Dein Hirn macht dich jeden Tag 2 Stunden blind — Transcript
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- 0:01Die Welt, die du siehst, ist nicht real. Du lebst nicht in diesem Moment,
- 0:05den du gerade wahrnimmst und nichts ist, wie es scheint. Während du sie erlebst,
- 0:10konstruiert dein Gehirn deine Realität, bearbeitet deine Erinnerungen, lebt in
- 0:16verschiedenen Zeitsfäen und erzählt dir eine Geschichte über die Welt, [musik] die du für
- 0:20Reale hältst. Was geht davor? Und wer hat eigentlich die Kontrolle über dein Leben?
- 0:27Die Kluft zwischen dir und der Realität. [musik] Das Sehen ist wohl unsere Hauptinformationsquelle
- 0:34über die Welt. In Wahrheit sehen wir aber gar nicht so viel. Nur ein Feld von der Größe deines
- 0:40Daumennagels siehst du [musik] hoch aufgelöst. Der Rest ist unscharf. Das fühlt sich nur deshalb
- 0:46nicht so an, weil dein Gehirn den Rest erfindet mit einem ziemlich cleveren Trick. Jede Sekunde
- 0:52machen die Augen drei bis vier ruckartige Bewegungen von 50 Millisekunden. Sakaden,
- 0:58bei denen sie ihren Fokus [musik] von einem Punkt zum nächsten richten. Sie scannen die Umgebung,
- 1:04um verschiedene scharfe Bilder zu erhalten, die dein Gehirn zusammenfügt. [musik] Während einer
- 1:09Sakkade schaltet dein Gehirn das Seevermögen aus, damit du keine wilde Bewegungsunschärfe siehst. Du
- 1:16bist also etwa 2 Stunden täglich blind. [musik] Könntest du sehen, was deine Augen sehen, sehe
- 1:22das etwa so aus. Stattdessen füllt dein [musik] Gehirn diese Zeit mit Annahmen, was während der
- 1:29Dunkelheit passiert ist. Aber es tut noch viel mehr. Du nimmst Zeit nicht [musik] wirklich
- 1:35richtig wahr. Was passiert eigentlich, wenn du Milch in eine Tasse Kaffee rührst? Wenn der Löffel
- 1:42auf Keramik trifft, reflektiert er Licht, das nach 1,3 Nanosekunden [musik] deine Augen erreicht.
- 1:49Die Keramik vibriert und erzeugt eine Schockwelle aus Luftmolekülen, die in 1,2 Millisekunden dein
- 1:55Ohr erreicht. Deine Finger spüren Wärme und signalisieren das in 50 Millisekunden deinem
- 2:02Gehirn. Drei unterschiedliche Reize treffen zu verschiedenen Zeiten in deinem Gehirn ein.
- 2:08Du nimmst sie aber nicht getrennt, sondern gleichzeitig als zusammenhängenden Moment
- 2:13wahr. Dein Gehirn braucht kurz, um sie zu verarbeiten und erfindet dann eine Realität, eine
- 2:20Gegenwart, [musik] die aber nicht real ist. Was du als jetzt erlebst, ist eine selektiv bearbeitete
- 2:26Version der Vergangenheit. Eigentlich erlebst du die Welt mit 0,3 bis 0,5 Sekunden Verspätung.
- 2:34Nur ist auch das nicht ganz richtig. Dein Gehirn bearbeitet [musik] Zeit und Raum viel stärker als
- 2:40das und es trifft auch Entscheidungen ganz ohne dein Bewusstsein. Eine Entscheidung, die du ganz
- 2:47bewusst fällen solltest, ist dich gegen digitale Risiken abzusichern. Geh auf nordvn.com/urzgesagt,
- 2:56um dich im Internet zu schützen. Bösartige Websites werden blockiert, Webtracker gestoppt
- 3:01und lästige Werbepop-ups ausgeblendet. Der Bedrohungsschutz Pro scannt Dateien bereits
- 3:07beim Download, entfernt Melware automatisch und prüft Apps auf Sicherheitslücken. Außerdem warnt
- 3:13er dich vor riskanten Suchergebnissen oder wenn deine Sitzung gekart wurde. Der Darkweb Monitor
- 3:19informiert dich sofort, falls es bei einer Seite zu einer Datenpanne kommt und deine Daten [musik]
- 3:24im Dark Webtauchen. Unterwegs verschlüsselt NordVPN deine Verbindung in unsicheren WLANs,
- 3:31etwa in Hotels, Flughäfen oder Caféses. Du kannst aus tausenden Servern weltweit [musik] wählen,
- 3:37um auch im Ausland auf deine heimischen Streaminginhalte zuzugreifen oder [musik] dank
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- 3:48wichtigen Plattformen kompatibel und kann auf bis zu zehn Geräten gleichzeitig genutzt werden. Hole
- 3:55dir jetzt vier extra Monate beim Zweijahrestarif auf notvpn.com/kurzgesagte.de. [musik] Risikofrei
- 4:04dank der 30 Tage Geld zurückgarantie. Und jetzt zurück in die erfundene Realität. Du lebst in
- 4:11der Vergangenheit, nein, der Zukunft. Nein, in einer erfundenen Zukunft. Die Gegenwart,
- 4:19die du gerade erlebst, ist gewissermaßen die Zukunft. Stell dir mal vor, du wärst
- 4:24ein Tischtennispfi. Im Profi Tischtennis fliegen Bälle mit 25 m pro Sekunde, was ziemlich schnell
- 4:31ist. Verlangsamen wir also die Zeit. Das Licht gelangt in Nanosekunden vom Ball zu deinem Auge.
- 4:37Wird dort in elektrische Impulse umgewandelt, die dein Gehirn nach 100 Millisekunden verarbeitet.
- 4:44In dieser Zeit fliegt der Ball 2,5 [musik] m weit, eine ganze Tischlänge. Würde dein Gehirn dir den
- 4:50Ball von vor 100 Millisekunden zeigen, würde er dich treffen, bevor du reagieren könntest.
- 4:56Stattdessen berechne dein Gehirn [musik] aus seiner Position, Geschwindigkeit und Richtung,
- 5:01wo der Ball in der Zukunft sein sollte. Dann, wenn die Information dich erreicht. So kreiert
- 5:08es eine fiktive Version des Balls, [musik] die du in deiner falschen Gegenwart siehst. einen
- 5:14erfundenen Ball, der eigentlich woanders ist. Aber du musst den Ball [musik] ja nicht nur sehen,
- 5:19sondern ihn auch zurückschlagen. Würdest du jetzt erst [musik] reagieren und ausholen, wärst du weit
- 5:25daneben. Alles geht einfach zu schnell. Noch bevor der Ball den Schläger deines Gegners berührt,
- 5:31beginnt [musik] dein Gehirn vorher zu sagen, wo er danach landen könnte, basierend auf der
- 5:36Körperhaltung des Gegners und deiner Erfahrung. [musik] Weil es sich aber nicht sicher sein kann,
- 5:42bereitet es mehrere Reaktionen vor. Vielleicht kommt der Ball hierhin oder dorthin oder doch
- 5:48dahin. Um auf alle Szenarien vorbereitet zu sein, sendet dein Gehirn vorprogrammierte Befehle an die
- 5:54Muskeln, die du benötigst, um nach links, rechts oder hochzuspringen, damit sie sofort bereit sind.
- 6:01Für einen kurzen [musik] Moment gibt es mehrere Geisterversionen von dir selbst, alle gleich
- 6:06echt in deinem Gehirn. Als dein Gegner zum Schlag ausholt, entscheidet dein Gehirn, welche Zukunft
- 6:13es für am wahrscheinlichsten hält. Alle Geist bis auf einen werden gelöscht und du erlebst
- 6:18immer nur diesen einen Geist, [musik] niemals die anderen. Die Muskeln erhalten ihren Befehl
- 6:24zur Bewegung, noch bevor der Ball überhaupt zu dir zurückgespielt wird. Du kriegst davon gar nichts
- 6:30mit. Als du den Ball [musik] auf dich zufliegen siehst und entscheidest, wie du ihn annimmst,
- 6:35hat dein Körper ihn bereits zurückgeschlagen. In Wirklichkeit hat [musik] dein Gehirn bereits
- 6:40alle Entscheidungen getroffen. Deine bewusste Wahrnehmung [musik] ist eine erfundene Zukunft,
- 6:46eine Vorhersage basierend auf [musik] Informationen, die dein Gehirn Sekundenbruchteile
- 6:52davor erhalten hat. Das gilt nicht nur für extrem Sportarten [musik] wie Tischtennis, sondern auch
- 6:59für das Gehen. Gehen ist eine Zeitreise. Nach dem Match gehst du nach Hause, wählst anscheinend den
- 7:06Weg und reagierst auf Dinge. Währenddessen arbeitet dein Gehirn [musik] gleichzeitig in
- 7:13drei verschiedenen Zeitebenen. Es verarbeitet die gerade vergangenen Sinneswahrnehmungen,
- 7:18berechnet den aktuellen Zustand deines Körpers und sagt die Zukunft voraus.
- 7:23Denn gehen ist echt krass. Bevor das Signal, dass der Fuß den [musik] Boden berührt,
- 7:28das Gehirn erreicht hat, hat es bereits den Befehl für den nächsten Schritt rausgeschickt und es hat
- 7:34bereits die Muskelbewegungen für die nächsten beiden Schritte berechnet. [musik] Aber was,
- 7:39wenn eine Katastrophe eintritt? Wenn du z.B. auf der Bananenschale da ausrutscht, wie die
- 7:45dahingekommen ist, egal, nicht wichtig. Dein Gehirn ist darauf vorbereitet. Wir haben gesagt,
- 7:51dein Gehirn trifft Entscheidungen, aber das stimmt nicht ganz. Es gibt keinen Kontrollraum,
- 7:58in dem alles zusammenläuft. In Wahrheit nehmen verschiedene Körperteile verschiedene Dinge zu
- 8:03unterschiedlichen Zeiten wahr. Dein Rückenmark weiß Dinge meistens noch vor deinem Gehirn und
- 8:09selbst im Gehirn verarbeiten verschiedene Regionen das gleiche Ereignis unterschiedlich schnell
- 8:15und entscheiden unabhängig voneinander. Als du auf der Bananenschale ausrutscht, bemerkt dein
- 8:21Gyoskop im Ohr eine plötzliche Veränderung deiner Position im Raum. Diese Information schickt es an
- 8:28Stammherren und Rückenmarken, die zuständig sind, wenn es schnell gehen muss. Sie lösen sofort die
- 8:33Notfallrettungssequenz aus und senden Befehle an verschiedene [musik] Muskelgruppen. Innerhalb
- 8:39von 200 Millisekunden fangen vorprogrammierte Sequenzen den Sturz auf. Die Arme schießen hoch.
- 8:46Das andere Bein versteift sich, um dein Gewicht zu halten. Die Rumpfmuskulatur spannt sich an,
- 8:52um dich zu [musik] stabilisieren. Als das Stolpern 100 Millisekunden später bemerkst,
- 8:57erholt sich dein Körper bereits. Du checkst es nur [musik] jetzt erst. Okay. Jetzt wissen wir also,
- 9:04dass dein Gehirn ständig die Realität um dich herum vorhersagt, entscheidet,
- 9:08wie du dich verhalten solltest und dir dann eine bearbeitete Version zeigt.
- 9:13Das ist auch total sinnvoll. Würdest du das wirklich selbst tun wollen? Aber dein Gehirn
- 9:19sagt nicht nur die Außenwelt voraus, sondern noch etwas viel komplexeres. Dich bist du nur
- 9:26eine Vorhersage deines Gehirns? Wieso empfindest du die Welt, wie du es eben tust? Hunger, Energie
- 9:34und vor allem auch Gefühle sind nicht bloß eine objektive Reaktion auf dein aktuelles Befinden,
- 9:40sondern vorhersagen deines Gehirns, was du bald brauchen wirst oder wofür du bereit sein solltest.
- 9:47Wahrscheinlich hast du dich an gleichbleibende Essens oder Schlafenszeiten gewöhnt [musik] und
- 9:51wenn es soweit ist, schüttet dein Gehirn Hormone aus, um dich vorzubereiten. Eine selbsterfüllende
- 9:57Prophezeiung. Du kriegst Hunger oder wirst müde, weil dein Gehirn annimmt, dass du das jetzt
- 10:03benötigst. Das ist das Erstaunlichste an unseren Emotionen. Sie sind [musik] nicht bloß Reaktionen
- 10:09auf die Außenwelt, sondern vorhersagen. Gehst du auf eine Party, wartet dein Gehirn nicht ab,
- 10:16wie die Party wirklich ist und wie du dich dort fühlst. Es analysiert Erfahrungen von
- 10:21früheren Parys [musik] und Annahmen, wie er da sein wird. Vielleicht enge Freunde,
- 10:26mit denen du dich wohlfühlst. Vielleicht aber auch fremde Leute, was eine gewisse Unsicherheit
- 10:31mitbringt. Vielleicht erinnert sich dein Gehirn an eine Party, auf der du dich unwohl gefühlt hast.
- 10:38Das kann ziemlich nerven. Sag dein Gehirn Angst voraus, passt es Herzfrequenz, Hormonlevel und
- 10:45Muskelspannung schon an, bevor du überhaupt da bist. Es trmt deinen Körper auf Angst,
- 10:51wodurch du dich erst recht ängstlich fühlst, was dann die Vorhersage des Gehirns bestätigt und für
- 10:57die Zukunft abgespeichert wird. Fühlst du dich jetzt wie ein Beifahrer [musik] deines Gehirns,
- 11:02gezwungen zu erleben, was es halb voraussagt und dir einflößt? Ganz so ist es zum Glück nicht.
- 11:09Natürlich entscheidet dein bewusstes Ich nicht den lieben langen Tag über [musik] alles. Dahin ist es
- 11:14aber auch nicht besonders gut. Dein Gehirn und all die verschiedenen Organsysteme treffen eine Menge
- 11:20Entscheidungen für dich, aber eher wie Butler, die sich um den ganzen Kram im Hintergrund kümmern. Du
- 11:27sitzt vielleicht nicht am Steuer, aber du bist der Passagier, der entscheidet, wo es hingeht.
- 11:32Dein bewusstes Ich kann gut langfristige Pläne schmieden und abstrakt [musik] denken. Es ist
- 11:38ein Erzähler, der deinem Gehirn und dir selbst die Geschichte deines Lebens erzählt, wo auch
- 11:43immer diese beiden überlappenden [musik] Einheiten verschmelzen. Du siehst das große Ganze, dass dein
- 11:50innerer Vorhersageapparat niemals fassen kann. Du bist der Teil, der vorhersagen bearbeiten und
- 11:57neue ins System schreiben kann. Manchmal sind sich du und dein Gehirn nicht einig, was richtig ist,
- 12:03aber letztendlich bist du an [musik] der Macht und erzählst die Geschichte, wer du in dieser Welt
- 12:08bist. Und diese Geschichte ist so überzeugend, dass du sie als [musik] unbestreitbare Realität
- 12:14erlebst. Und glücklicherweise ist ein bewusstes Ich super darin, sich über ein Eis zu freuen,
- 12:22von Videos im Internet begeistert zu sein und im Detail über Pokémon nachzudenken. เฮ
- 12:51[musik]
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