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Die Psychologie von Menschen, die groß träumen, aber nichts tun (+ Lösung) — Transcript

by Simon Josef Eckert · 2,827 words · 471 segments · language de · Watch on YouTube

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  1. 0:00Vielleicht kennst du jemanden, der seit
  2. 0:01Jahren diesen ambitionierten Traum hat
  3. 0:03oder vielleicht bist du selbst dieser
  4. 0:05Mensch. Das Buch, das irgendwann
  5. 0:06geschrieben wird, das Startup, das
  6. 0:07gegründet wird, sobald der richtige
  7. 0:09Moment da ist. Und beim ersten Erzählen,
  8. 0:10da klingt das spannend, aber beim
  9. 0:12fünften Mal fällt auf, dass ich kaum
  10. 0:14etwas vorwärts bewegt. Kein erstes
  11. 0:15Kapitel, kein Prototyp, kein einziger
  12. 0:18Kunde. Und das Seltsame ist, der Traum
  13. 0:20selbst verändert sich nicht. Er wird
  14. 0:22nicht kleiner, nicht realistischer und
  15. 0:24nicht konkreter. Er bleibt einfach da,
  16. 0:26perfekt, glänzend und unerreicht. Dabei
  17. 0:29hat dieser Mensch eigentlich das
  18. 0:31gemacht, was ihm jeder geraten hat. Und
  19. 0:33diesen Rat kennst du wahrscheinlich.
  20. 0:35Dream Big, träume groß. Das steht auf
  21. 0:37Postern, in Büchern und in jedem zweiten
  22. 0:40desto größer der Antrieb, so zumindest
  23. 0:42die Idee. Und meistens
  24. 0:46kommt gleich noch der zweite Tipp
  25. 0:47hinterher, nämlich stell dir das Ziel so
  26. 0:49lebendig wie möglich vor. Spür schon mal
  27. 0:52rein, wie es sich anfühlt, wenn du es
  28. 0:54geschafft hast. Aber was wenn ein großer
  29. 0:56Traum für deine Psyche gar kein Antrieb
  30. 0:58ist, sondern eine Bremse? Und zwar nicht
  31. 1:00nur an einer Stelle, sondern an
  32. 1:01mehreren. Die erste Bremse, die greift
  33. 1:04ausgerechnet schon bei diesem zweiten
  34. 1:06Tipp, also in dem Moment, in dem du
  35. 1:08träumst. Die Psychologin Gabriele
  36. 1:10Oettingen von der New York University
  37. 1:12erforscht seit über 30 Jahren, was
  38. 1:14positive Zukunftsfantasien mit uns
  39. 1:16machen. Und ihre Ergebnisse
  40. 1:18widersprechen ziemlich direkt dem, was
  41. 1:20auf diesen Postern über das Ausmalen und
  42. 1:22Visualisieren steht. In einer ihrer
  43. 1:24Studien hat sie Frauen bei einem
  44. 1:25Abnehmprogramm begleitet. Die Frauen,
  45. 1:27die sich ihren Erfolg besonders positiv
  46. 1:29ausgemalt haben, also schlank am Strand,
  47. 1:31bewunderte Blicke, haben nach einem Jahr
  48. 1:33im Schnitt rund 11 Kilo weniger
  49. 1:35abgenommen als die, deren Fantasien
  50. 1:37nicht rein positiv waren, die also auch
  51. 1:39Versuchungen und Rückschläge sich
  52. 1:40ausgemalt haben. Bei
  53. 1:42Hochschulabsolventen hat sie etwas
  54. 1:43Ähnliches gefunden. Wer sich den
  55. 1:45Berufseinstieg besonders positiv
  56. 1:47ausgemalt hat, hat zwei Jahre später
  57. 1:49weniger Jobangebote bekommen und weniger
  58. 1:51verdient. Und jetzt denkst du dir
  59. 1:52vielleicht, Moment mal, positives Denken
  60. 1:55und schaden? Nicht ganz. Das Problem ist
  61. 1:57nicht das positive Denken an sich. Es
  62. 1:59geht darum, was dieser Tagtraum bei dir
  63. 2:01auslöst. Zusammen mit ihrer Kollegin
  64. 2:03Heather Kappes hat sie Teilnehmer
  65. 2:04gebeten, sich eine ideale Zukunft
  66. 2:06auszumalen und dabei etwas
  67. 2:08Faszinierendes gemessen. Der Blutdruck
  68. 2:10dieser Teilnehmer sank. Der Blutdruck
  69. 2:12ist hier ein Marker für Energie, also
  70. 2:14dafür, wie sehr der Körper sich bereit
  71. 2:16macht, etwas anzupacken. Und genau diese
  72. 2:18Energie fällt ab. Dein Körper entspannt
  73. 2:21sich, als wäre das Ziel schon erreicht.
  74. 2:23Die Befriedigung kommt vor
  75. 2:26In einer weiteren Studie haben die
  76. 2:27Teilnehmer nach so einer Fantasie in der
  77. 2:29Woche danach weniger von ihren Zielen
  78. 2:31geschafft. Und Oettingen hat noch etwas
  79. 2:33gefunden. Menschen mit besonders
  80. 2:35positiven Zukunftsfantasien hatten
  81. 2:37kurzfristig weniger depressive Symptome,
  82. 2:40einige Monate später aber mehr. Der
  83. 2:42Traum kann also wie eine Art
  84. 2:44Beruhigungsmittel wirken. Er nimmt dir
  85. 2:45unangenehme Gefühle für den Moment, ohne
  86. 2:48dass sich an deiner Situation etwas
  87. 2:49ändert. Ich persönlich stell mir das so
  88. 2:51vor, und das ist jetzt ein Bild und kein
  89. 2:53gemessenes Ergebnis. Neben dem
  90. 2:55glänzenden Traum wirkt die Realität
  91. 2:57ziemlich blass. Der Montagmorgen, das
  92. 2:59leere Dokument, die unbeantworteten
  93. 3:01Mails, da ist es verlockend, immer öfter
  94. 3:03in den Traum zurückzukehren, anstatt
  95. 3:06anzufangen. Der große Traum gibt dir
  96. 3:08positive Emotionen, entspannt dich, aber
  97. 3:10erweckt keinen Tatendrang. Der Traum
  98. 3:13gibt dir aber nicht nur ein Gefühl,
  99. 3:14sondern auch ein Bild von dir selbst.
  100. 3:17Wenn du lange genug davon träumst, ein
  101. 3:18Buch zu schreiben, dann ist das
  102. 3:20irgendwann nicht nur ein Projekt, es
  103. 3:21wird ein Teil davon, wie du dich selbst
  104. 3:24siehst. Dann bist du nicht einfach nur
  105. 3:25jemand, der im Büro sitzt, sondern
  106. 3:27jemand, in dem eigentlich ein Autor
  107. 3:29steckt, oder ein Gründer. Der Traum
  108. 3:31beschreibt nicht nur einfach ein
  109. 3:32Projekt, sondern deine Persönlichkeit.
  110. 3:35Und diese Persönlichkeit ist besonders.
  111. 3:37Sie gibt dir das Gefühl, dass in dir
  112. 3:38mehr steckt, als man von außen sieht.
  113. 3:41Und das ist ein zutiefst menschliches
  114. 3:42Bedürfnis. Wir wollen uns bedeutsam
  115. 3:44fühlen. Wir wollen jemand sein. Das
  116. 3:46Problem ist nur, dass dieses Träumen
  117. 3:48dieses Bedürfnis schon ein Stück weit
  118. 3:50erfüllt, bevor irgendetwas passiert. Und
  119. 3:52das vor allem dann, wenn andere von
  120. 3:54diesem Traum erfahren. Peter Gollwitzer
  121. 3:56hat das untersucht, z.B. bei
  122. 3:58Jura-Studierenden, die unbedingt gute
  123. 4:00Juristen werden wollten. In einer
  124. 4:02Bedingung wurde ihr Vorhaben von anderen
  125. 4:04zur Kenntnis genommen, in der anderen
  126. 4:06blieb es privat. Die Erwartung wäre hier
  127. 4:08ganz klar, wer sein Ziel öffentlich
  128. 4:10macht, fühlt sich stärker verpflichtet
  129. 4:12und strengt sich mehr an. Aber die
  130. 4:14Realität war genau umgekehrt. Die
  131. 4:15Teilnehmer, deren Vorhaben bemerkt
  132. 4:18wurde, haben danach weniger Zeit in die
  133. 4:20entsprechenden Aufgaben investiert.
  134. 4:22Warum? Weil die Anerkennung sich
  135. 4:23anfühlt, als wärst du schon ein Stück
  136. 4:25weit dieser Mensch. Das Ziel, ich bin
  137. 4:28Jurist, fühlt sich teilweise erfüllt an,
  138. 4:30ohne dass du gelernt hast. Heißt, jedes
  139. 4:33Mal, wenn du vom Startup erzählst, jedes
  140. 4:34Mal, wenn jemand sagt, "Wow, cool!",
  141. 4:37dann bekommst du schon ein Stück das
  142. 4:38Gefühl, der Gründer zu sein. Das Reden
  143. 4:40wird zum Ersatz für das Tun. Und das
  144. 4:43bringt mich zu einer Frage, die mich bei
  145. 4:44diesem Thema besonders beschäftigt hat.
  146. 4:46Nämlich, was, wenn so ein großer Traum
  147. 4:48oft gar nicht dafür da ist, umgesetzt zu
  148. 4:49werden? Aber vorher ganz kurz, falls du
  149. 4:52das Video bis hierhin spannend findest,
  150. 4:53dann lass gerne einen Daumen nach oben
  151. 4:54da und lass ein Abo da. Das hilft mir zu
  152. 4:56verstehen, welche Inhalte du gerne
  153. 4:58siehst. Und jetzt zu dem Teil, der für
  154. 5:00mich mit der spannendste ist. Wenn der
  155. 5:01Traum Teil von dir geworden ist, dann
  156. 5:03wird Handeln womöglich sogar gefährlich.
  157. 5:06Nimm das Buch vom Anfang. Da ist jemand,
  158. 5:08der seit Jahren das Bild in sich trägt,
  159. 5:10ein brillanter Autor zu sein. Und
  160. 5:12irgendwann setzt er sich abends hin und
  161. 5:14schreibt die erste Seite. Und sie ist
  162. 5:16mittelmäßig, vielleicht sogar schlecht.
  163. 5:19Und das ist völlig normal, jede erste
  164. 5:21Seite ist schlecht. Aber in diesem
  165. 5:22Moment passiert etwas Bedrohliches. Die
  166. 5:24Lücke zwischen seinem Selbstbild und
  167. 5:26seinem tatsächlichen Können wird
  168. 5:28sichtbar, schwarz auf weiß. Und für sein
  169. 5:30Gehirn fühlt sich das nicht an wie ein
  170. 5:32erster Entwurf, sondern vielleicht bin
  171. 5:34ich gar nicht der, für den ich mich
  172. 5:36halte.
  173. 5:37Wenn dein Selbstwert an diesem Traum
  174. 5:39hängt, dann fühlt sich so ein Moment an
  175. 5:41wie ein Urteil über dich selbst. Und je
  176. 5:43länger du das Bild von dir gepflegt
  177. 5:45hast, desto mehr steht auf dem Spiel.
  178. 5:47Nach fünf Jahren, ich bin eigentlich ein
  179. 5:49Autor, geht es bei der ersten Seite
  180. 5:51nicht um eine Seite. Es geht um fünf
  181. 5:53Jahre Selbstbild und genau das macht den
  182. 5:55ersten Schritt so viel schwerer, als er
  183. 5:57von außen aussieht. Solange er nicht
  184. 5:59passiert, kann nichts scheitern. Damit
  185. 6:02bleibt immer dieser eine Satz übrig: Ich
  186. 6:04könnte, wenn ich wollte, wenn ich
  187. 6:06wirklich alles geben würde. Aber weshalb
  188. 6:09gibst du nicht alles? Womöglich, weil
  189. 6:11alles zu geben bedeuten würde, dass du
  190. 6:13keine Ausrede mehr hast, wenn es
  191. 6:15trotzdem nicht reicht. In der
  192. 6:16Psychologie nennt man das
  193. 6:18Self-Handicapping.
  194. 6:19Du baust dir selbst ein Hindernis ein,
  195. 6:21damit du eine Ausrede hast, falls es
  196. 6:23schief geht. Der Klassiker, der Student,
  197. 6:25der am Abend vor der Prüfung feiern
  198. 6:27geht. Er fällt durch, dann lag es am
  199. 6:28Kater und nicht an ihm. Und das ist
  200. 6:31nicht nur eine Alltagsbeobachtung. In
  201. 6:33Experimenten haben männliche Teilnehmer
  202. 6:34vor einem Test sogar freiwillig ein
  203. 6:36Medikament genommen, von dem man ihnen
  204. 6:38gesagt hatte, dass es ihre Leistung
  205. 6:40verschlechtert. Hauptsache, das gute
  206. 6:42Bild von sich bleibt unangetastet. Und
  207. 6:45dieses Self-Handicapping macht man vor
  208. 6:47allem dann, wenn man insgeheim nicht
  209. 6:49sicher ist, ob dieses gute Bild von
  210. 6:51einem überhaupt stimmt. In dem
  211. 6:52Experiment waren das besonders die
  212. 6:54Teilnehmer, deren Aufgaben in einem
  213. 6:56vorherigen Test so schwer waren, dass
  214. 6:58sie raten mussten und sie trotzdem eine
  215. 7:00Top-Rückmeldung bekommen haben. Heißt,
  216. 7:03es gab ein gutes Bild von ihnen, das es
  217. 7:05zu schützen gab, aber insgeheim hatten
  218. 7:07sie Zweifel, ob sie das noch mal
  219. 7:09bestätigen können. Warum? Weil sie bei
  220. 7:11einem Misserfolg sagen können, es lag
  221. 7:13nicht an mir, es lag an dem Handicap.
  222. 7:15Das gute Bild von sich bleibt
  223. 7:17unangetastet. Und das ist eigentlich die
  224. 7:19perfekte Analogie für den großen Traum.
  225. 7:21Auch hier gibt es ein schmeichelhaftes
  226. 7:23Selbstbild. Der brillante Autor, der
  227. 7:25geborene Gründer. Und auch hier wird
  228. 7:27lieber ein Hindernis eingebaut, als
  229. 7:29dieses Bild einem echten Test der
  230. 7:31Realität auszusetzen. Wer nie anfängt,
  231. 7:33muss nie herausfinden, wo seine Grenzen
  232. 7:35liegen. Und damit sind wir bei der Frage
  233. 7:37von vorhin. Ich glaube, der große Traum
  234. 7:40ist oft gar nicht dafür da, umgesetzt zu
  235. 7:42werden. Er ist dafür da, ein Selbstbild
  236. 7:44aufrecht zu erhalten. Wer davon träumt,
  237. 7:47irgendwann ein Buch zu schreiben, sieht
  238. 7:48sich als jemand, der schreiben kann. Wer
  239. 7:50von dem großen Roman träumt, sieht sich
  240. 7:52als jemand Außergewöhnliches. Und das
  241. 7:54Perfide daran, jeder echte Versuch
  242. 7:57könnte zeigen, dass du nicht der bist,
  243. 7:59für den du dich hältst. Je größer der
  244. 8:01Traum, desto größer das Bild und desto
  245. 8:03mehr steht auf dem Spiel. Das heißt
  246. 8:05nicht, dass du komplett untätig bist.
  247. 8:07Vielleicht recherchierst du viel,
  248. 8:09sammelst Ideen, feilst am Konzept. Alles
  249. 8:11darf passieren, nur nicht der Moment, in
  250. 8:13dem die Realität dir antwortet. Und
  251. 8:16dieses Muster hat in der Psychologie
  252. 8:17einen Namen, den du vielleicht aus einem
  253. 8:19ganz anderen Zusammenhang kennst,
  254. 8:20nämlich Vermeidung. Vermeidungsverhalten
  255. 8:22ist einer der am besten untersuchtesten
  256. 8:24Mechanismen überhaupt, vor allem in der
  257. 8:26Angstforschung. Jemand hat Angst vor
  258. 8:28einem Vortrag, also meldet er sich an
  259. 8:30dem Tag krank. Die Anspannung lässt
  260. 8:32sofort nach, Erleichterung. Und genau
  261. 8:34diese Erleichterung wirkt wie eine
  262. 8:36Belohnung. In der Psychologie nennt man
  263. 8:37das negative Verstärkung. Dein Gehirn
  264. 8:40lernt, Ausweichen fühlt sich gut an. Und
  265. 8:42beim nächsten Mal fällt es noch
  266. 8:44leichter. Und die Angst, die wird dabei
  267. 8:45nicht kleiner, sondern eher größer, weil
  268. 8:47du nie die Erfahrung machst, dass es
  269. 8:49eigentlich gar nicht so schlimm gewesen
  270. 8:51wäre, sich der Angst zu stellen. Ein
  271. 8:53Teufelskreis. Und genau dieser
  272. 8:54Mechanismus kann auch hinter
  273. 8:56aufgeschobenen Lebensträumen stecken.
  274. 8:57Vor allem dann, wenn du in diesem
  275. 8:59Bereich wenig oder schlechte Erfahrungen
  276. 9:01gemacht hast. Vielleicht hast du schon
  277. 9:03mal etwas Eigenes gezeigt und Kritik
  278. 9:05bekommen, die weh getan hat. Oder dir
  279. 9:07fehlt schlicht jede Erfahrung und das
  280. 9:09Unbekannte fühlt sich bedrohlich an. Der
  281. 9:11Psychologe Albert Bandura hat gezeigt,
  282. 9:13dass das Vertrauen in die eigenen
  283. 9:14Fähigkeiten vor allem aus
  284. 9:16Erfolgserlebnissen entsteht. Fehlen die,
  285. 9:19dann ist das Zutrauen klein und die
  286. 9:20Angst groß. Und das Fatale ist, weil du
  287. 9:23ausweichst, sammelst du genau die
  288. 9:25Erfahrungen nicht, die dir die Angst
  289. 9:27nehmen würden. Und damit sind wir wieder
  290. 9:29bei unserem Menschen von Anfang.
  291. 9:31Eigentlich geht es ihm womöglich gar
  292. 9:32nicht um den Traum. Es geht ihm um das
  293. 9:34Bild, das der Traum ihm von sich selbst
  294. 9:36gibt. Um den, der er in der Fantasie
  295. 9:38ist, ohne es je beweisen zu müssen. Und
  296. 9:41vielleicht erkennst du dich da ein Stück
  297. 9:42weit wieder. Das fühlt sich sicher an,
  298. 9:45aber es kostet Jahre, Jahre, in denen er
  299. 9:47hätte lernen, scheitern und besser
  300. 9:49werden können. Jahre, in denen aus einer
  301. 9:51ersten schlechten Seite eine gute zehnte
  302. 9:54hätte werden können. Die gute Nachricht
  303. 9:55ist, jede dieser Bremsen hat einen
  304. 9:57konkreten Gegenhebel. Wie wird also aus
  305. 9:59der Bremse wieder ein Antrieb? Und die
  306. 10:02erste Antwort kommt ausgerechnet von der
  307. 10:03Forscherin, die das Problem gefunden
  308. 10:05hat. Gabriele Oettingen hat eine Methode
  309. 10:07entwickelt, die genau bei der Belohnung
  310. 10:09vorab ansetzt. Sie heißt WOOP. Das steht
  311. 10:12für Wish, Outcome, Obstacle, Plan, also
  312. 10:15Wunsch, Ergebnis, Hindernis, Plan. Die
  313. 10:18ersten beiden Schritten, die kennst du
  314. 10:20schon. Du stellst dir deinen Wunsch vor
  315. 10:21und das beste Ergebnis ganz lebendig.
  316. 10:24Soweit nichts Neues, aber dann kommt der
  317. 10:26entscheidende Unterschied. Du fragst
  318. 10:27dich danach direkt, was hält mich davon
  319. 10:30eigentlich ab? Nicht der Markt, nicht
  320. 10:32die Wirtschaftslage, sondern du, deine
  321. 10:34Angst vor Bewertung, deine Müdigkeit
  322. 10:36nach der Arbeit, dein Handy. In der
  323. 10:38Forschung nennt man das mentales
  324. 10:39Kontrastieren. Und das verändert etwas
  325. 10:42Grundlegendes. Der Traum verliert seine
  326. 10:44beruhigende Wirkung, weil er sofort mit
  327. 10:46der Realität konfrontiert wird. Die
  328. 10:48Energie, die vorher im Tagtraum
  329. 10:50verpufft, ist plötzlich mobilisiert,
  330. 10:53zumindest, wenn du grundsätzlich
  331. 10:54glaubst, dass du es schaffen kannst.
  332. 10:56Dein Gehirn versteht, das ist noch nicht
  333. 10:58erreicht. Hier gibt es etwas zu tun. Und
  334. 11:00der vierte Schritt, der Plan, ist das
  335. 11:02genaue Gegengift dagegen, dass der Traum
  336. 11:04vage und weit weg bleibt. Hier kommt
  337. 11:06wieder Peter Gollwitzer ins Spiel,
  338. 11:08diesmal mit seinen Wenn-Dann-Plänen. Die
  339. 11:10Forschung dazu hat gezeigt, dass
  340. 11:12Menschen, die ihr Vorhaben in Form von
  341. 11:13Wenn X passiert, dann mache ich Y
  342. 11:16formulieren, ihre Ziele deutlich
  343. 11:18häufiger erreichen als Menschen mit
  344. 11:19einem wagen Vorsatz. Und bei WOOP
  345. 11:21verknüpfst du das direkt mit deinem
  346. 11:23Hindernis. Also nicht, ich will ein Buch
  347. 11:25schreiben, sondern, wenn ich abends nach
  348. 11:27Hause komme und den Impuls verspüre,
  349. 11:29Netflix anzumachen, dann setze ich mich
  350. 11:31zuerst 10 Minuten an den Laptop oder
  351. 11:33wenn ich merke, dass ich wieder ein Buch
  352. 11:35über Gründung kaufen will, dann schreibe
  353. 11:37ich stattdessen eine Person, die mein
  354. 11:38Produkt brauchen könnte. Aus dem
  355. 11:40glänzenden Traum wird ein Moment in
  356. 11:42deinem Alltag, an dem du konkret handeln
  357. 11:44kannst. Und Experimente zeigen, dass
  358. 11:46diese Kombination aus mentalen
  359. 11:48Kontrastieren und wenn-dann-Plan
  360. 11:50wirksamer sein kann als jede der beiden
  361. 11:52Techniken allein. Die zweite Lösung, die
  362. 11:54richtet sich gegen die Vermeidung und
  363. 11:56gegen die Lücke zwischen Selbstbild und
  364. 11:58Können und die heißt fang klein an und
  365. 12:01zwar genau dort, wo es unangenehm ist.
  366. 12:03Das ist wichtig, weil viele Menschen
  367. 12:04zwar klein anfangen, aber an der
  368. 12:06falschen Stelle. Sie lesen noch ein
  369. 12:08Kapitel, gestalten noch ein Logo und
  370. 12:10recherchieren noch ein bisschen mehr.
  371. 12:12Das ist klein, ja, aber es ist bequem
  372. 12:15und bequem heißt hier zweierlei. Es
  373. 12:16berührt den Kern deiner Angst nicht und
  374. 12:19es gibt dir keine Information. Es gibt
  375. 12:21keinen Moment, in dem die Realität dir
  376. 12:22antwortet, niemand, der dir sagt, ob
  377. 12:24dein Text jemanden berührt oder ob
  378. 12:26jemand für dein Produkt zahlen würde.
  379. 12:28Und ohne diese Antwort kannst du auch
  380. 12:30nicht lernen, besser zu werden. Der
  381. 12:32richtige kleine Schritt ist der, bei dem
  382. 12:33du dich der Realität aussetzt. Eine
  383. 12:35Seite schreiben und sie einer Person
  384. 12:37zeigen, einen einzigen potenziellen
  385. 12:39Kunden anrufen, ein Video aufnehmen und
  386. 12:41es hochladen, auch wenn es wackelig ist.
  387. 12:44Das ist genauso klein wie noch ein
  388. 12:46Kapitel lesen, aber es ist nicht bequem
  389. 12:48und genau deshalb zählt es. Du bekommst
  390. 12:50echtes Feedback, aus dem du lernen
  391. 12:52kannst und du durchbrichst die
  392. 12:53Vermeidungspirale an der Stelle, wo sie
  393. 12:56entstanden ist. Und du lernst, dass die
  394. 12:57Lücke zwischen Selbstbild und Können
  395. 13:00kein Urteil über dich ist, sondern
  396. 13:01einfach der Ausgangspunkt, von dem aus
  397. 13:03du startest. Übrigens gilt das genauso,
  398. 13:05wenn ein großer Traum eine Beziehung
  399. 13:07ist. Viele warten jahrelang auf den
  400. 13:09richtigen Moment, statt den kleinen
  401. 13:11unangenehmen Schritt zu machen, also
  402. 13:12jemanden ansprechen oder ehrliches
  403. 13:14Interesse zu zeigen. Wie du genau diese
  404. 13:16Ängste auflöst und mehr passende
  405. 13:18Menschen kennenlernst, darum geht es in
  406. 13:19meinem Paternus-Kompass. Link findest du
  407. 13:21unten in der Beschreibung, aber jetzt
  408. 13:23weiter zur dritten Lösung. Die dritte
  409. 13:24Lösung lautet: Such dir Rechenschaft für
  410. 13:26Handlungen und nicht Applaus für
  411. 13:28Visionen. Erinnere dich an Gollwitzers
  412. 13:30Befund, schon wenn andere dein Vorhaben
  413. 13:32zur Kenntnis nehmen, fühlt es sich ein
  414. 13:34Stück so an, als wärst du am Ziel und
  415. 13:37handelst weniger. Die Anerkennung kommt
  416. 13:39also an der falschen Stelle. Deswegen
  417. 13:41erzähl deinen Freunden nicht, dass du
  418. 13:43ein Startup gründen willst. Such lieber
  419. 13:45einen Menschen, dem du jede Woche
  420. 13:46berichtest, was du konkret getan hast.
  421. 13:49Dann bekommst du die soziale Belohnung
  422. 13:51genau dort, wo sie hingehört, nämlich
  423. 13:52nach der Handlung und nicht davor. Und
  424. 13:55das kannst du noch einen Schritt weiter
  425. 13:56treiben, indem du echte Konsequenzen
  426. 13:58einbaust. Der Autor Tim Ferris z.B.
  427. 14:00erzählt von einer ziemlich radikalen
  428. 14:02Variante. Ein Freund macht ein
  429. 14:04unvorteilhaftes Foto von dir in
  430. 14:06Unterhose und das landet im Netz, wenn
  431. 14:08du dein Vorhaben nicht umsetzt. Klingt
  432. 14:10natürlich komplett albern, aber es kann
  433. 14:12funktionieren, weil plötzlich das
  434. 14:13Aufhören unangenehmer ist, als das
  435. 14:15Umsetzen. Und das Entscheidende ist, die
  436. 14:17Konsequenz hängt an dem, was du tust und
  437. 14:19nicht an dem, was du ankündigst. Niemand
  438. 14:21fragt, wie groß deine Vision ist. Es
  439. 14:23gibt nur eine Frage: Hast du es diese
  440. 14:25Woche gemacht oder nicht? Und genau
  441. 14:27diese Frage holt dich jede Woche wieder
  442. 14:29aus der Fantasie zurück in die Realität.
  443. 14:31Heißt, ein großer Traum ohne
  444. 14:33Realitätscheck bremst dich. Ein kleiner,
  445. 14:36konkreter Schritt, der bringt dich in
  446. 14:37Bewegung, auch wenn die erste Seite
  447. 14:39schlecht wird. Deswegen möchte ich dich
  448. 14:41zum Schluss etwas ermutigen. Nimm dir
  449. 14:43heute 10 Minuten und dann mach die
  450. 14:45WOOP-Methode für deinen Traum. Schreib
  451. 14:47auf, was du dir wünschst, wie sich dein
  452. 14:49bestes Ergebnis anfühlen würde, was dich
  453. 14:51in dir davon abhält und dann einen
  454. 14:53einzigen Wenn-Dann-Plan für die nächsten
  455. 14:55sieben Tage. Und frag dich dabei
  456. 14:57ehrlich, welcher kleine Schritt wäre für
  457. 14:59mich unangenehm genug, dass er wirklich
  458. 15:01zählt. Wenn dir dieses Video
  459. 15:02weitergeholfen hat, dann lass gerne ein
  460. 15:04Like da und falls du den Kanal noch
  461. 15:06nicht abonniert hast, hol das gerne noch
  462. 15:07nach. Und wenn du merkst, dass bei dir
  463. 15:09es nicht nur um diesen einen Traum geht,
  464. 15:11sondern dass dein Leben ganz
  465. 15:12grundsätzlich anders aussieht, als du es
  466. 15:14dir wünschst, dann schau dir das Video
  467. 15:15an, das ich dir hier verlinke. Dort geht
  468. 15:17es darum, wie die Psychologie erklärt,
  469. 15:19dass du nicht lebst, wie du eigentlich
  470. 15:21leben willst. Bis dahin, mach's gut.
  471. 15:23Servus.

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This page contains the full transcript of Die Psychologie von Menschen, die groß träumen, aber nichts tun (+ Lösung) by Simon Josef Eckert, generated from the public captions YouTube serves with the video. The transcript has 2,827 words across 471 segments, with the original timestamps preserved so you can click any line to jump to that moment in the embedded player.

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