Die Psychologie von Menschen, die groß träumen, aber nichts tun (+ Lösung) — Transcript
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- 0:00Vielleicht kennst du jemanden, der seit
- 0:01Jahren diesen ambitionierten Traum hat
- 0:03oder vielleicht bist du selbst dieser
- 0:05Mensch. Das Buch, das irgendwann
- 0:06geschrieben wird, das Startup, das
- 0:07gegründet wird, sobald der richtige
- 0:09Moment da ist. Und beim ersten Erzählen,
- 0:10da klingt das spannend, aber beim
- 0:12fünften Mal fällt auf, dass ich kaum
- 0:14etwas vorwärts bewegt. Kein erstes
- 0:15Kapitel, kein Prototyp, kein einziger
- 0:18Kunde. Und das Seltsame ist, der Traum
- 0:20selbst verändert sich nicht. Er wird
- 0:22nicht kleiner, nicht realistischer und
- 0:24nicht konkreter. Er bleibt einfach da,
- 0:26perfekt, glänzend und unerreicht. Dabei
- 0:29hat dieser Mensch eigentlich das
- 0:31gemacht, was ihm jeder geraten hat. Und
- 0:33diesen Rat kennst du wahrscheinlich.
- 0:35Dream Big, träume groß. Das steht auf
- 0:37Postern, in Büchern und in jedem zweiten
- 0:40desto größer der Antrieb, so zumindest
- 0:42die Idee. Und meistens
- 0:46kommt gleich noch der zweite Tipp
- 0:47hinterher, nämlich stell dir das Ziel so
- 0:49lebendig wie möglich vor. Spür schon mal
- 0:52rein, wie es sich anfühlt, wenn du es
- 0:54geschafft hast. Aber was wenn ein großer
- 0:56Traum für deine Psyche gar kein Antrieb
- 0:58ist, sondern eine Bremse? Und zwar nicht
- 1:00nur an einer Stelle, sondern an
- 1:01mehreren. Die erste Bremse, die greift
- 1:04ausgerechnet schon bei diesem zweiten
- 1:06Tipp, also in dem Moment, in dem du
- 1:08träumst. Die Psychologin Gabriele
- 1:10Oettingen von der New York University
- 1:12erforscht seit über 30 Jahren, was
- 1:14positive Zukunftsfantasien mit uns
- 1:16machen. Und ihre Ergebnisse
- 1:18widersprechen ziemlich direkt dem, was
- 1:20auf diesen Postern über das Ausmalen und
- 1:22Visualisieren steht. In einer ihrer
- 1:24Studien hat sie Frauen bei einem
- 1:25Abnehmprogramm begleitet. Die Frauen,
- 1:27die sich ihren Erfolg besonders positiv
- 1:29ausgemalt haben, also schlank am Strand,
- 1:31bewunderte Blicke, haben nach einem Jahr
- 1:33im Schnitt rund 11 Kilo weniger
- 1:35abgenommen als die, deren Fantasien
- 1:37nicht rein positiv waren, die also auch
- 1:39Versuchungen und Rückschläge sich
- 1:40ausgemalt haben. Bei
- 1:42Hochschulabsolventen hat sie etwas
- 1:43Ähnliches gefunden. Wer sich den
- 1:45Berufseinstieg besonders positiv
- 1:47ausgemalt hat, hat zwei Jahre später
- 1:49weniger Jobangebote bekommen und weniger
- 1:51verdient. Und jetzt denkst du dir
- 1:52vielleicht, Moment mal, positives Denken
- 1:55und schaden? Nicht ganz. Das Problem ist
- 1:57nicht das positive Denken an sich. Es
- 1:59geht darum, was dieser Tagtraum bei dir
- 2:01auslöst. Zusammen mit ihrer Kollegin
- 2:03Heather Kappes hat sie Teilnehmer
- 2:04gebeten, sich eine ideale Zukunft
- 2:06auszumalen und dabei etwas
- 2:08Faszinierendes gemessen. Der Blutdruck
- 2:10dieser Teilnehmer sank. Der Blutdruck
- 2:12ist hier ein Marker für Energie, also
- 2:14dafür, wie sehr der Körper sich bereit
- 2:16macht, etwas anzupacken. Und genau diese
- 2:18Energie fällt ab. Dein Körper entspannt
- 2:21sich, als wäre das Ziel schon erreicht.
- 2:23Die Befriedigung kommt vor
- 2:26In einer weiteren Studie haben die
- 2:27Teilnehmer nach so einer Fantasie in der
- 2:29Woche danach weniger von ihren Zielen
- 2:31geschafft. Und Oettingen hat noch etwas
- 2:33gefunden. Menschen mit besonders
- 2:35positiven Zukunftsfantasien hatten
- 2:37kurzfristig weniger depressive Symptome,
- 2:40einige Monate später aber mehr. Der
- 2:42Traum kann also wie eine Art
- 2:44Beruhigungsmittel wirken. Er nimmt dir
- 2:45unangenehme Gefühle für den Moment, ohne
- 2:48dass sich an deiner Situation etwas
- 2:49ändert. Ich persönlich stell mir das so
- 2:51vor, und das ist jetzt ein Bild und kein
- 2:53gemessenes Ergebnis. Neben dem
- 2:55glänzenden Traum wirkt die Realität
- 2:57ziemlich blass. Der Montagmorgen, das
- 2:59leere Dokument, die unbeantworteten
- 3:01Mails, da ist es verlockend, immer öfter
- 3:03in den Traum zurückzukehren, anstatt
- 3:06anzufangen. Der große Traum gibt dir
- 3:08positive Emotionen, entspannt dich, aber
- 3:10erweckt keinen Tatendrang. Der Traum
- 3:13gibt dir aber nicht nur ein Gefühl,
- 3:14sondern auch ein Bild von dir selbst.
- 3:17Wenn du lange genug davon träumst, ein
- 3:18Buch zu schreiben, dann ist das
- 3:20irgendwann nicht nur ein Projekt, es
- 3:21wird ein Teil davon, wie du dich selbst
- 3:24siehst. Dann bist du nicht einfach nur
- 3:25jemand, der im Büro sitzt, sondern
- 3:27jemand, in dem eigentlich ein Autor
- 3:29steckt, oder ein Gründer. Der Traum
- 3:31beschreibt nicht nur einfach ein
- 3:32Projekt, sondern deine Persönlichkeit.
- 3:35Und diese Persönlichkeit ist besonders.
- 3:37Sie gibt dir das Gefühl, dass in dir
- 3:38mehr steckt, als man von außen sieht.
- 3:41Und das ist ein zutiefst menschliches
- 3:42Bedürfnis. Wir wollen uns bedeutsam
- 3:44fühlen. Wir wollen jemand sein. Das
- 3:46Problem ist nur, dass dieses Träumen
- 3:48dieses Bedürfnis schon ein Stück weit
- 3:50erfüllt, bevor irgendetwas passiert. Und
- 3:52das vor allem dann, wenn andere von
- 3:54diesem Traum erfahren. Peter Gollwitzer
- 3:56hat das untersucht, z.B. bei
- 3:58Jura-Studierenden, die unbedingt gute
- 4:00Juristen werden wollten. In einer
- 4:02Bedingung wurde ihr Vorhaben von anderen
- 4:04zur Kenntnis genommen, in der anderen
- 4:06blieb es privat. Die Erwartung wäre hier
- 4:08ganz klar, wer sein Ziel öffentlich
- 4:10macht, fühlt sich stärker verpflichtet
- 4:12und strengt sich mehr an. Aber die
- 4:14Realität war genau umgekehrt. Die
- 4:15Teilnehmer, deren Vorhaben bemerkt
- 4:18wurde, haben danach weniger Zeit in die
- 4:20entsprechenden Aufgaben investiert.
- 4:22Warum? Weil die Anerkennung sich
- 4:23anfühlt, als wärst du schon ein Stück
- 4:25weit dieser Mensch. Das Ziel, ich bin
- 4:28Jurist, fühlt sich teilweise erfüllt an,
- 4:30ohne dass du gelernt hast. Heißt, jedes
- 4:33Mal, wenn du vom Startup erzählst, jedes
- 4:34Mal, wenn jemand sagt, "Wow, cool!",
- 4:37dann bekommst du schon ein Stück das
- 4:38Gefühl, der Gründer zu sein. Das Reden
- 4:40wird zum Ersatz für das Tun. Und das
- 4:43bringt mich zu einer Frage, die mich bei
- 4:44diesem Thema besonders beschäftigt hat.
- 4:46Nämlich, was, wenn so ein großer Traum
- 4:48oft gar nicht dafür da ist, umgesetzt zu
- 4:49werden? Aber vorher ganz kurz, falls du
- 4:52das Video bis hierhin spannend findest,
- 4:53dann lass gerne einen Daumen nach oben
- 4:54da und lass ein Abo da. Das hilft mir zu
- 4:56verstehen, welche Inhalte du gerne
- 4:58siehst. Und jetzt zu dem Teil, der für
- 5:00mich mit der spannendste ist. Wenn der
- 5:01Traum Teil von dir geworden ist, dann
- 5:03wird Handeln womöglich sogar gefährlich.
- 5:06Nimm das Buch vom Anfang. Da ist jemand,
- 5:08der seit Jahren das Bild in sich trägt,
- 5:10ein brillanter Autor zu sein. Und
- 5:12irgendwann setzt er sich abends hin und
- 5:14schreibt die erste Seite. Und sie ist
- 5:16mittelmäßig, vielleicht sogar schlecht.
- 5:19Und das ist völlig normal, jede erste
- 5:21Seite ist schlecht. Aber in diesem
- 5:22Moment passiert etwas Bedrohliches. Die
- 5:24Lücke zwischen seinem Selbstbild und
- 5:26seinem tatsächlichen Können wird
- 5:28sichtbar, schwarz auf weiß. Und für sein
- 5:30Gehirn fühlt sich das nicht an wie ein
- 5:32erster Entwurf, sondern vielleicht bin
- 5:34ich gar nicht der, für den ich mich
- 5:36halte.
- 5:37Wenn dein Selbstwert an diesem Traum
- 5:39hängt, dann fühlt sich so ein Moment an
- 5:41wie ein Urteil über dich selbst. Und je
- 5:43länger du das Bild von dir gepflegt
- 5:45hast, desto mehr steht auf dem Spiel.
- 5:47Nach fünf Jahren, ich bin eigentlich ein
- 5:49Autor, geht es bei der ersten Seite
- 5:51nicht um eine Seite. Es geht um fünf
- 5:53Jahre Selbstbild und genau das macht den
- 5:55ersten Schritt so viel schwerer, als er
- 5:57von außen aussieht. Solange er nicht
- 5:59passiert, kann nichts scheitern. Damit
- 6:02bleibt immer dieser eine Satz übrig: Ich
- 6:04könnte, wenn ich wollte, wenn ich
- 6:06wirklich alles geben würde. Aber weshalb
- 6:09gibst du nicht alles? Womöglich, weil
- 6:11alles zu geben bedeuten würde, dass du
- 6:13keine Ausrede mehr hast, wenn es
- 6:15trotzdem nicht reicht. In der
- 6:16Psychologie nennt man das
- 6:18Self-Handicapping.
- 6:19Du baust dir selbst ein Hindernis ein,
- 6:21damit du eine Ausrede hast, falls es
- 6:23schief geht. Der Klassiker, der Student,
- 6:25der am Abend vor der Prüfung feiern
- 6:27geht. Er fällt durch, dann lag es am
- 6:28Kater und nicht an ihm. Und das ist
- 6:31nicht nur eine Alltagsbeobachtung. In
- 6:33Experimenten haben männliche Teilnehmer
- 6:34vor einem Test sogar freiwillig ein
- 6:36Medikament genommen, von dem man ihnen
- 6:38gesagt hatte, dass es ihre Leistung
- 6:40verschlechtert. Hauptsache, das gute
- 6:42Bild von sich bleibt unangetastet. Und
- 6:45dieses Self-Handicapping macht man vor
- 6:47allem dann, wenn man insgeheim nicht
- 6:49sicher ist, ob dieses gute Bild von
- 6:51einem überhaupt stimmt. In dem
- 6:52Experiment waren das besonders die
- 6:54Teilnehmer, deren Aufgaben in einem
- 6:56vorherigen Test so schwer waren, dass
- 6:58sie raten mussten und sie trotzdem eine
- 7:00Top-Rückmeldung bekommen haben. Heißt,
- 7:03es gab ein gutes Bild von ihnen, das es
- 7:05zu schützen gab, aber insgeheim hatten
- 7:07sie Zweifel, ob sie das noch mal
- 7:09bestätigen können. Warum? Weil sie bei
- 7:11einem Misserfolg sagen können, es lag
- 7:13nicht an mir, es lag an dem Handicap.
- 7:15Das gute Bild von sich bleibt
- 7:17unangetastet. Und das ist eigentlich die
- 7:19perfekte Analogie für den großen Traum.
- 7:21Auch hier gibt es ein schmeichelhaftes
- 7:23Selbstbild. Der brillante Autor, der
- 7:25geborene Gründer. Und auch hier wird
- 7:27lieber ein Hindernis eingebaut, als
- 7:29dieses Bild einem echten Test der
- 7:31Realität auszusetzen. Wer nie anfängt,
- 7:33muss nie herausfinden, wo seine Grenzen
- 7:35liegen. Und damit sind wir bei der Frage
- 7:37von vorhin. Ich glaube, der große Traum
- 7:40ist oft gar nicht dafür da, umgesetzt zu
- 7:42werden. Er ist dafür da, ein Selbstbild
- 7:44aufrecht zu erhalten. Wer davon träumt,
- 7:47irgendwann ein Buch zu schreiben, sieht
- 7:48sich als jemand, der schreiben kann. Wer
- 7:50von dem großen Roman träumt, sieht sich
- 7:52als jemand Außergewöhnliches. Und das
- 7:54Perfide daran, jeder echte Versuch
- 7:57könnte zeigen, dass du nicht der bist,
- 7:59für den du dich hältst. Je größer der
- 8:01Traum, desto größer das Bild und desto
- 8:03mehr steht auf dem Spiel. Das heißt
- 8:05nicht, dass du komplett untätig bist.
- 8:07Vielleicht recherchierst du viel,
- 8:09sammelst Ideen, feilst am Konzept. Alles
- 8:11darf passieren, nur nicht der Moment, in
- 8:13dem die Realität dir antwortet. Und
- 8:16dieses Muster hat in der Psychologie
- 8:17einen Namen, den du vielleicht aus einem
- 8:19ganz anderen Zusammenhang kennst,
- 8:20nämlich Vermeidung. Vermeidungsverhalten
- 8:22ist einer der am besten untersuchtesten
- 8:24Mechanismen überhaupt, vor allem in der
- 8:26Angstforschung. Jemand hat Angst vor
- 8:28einem Vortrag, also meldet er sich an
- 8:30dem Tag krank. Die Anspannung lässt
- 8:32sofort nach, Erleichterung. Und genau
- 8:34diese Erleichterung wirkt wie eine
- 8:36Belohnung. In der Psychologie nennt man
- 8:37das negative Verstärkung. Dein Gehirn
- 8:40lernt, Ausweichen fühlt sich gut an. Und
- 8:42beim nächsten Mal fällt es noch
- 8:44leichter. Und die Angst, die wird dabei
- 8:45nicht kleiner, sondern eher größer, weil
- 8:47du nie die Erfahrung machst, dass es
- 8:49eigentlich gar nicht so schlimm gewesen
- 8:51wäre, sich der Angst zu stellen. Ein
- 8:53Teufelskreis. Und genau dieser
- 8:54Mechanismus kann auch hinter
- 8:56aufgeschobenen Lebensträumen stecken.
- 8:57Vor allem dann, wenn du in diesem
- 8:59Bereich wenig oder schlechte Erfahrungen
- 9:01gemacht hast. Vielleicht hast du schon
- 9:03mal etwas Eigenes gezeigt und Kritik
- 9:05bekommen, die weh getan hat. Oder dir
- 9:07fehlt schlicht jede Erfahrung und das
- 9:09Unbekannte fühlt sich bedrohlich an. Der
- 9:11Psychologe Albert Bandura hat gezeigt,
- 9:13dass das Vertrauen in die eigenen
- 9:14Fähigkeiten vor allem aus
- 9:16Erfolgserlebnissen entsteht. Fehlen die,
- 9:19dann ist das Zutrauen klein und die
- 9:20Angst groß. Und das Fatale ist, weil du
- 9:23ausweichst, sammelst du genau die
- 9:25Erfahrungen nicht, die dir die Angst
- 9:27nehmen würden. Und damit sind wir wieder
- 9:29bei unserem Menschen von Anfang.
- 9:31Eigentlich geht es ihm womöglich gar
- 9:32nicht um den Traum. Es geht ihm um das
- 9:34Bild, das der Traum ihm von sich selbst
- 9:36gibt. Um den, der er in der Fantasie
- 9:38ist, ohne es je beweisen zu müssen. Und
- 9:41vielleicht erkennst du dich da ein Stück
- 9:42weit wieder. Das fühlt sich sicher an,
- 9:45aber es kostet Jahre, Jahre, in denen er
- 9:47hätte lernen, scheitern und besser
- 9:49werden können. Jahre, in denen aus einer
- 9:51ersten schlechten Seite eine gute zehnte
- 9:54hätte werden können. Die gute Nachricht
- 9:55ist, jede dieser Bremsen hat einen
- 9:57konkreten Gegenhebel. Wie wird also aus
- 9:59der Bremse wieder ein Antrieb? Und die
- 10:02erste Antwort kommt ausgerechnet von der
- 10:03Forscherin, die das Problem gefunden
- 10:05hat. Gabriele Oettingen hat eine Methode
- 10:07entwickelt, die genau bei der Belohnung
- 10:09vorab ansetzt. Sie heißt WOOP. Das steht
- 10:12für Wish, Outcome, Obstacle, Plan, also
- 10:15Wunsch, Ergebnis, Hindernis, Plan. Die
- 10:18ersten beiden Schritten, die kennst du
- 10:20schon. Du stellst dir deinen Wunsch vor
- 10:21und das beste Ergebnis ganz lebendig.
- 10:24Soweit nichts Neues, aber dann kommt der
- 10:26entscheidende Unterschied. Du fragst
- 10:27dich danach direkt, was hält mich davon
- 10:30eigentlich ab? Nicht der Markt, nicht
- 10:32die Wirtschaftslage, sondern du, deine
- 10:34Angst vor Bewertung, deine Müdigkeit
- 10:36nach der Arbeit, dein Handy. In der
- 10:38Forschung nennt man das mentales
- 10:39Kontrastieren. Und das verändert etwas
- 10:42Grundlegendes. Der Traum verliert seine
- 10:44beruhigende Wirkung, weil er sofort mit
- 10:46der Realität konfrontiert wird. Die
- 10:48Energie, die vorher im Tagtraum
- 10:50verpufft, ist plötzlich mobilisiert,
- 10:53zumindest, wenn du grundsätzlich
- 10:54glaubst, dass du es schaffen kannst.
- 10:56Dein Gehirn versteht, das ist noch nicht
- 10:58erreicht. Hier gibt es etwas zu tun. Und
- 11:00der vierte Schritt, der Plan, ist das
- 11:02genaue Gegengift dagegen, dass der Traum
- 11:04vage und weit weg bleibt. Hier kommt
- 11:06wieder Peter Gollwitzer ins Spiel,
- 11:08diesmal mit seinen Wenn-Dann-Plänen. Die
- 11:10Forschung dazu hat gezeigt, dass
- 11:12Menschen, die ihr Vorhaben in Form von
- 11:13Wenn X passiert, dann mache ich Y
- 11:16formulieren, ihre Ziele deutlich
- 11:18häufiger erreichen als Menschen mit
- 11:19einem wagen Vorsatz. Und bei WOOP
- 11:21verknüpfst du das direkt mit deinem
- 11:23Hindernis. Also nicht, ich will ein Buch
- 11:25schreiben, sondern, wenn ich abends nach
- 11:27Hause komme und den Impuls verspüre,
- 11:29Netflix anzumachen, dann setze ich mich
- 11:31zuerst 10 Minuten an den Laptop oder
- 11:33wenn ich merke, dass ich wieder ein Buch
- 11:35über Gründung kaufen will, dann schreibe
- 11:37ich stattdessen eine Person, die mein
- 11:38Produkt brauchen könnte. Aus dem
- 11:40glänzenden Traum wird ein Moment in
- 11:42deinem Alltag, an dem du konkret handeln
- 11:44kannst. Und Experimente zeigen, dass
- 11:46diese Kombination aus mentalen
- 11:48Kontrastieren und wenn-dann-Plan
- 11:50wirksamer sein kann als jede der beiden
- 11:52Techniken allein. Die zweite Lösung, die
- 11:54richtet sich gegen die Vermeidung und
- 11:56gegen die Lücke zwischen Selbstbild und
- 11:58Können und die heißt fang klein an und
- 12:01zwar genau dort, wo es unangenehm ist.
- 12:03Das ist wichtig, weil viele Menschen
- 12:04zwar klein anfangen, aber an der
- 12:06falschen Stelle. Sie lesen noch ein
- 12:08Kapitel, gestalten noch ein Logo und
- 12:10recherchieren noch ein bisschen mehr.
- 12:12Das ist klein, ja, aber es ist bequem
- 12:15und bequem heißt hier zweierlei. Es
- 12:16berührt den Kern deiner Angst nicht und
- 12:19es gibt dir keine Information. Es gibt
- 12:21keinen Moment, in dem die Realität dir
- 12:22antwortet, niemand, der dir sagt, ob
- 12:24dein Text jemanden berührt oder ob
- 12:26jemand für dein Produkt zahlen würde.
- 12:28Und ohne diese Antwort kannst du auch
- 12:30nicht lernen, besser zu werden. Der
- 12:32richtige kleine Schritt ist der, bei dem
- 12:33du dich der Realität aussetzt. Eine
- 12:35Seite schreiben und sie einer Person
- 12:37zeigen, einen einzigen potenziellen
- 12:39Kunden anrufen, ein Video aufnehmen und
- 12:41es hochladen, auch wenn es wackelig ist.
- 12:44Das ist genauso klein wie noch ein
- 12:46Kapitel lesen, aber es ist nicht bequem
- 12:48und genau deshalb zählt es. Du bekommst
- 12:50echtes Feedback, aus dem du lernen
- 12:52kannst und du durchbrichst die
- 12:53Vermeidungspirale an der Stelle, wo sie
- 12:56entstanden ist. Und du lernst, dass die
- 12:57Lücke zwischen Selbstbild und Können
- 13:00kein Urteil über dich ist, sondern
- 13:01einfach der Ausgangspunkt, von dem aus
- 13:03du startest. Übrigens gilt das genauso,
- 13:05wenn ein großer Traum eine Beziehung
- 13:07ist. Viele warten jahrelang auf den
- 13:09richtigen Moment, statt den kleinen
- 13:11unangenehmen Schritt zu machen, also
- 13:12jemanden ansprechen oder ehrliches
- 13:14Interesse zu zeigen. Wie du genau diese
- 13:16Ängste auflöst und mehr passende
- 13:18Menschen kennenlernst, darum geht es in
- 13:19meinem Paternus-Kompass. Link findest du
- 13:21unten in der Beschreibung, aber jetzt
- 13:23weiter zur dritten Lösung. Die dritte
- 13:24Lösung lautet: Such dir Rechenschaft für
- 13:26Handlungen und nicht Applaus für
- 13:28Visionen. Erinnere dich an Gollwitzers
- 13:30Befund, schon wenn andere dein Vorhaben
- 13:32zur Kenntnis nehmen, fühlt es sich ein
- 13:34Stück so an, als wärst du am Ziel und
- 13:37handelst weniger. Die Anerkennung kommt
- 13:39also an der falschen Stelle. Deswegen
- 13:41erzähl deinen Freunden nicht, dass du
- 13:43ein Startup gründen willst. Such lieber
- 13:45einen Menschen, dem du jede Woche
- 13:46berichtest, was du konkret getan hast.
- 13:49Dann bekommst du die soziale Belohnung
- 13:51genau dort, wo sie hingehört, nämlich
- 13:52nach der Handlung und nicht davor. Und
- 13:55das kannst du noch einen Schritt weiter
- 13:56treiben, indem du echte Konsequenzen
- 13:58einbaust. Der Autor Tim Ferris z.B.
- 14:00erzählt von einer ziemlich radikalen
- 14:02Variante. Ein Freund macht ein
- 14:04unvorteilhaftes Foto von dir in
- 14:06Unterhose und das landet im Netz, wenn
- 14:08du dein Vorhaben nicht umsetzt. Klingt
- 14:10natürlich komplett albern, aber es kann
- 14:12funktionieren, weil plötzlich das
- 14:13Aufhören unangenehmer ist, als das
- 14:15Umsetzen. Und das Entscheidende ist, die
- 14:17Konsequenz hängt an dem, was du tust und
- 14:19nicht an dem, was du ankündigst. Niemand
- 14:21fragt, wie groß deine Vision ist. Es
- 14:23gibt nur eine Frage: Hast du es diese
- 14:25Woche gemacht oder nicht? Und genau
- 14:27diese Frage holt dich jede Woche wieder
- 14:29aus der Fantasie zurück in die Realität.
- 14:31Heißt, ein großer Traum ohne
- 14:33Realitätscheck bremst dich. Ein kleiner,
- 14:36konkreter Schritt, der bringt dich in
- 14:37Bewegung, auch wenn die erste Seite
- 14:39schlecht wird. Deswegen möchte ich dich
- 14:41zum Schluss etwas ermutigen. Nimm dir
- 14:43heute 10 Minuten und dann mach die
- 14:45WOOP-Methode für deinen Traum. Schreib
- 14:47auf, was du dir wünschst, wie sich dein
- 14:49bestes Ergebnis anfühlen würde, was dich
- 14:51in dir davon abhält und dann einen
- 14:53einzigen Wenn-Dann-Plan für die nächsten
- 14:55sieben Tage. Und frag dich dabei
- 14:57ehrlich, welcher kleine Schritt wäre für
- 14:59mich unangenehm genug, dass er wirklich
- 15:01zählt. Wenn dir dieses Video
- 15:02weitergeholfen hat, dann lass gerne ein
- 15:04Like da und falls du den Kanal noch
- 15:06nicht abonniert hast, hol das gerne noch
- 15:07nach. Und wenn du merkst, dass bei dir
- 15:09es nicht nur um diesen einen Traum geht,
- 15:11sondern dass dein Leben ganz
- 15:12grundsätzlich anders aussieht, als du es
- 15:14dir wünschst, dann schau dir das Video
- 15:15an, das ich dir hier verlinke. Dort geht
- 15:17es darum, wie die Psychologie erklärt,
- 15:19dass du nicht lebst, wie du eigentlich
- 15:21leben willst. Bis dahin, mach's gut.
- 15:23Servus.
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