Die unsichtbare Macht der Sprache – scobel — Transcript
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- 0:00Ich sage jetzt gleich ein einfaches
- 0:02Wort. Klaus kennt's schon und er
- 0:04zeichnet es schon mal. Hier kommt's.
- 0:07Achtung. Hammer. Noch mal. Hammer.
- 0:11Was ist gerade in eurem Gehirn passiert?
- 0:14Ihr habt nicht nur das Wort verstanden,
- 0:17sondern vermutlich ohne es zu merken,
- 0:19aber getriggert durch dieses eine Wort,
- 0:21auch euer prämotorisches Zentrum
- 0:23aktiviert, also den Bereich der Bewegung
- 0:26plant. Euer Gehirn hat euren Körper und
- 0:28damit euch selbst in einen
- 0:30hammerbereiten Zustand versetzt. Ihr
- 0:33seid neuronal vorbereitet worden, den
- 0:35Hammer aktiv, real und nicht nur verbal
- 0:38zu benutzen. Obwohl ihr wahrscheinlich
- 0:39gerade keinen Hammer zur Hand habt,
- 0:41würdet ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit
- 0:42dennoch auf Hammerkurs sein, wenn wir
- 0:44uns jetzt unterhalten würden. Worum
- 0:47geht's? Um das, was man Framing nennt.
- 0:54Skobel.
- 0:57über Denken, Demokratie und Framing.
- 1:02Das Rahmen eurer Zustände, eurer
- 1:04Denkweise durch Sprache oder
- 1:06Triggerworte. Gebraucht wird das in der
- 1:08Werbung, im Marketing, in der Politik,
- 1:09aber durchaus auch im privaten. Und was
- 1:12am kontroversesten daran ist, das
- 1:14Frameen eurer Handlung und eures
- 1:16Aktionsradius, denn der Hammertrigger
- 1:19hat euch bereit gemacht, bereits
- 1:20loszuhämmern.
- 1:23[Musik]
- 1:25Ein Experiment.
- 1:27Beginnen wir mit einem faszinierenden
- 1:29Experiment. Forscher gaben zwei Gruppen
- 1:32einen Text über John, der ein Vogelhaus
- 1:35reparieren wollte. In dem Text für die
- 1:36erste Gruppe kam dieser Satz vor. John
- 1:39wollte das Vogelhaus reparieren. Er
- 1:41schlug auf den Nagel, als sein Vater
- 1:43hinzukam. Der Text für die zweite Gruppe
- 1:45enthielt den folgenden Satz: John wollte
- 1:48das Vogelhaus reparieren. Er suchte den
- 1:50Nagel, als sein Vater hinzukam.
- 1:52Anschließend wurde wurden beide Gruppen
- 1:54gefragt, welche Wörter im Text vorkamen,
- 1:57verschiedene Wörter und so weiter. Unter
- 1:59anderem auch kam das Wort Hammer vor.
- 2:01Ergebnis: Nahzu alle aus der ersten
- 2:04Gruppe schworen, das Wort Hammer gelesen
- 2:07zu haben. Aus der zweiten Gruppe waren
- 2:09es nur 20%. Das Wort Hammer steht, wie
- 2:11ihr gehört habt, nirgendwo im Text, aber
- 2:14das Wort schlagen hatte in den Köpfen
- 2:17den kompletten Frame Schlagen Nagel,
- 2:20Hammer verwenden aktiviert. Und was
- 2:22bedeutet das? Ganz einfach, dieses
- 2:24Experiment und viele ähnliche belegen
- 2:27die Wirksamkeit von Begriffen. In der
- 2:29Psychologie, Kognitionsforschung und
- 2:31Informatik spricht man voned Cognition.
- 2:34Das bedeutet verkörperlichte
- 2:36Wahrnehmung. Unser Denken ist nicht
- 2:38abstrakt. Es ist immer auch physisch,
- 2:40körperlich, motorisch. Ein weiteres
- 2:42Beispiel sind Forschungen am Donders
- 2:45Institute for Brain Cognition and
- 2:46Behavior an der Universität Neimeren.
- 2:49Dort fand man heraus, was viele andere
- 2:51Experimente weltweit bestätigen. Es gibt
- 2:54eine direkte Beziehung zwischen der
- 2:55Verwendung von Begriffen und dem, was
- 2:57wir tun. Die Verwendung eines Begriffs
- 3:00kann einen direkten Effekt auf unser
- 3:02Motormodulatorisches
- 3:03System haben. Und noch was fand man
- 3:05heraus, Handlung und Sprache
- 3:07interagieren deshalb so leicht, weil die
- 3:09beiden Netzwerke im Gehirn, die jeweils
- 3:12Handlung und Sprache unterstützen,
- 3:14miteinander verbunden sind, gekoppelt
- 3:17sind und sich überlappen. So viiel kurz
- 3:18zu den neurobiologischen Grundlagen. Die
- 3:21Macht, die Sprache über uns vor allen
- 3:22Dingen aber auch über unser Handeln,
- 3:24unsere Gefühle, unsere Verfassung hat,
- 3:26ist weitaus größer als wir denken. Und
- 3:28diese Macht bezieht sich natürlich auch
- 3:30auf die inneren Wort und
- 3:32Gedankenkaskaden, die so mächtig sind,
- 3:34dass zu dass wir zu weilen aus ihrem Sog
- 3:36nicht mehr rausfinden. Und da meine ich
- 3:38das innere sprechen mit, also wenn wir
- 3:40vor uns hinenken.
- 3:43[Musik]
- 3:45Framing.
- 3:47Was ist nun ein Frame? Damit bezeichnet
- 3:50man den gedanklichen Deutungsrahmen,
- 3:53durch den wir neue Informationen oder
- 3:55auch Personen wahrnehmen. Und wie die
- 3:58neuen neurowissenschaftliche und
- 3:59psychologische Forschung gezeigt hat,
- 4:01nicht nur unser Denken, sondern auch
- 4:03unser Handeln. Tatsächlich hat diese
- 4:05Erkenntnis durchaus philosophische
- 4:06Wurzeln. Nicht nur in der Rhetorik, die
- 4:09es ja seit der Antike schon gibt,
- 4:10Rhetorikerinnen und Philosophinnen
- 4:13schritten zu Beginn der griechischen
- 4:15Philosophie und streiten zum Teil heute
- 4:17immer noch, welche Bedeutung bei dem
- 4:19Versuch andere Menschen vom eigenen
- 4:21Standpunkt zu überzeugen das gute
- 4:23Argument hat. Rhetorikerin
- 4:26versuchten das mit der Wirkung der
- 4:28Sprache damit zu überzeugen, statt mit
- 4:30Fakten und Argumenten. Aber kurz zu den
- 4:33philosophischen Wurzeln des Framings.
- 4:35Zum einen geschah zu Beginn des letzten
- 4:38Jahrhunderts eine tiefgreifende
- 4:40Revolution in der Philosophie. Das war
- 4:42der sogenannte Linguistic Turn. Mit
- 4:45einemm erkannten Denker wie z.B. Ludwig
- 4:47Witkenstein, welche Bedeutung die
- 4:49Sprache hat und was sie macht, was sie
- 4:52auch mit uns macht. Sprache ist ja nicht
- 4:53nur ein Werkzeug der Verständigung und
- 4:55des Verstehens. Sie kann uns im
- 4:57Gegenteil auch massiv täuschen und in
- 5:00Irre führen. Eine Reihe sogenannter
- 5:02philosophischer Probleme Sowitgenstein
- 5:05lassen sich auf die Verheung unseres
- 5:06Verstandes durch die Sprache
- 5:08zurückführen. Sprache ist keineswegs nur
- 5:10ein neutrales Medium, das wie das Wasser
- 5:13für den Fisch unsichtbar bleibt und im
- 5:15Grunde tatsächlich über nahezu 2000
- 5:17Jahre weitgehend unbeachtet geblieben
- 5:19war. Die Sprachphilosophinnen
- 5:22zu Beginn des letzten Jahrhunderts
- 5:23entdeckten mit einem Mal, dass und wie
- 5:25sehr Sprache unsere Realität tatsächlich
- 5:27formt. Dem Linguistic Turn schlossen
- 5:29sich dann eine Reihe weiterer Philosoph
- 5:31innen an. Zu ihnen gehörte unter anderem
- 5:33der britische Philosoph John Langshaw
- 5:36Austin, Professor für Moralphilosophie
- 5:38an der Universität Oxford, Berkley und
- 5:41Harvard. Dort hielt er 1955 Vorlesungen,
- 5:44die mit dem Titel "How to do Things with
- 5:47Words" weltweit vor Rore machten. Austin
- 5:49zeigte nämlich vereinfacht gesagt, was
- 5:52wie und wie sehr wir mit Worten handeln.
- 5:55Mehr noch manche unserer zutiefst
- 5:57menschlichen Handlungen sind nur
- 5:59überhaupt durch Sprache, durch
- 6:01Sprachhandlungen möglich. Sprache
- 6:04erschafft Realität. Ich vergebe dir.
- 6:06Dieser Satz ist die Vergebung, von der
- 6:08er spricht. Auch wenn ich in meinem
- 6:11Verhalten durchaus zeigen kann, dass ich
- 6:13jemanden vergeben habe, richtig klar
- 6:16wird es dem oder der Betroffenen. Erst
- 6:17wenn ich sage, ich verzeihe dir
- 6:19wirklich. Die Kirche macht übrigens in
- 6:22ihrem Bußritual seit über 2000 Jahren
- 6:24von dieser Ansicht Gebrauch. Ego Te
- 6:26Absolvo bedeutet übersetzt, ich spreche
- 6:29dich von deinen Sünden frei. Ein
- 6:30weiteres Beispiel: Ich liebe dich. Ich
- 6:33liebe euch alle, dich und dich und dich
- 6:35auch. Ich kann tausende Geschenke
- 6:36machen. Klar wird erst, dass es sich
- 6:38nicht um Bestechung, sondern tatsächlich
- 6:40um wahre Liebe handelt, wenn ich sage,
- 6:43ich liebe dich. Bei einer Eheschließung
- 6:45wird der juristische Akt der
- 6:46Eheschließung vollzogen durch den Satz:
- 6:48"Ich will diesen Mann, diese Frau und so
- 6:50weiter und so fort." Tatsächlich und so,
- 6:52ihr kennt das. Sprache programmiert also
- 6:54nicht nur unseren Körper, sie erschafft
- 6:56auch soziale Realität. Ein weiterer
- 6:58wichtiger Schritt bei der Erforschung
- 7:00der Wirkung von Sprache war die
- 7:02Neurolinguistik. und mit Blick auf das
- 7:05Frame die Forschung von George Lakov in
- 7:06Berkley. Sein Ziel rauszubekommen, wie
- 7:09Metaphern tatsächlich auf uns wirken.
- 7:12Einschließlich ihre Wirkung in der
- 7:13Politik. Anfang der 2000er Jahre beret
- 7:16Lekov dann tatsächlich die demokratische
- 7:17Partei Amerikas. Seine damalige
- 7:20Doktorandin Elisabeth Weling führte
- 7:23Lekows Ideen weiter und wurde damit in
- 7:25Deutschland bekannter als ihr
- 7:26Doktorvater. Dabei hatte Lekow
- 7:28entscheidend dazu beigetragen, zu
- 7:30klären, wie Sprache unser Denken prägt
- 7:32und unsere Gefühle beeinflusst. Sprache
- 7:35kommt auf leisen Sohlen ins Gehirn, wie
- 7:37Lekkof sagt. Im Alltag nehmen wir die
- 7:39Sprache und ihre Wirkung nur selten
- 7:41wahr. Lekov fand in neurolinguistischen
- 7:44Experimenten heraus, dass ich im Grunde
- 7:46alle Metaphern, die wir verwenden, auf
- 7:48körperliche Grundbefindlichkeiten
- 7:50beziehen. Beispielsweise ordnen wir die
- 7:52Welt gerne ein in unten wie Hölle und
- 7:56oben wie Himmel, der natürlich
- 7:58unerreichbar ist, weil viel weiter
- 7:59entfernt. Oder wir reden von vorne und
- 8:02hinten. Wir sagen z.B., dass die
- 8:04Vergangenheit hinter uns liegt und die
- 8:07Zukunft vor uns liegt. Warum eigentlich?
- 8:09Weil hinter dieser Zuordnung der Zeit
- 8:12eine weitere Zentralmapher steht und
- 8:14zwar die des Weges. Man lässt das, was
- 8:17man bereits bewältigt hat, hinter sich
- 8:21und bewegt sich auf etwas Neues zu. Den
- 8:24Rest des Weges, der sich vielleicht
- 8:26irgendwo da hinten in den Bergen
- 8:27verläuft, den man nicht sieht, aber
- 8:29trotzdem weiß, man hat ihn vor sich.
- 8:31Fast alle wichtigen Metapheren
- 8:33funktionieren auf dieser unbewussten
- 8:35körperlichen Ebene. Erkenntnis 2:
- 8:37Metaphorisches Denken ist physisch
- 8:39körperlich. Ja, und deshalb können sich
- 8:42Metaphern ins Gehirn schleichen, weil
- 8:44Gehirn und Körper aufs Ängste
- 8:46miteinander verbunden sind. Wenn ich
- 8:48vorne und hinten sage, dann habt ihr
- 8:50alle, ob ihr wollt oder nicht, eine
- 8:53Wirklichkeit vor Augen. Denn vorne sieht
- 8:55man und hinten sieht man nicht. Das ist
- 8:57der Frame. Hinten ist man blind. Lekow
- 9:00und sein Kollege Mark Johnson, ein
- 9:02Kognitionswissenschaftler, Linguist und
- 9:04Computerwissenschaftler, haben viele
- 9:06solcher extrem interessanten Beispiele
- 9:07zusammengetragen und analysiert. Dabei
- 9:09gibt es solche Kernmetapheren, wie z.B.
- 9:12die des Weges. Wir rekonstruieren in
- 9:14unserem Reden über Liebe oft diese Liebe
- 9:18imselben Rahmen des Weges bzw. der
- 9:20Reise. Beispiele: Schau doch, wie weit
- 9:23wir miteinander gekommen sind. Also, wir
- 9:25beide sind jetzt wirklich am Scheideweg.
- 9:27Wir müssen jetzt getrennte Wege gehen.
- 9:29Ich glaube, dass unsere Beziehung ans
- 9:30Ziel führt. Wir stecken fest, unsere
- 9:33Beziehung ist eine Sackgasse. Wir sind
- 9:35aufs falsche Gleis geraten. Oder der
- 9:38Titanic Frame. Schatz, wir sind auf
- 9:40Grund gelaufen. Prinzip klar: Der
- 9:42Mainframe, die Hauptrehmung geschieht
- 9:44entlang der Metapher vom Weg und Reise
- 9:47und die bestimmt unser reden über Liebe.
- 9:51[Musik]
- 9:53Frame und Politik.
- 9:55Laker und Johnson fanden aber noch
- 9:57weitaus mehr heraus. Z.B. zeigt ihre
- 9:59Analyse der amerikanischen Politik, dass
- 10:01die Republikaner ihre Vorstellungen von
- 10:03Staat und Gesellschaft immer wieder auf
- 10:05den Frame der Familie mit strengem Vater
- 10:08zurückführen. Was macht so ein strenger
- 10:10Law and Order Papa? Er bestimmt, schreit
- 10:13rum, befiehlt, bestraft und zwar hart.
- 10:17Es so ein richtiges Trump Tier. Ein
- 10:19Grund für die Verwendung dieses Frames
- 10:21könnte darin liegen, dass Familie für
- 10:23die meisten Amerikaner in der
- 10:24Pionierphase der Besiedlung Amerikas bei
- 10:27weitem der engste und auch
- 10:29verlässlichste Bezugskreis war und
- 10:31natürlich das ganze Machokultur. Daher
- 10:33nutzten auch die Demokraten Familie als
- 10:36Frame, aber mehr im Sinne von Schutz und
- 10:39nicht als Bereich für Anwendung strenger
- 10:42Law and Order Prinzipien. Ihnen geht es
- 10:44sozusagen mehr um die Kinder, die
- 10:46beschützt werden, als den Vater, der
- 10:48befiehlt. Und sie betonen statt Top Down
- 10:52die freie eben demokratische Entfaltung.
- 10:55Dabei sollten die guten Eltern, also in
- 10:57der Regel ja Dad and Mom, gerne helfen,
- 10:59aber nicht befehlen. Demokraten sind aus
- 11:01diesem Grund auch für eine strenge
- 11:03Umweltpolitik, denn die gute Umwelt
- 11:06schützt ja die Familie. Bei den
- 11:08Republikanern behindert die Umwelt
- 11:10dagegen das Durchregieren des Vaters,
- 11:12der sich an so einem Scheiß wie Umwelt
- 11:13nicht stören lassen will. Demokraten
- 11:16sind auch für die freie Eheschließung,
- 11:17denn liebe Kinder haben, ob sie nun
- 11:19queer sind oder nicht, das Recht, sich
- 11:22frei zu entfalten. Ihr seht, man kann
- 11:24ein und denselben Frame benutzen, in dem
- 11:26Fall Familie und dabei doch sehr
- 11:28unterschiedliche Aspekte betonen.
- 11:30Politische Verwirrung entsteht dann,
- 11:32wenn die Frames in den einzelnen
- 11:33Parteien nicht mehr klar sind. Heute
- 11:36haben wir es mit einer gewollten
- 11:38Pluralität zu tun. Und genau von dieser
- 11:40Freiheit, die negativ geframed
- 11:42durcheinander und Chaos bedeutet dann
- 11:45profitieren radikale Parteien wie die
- 11:47AfD mit ihren Metaphern von Volk,
- 11:50Nation, Rasse suggerieren sie eine
- 11:53kuschelige Einheit der gleichen und
- 11:55Gleichgesinden, die aber in der Realität
- 11:57so gar nicht existiert. Habt ihr schon
- 11:59mal eine Nation gesehen irgendwo in der
- 12:01Stadt? Im Grunde könnte man sagen, all
- 12:03das ist nichts anderes als ein
- 12:05aufgeblähtes Egoismusmärchen.
- 12:09[Musik]
- 12:11Frames in der deutschen Politik.
- 12:14Und jetzt wird's brisant. Denkt an den
- 12:16von Politikerinnen,
- 12:18insbesondere von rechts, so geschätzten
- 12:21und beliebten Satz: "Das Boot ist voll."
- 12:23Es macht einen erheblichen Unterschied,
- 12:25ob ich sage, das Boot ist voll oder "Das
- 12:28Schiff ist voll." Merkt ihr es? Ein
- 12:31Schiff ist eher groß und kann wie ein
- 12:33Frachtschiff oder auch ein
- 12:34Passagierschiff bei Bedarf gemietet
- 12:36werden. Ist zum Vergnügen da. Ja, es
- 12:38gibt Luxusschiffe. Ein Boot, z.B. ein
- 12:40Segel oder Ruderboot, ist klein,
- 12:43kipplig, unsicher. Ein Passagierschiff
- 12:45hingegen groß, stabil, hochseetauglich.
- 12:48Der Frame Boot aktiviert
- 12:50Bedrohungsängste.
- 12:52Der Frame Schiff würde Möglichkeiten
- 12:54eröffnen. Z.B. Passen da mehr Leute
- 12:57drauf, aber niemand sagt: "Hey, die
- 12:59Yacht ist voll." Warum? Könnt ihr euch
- 13:01wahrscheinlich denken. Anderes Beispiel:
- 13:03Stellt euch ein Diagramm mit einer
- 13:06steigenden Kurve vor. Darüber steht dann
- 13:09Deutschlands Staatsausgaben explodieren.
- 13:12Ganz anders, wenn über derselben Kurve
- 13:15zu lesen wäre. Deutschland investiert
- 13:17immer mehr in die Zukunft. dasselbe
- 13:19Budget, derselbe Betrag, dieselbe Kurve,
- 13:22aber ein anderes Framing und schon
- 13:24reagiert das Gehirn völlig anders.
- 13:26Neurowissenschaftlich betrachtet
- 13:27aktivieren die jeweiligen Frames
- 13:29spezifische neuronale Netzwerke in
- 13:31unserem Gehirn. Das Wort explodieren
- 13:34feuert Bedrohungszentren an, aktiviert
- 13:37Stresshormone, investieren hingegen
- 13:39stimuliert Bereiche, die mit Wachstum,
- 13:41Zukunft, Innovation assoziiert sind.
- 13:43Erinnert ihr euch an die große Debatte
- 13:46um die Energiewende versus diese
- 13:49Ökodiktatur von linksgrün versifften
- 13:52Menschen? Beide Begriffe beschreiben
- 13:55dasselbe Problem, dass wir übrigens auch
- 13:57gemeinsam lösen müssen, aber sie
- 14:00aktivieren komplett verschiedene mentale
- 14:02Welten. Energiewende framte den
- 14:05Atomausstieg
- 14:06als Form eines modernisierten Wandels
- 14:09und in gewisser Weise sogar als
- 14:10innovatives deutsches Vorzeigemodell.
- 14:13Ökodiktatur hingegen aktiviert Gefühle
- 14:16von Zwang, Bevormundung, Verlust, Wahl
- 14:18der Wahlfreiheit. Ähnliches mit Blick
- 14:21auf die Coronapandemie. Es machte eben
- 14:23einen Unterschied, ob bei einer Maßnahme
- 14:25von Lockdown gesprochen wurde oder von
- 14:28einem Wellenbrecher oder von einer
- 14:31Pandemieuse.
- 14:33Die Regierung experimentierte ganz
- 14:35bewusst mit verschiedenen solcher
- 14:36Frames, weil sie merkte, oh oh, das Wort
- 14:39Lockdown löst bei vielen Menschen
- 14:41Gefängnisoziationen aus. Dummerweise
- 14:43wirken Frames, auch wenn sie bewusst von
- 14:46Think Tanks erfunden werden. Nicht nur
- 14:48bewusst, sondern vor allem eben
- 14:50unbewusst und sie wirken immer
- 14:51körperlich. Das lässt sich wirklich sehr
- 14:53gut mit optischen Täuschungen
- 14:55vergleichen. Selbst wenn wir wissen,
- 14:58dass die beiden Striche hier gleich lang
- 15:00sind, wir haben es nachgemessen, sehen
- 15:02sie trotzdem nicht gleich lang aus. Und
- 15:05auch hier die roten Striche links sind
- 15:09gleich lang. kann man nachmessen.
- 15:11Trotzdem sehen jetzt anders aus. Und
- 15:14genau bei solchen Realitätsverbiegungen
- 15:16und Täuschung durch Sprache setzen
- 15:19verschiedene Mechanismen die mentale
- 15:21Manipulation in Gang. Während der
- 15:22deutschen Migrationsdebatte konnte man
- 15:24den politischen Framingkrieg übrigens
- 15:26auch ein Frame, ich weiß Krieg Framing
- 15:28Krieg in Echtzeit miterleben. Da war und
- 15:31da ist zu weil noch die Rede von
- 15:33Wirtschaftsmigranten versus
- 15:35Arbeitssuchenden von Abschiebungen
- 15:38versus Rückführung. oder von
- 15:40Asyltourismus
- 15:42oder Sekundärmigration. Jeder dieser
- 15:45Begriffe aktiviert andere neuronale Fade
- 15:48und damit auch Gefühle und das ist jetzt
- 15:50wirklich entscheidend bestimmte
- 15:52Handlungsoptionen. Frames begrenzen oder
- 15:55öffnen solche Optionen uns zu verhalten.
- 15:58Also Wirtschaftsmigrant z.B. suggeriert:
- 16:01"Boah, das sind Leute mit kalter
- 16:03Berechnung und man grenzt sich davon
- 16:06ab." Asyltourismus impliziert
- 16:08Missbrauch. und reduziert das Thema
- 16:10Flucht vor einem Krieg beispielsweise
- 16:12wie in Syrien oder Afghan Afghanistan
- 16:15zum reinen Freizeitvergnügen.
- 16:17Arbeitssuchender löst vielleicht
- 16:19Mitgefühl menschliche Hoffnung aus, denn
- 16:22suchende Menschen sind Menschen, die
- 16:23noch nicht am Ziel sind, sie irren
- 16:25irgendwie umher und das motorische
- 16:28System bereitet uns in dem Moment vor.
- 16:30Vor dem geistigen Augen sehen wir dann
- 16:32vielleicht jemanden, der oder die einen
- 16:34Weg sucht. Handlungsoption. Wir können
- 16:37diese Person den Weg zeigen, aber das
- 16:39war's dann auch anders, wenn wir
- 16:41deutlich machen, worum es im konkreten
- 16:43Fall geht. Wenn wir z.B. von Verfolgten
- 16:45sprechen, dann assoziieren wir Menschen,
- 16:48die Krieg, vol, Folter, Hunger erlebt
- 16:50haben. Und damit aktiviert unser Gehirn
- 16:53wieder ganz andere Handlungsmuster, die
- 16:55beispielsweise Mitmenschlichkeit,
- 16:57Empathie oder die Bereitschaft
- 16:58verstärken, Schutz und Hilfestellung zu
- 17:00geben. Perf daran ist, dass wir
- 17:02automatisch, sobald ein bestimmter Frame
- 17:04etabliert ist, alle neuen Informationen
- 17:08durch diesen Rahmen hindurch filtern.
- 17:10Die Ankerbegriffe setzen also den
- 17:12Rahmen, indem wir dann alles, was uns
- 17:14begegnet, was wir wahrnehmen, was wir
- 17:16fühlen, empfinden, einordnen.
- 17:18Bestätigende Fakten werden verstärkt,
- 17:20wahrgenommen. Widersprechende Fakten,
- 17:22die sind ja außerhalb des Rahmens,
- 17:24abgeschwächt oder ignoriert. Aufheben
- 17:26können wir diese Wirkung nur, indem wir
- 17:28nachdenken und langsam statt impulsiv
- 17:30denken fühlen und handeln. Denn Frames
- 17:32bestimmen ja nicht nur, was wir denken,
- 17:34sie begrenzen auch, was wir als
- 17:37Handlungsmöglichkeiten überhaupt
- 17:38wahrnehmen können. Wer in einem
- 17:39begrifflichen Frame gefangen ist, kommt
- 17:42gar nicht darauf, dass es auch ganz
- 17:43andere Handlungsmöglichkeiten gibt. So
- 17:46sagte der ehemalige
- 17:47Verfassungsschutzchef Hans Georg Maren
- 17:49über die Seenotrettung. Lassen Sie sich
- 17:51nicht einreden, dass es sich um
- 17:53Seenotrettung handelt. Diese Migranten
- 17:56sind keine Schiffsbrüchigen. Sie haben
- 17:58als einwanderungswillige Ausländer die
- 18:01Schleuserbote bestiegen, um von einem
- 18:03Shuttleervice nach Europa gebracht zu
- 18:07werden. Analysieren wir diesen Frame.
- 18:09Shuttleervice, einwanderungswillige
- 18:12Ausländer suggerieren einen bequemen
- 18:16geplanten etablierten Transportweg.
- 18:18Einreden aktiviert hingegen Misstrauen
- 18:21gegenüber der eigenen Wahrnehmung. Fakt
- 18:24ist, wenn Menschen wohl gemerkt,
- 18:26irgendein Mensch, egal wer auf dem
- 18:29Mittelmeer zu ertrinken droht, ist das
- 18:32Seenot. Und egal, wer im Boot oder
- 18:35Schiff oder der Yach vorher saß, eine
- 18:38solche verpflichtende Rettung in dem
- 18:41Fall ist keine Frage der Politik,
- 18:44sondern eine Frage des Menschenrechts
- 18:46und seiner Anwendung. Massen schiebt
- 18:48durch seinen Film dieses juristisch und
- 18:50ethisch gebote gebotene Handeln einfach
- 18:52beiseite und es geht ja nur noch um
- 18:54sowas wie Reisen und Freizeitaktivitäten
- 18:57kann man unterstützen, muss man aber
- 18:59nicht. Selbst wenn jemand aus purer Lust
- 19:01und Laune in den Reinspringen würde und
- 19:04dann dummerweise zu ertrinken droht. Wir
- 19:06müssten diese Person retten, wenn wir
- 19:09können, etwa, wenn wir zufällig in einem
- 19:11Boot sitzen und bei dieser Aktion nicht
- 19:13selber unser Leben riskieren müssen.
- 19:15Alles andere wäre nicht nur, sondern ist
- 19:18strafbare, unterlassene Hilfeleistung.
- 19:22[Musik]
- 19:25Fazit:
- 19:27Frames sind nicht böse. Wir wir brauchen
- 19:30sie und gehbrauchen sie, um die komplexe
- 19:32Welt um uns herum und in uns selber zu
- 19:34verstehen, aber wir müssen sie uns
- 19:37bewusst machen. Und dafür gibt's
- 19:39mindestens mal drei konkrete Strategien.
- 19:42Erstens, der Körpercheck. Achtet auf
- 19:44eure unmittelbaren körperlichen
- 19:46Reaktionen. Normalerweise tun wir das
- 19:48nicht, sondern fühlen uns vielleicht nur
- 19:50einen plötzlich aufgetauchten Gefühl
- 19:52gegenüber ausgeliefert, ohne genau zu
- 19:54wissen, wo das herkommt. Wenn jemand
- 19:56Wirtschaftsflüchtling sagt, welche
- 19:58Muskeln spannen sich an, welche
- 19:59Handlungsimpulse entstehen, euer Körper
- 20:02ist der beste Frame Detetector.
- 20:04Zweitens, macht euch die Metaphernjagd
- 20:06bewusst. Fast alles, was wir sagen und
- 20:09denken, wird von Metaphern zumindest
- 20:11mitbestimmt. Denkt an die Hauptmetapher.
- 20:13weg. Die Wirtschaft brummt, der
- 20:15Arbeitsmarkt ist angespannt, die
- 20:17Gesellschaft driftet auseinander. Jede
- 20:20Metapher aktiviert spezifische
- 20:21Handlungsoptionen, Gefühle und Gedanken
- 20:23und blendet dadurch andere aus.
- 20:25Drittens, reframen, statt Framen. Habt
- 20:29den Mut gegen eure eigenes Denken und
- 20:31Fühlen anzugehen und probiert immer
- 20:34wieder bewusst andere Frames aus. Ich
- 20:37gebe zu, dazu braucht man ein wenig
- 20:38Fantasie. Man muss out of the box denken
- 20:41und manchmal muss man den Mut haben,
- 20:42tatsächlich anders zu denken. Wie wäre
- 20:44es, wenn wir z.B. statt Flüchtlingskrise
- 20:47zu denken oder zu sagen z.B. von
- 20:50menschlicher oder humanitärer
- 20:52Herausforderung sprechen? Klar ist, wer
- 20:54bewusst bestimmte Frames einsetzt, trägt
- 20:56auch damit eine ethische Verantwortung,
- 20:58denn es geht ja um Ethik, denn es
- 21:00handelt sich um tatsächliches Verhalten,
- 21:02weil Framing unsere Handlungen bestimmt
- 21:05und Verhalten vorprogrammieren kann. Vor
- 21:07allem, wenn Framing kollektiv gebraucht
- 21:10wird, um eine bestimmte Denkweise, z.B.
- 21:12parteipolitisch zu verankern. Framing
- 21:14ist ein äußerst mächtiges Werkzeug. Es
- 21:17kann aufklären, aber auch manipulieren,
- 21:20vereinen, aber auch spalten. Die Frage
- 21:22ist nicht, ob wir framen. Das tun wir
- 21:24notgedrungen, sobald wir von Metaphern
- 21:26und Embodied Cognition, also
- 21:28verkörperlicher Erkenntnis Gebrauch
- 21:30machen und das machen wir unweigerlich.
- 21:32Die Frage ist, wie framen wir
- 21:34verantwortlich und wie wehren wir uns
- 21:36gegen Frames, die sich dann auf leisen
- 21:38Sohlen nicht nur in unsere Gehirne und
- 21:40Körper schleichen, sondern uns auch in
- 21:43unserem Menschsein beeinflussen? Wir
- 21:45sprechen häufig von politischen Kämpfen,
- 21:47von Meinungskriegen,
- 21:50von Lagern. Diese Kampfmapern aktivieren
- 21:54Aggression, Feindschaft und suggerieren,
- 21:57dass es nur entweder oder Sieg oder
- 21:59Niederlage gäbe. Politik ist aber kein
- 22:01Nullsummenspiel, sondern gelebte Kunst
- 22:04der Kooperation. Was wäre, wenn wir
- 22:06nicht von Kampf der Anschauung in der
- 22:08Arena der Demokratie sprechen, sondern
- 22:11Demokratie z.B. als kollektive
- 22:13Intelligenzframe, als System, das
- 22:16verschiedene Frameektiven nutzt,
- 22:18Stichwort Pluralität, um blinde Flecken
- 22:21zu erkennen. Vielfalt erscheint da nicht
- 22:23automatisch als Bedrohung, sondern
- 22:26Vielfalt erscheint als Weg zum
- 22:29Erkenntnisgewinn. In gewisser Weise
- 22:30hängt die Zukunft, in die wir uns
- 22:33bewegen und die wir aktiv gestalten von
- 22:35unserem Framebwusstsein ab. Denn hinter
- 22:37jedem Framing stehen Absichten, aber
- 22:39auch menschliche Bedürfnisse,
- 22:40berechtigte Sorgen oder Hoffnung. Das
- 22:42sollten wir nicht aus Acht lassen. Wenn
- 22:44wir lernen, Frames also bewusst zu
- 22:46erkennen und zu übersetzen, statt sie
- 22:48sofort zu bekämpfen, können wir daraus
- 22:50lernen. Die Frage lautet: Warum wurde
- 22:53dies so gesagt? Und welche
- 22:55Handlungsmöglichkeiten aktiviert dieser
- 22:58Frame und welche blendet er aus? Sprache
- 23:01hat sehr, sehr eng mit unserem
- 23:03Menschsein zu tun. Wir können
- 23:05entscheiden, wie wir sprechen und
- 23:07Sprache von einem Manipulationswerkzeug
- 23:11in ein Verständigungsinstrument
- 23:14verwandeln. Kommende Woche gibt's das
- 23:16nächste Thema. Euer Abo hilft uns
- 23:19buchstäblich Kräfte zu sammeln und eine
- 23:22bewusste und neugierige Community
- 23:24wachsen zu lassen. Insofern danke fürs
- 23:27Abonnieren und tschüss.
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