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Die gesamte Geschichte von Österreich zum Einschlafen — Transcript

by Ruhe der Zeit · 15,454 words · 3,238 segments · language en · Watch on YouTube

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  1. 0:00Lange bevor Österreich ein Land war,
  2. 0:02bevor Namen, Grenzen und Reiche diese
  3. 0:05Landschaft prägten, lag der Alpenraum
  4. 0:07als gewaltige Bühne der Natur vor uns.
  5. 0:11Jahrtausende vergingen, in denen
  6. 0:12Gletscher die Taylor formten, Flüsse
  7. 0:15ihre Bahnen schnitten und die Wälder
  8. 0:16wuchsen, ohne dass ein Mensch diese
  9. 0:18Berge je betreten hatte. Doch
  10. 0:21irgendwann, vor rund 30.000 Jahren,
  11. 0:24betraten die ersten Jäger und Sammler
  12. 0:26diese rauhe, aber fruchtbare Region.
  13. 0:30Sie folgten den Tieren, suchten Schutz
  14. 0:32in Höhlen und nutzten das, was die Natur
  15. 0:34ihnen bot. Bevor wir tiefer eintauchen,
  16. 0:37schreib mir doch einmal in die
  17. 0:38Kommentare, von wo und um welche Uhrzeit
  18. 0:41du diese Geschichte hörst. Und wenn dir
  19. 0:43solche Reisen durch die Vergangenheit
  20. 0:45gefallen, hilfst du mir mit einem Abo
  21. 0:47enorm dabei, mehr solcher Geschichten
  22. 0:49erzählen zu können. Vielen Dank für
  23. 0:51deine Unterstützung. Archäologische
  24. 0:54Funde belegen, dass diese frühen
  25. 0:55Menschen Werkzeuge aus Stein und Knochen
  26. 0:57herstellten. In Höhlen wie der
  27. 1:00Repolusthöhle bei Pegao wurden Überreste
  28. 1:03gefunden, die uns von einem Leben
  29. 1:04erzählen, das von Kälte, Hunger und
  30. 1:07Überlebenskampf geprägt war.
  31. 1:10Der Alpenraum war kein einfacher Ort,
  32. 1:12doch er bot reichlich wild, Fisch und
  33. 1:15essbare Pflanzen. Für jene, die sich
  34. 1:18behaupten konnten, war er ein Paradies
  35. 1:20voller Rohstoffe.
  36. 1:22Holz aus den dichten Wäldern, Stein aus
  37. 1:25den Bergen und Wasser aus klaren Bächen.
  38. 1:29Mit der Zeit begannen die Menschen sich
  39. 1:31niederzulassen. Sie bauten einfache
  40. 1:34Hütten aus Holz und Tierhäuten.
  41. 1:37Lagerfeuer brannten in den langen
  42. 1:39Winternächten, während sich Sippen
  43. 1:41Geschichten erzählten und Wissen von
  44. 1:44Generation zu Generation weitergaben.
  45. 1:47Diese Geschichten, so könnte man sagen,
  46. 1:50waren die ersten Funken einer Kultur,
  47. 1:53die hier im Herzen Europas geboren
  48. 1:56wurde.
  49. 1:57Die Entwicklung verlief langsam, doch
  50. 1:59unaufhaltsam.
  51. 2:01Die Jagd wurde gezielter, die Werkzeuge
  52. 2:04schärfer, die Gemeinschaften größer.
  53. 2:07Vor etwa 10 Jahren endete die letzte
  54. 2:10Eiszeit. Das Klima wurde milder, die
  55. 2:14Gletscher zogen sich zurück und gaben
  56. 2:16fruchtbare Tayer frei. Hier entstanden
  57. 2:19die ersten kleinen Dörfer, in denen die
  58. 2:22Menschen begannen, Ackerbau zu betreiben
  59. 2:25und Vieh zu halten. Aus Jägern wurden
  60. 2:28Bauern und aus einfachen Sippen wuchsen
  61. 2:31Gesellschaften.
  62. 2:33Besonders eindrucksvoll sind die Spuren
  63. 2:35der jungsteinzeitlichen Kulturen.
  64. 2:38Steingeräte, Schmuck aus Knochen und
  65. 2:40Muscheln sowie Keramikgefäße zeigen,
  66. 2:44dass diese frühen Menschen nicht nur ums
  67. 2:46Überleben kämpften, sondern auch ein
  68. 2:48Gespür für Schönheit entwickelten. Sie
  69. 2:51verzierten ihre Werkzeuge und schufen
  70. 2:54Gegenstände, die weit mehr als nur
  71. 2:55nützlich waren. Sie zeigten Stolz,
  72. 2:59Kreativität und einen Sinn für
  73. 3:01Gemeinschaft.
  74. 3:03In dieser Epoche wurden auch die
  75. 3:05Grundlagen gelegt, auf denen sich später
  76. 3:07Kulturen und Reiche entwickeln sollten.
  77. 3:11Handel begann, wenn auch in primitiver
  78. 3:13Form. Salz, ein wertvolles Gut, wurde
  79. 3:17bereits damals gewonnen und über weite
  80. 3:20Strecken getauscht. Schon in dieser Zeit
  81. 3:23begann der Alpenraum, eine Brücke
  82. 3:25zwischen Nord und Südeuropa zu werden.
  83. 3:28Ein Schicksal, das Österreich noch viele
  84. 3:31Jahrhunderte prägen sollte.
  85. 3:33Diese ersten Menschen, deren Namen wir
  86. 3:36nie erfahren werden, waren die wahren
  87. 3:38Pioniere des Landes. Sie legten den
  88. 3:41Grundstein für all das, was später kam.
  89. 3:44Ihre Spuren in Form von Werkzeugen,
  90. 3:47Knochen und Höhlenmalereien erzählen uns
  91. 3:50heute von Mut und Anpassung.
  92. 3:53Wenn wir uns in diese Zeit
  93. 3:54zurückversetzen, erkennen wir, dass die
  94. 3:56Geschichte Österreichs nicht mit
  95. 3:58Kaisern, Königen oder Schlachten
  96. 4:00beginnt, sondern mit einfachen Menschen,
  97. 4:03die die Natur bezwangen und ihr Zuhause
  98. 4:05inmitten von Bergen und Tälern fanden.
  99. 4:09Die Landschaft, die wir heute Österreich
  100. 4:11nennen, veränderte sich nach der letzten
  101. 4:13Eiszeit dramatisch.
  102. 4:15Die zurückweichenden Gletscher gaben
  103. 4:17grüne Teler, klare Sehen und fruchtbare
  104. 4:20Ebenen frei.
  105. 4:22Diese neue Welt lockte immer mehr
  106. 4:24Menschen an, die hier einen dauerhaften
  107. 4:26Platz zum Leben fanden. Aus den
  108. 4:29einstigen Jägern und Sammlern wurden
  109. 4:32sesshafte Bauern und Handwerker. Sie
  110. 4:35bauten einfache Häuser aus Holz, Lehilf
  111. 4:39und begannen das Landbar zu machen. Vor
  112. 4:43rund 7000 Jahren erreichte der Ackerbau
  113. 4:45den Alpenraum.
  114. 4:47Die Menschen begannen Getreide wie Emmer
  115. 4:50und Einkorn anzubauen und Vieh zu
  116. 4:52halten. Es war ein radikaler Wandel.
  117. 4:56Statt nomadisch umherzuziehen,
  118. 4:58lebten die Menschen nun an einem festen
  119. 5:00Ort. Aus kleinen Dörfern mit ein paar
  120. 5:03Hütten entstanden erste Gemeinschaften.
  121. 5:06Hier wurden Erfahrungen geteilt,
  122. 5:08Werkzeuge weiterentwickelt und Rituale
  123. 5:11gepflegt. Es war eine Zeit, in der
  124. 5:13Religion und Natur eng miteinander
  125. 5:15verbunden waren. Heiligtümer wurden
  126. 5:18errichtet und die Sonne, der Mond und
  127. 5:21die Jahreszeiten bestimmten den Rhythmus
  128. 5:23des Lebens.
  129. 5:26Mit der Jungsteinzeit entwickelte sich
  130. 5:28auch das Handwerk. Steingeräte wurden
  131. 5:30schärfer und effizienter und aus
  132. 5:33Feuerstein fertigte man Messer,
  133. 5:35Pfeilspitzen und Bohrer.
  134. 5:38Schmuck aus Knochen, Muscheln und
  135. 5:40Tierzähnen wurde nicht nur als Zierde
  136. 5:42getragen, sondern auch als Zeichen von
  137. 5:45Status und Identität.
  138. 5:48Besonders beeindruckend sind Funde von
  139. 5:50Tonfiguren und Keramiken, die mit
  140. 5:53Mustern und Symbolen verziert sind.
  141. 5:56Stille Zeugen eines frühen ästhetischen
  142. 5:59Empfindens.
  143. 6:00Etwa ab 2200 vor Christus begann die
  144. 6:03Bronzezeit und brachte einen weiteren
  145. 6:06revolutionären Schritt.
  146. 6:08Bronze, eine Legierung aus Kupfer und
  147. 6:11Zinnen, war härter und vielseitiger als
  148. 6:14Stein.
  149. 6:16Mit der Bronzezeit entstanden neue
  150. 6:18Werkzeuge, Waffen und Schmuckstücke von
  151. 6:21erstaunlicher Präzision.
  152. 6:24Der Handel gewann an Bedeutung, denn
  153. 6:27nicht jede Region besaß die nötigen
  154. 6:29Rohstoffe.
  155. 6:31Vor allem Kupfer wurde im Alpenraum
  156. 6:33abgebaut. Ein wertvoller Schatz, der bis
  157. 6:36in entfernte Gebiete Europas exportiert
  158. 6:39wurde. Diese Handelswege führten dazu,
  159. 6:42dass Ideen, Technologien und Kulturen
  160. 6:45sich schneller verbreiteten.
  161. 6:47Menschen aus unterschiedlichen Regionen
  162. 6:49begegneten sich, tauschten Wissen und
  163. 6:52Traditionen.
  164. 6:54Die frühen Siedlungen im Gebiet des
  165. 6:55heutigen Österreich wurden damit teil
  166. 6:57eines wachsenden Netzwerks, das sich von
  167. 7:00der Nordsee bis zum Mittelmeer
  168. 7:02erstreckte.
  169. 7:04Die Bronzezeit brachte auch erste
  170. 7:06soziale Unterschiede mit sich. In
  171. 7:08manchen Gräbern fanden Archäologen
  172. 7:10reiche Beigaben aus Gold, Bernstein oder
  173. 7:14feingearbeiteter Bronze, Hinweise
  174. 7:16darauf, dass es bereits eine Hierarchie
  175. 7:18gab. Krieger und Häuptlinge, die über
  176. 7:21Macht und Handel bestimmten, standen
  177. 7:23über einfachen Bauern.
  178. 7:26Gleichzeitig blühten Rituale und
  179. 7:28Glaubensvorstellungen.
  180. 7:29Sonnenkte, Opfergaben und
  181. 7:32Bestattungsrituale
  182. 7:33erzählen von einer Welt, in der das
  183. 7:36Leben eng mit der Natur und ihren
  184. 7:38Kräften verwoben war. Die Stein und
  185. 7:41Bronzezeit waren also mehr als nur eine
  186. 7:43Phase zwischen Urzeit und Antike. Sie
  187. 7:47waren der Beginn einer kulturellen
  188. 7:49Identität.
  189. 7:51Hier in den Tälern und Bergen lernten
  190. 7:54Menschen zum ersten Mal gemeinsam zu
  191. 7:56bauen, zu handeln und ihr Leben bewusst
  192. 7:59zu gestalten.
  193. 8:01Diese frühen Kulturen legten das
  194. 8:03Fundament für alles, was in den
  195. 8:05folgenden Jahrhunderten kommen sollte.
  196. 8:08Mit dem Beginn der Eisenzeit, etwa um
  197. 8:11800 vor Christus trat ein neues Volk in
  198. 8:14den Alpenraum, das die Geschichte dieser
  199. 8:16Region prägen sollte. Die Kelten.
  200. 8:20Sie waren nicht nur gefürchtete Krieger,
  201. 8:23sondern auch geschickte Handwerker,
  202. 8:25Händler und Künstler.
  203. 8:27Ihr Einfluß reichte weit über
  204. 8:29Mitteleuropa hinaus und ihre Spuren sind
  205. 8:32bis heute sichtbar in Ortsnamen,
  206. 8:35Legenden und archäologischen Funden.
  207. 8:39Im Gebiet des heutigen Österreichs
  208. 8:41gründeten sie das Königreich Norikum,
  209. 8:44ein lockeres Bündnis aus Fürstentümern,
  210. 8:46das von Stammesführern regiert wurde.
  211. 8:50Norikum war kein Staat im modernen
  212. 8:52Sinne, aber seine gemeinsame Kultur und
  213. 8:56seine Handelsmacht machten es zu einem
  214. 8:58der einflussreichsten Zentren
  215. 8:59Mitteleuropas.
  216. 9:01Die Kälten waren besonders für ihre
  217. 9:03Metallverarbeitung berühmt. Aus Norikum
  218. 9:06stammten Schwerter und Werkzeuge aus
  219. 9:08einem außergewöhnlich harten Stahl, der
  220. 9:11selbst im römischen Reich hochgeschätzt
  221. 9:13wurde. Schon früh traten sie mit Rom in
  222. 9:16Handelsbeziehungen, exportierten Waffen,
  223. 9:19Salz und Bernstein und erhielten im
  224. 9:21Gegenzug Wein, Keramik und Luxusgüter
  225. 9:24aus dem Mittelmeerraum.
  226. 9:27Doch die Kälten waren nicht nur Händler
  227. 9:28und Handwerker, sie waren auch tief mit
  228. 9:31der Natur verbunden. Ihre Religion
  229. 9:34verehrte die Kräfte der Natur. Bäume,
  230. 9:37Flüsse und Berge galten als heilige
  231. 9:39Orte.
  232. 9:40Die Druiden, ihre Priester und
  233. 9:42Gelehrten, waren Hüter des Wissens und
  234. 9:45spielten eine zentrale Rolle als
  235. 9:46Richter, Heiler und spirituelle Führer.
  236. 9:50Viele ihrer Rituale und Feste wie das
  237. 9:53Samheinfest haben sich in Bräuchen bis
  238. 9:56in unsere Zeit erhalten.
  239. 9:59Gesellschaftlich war das Leben der
  240. 10:00Kälten klar geordnet. An der Spitze
  241. 10:03standen die Fürsten und Krieger, gefolgt
  242. 10:06von Handwerkern, Händlern und Bauern.
  243. 10:09Ihre Siedlung, sogenannte Opida, waren
  244. 10:12auf Hügeln angelegt und oft mit starken
  245. 10:14Befestigungen versehen.
  246. 10:17Besonders bekannt ist die Siedlung am
  247. 10:18Magdalensberg in Kernten, die als
  248. 10:21wichtiger Handelsplatz diente. Auch ihre
  249. 10:24Kunst beeindruckt noch heute.
  250. 10:27Schmuckstücke, Keramik und Waffen wurden
  251. 10:29reich mit Spiralen, Tiermotiven und
  252. 10:32Symbolen verziert, die ihren Glauben und
  253. 10:35ihre Lebensweise widerspiegelten.
  254. 10:38Die Kälten selbst fielen durch ihre
  255. 10:41bunte Kleidung, bemalten körper und
  256. 10:43kunstvoll geformten Haare auf, was die
  257. 10:46Römer gleichermaßen faszinierte und
  258. 10:49befremdete.
  259. 10:51Gegen Ende der keltischen Epoche begann
  260. 10:53Rom seinen Einfluss nach Norden
  261. 10:56auszudehnen.
  262. 10:57Während viele keltische Stämme
  263. 10:59militärischen Widerstand leisteten,
  264. 11:02entschieden sich die Noriker für
  265. 11:03Diplomatie.
  266. 11:05Sie näherten sich Rom an, handelten mit
  267. 11:08ihnen und übernahmen nach und nach
  268. 11:10römische Lebensweisen.
  269. 11:13Diese Entscheidung sollte sich als klug
  270. 11:14erweisen, als das römische Reich
  271. 11:17schließlich begann, seine Grenzen über
  272. 11:19die Alpen hinweg auszudehnen.
  273. 11:22Die Kälten und ihr Königreich Norikum
  274. 11:25hinterließen ein reiches Erbe. Sie waren
  275. 11:29die ersten, die eine überregionale
  276. 11:31politische und wirtschaftliche Struktur
  277. 11:33im Gebiet des heutigen Österreichs
  278. 11:35schufen. Als die Römer im ersten
  279. 11:37Jahrhundert vor Christus ihren Einfluss
  280. 11:39über die Alpen ausdehnten, stand das
  281. 11:42Königreich Norikum bereits in enger
  282. 11:44Beziehung zu ihnen. Doch nun wurden
  283. 11:47diese Handelsbeziehungen zu einem Teil
  284. 11:49des römischen Imperiums.
  285. 11:52Norikum wurde um das Jahr 15 vor
  286. 11:55Christus offiziell zur römischen Provinz
  287. 11:58erklärt.
  288. 11:59Für die Menschen dieser Region bedeutete
  289. 12:01das einen tiefgreifenden Wandel. Aus den
  290. 12:05keltischen Hügelstädten wurden römische
  291. 12:07Städte mit steinernen Straßen, Tempeln,
  292. 12:10Bädern und Marktplätzen.
  293. 12:13Die Römer brachten ihre Sprache, ihre
  294. 12:16Architektur und ihren Lebensstil mit,
  295. 12:18der das Gebiet nachhaltig prägen sollte.
  296. 12:21Städte wie Karnuntum, Lauriakum und
  297. 12:24Vironum entstanden und wurden zu
  298. 12:27wichtigen Zentren des Handels und der
  299. 12:29Verwaltung.
  300. 12:30Besonders Karnuntum an der Donau
  301. 12:33entwickelte sich zu einer bedeutenden
  302. 12:35Metropole mit über 50.000 Einwohnern.
  303. 12:39Hier lebten Soldaten, Händler,
  304. 12:42Handwerker und wohlhabende Bürger und
  305. 12:45die Stadt war geprägt von römischem
  306. 12:47Luxus.
  307. 12:49Termen, Amphitheater und Willen zeugen
  308. 12:52noch heute von dieser Blütezeit.
  309. 12:54Das Leben in der Provinz war jedoch
  310. 12:56nicht nur von Wohlstand geprägt. Die
  311. 12:59römische Grenze der Limes verlief
  312. 13:02entlang der Donau und mußte stets gegen
  313. 13:05Einfälle von Germanenstämmen gesichert
  314. 13:07werden.
  315. 13:08Legionslager wie das in Ens oder
  316. 13:10Windobona, dem heutigen Wien, waren
  317. 13:13militärische Bollwerke.
  318. 13:16Hier waren tausende Soldaten
  319. 13:17stationiert, die nicht nur für
  320. 13:20Sicherheit sorgten, sondern auch das
  321. 13:22römische Leben in die Region brachten.
  322. 13:26Mit ihnen kamen Händler, Familien und
  323. 13:29Handwerker, die entlang der Lager neue
  324. 13:33Siedlungen gründeten.
  325. 13:35Das Alltagsleben der Menschen unter
  326. 13:37römischer Herrschaft war vielfältig.
  327. 13:39Wohlhabende Römer lebten in prächtigen
  328. 13:42Willen mit beheizten Fußböden, während
  329. 13:45einfache Bauern weiterhin auf dem Land
  330. 13:47arbeiteten und die Städte mit
  331. 13:48Lebensmitteln versorgten.
  332. 13:51Der Handel florierte, denn die Römer
  333. 13:53hatten ein Netz aus Straßen und Wegen
  334. 13:56angelegt, das selbst entlegene Regionen
  335. 13:58miteinander verband.
  336. 14:01Produkte aus Italien, Spanien oder dem
  337. 14:04Orient gelangten nun bis in die Alpen.
  338. 14:07Kulturell war die römische Herrschaft
  339. 14:10von einem Miteinander geprägt. Die
  340. 14:12Kälten übernahmen römische Bräuche,
  341. 14:15während die Römer selbst Teile der
  342. 14:17keltischen Tradition respektierten und
  343. 14:20integrierten.
  344. 14:22Es war eine Zeit des Austauschs, aber
  345. 14:25auch der Anpassung, denn wer Karriere
  346. 14:28machen wollte, musste die römische
  347. 14:30Sprache Latein beherrschen und sich in
  348. 14:34die römische Gesellschaft einfügen.
  349. 14:37Religiös brachte Rom seine Götterwelt
  350. 14:39mit, doch auch keltische Gottheiten
  351. 14:41fanden ihren Platz in Tempeln und
  352. 14:43Heiligtümern.
  353. 14:45Diese Verschmelzung von Kulturen schuf
  354. 14:48eine einzigartige Mischung, die den
  355. 14:50Charakter der Region prägte.
  356. 14:52Im dritten Jahrhundert begannen jedoch
  357. 14:54die Probleme.
  358. 14:56Angriffe germanischer Stämme,
  359. 14:58wirtschaftliche Krisen und innere
  360. 15:00Konflikte schwächten das römische Reich.
  361. 15:04Auch die Provinz Norikum war betroffen.
  362. 15:06Städte wurden geplündert und viele
  363. 15:09Einwohner flohen in die Berge. Dennoch
  364. 15:12überlebte der römische Einfluss noch
  365. 15:14mehrere Jahrhunderte.
  366. 15:16Die letzten Legionen zogen sich erst im
  367. 15:18fünften Jahrhundert zurück, als das
  368. 15:20weströmische Reich zusammenbrach.
  369. 15:24Als das römische Reich im vierten und
  370. 15:26fünften Jahrhundert immer mehr unter
  371. 15:28Druck geriet, veränderte sich das Leben
  372. 15:30in den Provinzen grundlegend.
  373. 15:33Die einstmächtigen Legionen, die
  374. 15:35jahrhundertelang die Grenzen an der
  375. 15:36Donau gesichert hatten, wurden
  376. 15:38abgezogen, um Rom und andere Kerngebiete
  377. 15:42zu verteidigen.
  378. 15:44Die Straßen, die Städte und das
  379. 15:46geordnete Leben, das Rom gebracht hatte,
  380. 15:49begannen zu zerfallen.
  381. 15:52Mit dem Rückzug der römischen Truppen
  382. 15:55öffnete sich ein Tor für neue Völker,
  383. 15:57die von Osten und Norden in die
  384. 16:00geschwächten Provinzen strömten.
  385. 16:03Diese Epoche, die wir heute als
  386. 16:04Völkerwanderung kennen, war von Chaos,
  387. 16:07Umbrüchen und tiefgreifenden
  388. 16:09Veränderungen geprägt. Die Donau, die
  389. 16:13einst eine klare Grenze des Imperiums
  390. 16:15bildete, war nun keine Barriere mehr.
  391. 16:18Germanische Stämme wie die Markomann,
  392. 16:21Vandalen oder Goten zogen durch die
  393. 16:23Gebiete des heutigen Österreich.
  394. 16:26Einige kamen als Plünderer, andere
  395. 16:28ließen sich nieder und verschmolzen mit
  396. 16:30der verbliebenen Bevölkerung.
  397. 16:33Auch die Hunen, ein Nomadenvolk aus der
  398. 16:36Eurasischen Steppe, hinterließen in
  399. 16:39dieser Zeit ihre Spuren, als sie große
  400. 16:41Teile Mitteleuropas in Angst und
  401. 16:43Schrecken versetzten.
  402. 16:46Die einstblühenden Städte wie Karnuntum
  403. 16:48oder Windobona wurden verlassen oder
  404. 16:51zerstört.
  405. 16:53Viele Bewohner flohen in entlegene Täl
  406. 16:56oder in die Berge, wo sie Schutz
  407. 16:57suchten.
  408. 16:59Aus der römischen Ordnung wurde ein
  409. 17:01Flickenteppich kleiner Gemeinschaften,
  410. 17:04die sich selbst versorgen mussten.
  411. 17:07Handel und Handwerk erlebten einen
  412. 17:09starken Rückgang und die großartigen
  413. 17:12Bauwerke der Römer verfielen, weil
  414. 17:14niemand mehr die Ressourcen oder das
  415. 17:16Wissen hatte, sie instand zu halten.
  416. 17:20Doch diese Zeit war nicht nur eine
  417. 17:22Epoche des Untergangs, sondern auch eine
  418. 17:25des Neubeginns.
  419. 17:28Germanische Siedler brachten neue
  420. 17:30Bräuche, neue Sprachen und neue Formen
  421. 17:33der Gesellschaft mit.
  422. 17:35Aus dem Zusammenleben der römischen
  423. 17:37Restbevölkerung und der Neuankömmlinge
  424. 17:39entstanden neue Gemeinschaften, die den
  425. 17:42Grundstein für das mittelalterliche
  426. 17:44Österreich legten. Auch das Christentum,
  427. 17:48das im römischen Reich an Bedeutung
  428. 17:50gewonnen hatte, verbreitete sich weiter
  429. 17:53und bot den Menschen in dieser
  430. 17:55unsicheren Zeit Halt und Orientierung.
  431. 17:59Besonders prägend war die Begegnung
  432. 18:00zwischen den romanisierten Bewohnern der
  433. 18:03ehemaligen Provinz und den neuen
  434. 18:05Herrschern, die oft eine kriegerische,
  435. 18:07aber auch pragmatische Lebensweise
  436. 18:09hatten. Viele germanische Stammesführer
  437. 18:12übernahmen Teile der römischen Kultur,
  438. 18:15nutzten die Infrastruktur und schätzten
  439. 18:18den Handel, der sich langsam wieder
  440. 18:19erholte. Die Völkerwanderung war eine
  441. 18:22Zeit der Unsicherheit, aber auch eine
  442. 18:24Epoche, in der sich eine neue Identität
  443. 18:27formte.
  444. 18:29Aus dem Erbe Roms, den Traditionen der
  445. 18:31Kälten und dem Einfluss der germanischen
  446. 18:33Stämme, wuchs ein neues vielfältiges
  447. 18:36Mosaik von Kulturen. Es war ein
  448. 18:39langsamer, oft schmerzhafter Prozess,
  449. 18:42doch er ebnete den Weg für die
  450. 18:43Entwicklung des mittelalterlichen
  451. 18:45Herzogtums, das später den Namen
  452. 18:47Österreich tragen sollte.
  453. 18:51Der Alpenraum, einst Teil eines
  454. 18:53mächtigen Imperiums, war nun ein offenes
  455. 18:56Land, bereit für neue Herren und neue
  456. 18:58Kulturen.
  457. 19:00Aus den Weiten des Ostens drangen Reiter
  458. 19:02Völker wie die Avaren vor, deren
  459. 19:05schnelle Angriffe und ungewöhnliche
  460. 19:06Kriegsführung, Angst und Respekt
  461. 19:08zugleich weckten.
  462. 19:11Gleichzeitig siedelten sich slawische
  463. 19:13Stämme in den Telern und Ebenen an,
  464. 19:15während aus dem Norden die Bayowaren
  465. 19:17kamen, die mit ihrer kriegerischen Art
  466. 19:19bald weite Teile des heutigen Österreich
  467. 19:22prägten.
  468. 19:23Die Slaw, ursprünglich aus den Regionen
  469. 19:26östlich der Kapaten, erreichten den
  470. 19:28Alpenraum im sechsten Jahrhundert.
  471. 19:32Sie waren geschickte Bauern, Fischer und
  472. 19:34Handwerker.
  473. 19:36Ihre Dörfer lagen meist an Flüssen und
  474. 19:39sie lebten eng mit der Natur verbunden.
  475. 19:42Sie brachten ihre Sprache, Bräuche und
  476. 19:45ihr Handwerk mit, dass sie über
  477. 19:47Generationen bewahrten.
  478. 19:49Noch heute erinnern viele Ortsnamen, vor
  479. 19:52allem in Kärnten und der Steiermark, an
  480. 19:55diese slawischen Wurzeln.
  481. 19:57Die Avaren hingegen waren ein völlig
  482. 19:59anderer Schlag von Menschen. Sie waren
  483. 20:02Nomadens, gefürchtete Reiterkrieger, die
  484. 20:04schnell zuschlugen und ebenso schnell
  485. 20:07wieder verschwanden.
  486. 20:09Im 6 und 7. Jahrhundert kontrollierten
  487. 20:11sie große Teile des panonischen Beckens
  488. 20:13und hielten auch die Alpenregion in
  489. 20:15ihrem Einflussbereich.
  490. 20:17Von ihnen stammen beeindruckende Funde,
  491. 20:20darunter kunstvoll gearbeitete
  492. 20:22Pferdegeschirre und Waffen, die ihre
  493. 20:25militärische Stärke widerspiegeln.
  494. 20:28Ihre Herrschaft war jedoch weniger auf
  495. 20:30dauerhafte Siedlungen ausgerichtet,
  496. 20:32sondern auf Beutezüge und
  497. 20:34Tributzahlungen.
  498. 20:36Die Bayowanen schließlich germanische
  499. 20:39Stämme aus dem heutigen Bayern ließen
  500. 20:41sich dauerhaft nieder.
  501. 20:43Sie waren es, die langfristig die
  502. 20:46Kontrolle über den westlichen Teil des
  503. 20:48heutigen Österreich übernahmen. Aus
  504. 20:50ihnen entwickelten sich die Strukturen,
  505. 20:52die später das Fundament für das
  506. 20:54Herzogtum Bayern und damit auch für die
  507. 20:56Entstehung Österreichs bildeten.
  508. 20:59Die Bayowaren brachten ein starkes
  509. 21:02Stammesbewusstsein mit und hatten eine
  510. 21:04enge Verbindung zur christlichen Kirche,
  511. 21:06die in dieser Zeit ihren Einfluss immer
  512. 21:08weiter ausdehnte.
  513. 21:10Diese drei Völker prägten das Gesicht
  514. 21:12des Alpenraums nachhaltig. Während die
  515. 21:15Avaren in der Geschichte bald wieder
  516. 21:17verschwanden, besiegt und vertrieben von
  517. 21:20den Franken unter Karl dem Großen,
  518. 21:23blieben die Slaven und Bayowanen.
  519. 21:27Sie vermischten sich mit der
  520. 21:28romanisierten Bevölkerung und schufen
  521. 21:31eine neue kulturelle Identität.
  522. 21:34Besonders in Kernten lebte die slawische
  523. 21:36Kultur weiter, während in Oberösterreich
  524. 21:39und Salzburg die baiowarische Dominanz
  525. 21:42spürbar war. Es war eine Zeit der
  526. 21:44Übergänge, in der alte römische
  527. 21:46Traditionen verblasten und neue
  528. 21:49Strukturen entstanden.
  529. 21:51Dörfer wuchsen rund um Burgen und
  530. 21:54Kirchen. Handelswege formten sich neu
  531. 21:57und das Christentum gewann an Bedeutung.
  532. 22:01Die Machtkämpfe zwischen Avaren, Slaven
  533. 22:04und Bayuwaren führten zu einer
  534. 22:06Neuordnung der Region, die den Weg für
  535. 22:08ein neues stärkeres Herrschaftssystem
  536. 22:11ebnete.
  537. 22:13Doch noch war der Alpenraum kein
  538. 22:15geeintes Land. Er war ein Schachbrett
  539. 22:18aus Kulturen, Stämmen und Interessen.
  540. 22:21Erst mit dem Eingreifen einer neuen
  541. 22:24übermächtigen Kraft, dem Frankenreich,
  542. 22:28sollte sich das Bild ändern.
  543. 22:30Und diese Macht kam in Gestalt eines
  544. 22:32Mannes, dessen Name untrennbar mit der
  545. 22:34Geschichte Europas verbunden ist, Karl
  546. 22:38der Große.
  547. 22:40Die Donau glitzerte im Morgengrauen und
  548. 22:43über den Alpen lag ein dünner Schleier
  549. 22:45aus Nebel.
  550. 22:47Es war eine Zeit, in der sich die alten
  551. 22:49Stammesgrenzen langsam auflösten und ein
  552. 22:51neues Machtzentrum heranwuchs im Westen
  553. 22:55jenseits der Donau.
  554. 22:58Hier erhob sich das Frankenreich, ein
  555. 23:00Reich, das nicht nur mit Schwertern,
  556. 23:02sondern auch mit Glauben und Ordnung
  557. 23:04seine Macht ausbreitete.
  558. 23:07König Karl, der später den Beinamen der
  559. 23:10Große tragen sollte, begann ein
  560. 23:12ehrgeiziges Projekt, die Vereinigung von
  561. 23:16Stämmen, Ländern und Kulturen unter
  562. 23:18einem Banner. Karl der Große war kein
  563. 23:22gewöhnlicher Herrscher. Er verstand es,
  564. 23:25Politik, Militär und Religion zu
  565. 23:27verbinden und schuf damit eine
  566. 23:29Machtbasis, die Europa für Jahrhunderte
  567. 23:32prägen sollte.
  568. 23:35Im 8. und 9. Jahrhundert war das Gebiet
  569. 23:38des heutigen Österreich ein umkämpftes
  570. 23:40Grenzland.
  571. 23:42Die Biovaren hatten hier ihre Siedlung,
  572. 23:44doch ihre Selbstständigkeit geriet
  573. 23:46zunehmend unter fränkischen Einfluss.
  574. 23:49Karl der Große führte mehrere Feldzüge
  575. 23:52gegen die Aaren, die noch immer in
  576. 23:54Panonien präsent waren. Mit
  577. 23:57militärischer Entschlossenheit und
  578. 23:59diplomatischer Finess besiegte er die
  579. 24:02Nomaden und beendete damit eine Era der
  580. 24:05Unsicherheit.
  581. 24:07Besonders symbolträchtig war der Sieg
  582. 24:09über die Avaren im sogenannten avischen
  583. 24:12Ring, einem befestigten Lager voller
  584. 24:16Reichtümer.
  585. 24:18Als Karl der Große diese Schätze nach
  586. 24:20Aen bringen ließ, war das nicht nur ein
  587. 24:22Triumphzug, sondern auch ein Signal.
  588. 24:26Das Frankenreich hatte seine Macht bis
  589. 24:28tief in den Osten ausgedehnt.
  590. 24:31Doch Karl wusste, dass reine Gewalt
  591. 24:35nicht reichte, um stabile Herrschaft zu
  592. 24:37sichern. Er setzte auf den christlichen
  593. 24:39Glauben als verbindendes Element.
  594. 24:43Missionare zogen durch die Alpenregion,
  595. 24:45Predigten, tauften und errichteten
  596. 24:48Kirchen.
  597. 24:49Das Christentum wurde so zum Fundament
  598. 24:52der fränkischen Herrschaft und damit
  599. 24:54auch zu einem Grundpfeiler der späteren
  600. 24:56österreichischen Kultur.
  601. 24:59Die Integration des Alpenraums in das
  602. 25:01Frankenreich brachte Ordnung, Recht
  603. 25:05neues Verwaltungssystem.
  604. 25:08Klöster entstanden und wurden Zentren
  605. 25:10des Wissens, der Bildung und der
  606. 25:12Landwirtschaft.
  607. 25:15Gleichzeitig förderte Karl der Große den
  608. 25:17Handel, indem er alte römische Straßen
  609. 25:19erneuern ließ und neue Wege anlegte.
  610. 25:23Doch so beeindruckend Karls Reich auch
  611. 25:25war, nach seinem Tod im Jahr 814 zerfiel
  612. 25:29es schnell.
  613. 25:31Innere Konflikte und die Aufteilung
  614. 25:33unter seinen Söhnen führten zu einer
  615. 25:35Schwächung des Frankenreichs.
  616. 25:38Im Osten in den Grenzmarken begannen
  617. 25:40sich neue Strukturen zu bilden.
  618. 25:43Regionen, die sich später zu
  619. 25:45eigenständigen Herrschaften entwickeln
  620. 25:47sollten.
  621. 25:49Für den Alpenraum war diese Epoche von
  622. 25:52unschätzbarer Bedeutung.
  623. 25:55Die Franken hatten nicht nur die Awaren
  624. 25:57vertrieben und den Slavenenzen gesetzt,
  625. 26:00sie hatten auch die Grundlagen gelegt,
  626. 26:03auf denen das spätere Herzogtum
  627. 26:05Österreich entstehen konnte.
  628. 26:08Die Idee einer Mark als militärische
  629. 26:11Grenzone,
  630. 26:13eine Pufferregion gegen äußere Feinde
  631. 26:16nahm hier ihren Anfang. Ein einsamer
  632. 26:19Glockenschlag halt durch die Taylorer,
  633. 26:21als hätte er den Beginn einer neuen Zeit
  634. 26:23verkündet. Es war eine Epoche, in der
  635. 26:26nicht mehr nur Schwerter und Feldzüge
  636. 26:28über Macht entschieden, sondern auch der
  637. 26:30Glaube. Nach den Franken war es das
  638. 26:32Christentum, das den Alpraum Schritt für
  639. 26:35Schritt veränderte und aus einem
  640. 26:37Flickentepich aus Stämmen eine
  641. 26:39Gemeinschaft formte, die sich unter
  642. 26:42einem Gott vereinte.
  643. 26:44Schon während der Römerzeit hatte sich
  644. 26:46das Christentum leise in den Provinzen
  645. 26:49verbreitet. Doch erst mit dem Einfluß
  646. 26:51der Franken wurde es zur dominierenden
  647. 26:54Religion.
  648. 26:56Missionare wie der Heilige Rupert oder
  649. 26:58der Heilige Severin brachten nicht nur
  650. 27:01das Evangelium, sondern auch eine neue
  651. 27:03Art von Ordnung mit. Rupert, der als
  652. 27:07Apostel Bayern gilt, gründete um das
  653. 27:09Jahr 696 das Kloster St. Peter in
  654. 27:12Salzburg, eine Keimzelle, aus der später
  655. 27:15die Stadt und das Erzbistum Salzburg
  656. 27:17erwachsen sollten.
  657. 27:20Diese Klöster waren mehr als nur Orte
  658. 27:22des Glaubens. Sie waren Zentren des
  659. 27:25Wissens, des Handels und der
  660. 27:27Landwirtschaft.
  661. 27:29Die Christianisierung war allerdings
  662. 27:30kein sanfter Prozess. Viele Menschen
  663. 27:33hingen noch alten Bräuchen und Göttern
  664. 27:35an. Heilige Heine, Opferstätten und
  665. 27:38keltische Rituale waren tief in der
  666. 27:40Kultur verwurzelt.
  667. 27:42Missionare mußten daher oft behutsam
  668. 27:44vorgehen. Sie errichteten Kirchen auf
  669. 27:47alten Kultplätzen, um die Menschen
  670. 27:49langsam an den neuen Glauben
  671. 27:50heranzuführen.
  672. 27:52Gleichzeitig schufen sie Schulen, in
  673. 27:54denen Latein gelehrt wurde und führten
  674. 27:57christliche Feste ein, die teilweise die
  675. 27:59alten Naturfeste ersetzten.
  676. 28:02Mit dem Glauben kam auch ein neues
  677. 28:05Weltbild. Das Christentum brachte ein
  678. 28:07hierarchisches Ordnungssystem, das
  679. 28:10perfekt zu den Machtstrukturen des
  680. 28:12Frankenreichs pasße.
  681. 28:14Geistliche erhielten Einfluss und
  682. 28:17Bischöfe sowie Epte wurden zu Beratern
  683. 28:20von Fürsten und Königen. Diese enge
  684. 28:22Verbindung zwischen Kirche und Adel
  685. 28:24sollte über Jahrhunderte hinweg das
  686. 28:27Rückgrad mittelalterlichen Gesellschaft
  687. 28:29bilden.
  688. 28:31Das frühe Mittelalter im Gebiet des
  689. 28:33heutigen Österreichs war von kleinen
  690. 28:35Herrschaften geprägt. Es gab noch kein
  691. 28:38geeintes Land, sondern viele voneinander
  692. 28:40unabhängige Siedlungsgebiete, die von
  693. 28:42lokalen Adligen oder Stammesführern
  694. 28:45kontrolliert wurden.
  695. 28:47Dennoch begann sich allmählich ein
  696. 28:48Gefühl der Zusammengehörigkeit zu
  697. 28:50entwickeln, nicht zuletzt durch den
  698. 28:52gemeinsamen Glauben. Die Kirche wurde zu
  699. 28:55einem Bindeglied zwischen den
  700. 28:57verschiedenen Stämmen. Slaven, Bayuwaren
  701. 29:00und romanisierte Bewohner fanden im
  702. 29:03Christentum einen gemeinsamen Nenner.
  703. 29:06In dieser Zeit entstanden auch erste
  704. 29:08schriftliche Aufzeichnungen.
  705. 29:10Klöster kopierten antike Texte und
  706. 29:12schufen Chroniken, die uns heute
  707. 29:14wertvolle Einblicke in das Leben dieser
  708. 29:16Epoche geben. Während die meisten
  709. 29:19Menschen analphabeten blieben, waren
  710. 29:21Mönche und Geistliche Bewahrer von
  711. 29:23Wissen und Kultur.
  712. 29:26Die Kunst der Buchmalerei, die im
  713. 29:28Klosterleben gepflegt wurde, brachte
  714. 29:30prächtige Werke hervor, deren Gold und
  715. 29:33Farbschimmer uns noch heute fasziniert.
  716. 29:36Doch das frühe Mittelalter war nicht nur
  717. 29:38eine Zeit der religiösen Erneuerung, es
  718. 29:41war auch eine Epoche voller
  719. 29:42Unsicherheit.
  720. 29:44Die Macht des Frankenreichs bröckelte
  721. 29:47und äußere Bedrohungen nahmen zu. Im
  722. 29:50Osten drängten neue Völker wie die
  723. 29:52Magian. während im Westen die
  724. 29:54Machtkämpfe zwischen den Nachfolgern
  725. 29:56Karls des Großen tobten. Der Alpenraum
  726. 30:00lag oft wie ein Spielball zwischen
  727. 30:02größeren Mächten und die Bewohner
  728. 30:04mussten lernen, sich anzupassen, zu
  729. 30:06handeln und ihre eigene Identität zu
  730. 30:09formen.
  731. 30:11Manchmal sind es nicht die großen Kriege
  732. 30:13oder glanzvollen Krönungen, die eine
  733. 30:15Nation formen, sondern kleine
  734. 30:17unscheinbare Momente, die in ihrer
  735. 30:19Wirkung weit größer sind, als es
  736. 30:21zunächst scheint.
  737. 30:23Ein solcher Moment ereignete sich im
  738. 30:25Jahr 996,
  739. 30:27als Kaiser Otto II eine Urkunde
  740. 30:30ausstellte, in der zum ersten Mal ein
  741. 30:32Wort erwähnt wurde, dass sich wie ein
  742. 30:34roter Faden durch die kommenden
  743. 30:36Jahrhunderte ziehen sollte.
  744. 30:38Ostarichi.
  745. 30:41Es bezeichnete ein kleines Gebiet im
  746. 30:42heutigen Niederösterreich rund um
  747. 30:44Neuhofen an der Öbs. Dieses Wort war
  748. 30:48nichts weiter als eine geographische
  749. 30:50Bezeichnung und doch war es ein Anfang,
  750. 30:52der die Identität eines Landes in den
  751. 30:55folgenden Jahrhunderten formen würde.
  752. 30:57Die Babenberger, ein fränkisches
  753. 31:00Adelsgeschlecht, hatten zu dieser Zeit
  754. 31:02die Aufgabe, die sogenannte Ostmark zu
  755. 31:04regieren.
  756. 31:06Sie waren Markgrafen eingesetzt vom
  757. 31:09deutschen Kaiser, um die Grenzen des
  758. 31:11Reiches zu sichern und das Land zu
  759. 31:13entwickeln. Markgraf Leopold I. Der
  760. 31:17Begründer der Babenberger Dynastie,
  761. 31:20übernahm diese Verantwortung im Jahr
  762. 31:22976.
  763. 31:24Was er vorfand, war ein Landstrich
  764. 31:26voller Wälder, Sympfe und vereinzelter
  765. 31:30Siedlungen, ein Grenzland zwischen
  766. 31:32Bayern, Böben und den im Osten lauernden
  767. 31:35Maggiaren.
  768. 31:37Doch in diesem Land lag auch großes
  769. 31:39Potenzial.
  770. 31:40Die Donau, die es durchzog, war nicht
  771. 31:43nur ein mächtiger Strom, sondern eine
  772. 31:45Lebensader, die Handel, Kommunikation
  773. 31:49und kulturellen Austausch ermöglichte.
  774. 31:52Unter den Babenbergern wuchs die Ostmark
  775. 31:54langsam, aber stetig. Sie errichteten
  776. 31:57Burgen, die hoch über Flussübergängen
  777. 32:00und Handelswegen tren.
  778. 32:02Diese Burgen waren nicht nur
  779. 32:04militärische Bollwerke, sondern auch
  780. 32:07Verwaltungszentren und Zeichen ihrer
  781. 32:09Autorität.
  782. 32:11Rund um sie entstanden Märkte,
  783. 32:13Werkstätten und neue Siedlungen.
  784. 32:16Die Städte Melk, Krims und Wien gewannen
  785. 32:19zunehmend an Bedeutung und die Donau
  786. 32:22wurde zu einer der wichtigsten
  787. 32:23Handelsrouten Mitteleuropas.
  788. 32:26Die Babenberger verstanden, daß ihre
  789. 32:28Macht nicht nur auf dem Schwert, sondern
  790. 32:30auch auf klugen Bündnissen beruhte.
  791. 32:34Sie heirateten in andere mächtige
  792. 32:36Familien ein, schufen politische
  793. 32:38Netzwerke und sicherten so ihre Stellung
  794. 32:41im Reich. Gleichzeitig unterstützten sie
  795. 32:43den Ausbau der Kirche.
  796. 32:46Klöster und Stifte, wie das Stift Melk
  797. 32:49oder später Klosterneuburg
  798. 32:51wurden von ihnen gefördert und
  799. 32:53finanziert.
  800. 32:55Diese Orte waren mehr als religiöse
  801. 32:57Einrichtung. Sie waren kulturelle und
  802. 32:59wirtschaftliche Zentren, in denen Wissen
  803. 33:01bewahrt und weitergegeben wurde. Eine
  804. 33:04herausragende Figur dieser Zeit war
  805. 33:07Leopold II.
  806. 33:09Er gilt bis heute als einer der
  807. 33:10bedeutendsten Herrscher der Babenberger.
  808. 33:14Unter seiner Regenschaft, die im frühen
  809. 33:1612. Jahrhundert lag, erlebte das Land
  810. 33:19eine Blütezeit.
  811. 33:21Leopold II war für seinen
  812. 33:24Gerechtigkeitssinn,
  813. 33:25seinen Glauben und seine Großzügigkeit
  814. 33:28bekannt. Er gründete das Stift
  815. 33:31Klosternurg, das bis heute ein Symbol
  816. 33:34für seine Weitsicht ist.
  817. 33:36Geschichten erzählen von seinem milden
  818. 33:38Wesen, von seiner Bereitschaft Konflikte
  819. 33:41zu lösen und von seiner tiefen
  820. 33:43Frömmigkeit.
  821. 33:45Sein Leben und Wirken waren so
  822. 33:47einflussreich, dass er später heilig
  823. 33:49gesprochen wurde als Heil heiliger
  824. 33:53Leopold, der Schutzpatron von
  825. 33:55Österreich.
  826. 33:57Doch während in den Burgen und Klöstern
  827. 33:59Geschichte geschrieben wurde, lebte die
  828. 34:02einfache Bevölkerung in einer weltharter
  829. 34:05Arbeit.
  830. 34:06Bauern rodeten Wälder, um Felder
  831. 34:08anzulegen. Sie bestellten das Land und
  832. 34:10versorgten ihre Familien unter
  833. 34:12schwierigen Bedingungen.
  834. 34:15Die Märkte, die sich um die Burgen
  835. 34:17bildeten, wurden zu Orten des
  836. 34:19Austauschs, an denen nicht nur Waren,
  837. 34:22sondern auch Geschichten und Neuigkeiten
  838. 34:24die Runde machten. Die Urkunde von 996
  839. 34:28mit dem Namen Ostahi mag damals nur eine
  840. 34:32Randnotiz gewesen sein, doch für uns
  841. 34:34heute ist sie ein Zeugnis. Sie zeigt,
  842. 34:37dass aus einer unruhigen Grenzregion ein
  843. 34:39Land heranwuchs, das begann seinen
  844. 34:42eigenen Charakter zu entwickeln. Die
  845. 34:44Babenberger legten dafür das Fundament
  846. 34:47nicht durch spektakuläre Eroberung,
  847. 34:49sondern durch stetigen Aufbau, durch
  848. 34:52kluge Politik und durch ihre Fähigkeit,
  849. 34:55Glauben, Kultur und Macht miteinander zu
  850. 34:57verbinden.
  851. 34:59Die Ostmark, die einst ein schmaler
  852. 35:02Grenzstreifen entlang der Donau gewesen
  853. 35:04war, begann sich im Laufe des 12.
  854. 35:06Jahrhunderts zu wandeln.
  855. 35:09Aus der Mark, die von den Babenbergern
  856. 35:11verteidigt und verwaltet wurde,
  857. 35:13entwickelte sich ein Herzogtum mit
  858. 35:15wachsendem Einfluß im Reich.
  859. 35:19Dieser Übergang war kein plötzlicher
  860. 35:20Bruch, sondern ein Prozess, geprägt von
  861. 35:23politischen Allianzen, wirtschaftlichem
  862. 35:25Aufschwung und dem geschickten Handeln
  863. 35:27einer Herrscherfamilie, die wusste, wie
  864. 35:29man Macht nicht nur erobert, sondern
  865. 35:31auch sichert.
  866. 35:33Der Aufstieg von der Marktgrafschaft zum
  867. 35:35Herzogtum wurde
  868. 35:39mit dem Privilegium Minus besiegelt,
  869. 35:42einem kaiserlichen Dokument, das
  870. 35:44Österreich vom Herzogtum Bayern löste
  871. 35:46und zu einem eigenständigen Herzogtum
  872. 35:48erhob. Dieses Privileg war nicht nur ein
  873. 35:51rechtlicher Akt, sondern ein Symbol der
  874. 35:54wachsenden Bedeutung des Landes im
  875. 35:56Heiligen römischen Reich.
  876. 35:58Die Babenberger hatten sich ihre
  877. 36:00Unabhängigkeit verdient durch kluge
  878. 36:03Politik, durch die Sicherung der Grenzen
  879. 36:05und durch die Förderung von Handel und
  880. 36:07Kultur, die das Land reicher und
  881. 36:10stabiler machten.
  882. 36:12Mit dem neuen Rang wuchs auch das
  883. 36:14Selbstbewusstsein der Herrscher.
  884. 36:17Heinrich Jasomirgott, der erste Herzog
  885. 36:19von Österreich, ließ Wien zu seiner
  886. 36:21Residenz ausbauen.
  887. 36:23Wien, das bisher eher ein Grenzposten
  888. 36:25gewesen war, entwickelte sich nun zu
  889. 36:28einer Stadt von wachsender Bedeutung.
  890. 36:31Unter Heinrich entstanden die ersten
  891. 36:32Stadtbefestigungen,
  892. 36:34Kirchen und Märkte, die Wien zu einem
  893. 36:36Handels- und Verwaltungszentrum machten.
  894. 36:40Auch die Nähe zu wichtigen Handelsrouten
  895. 36:42und die Lage an der Donau halfen der
  896. 36:43Stadt, schnell an Reichtum und Einfluss
  897. 36:46zu gewinnen.
  898. 36:47Die Babenberger nutzten ihre Stellung
  899. 36:49geschickt, um ihr Territorium zu
  900. 36:51erweitern.
  901. 36:53Sie festigten ihre Macht in Nieder und
  902. 36:55Oberösterreich und knüpften enge
  903. 36:58Verbindung zu anderen Herrscherhäusern
  904. 37:00durch geschickte Heiratspolitik.
  905. 37:03Der wachsende Wohlstand des Herzogtums
  906. 37:06war auch den Klöstern und Stiften zu
  907. 37:08verdanken, die nicht nur geistliche
  908. 37:10Zentren, sondern auch Motoren für
  909. 37:12Landwirtschaft und Bildung waren. Das
  910. 37:15Stift Heiligenkreuz, gegründet im Jahr
  911. 37:171133
  912. 37:19ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür,
  913. 37:22wie die Kirche den kulturellen und
  914. 37:23wirtschaftlichen Aufstieg Österreichs
  915. 37:25begleitete.
  916. 37:27Doch der Höhepunkt der Babger Herrschaft
  917. 37:30war zugleich der Beginn ihres Endes.
  918. 37:33Im Jahr 1246
  919. 37:36starb Friedrich der Streitbare, der
  920. 37:38letzte Babenberger Herzog, kinderlos.
  921. 37:42Mit ihm erloscht das Geschlecht der
  922. 37:44Babger und eine Zeit politischer
  923. 37:46Unsicherheit brach an. Verschiedene
  924. 37:49Adelsfamilien rangen um die
  925. 37:51Vorherrschaft im Land, während der
  926. 37:53deutsche König versuchte, seine
  927. 37:55Autorität zu waren.
  928. 37:57Es war eine Phase von Machtkämpfen und
  929. 37:59wechselnden Herrschern, in der das
  930. 38:01Herzogtum seine Stabilität zu verlieren
  931. 38:04drohte. In dieser Situation betraten die
  932. 38:07Habsburger die Bühne. Ursprünglich ein
  933. 38:10eher unbedeutendes Grafengeschlecht aus
  934. 38:12der heutigen Schweiz, gelang es Ihnen
  935. 38:15durch kluge Politik und strategische
  936. 38:17Heiraten ihre Macht stetig auszubauen.
  937. 38:201278
  938. 38:22kam es schließlich zur entscheidenden
  939. 38:24Wende. In der Schlacht auf dem
  940. 38:26Marschfeld besiegte Rudolf von Habsburg
  941. 38:28den böhmischen König Otto II, der in den
  942. 38:32Jahren nach dem Aussterben der
  943. 38:34Babenberger versucht hatte, Österreich
  944. 38:36unter seine Kontrolle zu bringen.
  945. 38:39Mit diesem Sieg übernahm Rudolf die
  946. 38:41Herrschaft über Österreich und legte den
  947. 38:44Grundstein für eine Dynastie, die das
  948. 38:46Land für viele Jahrhunderte prägen
  949. 38:48sollte. Die Habsburger verstanden es,
  950. 38:51ihr neues Herrschaftsgebiet zu festigen.
  951. 38:54Sie bauten Wien weiter aus und machten
  952. 38:56es zu ihrer Residenz.
  953. 38:58Burgen, Kirchen und Stadtmauern wurden
  954. 39:01verstärkt und der Handel entlang der
  955. 39:04Donau blühte auf.
  956. 39:06Unter den Habsburgern entwickelte sich
  957. 39:08Österreich von einem Herzogtum am Rand
  958. 39:11des Reiches zu einem Machtzentrum, das
  959. 39:14immer mehr an Bedeutung gewann.
  960. 39:17Der Übergang von den Babenbergern zu den
  961. 39:19Habsburgern war nicht nur ein
  962. 39:21dynastischer Wechsel, er bedeutete auch
  963. 39:24einen Wandel in der Art, wie Politik
  964. 39:26betrieben wurde. Während die Babenberger
  965. 39:29vor allem auf militärische Sicherung und
  966. 39:31regionale Netzwerke gesetzt hatten,
  967. 39:33dachten die Habsburger in größeren
  968. 39:35Dimensionen.
  969. 39:37Sie schmiedeten Ehen mit mächtigen
  970. 39:39Fürstenhäusern in ganz Europa,
  971. 39:41erweiterten ihren Einfluss weit über die
  972. 39:43Alpen hinaus und legten damit den
  973. 39:45Grundstein für ein Reich, das später als
  974. 39:48Habsburger Monarchie bekannt werden
  975. 39:50sollte.
  976. 39:52So endet die Era der Babger nicht mit
  977. 39:54einem lauten Knall, sondern mit einem
  978. 39:57leisen, aber bedeutungsvollen Übergang.
  979. 40:01Was sie hinterließen, waren Burgen,
  980. 40:03Städte, Klöster und ein Land, das nicht
  981. 40:06mehr nur Grenzmark war, sondern ein
  982. 40:08eigenständiges Herzogtum mit wachsender
  983. 40:11Macht. Mit dem Eintritt der Habsburger
  984. 40:14begann eine neue Geschichte. Eine
  985. 40:17Geschichte, die Österreich auf den Weg
  986. 40:19brachte, ein Zentrum europäischer
  987. 40:21Politik und Kultur zu werden.
  988. 40:24Als Rudolf von Habsburg 1278
  989. 40:27nach der Schlacht auf dem Marschfeld den
  990. 40:29Sieg über Otoka von Böben errang, begann
  991. 40:32eine Epoche, die Österreich für
  992. 40:35Jahrhunderte prägte.
  993. 40:37Mit der Herrschaft der Habsburger trat
  994. 40:39eine Dynastie auf die Bühne, die nicht
  995. 40:42nur durch militärische Stärke, sondern
  996. 40:45vor allem durch kluge Diplomatie und
  997. 40:48strategische Heiraten ihre Macht
  998. 40:50festigte.
  999. 40:52Rudolf, der erste Habsburger auf dem
  1000. 40:54österreichischen Herzogstron,
  1001. 40:57war ein nüchter Realpolitiker.
  1002. 40:59Er setzte auf Ordnung und Stabilität,
  1003. 41:02weniger auf Glanz, dafür auf den Aufbau
  1004. 41:05einer Basis, die den Einfluss seiner
  1005. 41:08Familie langfristig sichern konnte.
  1006. 41:11Wien, bisher ein Grenzposten, wurde
  1007. 41:14zunehmend zur Residenzstadt ausgebaut
  1008. 41:17und erhielt unter Rudolf neue Bedeutung.
  1009. 41:21Die Habsburger erkannten früh, daß
  1010. 41:23Heiratspolitik effektiver sein konnte
  1011. 41:26als Kriege.
  1012. 41:27Bereits in den Generationen nach Rudolf
  1013. 41:30verbanden sie sich durch geschickte
  1014. 41:32Ehebündnisse mit mächtigen Familien in
  1015. 41:35Bayern, Bömen und Ungarn.
  1016. 41:37Der berühmte Satz: Bella Gerant Ali, tu
  1017. 41:42Felix Austrianube.
  1018. 41:44Lass andere Kriege führen, du
  1019. 41:47glückliches Österreich, heirate.
  1020. 41:50Beschreibt genau diese Strategie, die
  1021. 41:52den Grundstein für die spätere Größe der
  1022. 41:55Dynastie legte. Im 14. Jahrhundert trat
  1023. 41:59Rudolf. I, auch der Stifter genannt, als
  1024. 42:03eine der markantesten Gestalten dieser
  1025. 42:05Epoche hervor.
  1026. 42:07Er hatte eine klare Vision. Wien sollte
  1027. 42:10nicht nur Verwaltungssitz,
  1028. 42:13sondern auch ein Zentrum von Kultur und
  1029. 42:16Bildung werden. Unter ihm begann der
  1030. 42:19Ausbau des Stefansdoms, der die Stadt
  1031. 42:21bis heute prägt. Er gründete die
  1032. 42:24Universität Wien im Jahr 1365,
  1033. 42:28was sie zu einer der ältesten
  1034. 42:30Hochschulen Europas macht.
  1035. 42:33Rudolf I. legte damit den Grundstein für
  1036. 42:36den intellektuellen und kulturellen
  1037. 42:38Aufstieg Österreichs.
  1038. 42:40Die Stadt Wien wuchs und entwickelte
  1039. 42:42sich zu einem wichtigen Drehkreuz des
  1040. 42:45Handels. Händler aus Italien, den
  1041. 42:48Alpenländern und Bömen brachten nicht
  1042. 42:51nur Waren, sondern auch den Geist der
  1043. 42:53Renaissance und neue künstlerische
  1044. 42:56Impulse.
  1045. 42:58Märkte, Handwerkszümpfte
  1046. 43:01und der Wohlstand der Bürger verliehen
  1047. 43:03Wien ein Selbstbewusstsein, das weit
  1048. 43:06über die Grenzen des Herzogtums
  1049. 43:08hinausstrahlte.
  1050. 43:10Doch auch diese Epoche war von
  1051. 43:12Konflikten geprägt.
  1052. 43:15Innerfamiliäre Machtkämpfe und
  1053. 43:17Auseinandersetzung mit rivalisierenden
  1054. 43:20Fürsten bedrohten zeitweise die Stellung
  1055. 43:22der Habsburger.
  1056. 43:24Es gelang ihnen jedoch immer wieder
  1057. 43:27durch Diplomatie und Heiraten die eigene
  1058. 43:29Machtbasis zu stabilisieren.
  1059. 43:32Auch die enge Bindung an das Heilige
  1060. 43:34römische Reich sicherte ihren Einfluss.
  1061. 43:37Im späten 15. Jahrhundert trat
  1062. 43:40Maximilian der I. auf den Plan. Er war
  1063. 43:43eine charismatische und vielschichtige
  1064. 43:45Persönlichkeit.
  1065. 43:47Nicht nur ein geschickter Politiker,
  1066. 43:49sondern auch ein Liebhaber von Kunst,
  1067. 43:51Literatur und Jagd.
  1068. 43:54Seine Heirat mit Maria von Burgund
  1069. 43:56brachte den Habsburgern die reichen
  1070. 43:58burgundischen Lande und eröffnete ihnen
  1071. 44:00den Zugang zu einem der wohlhabendsten
  1072. 44:03Regionen Europas.
  1073. 44:05Maximilian nutzte jede Gelegenheit, um
  1074. 44:08durch Diplomatie, Ehen und geschickte
  1075. 44:11Verhandlungen den Einfluss seines Hauses
  1076. 44:13zu vergrößern.
  1077. 44:15Unter Maximilian begann auch der Geist
  1078. 44:17der Renaissance in Österreich zu
  1079. 44:20erblühen.
  1080. 44:21Er förderte Künstler, Dichter und
  1081. 44:23Handwerker, ließ prachtvolle Bauten
  1082. 44:26errichten und modernisierte die
  1083. 44:28Verwaltung.
  1084. 44:30Sein Blick war nicht nur auf Österreich
  1085. 44:32gerichtet, sondern auf einen Europa, das
  1086. 44:35im Wandel war.
  1087. 44:37Er verstand es, Tradition mit neuen
  1088. 44:40Ideen zu verbinden und machte aus
  1089. 44:43Österreich ein politisches Machtzentrum,
  1090. 44:45das weit über seine Grenzen hinaus
  1091. 44:47Bedeutung erlangte.
  1092. 44:49Die Zeit zwischen Rudolf von Habsburg
  1093. 44:52und Maximilian derzen war von einem
  1094. 44:55stetigen Aufstieg geprägt. Ein Aufstieg,
  1095. 44:58der nicht nur auf Eroberung, sondern auf
  1096. 45:01diplomatischer Weitsicht und kulturellem
  1097. 45:03Wachstum basierte.
  1098. 45:05Wien wurde zu einer Stadt, die Handel,
  1099. 45:07Kunst und Gelehrsamkeit vereinte und die
  1100. 45:10Habsburger entwickelten sich zu einem
  1101. 45:12Herrscherhaus, das Stabilität und
  1102. 45:14Einfluss ausstrahlte.
  1103. 45:17Am Ende dieser Epoche stand kein
  1104. 45:19vorsichtiger Blick in die Zukunft,
  1105. 45:22sondern ein klares Bild.
  1106. 45:24Österreich war von einem Grenzherzogtum
  1107. 45:28zu einem ernstzunehmenden Machtfaktor in
  1108. 45:31Mitteleuropa geworden.
  1109. 45:33Im 16. Jahrhundert trat eine neue
  1110. 45:36bedrohliche Macht an die Grenzen des
  1111. 45:38Habsburger Reichs.
  1112. 45:40Das Osmanische Reich, das sich von
  1113. 45:42Anatolien über den Balkan bis vor die
  1114. 45:45Tore Mitteleuropas ausgedehnt hatte,
  1115. 45:47stand auf dem Höhepunkt seiner Stärke.
  1116. 45:50Unter Sultanen wie Suleiman dem
  1117. 45:53Prächtigen war es nicht nur ein
  1118. 45:54militärischer Gigant, sondern auch eine
  1119. 45:57kulturelle und wirtschaftliche
  1120. 45:59Großmacht.
  1121. 46:00Für Österreich, das nun habsburgischer
  1122. 46:03Herrschaft stand, begann eine Zeit
  1123. 46:06permanenter Wachsamkeit und ständiger
  1124. 46:08Abwehrkämpfe.
  1125. 46:10Die Bedrohung aus dem Osten sollte die
  1126. 46:12Politik und das Selbstverständnis des
  1127. 46:15Landes über Generationen hinweg prägen.
  1128. 46:19Nach dem Tod von Maximilian Issens fiel
  1129. 46:22die Herrschaft über die Habsburgischen
  1130. 46:24Länder an seinen Enkel Karl, der als
  1131. 46:27Kaiser des Heiligen Römischen Reiches
  1132. 46:30eine gewaltige Aufgabe hatte. Er
  1133. 46:33regierte nicht nur über Österreich,
  1134. 46:35sondern auch über Spanien, die
  1135. 46:37Niederlande und große Teile Italiens.
  1136. 46:41Doch während Carl Fernth mit den
  1137. 46:44Herausforderungen der Reformation und
  1138. 46:46den Konflikten mit Frankreich
  1139. 46:48beschäftigt war, blickte man in Wien mit
  1140. 46:51wachsender Sorge auf die Expansion der
  1141. 46:53Osmanen.
  1142. 46:55Die Osmanen hatten sich bereits den
  1143. 46:58größten Teil des Balkans unterworfen und
  1144. 47:00standen nun nur noch wenige Tagesmärche
  1145. 47:03von der Donau entfernt.
  1146. 47:061526
  1147. 47:08kam es zur Schlacht von Mohatz, in der
  1148. 47:10die ungarischen Truppen von Süleimans
  1149. 47:12Armee vernichtend geschlagen wurden. Der
  1150. 47:16Tod des ungarischen Königs Ludwig II
  1151. 47:19hinterließ ein Machtvakuum, das die
  1152. 47:21Habsburger nutzten, um Ungarn teilweise
  1153. 47:24unter ihre Herrschaft zu bringen.
  1154. 47:26Doch gleichzeitig brachte diese
  1155. 47:28Ausdehnung Österreich in direkte
  1156. 47:30Konfrontation mit den Osmanen.
  1157. 47:33Die Bedrohung wurde 1529
  1158. 47:37real, als Süliman mit einem gewaltigen
  1159. 47:40Heer vor Wien stand.
  1160. 47:42Die erste Wiener Türkenbelagerung war
  1161. 47:44ein Schock für die gesamte christliche
  1162. 47:46Welt. Wien, damals noch eine
  1163. 47:48vergleichsweise kleine Stadt, wurde von
  1164. 47:51den Habsburgern hastig befestigt.
  1165. 47:54Die Verteidiger, eine Mischung aus
  1166. 47:56kaiserlichen Soldaten, Bürgern und
  1167. 47:58Bauern leisteten erbitterten Widerstand.
  1168. 48:02Dank des frühen Winterinbruchs,
  1169. 48:04logistischer Probleme der Osmanen und
  1170. 48:08des Mutes der Verteidiger, scheiterte
  1171. 48:10die Belagerung. Wien war gerettet, doch
  1172. 48:14das Trauma dieser Monate brannte sich
  1173. 48:16tief in das kollektive Gedächtnis ein.
  1174. 48:19Die folgenden Jahrzehnte waren von
  1175. 48:21ständigen Auseinandersetzung entlang der
  1176. 48:24Grenze geprägt. Burgen und Festungen
  1177. 48:27wurden gebaut oder ausgebaut, um die
  1178. 48:30Bedrohung abzuwehren.
  1179. 48:32Städte wie Wien, Graz und Linz wurden zu
  1180. 48:37militärischen Zentren, die nicht nur der
  1181. 48:39Verteidigung, sondern auch der
  1182. 48:41Versorgung und Organisationen dienten.
  1183. 48:44Die Habsburger erkannten, dass sie nur
  1184. 48:47mit einer starken Armee und soliden
  1185. 48:49Bündnissen gegen die Osmanen bestehen
  1186. 48:52konnten.
  1187. 48:53Auch kulturell und wirtschaftlich
  1188. 48:56hinterließ der Konflikt seine Spuren.
  1189. 48:59Während das Osmanische Reich als
  1190. 49:01Erzfeind galt, kam es dennoch zu einem
  1191. 49:04Regen Austausch von Waren und
  1192. 49:06Einflüssen.
  1193. 49:07Kaffee, exotische Gewürze und Seide
  1194. 49:11fanden über osmanische Händler ihren Weg
  1195. 49:14nach Mitteleuropa.
  1196. 49:16Die Habsburger lernten, dass sie nicht
  1197. 49:19nur militärische Stärke, sondern auch
  1198. 49:21wirtschaftliche Widerstandskraft
  1199. 49:23aufbauen mussten, um langfristig zu
  1200. 49:26bestehen.
  1201. 49:28Das 16. Jahrhundert war jedoch nicht nur
  1202. 49:31von Krieg geprägt.
  1203. 49:33Unter Ferdinand dem I., der 1521
  1204. 49:36zum Erzherzog von Österreich wurde,
  1205. 49:39erlebte das Land auch eine Phase des
  1206. 49:41Ausbaus. Er modernisierte die
  1207. 49:44Verwaltung, reformierte das Steuerwesen
  1208. 49:47und versuchte die verschiedenen
  1209. 49:50Territorien der Habsburger enger
  1210. 49:51miteinander zu verbinden.
  1211. 49:54Die Bedrohung durch die Osman führte
  1212. 49:56dazu, dass Österreich stärker als zuvor
  1213. 50:00als Bollwerk des christlichen
  1214. 50:02Abendlandes verstand. Ein Selbstbild,
  1215. 50:06dass die Politik und Kultur des Landes
  1216. 50:08über Jahrhunderte prägen sollte.
  1217. 50:12Die Jahrzehnte nach der ersten
  1218. 50:13Türkenbelagerung waren von einem
  1219. 50:16ständigen Ring um Stabilität geprägt.
  1220. 50:19Während das Osmanische Reich seine Macht
  1221. 50:22auf dem Balkan festigte, bauten die
  1222. 50:24Habsburger ein Netz aus Festungen und
  1223. 50:27militärischen Allianzen auf, das Wien
  1224. 50:30und die Donaugrenze schützte. Doch die
  1225. 50:33Gefahr war nie endgültig gebannt und
  1226. 50:36jeder Sommer brachte die Angst vor neuen
  1227. 50:39Angriffen mit sich.
  1228. 50:41Am Ende des. Jahrhunderts hatte
  1229. 50:44Österreich gelernt, mit der Bedrohung zu
  1230. 50:47leben.
  1231. 50:48Wien war nicht mehr nur eine Stadt an
  1232. 50:51der Donau, sondern ein Symbol des
  1233. 50:53Widerstands und der Entschlossenheit.
  1234. 50:56Aus den Mauern und Gräben der Stadt
  1235. 50:59sprach nicht nur die Furcht vor den
  1236. 51:01Osmanen, sondern auch der Wille, das
  1237. 51:04eigene Land zu verteidigen und zu
  1238. 51:07bewahren. Eine Haltung, die zum
  1239. 51:10Fundament des Habsburgischen
  1240. 51:11Selbstverständnisses wurde.
  1241. 51:14Im Sommer des Jahres 1683
  1242. 51:18verdichteten sich über Wien die Schatten
  1243. 51:20eines erneuten Sturms aus dem Osten.
  1244. 51:24Fast anderthalb Jahrhunderte nach der
  1245. 51:25ersten Belagerung stand das Osmanische
  1246. 51:28Reich erneut vor den Toren der Stadt.
  1247. 51:31Diesmal war die Bedrohung noch größer,
  1248. 51:33das Osmanische Herr mächtiger und besser
  1249. 51:36organisiert.
  1250. 51:38Unter dem Großvier Kara Mustafa Pascher
  1251. 51:41rückten mehr als 100.000 Mann gegen Wien
  1252. 51:45vor.
  1253. 51:46Ein Herr aus Janicharen, Sipahes und
  1254. 51:49Hilfstruppen, das entschlossen war, das
  1255. 51:52Herz des Habsburger Reiches zu erobern.
  1256. 51:56Die Vorzeichen für die Habsburger waren
  1257. 51:58schlecht. Kaiser Leopold.
  1258. 52:01und sein Hof mußten Wien verlassen und
  1259. 52:04sich nach Westen zurückziehen.
  1260. 52:07Die Verteidigung der Stadt lag in den
  1261. 52:09Händen von Grafernst Rüdiger von
  1262. 52:11Stahemberg,
  1263. 52:13einem entschlossenen Mann, der über
  1264. 52:1510000 Soldaten und Bürger um sich
  1265. 52:17versammelte.
  1266. 52:19Sie wussten, dass sie keine Verstärkung
  1267. 52:21aus den eigenen Reihen erwarten konnten.
  1268. 52:24Die kaiserliche Armee war zu weit
  1269. 52:26entfernt, um rechtzeitig zu reagieren.
  1270. 52:29Alles hing davon ab, wie lange Wien dem
  1271. 52:32Ansturm der Osmanen standhalten konnte.
  1272. 52:35Als die Osmanen Anfang Juli die Stadt
  1273. 52:38erreichten, begann eine Belagerung, die
  1274. 52:4062 Tage dauern sollte.
  1275. 52:44Tag und Nacht donnerten Kanonen, während
  1276. 52:46die Janitschan versuchten, die
  1277. 52:48Stadtmauern zu untergraben und mit Minen
  1278. 52:51zu sprengen. Innerhalb Wiens herrschten
  1279. 52:55Hunger, Krankheit und Angst. Doch
  1280. 52:58Stahberg schwor seine Verteidiger immer
  1281. 53:01wieder ein, keinen Fußbreit Boden zu
  1282. 53:03lassen.
  1283. 53:05Der Kampf um jede Bastion, jeden Turm,
  1284. 53:07jede Barrikade war ein Ces Ring zwischen
  1285. 53:11Überleben und Untergang.
  1286. 53:13Während Wien sich verzweifelt
  1287. 53:15verteidigte, formierte sich ein
  1288. 53:17ungewöhnliches Bündnis.
  1289. 53:20Unter der Führung des polnischen Königs
  1290. 53:22Jan, dritter Sobiski, schlossen sich die
  1291. 53:25Polen, Bayern, Sachsen und kaiserliche
  1292. 53:28Truppen zusammen, um die Stadt zu
  1293. 53:30retten. Soki, ein erfahrener Feldherr,
  1294. 53:34führte das Entsatz her mit einer
  1295. 53:37Entschlossenheit an, die später Legende
  1296. 53:39werden sollte.
  1297. 53:41Am Morgen des. September 1683
  1298. 53:44kam es zur Entscheidungsschlacht.
  1299. 53:47Von den Höhen des Wienerwaldes aus griff
  1300. 53:49Sobiski mit seiner Reiterei der
  1301. 53:51berühmten polnischen Husaren die
  1302. 53:54Osmanischen Truppen an.
  1303. 53:56Zeitgleich stürmten die kaiserlichen
  1304. 53:59Soldaten von innen aus der Stadt heraus,
  1305. 54:01um die Belagerer in die Zange zu nehmen.
  1306. 54:04Was folgte, war ein dramatisches Ring,
  1307. 54:07das bis in den Abend dauerte.
  1308. 54:10Schließlich brach die Osmanische Front
  1309. 54:12zusammen. Kara Mustafa Pasha mußte den
  1310. 54:15Rückzug antreten und Wien war gerettet.
  1311. 54:19Die zweite Türkenbelagerung war mehr als
  1312. 54:21nur ein militärisches Ereignis. Sie war
  1313. 54:24ein Wendepunkt nicht nur für Österreich,
  1314. 54:27sondern für ganz Europa.
  1315. 54:29Der Osmanische Vormarsch, der über
  1316. 54:31Jahrhunderte die Grenzen Mitteleuropas
  1317. 54:34bedroht hatte, wurde gestoppt.
  1318. 54:37Die Niederlage vor Wien markierte den
  1319. 54:39Beginn des langsamen Rückzugs der
  1320. 54:41Osmanen vom Balkan.
  1321. 54:43Für die Habsburger hingegen begann eine
  1322. 54:45Phase des Aufstiegs. Sie nutzten ihren
  1323. 54:48Sieg, um ihre Herrschaft zu festigen und
  1324. 54:51ihre Macht weiter auszudehnen.
  1325. 54:54In Wien selbst hinterließ die Belagerung
  1326. 54:57tiefe Spuren. Viele Teile der Stadt
  1327. 54:59lagen in Trümmern, doch aus dieser
  1328. 55:02Zerstörung wuchs ein neuer Wille zum
  1329. 55:04Wiederaufbau.
  1330. 55:06Bald begann eine der glanzvollsten
  1331. 55:08Phasen in der Geschichte Wiens. die
  1332. 55:11Barockzeit.
  1333. 55:13Die Habsburger ließen neue Paläste
  1334. 55:15errichten, Kirchen und Plätze gestalten
  1335. 55:17und machten Wien zu einem Symbol ihrer
  1336. 55:20kaiserlichen Pracht.
  1337. 55:22Die Belagerung von 1683
  1338. 55:25ist bis heute ein zentraler Moment des
  1339. 55:27österreichischen Selbstverständnisses.
  1340. 55:30Sie steht für die Entschlossenheit, sich
  1341. 55:32einer Übermacht zu widersetzen und für
  1342. 55:35den Zusammenhalt in einer Zeit größter
  1343. 55:37Gefahr.
  1344. 55:39Jan Sobisski und Graf Stahenberg wurden
  1345. 55:42als Helden gefeiert, nicht nur in
  1346. 55:44Österreich, sondern in ganz Europa.
  1347. 55:48Wenn man heute auf den Karlen blickt,
  1348. 55:50von dem aus Sobieski seinen Angriff
  1349. 55:52führte, spürt man noch etwas von der
  1350. 55:55Dramatik jener Tage.
  1351. 55:58Es war der Ort, an dem sich entschied,
  1352. 56:00dass Wien nicht fiel, dass die
  1353. 56:03Habsburger ihre Residenz behielten und
  1354. 56:06dass Europa einen entscheidenden Sieg
  1355. 56:08errang.
  1356. 56:10Die Glocken der Stadt, die damals nach
  1357. 56:13dem Sieg läuteten, hallen in gewisser
  1358. 56:15Weise noch immer als Erinnerung daran,
  1359. 56:19dass Wien trotz aller Bedrohungen
  1360. 56:21bestehen konnte. Nach dem Sieg von 1683
  1361. 56:26erhob sich Wien aus den Trümmern einer
  1362. 56:28belagerten Stadt zu einer Hauptstadt,
  1363. 56:30die ihren Glanz wie nie zuvor entfalten
  1364. 56:32sollte.
  1365. 56:34Die Habsburger nutzten den Triumph über
  1366. 56:36die Osmanen, um nicht nur ihre Macht zu
  1367. 56:39festigen, sondern auch ein Bild
  1368. 56:41kaiserlicher Pracht zu erschaffen, das
  1369. 56:43weit über die Grenzen des Reiches
  1370. 56:45hinausstrahlte.
  1371. 56:48Diese Epoche, die wir heute als
  1372. 56:50Barockzeit kennen, war mehr als nur ein
  1373. 56:53Stil.
  1374. 56:54Sie war eine Botschaft der Stärke, des
  1375. 56:57Glaubens und der kulturellen Größe. Die
  1376. 57:00Stadt Wien verwandelte sich in ein
  1377. 57:02lebendiges Abbild dieser neuen Era.
  1378. 57:06Kaiser Leopold.
  1379. 57:08und seine Nachfolger ließen gewaltige
  1380. 57:11Bauprojekte anstoßen, die das Gesicht
  1381. 57:13der Stadt bis heute prägen.
  1382. 57:16Kirchen wie die Karlskirche mit ihrer
  1383. 57:19prachtvollen Kuppel und den
  1384. 57:21majestätischen Säulen wurden zu Symbolen
  1385. 57:24des Triumphs und des Glaubens.
  1386. 57:27Architekten wie Johann Bernhard Fischer
  1387. 57:29von Erlach und Lukas von Hildebrand
  1388. 57:32entwarfen Gebäude, die Macht und Eleganz
  1389. 57:35vereinten.
  1390. 57:37Das Barocke Wien war aber nicht nur ein
  1391. 57:39Projekt der Herrscher, sondern auch ein
  1392. 57:42Spiegelbild einer Gesellschaft im
  1393. 57:43Aufbruch.
  1394. 57:45Adlige Familien errichteten Paläste, die
  1395. 57:48wie kleine Schlösser wirkten. Der
  1396. 57:51Belveder Palast, gebaut für Prinz Eugen
  1397. 57:54von Savoen, ist ein Beispiel dieser
  1398. 57:57Pracht.
  1399. 57:58Seine Gärten mit ihren symmetrischen
  1400. 58:01Formen, Brunnen und Statuen spiegelten
  1401. 58:04das Ideal einer geordneten Welt wieder
  1402. 58:07in der Natur gezähmt und Schönheit
  1403. 58:10inszeniert wurde. Prinz Eugen selbst war
  1404. 58:13eine der schillernsten Persönlichkeiten
  1405. 58:15dieser Epoche. Als Feldherr hatte er
  1406. 58:18nicht nur entscheidenden Anteil am Sieg
  1407. 58:20über die Osmanen, sondern auch am
  1408. 58:22weiteren Ausbau des Habsburger Reiches.
  1409. 58:26Nach seinen Erfolgen auf den
  1410. 58:27Schlachtfeldern verwandelte er Wien in
  1411. 58:29eine Stadt der Kunst und Kultur. Er
  1412. 58:32sammelte Bücher, förderte Wissenschaft
  1413. 58:35und Musik und ließ Bauwerke errichten,
  1414. 58:38die bis heute von seinem Geschmack
  1415. 58:39zeugen.
  1416. 58:41Kulturell blühte Wien auf wie nie zuvor.
  1417. 58:45Die Musik spielte dabei eine zentrale
  1418. 58:47Rolle.
  1419. 58:48Hofkomponisten wie Johann Joseph Fuchs
  1420. 58:51und Antonio Caldara schufen Werke, die
  1421. 58:54an den kaiserlichen Festen erklangen.
  1422. 58:56Musik war nicht nur Unterhaltung,
  1423. 58:58sondern ein Ausdruck von Macht und
  1424. 59:01Größe. In dieser Zeit wurden auch die
  1425. 59:03Grundlagen für Wiens späteren Ruf als
  1426. 59:07Welthauptstadt der Musik gelegt. Doch
  1427. 59:09das barocke Wien war nicht nur ein Ort
  1428. 59:12der Pracht, es war auch eine Stadt des
  1429. 59:15Glaubens.
  1430. 59:17Nach den kriegerischen
  1431. 59:18Auseinandersetzungen mit den Osmanen war
  1432. 59:21der Katholizismus stärker denn je mit
  1433. 59:23der Habsburger Herrschaft verknüpft.
  1434. 59:26Kirchenfeste, Prozessionen und religiöse
  1435. 59:29Zeremonien prägten das Leben der
  1436. 59:31Menschen.
  1437. 59:32Die prachtvollen Kirchenbauten dienten
  1438. 59:34nicht nur der Anbetung, sondern auch der
  1439. 59:36Demonstration der engen Verbindung
  1440. 59:38zwischen Thron und Altar.
  1441. 59:41Das Alltagsleben in Wien erlebte in
  1442. 59:43dieser Zeit eine deutliche Veränderung.
  1443. 59:45Märkte füllten sich mit Waren aus allen
  1444. 59:47Teilen der Welt. Cafée, der durch die
  1445. 59:50Türkenbelagerung nach Europa gelangt
  1446. 59:52war, eroberte die Stadt. Die ersten
  1447. 59:55Kaffeehäuser entstanden und entwickelten
  1448. 59:58sich schnell zu Treffpunkten von
  1449. 59:59Händlern, Gelehrten und Künstlern.
  1450. 1:00:02Hier wurden Geschäfte besprochen,
  1451. 1:00:04politische Ideen ausgetauscht und neue
  1452. 1:00:07kulturelle Strömungen diskutiert.
  1453. 1:00:09Die Barockzeit war auch eine Ehra der
  1454. 1:00:12großen Gärten und Festlichkeiten.
  1455. 1:00:15Der Hof veranstaltete rauschende Bälle,
  1456. 1:00:18Jagten und Feste, die den Reichtum und
  1457. 1:00:21die Macht der Habsburger demonstrierten.
  1458. 1:00:24In der Hofburg und später im Schloss
  1459. 1:00:26Schönbrunn fanden prunkvolle Empfänge
  1460. 1:00:29statt, bei denen die europäische
  1461. 1:00:32Aristokratie zusammenkam.
  1462. 1:00:34Schön Brunn selbst mit seiner
  1463. 1:00:37weitläufigen Anlage und den kunstvollen
  1464. 1:00:39Räumen wurde zu einem der wichtigsten
  1465. 1:00:42Symbole habsburgischer Pracht. Doch
  1466. 1:00:45hinter dieser glänzenden Fassade lag
  1467. 1:00:48auch eine andere Realität.
  1468. 1:00:50Die einfachen Bürger Wiens lebten
  1469. 1:00:52weiterhin in bescheidenen Verhältnissen.
  1470. 1:00:55Viele arbeiteten als Handwerker, Händler
  1471. 1:00:58oder in den Diensten des Adels.
  1472. 1:01:01Für sie war der Barocke Glanz oft nur
  1473. 1:01:03aus der Ferne sichtbar. Dennoch prägte
  1474. 1:01:06die barocke Kultur das Leben aller, sei
  1475. 1:01:08es durch die Musik, die Architektur oder
  1476. 1:01:11die Feste, die die Stadt regelmäßig in
  1477. 1:01:13ein Meer aus Farben und Klängen
  1478. 1:01:15tauchten.
  1479. 1:01:17Am Ende des 17. und im frühen 18.
  1480. 1:01:19Jahrhundert war Wien nicht mehr die
  1481. 1:01:21belagerte Stadt von einst, sondern ein
  1482. 1:01:23Ort, der die Besucher aus ganz Europa in
  1483. 1:01:26Staunen versetzte.
  1484. 1:01:28Die Silhouette der Stadt, gekrönt von
  1485. 1:01:30Kuppeln, Türmen und Palästen, erzählte
  1486. 1:01:33von einer neuen Selbstsicherheit und
  1487. 1:01:35einer Macht, die sich nicht nur auf
  1488. 1:01:37Schlachten, sondern auf Kultur und Kunst
  1489. 1:01:39stützte.
  1490. 1:01:41Hier entstand das Bild eines
  1491. 1:01:43Österreichs, das stolz auf seine Rolle
  1492. 1:01:46als Hüter von Tradition, Glauben und
  1493. 1:01:48Schönheit war.
  1494. 1:01:50ein Bild, das weit über die Epoche
  1495. 1:01:52hinaus bestand haben sollte.
  1496. 1:01:55Als Maria Theresia
  1497. 1:01:58den Thron bestieg, befand sich
  1498. 1:02:00Österreich in einer kritischen Lage. Der
  1499. 1:02:03Tod ihres Vaters, Kaiser Karl VI, hatte
  1500. 1:02:06das Reich in eine unsichere
  1501. 1:02:08Erbfolgekrise gestürzt.
  1502. 1:02:11Obwohl die pragmatische Sanktion, ein
  1503. 1:02:13Gesetz, das die Thronfolge seiner
  1504. 1:02:15Tochter sichern sollte, schon Jahre
  1505. 1:02:18zuvor verabschiedet worden war, sahen
  1506. 1:02:20rivalisierende Mächte nun ihre Chance,
  1507. 1:02:23die Habsburgische Vormachtstellung zu
  1508. 1:02:25schwächen.
  1509. 1:02:27Preußen, Bayern, Frankreich und andere
  1510. 1:02:30Staaten zögerten nicht lange, die
  1511. 1:02:33Situation auszunutzen. So begann der
  1512. 1:02:35österreichische Erbfolgekrieg, der Maria
  1513. 1:02:38Theresias Herrschaft von Beginn an auf
  1514. 1:02:40eine harte Probe stellte. Maria Theresia
  1515. 1:02:43war damals gerade einmal 23 Jahre alt,
  1516. 1:02:47unerfahren und in einem von Männern
  1517. 1:02:49dominierten politischen Umfeld eine
  1518. 1:02:51Ausnahmeerscheinung.
  1519. 1:02:54Doch sie bewies schon in diesen ersten
  1520. 1:02:56Jahren ihren eisernen Willen und ihre
  1521. 1:02:58politische Intelligenz.
  1522. 1:03:01Mit Entschlossenheit verteidigte sie ihr
  1523. 1:03:03Reich gegen Friedrich den Großen von
  1524. 1:03:05Preußen, der mit der Invasion Schlesiens
  1525. 1:03:09einen wichtigen Teil des Habsburgischen
  1526. 1:03:11Territoriums erobert hatte.
  1527. 1:03:14Trotz militärischer Rückschläge und der
  1528. 1:03:17Niederlage in Schlesien gelang es Maria
  1529. 1:03:20Theresia ihre Herrschaft zu sichern und
  1530. 1:03:23Österreich als zentrale Macht Europas zu
  1531. 1:03:27behaupten.
  1532. 1:03:28Nach den Wirren des Erbfolgekriegs
  1533. 1:03:31wandte sich Maria Theresia dem inneren
  1534. 1:03:34Aufbau zu. Sie war nicht nur eine
  1535. 1:03:37Königin, sondern auch eine Reformerin.
  1536. 1:03:40Ihr Ziel war es, das Reich zu
  1537. 1:03:42modernisieren und zukunftsfähig zu
  1538. 1:03:44machen. Eine ihrer bedeutendsten
  1539. 1:03:47Maßnahmen war die Reform der Verwaltung.
  1540. 1:03:50Sie schuf eine zentralisierte
  1541. 1:03:52Bürokratie,
  1542. 1:03:53die effizienter und weniger von den
  1543. 1:03:56Launen lokaler Adliger abhängig war.
  1544. 1:03:59Beamte wurden nun nach Leistung und
  1545. 1:04:02nicht nur nach Herkunft ausgewählt, was
  1546. 1:04:04den Staat langfristig stärkte. Auch das
  1547. 1:04:07Steuerwesen wurde von Grund auf
  1548. 1:04:09reformiert. Maria Theresia führte eine
  1549. 1:04:12allgemeine Steuerpflicht ein, die auch
  1550. 1:04:15den Adel betraf, der sich zuvor oft vor
  1551. 1:04:18Abgaben gedrückt hatte. Diese Einnahmen
  1552. 1:04:21flossen in den Ausbau des Militärs, der
  1553. 1:04:24Verwaltung und des Bildungswesens.
  1554. 1:04:27In ihrer Regierungszeit entstand ein
  1555. 1:04:29moderner Staat, der stärker organisiert
  1556. 1:04:32und besser verteidigt war als je zuvor.
  1557. 1:04:36Ein besonderes Augenmerk legte die
  1558. 1:04:38Herrscherin auf das Bildungssystem.
  1559. 1:04:41Sie erkannte, dass ein Reich nur dann
  1560. 1:04:43stark sein konnte, wenn seine
  1561. 1:04:45Bevölkerung gebildet war.
  1562. 1:04:47Mit der Schulpflicht von 174,
  1563. 1:04:50die sie einführte, revolutionierte sie
  1564. 1:04:53das Bildungswesen.
  1565. 1:04:55Kinder sollten lesen, schreiben und
  1566. 1:04:57rechnen lernen, unabhängig von ihrer
  1567. 1:04:59sozialen Herkunft. Schulen wurden
  1568. 1:05:02gebaut, Lehrer ausgebildet und die
  1569. 1:05:05Alphabetisierungsrate
  1570. 1:05:07stieg deutlich an.
  1571. 1:05:09Auch im Rechtswesen setzte Maria
  1572. 1:05:12Theresia Zeichen. Sie reformierte die
  1573. 1:05:15Gerichtsbarkeit, um mehr Gerechtigkeit
  1574. 1:05:17zu schaffen und ging gegen Korruption
  1575. 1:05:20und Willkür vor.
  1576. 1:05:22Gleichzeitig blieb sie eine tiefgläubige
  1577. 1:05:25Katholikin und hielt an vielen
  1578. 1:05:27traditionellen Werten fest.
  1579. 1:05:30Ihre Reformen waren nie revolutionär im
  1580. 1:05:33modernen Sinn, sondern zielten darauf
  1581. 1:05:35ab, den Staat zu stärken, ohne die
  1582. 1:05:38Grundstrukturen der Gesellschaft völlig
  1583. 1:05:41aufzulösen.
  1584. 1:05:43In ihrer fast 40-jährigen Herrschaft
  1585. 1:05:45entwickelte sich Österreich zu einer der
  1586. 1:05:48stabilsten Mächte Europas.
  1587. 1:05:51Maria Theresia umgab sich mit fähigen
  1588. 1:05:54Beratern wie ihrem Mann Franz Stefan von
  1589. 1:05:57Lotring und dem klugen Staatskanzler
  1590. 1:05:59Wenzel Anton von Kaunitz, der die
  1591. 1:06:02Außenpolitik prägte.
  1592. 1:06:05Unter seiner Führung gelang es ein
  1593. 1:06:07Bündnis mit Frankreich zu schließen,
  1594. 1:06:10eine spektakuläre diplomatische Wende,
  1595. 1:06:13da Frankreich zuvor als Erzrival
  1596. 1:06:15gegolten hatte.
  1597. 1:06:17Dieses Bündnis führte später zum
  1598. 1:06:19siebenjährigen Krieg, in dem Maria
  1599. 1:06:22Theresia erneut gegen Preußen kämpfte,
  1600. 1:06:25allerdings ohne Schlesien
  1601. 1:06:27zurückzugewinnen. Maria Theresia war
  1602. 1:06:29nicht nur eine politische Gestalterin,
  1603. 1:06:32sondern auch eine beeindruckende
  1604. 1:06:34Persönlichkeit.
  1605. 1:06:35Zeitgenossen beschrieben sie als
  1606. 1:06:37warmherzig, aber ebenso unbeugsam, wenn
  1607. 1:06:40es um ihre Prinzipien ging. Sie war
  1608. 1:06:44Mutter von sechsehn Kindern, darunter
  1609. 1:06:46berühmte Namen wie Marie Antoinette, die
  1610. 1:06:49spätere Königin von Frankreich und
  1611. 1:06:52Kaiser Josef den Amsten, der nach ihrem
  1612. 1:06:56Tod die Habsburgischen Reformen
  1613. 1:06:57weiterführte.
  1614. 1:07:00Unter ihrer Herrschaft wandelte sich
  1615. 1:07:02Wien zu einer kulturellen Metropole.
  1616. 1:07:05Barocke Paläste, prächtige Kirchen und
  1617. 1:07:08neue Bildungsstädten prägten das
  1618. 1:07:09Stadtbild. Musik und Kunst erlebten eine
  1619. 1:07:13neue Blüte, gefördert von der
  1620. 1:07:15kaiserlichen Familie.
  1621. 1:07:17Gleichzeitig entwickelte sich ein Gefühl
  1622. 1:07:19von Identität und Zusammenhalt innerhalb
  1623. 1:07:22des Reiches, das weit über die
  1624. 1:07:24Habsburgischen Erblande hinausstrahlte.
  1625. 1:07:28Als Maria Theresia
  1626. 1:07:31starb, hinterließ sie ein starkes,
  1627. 1:07:34reformiertes Österreich, das auf einem
  1628. 1:07:36soliden Fundament stand. Sie hatte das
  1629. 1:07:40Bild einer Herrscherin geprägt, die
  1630. 1:07:42nicht nur verteidigte, was ihr übergeben
  1631. 1:07:45wurde, sondern es formte und erneuerte.
  1632. 1:07:49Ihre Regierungszeit war kein goldenes
  1633. 1:07:52Zeitalter ohne Konflikte, doch sie war
  1634. 1:07:55eine Era des Wandels, die Österreich
  1635. 1:07:57modernisierte und ihm eine neue Rolle in
  1636. 1:08:00Europa gab.
  1637. 1:08:02Es war als würde ein neuer Wind durch
  1638. 1:08:04die kaiserlichen Hallen wehen, als
  1639. 1:08:06Joseph II. nach dem Tod seiner Mutter
  1640. 1:08:09die Zügel der Macht übernahm.
  1641. 1:08:11Die schweren Vorhänge der Tradition, die
  1642. 1:08:14unter Theresia noch festgeschlossen
  1643. 1:08:16waren, wurden nun zur Seite geschoben
  1644. 1:08:19und Licht drang hinein, das Licht der
  1645. 1:08:22Aufklärung.
  1646. 1:08:24Josef, der älteste Sohn Maria Theresias,
  1647. 1:08:28war kein Herrscher, der in den alten
  1648. 1:08:30Bahnen verharren wollte. Er war geprägt
  1649. 1:08:33von den Idealen seiner Zeit. Vernunft,
  1650. 1:08:37Fortschritt und das Streben nach einer
  1651. 1:08:39gerechteren Gesellschaft.
  1652. 1:08:42Schon zu Lebzeiten seiner Mutter hatte
  1653. 1:08:44Joseph als Mitregent Erfahrungen
  1654. 1:08:46gesammelt, doch nun, allein an der
  1655. 1:08:49Spitze des Habsburger Reiches wollte er
  1656. 1:08:52den Staat nach seinen eigenen
  1657. 1:08:54Vorstellungen formen.
  1658. 1:08:57Anders als Maria Theresia die Tradition
  1659. 1:09:00und Religion hochhielt, strebte Josef
  1660. 1:09:03nach Reformen, die mitunter radikal
  1661. 1:09:05erschienen.
  1662. 1:09:07Er sah sich nicht als Herrscher von
  1663. 1:09:08Gottes Gnaden, sondern als Diener des
  1664. 1:09:11Staates. Ein Gedanke, der für die
  1665. 1:09:14damalige Zeit revolutionär war. Josef I.
  1666. 1:09:17führte eine Vielzahl von Veränderungen
  1667. 1:09:20ein, die tief in die Strukturen des
  1668. 1:09:22Reiches eingriffen.
  1669. 1:09:24Besonders bekannt ist sein
  1670. 1:09:25Toleranzpatent von 1781,
  1671. 1:09:29das den nichtkatholischen
  1672. 1:09:31Glaubensgemeinschaften mehr Rechte und
  1673. 1:09:33Freiheiten gewährte.
  1674. 1:09:36Für Protestanten und Orthodoxe bedeutete
  1675. 1:09:38dies ein Ende der jahrhundertelangen
  1676. 1:09:40Diskriminierung.
  1677. 1:09:42Selbst den Juden, die lange ausgegrenzt
  1678. 1:09:45waren, gewährte er mehr Freiheiten im
  1679. 1:09:48Wirtschafts und Berufsleben.
  1680. 1:09:51Diese Maßnahmen entsprachen dem Geist
  1681. 1:09:53der Aufklärung, der religiöse Toleranz
  1682. 1:09:55und individuelle Rechte betonte.
  1683. 1:09:59Auch die Verwaltung und das Rechtssystem
  1684. 1:10:01wurden grundlegend reformiert.
  1685. 1:10:03Joseph wollte den Staat von innen heraus
  1686. 1:10:06modernisieren. Er schaffte viele
  1687. 1:10:08überholte Privilegien ab, führte ein
  1688. 1:10:10einheitliches Justizsystem ein und
  1689. 1:10:13versuchte alle Bürger vor dem Gesetz
  1690. 1:10:15gleichzustellen.
  1691. 1:10:17Selbst in die Macht der Kirche griff er
  1692. 1:10:19ein.
  1693. 1:10:20Klöster, die keinen direkten Nutzen für
  1694. 1:10:23Bildung oder soziale Aufgaben hatten,
  1695. 1:10:26wurden aufgelöst und ihr Besitz ging in
  1696. 1:10:29die Hände des Staates über. Sein
  1697. 1:10:31wohlmutigster Schritt war die
  1698. 1:10:33Abschaffung der Leibeigenschaft.
  1699. 1:10:36Bauern, die bisher an ihre Grundherren
  1700. 1:10:38gebunden waren, erhielten das Recht über
  1701. 1:10:41ihr Leben freier zu bestimmen.
  1702. 1:10:44Sie durften heiraten, ihren Wohnort
  1703. 1:10:46wechseln und ihr Land eigenständig
  1704. 1:10:49bewirtschaften.
  1705. 1:10:51Diese Reform war ein Meilenstein in der
  1706. 1:10:53Geschichte der Habsburger Monarchie,
  1707. 1:10:56auch wenn sie auf heftigen Widerstand
  1708. 1:10:58des Adels stieß.
  1709. 1:11:00Doch Josephs Reform waren nicht immer
  1710. 1:11:02von Erfolg gekrönt.
  1711. 1:11:05Seine Entschlossenheit, alles in kurzer
  1712. 1:11:07Zeit zu verändern, führte oft zu
  1713. 1:11:09Überlastung und Ablehnung.
  1714. 1:11:12Viele seiner Maßnahmen waren der
  1715. 1:11:14Gesellschaft ihrer Zeit zu weit voraus.
  1716. 1:11:18Bauern und Bürger begrüßten einige
  1717. 1:11:20Reformen, aber Adelige und die Kirche
  1718. 1:11:23fühlten sich entmachtet und reagierten
  1719. 1:11:26mit offener Ablehnung.
  1720. 1:11:28Auch außenpolitisch hatte Joseph II. Das
  1721. 1:11:32glückliche Händchen seiner Mutter.
  1722. 1:11:35Seine Kriege gegen die Osmanen und
  1723. 1:11:37Preußen zerrten an den Ressourcen des
  1724. 1:11:39Reiches und führten zu wenig dauerhaften
  1725. 1:11:42Erfolgen.
  1726. 1:11:44Vor allem der sogenannte bayerische
  1727. 1:11:46Erbfolgekrieg brachte Österreich keinen
  1728. 1:11:49wirklichen Gewinn, sondern hinterließ
  1729. 1:11:51Spannungen und Frustration.
  1730. 1:11:54Trotz dieser Schwierigkeiten war Joseph
  1731. 1:11:57ein Herrscher, der einen bleibenden
  1732. 1:11:59Eindruck hinterließ.
  1733. 1:12:01Sein unermüdlicher Einsatz für
  1734. 1:12:03Aufklärung und Fortschritt machte ihn zu
  1735. 1:12:05einem Symbol einer neuen Zeit. Er wollte
  1736. 1:12:08das Leben der Menschen verbessern,
  1737. 1:12:11selbst wenn es bedeutete, sich gegen
  1738. 1:12:13mächtige Interessengruppen zu stellen.
  1739. 1:12:16Zeitgenossen beschrieben ihn als
  1740. 1:12:18unermüdlich, fast rastlos.
  1741. 1:12:21Ein Herrscher, der stets unterwegs war,
  1742. 1:12:23um sein Reich zu inspizieren, Reformen
  1743. 1:12:26zu überwachen und Missstände
  1744. 1:12:28aufzudecken.
  1745. 1:12:30Josef II starb 1790, erschöpft und von
  1746. 1:12:34Krankheit gezeichnet. Viele seiner
  1747. 1:12:36Reformen wurden nach seinem Tod wieder
  1748. 1:12:38zurückgenommen oder abgeschwächt.
  1749. 1:12:41Doch das, was er in Bewegung gesetzt
  1750. 1:12:43hatte, konnte nicht mehr ganz gestoppt
  1751. 1:12:45werden.
  1752. 1:12:47Die Ideen der Aufklärung hatten in
  1753. 1:12:49Österreich Wurzeln geschlagen und sein
  1754. 1:12:52Name blieb mit diesem geistigen Wandel
  1755. 1:12:54verbunden.
  1756. 1:12:56Unter seiner Regentschaft wurde das
  1757. 1:12:57Habsburger Reich nicht nur durch Gesetze
  1758. 1:13:00verändert, sondern auch durch einen
  1759. 1:13:02neuen Geist geprägt. Einen Geist, der
  1760. 1:13:06nicht in höfischer Pracht oder
  1761. 1:13:08unnahbarer Autorität lag.
  1762. 1:13:11sondern im Versuch, das Leben der
  1763. 1:13:13Menschen zu verbessern.
  1764. 1:13:15Und während Joseph II in seiner kurzen
  1765. 1:13:18Regierungszeit oft mehr Widerstände als
  1766. 1:13:21Dank erntete, war sein Wirken der
  1767. 1:13:23Auftakt für eine Era, in der der Gedanke
  1768. 1:13:26der Vernunft und der Reform nicht mehr
  1769. 1:13:28aus Europa verschwinden sollte. Europa
  1770. 1:13:31stand am Beginn einer völlig neuen
  1771. 1:13:33Epoche, als Napoleon Bonapart seinen
  1772. 1:13:36Siegeszug antrat.
  1773. 1:13:38Für Österreich bedeutete diese Zeit das
  1774. 1:13:41ständige Ringen zwischen Tradition und
  1775. 1:13:43einem revolutionären Sturm, der über den
  1776. 1:13:46Kontinent fegte.
  1777. 1:13:48Noch waren die Schlachten des 18.
  1778. 1:13:50Jahrhunderts nicht vergessen, als sich
  1779. 1:13:52Wien plötzlich inmitten eines Kampfes um
  1780. 1:13:55die politische Neuordnung Europas
  1781. 1:13:57wiederfand.
  1782. 1:13:59Das Habsburger Reich, stolz und mächtig,
  1783. 1:14:02sah sich einer neuen Art von Gegner
  1784. 1:14:04gegenüber, einem Mann, der nicht aus
  1785. 1:14:07altem Adel, sondern aus der Revolution
  1786. 1:14:09geboren war und das alte Machtgefüge
  1787. 1:14:13Europas radikal herausforderte.
  1788. 1:14:16Bereits die französische Revolution
  1789. 1:14:19hatte die Grundfesten der Monarchien
  1790. 1:14:21erschüttert. Ihre Ideen von Freiheit,
  1791. 1:14:24Gleichheit und Brüderlichkeit waren wie
  1792. 1:14:27ein Brand, der das alte Europa in
  1793. 1:14:30Aufruhr versetzte.
  1794. 1:14:32Österreich, das sich immer als Hüter der
  1795. 1:14:35Tradition verstand, stand dieser
  1796. 1:14:37Bewegung feindlich gegenüber.
  1797. 1:14:41Kaiser Franz II. Der letzte Kaiser des
  1798. 1:14:44Heiligen Römischen Reiches wußte, daß
  1799. 1:14:46Napoleons Aufstieg nicht nur eine
  1800. 1:14:48militärische, sondern auch eine
  1801. 1:14:50ideologische Gefahr darstellte.
  1802. 1:14:53Die ersten Koalitionskriege brachten
  1803. 1:14:55Österreich in direkte Konfrontation mit
  1804. 1:14:58den französischen Truppen. Seiten 397
  1805. 1:15:02musste das Reich den Frieden von
  1806. 1:15:04Campoforio akzeptieren. Ein Vertrag, der
  1807. 1:15:07den Verlust großer Gebiete bedeutete,
  1808. 1:15:10darunter die Lombardei und Teile der
  1809. 1:15:12Niederlande.
  1810. 1:15:14Doch die größte Cesur kam 1806,
  1811. 1:15:18als Napoleon nach dem Sieg über
  1812. 1:15:20Österreich und Preußen das Ende des
  1813. 1:15:23Heiligen Römischen Reiches erzwang.
  1814. 1:15:26Kaiser Franz II. legte die Kaiserkrone
  1815. 1:15:29des Reiches nieder und nahm stattdessen
  1816. 1:15:32den Titel Kaiser Franz der I. von
  1817. 1:15:35Österreich an.
  1818. 1:15:38Ein Jahrtausendreichsgeschichte
  1819. 1:15:39fand hier sein formelles Ende. Trotz
  1820. 1:15:42dieser Niederlagen gab Österreich den
  1821. 1:15:45Widerstand nicht auf.
  1822. 1:15:47Die Schlachten von Austerlitz 185
  1823. 1:15:51und Wagram 180
  1824. 1:15:54gehören zu den bittersten Niederlagen
  1825. 1:15:56der Habsburgischen Geschichte. Und doch
  1826. 1:15:59formte jede dieser Schlachten den
  1827. 1:16:01Charakter des Landes neu. Gerade
  1828. 1:16:04Austerlitz, auch bekannt als die
  1829. 1:16:07Dreikaiserschlacht,
  1830. 1:16:08zeigte, wie überlegen Napoleons
  1831. 1:16:11Strategien sein konnten.
  1832. 1:16:14Doch das Reich hielt stand, lernte aus
  1833. 1:16:17seinen Fehlern und bereitete sich immer
  1834. 1:16:19wieder auf den nächsten Schlagabtausch
  1835. 1:16:21vor.
  1836. 1:16:23Eine der klügsten politischen
  1837. 1:16:25Entscheidungen dieser Zeit war die
  1838. 1:16:27Heiratspolitik der Habsburger.
  1839. 1:16:301810
  1840. 1:16:31wurde Erzherzogin Marie Louise, die
  1841. 1:16:34Tochter Kaiser Franz des I. Mit Napoleon
  1842. 1:16:38verheiratet.
  1843. 1:16:39Es war ein kalkulierter Schachzug, um
  1844. 1:16:42Frieden zu sichern und den französischen
  1845. 1:16:44Kaiser durch familiäre Bande zu binden.
  1846. 1:16:47Auch wenn diese Verbindung nicht von
  1847. 1:16:49langer Dauer sein sollte, zeigte sie
  1848. 1:16:51doch die Anpassungsfähigkeit der
  1849. 1:16:53Habsburger inmitten einer unruhigen
  1850. 1:16:56Zeit. Der entscheidende Wendepunkt kam
  1851. 1:16:591813
  1852. 1:17:00mit der Völkerschlacht bei Leipzig.
  1853. 1:17:03Hier kämpften Österreich, Preußen,
  1854. 1:17:06Russland und Schweden gemeinsam gegen
  1855. 1:17:08Napoleon und besiegten ihn.
  1856. 1:17:12Ein Jahr später marschierten die
  1857. 1:17:13Alliierten in Paris ein und Napoleon
  1858. 1:17:16wurde ins Exil geschickt. Für Österreich
  1859. 1:17:19war dies der Beginn einer neuen Rolle in
  1860. 1:17:21Europa. Nicht mehr nur als besiegter
  1861. 1:17:24Gegner, sondern als einer der
  1862. 1:17:26Architekten des kommenden Friedens.
  1863. 1:17:29Diese Rolle festigte sich 1814 beim
  1864. 1:17:32Wiener Kongress. Wien wurde für mehrere
  1865. 1:17:35Monate zum Zentrum Europas, zum Ort, an
  1866. 1:17:38dem Könige, Fürsten und Diplomaten die
  1867. 1:17:41neue Ordnung des Kontinents gestalteten.
  1868. 1:17:44Unter der Führung des österreichischen
  1869. 1:17:46Staatskanzlers Fürst Mettern wurde eine
  1870. 1:17:49Balance der Mächte geschaffen, die
  1871. 1:17:51darauf abzielte, zukünftige Revolutionen
  1872. 1:17:54und Kriege zu verhindern.
  1873. 1:17:57Metterichs Politik war konservativ, ja,
  1874. 1:18:00fast star, aber sie verschaffte Europa
  1875. 1:18:03eine Phase relativer Stabilität, die
  1876. 1:18:06fast vier Jahrzehnte anhielt. Während
  1877. 1:18:09des Wiener Kongresses erlebte Wien
  1878. 1:18:11selbst einen kulturellen Höhepunkt. Die
  1879. 1:18:14Stadt war nicht nur Bühne für politische
  1880. 1:18:16Verhandlung, sondern auch für Bälle,
  1881. 1:18:19Konzerte und Feste.
  1882. 1:18:22Musik von Komponisten wie Behoven und
  1883. 1:18:24Schubert erklang in den Seelen und die
  1884. 1:18:26kaiserliche Residenz zeigte sich als
  1885. 1:18:29Herz des alten, aber noch immer
  1886. 1:18:30lebendigen Europas.
  1887. 1:18:33Österreich ging geschwächt, aber nicht
  1888. 1:18:35gebrochen aus den napoleonischen Kriegen
  1889. 1:18:39hervor.
  1890. 1:18:40Das Ende des Heiligen Römischen Reiches
  1891. 1:18:42hatte zwar ein Kapitel geschlossen, doch
  1892. 1:18:45das Kaisertum Österreich trat gestärkt
  1893. 1:18:48als eigenständige Großmacht auf. Der
  1894. 1:18:51konservative Geist Metterns und der
  1895. 1:18:54Wunsch nach Ordnung und Stabilität
  1896. 1:18:56prägten die kommenden Jahrzehnte, eine
  1897. 1:18:59Epoche, die sich auf den glanzvollen,
  1898. 1:19:02aber fragilen Frieden stützte, den der
  1899. 1:19:04Wiener Kongress geschaffen hatte.
  1900. 1:19:07Die Jahre nach dem Wiener Kongress waren
  1901. 1:19:10von einer ungewöhnlichen Ruhe geprägt,
  1902. 1:19:12fast wie der Atem einer Welt, die sich
  1903. 1:19:15nach Jahrzehnten von Krieg und
  1904. 1:19:16Umwälzungen erholen wollte.
  1905. 1:19:19Österreich, das Herzstück der neuen
  1906. 1:19:22europäischen Ordnung, war dabei mehr
  1907. 1:19:24denn je ein Reich der Balance und
  1908. 1:19:26Kontrolle.
  1909. 1:19:28An der Spitze dieser Ordnung stand ein
  1910. 1:19:30Mann, der wie kein anderer das Denken
  1911. 1:19:32und Handeln seiner Epoche prägte.
  1912. 1:19:35Fürst Clemens Wenzel von Metich.
  1913. 1:19:38Metich war nicht nur ein Diplomat, er
  1914. 1:19:41war ein Architekt des Friedens. Für ihn
  1915. 1:19:44war das Gleichgewicht der Mächte der
  1916. 1:19:46Schlüssel, um Europa von neuen
  1917. 1:19:48Revolutionen und dem Chaos der
  1918. 1:19:50napoleonischen Zeit zu bewahren. Er
  1919. 1:19:53setzte auf konservative Prinzipien, auf
  1920. 1:19:56Monarchie, Ordnung und die strikte
  1921. 1:19:59Ablehnung liberaler Ideen.
  1922. 1:20:02Unter seiner Führung wurde Österreich
  1923. 1:20:04zur zentralen Säule der heiligen
  1924. 1:20:07Allianz, einem Bündnis der konservativen
  1925. 1:20:10Mächte Russland, Preußen und Österreich,
  1926. 1:20:14dass sich der Unterdrückung
  1927. 1:20:16revolutionärer Bewegungen verschrieben
  1928. 1:20:18hatte. Doch diese Ruhe war trügerisch.
  1929. 1:20:23Unter der glänzenden Oberfläche wuchs
  1930. 1:20:25Unzufriedenheit.
  1931. 1:20:27Die Industrialisierung begann, wenn auch
  1932. 1:20:30langsam, das Gefüge der Gesellschaft zu
  1933. 1:20:33verändern.
  1934. 1:20:35In den Städten lebten immer mehr
  1935. 1:20:37Arbeiter unter schlechten Bedingungen,
  1936. 1:20:39während das Bürgertum nach politischer
  1937. 1:20:41Mitbestimmung verlangte.
  1938. 1:20:44Nationalistische Bewegungen gewannen an
  1939. 1:20:47Stärke, besonders in den vielfältigen
  1940. 1:20:49Völkern der Habsburger Monarchie.
  1941. 1:20:52Ungarn, Tschechien, Italiener und viele
  1942. 1:20:55andere sehnten sich nach Freiheit und
  1943. 1:20:58Selbstbestimmung.
  1944. 1:20:59Metnich versuchte diese Strömung mit
  1945. 1:21:01harter Hand zu kontrollieren. Die Zensur
  1946. 1:21:04wurde verschärft, liberale Zeitungen
  1947. 1:21:06verboten und geheime Polizeinetze
  1948. 1:21:08aufgebaut, die jede regierungskritische
  1949. 1:21:11Bewegung überwachten.
  1950. 1:21:13Doch der Geist der Zeit ließ sich nicht
  1951. 1:21:15ewig einsperren. Immer lauter wurden die
  1952. 1:21:18Forderungen nach Freiheit, Verfassung
  1953. 1:21:21und nationaler Einheit. nicht nur in
  1954. 1:21:23Österreich, sondern in ganz Europa.
  1955. 1:21:28Der Wendepunkt kam 1848.
  1956. 1:21:32Es war ein Jahr, das ganz Europa
  1957. 1:21:35erschütterte. In Paris begann die
  1958. 1:21:37Februarrevolution,
  1959. 1:21:39die bald wie ein Lauffeuer über den
  1960. 1:21:41Kontinent zog.
  1961. 1:21:43Auch in Wien sammelten sich
  1962. 1:21:44Menschenmassen, Studenten und Bürger,
  1963. 1:21:47die politische Reformen forderten. Die
  1964. 1:21:50Straßen füllten sich mit Protesten und
  1965. 1:21:53das, was Metter nicht sein Leben lang zu
  1966. 1:21:55verhindern versucht hatte, wurde
  1967. 1:21:57Realität.
  1968. 1:21:59Die Revolution von 1848
  1969. 1:22:02in Wien zwang alternen Staatskanzler zum
  1970. 1:22:05Rücktritt.
  1971. 1:22:07Am 13. März verließ Meter nicht unter
  1972. 1:22:09dem Druck der Massen die Stadt und ging
  1973. 1:22:11ins Exil.
  1974. 1:22:13Es war das Ende einer Era, in der
  1975. 1:22:15konservative Diplomatie über Europa
  1976. 1:22:17geherrscht hatte. Die Forderungen der
  1977. 1:22:20Revolutionäre waren klar:
  1978. 1:22:23Pressefreiheit, eine Verfassung, eine
  1979. 1:22:26Nationalversammlung.
  1980. 1:22:28In den Monaten darauf erlebte das
  1981. 1:22:30Habsburger Reich einen politischen
  1982. 1:22:32Sturm.
  1983. 1:22:33Die ungarische Nationalbewegung unter
  1984. 1:22:35Lajos Kos erklärte praktisch ihre
  1985. 1:22:38Unabhängigkeit,
  1986. 1:22:40während in Wien die Revolutionäre
  1987. 1:22:42versuchten, eine neue Ordnung
  1988. 1:22:44aufzubauen.
  1989. 1:22:46Kaiser Ferdinand.
  1990. 1:22:48Schwach und zögerlich, konnte die Lage
  1991. 1:22:51nicht mehr kontrollieren.
  1992. 1:22:54Schließlich trat er im Dezember 1848
  1993. 1:22:58zugunsten seines jungen Neffen Franz
  1994. 1:23:00Josef zurück. Franz Josef, gerade einmal
  1995. 1:23:04Jahre alt, trat die Herrschaft inmitten
  1996. 1:23:07dieses Chaos an. Mit seiner Jugend kam
  1997. 1:23:10ein neuer Wille zur Ordnung, aber auch
  1998. 1:23:13zur Härte.
  1999. 1:23:15Während die Revolutionen anfangserfolge
  2000. 1:23:17feierten, folgte bald die Gegenreaktion.
  2001. 1:23:21Mit Hilfe der kaiserlichen Armee und
  2002. 1:23:23russischer Truppen wurden die Aufstände
  2003. 1:23:25in Ungarn und anderswo blutig
  2004. 1:23:27niedergeschlagen.
  2005. 1:23:29Die Revolution von 1848
  2006. 1:23:33hinterließ ein zwiespältiges Erbe. Zwar
  2007. 1:23:36wurden einige Reformen umgesetzt und das
  2008. 1:23:39Bewusstsein für nationale und liberale
  2009. 1:23:42Ideen wuchs, doch die Monarchie ging
  2010. 1:23:45gestärkt aus der Krise hervor.
  2011. 1:23:48Franz Josef lernte aus diesem Jahr der
  2012. 1:23:51Unruhe, daß die Habsburger Monarchie nur
  2013. 1:23:54mit einer Kombination aus
  2014. 1:23:56zentralisierter Macht und gezielter
  2015. 1:23:59Modernisierung bestehen konnte.
  2016. 1:24:02Das Zeitalter Mettern war endgültig
  2017. 1:24:04vorbei.
  2018. 1:24:06Was folgte, war eine Epoche, in der
  2019. 1:24:08Österreich zwischen Tradition und
  2020. 1:24:11Modernisierung pendelte, immer unter dem
  2021. 1:24:14Druck der nationalen Bewegung, die sich
  2022. 1:24:17nicht mehr zum Schweigen bringen ließen.
  2023. 1:24:19Das Jahr 1848
  2024. 1:24:21hatte gezeigt, dass das alte Europa ins
  2025. 1:24:24Wanken geraten war und die Habsburger
  2026. 1:24:27Monarchie musste sich neu definieren, um
  2027. 1:24:30nicht in diesem Sturm unterzugehen.
  2028. 1:24:32Als Franz Josef im Dezember 1848
  2029. 1:24:36die Kaiserkrone übernahm, war das
  2030. 1:24:38Habsburger Reich ein Staat am Rande des
  2031. 1:24:41Zusammenbruchs.
  2032. 1:24:42Die Revolutionen hatten die Autorität
  2033. 1:24:45der Monarchie erschüttert. Die Völker
  2034. 1:24:47des Reiches forderten Freiheit,
  2035. 1:24:49nationale Eigenständigkeit und
  2036. 1:24:51politische Mitsprache.
  2037. 1:24:54Der erst 18-jährige Kaiser trat sein Amt
  2038. 1:24:57in einer Zeit voller Spannungen an und
  2039. 1:25:00doch zeigte er früh jenen
  2040. 1:25:01unerschütterlichen Pflichtgeist, der
  2041. 1:25:04sein langes Leben prägen sollte.
  2042. 1:25:07Franz Josef war kein Mann der Worte,
  2043. 1:25:10sondern der Disziplin und der Ordnung.
  2044. 1:25:13Sein Ziel war es, das Habsburger Reich
  2045. 1:25:15zu stabilisieren und die Monarchie
  2046. 1:25:17wieder fest im Sattel zu verankern.
  2047. 1:25:21Mit eiserner Konsequenz ließ er die
  2048. 1:25:23Errungenschaften der Revolution
  2049. 1:25:25zurückrollen.
  2050. 1:25:26Die liberale Verfassung, die 1848
  2051. 1:25:30erkämpft worden war, wurde 1851
  2052. 1:25:34wieder abgeschafft.
  2053. 1:25:36An ihre Stelle trat ein zentralistisch
  2054. 1:25:38geführter Staat, in dem die Macht des
  2055. 1:25:41Kaisers unantastbar war.
  2056. 1:25:44Wien wurde erneut zum Mittelpunkt einer
  2057. 1:25:46Monarchie, die sich nach außen
  2058. 1:25:48selbstbewusst und nach innen streng
  2059. 1:25:50zeigte. Doch diese Rückkehr zur alten
  2060. 1:25:53Ordnung konnte die tiefen Spannungen im
  2061. 1:25:56Vielfölkerstaat nicht auf Dauer lösen.
  2062. 1:25:59Ungarn, Böhmen, Italien und viele andere
  2063. 1:26:03Regionen des Reiches sehnten sich nach
  2064. 1:26:05Selbstbestimmung.
  2065. 1:26:07Immer deutlicher zeigte sich, daß die
  2066. 1:26:10Monarchie nur dann überleben konnte,
  2067. 1:26:12wenn sie bereit war, Kompromisse zu
  2068. 1:26:14schließen. Franz Josef selbst stand
  2069. 1:26:17dieser Entwicklung oft zögerlich
  2070. 1:26:19gegenüber. Er war ein Traditionalist,
  2071. 1:26:22der an die göttliche Legitimation seines
  2072. 1:26:24Amtes glaubte und Veränderungen nur
  2073. 1:26:26akzeptierte, wenn sie unvermeidlich
  2074. 1:26:29waren. Die Jahre der 1850ern und 1860ern
  2075. 1:26:34waren geprägt von Konflikten und
  2076. 1:26:36Niederlagen.
  2077. 1:26:38Besonders die Auseinandersetzung mit dem
  2078. 1:26:40Königreich Sardinien und dem erstarkenen
  2079. 1:26:42Preußen setzten dem Reich zu.
  2080. 1:26:461859
  2081. 1:26:48erlitt Österreich eine bittere
  2082. 1:26:50Niederlage gegen Frankreich und
  2083. 1:26:52Sardinien bei Solferino, was den Verlust
  2084. 1:26:55der Lombardei zur Folge hatte. Auch die
  2085. 1:26:58Schlacht von Königgr66,
  2086. 1:27:02in der die preußischen Truppen einen
  2087. 1:27:05entscheidenden Sieg errang, markierte
  2088. 1:27:07eine Demütigung, die das Machtgefüge in
  2089. 1:27:10Mitteleuropa grundlegend veränderte.
  2090. 1:27:14Österreich mußte sich aus dem deutschen
  2091. 1:27:16Bund zurückziehen und Preußen die
  2092. 1:27:19Vorherrschaft in Deutschland überlassen.
  2093. 1:27:23Diese Niederlagen zeigten Franz Josef,
  2094. 1:27:26dass das Reich ohne innere Reformen und
  2095. 1:27:29politische Anpassungen nicht überleben
  2096. 1:27:32konnte. Vor allem in Ungarn wuchs der
  2097. 1:27:35Druck.
  2098. 1:27:37Seit der blutigen Niederschlagung des
  2099. 1:27:39ungarischen Aufstands von 1848
  2100. 1:27:44war das Verhältnis zwischen Wien und
  2101. 1:27:46Budapest von Misstrauen und Spannungen
  2102. 1:27:49geprägt.
  2103. 1:27:50Doch der ungarische Widerstand war nicht
  2104. 1:27:53zu brechen und Franz Josef musste
  2105. 1:27:56schließlich nachgeben.
  2106. 1:27:59Der entscheidende Schritt kam 1867
  2107. 1:28:04mit dem sogenannten Ausgleich. der das
  2108. 1:28:06Kaisertum Österreich in die
  2109. 1:28:08Doppelmonarchie Österreich-Ungarn
  2110. 1:28:11verwandelte.
  2111. 1:28:13Das Reich wurde in zwei
  2112. 1:28:15gleichberechtigte Teile geteilt.
  2113. 1:28:18Österreich mit Wien als Zentrum und
  2114. 1:28:21Ungarn mit Budapest als Hauptstadt.
  2115. 1:28:25Beide Staaten hatten ihre eigenen
  2116. 1:28:27Parlamente, Regierungen und
  2117. 1:28:28Verfassungen, blieben jedoch durch den
  2118. 1:28:31gemeinsamen Kaiser und die Außenpolitik
  2119. 1:28:33verbunden.
  2120. 1:28:35Dieser Kompromiss war eine Zesur, die
  2121. 1:28:38die Monarchie stabilisierte,
  2122. 1:28:40aber auch ihre Vielschichtigkeit und
  2123. 1:28:43Fragilität offenlegte.
  2124. 1:28:46Franz Josef wurde in Ungarn gekrönt und
  2125. 1:28:48gewann damit das Vertrauen eines Volkes
  2126. 1:28:51zurück, dass er lange mit harter Hand
  2127. 1:28:53regiert hatte.
  2128. 1:28:55Der Ausgleich war jedoch nicht das Ende
  2129. 1:28:57der nationalen Spannung.
  2130. 1:29:00Andere Völker wie die Tschechen, Kroaten
  2131. 1:29:02oder Italiener forderten ähnliche
  2132. 1:29:05Rechte, was die Monarchie immer wieder
  2133. 1:29:08an ihre Grenzen brachte. Währenddessen
  2134. 1:29:11entwickelte sich Wien zu einer der
  2135. 1:29:13bedeutendsten Metropolen Europas. Die
  2136. 1:29:16Ringstraße, die prachtvollen Bauten wie
  2137. 1:29:19die Staatsoper, das Rathaus und das
  2138. 1:29:22Burgtheater zeugen bis heute von der
  2139. 1:29:25kulturellen und architektonischen
  2140. 1:29:27Blütezeit dieser Era.
  2141. 1:29:30Kunst, Musik und Literatur erlebten
  2142. 1:29:32einen Aufschwung, der Wien zum
  2143. 1:29:34kulturellen Herzen des Kontinents
  2144. 1:29:36machte.
  2145. 1:29:38Franz Josef, der oft als distanziert und
  2146. 1:29:41pflichtbewusst beschrieben wurde, blieb
  2147. 1:29:43dennoch eine Symbolfigur,
  2148. 1:29:45die Stabilität ausstrahlte.
  2149. 1:29:48Sein Privatleben war geprägt von
  2150. 1:29:50Tragödien.
  2151. 1:29:51Der Selbstmord seines Sohnes, Kronprinz
  2152. 1:29:54Rudolf 198
  2153. 1:29:57in Meerling und die Ermordung seiner
  2154. 1:29:59Frau Elisabeth, besser bekannt als SC
  2155. 1:30:031998
  2156. 1:30:05in Genf, erschütterten nicht nur den
  2157. 1:30:07Kaiser, sondern auch das gesamte Reich.
  2158. 1:30:11Trotz persönlicher Schicksalsschläge
  2159. 1:30:13blieb Franz Josef bis ins hohe Alter der
  2160. 1:30:16Inbegriff der Habsburger Monarchie.
  2161. 1:30:19Unter seiner Herrschaft wandelte sich
  2162. 1:30:21das Reich von einer absolutistischen
  2163. 1:30:24Monarchie zu einem Staat, der zwischen
  2164. 1:30:26Tradition und Reformen balancierte.
  2165. 1:30:30Als er sein 50-jähriges
  2166. 1:30:31Regierungsjubiläum feierte, war er für
  2167. 1:30:34viele Untertanen mehr als nur ein
  2168. 1:30:37Herrscher. Er war das Gesicht eines
  2169. 1:30:39Reiches, das trotz aller Krisen
  2170. 1:30:42zusammenhielt.
  2171. 1:30:44Die Doppelmonarchie war jedoch auch ein
  2172. 1:30:46Gebilde voller Spannung.
  2173. 1:30:48Es war ein Staat, der von Kompromissen
  2174. 1:30:50lebte und in dem der alte Glanz und die
  2175. 1:30:54modernen Herausforderung ständig
  2176. 1:30:56aufeinander trafen. Die Era Franz Josefs
  2177. 1:31:00war geprägt von diesem Balanceakt.
  2178. 1:31:03Der Glanz der Ringstraße, die
  2179. 1:31:05rauschenden Bälle und das kulturelle
  2180. 1:31:07Leben Wiens zu Beginn des 20.
  2181. 1:31:09Jahrhunderts konnten nicht darüber
  2182. 1:31:11hinwegtäuschen, dass das Fundament der
  2183. 1:31:14Doppelmonarchie zu bröckeln begann.
  2184. 1:31:17Hinter der prachtvollen Fassade gehrte
  2185. 1:31:20es.
  2186. 1:31:21Die Völker des Habsburger Reiches
  2187. 1:31:23verlangten immer lauter nach
  2188. 1:31:25Mitbestimmung und Unabhängigkeit,
  2189. 1:31:28während die politischen Spannungen in
  2190. 1:31:30Europa zunahmen.
  2191. 1:31:32Das Reich, das einst von Metanys
  2192. 1:31:35konservativer Diplomatie geprägt war,
  2193. 1:31:38stand nun einem neuen Europa gegenüber,
  2194. 1:31:40das von Nationalismus, Militarismus und
  2195. 1:31:43Bündnispolitik dominiert wurde.
  2196. 1:31:46Franz Josef, inzwischen ein hochbetagter
  2197. 1:31:49Kaiser, war zu dieser Zeit seit über
  2198. 1:31:51sechs Jahrzehnten auf dem Thron.
  2199. 1:31:54Sein Sinn für Pflicht und Ordnung war
  2200. 1:31:56ungebrochen, doch die Dynamik der neuen
  2201. 1:31:59Epoche lag nicht mehr in seinen Händen.
  2202. 1:32:02Das Schicksal der Monarchie hing nun
  2203. 1:32:05zunehmend von den jüngeren Generationen
  2204. 1:32:07ab, insbesondere von seinem Neffen und
  2205. 1:32:10Thronfolger Franz Ferdinand.
  2206. 1:32:13Dieser Mann, der oft als kühl und
  2207. 1:32:16eigenwillig beschrieben wurde, erkannte,
  2208. 1:32:18dass das Habsburger Reich nur überleben
  2209. 1:32:21konnte, wenn es den Nationalitäten mehr
  2210. 1:32:24Autonomie gewährte.
  2211. 1:32:26Seine Reformideen, die unter anderem
  2212. 1:32:29eine Föderalisierung des Reiches
  2213. 1:32:31vorsahen, stießen jedoch bei den
  2214. 1:32:33konservativen Kreisen in Wien auf
  2215. 1:32:35Misstrauen.
  2216. 1:32:37Während das Reich mit seinen inneren
  2217. 1:32:39Spannungen kämpfte, verschärfte sich
  2218. 1:32:42auch die Lage auf dem Balkan.
  2219. 1:32:45Serbien, das nach seiner Unabhängigkeit
  2220. 1:32:48selbstbewusst aufgetreten war, galt in
  2221. 1:32:50Wien als ständige Bedrohung.
  2222. 1:32:53Insbesondere die südslawischen
  2223. 1:32:55Nationalisten, die innerhalb der
  2224. 1:32:57Habsburger Monarchie lebten, sahen in
  2225. 1:33:00Serbien ein Vorbild und einen
  2226. 1:33:01Verbündeten.
  2227. 1:33:03Die Annexion von Bosnien und Herzegovina
  2228. 1:33:06im Jahr 1908 durch Österreich-Ungarn
  2229. 1:33:09führte zu einem politischen Beben.
  2230. 1:33:12Russland, das sich als Schutzmacht der
  2231. 1:33:15Slaven sah, reagierte erbost und die
  2232. 1:33:19Spannungen zwischen den Großmächten
  2233. 1:33:21nahmen zu.
  2234. 1:33:23Europa war zu Beginn des 20 Jahrhunderts
  2235. 1:33:25ein Pulverfass.
  2236. 1:33:28Die Bündnissysteme, auf der einen Seite
  2237. 1:33:30die Triple Entänte aus Frankreich,
  2238. 1:33:32Russland und Großbritannien,
  2239. 1:33:34auf der anderen Seite die Mittelmächte
  2240. 1:33:36Deutschland, Österreich, Ungarn und
  2241. 1:33:38Italien machten jede Krise zu einer
  2242. 1:33:41potenziellen Katastrophe.
  2243. 1:33:44Diplomatische Fäden, Wettrüsten und ein
  2244. 1:33:47übersteiger Nationalstolz
  2245. 1:33:50hatten eine Atmosphäre geschaffen, in
  2246. 1:33:52der ein Funke ausreichen konnte, um das
  2247. 1:33:55gesamte System zum Einsturz zu bringen.
  2248. 1:33:58Dieser Funke entzündete sich am 28. Juni
  2249. 1:34:011914
  2250. 1:34:03in Sarajevo.
  2251. 1:34:05Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau
  2252. 1:34:07Sophie wurden bei einem Besuch von dem
  2253. 1:34:10serbischen Nationalisten Gavrilo Prinzip
  2254. 1:34:13erschossen.
  2255. 1:34:15Das Attentat war nicht nur eine
  2256. 1:34:16persönliche Tragödie für Franz Josef,
  2257. 1:34:19sondern auch der Auslöser für eine Kette
  2258. 1:34:21von Ereignissen, die niemand mehr
  2259. 1:34:23aufhalten konnte.
  2260. 1:34:25Wien reagierte mit Härte und stellte
  2261. 1:34:28Serbien ein Ultimatum, das absichtlich
  2262. 1:34:31so formuliert war, dass es kaum
  2263. 1:34:33angenommen werden konnte.
  2264. 1:34:35Unter dem Einfluss des Deutschen
  2265. 1:34:37Reiches, das Österreich-Ungarn seine
  2266. 1:34:40uneingeschränkte Unterstützung
  2267. 1:34:42zusicherte, der sogenannte Blancosek
  2268. 1:34:46entschied sich die Monarchie für einen
  2269. 1:34:48Krieg gegen Serbien.
  2270. 1:34:51Was als regionaler Konflikt begann,
  2271. 1:34:53weitete sich innerhalb weniger Wochen zu
  2272. 1:34:56einem europäischen Krieg aus. Russland
  2273. 1:34:59stellte sich schützend vor Serbien,
  2274. 1:35:01Deutschland erklärte Russland und später
  2275. 1:35:03Frankreich den Krieg und Großbritannien
  2276. 1:35:06trat ebenfalls in den Konflikt ein. Am
  2277. 1:35:0928. Juli 1914
  2278. 1:35:13erklärte Österreich-Ungarn Serbien den
  2279. 1:35:15Krieg. Damit begann der erste Weltkrieg.
  2280. 1:35:19Ein Konflikt von bisher unvorstellbarem
  2281. 1:35:21Ausmaß.
  2282. 1:35:23Die Habsburger Monarchie zog mit einer
  2283. 1:35:25Armee in den Krieg, die modernisiert,
  2284. 1:35:28aber in vielen Bereichen veraltet war.
  2285. 1:35:31Die Soldaten, die aus allen Ecken des
  2286. 1:35:33Reiches stammten, von Böhmen über Ungarn
  2287. 1:35:37bis Kroatien kämpften Seite an Seite,
  2288. 1:35:40doch die nationalen Spannungen
  2289. 1:35:42schwächten auf die Einheit.
  2290. 1:35:44Schon in den ersten Kriegsmonaten wurde
  2291. 1:35:46klar, dass dieser Konflikt anders war
  2292. 1:35:49als alle zuvor.
  2293. 1:35:52Die Schlachten an der Ost und Südfront
  2294. 1:35:54verschlangen hundertusende Leben und die
  2295. 1:35:57Monarchie kämpfte nicht nur gegen äußere
  2296. 1:35:59Feinde, sondern auch gegen
  2297. 1:36:01wirtschaftliche Not und politische
  2298. 1:36:03Zerrüttung im Inneren. Während Franz
  2299. 1:36:06Josef noch einmal versuchte, das Bild
  2300. 1:36:08eines starken Kaisers aufrecht zu
  2301. 1:36:10erhalten, war das Reich bereits in eine
  2302. 1:36:13Krise gestürzt, die es nicht mehr
  2303. 1:36:15verlassen sollte. Der Weg in den Ersten
  2304. 1:36:17Weltkrieg war für Österreich-Ungarn
  2305. 1:36:20nicht nur das Resultat diplomatischer
  2306. 1:36:23Fehler oder nationaler Spannungen. Er
  2307. 1:36:26war das Ergebnis einer Epoche, in der
  2308. 1:36:28alte Monarchien und modernen
  2309. 1:36:31Nationalstaaten unversöhnlich
  2310. 1:36:33aufeinander prallten.
  2311. 1:36:35Mit dem Attentat von Sarajevo trat das
  2312. 1:36:38Habsburger Reich in seinen letzten und
  2313. 1:36:41dunkelsten Abschnitt ein. einen
  2314. 1:36:44Abschnitt, der die Karten Europas neu
  2315. 1:36:46mischen sollte.
  2316. 1:36:48Als Sommer 1914 die Kanonen zu donnern
  2317. 1:36:51begannen, glaubten viele in Wien noch an
  2318. 1:36:53einen kurzen, glanzvollen Krieg, der die
  2319. 1:36:56Ehre der Monarchie wiederherstellen
  2320. 1:36:58würde. Doch schon nach den ersten
  2321. 1:37:00Monaten zeigte sich, dass dieser
  2322. 1:37:02Konflikt alle bisherigen Vorstellungen
  2323. 1:37:05sprengte.
  2324. 1:37:07Der erste Weltkrieg war kein Feldzug
  2325. 1:37:09mehr wie in früheren Zeiten, sondern ein
  2326. 1:37:12industrialisierter Krieg der
  2327. 1:37:14Schützengräben, der Maschinengewehre und
  2328. 1:37:17des endlosen Blutsolls.
  2329. 1:37:21Für die Habsburger Monarchie begann ein
  2330. 1:37:23Kampf, den sie weder militärisch noch
  2331. 1:37:26politisch lange durchstehen konnte.
  2332. 1:37:29Die österreichisch-ungarische Armee, ein
  2333. 1:37:32buntes Mosaik aus Soldaten
  2334. 1:37:34verschiedenster Nationalitäten, stand
  2335. 1:37:36von Beginn an unter enormem Druck. Gegen
  2336. 1:37:40Serbien erlitten die kaiserlichen
  2337. 1:37:41Truppen gleich zu Kriegsbeginn schwere
  2338. 1:37:43Rückschläge.
  2339. 1:37:45Die Balkanfront erwies sich als
  2340. 1:37:47erbarmungsloser Kampfplatz, in dem
  2341. 1:37:50Hunger, Krankheit und unwegsames Gelände
  2342. 1:37:53oft gefährlicher waren als die Kugeln
  2343. 1:37:56des Gegners.
  2344. 1:37:57Gleichzeitig mußte das Reich an der
  2345. 1:37:59Ostfront gegen Russland kämpfen, das mit
  2346. 1:38:02seinen gewaltigen Menschenmassen immer
  2347. 1:38:05neue Angriffe starten konnte.
  2348. 1:38:08Schon im ersten Kriegsjahr war klar,
  2349. 1:38:11dass die Monarchie ohne die
  2350. 1:38:13Unterstützung des deutschen Reiches kaum
  2351. 1:38:15überleben würde.
  2352. 1:38:18Die deutsche Armee rettete die
  2353. 1:38:19kaiserlichen Truppen mehrfach vor einer
  2354. 1:38:22vollständigen Niederlage.
  2355. 1:38:25Dieser militärische Beistand band
  2356. 1:38:27Österreich Ungarn jedoch immer enger an
  2357. 1:38:30Berlin und machte das Reich von
  2358. 1:38:32Entscheidungen abhängig, die nicht mehr
  2359. 1:38:35in Wien, sondern in der deutschen
  2360. 1:38:37obersten Heeresleitung getroffen wurden.
  2361. 1:38:41Während an den Fronten das Blut floss,
  2362. 1:38:44verschlechterte sich die Lage im Inneren
  2363. 1:38:46dramatisch.
  2364. 1:38:48Die Landwirtschaft konnte die Versorgung
  2365. 1:38:50nicht mehr sicherstellen und der Hunger
  2366. 1:38:52erreichte bald die Städte.
  2367. 1:38:55Brot wurde rationiert, die Preise
  2368. 1:38:57stiegen ins Unermessliche und der
  2369. 1:39:00Schwarzmarkt florierte.
  2370. 1:39:02Das Vertrauen in die Regierung und in
  2371. 1:39:04den Kaiser begann zu bröckeln.
  2372. 1:39:07Nationalistische Bewegungen nutzten die
  2373. 1:39:09Situation, um ihre Forderung nach
  2374. 1:39:11Unabhängigkeit lauter denn je zu
  2375. 1:39:13stellen.
  2376. 1:39:15Besonders in Böhmen, Ungarn und im
  2377. 1:39:18südslawischen Raum wuchs die Ablehnung
  2378. 1:39:20gegen Wien.
  2379. 1:39:22Kaiser Franz Josef, der seit 1848 auf
  2380. 1:39:26dem Thron gesessen hatte, erlebte den
  2381. 1:39:29Verlauf des Krieges nur bis 1916.
  2382. 1:39:33Sein Tod im November dieses Jahres
  2383. 1:39:35markierte das Ende einer Era. Mit ihm
  2384. 1:39:38starb nicht nur ein Monarch, sondern
  2385. 1:39:40auch der letzte Garant einer Ordnung,
  2386. 1:39:42die in den Wirren des Weltkriegs
  2387. 1:39:44unterzugehen begann.
  2388. 1:39:46Sein Nachfolger, Kaiser Karl I. war
  2389. 1:39:50jung, idealistisch und entschlossen,
  2390. 1:39:53Frieden zu schaffen. Doch seine Versuche
  2391. 1:39:56über geheime Kanäle Friedensverhandlung
  2392. 1:39:59mit den Alliierten aufzunehmen
  2393. 1:40:02scheiterten an den
  2394. 1:40:03Bündnisverpflichtungen
  2395. 1:40:04gegenüber Deutschland.
  2396. 1:40:07Karl I. leitete zugleich Reformversuche
  2397. 1:40:10ein. Er wollte die Monarchie
  2398. 1:40:13föderalisieren und den Völkern mehr
  2399. 1:40:15Autonomie zugestehen. Doch diese
  2400. 1:40:18Initiativen kamen zu spät. Der Krieg
  2401. 1:40:21hatte die Monarchie wirtschaftlich,
  2402. 1:40:23militärisch und politisch erschöpft. Die
  2403. 1:40:26nationalen Spannungen waren so tief,
  2404. 1:40:29dass ein Zusammenhalt kaum noch möglich
  2405. 1:40:31war. Das Jahr 1918
  2406. 1:40:34brachte den endgültigen Zusammenbruch.
  2407. 1:40:38Nach der gescheiterten Frühjahrfensive
  2408. 1:40:40Deutschlands und dem Eintritt der USA in
  2409. 1:40:42den Krieg gerieten die Mittelmächte
  2410. 1:40:45immer mehr unter Druck.
  2411. 1:40:47Österreich-Ungarn
  2412. 1:40:49konnte seine Fronten nicht mehr halten.
  2413. 1:40:51Italienische Truppen durchbrachen im
  2414. 1:40:53Oktober 1918
  2415. 1:40:56bei der Schlacht von Vittorio Veneto die
  2416. 1:40:58Verteidigungslinien
  2417. 1:41:00und das Reich zerfiel innerhalb weniger
  2418. 1:41:03Wochen. In Prag, Zagreb und Budapest
  2419. 1:41:07bildeten sich nationale Räte, die ihre
  2420. 1:41:10Unabhängigkeit erklärten.
  2421. 1:41:12Die einstige Donaumarchie,
  2422. 1:41:14die so viele Völker, Kulturen und
  2423. 1:41:17Sprachen unter einem Dach vereint hatte,
  2424. 1:41:20löste sich in ihre Einzelteile auf. Am
  2425. 1:41:2311. November 1918
  2426. 1:41:27legte Kaiser Karl I. seine
  2427. 1:41:30Regierungsgeschäfte nieder, auch wenn er
  2428. 1:41:32formal nie abgedankt hat.
  2429. 1:41:35Mit dem Ende des ersten Weltkriegs war
  2430. 1:41:37das Habsburger Reich Geschichte.
  2431. 1:41:40Aus der Doppelmonarchie entstanden neue
  2432. 1:41:43Staaten, die Tschechoslowakei, das
  2433. 1:41:45Königreich der Serben, Kroaten und
  2434. 1:41:47Slowen später Jugoslawien sowie ein
  2435. 1:41:50stark verkleinertes Österreich.
  2436. 1:41:53Wien, einst das Zentrum eines gewaltigen
  2437. 1:41:56Reiches, wurde zur Hauptstadt eines
  2438. 1:41:58kleinen Staates, der nun seine Identität
  2439. 1:42:01neu finden musste.
  2440. 1:42:04Der Untergang der Monarchie war nicht
  2441. 1:42:06nur das Ende einer Herrscherfamilie,
  2442. 1:42:09sondern das Ende einer Epoche.
  2443. 1:42:12Jahrhunderte von Habsburger Herrschaft,
  2444. 1:42:14geprägt von Kriegen, Reformen, Glanz und
  2445. 1:42:18Tragödien ging in diesen chaotischen
  2446. 1:42:21Monaten zu Ende. Was folgte, war ein
  2447. 1:42:24Europa, das sich neu erfinden musste.
  2448. 1:42:27Ein Europa, in dem Österreich plötzlich
  2449. 1:42:30ohne sein altes Imperium da stand und in
  2450. 1:42:33eine ungewisse Zukunft blickte.
  2451. 1:42:36Der Untergang der Habsburger Monarchie
  2452. 1:42:38im Jahr 1918
  2453. 1:42:40ließ Österreich in einem Zustand der
  2454. 1:42:42Orientierungslosigkeit zurück. Aus dem
  2455. 1:42:45Kerngebiet eines der größten Reiche
  2456. 1:42:48Europas war plötzlich ein kleiner Staat
  2457. 1:42:50geworden, der nicht nur geographisch,
  2458. 1:42:53sondern auch politisch und
  2459. 1:42:55wirtschaftlich seine Rolle neu finden
  2460. 1:42:57musste. Die Gründung der ersten Republik
  2461. 1:43:00am 12. November 1918
  2462. 1:43:04war weniger ein Akt selbstbewusster
  2463. 1:43:07Unabhängigkeit als eine Folge der
  2464. 1:43:09Niederlage im Krieg und des Drucks der
  2465. 1:43:12Alliierten.
  2466. 1:43:14Wien, einst die schillernde Hauptstadt
  2467. 1:43:16eines Vielfölkerreiches,
  2468. 1:43:18war nun der Mittelpunkt eines Staates,
  2469. 1:43:21der kaum größer als ein Mittelland war
  2470. 1:43:23und dringend einen neuen Platz in Europa
  2471. 1:43:25finden musste.
  2472. 1:43:28Die politische Situation war von Beginn
  2473. 1:43:30an angespannt.
  2474. 1:43:31Sozialdemokraten, christlich soziale und
  2475. 1:43:34Deutschnationale
  2476. 1:43:36rangen um die Richtung des neuen
  2477. 1:43:37Österreich.
  2478. 1:43:39Die Sozialdemokraten setzten sich für
  2479. 1:43:41eine soziale Reformpolitik ein und
  2480. 1:43:43wollten den jungen Staat modernisieren,
  2481. 1:43:46während die christlich sozialen und
  2482. 1:43:48Konservative versuchten, traditionelle
  2483. 1:43:51Werte zu bewahren.
  2484. 1:43:53Viele Österreicher empfanden die
  2485. 1:43:55Abtrennung vom restlichen Habsburger
  2486. 1:43:57Reich als Verlust und sehnten sich nach
  2487. 1:44:00einem Anschluss an das Deutsche Reich,
  2488. 1:44:02das man als natürlichen Partner
  2489. 1:44:04betrachtete.
  2490. 1:44:06Doch die Siegermächte des Ersten
  2491. 1:44:07Weltkriegs, allen voran Frankreich,
  2492. 1:44:11untersagten diesen Schritt strickt.
  2493. 1:44:14Der Friedensvertrag von Saint-Germain
  2494. 1:44:161919
  2495. 1:44:18setzte Österreich harte Bedingungen.
  2496. 1:44:21Große Gebiete, die einst zur Donaarchie
  2497. 1:44:24gehörten, wurden an neue Nationalstaaten
  2498. 1:44:28wie die Tschechoslowakei,
  2499. 1:44:29das Königreich der Serben, Kroaten und
  2500. 1:44:32Slowenen oder Italien abgetreten.
  2501. 1:44:36Südtirol ging an Italien, Böhmen und
  2502. 1:44:39Meeren an die Tschechoslowakei
  2503. 1:44:41und die kaiserlichen Kronländer waren
  2504. 1:44:44nur noch Erinnerung.
  2505. 1:44:46Österreich verlor nicht nur Territorien,
  2506. 1:44:48sondern auch wichtige wirtschaftliche
  2507. 1:44:50Ressourcen, darunter Industriegebiete
  2508. 1:44:53und landwirtschaftlich ertragreiche
  2509. 1:44:55Regionen. Die Folgen waren dramatisch.
  2510. 1:44:59Hunger, Arbeitslosigkeit und Inflation
  2511. 1:45:02bestimmten den Alltag.
  2512. 1:45:04Die einzige Metropole Wien war
  2513. 1:45:06überdimensioniert für einen Kleinstat
  2514. 1:45:09und das Umland konnte die Stadt kaum
  2515. 1:45:10versorgen.
  2516. 1:45:12Viele Menschen lebten in bitterer Armut
  2517. 1:45:15und die politische Polarisierung nahm
  2518. 1:45:17zu.
  2519. 1:45:19Die Sozialdemokraten stark vertreten in
  2520. 1:45:21Wien begannen ein ambitioniertes
  2521. 1:45:24Projekt, das als rotes Wien bekannt
  2522. 1:45:26wurde. Sie investierten in sozialen
  2523. 1:45:29Wohnungsbau, Gesundheitsversorgung und
  2524. 1:45:32Bildung, um die Lebensbedingungen der
  2525. 1:45:34Arbeiter zu verbessern.
  2526. 1:45:37Diese sozialen Reformen prägten Wien
  2527. 1:45:39nachhaltig und legten den Grundstein für
  2528. 1:45:42eine neue städtische Kultur, die sich
  2529. 1:45:44deutlich vom konservativen, ländlich
  2530. 1:45:47geprägten Rest des Landes abhob.
  2531. 1:45:50Doch die Spannungen zwischen
  2532. 1:45:52Sozialdemokraten und konservativen
  2533. 1:45:54Kräften verschärften sich.
  2534. 1:45:57Beide Lager misstrauten einander
  2535. 1:45:58zutiefst.
  2536. 1:46:00Während die Arbeiterbewegung in Wien und
  2537. 1:46:02anderen Städten nach mehr Mitbestimmung
  2538. 1:46:04und sozialer Gerechtigkeit verlangte,
  2539. 1:46:07fürchteten die Konservativen eine zu
  2540. 1:46:10starke Annäherung an sozialistische
  2541. 1:46:12Ideen.
  2542. 1:46:13In den 1920er Jahren führte diese
  2543. 1:46:17Polarisierung zu einer zunehmenden
  2544. 1:46:19Radikalisierung.
  2545. 1:46:21Politische Milizen wie der
  2546. 1:46:22republikanische Schutzbund auf der
  2547. 1:46:24linken Seite und die Heimwehr auf der
  2548. 1:46:27rechten Seite standen sich feindlich
  2549. 1:46:28gegenüber.
  2550. 1:46:30Die wirtschaftliche Lage verschlechterte
  2551. 1:46:32sich weiter durch die
  2552. 1:46:33Weltwirtschaftskrise
  2553. 1:46:35von 1929.
  2554. 1:46:38Arbeitslosigkeit und Verzweiflung
  2555. 1:46:40griffen um sich und das Vertrauen in die
  2556. 1:46:42parlamentarische Demokratie erodierte.
  2557. 1:46:46In dieser Atmosphäre gewannen autoritäre
  2558. 1:46:48Strömungen an Einfluss. Engelbert
  2559. 1:46:51Dolfus, ein christlich sozialer
  2560. 1:46:53Politiker, nutzte die Krise, um 1933
  2561. 1:46:58das Parlament auszuschalten und einen
  2562. 1:47:00autoritären Ständestaat zu errichten.
  2563. 1:47:04Die Demokratie, die kaum ein Jahrzehnt
  2564. 1:47:06bestanden hatte, war faktisch beendet.
  2565. 1:47:10Die erste Republik war ein Experiment,
  2566. 1:47:12das nie wirklich Zeit hatte, sich zu
  2567. 1:47:15stabilisieren.
  2568. 1:47:17Geprägt von den schweren Nachwirkungen
  2569. 1:47:19des Ersten Weltkriegs, wirtschaftlichen
  2570. 1:47:21Katastrophen und tiefen politischen
  2571. 1:47:24Gräben, blieb das Land auf der Suche
  2572. 1:47:26nach Identität.
  2573. 1:47:28Dennoch waren diese Jahre auch von
  2574. 1:47:30kultureller Blüte geprägt. In Wien
  2575. 1:47:33entstanden wegweisende Werke in Kunst,
  2576. 1:47:36Musik und Architektur.
  2577. 1:47:39Intellektuelle wie Sigmund Freud,
  2578. 1:47:41Schriftsteller wie Stefan Zweig und
  2579. 1:47:43Künstler wie Egon Schile oder Gustav
  2580. 1:47:46Klimt prägten das Bild einer Stadt, die
  2581. 1:47:49trotz aller Widrigkeiten einen
  2582. 1:47:51einzigartigen kulturellen Glanz behielt.
  2583. 1:47:55Die erste Republik war von Anfang an ein
  2584. 1:47:57Start auf Zeit, in dem die Konflikte von
  2585. 1:48:00gestern nie wirklich überwunden wurden.
  2586. 1:48:03Am Horizont zeichnete sich bereits eine
  2587. 1:48:06neue Bedrohung ab. Der wachsende
  2588. 1:48:09Einfluss des Nationalsozialismus in
  2589. 1:48:11Deutschland.
  2590. 1:48:13Die politischen Spannungen der 1930er
  2591. 1:48:16Jahre führten Österreich immer tiefer in
  2592. 1:48:18eine Krise, die schließlich im
  2593. 1:48:20sogenannten Anschluss gipfelte.
  2594. 1:48:23Nach dem ersten Weltkrieg war der junge
  2595. 1:48:26Staat schwach, zerrissen zwischen linken
  2596. 1:48:29und rechten Kräften und wirtschaftlich
  2597. 1:48:31schwer angeschlagen.
  2598. 1:48:33Die Weltwirtschaftskrise von 1929
  2599. 1:48:37hatte die Lage weiter verschlimmert und
  2600. 1:48:39der Aufstieg Adolf Hitlers in
  2601. 1:48:41Deutschland übte einen gewaltigen Druck
  2602. 1:48:43auf Österreich aus.
  2603. 1:48:45Viele Deutschnationale im Land sahen den
  2604. 1:48:48Nationalsozialismus nicht nur als
  2605. 1:48:50politische Bewegung, sondern auch als
  2606. 1:48:52Chance, die Idee eines Großdeutschlands
  2607. 1:48:55zu verwirklichen.
  2608. 1:48:58Kanzler Engelbert Dolfuß, der seit 1933
  2609. 1:49:03einen autoritären Kurs verfolgte und das
  2610. 1:49:06Parlament ausgeschaltet hatte, versuchte
  2611. 1:49:09Österreich von Hitlerdeutschland
  2612. 1:49:11fernzuhalten.
  2613. 1:49:13Ersetzte auf eine Politik des
  2614. 1:49:14Ständestaates, die stark katholisch
  2615. 1:49:17geprägt war und mit den
  2616. 1:49:19Nationalsozialisten
  2617. 1:49:21unvereinbar blieb. Doch Dolfuß wurde
  2618. 1:49:251934
  2619. 1:49:28von nationalsozialistischen
  2620. 1:49:29Putschisten ermordet, was die Lage im
  2621. 1:49:32Land weiter destabilisierte.
  2622. 1:49:35Sein Nachfolger Kurt Schuschnich bemühte
  2623. 1:49:38sich, die Unabhängigkeit Österreichs zu
  2624. 1:49:41bewahren, doch der Druck aus Berlin nahm
  2625. 1:49:44ständig zu. Hitler verfolgte das Ziel,
  2626. 1:49:49Österreich in das Deutsche Reich
  2627. 1:49:51einzugliedern.
  2628. 1:49:53Viele Österreicher, insbesondere in
  2629. 1:49:56ländlichen Regionen und unter
  2630. 1:49:58deutschnationalen Gruppen,
  2631. 1:50:00sympathisierten mit dieser Vorstellung,
  2632. 1:50:02während andere sie entschieden
  2633. 1:50:04ablehnten. Schuschnik versuchte 1938,
  2634. 1:50:09die Bevölkerung in einer Volksabstimmung
  2635. 1:50:12über die Zukunft des Landes entscheiden
  2636. 1:50:14zu lassen. Doch bevor es dazu kam,
  2637. 1:50:17marschierten deutsche Truppen am 12.
  2638. 1:50:20März 1938
  2639. 1:50:22in Österreich ein, ohne Widerstand und
  2640. 1:50:25unter dem Jubel vieler Anhänger.
  2641. 1:50:29Der Anschluss wurde wenige Tage später
  2642. 1:50:31offiziell erklärt und Österreich hörte
  2643. 1:50:34auf, ein eigenständiger Staat zu sein.
  2644. 1:50:37Von diesem Moment an war Österreich Teil
  2645. 1:50:39des nationalsozialistischen Deutschlands
  2646. 1:50:42und die Bevölkerung sah sich mit einem
  2647. 1:50:45Regime konfrontiert, dass das Land
  2648. 1:50:47radikal veränderte.
  2649. 1:50:50Viele begrüßten zunächst den Anschluss,
  2650. 1:50:52doch die brutale Realität der
  2651. 1:50:54nationalsozialistischen
  2652. 1:50:56Herrschaft ließ die anfängliche Euphorie
  2653. 1:50:58schnell schwinden. Besonders die
  2654. 1:51:01jüdische Bevölkerung war von Anfang an
  2655. 1:51:03Ziel grausamer Verfolgung.
  2656. 1:51:06Schon kurz nach dem Einmarsch der
  2657. 1:51:08deutschen Truppen kam es zu Arisierung,
  2658. 1:51:11Enteignung und Misshandlung.
  2659. 1:51:14Zehntausende Juden wurden entrecht,
  2660. 1:51:17vertrieben oder in Konzentrationslager
  2661. 1:51:20deportiert.
  2662. 1:51:21Wien, das einst eine bedeutende jüdische
  2663. 1:51:24Kultur und Geisteswelt besessen hatte,
  2664. 1:51:27verlor in kürzester Zeit einen großen
  2665. 1:51:30Teil seines intellektuellen und
  2666. 1:51:33kulturellen Reichtums.
  2667. 1:51:36Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939
  2668. 1:51:40wurde Österreich zu einem festen
  2669. 1:51:42Bestandteil der Kriegsmaschinerie des
  2670. 1:51:45Deutschen Reiches. Hunderttausende
  2671. 1:51:47Österreicher dienten in der Wehrmacht
  2672. 1:51:50und viele waren direkt in die Verbrechen
  2673. 1:51:52des Regimes involviert, sei es an den
  2674. 1:51:55Fronten oder in der Verwaltung der
  2675. 1:51:57besetzten Gebiete. Währenddessen littten
  2676. 1:52:00die Menschen im Land unter
  2677. 1:52:01Luftangriffen, Zwangsarbeit und
  2678. 1:52:04Versorgungsengpässen.
  2679. 1:52:06Besonders die Bombardierungen der
  2680. 1:52:07letzten Kriegsjahre hinterließen tiefe
  2681. 1:52:10Wunden in den Städten, allen voran in
  2682. 1:52:13Wien, das zu großen Teilen zerstört
  2683. 1:52:15wurde.
  2684. 1:52:17Der Krieg brachte unermessliches Leid
  2685. 1:52:19und Verwüstung über Europa und
  2686. 1:52:22Österreich war davon nicht ausgenommen.
  2687. 1:52:26Im Frühjahr 1945
  2688. 1:52:28war das Deutsche Reich militärisch am
  2689. 1:52:31Ende.
  2690. 1:52:32Die rote Armee marschierte in Wien ein
  2691. 1:52:34und die letzten Kämpfe um die Stadt
  2692. 1:52:36waren brutal und verlustreich.
  2693. 1:52:39Nach der Kapitulation Deutschlands am 8.
  2694. 1:52:42Mai 1945
  2695. 1:52:44begann für Österreich ein neuer
  2696. 1:52:45Abschnitt. Das Land wurde von den
  2697. 1:52:48Alliierten besetzt und in vier
  2698. 1:52:50Besatzungszonen aufgeteilt.
  2699. 1:52:52Der Zweite Weltkrieg hinterließ ein
  2700. 1:52:55zerstörtes, traumatisiertes Land, das
  2701. 1:52:58sich seiner Rolle im Nationalsozialismus
  2702. 1:53:00erst langsam bewusst wurde. Als Mai 1945
  2703. 1:53:05die Waffen endlich schwiegen, lag
  2704. 1:53:07Österreich in Trümmern.
  2705. 1:53:09Die letzten Jahre des Krieges hatten das
  2706. 1:53:11Land erschöpft. Städte wie Wien waren
  2707. 1:53:13schwer beschädigt und die Bevölkerung
  2708. 1:53:16litt unter Hunger, Kälte und dem Verlust
  2709. 1:53:19von Angehörigen.
  2710. 1:53:21Doch mit dem Kriegsende begann auch ein
  2711. 1:53:23neuer Abschnitt.
  2712. 1:53:25Schon am 27. April 1945
  2713. 1:53:30rief eine provisorische Regierung unter
  2714. 1:53:32Karl Renner die zweite Republik aus und
  2715. 1:53:35erklärte Österreich als eigenständigen
  2716. 1:53:37Staat.
  2717. 1:53:38Ein Schritt, der von den Alliierten
  2718. 1:53:41zunächst nur zögerlich akzeptiert wurde.
  2719. 1:53:45Österreich war von nun an kein Teil des
  2720. 1:53:48deutschen Reiches mehr, doch die Frage
  2721. 1:53:51seiner künftigen Souveränität blieb
  2722. 1:53:53offen. Das Land wurde von den vier
  2723. 1:53:56Siegermächten besetzt. Die Sowjetunion
  2724. 1:53:59kontrollierte den Osten, die USA, den
  2725. 1:54:02Westen, während Großbritannien und
  2726. 1:54:04Frankreich andere Teile des Landes
  2727. 1:54:06verwalteten.
  2728. 1:54:08Wien selbst wurde ähnlich wie Berlin in
  2729. 1:54:11vier Sektoren geteilt, wobei das
  2730. 1:54:14historische Zentrum als internationale
  2731. 1:54:16Zone gemeinsam verwaltet wurde.
  2732. 1:54:20Das Leben in dieser geteilten Hauptstadt
  2733. 1:54:22war hart. Versorgungsknappheit,
  2734. 1:54:26Wohnungsnot und eine zerstörte
  2735. 1:54:28Infrastruktur prägten den Alltag.
  2736. 1:54:31Dennoch begann schon bald der
  2737. 1:54:33Wiederaufbau getragen von einer
  2738. 1:54:35Bevölkerung, die entschlossen war, ein
  2739. 1:54:37neues Kapitel zu beginnen. Die junge
  2740. 1:54:40zweite Republik musste sich politisch
  2741. 1:54:43neuordnen.
  2742. 1:54:44Die großen Parteien, die konservative
  2743. 1:54:47ÖVP, die sozialdemokratische SPÖ und die
  2744. 1:54:51Kommunisten bildeten eine Koalition, um
  2745. 1:54:54gemeinsam den Neuanfang zu meistern. Für
  2746. 1:54:58die Bevölkerung war die Besatzungszeit
  2747. 1:55:00ambivalent.
  2748. 1:55:02Einerseits brachten die Alliierten
  2749. 1:55:03Sicherheit und halfen beim Wiederaufbau.
  2750. 1:55:06Andererseits blieb Österreich ohne volle
  2751. 1:55:08Souveränität.
  2752. 1:55:10Zudem war die Frage der eigenen
  2753. 1:55:12Verantwortung für den
  2754. 1:55:13Nationalsozialismus
  2755. 1:55:14ein heikles Thema.
  2756. 1:55:17Zunächst stellte sich Österreich gern
  2757. 1:55:20als erstes Opfer Hitlers dar. Doch diese
  2758. 1:55:23Sichtweise blendete die aktive
  2759. 1:55:25Beteiligung vieler Österreicher an den
  2760. 1:55:28NSV aus. Eine Aufarbeitung, die erst
  2761. 1:55:31Jahrzehnte später ernsthaft begann.
  2762. 1:55:35Trotz der schwierigen Bedingungen gelang
  2763. 1:55:37es das Land Schritt für Schritt wieder
  2764. 1:55:39aufzubauen.
  2765. 1:55:41Unterstützung kam auch von außen, etwa
  2766. 1:55:44durch den Marshall Plan, mit dem die USA
  2767. 1:55:46ab 1948
  2768. 1:55:48den Wiederaufbau Europas finanziell
  2769. 1:55:51unterstützten.
  2770. 1:55:53Fabriken wurden neu errichtet,
  2771. 1:55:55Verkehrswege repariert und die
  2772. 1:55:57Wirtschaft begann wieder zu wachsen.
  2773. 1:56:01Ein entscheidender Wendepunkt kam 1955.
  2774. 1:56:06Nach langen Verhandlungen
  2775. 1:56:08unterzeichneten die Vertreter
  2776. 1:56:09Österreichs und der vier
  2777. 1:56:11Besatzungsmächte am 15. Mai 1955
  2778. 1:56:16den österreichischen Staatsvertrag im
  2779. 1:56:18Schloss Belveder.
  2780. 1:56:20Dieser Vertrag beendete die Besatzung
  2781. 1:56:23und stellte die volle Souveränität
  2782. 1:56:25Österreichs wiederher.
  2783. 1:56:27Im Gegenzug verpflichtete sich das Land
  2784. 1:56:30dauerhaft neutral zu bleiben und keinem
  2785. 1:56:32Militärbündnis beizutreten.
  2786. 1:56:35Außenminister Leopold Fiel verkündete
  2787. 1:56:38damals berühmt: "Ör
  2788. 1:56:43Satz, der bis heute im kollektiven
  2789. 1:56:45Gedächtnis des Landes verankert ist.
  2790. 1:56:48Mit dem Staatsvertrag begann eine neue
  2791. 1:56:50Era. Die Neutralität, die 1955
  2792. 1:56:55auch in der Verfassung verankert wurde,
  2793. 1:56:58wurde zu einem zentralen Element der
  2794. 1:57:00österreichischen Identität.
  2795. 1:57:03Österreich sah sich fort an als
  2796. 1:57:05Brückenbauer zwischen Ost und West, als
  2797. 1:57:08neutraler Staat, der nicht nur seine
  2798. 1:57:11Unabhängigkeit bewahrte, sondern auch
  2799. 1:57:14eine besondere Rolle in der
  2800. 1:57:15internationalen Diplomatie übernahm.
  2801. 1:57:19Mit dem Abschluss des Staatsvertrages
  2802. 1:57:21und der Rückkehr zur vollen Souveränität
  2803. 1:57:23begann für Österreich eine Zeit des
  2804. 1:57:25wirtschaftlichen Aufschwungs, die später
  2805. 1:57:28als Wirtschaftswunder bekannt wurde.
  2806. 1:57:31Nach Jahren der Entbehrung und des
  2807. 1:57:33Wiederaufbaus setzt in den späten
  2808. 1:57:361950ern
  2809. 1:57:38ein stetiges Wachstum ein, das Gesicht
  2810. 1:57:41des Landes nachhaltig veränderte.
  2811. 1:57:45Die Industrieproduktion nahm Rasan zu.
  2812. 1:57:48Neue Arbeitsplätze entstanden und der
  2813. 1:57:51Lebensstandard der Bevölkerung stieg
  2814. 1:57:53deutlich. Eine zentrale Rolle spielte
  2815. 1:57:56dabei die konsequente Modernisierung der
  2816. 1:57:58Infrastruktur. Straßen, Eisenbahnlinien
  2817. 1:58:01und Stromnetze wurden ausgebaut, neue
  2818. 1:58:04Wohnanlagen geschaffen und die Städte
  2819. 1:58:06erhielten ein neues modernes Gesicht.
  2820. 1:58:10Vor allem Wien, das noch immer an den
  2821. 1:58:12Spuren des Krieges litt, verwandelte
  2822. 1:58:14sich in eine dynamische Metropole, die
  2823. 1:58:17Tradition und Fortschritt miteinander
  2824. 1:58:19verband.
  2825. 1:58:21Der wirtschaftliche Aufschwung war auch
  2826. 1:58:23ein Ergebnis der sozialen Partnerschaft,
  2827. 1:58:26einem besonderen Modell der
  2828. 1:58:28Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern,
  2829. 1:58:30Gewerkschaften und Politik.
  2830. 1:58:34Anstatt auf Konfrontation zu setzen,
  2831. 1:58:36einigten sich die sozialen Kräfte auf
  2832. 1:58:38Kompromisse, die sowohl wirtschaftliches
  2833. 1:58:41Wachstum als auch sozialen Frieden
  2834. 1:58:43förderten.
  2835. 1:58:45Diese Partnerschaft sorgte dafür, dass
  2836. 1:58:47Arbeitskämpfe selten waren und die Löhne
  2837. 1:58:50und Arbeitsbedingungen kontinuierlich
  2838. 1:58:52verbessert wurden. Die 1960er Jahre
  2839. 1:58:57brachten zudem einen tiefgreifenden
  2840. 1:58:59gesellschaftlichen Wandel.
  2841. 1:59:02Das Leben der Menschen wurde
  2842. 1:59:03komfortabler. Konsumgüter wie
  2843. 1:59:06Kühlschränke, Waschmaschinen und später
  2844. 1:59:08auch Fernseher hielten Einzug in die
  2845. 1:59:11Haushalte.
  2846. 1:59:13Der Tourismus entwickelte sich zu einer
  2847. 1:59:15wichtigen Einnahmequelle, besonders in
  2848. 1:59:17den Alpenregionen, wo Skiurlaub und
  2849. 1:59:20Sommerfrische immer mehr Besucher aus
  2850. 1:59:22dem Ausland anzogen. Gleichzeitig
  2851. 1:59:24veränderten sich die sozialen
  2852. 1:59:26Strukturen. Immer mehr Menschen zogen
  2853. 1:59:28vom Land in die Städte und das
  2854. 1:59:30traditionelle Bild einer bäuerlich
  2855. 1:59:32geprägten Gesellschaft wich langsam
  2856. 1:59:35einer modernen urbanen Lebensweise.
  2857. 1:59:38Auch die Rolle der Frauen begann sich zu
  2858. 1:59:40wandeln. Während in denn
  2859. 1:59:44noch das klassische Rollenbild
  2860. 1:59:46vorherrschte, das Frauen vor allem als
  2861. 1:59:49Hausfrauen und Mütter sah, öffnete sich
  2862. 1:59:52in den 1660ern der Arbeitsmarkt
  2863. 1:59:55zunehmend auch für sie. Bildung spielte
  2864. 1:59:58eine immer größere Rolle und mehr
  2865. 2:00:01Mädchen als je zuvor besuchten höhere
  2866. 2:00:03Schulen oder Universitäten.
  2867. 2:00:07Politisch war diese Zeit geprägt von
  2868. 2:00:09Stabilität.
  2869. 2:00:10Die großen Volksparteien ÖVP und SPÖ
  2870. 2:00:14dominierten die politische Bühne und
  2871. 2:00:17wechselten sich in der
  2872. 2:00:18Regierungsverantwortung ab oder bildeten
  2873. 2:00:22große Koalitionen.
  2874. 2:00:24Unter Bundeskanzlern wie Julius Rab, der
  2875. 2:00:27den Staatsvertrag mitunterzeichnet hatte
  2876. 2:00:30und später Josef Klaus wurde der Kurs
  2877. 2:00:33der Neutralität fortgeführt, während die
  2878. 2:00:36Wirtschaftspolitik auf Wachstum und
  2879. 2:00:38sozialen Ausgleich setzte.
  2880. 2:00:41International profilte sich Österreich
  2881. 2:00:44zunehmend als neutrales Land, das eine
  2882. 2:00:47Brückenfunktion zwischen Ost und West
  2883. 2:00:49einnahm.
  2884. 2:00:50Wien entwickelte sich zu einem Zentrum
  2885. 2:00:53für internationale Organisationen und
  2886. 2:00:55Konferenzen, einen Ruf, der bis heute
  2887. 2:00:58anhält. Trotz des Wohlstands blieb die
  2888. 2:01:02Erinnerung an Krieg und Besatzungszeit
  2889. 2:01:05lebendig, was das Bewusstsein für
  2890. 2:01:07Frieden und Unabhängigkeit schärfte.
  2891. 2:01:11Die 1970 Jahre leiteten eine neue Phase
  2892. 2:01:15ein.
  2893. 2:01:17Die Era Bruno Kreiski, der von
  2894. 2:01:21bis
  2895. 2:01:23als Bundeskanzler regierte, stand für
  2896. 2:01:25soziale Reformen, Bildungsoffensiven und
  2897. 2:01:29eine moderne Kulturpolitik.
  2898. 2:01:32Unter seiner Führung erlebte Österreich
  2899. 2:01:34nicht nur wirtschaftlich, sondern auch
  2900. 2:01:36gesellschaftlich einen Schub in Richtung
  2901. 2:01:39Liberalisierung und Fortschritt.
  2902. 2:01:42Das Land entwickelte sich zu einem
  2903. 2:01:44selbstbewussten Staat, der nicht mehr im
  2904. 2:01:47Schatten seiner Vergangenheit stand,
  2905. 2:01:49sondern aktiv seine Zukunft gestaltete.
  2906. 2:01:53Die Jahre des kalten Krieges stellten
  2907. 2:01:55für Österreich eine besondere
  2908. 2:01:57Herausforderung da, denn das Land lag
  2909. 2:02:00mitten zwischen den beiden Machtblöcken,
  2910. 2:02:02die Europa nach dem Zweiten Weltkrieg
  2911. 2:02:04teilten.
  2912. 2:02:06Auf der einen Seite standen die
  2913. 2:02:07westlichen Demokratien mit den USA und
  2914. 2:02:10ihren Verbündeten,
  2915. 2:02:12auf der anderen Seite die Sowjetunion
  2916. 2:02:14und der kommunistische Osten.
  2917. 2:02:17Österreich, das 1955
  2918. 2:02:20seine Neutralität in der Verfassung
  2919. 2:02:22verankert hatte, musste nun beweisen,
  2920. 2:02:25dass es auch in einer Zeit globaler
  2921. 2:02:27Spannung einen eigenen Weg gehen konnte.
  2922. 2:02:31Diese Neutralität war jedoch weit mehr
  2923. 2:02:34als eine politische Notwendigkeit. Sie
  2924. 2:02:36wurde zu einem zentralen Bestandteil der
  2925. 2:02:39österreichischen Identität.
  2926. 2:02:42Anders als Deutschland, das in zwei
  2927. 2:02:44Staaten geteilt war, gelang es
  2928. 2:02:46Österreich seine Einheit zu bewahren und
  2929. 2:02:49gleichzeitig als neutraler Vermittler
  2930. 2:02:52zwischen den Fronten zu agieren. Wien
  2931. 2:02:54wurde zu einem wichtigen Treffpunkt für
  2932. 2:02:57internationale Diplomaten und zu einem
  2933. 2:02:59Ort, an dem Ost und West miteinander ins
  2934. 2:03:02Gespräch kam, selbst wenn die Spannungen
  2935. 2:03:05anderen Orts eskalierten.
  2936. 2:03:08Die Position Österreichs brachte dem
  2937. 2:03:10Land einen besonderen Status ein. Schon
  2938. 2:03:13in den 1960er Jahren wuchs Wien zu einem
  2939. 2:03:17Zentrum internationaler Organisationen
  2940. 2:03:19heran. Die UNO errichtete hier einen
  2941. 2:03:22ihrer Hauptsitze und auch die
  2942. 2:03:25internationale Atomenergieorganisation
  2943. 2:03:28IAEO
  2944. 2:03:29und die Organisation für Sicherheit und
  2945. 2:03:31Zusammenarbeit in Europa OSE wählten
  2946. 2:03:35Wien als Standort.
  2947. 2:03:38Diese Rolle als diplomatische
  2948. 2:03:39Drehscheibe half Österreich sein
  2949. 2:03:42Selbstverständnis als friedliebender und
  2950. 2:03:44unabhängiger Staat zu festigen.
  2951. 2:03:47Gleichzeitig bot sie wirtschaftliche
  2952. 2:03:49Vorteile, da internationale Konferenzen,
  2953. 2:03:52Institutionen und Organisationen nicht
  2954. 2:03:55nur Prestige, sondern auch Arbeitsplätze
  2955. 2:03:57und Investitionen brachten.
  2956. 2:04:00Innenpolitisch prägten die 1960er
  2957. 2:04:03und 177er Jahre einen vorsichtigen, aber
  2958. 2:04:07stetigen Modernisierungskurs.
  2959. 2:04:10Die Sozialpartnerschaft zwischen
  2960. 2:04:12Arbeitgebern und Arbeitnehmern sorgte
  2961. 2:04:14weiterhin für Stabilität, während eine
  2962. 2:04:17breite Mitte die Politik dominierte.
  2963. 2:04:20Auch kulturell entwickelte sich
  2964. 2:04:22Österreich weiter und begann sich von
  2965. 2:04:24der Last der Vergangenheit zu lösen.
  2966. 2:04:27Dennoch war der kalte Krieg auch im
  2967. 2:04:29Alltag spürbar.
  2968. 2:04:31Die Grenzen zum Osten, besonders jene
  2969. 2:04:34zur Tschechoslowakei und zur Ungarn,
  2970. 2:04:36markierten nicht nur politische, sondern
  2971. 2:04:39auch kulturelle Trennlinien.
  2972. 2:04:42Dennoch nutzte Österreich seine Lage, um
  2973. 2:04:45Brücken zu schlagen.
  2974. 2:04:47Besonders bemerkenswert war die Rolle
  2975. 2:04:49des Landes als Fluchtpunkt für Menschen,
  2976. 2:04:52die aus den Ländern des Warschauerpaktes
  2977. 2:04:54flohen.
  2978. 2:04:55Nach der Niederschlagung des
  2979. 2:04:57Ungarnaufstands von 1956
  2980. 2:05:00fanden zehntausende Flüchtlinge Zuflucht
  2981. 2:05:02in Österreich, das trotz eigener
  2982. 2:05:05wirtschaftlicher Herausforderung
  2983. 2:05:07solidarisch handelte.
  2984. 2:05:10Die Politik der Neutralität bedeutete
  2985. 2:05:12jedoch nicht, dass Österreich isoliert
  2986. 2:05:14war. Im Gegenteil, das Land nutzte seine
  2987. 2:05:18Unabhängigkeit, um internationale
  2988. 2:05:20Kontakte zu pflegen, Handelsbeziehungen
  2989. 2:05:23auszubauen und seine Wirtschaft
  2990. 2:05:25weiterzustärken.
  2991. 2:05:27Besonders in den 1960er Jahren während
  2992. 2:05:30der Era Kreiski gewann die
  2993. 2:05:33österreichische Außenpolitik
  2994. 2:05:35internationales Ansehen.
  2995. 2:05:37Bruno Kreiski verstand Österreich als
  2996. 2:05:40einen Staat zu positionieren, der aktiv
  2997. 2:05:43für Frieden, Dialog und humanitäre Hilfe
  2998. 2:05:46eintrat.
  2999. 2:05:48Unter seiner Führung gelang es Wien als
  3000. 2:05:50globalen Verhandlungsort zu etablieren,
  3001. 2:05:53etwa für Gespräche über nukleare
  3002. 2:05:56Abrüstung zwischen den USA und der
  3003. 2:05:59Sowjetunion.
  3004. 2:06:01Während die Welt in Blöcken dachte,
  3005. 2:06:04entwickelte sich Österreich zu einem
  3006. 2:06:06Ort, der von Kooperation und Diplomatie
  3007. 2:06:09lebte. Diese Rolle wurde nicht nur von
  3008. 2:06:12der Politik getragen, sondern auch von
  3009. 2:06:15der Bevölkerung akzeptiert und oft als
  3010. 2:06:18Stolz empfunden.
  3011. 2:06:20Man verstand sich als ein kleines, aber
  3012. 2:06:22wichtiges Land, das durch Neutralität
  3013. 2:06:25und Offenheit eine besondere Bedeutung
  3014. 2:06:27erlangte.
  3015. 2:06:29Auch wirtschaftlich half dieser Kurs,
  3016. 2:06:31denn das neutrale Österreich konnte
  3017. 2:06:34Handel mit beiden Seiten treiben, ohne
  3018. 2:06:37in politische Konflikte verwickelt zu
  3019. 2:06:39werden.
  3020. 2:06:40Diese Position als Mittler und
  3021. 2:06:42Brückenbauer hat Österreichs
  3022. 2:06:44Selbstverständnis bis heute geprägt. Als
  3023. 2:06:47der kalte Krieg zu Ende ging und der
  3024. 2:06:50eiserne Vorhang fiel, befand sich
  3025. 2:06:52Österreich erneut an einem historischen
  3026. 2:06:54Wendepunkt.
  3027. 2:06:56Die politische Landschaft Europas
  3028. 2:06:58veränderte sich grundlegend und für
  3029. 2:07:00Österreich, das bislang zwischen Ost und
  3030. 2:07:02West seine neutrale Rolle eingenommen
  3031. 2:07:05hatte, eröffnete sich nun die
  3032. 2:07:07Möglichkeit, stärker in das geeinte
  3033. 2:07:10Europa hineinzuwachsen.
  3034. 2:07:12Der Zerfall der Sowjetunion,
  3035. 2:07:15die Demokratisierung der Nachbarstaaten
  3036. 2:07:17und die zunehmende wirtschaftliche
  3037. 2:07:19Verflechtung machten deutlich, dass die
  3038. 2:07:22Zukunft des Kontinents in einer engeren
  3039. 2:07:25Zusammenarbeit lag. Österreich hatte
  3040. 2:07:28sich bereits seit den 60er Jahren durch
  3041. 2:07:31die Teilnahme an der Europäischen
  3042. 2:07:33Freihandelsziation
  3043. 2:07:35EFTA wirtschaftlich an Europa
  3044. 2:07:38angebunden. Doch nun ging es um mehr als
  3045. 2:07:40nur Handel. Es ging um politische
  3046. 2:07:43Integration und eine neue Rolle in einer
  3047. 2:07:46sich verändernden Welt. Der Wunsch, Teil
  3048. 2:07:50der europäischen Gemeinschaft zu werden,
  3049. 2:07:53wuchs besonders in den 80er Jahren. Man
  3050. 2:07:56erkannte, dass ein kleiner Staat wie
  3051. 2:07:58Österreich langfristig von den Vorteilen
  3052. 2:08:00eines großen Binnenmarktes und
  3053. 2:08:02gemeinsamer politischer Strukturen
  3054. 2:08:05profitieren konnte. Doch der Schritt in
  3055. 2:08:08die EU war nicht einfach.
  3056. 2:08:11Die Neutralität,
  3057. 2:08:13die seit 1955
  3058. 2:08:15ein fester Bestandteil der
  3059. 2:08:16österreichischen Identität war, musste
  3060. 2:08:19mit den sicherheitspolitischen
  3061. 2:08:21Verpflichtungen der EU in Einklang
  3062. 2:08:24gebracht werden. Eine intensive Debatte
  3063. 2:08:27begann, die sich über mehrere Jahre zog
  3064. 2:08:30und sowohl Befürworter als auch Gegner
  3065. 2:08:33mobilisierte.
  3066. 2:08:351994
  3067. 2:08:37kam es schließlich zu einer
  3068. 2:08:38Volksabstimmung,
  3069. 2:08:40in der die Österreicher mit deutlicher
  3070. 2:08:42Mehrheit für den EU-Beitritt stimmten.
  3071. 2:08:46Am 1. Januar 1995
  3072. 2:08:50trat Österreich der Europäischen Union
  3073. 2:08:52bei, gemeinsam mit Schweden und
  3074. 2:08:55Finnland.
  3075. 2:08:57Dieser Schritt markierte nicht nur einen
  3076. 2:08:58wirtschaftlichen, sondern auch einen
  3077. 2:09:00mentalen Wandel.
  3078. 2:09:03Österreich verstand sich nun nicht mehr
  3079. 2:09:05nur als neutraler Staat, sondern als
  3080. 2:09:07aktiver Teil einer europäischen
  3081. 2:09:09Gemeinschaft, die Frieden, Wohlstand und
  3082. 2:09:13Zusammenarbeit versprach.
  3083. 2:09:16Der Beitritt brachte neue Chancen, aber
  3084. 2:09:18auch Herausforderungen.
  3085. 2:09:20Der freie Zugang zu einem riesigen Markt
  3086. 2:09:23ermöglichte der österreichischen
  3087. 2:09:25Wirtschaft einen Aufschwung, während
  3088. 2:09:27gleichzeitig neue Wettbewerbsbedingungen
  3089. 2:09:30und Anpassungen nötig wurden. Politisch
  3090. 2:09:33wurde Österreich fort an stärker in
  3091. 2:09:35europäische Entscheidungen eingebunden.
  3092. 2:09:38Das Land beteiligte sich an gemeinsamen
  3093. 2:09:40Projekten, Programmen und Institutionen,
  3094. 2:09:43die die EU immer enger zusammenführten.
  3095. 2:09:46Die Einführung des Euro im Jahr 2002 war
  3096. 2:09:49ein weiterer Meilenstein, der die
  3097. 2:09:51wirtschaftliche Integration vertiefte
  3098. 2:09:54und Österreich fest in die Gemeinschaft
  3099. 2:09:57der europäischen Staaten einband.
  3100. 2:10:00Gleichzeitig blieb die Neutralität ein
  3101. 2:10:02wichtiger Teil der Identität.
  3102. 2:10:06Österreich nutzte seine Rolle innerhalb
  3103. 2:10:08der EU, um weiterhin als Vermittler in
  3104. 2:10:12internationalen Konflikten aufzutreten
  3105. 2:10:14und Friedensinitiativen zu unterstützen.
  3106. 2:10:18Die EU-Mitgliedschaft bedeutete keinen
  3107. 2:10:21Verlust der Eigenständigkeit,
  3108. 2:10:23sondern wurde von vielen als Erweiterung
  3109. 2:10:26der Möglichkeiten gesehen, in einer
  3110. 2:10:29globalisierten Welt Einfluss zu nehmen.
  3111. 2:10:33Der EU-Beitritt veränderte auch das
  3112. 2:10:35Selbstverständnis des Landes.
  3113. 2:10:38Österreich, das lange Zeit als
  3114. 2:10:40Brückenbauer zwischen Ost und West galt,
  3115. 2:10:43wurde nun zu einem Bindeglied innerhalb
  3116. 2:10:46Europas.
  3117. 2:10:47Gerade nach der Öffnung der Grenzen zu
  3118. 2:10:50den osteuropäischen Nachbarstaaten
  3119. 2:10:52profitierte das Land enorm von neuen
  3120. 2:10:55Handelswegen und Investitionen.
  3121. 2:10:58Städte wie Wien und Salzburg
  3122. 2:11:00entwickelten sich zu internationalen
  3123. 2:11:02Knotenpunkten, die Touristen,
  3124. 2:11:04Geschäftsleute und Kulturschaffende aus
  3125. 2:11:06aller Welt anzogen.
  3126. 2:11:09Österreich ist heute ein modernes,
  3127. 2:11:11wohlhabendes Land, das Tradition und
  3128. 2:11:14Fortschritt auf besondere Weise
  3129. 2:11:16miteinander verbindet.
  3130. 2:11:18Die Geschichte des Habsburger Reiches,
  3131. 2:11:20die Jahre der Monarchie, die Wirren der
  3132. 2:11:22Weltkriege und der schwierige Neuanfang
  3133. 2:11:25nach 1945
  3134. 2:11:27haben eine Gesellschaft geformt, die
  3135. 2:11:30sich ihrer Vergangenheit bewusst ist,
  3136. 2:11:32aber auch offen für Neues bleibt.
  3137. 2:11:36Wien, das kulturelle und politische
  3138. 2:11:38Zentrum des Landes, gilt heute als eine
  3139. 2:11:41der lebenswertesten Städte der Welt. Mit
  3140. 2:11:44ihrer Mischung aus imperialem Glanz,
  3141. 2:11:47moderner Architektur und lebendiger
  3142. 2:11:49Kulturszene verkörpert die Hauptstadt
  3143. 2:11:52den Geist Österreichs.
  3144. 2:11:54Verwurzelt in einer langen Geschichte,
  3145. 2:11:56aber dynamisch und international
  3146. 2:11:59ausgerichtet.
  3147. 2:12:01Politisch ist Österreich eine
  3148. 2:12:03parlamentarische Demokratie, die sich
  3149. 2:12:06durch Stabilität und Konsenskultur
  3150. 2:12:08auszeichnet.
  3151. 2:12:10Die großen Volksparteien, die ÖVP und
  3152. 2:12:12die SPÖ, prägen bis heute das politische
  3153. 2:12:16Leben. Doch auch andere Kräfte wie die
  3154. 2:12:18Grünen oder die FPÖ haben das
  3155. 2:12:21Parteiensystem in den letzten
  3156. 2:12:23Jahrzehnten verändert.
  3157. 2:12:25Besonders wichtig ist für viele
  3158. 2:12:27Österreicher der Gedanke der
  3159. 2:12:29Neutralität, der nach wie vor tief im
  3160. 2:12:32kollektiven Bewusstsein verankert ist.
  3161. 2:12:35Österreich tritt international oft als
  3162. 2:12:38Vermittler auf. sei es bei
  3163. 2:12:40Friedensgesprächen,
  3164. 2:12:41internationalen Konferenzen oder im
  3165. 2:12:44Rahmen der Vereinten Nationen. Wien ist
  3166. 2:12:48Sitz zahlreicher internationaler
  3167. 2:12:50Organisation und gilt als Stadt des
  3168. 2:12:53Dialogs und der Diplomatie.
  3169. 2:12:56Wirtschaftlich hat sich Österreich seit
  3170. 2:12:58den 90er Jahren stark entwickelt.
  3171. 2:13:01Der EU-Beitritt 1995
  3172. 2:13:05öffnete neue Märkte und die Integration
  3173. 2:13:08in den europäischen Binnenmarkt brachte
  3174. 2:13:11Wohlstand und Stabilität.
  3175. 2:13:14Heute zählt Österreich zu den
  3176. 2:13:16wohlhabendsten Ländern Europas mit einer
  3177. 2:13:19starken Industrie, einem florierenden
  3178. 2:13:22Tourismus und einer innovativen
  3179. 2:13:24Dienstleistungsbranche.
  3180. 2:13:27Die Alpenregionen sind nicht nur ein
  3181. 2:13:29Magnet für Wintersportler aus aller
  3182. 2:13:31Welt, sondern auch ein Symbol für die
  3183. 2:13:33Verbindung von Natur und Kultur, die
  3184. 2:13:36Österreich so einzigartig macht.
  3185. 2:13:40Kulturell bleibt das Land ein Zentrum
  3186. 2:13:42der Kunst und Musik.
  3187. 2:13:44Die Tradition der klassischen Musik mit
  3188. 2:13:47Namen wie Mozart, Heiden und Strauß wird
  3189. 2:13:50bis heute gepflegt, während Festivals,
  3190. 2:13:53Opernaufführungen und moderne
  3191. 2:13:55Kunstformen das Bild eines kreativen
  3192. 2:13:59weltoffenen Österreichs ergänzen.
  3193. 2:14:02Gleichzeitig ist die Kulinarik ein
  3194. 2:14:04fester Bestandteil der nationalen
  3195. 2:14:06Identität.
  3196. 2:14:08von Wiener Schnitzel bis Sachertorte,
  3197. 2:14:11von Kaffeehauskultur
  3198. 2:14:13bis zu regionalen Spezialitäten,
  3199. 2:14:16die das Land weit über seine Grenzen
  3200. 2:14:18hinaus bekannt gemacht haben.
  3201. 2:14:21Gesellschaftlich ist Österreich ein Land
  3202. 2:14:23im Wandel. Migration und
  3203. 2:14:25Internationalisierung haben die Städte
  3204. 2:14:27vielfältiger gemacht, während Themen wie
  3205. 2:14:30Umweltschutz, erneuerbare Energien und
  3206. 2:14:33Digitalisierung immer wichtiger werden.
  3207. 2:14:37Gerade im Bereich Nachhaltigkeit hat das
  3208. 2:14:39Land in den letzten Jahren große
  3209. 2:14:41Fortschritte gemacht, etwa durch den
  3210. 2:14:44Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln
  3211. 2:14:47und den Fokus auf umweltfreundlichen
  3212. 2:14:49Tourismus.
  3213. 2:14:51Österreich heute ist ein Land, das stolz
  3214. 2:14:53auf seine Geschichte blickt, ohne sich
  3215. 2:14:55von ihr einschränken zu lassen. Es ist
  3216. 2:14:58ein Land der Brückenbauer, das versteht,
  3217. 2:15:01Traditionen und Moderne miteinander zu
  3218. 2:15:04verbinden.
  3219. 2:15:05Die Herausforderung des 21.
  3220. 2:15:08Jahrhunderts. Globalisierung,
  3221. 2:15:10Klimawandel und politische Spannung
  3222. 2:15:13begegnet es mit einer Mischung aus
  3223. 2:15:15Pragmatismus und kultureller Stärke.
  3224. 2:15:18Österreich bleibt damit nicht nur ein
  3225. 2:15:20Ort von Geschichte und Erinnerung,
  3226. 2:15:22sondern auch ein Land, das seine Zukunft
  3227. 2:15:25selbstbewusst gestaltet.
  3228. 2:15:28Wenn du Lust hast noch mehr spannende
  3229. 2:15:30Geschichten aus der Vergangenheit zu
  3230. 2:15:31entdecken, dann lass gerne ein Abo da
  3231. 2:15:34und gib dem Video einen Like. Das hilft
  3232. 2:15:36mir noch mehr von diesen Geschichten zu
  3233. 2:15:38erzählen. Schreib mir auch in die
  3234. 2:15:39Kommentare, welcher Teil der Geschichte
  3235. 2:15:42von Österreich dich am meisten
  3236. 2:15:44fasziniert hat. Ich freue mich auf deine
  3237. 2:15:46Meinung. Bleib neugierig und wir sehen
  3238. 2:15:49uns in der nächsten Geschichte wieder.

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This page contains the full transcript of Die gesamte Geschichte von Österreich zum Einschlafen by Ruhe der Zeit, generated from the public captions YouTube serves with the video. The transcript has 15,454 words across 3,238 segments, with the original timestamps preserved so you can click any line to jump to that moment in the embedded player.

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