem ein
  21. 0:53Produkt so gut, so allgegenwärtig,
  22. 0:56so unentbehrlich wird, dass sein Name
  23. 0:59das Ding selbst ersetzt. Jeder
  24. 1:01Handwerker auf diesem Planeten hatte
  25. 1:03eine Flex schon in der Hand. Und doch
  26. 1:05kennt fast niemand die dramatische
  27. 1:07Geschichte der beiden Männer, die
  28. 1:09dahinter standen, die Geschichte einer
  29. 1:12Erfindung, die ganze Berufe umkrempelte
  30. 1:15und die Geschichte einer Marke, die
  31. 1:17zwischen den Giganten der
  32. 1:18Werkzeugindustrie beinahe verloren ging
  33. 1:21und am Ende in fremde Hände fiel. Dies
  34. 1:24ist die Geschichte von Flex, der Marke,
  35. 1:27die zum deutschen Wort fürs Schleifen
  36. 1:29wurde. Um zu verstehen, wie ein
  37. 1:31Firmenname zu einem Ferb werden kann,
  38. 1:34muss man zurück ins Stuttgart der frühen
  39. 1:3620er Jahre. Deutschland lag am Boden.
  40. 1:40Der Erste Weltkrieg war verloren. Die
  41. 1:42Wirtschaft ruiniert. Die Inflation fras
  42. 1:45sich durch das Ersparte ganzer
  43. 1:47Generationen. Und doch war gerade diese
  44. 1:50Zeit auch eine Zeit der Erfinder, der
  45. 1:52Tüftler, der kleinen Werkstätten, in
  46. 1:55denen Männer mit Öl an den Händen an
  47. 1:58einer besseren Zukunft schraubten.
  48. 2:00Stuttgart, das Herz des schwäbischen
  49. 2:03Erfindergeistes, war voll von solchen
  50. 2:05Werkstätten. Hier, wo schon Daimler das
  51. 2:08Automobil erdacht und Robert Bosch seine
  52. 2:11Zündkerzen zur Weltmarke gemacht hatte,
  53. 2:14wo der schwäbische Tüftlergeist geradezu
  54. 2:16in der Luft lag, taten sich im Jahr 1922
  55. 2:20zwei Männer zusammen, deren Namen heute
  56. 2:23fast niemand mehr kennt. Hermann
  57. 2:25Ackermann und Hermann Schmidt. Es war
  58. 2:28ein Landstrich, dessen Menschen
  59. 2:30sprichwörtlich waren für ihren Fleiß,
  60. 2:33ihre Sparsamkeit und ihre Fähigkeit aus
  61. 2:36wenig etwas Bleibendes zu schaffen. Wer
  62. 2:38hier eine Firma gründete, tat es nicht
  63. 2:41mit großen Worten, sondern mit einer
  64. 2:43guten Idee, geschickten Händen und der
  65. 2:46schwäbischen Beharlichkeit, nicht
  66. 2:48aufzugeben, ehe die Sache lief. Genau
  67. 2:51dieser Geist sollte über der neuen Firma
  68. 2:53stehen, bescheiden im Auftreten,
  69. 2:55kompromisslos in der Sache. Zwei
  70. 2:58Techniker, zwei Handwerker, zwei Träume,
  71. 3:01die eine gemeinsame Idee verband. Sie
  72. 3:03gründeten eine kleine Firma, schlicht
  73. 3:06nach ihren Nachnamen benannt und machten
  74. 3:08sich an ein Problem, das damals jede
  75. 3:10Werkstatt, jede Fabrik, jede Baustelle
  76. 3:13plagte. Denn das Schleifen von Metall,
  77. 3:16das Glätten von Kanten, das Entfernen
  78. 3:19von Rost und Grad war eine schwere,
  79. 3:22umständliche Arbeit. Es gab große
  80. 3:25feststehende Schleifmaschinen, massive
  81. 3:27Ungetüme, die fest im Boden verankert
  82. 3:30waren. Man musste das Werkstück zur
  83. 3:32Maschine bringen, nicht die Maschine zum
  84. 3:34Werkstück. Ein schweres Bauteil, ein
  85. 3:37verschweißter Träger, eine montierte
  86. 3:39Konstruktion. All das ließ sich nicht
  87. 3:42einfach zur Schleifscheibe tragen. Der
  88. 3:45Handwerker war gefesselt an den Standort
  89. 3:47seiner Maschine. Ackermann und Schmidt
  90. 3:49stellten sich eine einfache, aber
  91. 3:52revolutionäre Frage. Was, wenn man das
  92. 3:55Schleifen zum Werkstück bringen könnte?
  93. 3:57Was, wenn ein Mann die Kraft einer
  94. 4:00schweren Maschine in der eigenen Hand
  95. 4:01halten könnte? beweglich, frei, überall
  96. 4:05hin. Es war eine Idee, die verrückt
  97. 4:07klang in einer Zeit, in der
  98. 4:09Elektromotoren noch groß und schwer
  99. 4:11waren. Man muss sich die Werkstätten
  100. 4:13jener Jahre vorstellen. Öl und
  101. 4:16Metallstaub in der Luft, das Kreischen
  102. 4:18der Standschleifmaschinen,
  103. 4:20Männer in ledernen Schürzen, die schwere
  104. 4:22Werkstücke über den Boden zur Maschine
  105. 4:24wuchteten. Jede Bewegung kostete Kraft,
  106. 4:28jede Arbeit kostete Zeit. Und Zeit war
  107. 4:31in diesen mageren Jahren bares Geld, das
  108. 4:34kaum jemand hatte. Wer eine schnellere,
  109. 4:37leichtere Art zu arbeiten erfand, der
  110. 4:39schenkte dem Handwerker nicht nur
  111. 4:41Bequemlichkeit, sondern schlicht die
  112. 4:43Möglichkeit, mehr Aufträge zu schaffen
  113. 4:46und seine Familie zu ernähren. Genau
  114. 4:49hier setzten die beiden Tüftler an,
  115. 4:51getrieben nicht von großen Visionen,
  116. 4:54sondern von der ganz konkreten Not des
  117. 4:56Alltags. Doch die beiden Schwaben ließen
  118. 4:59nicht locker. In ihrer kleinen
  119. 5:01Stuttgarter Werkstatt zwischen
  120. 5:03Drehbänken und Pfeilen begannen sie an
  121. 5:05einer Lösung zu arbeiten, die nicht nur
  122. 5:07ihr eigenes Schicksal, sondern das
  123. 5:09Handwerk der ganzen Welt verändern
  124. 5:11sollte. Sie ahnten nicht, daß sie am
  125. 5:14Beginn einer Legende standen. Die
  126. 5:16Lösung, die Ackermann und Schmidt
  127. 5:17fanden, war so genial wie einfach, und
  128. 5:20sie steckt bis heute im Namen der Marke.
  129. 5:23Ihr Gedanke war, die Kraft des Motors
  130. 5:26nicht direkt auf die Schleifscheibe zu
  131. 5:28übertragen, sondern über eine biegsame
  132. 5:30Welle, eine flexible Verbindung, die
  133. 5:33sich krümmen und winden ließ wie ein
  134. 5:35Seil. Der Motor konnte schwer und
  135. 5:38stationär bleiben, doch am Ende der
  136. 5:40biegsamen Welle saß ein kleiner leichter
  137. 5:43Handgriff mit einem Schleifkopf, den der
  138. 5:46Handwerker frei bewegen konnte, in jede
  139. 5:49Ecke, um jede Kante, an jede noch so
  140. 5:51unzugängliche Stelle. Zum ersten Mal war
  141. 5:54das Schleifen nicht mehr an einen festen
  142. 5:56Ort gebunden. Zum ersten Mal führte die
  143. 5:59Hand des Menschen die rotierende Kraft
  144. 6:02nicht umgekehrt. Und aus dieser
  145. 6:04flexiblen Welle, aus diesem beweglichen,
  146. 6:07biegsamen Kern der Erfindung entstand
  147. 6:10der Name, der Geschichte schreiben
  148. 6:12sollte. Flex, kurz, prägnant,
  149. 6:17einprägsam.
  150. 6:19Ein Name, der genau das beschrieb, was
  151. 6:21die Maschine so besonders machte.
  152. 6:23ihre Beweglichkeit, ihre Flexibilität,
  153. 6:27ihre Freiheit. Die ersten Geräte waren
  154. 6:29noch klobig nach heutigen Maßstäben,
  155. 6:32doch für die Handwerker jener Zeit waren
  156. 6:34sie eine Offenbarung. Die biegsame Welle
  157. 6:37selbst war ein technisches Kunststück,
  158. 6:40ein Bündel aus mehreren Lagen federnden
  159. 6:42Stahrahts, das die Drehbewegung des
  160. 6:44Motors auch über Krümmungen hinweg
  161. 6:46übertrug, ohne zu brechen und ohne allzu
  162. 6:50viel Kraft zu verlieren. Was in der
  163. 6:52Zahnmedizin im Kleinen längst bekannt
  164. 6:54war, übertrugen Ackermann und Schmidt
  165. 6:57auf die grobe, kraftraubende Welt der
  166. 7:00Metallbearbeitung.
  167. 7:01Und sie dachten weiter. Verschiedene
  168. 7:04Schleifköpfe ließen sich an die Welle
  169. 7:05stecken für unterschiedliche Aufgaben,
  170. 7:08sodass aus einem Antrieb als ganzes
  171. 7:10System von Werkzeugen wurde. Das war der
  172. 7:13zweite geniale Gedanke, nicht nur ein
  173. 7:16einzelnes Gerät, sondern eine Plattform,
  174. 7:19die mitwuchs mit den Bedürfnissen der
  175. 7:22Kundschaft. Plötzlich konnte ein
  176. 7:24Schlosser einen verschweißen Rahmen
  177. 7:26glätten, ohne ihn zu zerlegen. Plötzlich
  178. 7:28konnte ein Monteur direkt an der
  179. 7:30Maschine arbeiten, an der er stand. Die
  180. 7:33Arbeit, die früher Stunden gedauert
  181. 7:35hatte, war in Minuten getan. Es sprach
  182. 7:38sich herum, wie es sich unter
  183. 7:40Handwerkern immer herumspricht, von
  184. 7:42Werkstatt zu Werkstatt, von Meister zu
  185. 7:45Geselle. Wer einmal mit einer Flex
  186. 7:47gearbeitet hatte, wollte nie wieder
  187. 7:49zurück zur alten schweren
  188. 7:51Standschleifmaschine. Die kleine
  189. 7:53Stuttgarter Firma Wuchs, langsam, aber
  190. 7:56stetig, getragen von der schlichten
  191. 7:58Tatsache, dass ihr Werkzeug einfach
  192. 8:01besser war, praktischer, näher am echten
  193. 8:04Bedürfnis des arbeitenden Menschen.
  194. 8:06und Schmidt hatten nicht nur eine
  195. 8:08Maschine gebaut, sie hatten das
  196. 8:10Verhältnis zwischen Mensch und Werkzeug
  197. 8:13neu erfunden und die biegsame Welle,
  198. 8:16dieser einfache technische Kniff war
  199. 8:19erst der Anfang, denn die eigentliche
  200. 8:21Revolution, jenes Werkzeug, das den
  201. 8:24Namen Flex unsterblich machen sollte,
  202. 8:27lag noch vor ihnen. Die biegsame Welle
  203. 8:29hatte das Schleifen befreit, doch die
  204. 8:32wahre Ikone, das Werkzeug, das jeder
  205. 8:35heute vor Augen hat, wenn er das Wort
  206. 8:37Flex hört, kam erst mit der
  207. 8:39Elektrifizierung.
  208. 8:41Mit der Zeit wurden Elektromotoren
  209. 8:43kleiner, leichter, stärker. Und was lag
  210. 8:46näher als den Motor gleich in die Hand
  211. 8:48des Handwerkers zu legen, direkt hinter
  212. 8:51die Schleifscheibe. So entstand jenes
  213. 8:53kompakte kraftvolle Werkzeug, das die
  214. 8:56Welt als Winkelschleifer kennen sollte.
  215. 8:59Ein Elektromotor in einem handlichen
  216. 9:01Gehäuse, an dessen Kopf im rechten
  217. 9:04Winkel eine rotierende Scheibe saß,
  218. 9:06klein genug, um es mit einer Hand zu
  219. 9:09führen, stark genug, um Stahl zu
  220. 9:11durchtrennen. Der Winkelschleifer war
  221. 9:13die vollendete Form jener Idee, mit der
  222. 9:16alles begonnen hatte. die Kraft einer
  223. 9:18Maschine gebändigt in der Hand eines
  224. 9:21Menschen und Flex war ganz vorne dabei
  225. 9:24als Pionier dieses Werkzeugs, das bald
  226. 9:27in keiner Werkstatt mehr fehlen durfte.
  227. 9:29Was diese Maschine so unwiderstehlich
  228. 9:31machte, war ihre Vielseitigkeit. Mit der
  229. 9:35richtigen Scheibe konnte sie schleifen,
  230. 9:37trennen, entrosten, entgraten, polieren.
  231. 9:42Für jede Aufgabe gab es das passende
  232. 9:44Blatt. Dünne Trennscheiben, die durch
  233. 9:46Stahl schnitten wie durch Butter, grobe
  234. 9:49Schrubscheiben, die Schweißnähte
  235. 9:51glätteten, Diamantscheiben [räuspern]
  236. 9:53für Stein und Beton, Fächerscheiben,
  237. 9:55Drahtbürsten, Polieraufsätze, einziges
  238. 9:59Werkzeug ersetzte ein halbes Dutzend
  239. 10:01anderer. Man musste nur die Scheibe
  240. 10:03wechseln. Und aus dem Trenngerät wurde
  241. 10:06ein Schleifgerät, aus dem Schleifgerät
  242. 10:09ein Polierer. Diese Wandelbarkeit machte
  243. 10:11die Flex zum wohl vielseitigsten
  244. 10:13Werkzeug. dass je in eine Werkzeugkiste
  245. 10:16pasß und erklärt, warum sie in so vielen
  246. 10:19verschiedenen Berufen zugleich
  247. 10:21unentbehrlich wurde. Der Schlosser
  248. 10:23brauchte sie, der Schweißer, der
  249. 10:25Metallbauer, der Fliesenleger, der
  250. 10:28Steinmetz, der Automechaniker. Auf dem
  251. 10:30Bau, in der Fabrik, in der kleinen
  252. 10:33Hinterhofwerkstatt.
  253. 10:35Überall fand der Winkelschleifer seinen
  254. 10:37Platz. Er war laut, er sprühte funken,
  255. 10:40er war gefährlich in ungeübten Händen,
  256. 10:42und genau das machte auch seinen rauen,
  257. 10:45ehrlichen Scharm aus. Der schrille,
  258. 10:47ansteigende Ton, mit dem die Scheibe auf
  259. 10:50Drehzahl kam, der Funkenregen, der bei
  260. 10:52jedem Schnitt in hohem Bogen durch die
  261. 10:54Werkstatt sprühte, der Geruch von heißem
  262. 10:57Metall, all gehörte zur Flex, wie zu
  263. 11:00keinem anderen Werkzeug. Wer damit
  264. 11:03umging, brauchte Respekt, ein sicheres
  265. 11:05Handgelenk und Erfahrung. Denn eine
  266. 11:07verkantete Scheibe konnte zurückschlagen
  267. 11:10und eine berstende Trendscheibe war eine
  268. 11:12ernste Gefahr. Doch gerade diese rohe
  269. 11:15Kraft, dieses Gefühl, eine kleine
  270. 11:18gebendigte Naturgewalt in der Hand zu
  271. 11:20führen, machte die Faszination aus, eine
  272. 11:23Flex zu beherrschen, sauber und sicher
  273. 11:26zu trennen, wo andere nur gerad und
  274. 11:28Funken produzierten. Das war ein Stück
  275. 11:30handwerklicher Stolz, den man sich
  276. 11:32erarbeiten musste. Eine Flex in der Hand
  277. 11:35zu halten, hieß echte Arbeit zu
  278. 11:37verrichten mit Kraft und Präzision. Kein
  279. 11:40anderes Elektrozeug verkörperte das
  280. 11:42Handwerk so sehr wie dieses. Und weil
  281. 11:45Flex den Winkelschleifer so früh, so
  282. 11:48konsequent und so gut baute,
  283. 11:50verschmolzen Marke und Produkte in den
  284. 11:52Köpfen der Menschen zu einer Einheit.
  285. 11:55Man kaufte keinen Winkelschleifer, man
  286. 11:57kaufte eine Flex. Man arbeitete nicht
  287. 12:00mit einem Trennschleifer, man arbeitete
  288. 12:02mit der Flex. Das kleine schwäbische
  289. 12:04Unternehmen hatte ein Werkzeug
  290. 12:06geschaffen, das so grundlegend, so
  291. 12:09unentbehrlich war, dass sein Name
  292. 12:11begann, sich von der Firma zu lösen und
  293. 12:13sein Eigenleben zu entwickeln. Ein
  294. 12:15Eigenleben, das bald jede Grenze
  295. 12:17sprengen sollte. Man kann die Bedeutung
  296. 12:19der Flex für das Handwerk kaum
  297. 12:21überschätzen. Vor ihr war vieles
  298. 12:24langsam, mühsam, an schwere Maschinen
  299. 12:26gebunden. Nach ihr war das Arbeiten mit
  300. 12:29Metall, Stein und Beton ein anderes
  301. 12:32geworden. Schneller, beweglicher,
  302. 12:35direkter. Der Winkelschleifer wurde zum
  303. 12:37verlängerten Arm des Handwerkers, zum
  304. 12:39Werkzeug, das man griff, wenn es hart
  305. 12:42auf hart kam. Auf den Baustellen des
  306. 12:44Wiederaufbaus nach dem Zweiten
  307. 12:46Weltkrieg, als ganz Deutschland aus
  308. 12:48Trümmern neu erst, war die Flex
  309. 12:51allgegenwärtig. Betonstahl wurde
  310. 12:53durchtrennt, Träger zugeschnitten, Rohre
  311. 12:57gekürzt, unzählige Male am Tag, auf
  312. 13:00tausenden Baustellen zugleich. Ohne
  313. 13:02dieses Werkzeug wäre der rasante
  314. 13:04Wiederaufbau kaum denkbar gewesen. In
  315. 13:07den Jahren des Wirtschaftswunders, als
  316. 13:09aus Trümmerfeldern binnen weniger Jahre
  317. 13:12moderne Städte, Fabriken und Autobahnen
  318. 13:15wuchsen, war das Land eine einzige
  319. 13:17gigantische Baustelle und über allem lag
  320. 13:21wie eine ständige Begleitmusik, das
  321. 13:23Kreischen der Trennscheiben, jeder
  322. 13:25Stahlträger, der verbaut wurde, jedes
  323. 13:28Geländer, jede Treppe, jede Rohrleitung
  324. 13:31ging irgendwann durch die Hände eines
  325. 13:33Mannes mit einer Flex. Das Werkzeug
  326. 13:36wuchs mit dem Wohlstand des Landes und
  327. 13:39der Wohlstand des Landes wuchs mit dem
  328. 13:41Werkzeug. Doch die Flex blieb nicht auf
  329. 13:43der Baustelle. Sie zog ein in die
  330. 13:45Fabrikhallen, wo sie im Karosseriebau,
  331. 13:48im Maschinenbau, im Schiffbau ihren
  332. 13:51festen Platz fand. Sie fand ihren Weg in
  333. 13:53die KFZ. Werkstätten, wo Mechaniker
  334. 13:57festgerostete Auspuffe und verzogene
  335. 14:00Bleche bearbeiteten. Sie landete beim
  336. 14:02Fliesenleger, der damit Steinzeug auf
  337. 14:04Maß brachte, beim Steinmetz, beim
  338. 14:07Gärtner, beim Zaunbauer und schließlich
  339. 14:10mit der Zeit fand sie ihren Weg auch in
  340. 14:12die Garagen und Keller der Privatleute,
  341. 14:15der Heimwerker, der Bastler. Jeder, der
  342. 14:18jemals etwas selbst repariert, gebaut
  343. 14:20oder zerlegt hat, kam irgendwann an den
  344. 14:23Punkt, an dem noch eines half. Die Flex.
  345. 14:26Sie war das Werkzeug für die groben,
  346. 14:28entscheidenden Momente, für den Schnitt,
  347. 14:31der sitzen musste, für die Kante, die
  348. 14:33weg musste, wenn eine festgerostete
  349. 14:35Schraube sich nicht mehr lösen ließ,
  350. 14:37wenn ein Schloss aufgeschnitten, ein
  351. 14:39verzogenes Blech getrennt, ein
  352. 14:42Betonpfeiler eingekürzt werden musste,
  353. 14:44dann kam der Moment, der Flex.
  354. 14:47Sie war die letzte Instanz, das
  355. 14:49Werkzeug, das dort ansetzte, wo Zange,
  356. 14:53Säge und Pfeile längst aufgegeben
  357. 14:55hatten. In diesem Sinne war sie nicht
  358. 14:57nur ein Gerät, sondern ein Versprechen,
  359. 15:00dass es fast nichts gab, das sich nicht
  360. 15:03doch noch bezwingen ließ, wenn man nur
  361. 15:05die richtige Scheibe aufsetzte und die
  362. 15:08Maschine hochdrehen ließ. Sie hatte
  363. 15:10etwas endgültiges, etwas
  364. 15:12Kompromissloses. Wo die Flex ansetzte,
  365. 15:15gab es kein zurück. Diese Allgegenwart,
  366. 15:18diese schiere Masse an Menschen, die
  367. 15:19tagtäglich mit einer Flex arbeiteten,
  368. 15:22schuf etwas, das keine Werbung der Welt
  369. 15:24hätte kaufen können. Eine Vertrautheit,
  370. 15:27eine Selbstverständlichkeit,
  371. 15:30eine emotionale Nähe zwischen dem
  372. 15:31Menschen und seinem Werkzeug. Die Flex
  373. 15:34war kein anonymes Gerät. Sie war ein
  374. 15:37Begleiter, ein verlässliches Stück
  375. 15:39Handwerk, das man kannte, dem man
  376. 15:41vertraute. Und aus dieser tiefen
  377. 15:43alltäglichen Vertrautheit herausgeschah
  378. 15:46etwas, das nur ganz ganz wenigen Marken
  379. 15:49in der Geschichte je gelungen ist. Es
  380. 15:51ist der Traum jeder Marke und zugleich
  381. 15:54ihr größtes Risiko, so berühmt zu
  382. 15:57werden, dass der eigene Name das Produkt
  383. 15:59selbst bezeichnet. Nur eine Handvoll
  384. 16:02Marken hat das je erreicht. Man sagt:
  385. 16:05"Tempo statt Papiertaschentuch, Tesa
  386. 16:08statt Klebeband, Cever statt
  387. 16:10Küchenrolle, Fönh statt Haartrockner."
  388. 16:13Sprachforscher nennen dieses Phänomen
  389. 16:16einen Gattungsnamen, der aus einer Marke
  390. 16:18entsteht. Ein Zeichen dafür, dass ein
  391. 16:21Produkt eine ganze Kategorie so
  392. 16:23vollständig geprägt hat, dass sein Name
  393. 16:26stellvertretend für alle steht. Es ist
  394. 16:28die höchste Auszeichnung, die der Markt
  395. 16:30zu vergeben hat und zugleich die
  396. 16:32trügerischste und man sagt Flex statt
  397. 16:35Winkelschleifer hinan geh und flexen
  398. 16:39statt schleifen oder trennen.
  399. 16:42Irgendwann, niemand kann genau sagen
  400. 16:44wann, hörte die Flex auf nur ein
  401. 16:46Markenname zu sein. Sie wurde zum Wort.
  402. 16:50Der Handwerker sagte nicht mehr, er
  403. 16:52schleife etwas mit dem Winkelschleifer.
  404. 16:54Er sagte, er flex eben schnell weg. Der
  405. 16:57Meister rief dem Lehrling zu, er solle
  406. 16:59die Flex holen und meinte irgendein
  407. 17:01Gerät dieser Art, egal von welchem
  408. 17:04Hersteller. Das Werb Flexen wanderte aus
  409. 17:07den Werkstätten hinaus in die
  410. 17:08Alltagssprache,
  411. 17:10tauchte in Baumärkten auf, in
  412. 17:12Anleitungen, in Gesprächen von Menschen,
  413. 17:15die noch nie in ihrem Leben von einer
  414. 17:17Firma namens Flex gehört hatten. Der
  415. 17:20Name hatte sich vollständig von seiner
  416. 17:22Herkunft gelöst. Für die Marke war das
  417. 17:24ein Triumph und eine Gefahr zugleich.
  418. 17:27Denn ein Markenname, der zum
  419. 17:29Gattungsbegriff wird, droht seinen
  420. 17:31rechtlichen Schutz zu verlieren. Wenn
  421. 17:33jeder jede beliebige Maschine eine Flex
  422. 17:36nennt, dann verwässert sich das, was die
  423. 17:39Marke eigentlich ausmacht. Ihre
  424. 17:41Einzigartigkeit,
  425. 17:43ihr Alleinstellungsmerkmal,
  426. 17:45das Unternehmen musste die Kämpfen, um
  427. 17:47seine Marke zu verteidigen, musste immer
  428. 17:49wieder darauf pochen, dass Flex eben
  429. 17:51nicht irgendein Winkelschleifer ist,
  430. 17:54sondern ein geschützter Name. Ihr Name.
  431. 17:56Es ist ein Kampf, den viele berühmte
  432. 17:59Marken führen mussten und den manche
  433. 18:01verloren haben. Wörter wie Grammophon
  434. 18:04oder Waschbenzin waren einst geschützte
  435. 18:06Marken, ehe sie zu bloßen
  436. 18:08Gattungsbegriffen zerfielen und ihren
  437. 18:10Eigentümern verloren gingen. Ein Name,
  438. 18:12den alle benutzen, gehört am Ende
  439. 18:14niemandem mehr. Flex musste also die
  440. 18:17schwierige Gradwanderung meistern.
  441. 18:19einerseits stolz auf die ungeheure
  442. 18:21Bekanntheit zu sein und andererseits
  443. 18:23juristisch wie ein Löwe darüber zu
  444. 18:26wachen, das aus dem berühmten Namen kein
  445. 18:28herrenloses aller Weltswort wurde. Es
  446. 18:31ist die bittere Ironie des ganz großen
  447. 18:33Erfolgs. Je berühmter der Name wurde,
  448. 18:36desto schwerer wurde es, ihn zu
  449. 18:38besitzen. Millionen Menschen benutzten
  450. 18:41das Wort und schenkten der Firma
  451. 18:43dahinter keinen einzigen Gedanken. Die
  452. 18:45kleine Stuttgarter Erfindung war zur
  453. 18:47Sprache geworden und doch drohte gerade
  454. 18:50in diesem Ruhma selbst unsichtbar zu
  455. 18:53werden, verschluckt von ihrem eigenen
  456. 18:55allzu großen Erfolg. Während das Wort
  457. 18:59Flexen unsterblich wurde, begann für die
  458. 19:01Marke Flex ein ganz anderer härterer
  459. 19:04Kampf. Denn während der Name Flex zum
  460. 19:07Allgemeinut wurde, veränderte sich die
  461. 19:09Welt der Elektowerzeuge dramatisch.
  462. 19:12Aus dem beschaulichen Markt der frühen
  463. 19:14Jahre, in dem findige Erfinder wie
  464. 19:17Ackermann und Schmidt die Regeln
  465. 19:18bestimmten, war ein gnadenloser globaler
  466. 19:21Wettbewerb geworden. Riesige Konzerne
  467. 19:24beherrschten nun das Feld. Da war Bosch,
  468. 19:27der schwäbische Nachbar aus Stuttgart,
  469. 19:29zu einem der größten Technologiekonzerne
  470. 19:31der Welt herangewachsen. Da war Metabo,
  471. 19:35da war Hilti aus Lichtenstein mit seinen
  472. 19:37leuchtend roten Maschinen und seinem
  473. 19:40legendären Direktvertrieb. Und aus
  474. 19:42Fernost drängten mächtige Hersteller wie
  475. 19:45Makita und Hitachi auf den Markt mit
  476. 19:48gewaltigen Stückzahlen und aggressiven
  477. 19:51Preisen. Diese Konzerne konnten
  478. 19:53Winkelschleifer in Millionen Auflage
  479. 19:55produzieren in Werken, die größer waren
  480. 19:58als die ganze Stadt in der Flex zu Hause
  481. 20:01war. Sie hatten die Mittel, um mit
  482. 20:03gewaltigen Werbebudgets die Regale der
  483. 20:06Baumärkte zu erobern und sie hatten die
  484. 20:08Größe, um jeden Preiskampf länger
  485. 20:10durchzuhalten als ein Spezialist. Für
  486. 20:13den Kunden im Baumarkt zählte oft nur
  487. 20:15eines. Der Preis auf dem Schild, dass
  488. 20:19die kleine Firma aus dem Schwabenland
  489. 20:21das Werkzeug überhaupt erst erfunden
  490. 20:23hatte, wusste dort kaum jemand. Und wen
  491. 20:26es wusste, den interessierte es beim
  492. 20:28Griff ins Regal meist wenig. In diesem
  493. 20:31Feld der Giganten war Flex plötzlich
  494. 20:33das, was es einst am Anfang gewesen war.
  495. 20:36Ein vergleichsweise kleiner Spezialist.
  496. 20:39Der Erfinder des Winkelschleifers musste
  497. 20:41nun mit Konzernen konkurrieren, die ein
  498. 20:43Vielfaches an Forschung, an Werbung, an
  499. 20:46Produktionskapazität
  500. 20:48aufbieten konnten. Die Giganten bauten
  501. 20:50längst ihre eigenen Winkelschleifer in
  502. 20:53allen Größen und Preisklassen und viele
  503. 20:56Kunden griffen zu den bekannten Namen
  504. 20:58der Großkonzerne oder zu den billigen
  505. 21:00Angeboten aus dem Baumarkt. Flex, der
  506. 21:03Pionier, der das Werkzeug einst erfunden
  507. 21:06hatte, drohte in der schieren Masse der
  508. 21:08Anbieter unterzugehen. Es ist eine
  509. 21:10grausame Wahrheit der Wirtschaft, dass
  510. 21:13der Erfinder einer Sache selten
  511. 21:14derjenige ist, der am meisten daran
  512. 21:17verdient. Wer die Idee hat, ist oft zu
  513. 21:20klein, um sie gegen die Großen zu
  514. 21:22verteidigen. Flex stand vor genau dieser
  515. 21:25Herausforderung.
  516. 21:26Wie überlebt ein kleiner
  517. 21:28traditionsreicher Spezialist in einer
  518. 21:31Welt, die von Milliarden Konzernen
  519. 21:33beherrscht wird? Die Antwort, die das
  520. 21:36Unternehmen fand, war zugleich seine
  521. 21:38Rettung und der Beginn einer neuen,
  522. 21:41unsicheren Zeit.
  523. 21:43Flex entschied sich nicht den
  524. 21:44billigsten, sondern den besten Weg zu
  525. 21:47gehen, sich nicht im Preiskampf mit den
  526. 21:49Massenherstellern zu verschleißen,
  527. 21:52sondern die Marke dorthinzuführen, wo
  528. 21:54ihre Geschichte sie hintrug. An die
  529. 21:56Spitze zum Profi, zum anspruchsvollsten
  530. 21:59Handwerker. Doch dieser Weg war schmal
  531. 22:03und die Kräfte, die an der kleinen
  532. 22:04schwäbischen Firma zerrten, waren
  533. 22:06gewaltig. Wer nicht der größte sein
  534. 22:09kann, muss der Beste sein. Das wurde zur
  535. 22:12Überlebensstrategie von Flex. Statt sich
  536. 22:15im ruinösen Preiskampf mit den
  537. 22:17Baumarktgeräten aufzureiben, besann sich
  538. 22:20das Unternehmen auf das, was es von
  539. 22:22Anfang an ausgezeichnet hatte.
  540. 22:24Kompromisslose Qualität, robuste
  541. 22:27Technik, Werkzeuge für Menschen, die ihr
  542. 22:29Handwerk ernst nehmen. Flex wurde zur
  543. 22:32Marke der Profis, der Handwerker, die
  544. 22:35sich auf Ihr Werkzeug verlassen müssen,
  545. 22:37weil ihr Lebensunterhalt davon abhängt.
  546. 22:39Wer den ganzen Tag, jeden Tag mit einem
  547. 22:43Winkelschleifer arbeitet, der greift
  548. 22:45nicht zum billigsten Gerät, das nach
  549. 22:47einem halben Jahr den Geist aufgibt. Er
  550. 22:50greift zu einer Maschine, die hält, die
  551. 22:53durchzieht, die auch nach 10 Jahren noch
  552. 22:55läuft. Genau diese Kundschaft eroberte
  553. 22:58sich Flex vom Firmensitz in Steinheim an
  554. 23:01der Mor, einem kleinen Ort in
  555. 23:03Badenwürtemberg. Ausbaute das
  556. 23:06Unternehmen weiter an seinem Ruf als
  557. 23:07Spezialist. Man entwickelte Werkzeuge,
  558. 23:10die andere nicht hatten, für den
  559. 23:12Trockenbau, für die Sanierung, für die
  560. 23:15Steinbearbeitung, für die
  561. 23:16Oberflächenbearbeitung,
  562. 23:18für Aufgaben, die spezielle Lösungen
  563. 23:20verlangten, wo die großen Hersteller die
  564. 23:23breite Masse bedienten, suchte Flex die
  565. 23:25anspruchsvollen Ränder, die
  566. 23:27Spezialdisziplinen, in denen es auf
  567. 23:29jedes Detail ankam, der Handwerker, der
  568. 23:33Betonsanierte, der Restaurator, der
  569. 23:36Natursteinbauer, der Profi im Metallbau.
  570. 23:39Sie fanden bei Flexmaschinen, die für
  571. 23:41genau ihre Arbeit gemacht waren,
  572. 23:44durchdacht bis ins Kleinste, robust bis
  573. 23:47an die Grenze des Machbaren. Diese
  574. 23:49Konzentration auf Qualität statt
  575. 23:52Quantität wurde zum Markenkern. Eine
  576. 23:55Flex kaufte man nicht, weil sie billig
  577. 23:57war. Man kaufte sie, weil man sich auf
  578. 23:59sie verlassen konnte. Tag für Tag, Jahr
  579. 24:03für Jahr. Flex wurde zum Namen für
  580. 24:05Nischen, in denen Qualität wichtiger war
  581. 24:08als der Preis und der Export trug die
  582. 24:10schwäbischen Maschinen in die ganze
  583. 24:12Welt. Wo immer anspruchsvoll gearbeitet
  584. 24:15wurde, fand sich eine Flex. In den
  585. 24:17Werkstätten Europas, auf den Baustellen
  586. 24:20ferner Länder, in den Händen von Profis,
  587. 24:22die den Namen vielleicht nicht einmal
  588. 24:24aussprechen konnten, verrichteten die
  589. 24:26Maschinen aus Steinheim ihren Dienst.
  590. 24:29Der Ruf, unverwüstlich und präzise zu
  591. 24:31sein, reiste ihnen voraus. Ein
  592. 24:34Handwerker, der auf Qualität setzte,
  593. 24:37erkannte eine gute Flex am Klang, am
  594. 24:39Gewicht, am Lauf der Maschine und blieb
  595. 24:42ihr oft ein Berufsleben lang treu. Diese
  596. 24:45stille Loyalität einer weltweiten
  597. 24:47Gemeinde von Fachleuten war das
  598. 24:49eigentliche Kapital der Marke wertvoller
  599. 24:52als jede Werbekampagne. Doch Loyalität
  600. 24:55allein füllt keine Kriegskasse. Das
  601. 24:57Unternehmen überlebte, wo viele andere
  602. 25:00kleine Hersteller längst von den
  603. 25:01Konzernen geschluckt oder vom Markt
  604. 25:04gedrängt worden waren. Es war ein
  605. 25:06stiller zäher Erfolg. Kein lauter Flex
  606. 25:10machte keine Schlagzeilen, es machte
  607. 25:12Werkzeuge, doch dieser Erfolg hatte
  608. 25:14seinen Preis. Ein Spezialist zu sein
  609. 25:17bedeutet klein zu bleiben und klein zu
  610. 25:20bleiben bedeutet verwundbar zu sein. In
  611. 25:23einer Welt, in der die großen Konzerne
  612. 25:25immer größer wurden, in der ganze
  613. 25:27Branchen sich in den Händen weniger
  614. 25:29Riesen konzentrierten, war ein
  615. 25:31unabhängiges Familienunternehmen
  616. 25:33mittlerer Größe eine seltene, fast schon
  617. 25:36anachronistische Erscheinung. Über der
  618. 25:38stolzen, traditionsreichen Marke aus dem
  619. 25:41Schwabenland begann eine Frage zu
  620. 25:43schweben, die früher oder später über
  621. 25:46jedem solchen Unternehmen aufzieht. Wie
  622. 25:49lange noch kann es allein bleiben? Wie
  623. 25:51lange, bevor eine größere Hand nach ihm
  624. 25:53greift? Die Geschichte mittelständischer
  625. 25:56Traditionsunternehmen
  626. 25:57im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert
  627. 26:02ist oft eine Geschichte des langsamen
  628. 26:04Verlusts der Unabhängigkeit.
  629. 26:06der globale Wettbewerb, der
  630. 26:08Kapitalbedarf für Forschung und
  631. 26:10Entwicklung, der Druck der
  632. 26:12Handelsketten, die immer größer und
  633. 26:14mächtiger wurden. All das machte es für
  634. 26:17ein Unternehmen wie Flex zunehmend
  635. 26:19schwer, aus eigener Kraft zu bestehen,
  636. 26:22um in der obersten Liga der
  637. 26:23Werkzeughersteller mitzuspielen,
  638. 26:25brauchte es Investitionen, die ein
  639. 26:27Betrieb dieser Größe kaum allein stemmen
  640. 26:30konnte. Es brauchte globale
  641. 26:31Vertriebsnetze. Es brauchte die
  642. 26:33Fähigkeit, in immer kürzeren Abständen
  643. 26:36neue Produkte zu entwickeln. Es brauchte
  644. 26:39den Sprung in die Welt der
  645. 26:40Akkuwerkzeuge, die die Branche gerade
  646. 26:43umzuwälzen begann, und all das brauchte
  647. 26:46schlicht Geld, sehr viel Geld. Ein
  648. 26:49mittelständischer Betrieb, so stolz und
  649. 26:52traditionsreich er auch sein mochte,
  650. 26:54konnte solche Summen kaum aus eigener
  651. 26:56Kraft aufbringen. Die Wahl war hart und
  652. 26:59für viele deutsche Familienunternehmen
  653. 27:01dieselbe.
  654. 27:03weder langsam zurückfallen und
  655. 27:05riskieren, von den Giganten überrollt zu
  656. 27:08werden oder sich einem größeren Partner
  657. 27:11anschließen, der das Kapital mitbrachte,
  658. 27:13das für die Zukunft nötig war, um den
  659. 27:16Preis der eigenen Unabhängigkeit und so
  660. 27:19geriet Flex, wie so viele deutsche
  661. 27:21Traditionsmarken, in den Sog einer
  662. 27:23Entwicklung, die weit über die kleine
  663. 27:26schwäbische Firma hinausging. Die Marke
  664. 27:28wechselte im Laufe der Jahre die
  665. 27:30Eigentümer, wurde Teil größerer
  666. 27:33Unternehmensverbünde, wurde
  667. 27:34umstrukturiert, neu ausgerichtet, wieder
  668. 27:37verkauft. Jedesmal ging es um dieselbe
  669. 27:40Grundfrage. Wie sichert man die Zukunft
  670. 27:43einer Marke, deren Name jeder kennt,
  671. 27:46deren Firma aber im Konzert der
  672. 27:48Milliardenkonzerne allein zu klein ist.
  673. 27:50Für die Menschen in Steinheim, für die
  674. 27:53Ingenieure und Arbeiter, die flex mit
  675. 27:55ihrem Können am Leben hielten, war das
  676. 27:57eine Zeit der Unsicherheit. Jeder
  677. 28:00Eigentümerwechsel brachte neue Chefs,
  678. 28:02neue Strategien, neue Fragen über
  679. 28:05Standorte und Arbeitsplätze. Man
  680. 28:07arbeitete weiter, entwickelte weiter,
  681. 28:10baute weiter die besten Winkelschleifer,
  682. 28:12die man konnte und wusste doch nie
  683. 28:14genau, wem die Früchte dieser Arbeit am
  684. 28:17Ende gehören würden. Es ist ein Gefühl,
  685. 28:20dass viele Beschäftigte deutscher
  686. 28:22Traditionsunternehmen
  687. 28:23in diesen Jahrzehnten teilten, stolz auf
  688. 28:26das Produkt, treu der Marke und zugleich
  689. 28:29ausgeliefert an Entscheidungen, die weit
  690. 28:31wegfielen, in Vorstandsetagen
  691. 28:34und Verhandlungsräumen, in denen es
  692. 28:36nicht um Werkzeuge ging, sondern um
  693. 28:39Zahlen. Die Traditionsmarke, der
  694. 28:41Erfinder des Winkelschleifers, das
  695. 28:44Unternehmen, dessen Name zum deutschen
  696. 28:46Wort fürs Schleifen geworden war. Es
  697. 28:48kämpfte nicht mehr nur um Marktanteile,
  698. 28:51sondern um seine eigene
  699. 28:52Selbstständigkeit,
  700. 28:54um seine Seele. Es ist das
  701. 28:55wiederkehrende Muster der deutschen
  702. 28:57Markengeschichte, ein Produkt, das
  703. 29:00Millionen lieben und benutzen. Eine
  704. 29:02Marke voller Geschichte und können. Ein
  705. 29:05Name, der ein Stück deutscher
  706. 29:06Alltagskultur geworden ist und doch
  707. 29:09hinter der vertrauten Fassade ein
  708. 29:11Unternehmen, das um sein Überleben
  709. 29:13ringt, das der unerbittlichen Logik des
  710. 29:16globalen Kapitals ausgeliefert ist und
  711. 29:19wie bei so vielen deutschen Marken vor
  712. 29:22ihr, endete auch der Weg von Flex
  713. 29:24schließlich dort, wo die großen Ströme
  714. 29:27des Weltmarkts hinführten, in fremden
  715. 29:29Händen. Im Jahr 2013 fiel die
  716. 29:32Entscheidung, die den Charakter der
  717. 29:34Marke Flex für immer verändern sollte.
  718. 29:36Das Unternehmen ging in den Besitz eines
  719. 29:39chinesischen Konzerns über, der
  720. 29:41aufstrebenden Chervonruppe aus Nanjink.
  721. 29:44Ein Stück schwäbischer
  722. 29:46Erfindergeschichte. Geboren 1922
  723. 29:50in einer kleinen Stuttgarter Werkstatt
  724. 29:52gehörte nun einem Weltkonzern aus
  725. 29:55Fernost. Es ist eine Wendung, die sich
  726. 29:57in diesen Jahren bei erstaunlich vielen
  727. 30:00deutschen Traditionsmarken wiederholte
  728. 30:02und sie trifft einen empfindlichen Nerv.
  729. 30:05Die deutsche Marke, das deutsche Können,
  730. 30:08die deutsche Geschichte verkauft an
  731. 30:11ausländische Eigentümer, weil die Kräfte
  732. 30:13des Weltmarkts so wollten. Für viele
  733. 30:16fühlte es sich an wie ein Verlust, wie
  734. 30:18das Ende einer Eha, in der deutsche
  735. 30:21Wertarbeit noch in deutscher Hand blieb.
  736. 30:24Und doch ist die Geschichte von Flex
  737. 30:27keine reine Verlustgeschichte,
  738. 30:29denn anders als so manche Marke, die
  739. 30:32nach dem Verkauf verblasste oder ganz
  740. 30:34verschwand, lebte flex weiter und in
  741. 30:37mancher Hinsicht sogar gestärkt. Der
  742. 30:40neue Eigentümer investierte, die Marke
  743. 30:43blieb im Premiumsegment,
  744. 30:45blieb der Name für professionelle
  745. 30:47hochwertige Elektzeuge. Mit dem Kapital
  746. 30:50aus Fernost konnte Flex endlich den
  747. 30:53Anschluss an die große Umwälzung der
  748. 30:55Branche halten. Die Welt der
  749. 30:57leistungsstarken Akkuwerkzeuge, die das
  750. 31:00Kabel nach und nach von der Baustelle
  751. 31:02verdrängten. Was als Verlust der
  752. 31:04deutschen Selbstständigkeit begann,
  753. 31:06sicherte paradoxerweise das Überleben
  754. 31:09der Marke in einer Zeit, in der ohne
  755. 31:11globale Größe kein Werkzeughersteller
  756. 31:14mehr bestehen konnte. Es ist die
  757. 31:16zwiespältige Wahrheit dieser
  758. 31:18Geschichten. Der Preis für das
  759. 31:20Weiterleben war die Unabhängigkeit.
  760. 31:23Und doch war es besser in fremder Hand
  761. 31:25weiterzuleben, als in stolzer Einsamkeit
  762. 31:28unterzugehen. Der Firmensitz in
  763. 31:31Steinheim an der Morr blieb bestehen.
  764. 31:34Die Entwicklung deutscher
  765. 31:35Ingenieurskunst ging weiter. Nun unter
  766. 31:38globalem Dach. Flex ist heute wieder
  767. 31:41das, was es immer sein wollte. Eine
  768. 31:44stolze Spezialistenmarke für die
  769. 31:46anspruchsvollsten Handwerker der Welt.
  770. 31:49Doch die eigentliche Ironie dieser
  771. 31:51Geschichte liegt woanders. Während sich
  772. 31:53in den Chefetagen die Eigentümer
  773. 31:55änderten, während die Marke gekauft und
  774. 31:58verkauft wurde, blieb draußen in den
  775. 32:01Werkstätten und auf den Baustellen alles
  776. 32:03beim Alten. Dort flexen die Menschen
  777. 32:06weiter, jeden Tag millionenfach, ganz
  778. 32:09gleich wem die Firma gerade gehört. Der
  779. 32:12Name Flex ist längst größer als das
  780. 32:15Unternehmen, das ihn trägt. Er hat sich
  781. 32:17in die Sprache eingebrannt,
  782. 32:19unauslöschlich, unabhängig von Besitzern
  783. 32:22und Bilanzen. Kein Wechsel im
  784. 32:24Handelsregister, kein neuer Eigentümer,
  785. 32:27keine Verlagerung von Kapital kann
  786. 32:30diesem Wort etwas anhaben, denn es lebt
  787. 32:32nicht in den Büchern einer Firma,
  788. 32:34sondern im Mund der Menschen. Solange
  789. 32:37irgendwo auf der Welt ein Funkenregen
  790. 32:39aus einer Trennscheibe sprüht, solange
  791. 32:42ein Meister seinem Lehrling zuruft, er
  792. 32:44solle das eben wegflexen. Solange lebt
  793. 32:47das Erbe jener zwei Männer aus Stuttgart
  794. 32:50weiter. Sie wollten nur die Arbeit ein
  795. 32:52wenig leichter machen. Am Ende schenkten
  796. 32:54sie der deutschen Sprache ein Wort und
  797. 32:57der Welt ein Werkzeug, das aus keiner
  798. 33:00Werkstatt mehr wegzudenken ist. Und so
  799. 33:02lebt das Erbe von Hermann Ackermann und
  800. 33:05Hermann Schmidt weiter nicht als
  801. 33:07Firmenlogo, sondern als ein Wort, das
  802. 33:10Millionen Menschen benutzen, ohne je zu
  803. 33:13wissen, dass sie damit zwei Stuttgarter
  804. 33:16erfindern ein tägliches unsterbliches
  805. 33:18Denkmal setzen. M.

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This page contains the full transcript of Flex: Die Marke aus Stuttgart, die zum deutschen Wort fürs Schleifen wurde und Geschichte schrieb by Markenruinen, generated from the public captions YouTube serves with the video. The transcript has 4,410 words across 805 segments, with the original timestamps preserved so you can click any line to jump to that moment in the embedded player.

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