Das fragwürdige Geschäft der Unternehmensberater — Transcript
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- 0:00[Musik]
- 0:01Knapp 200.000$ Einstiegsgehalt, Reisen
- 0:05um die ganze Welt und Zugang zu einem
- 0:07Club, zu dem Besten der Besten gehören.
- 0:11All diese Perks bieten große
- 0:12Unternehmensberatung und
- 0:14Wirtschaftsprüfer ab. Und das ist noch
- 0:15nicht alles. Auf den Recruitingseiten
- 0:17wird vor allen Dingen ein Job
- 0:19versprochen, der einen Sinn hat, mit dem
- 0:21man was positives bewegen kann in der
- 0:23Welt. Das klingt doch alles super, aber
- 0:25da passt doch was nicht so ganz.
- 0:26Unternehmensberatung heuern die besten
- 0:28der Besten an und zahlen unglaubliche
- 0:31Gehälter und am Ende versagt EY bei der
- 0:33Prüfung von Wirecard dann einfach
- 0:35komplett oder McKinsey hilft
- 0:37Pharmaunternehmen in den USA dabei
- 0:39Menschen in die Abhängigkeit zu treiben.
- 0:42Also wenn die besten der Besten bei den
- 0:44Unternehmensberatungen und
- 0:45Wirtschaftsprüfern so gewissenhaft für
- 0:47eine bessere Welt arbeiten, wie Sie
- 0:48sagen, warum geht das dann immer wieder
- 0:50so kolossal in die Hose? Mein Name ist
- 0:52Felix. Cool, dass ihr dabei seid. Los
- 0:55geht's.
- 0:57[Musik]
- 0:59Jetzt mal ganz ehrlich, für mehr
- 1:01nachhaltiges Wachstum auf der Welt
- 1:02arbeiten, nebenher das Klima retten und
- 1:05das noch bei einem Arbeitgeber, der was
- 1:06tut für seine Angestellten. Das klingt
- 1:08doch erstmal ziemlich gut, aber wartet.
- 1:12So richtig berühmt sind
- 1:13Unternehmensberater doch vor allen
- 1:14Dingen für was?
- 1:17PowerPoint.
- 1:18Ganz genau. Und mit diesen PowerPoints
- 1:20verdienen die auch noch ordentlich
- 1:22Kohle. Weltweit ist der Umsatz im
- 1:24Bereich Beratung letztes Jahr auf über
- 1:26700 Milliarden Dollar gestiegen.
- 1:28Angeführt wird der Beratungsmarkt von
- 1:30den Big 3, das sind McKinziean Company,
- 1:33Boston Consulting Group und Ban Company.
- 1:36Zwischen 5 und 15 Milliarden Dollar
- 1:38Umsatz machen die pro Jahr. Sie beraten
- 1:40z.B. zur Geschäftsstrategie, zu
- 1:43Organisations oder zu Personalfragen und
- 1:45in den Bereichen Logistik oder
- 1:47Marketing. Manchmal setzen sie auch
- 1:48konkrete Projekte um. Ihre Kunden sind,
- 1:51steckt ja schon im Namen, natürlich
- 1:53große Unternehmen, aber auch
- 1:54Regierungen, Ministerien oder andere
- 1:56Behörden. Und dann gibt's noch die vier
- 1:59großen Wirtschaftsprüfer, die sind
- 2:01bekannt als die Big 4. Dazu gehören
- 2:03Deloit, Price Waterhouse Cooper oder
- 2:05PWC, Ernst in Young, EY und KPMG. Die
- 2:09machen noch mal deutlich mehr Umsatz,
- 2:11wie ihr hier sehen könnt.
- 2:13Wirtschaftsprüfer sind vor allen Dingen
- 2:14dazu da, die Bilanzen von großen
- 2:16Unternehmen zu prüfen, so wie den hier
- 2:18z.B. Das ist der Geschäftsbericht von
- 2:20Wirecard von 2018. EY hätte also
- 2:23überprüfen sollen, ob die
- 2:24Unternehmensaben zu Umsetzen, Gewinnen
- 2:27und Investitionen stimmen. In diesem
- 2:29Fall ist das ziemlich schief gegangen.
- 2:31Okay, zurück zu unserer PowerPoint.
- 2:33Insgesamt hat sich der Umsatz der Big
- 2:35seit 2009 mehr als verdoppelt. Das ist
- 2:38auch kein Wunder, denn sie dominieren
- 2:40den Markt. 493 der 500 größten
- 2:43börsenierten Unternehmen in den USA sind
- 2:46Big Vorkunden und im DAX sind es alle
- 2:48Unternehmen bis auf eins. Die
- 2:50Wirtschaftsprüfer machen zwar deutlich
- 2:52mehr Umsatz als die Beratungsfirmen.
- 2:54Wenn wir aber mal vergleichen, wie viel
- 2:55Umsatz pro Mitarbeiter darum kommt, dann
- 2:57sieht man, die Beratung ist die
- 2:59eigentliche Cash Cow. Prüfung wird zwar
- 3:02mehr gemacht, aber die Margen in der
- 3:04Beratung sind viel höher. Und genau
- 3:07deshalb steigen die Big 4
- 3:08Wirtschaftsprüfer auch immer mehr ins
- 3:11Beratungsgeschäft ein. Die Big 4 haben
- 3:13z.B. in Deutschland im vergangenen
- 3:15Geschäftsjahr 44% ihres Umsatzes mit
- 3:18Beratung gemacht. Das eigentliche
- 3:20Kerngeschäft Bilanzprüfung machte nur
- 3:23noch 30% aus und die Steuerberatung 25%.
- 3:27Also noch mal für alle, eigentlich sind
- 3:29Beratung und Prüfung zwei getrennte
- 3:31Geschäftsfelder mit unterschiedlichen
- 3:33Funktionen. Die Prüfer sollen für
- 3:36Transparenz sorgen und die Berater für
- 3:38einen Wissenstransfer zwischen
- 3:40verschiedenen Unternehmen und auch der
- 3:41Politik. Aber in der Praxis läuft das
- 3:44oft anders mit teils katastrophalen
- 3:46Folgen. Zentrales Problem sind da oft
- 3:49Interessenkonflikte. Und ein paar
- 3:50ziemlich krasse Beispiele haben wir für
- 3:52euch mal zusammengesucht, bevor es
- 3:54losgeht. Natürlich gibt es nicht den
- 3:56einen Grund dafür, warum es immer wieder
- 3:58zu Skandalen kommt. Und es ist wichtig
- 3:59zu sagen, dass einzelne Fälle natürlich
- 4:01keinen Rückschluss auf eine ganze
- 4:03Branche zulassen, aber es gibt ein paar
- 4:05grundlegende Probleme im Beratungsbis.
- 4:08Und über die vier wichtigsten sprechen
- 4:10wir jetzt.
- 4:14Wir haben ja gerade gesehen, dass auch
- 4:16die großen Prüfer immer mehr ins
- 4:17Beratungsgeschäft einsteigen. Warum das
- 4:19keine gute Idee ist, zeigt der Aufstieg
- 4:22und der spektakuläre Zusammenbruch von
- 4:24Enron, einem US-Enerergiekonzern.
- 4:27Bekannt war Enron jahrelang als The
- 4:29World's Greatest Company.
- 4:34Visionär, aggressiv, erfolgreich.
- 4:41Der Energieriese wurde zur siebgrößten
- 4:43Firma der USA und wollte sogar zum
- 4:44größten Konzern der Welt werden. Damit
- 4:47war 2001 aber Schluss. Die Firma brach
- 4:49in sich zusammen, denn das spektakuläre
- 4:51Wachstum basierte dummerweise auf
- 4:53gefälschten Bilanzen. Tausende Menschen
- 4:55verloren ihren Job und über Wochen fiel
- 4:57in Teilen der USA der Strom aus. Aber
- 4:59nicht nur Enron ging an dem Skandal
- 5:01kaputt. Die gefakten Bilanzen wurden
- 5:03nämlich geprüft und abgesegnet von
- 5:06Arthur Anderson, einem
- 5:07Wirtschaftsprüfungsunternehmen.
- 5:09Die gehörten auch zu den ganz großen.
- 5:11Damals waren es nämlich noch die Big F.
- 5:14Arthur Anderson hatte aber nicht einfach
- 5:16nur bei der Prüfung gepusht. Noch mehr
- 5:18Geld als für die Bilanzprüfung kassierte
- 5:20das Unternehmen nämlich von Enron für
- 5:22Beratungsaufträge. Und das war gleich
- 5:25ein doppelter Interessenkonflikt.
- 5:27Erstens prüfte man nicht kritisch, weil
- 5:29man Enron als Kunden nicht verlieren
- 5:30wollte und zweitens prüften die
- 5:33Wirtschaftsprüfer von Arthur Anderson ja
- 5:35letztendlich auch die Arbeitsergebnisse
- 5:37ihrer Beratungskollegen. Oder noch
- 5:39einfacher gesagt, Arthur Anderson prüfte
- 5:42sich selbst und genau das machten sie
- 5:44natürlich nicht ordentlich. Die
- 5:46Bilanzfälschung blieben also unbemerkt.
- 5:48Enron rauschte ungebremst in den
- 5:50Bankrott und Arthur Anderson musste
- 5:52seine Prüfabteilung dicht machen. So
- 5:54wurden aus den Big F die Big F. Wenn ihr
- 5:58mehr über Enron erfahren wollt, dann
- 5:59schaut doch mal bei Highperformer
- 6:01Henning vorbei. Der hat ein ganzes Video
- 6:02dazu gemacht. Was Enron damals gemacht
- 6:04hat, war eine sogenannte Loss Leader
- 6:07Strategie. Das machen auch heute noch
- 6:08alle großen Unternehmensberatungen und
- 6:10Wirtschaftsprüfer. Und das funktioniert
- 6:12so. Zuerst akzeptiert man wenig
- 6:14lukrative Prüfmandate oder bietet
- 6:16Beratungsaufträge zum Sportpreis an. Und
- 6:19wenn man dann einmal im Unternehmen ist,
- 6:20dann ergattert man langfristig die
- 6:22richtig profitablen Beratungsaufträge.
- 6:25Aber wie unabhängig ist eine Prüfung
- 6:27noch, wenn man gleichzeitig schon einen
- 6:29saftigen Beratungsauftrag im Blick hat?
- 6:30Und noch ein Problem. Diese billigebote
- 6:33drängen mittlere und kleine Beratungen
- 6:35und Prüfer aus dem Markt. Die Big 4 und
- 6:37die Big 3 werden so immer größer. Die
- 6:40Politik hat mittlerweile auf diese
- 6:41unglückliche Mischung von Prüfung und
- 6:43Beratung reagiert und strengere Regeln
- 6:45zur Trennung eingeführt. Das gilt aber
- 6:47nur in bestimmten Bereichen. Konrad
- 6:49Duffi ist Experte für Finanzkriminalität
- 6:51bei der Bürgerbewegung Finanzwende und
- 6:53hält die Regulierung für nicht
- 6:55ausreichend. Also die Geschichte der
- 6:57Reform der
- 6:57Wirtschaftsprüfungsgesellschaften ist im
- 6:59Endeffekt eine Geschichte des Scheiterns
- 7:01wirkliche Reformen einzuführen. Äh die
- 7:03einzige der einzige große Unterschied,
- 7:05der nach dem Enron Skandal kam, war,
- 7:07dass eine große
- 7:08Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eben äh
- 7:10zusammenbrach und der Markt jetzt von
- 7:13nur noch vier Unternehmen aufgeteilt
- 7:15wird. Keine echte Reform. Also, aber
- 7:18selbst wenn Prüfer ihre Kunden nicht
- 7:20beraten, stehen sie immer noch vor einem
- 7:22Interessenkonflikt. Sie werden nämlich
- 7:23von genau den Firmen bezahlt, die sie
- 7:26eigentlich kritisch prüfen sollen. Und
- 7:28wie heißt es so schön? Man beißt nicht
- 7:29die Hand, die einen füttert. Dass man
- 7:32sich auf die Prüfung von Bilanzen
- 7:33verlassen kann, ist für unser
- 7:35Wirtschaftssystem aber super wichtig.
- 7:37Nur so können potenzielle Anleger und
- 7:39Investoren herausfinden, wie es einem
- 7:41Unternehmen wirtschaftlich geht.
- 7:43Bilanzüfungen stellen sich aber
- 7:44überraschend oft als fehlerhaft heraus.
- 7:47In den USA waren 2017 zwischen 20 und
- 7:5150% der Big 4 Bilanzprüfung fehlerhaft
- 7:54und das kann krasse Folgen haben. Siehe
- 7:56Wirecard. Auch deren Bilanzen wurden ja
- 7:59über Jahre von EY abgenommen, obwohl
- 8:01knapp 2 Milliarden Euro auf den
- 8:03Firmenkonten gefehlt haben. Wir haben
- 8:05mal bei EY nachgefragt, wie man damit in
- 8:07Zukunft so umgehen möchte. Unter anderem
- 8:10hat das Unternehmen angekündigt, bei der
- 8:12Annahme von Mandaten die Prüfungen
- 8:15deutlich weiter auszubauen und zu
- 8:17verschärfen. Außerdem will EY bei der
- 8:19Bilanzprüfung den Anteil von Technologie
- 8:21gestützter Datenanalyse ausbauen und die
- 8:24Chancen von KI nutzen und die Ergebnisse
- 8:27sollen strenger geprüft werden. Mit
- 8:29Weiterbildungen soll außerdem die
- 8:31kritische Grundhaltung der Mitarbeiter
- 8:33gefördert werden. Das ganze Statement
- 8:34von EY haben wir euch auch im
- 8:36Quellendokument verlinkt. Natürlich
- 8:38lässt sich zwischen diesen
- 8:39Interessenkonflikten und den
- 8:41fehlerhaften Bilanzprüfungen kein
- 8:43kausaler Zusammenhang herstellen. Es
- 8:44könnte ja auch noch andere Erklärungen
- 8:46geben. Vielleicht sind die besten der
- 8:48Besten auch einfach nicht so gut, wie
- 8:50sie gerne behaupten.
- 8:52[Musik]
- 8:542016 war eine ganze Truppe von McKinsy
- 8:57Beratern angeheuert worden, um dem
- 8:58US-Außentterritorium Puerto Rico aus
- 9:01einer tiefen Schuldenkrise zu helfen.
- 9:07Die Berater legten einen 148 seitigen
- 9:10Fiskalplan vor und der hatte es in sich.
- 9:13Zwei Drittel der Regierungsbehörden
- 9:15sollten zusammengelegt oder komplett
- 9:17gestrichen werden. Die Studiengebühren
- 9:19an der University of Puerto Rico sollten
- 9:20verdoppelt werden und Gesetze zum
- 9:22Arbeitnehmerschutz gestrichen werden.
- 9:25McKinsey sparte also so ziemlich an
- 9:27allem, außer an sich selbst. Gute 3
- 9:29Millionen Dollar monatlich ließen sich
- 9:31die Berater überweisen. Und was genau
- 9:34haben die Menschen in Puerto Rico für
- 9:35ihr Geld bekommen? Der führende McKinsey
- 9:38Berater vor Ort war ein 31-jähriger
- 9:40Absolvent der Eliteunis Harvard und
- 9:42Johns Hopkins. Und um die sogenannte
- 9:44Right sizing Initiative, also um
- 9:46Entlassungen, kümmerte sich ein
- 9:48Konsultant, der gerade erst sein Studium
- 9:50abgeschlossen hatte. Versteht mich nicht
- 9:52falsch. Wir haben nichts dagegen, wenn
- 9:54junge Menschen Verantwortung übernehmen.
- 9:55Im Gegenteil, aber ein ganzes Land aus
- 9:58einer nie dagewesenen Wirtschafts und
- 10:00Schuldenkrise zu führen, sollte man
- 10:02vermutlich eher Leuten mit etwas mehr
- 10:04Erfahrung überlassen. Bei McKinsey sind
- 10:07die eher nicht. Knapp die Hälfte aller
- 10:10Angestellten dort ist zwischen 20 und 30
- 10:12Jahre alt. Dass sie also großartige
- 10:15praktische und fachliche Expertise
- 10:16haben, ist zumindest fraglich. Sie
- 10:18sammeln diese Erfahrung auch nicht bei
- 10:19Mcinsy. Hier könnt ihr nämlich sehen,
- 10:22wie lange die Leute im Schnitt im
- 10:23Unternehmen bleiben. Die meisten von
- 10:25ihnen nur ein bis zwei Jahre. McKinsy
- 10:28verweist auf Anfrage auf ein
- 10:29Trainingsprogramm für Berufseinsteiger,
- 10:31das speziell auf den systematischen
- 10:34Ausbau ihres Beratungssnow, ihres
- 10:36Fachwissens und ihrer Softskills
- 10:38ausgerichtet ist. Jüngeren Beratern
- 10:40stehe zudem immer ein Mentor oder eine
- 10:42Mentorin zur Seite und in den Teams
- 10:44arbeiten jüngere Kolleginnen, die
- 10:46frische Impulse und einen Blick von
- 10:48außen einbringen, stets mit erfahrenen
- 10:50Kolleginnen zusammen. Bei allen handelt
- 10:53es sich außerdem um die Jahrgangsbesten
- 10:55führender Universitäten. Und warum
- 10:57dieser Fokus auf die Eliteunis?
- 11:00Natürlich sind das gute Leute, aber das
- 11:02ist nicht alles. Vor allen Dingen ist es
- 11:04ein gutes Netzwerk. Schauen wir uns mal
- 11:06die Chefetagen in Großbritannien an.
- 11:11Mehr als ein Viertel der 350
- 11:13Vorsitzenden der größten börsenierten
- 11:16Unternehmen haben in Oxford oder
- 11:18Cambridge studiert, genau wie 56% der
- 11:21Staatssekretäre. Und wenn man sich jetzt
- 11:23mal im Vergleich die gesamte britische
- 11:24Bevölkerung anguckt, da waren weniger
- 11:27als 1% der Leute auf diesen Unis. Wer
- 11:29die ehemaligen Studienkollegen dieser
- 11:31Führungskräfte rekrutiert, hat damit
- 11:33also einen ziemlich direkten Zugang zu
- 11:35den Chefetagen im ganzen Land. Die
- 11:38Eliteabschlüsse und der knallharte
- 11:39Bewerbungsprozess sind aber für noch was
- 11:41gut. Sie verleihen nämlich
- 11:43Glaubwürdigkeit. Und das ist die Quelle
- 11:45für das wohl wichtigste Produkt, das
- 11:47Unternehmensberatungen verkaufen.
- 11:49Legitimation. Egal auf welche
- 11:51Unternehmenswebsite ihr euch aktuell
- 11:53klickt, alle haben eine tolle neue ESG
- 11:56Initiative. ESG, das steht für
- 11:58Environmental Social Governance, also
- 12:01Kriterien in den Bereichen Umwelt,
- 12:03Soziales und verantwortungsvolle
- 12:05Unternehmensführung. Mittlerweile sind
- 12:07ESG Nachhaltigkeitsberichte für große
- 12:09Unternehmen sogar Pflicht. Und jetzt
- 12:11schauen wir mal, wer sich beim ESG
- 12:13Reporting die besten Google Plätze
- 12:15gesichert hat. Ganz genau, die Big 4.
- 12:18Die Idee hinter ESG klingt eigentlich
- 12:21gut. Durch regelmäßige Berichte sollen
- 12:23Unternehmen zeigen, was sie z.B. für
- 12:25mehr Umweltschutz oder höhere
- 12:26Sozialstandards tun. Jeder kann diese
- 12:29Berichte lesen und sehen, wer viel macht
- 12:31und wer wenig. So soll ein Anreiz für
- 12:34Unternehmen entstehen, sich im ESG
- 12:35Bereich weiter zu verbessern.
- 12:37Dummerweise funktioniert das in der
- 12:39Praxis aber nicht. Es gibt nämlich
- 12:41hunderte solcher ESG Ratings mit ganz
- 12:43verschiedenen Kriterien und
- 12:45Messmethoden. Jedes Unternehmen kann
- 12:47sich also im Prinzip einfach einen
- 12:48passenden ESG Framework aussuchen, um
- 12:51möglichst wenig verändern zu müssen.
- 12:53Also, was soll der Quatsch? Es ist ganz
- 12:56einfach so, dass die Beratungen gut an
- 12:58diesem Greenwashing verdienen. Sie
- 13:00entwickeln neue ESG Kriterien und
- 13:02beraten Unternehmen bei der Umsetzung
- 13:03und Evaluierung und die Unternehmen
- 13:05können sich selbst dann noch einen
- 13:06grünen Stempel verpassen. Hinter dem ESG
- 13:08Geschäft steckt also nicht die Sorge ums
- 13:10Weltklima, sondern jede Menge
- 13:12finanzielles Eigeninteresse und der
- 13:14Blick auf den eigenen Profit, die Bottom
- 13:17Line.
- 13:20Ende der Nuller Jahre war der
- 13:22amerikanische Pharmakonzern Valiant in
- 13:25Schwierigkeiten. Die teure
- 13:27Medikamentenentwicklung lohnte sich
- 13:29einfach nicht mehr. McKinsey schickte J.
- 13:31Michael Pearon, einen erfahrenen Berater
- 13:34aus der Pharmaabteilung. Seine Strategie
- 13:36war typisch für die Philosophie der
- 13:38Unternehmensberater. MSV maximize
- 13:41Shareholder Value. Den Unternehmenswert
- 13:44maximieren, indem man Kosten reduziert
- 13:46und kurzfristig die Profite erhöht. Und
- 13:49das ging so. Erstmal hörte Valiant auf
- 13:52in Forschung und Entwicklung zu
- 13:53investieren. Dann fing man an kleinere
- 13:55Pharmaunternehmen und ihre Patente
- 13:57aufzukaufen. Da wurden dann erstmal die
- 13:58Leute entlassen und so die Kosten
- 14:00minimiert. Mit den aufgekauften Patenten
- 14:02hatte Valiant dann das Monopol für
- 14:04manche Medikamente und deren Preise
- 14:06wurden dann einfach drastisch erhöht, in
- 14:08manchen Fällen um 5000%.
- 14:11Für die Anteilseigner und Investoren war
- 14:13das super. So super, dass man Pearson
- 14:152008 sogar zum CEO von Valiant machte.
- 14:18Auch für Peieron lohnte sich das Dicke.
- 14:20Seine Valiant Aktien hatte er für
- 14:22mickrige 5 Millionen Dollar gekauft und
- 14:24zwischendurch waren die einfach 2,6
- 14:27Milliarden Dollar wert. Dumm nur, dass
- 14:29MSV keine gute Langzeitstrategie ist.
- 14:32Die krassen Preiserhöhungen bei
- 14:34lebenswichtigen Medikamenten fielen
- 14:36nämlich irgendwann auch der Politik auf.
- 14:38Es gab mehrere Ermittlungsverfahren und
- 14:40den Anlegern wurde die Sache zu heikel.
- 14:43Der Aktienkurs stürzte um über 90% ab.
- 14:46Pearon musste zurücktreten und
- 14:48Investoren verloren Milliarden. Das
- 14:50Beispiel Valion zeigt. Langfristig ist
- 14:52es oft keine gute Idee, Personal zu
- 14:54entlassen. Man schmeißt damit super viel
- 14:56Wissen und Knohow einfach aus dem
- 14:58Fenster. Wer aber nur auf die
- 14:59Bottomline, auf die Profitte im
- 15:01laufenden Quartal guckt, ist dafür
- 15:03blind. Aber warum geht es dann so oft um
- 15:05kurzfristige Gewinne? Das Ding ist, dass
- 15:07ein ordentlicher Teil des Gehalts vieler
- 15:09CEOs aus Bonuszahlungen und
- 15:11Aktienoptionen oder Anteilen am eigenen
- 15:13Unternehmen besteht und deren Wert
- 15:16steigt mit dem Aktienkurs. Sie
- 15:18profitieren also besonders von
- 15:20Kursgewinn und es sind eben diese
- 15:22Geschäftsführer, die
- 15:23Unternehmensberatung beauftragen und
- 15:25über Folgeaufträge entscheiden. Also
- 15:28liegt es auch im Interesse der Berater
- 15:30für kurzfristige Gewinne zu sorgen.
- 15:32Zumindest auf kurze Sicht können
- 15:34Geschäftsführer und Berater also
- 15:36profitieren, wenn sie Kosten senken und
- 15:38die Profitte erhöhen, selbst wenn sie
- 15:40damit dem Unternehmen langfristig
- 15:42Schaden zufügen. Dieser Zusammenhang ist
- 15:44übrigens auch statistisch belegt. Die
- 15:47Ankündigung von Entlassungen führt
- 15:48durchschnittlich zu einer Steigerung des
- 15:50Unternehmenswerts um 40 bis 95 Millionen
- 15:53Dollar. und CEOs von Firmen, die
- 15:56Entlassung ankündigen, erhalten im
- 15:58Folgejahr im Schnitt knapp 23% mehr
- 16:01Gehalt, fast ausschließlich aus
- 16:03aktienbasierter Vergütung. Manchmal gibt
- 16:06es also einen Widerspruch zwischen dem
- 16:08Interesse der Geschäftsführungen und der
- 16:09Berater einerseits und andererseits den
- 16:12Unternehmen insgesamt. Besonders
- 16:14problematisch wird das dann, wenn
- 16:15Unternehmen oder sogar Regierungen von
- 16:18Beratungsfirmen abhängig werden, sagt
- 16:20auch Konrad Duffi von Finanzwende.
- 16:22Die Beratungsunternehmen und
- 16:24Wirtschaftsprüfungsgesellschaften
- 16:25haben natürlich immer vor allem ein Auge
- 16:27auf ihre Kunden äh zum auf Kosten der
- 16:31Gesellschaft eben teilweise. Es wäre
- 16:32auch komisch, wenn es anders wäre. Das
- 16:34Problem ist eben nur, dass die
- 16:35Marktmacht und das Expertise äh Monopol
- 16:38so hoch ist, dass wir uns auch staatlich
- 16:41oft darauf verlassen müssen und daher
- 16:43ähm daher rühren dann die Probleme.
- 16:46Herr Duffi spricht hier einen wichtigen
- 16:47Punkt an. Die Unternehmensberatungen
- 16:49haben ihre Finger nämlich auch ziemlich
- 16:51tief in der Politik.
- 16:54[Musik]
- 16:56Seit Anfang der nuller Jahre werden die
- 16:58USA von einer brutalen Opioidkrise
- 17:00heimgesucht. Viel zu viele Menschen
- 17:02nehmen viel zu viele Schmerzmittel und
- 17:05die sind oft eine Einstiegsdroge. Ein
- 17:07Unternehmen, das Fett am Geschäft mit
- 17:09den Schmerzmitteln verdient, ist Perdu
- 17:11Pharmaceuticals. Die stellen das
- 17:13Medikament Oxyonten her. Und dieses
- 17:15Schmerzmittel ist einer der Gründe
- 17:17dafür, dass in den letzten 20 Jahren
- 17:20über eine Millionen Menschen in den USA
- 17:22an einer Überdosis gestorben sind. Perdw
- 17:25Pharmaceutic hatte die schmerzlindernde
- 17:27Wirkung von Oxyonten jahrelang
- 17:29übertrieben und die Suchtgefahr
- 17:31heruntergespielt.
- 17:40Gleichzeitig setzte das Unternehmen
- 17:41alles daran, dass möglichst viel von dem
- 17:44Medikament verschrieben und verkauft
- 17:46wurde.
- 17:53Als das Ganze öffentlich wurde, holte
- 17:54sich Perduw McKinsey ins Haus, aber
- 17:57nicht etwa, um die Geschäftspraktiken zu
- 17:59ändern. Ziel war es, strengere
- 18:01Regulierungen zu verhindern oder zu
- 18:03umgehen und noch mehr Schmerzmittel zu
- 18:05verkaufen. Auch dank solcher
- 18:07Marketingstrategien eskalierte die
- 18:09Opioidkrise immer weiter. Den Verkauf
- 18:11von Oxikonten wollten die Berater von
- 18:13McKenzie trotzdem, Zitat:
- 18:14"Turbochargen." Jährlich 200 bis 400
- 18:17Millionen Dollar zusätzlichen Umsatz
- 18:20prognostizierte McKinsy Perdu. Auch die
- 18:22Generalstaatsanwältin von Massachusetts
- 18:24hat zur genauen Rolle der
- 18:25Strategieberatung ermittelt.
- 18:28adv how to avoid FDA and pharmacy
- 18:32restrictions they later
- 18:35on how to enter the marketing
- 18:45Es wird aber noch viel krasser. Perdu
- 18:48war in dieser ganzen Geschichte nämlich
- 18:49nicht der einzige Kunde von McKinsy. In
- 18:52dieser Zivilklage hier von der US-Staat
- 18:54Seattle gegen McKinsy steht: "Während
- 18:57McKinsiy Opioid Hersteller beriet,
- 18:59beriet die Firma gleichzeitig die
- 19:01Federal Drug Administration zu
- 19:03Regularien und zur Zulassung von
- 19:05Medikamenten." Das ist doch crazy, oder?
- 19:07Die FDA, also die US-Regierungsbehörde,
- 19:10die für die Prüfung und Zulassung von
- 19:12Medikamenten zuständig ist, war Kunde
- 19:15bei der gleichen Beratungsfirma wie der
- 19:17Schmerzmittelhersteller Purduw. Und zwar
- 19:19nicht irgendein Kunde. Seit 2008 zahlte
- 19:22die Bundesbehörde mehr als 140 Millionen
- 19:24Dollar an McKinsyay und die
- 19:26Staatsanwaltschaft hat auch ein Muster
- 19:28in der Zusammenarbeit von McKinsey und
- 19:30FDA erkannt. Jedes Mal, wenn es neue
- 19:33Gesetze oder Regularien gab, die die
- 19:35Lieferketten von Opioiden hätten
- 19:37einschränken können, trat McKinsey als
- 19:40zentraler Berater für die FDA auf und
- 19:42jedes Mal versagten die neuen Gesetze
- 19:45oder Regularien den außer Kontrolle
- 19:47geraten Opioidmarkt einzudämmen. Die
- 19:50Rolle von McKinsy in der Opioidkrise
- 19:52zeigt, wie weit der Einfluss von
- 19:54Beratungsfirmen reicht und was für
- 19:56dramatische Folgen das haben kann.
- 19:59McKinsey betont auf Anfrage, dass neue
- 20:01Projekte anhand Länderspezifischer,
- 20:04institutioneller, thematischer,
- 20:05individueller und operativer Kriterien
- 20:08bewertet werden. Dieser
- 20:09Kontrollmechanismus sei strenger als
- 20:11jeder andere in unserer Branche und
- 20:13führt dazu, dass wir auch Aufträge
- 20:15ablehnen. McKinse verweist außerdem auf
- 20:18den eigenen ESG Bericht. Der große
- 20:21Einfluss der Big 4 Wirtschaftsprüfer und
- 20:24der Big 3 Strategieberatung geht
- 20:26natürlich auch auf ihre Marktmacht
- 20:28zurück. Und genau da könnte auch ein
- 20:30Lösungsansatz liegen, sagt Konrad Dufi.
- 20:32Um das Oligopol der Big 4 zu brechen,
- 20:34würden wir kurzfristig ein Share Ordit
- 20:36vorschlagen. Also das kleinere für
- 20:39einzelne Anteile in den Prüfungen
- 20:41herangezogen werden, kleinere
- 20:43Prüfungsgesellschaften, um dann
- 20:44langfristig zu den Joint Orders zu
- 20:46gehen, wo wirklich zwei unabhängige
- 20:48Prüfungsgesellschaften für einen
- 20:50Unternehmen verantwortlich sind und das
- 20:52gleichwertig auch prüfen. Shadit, Joint
- 20:55Ordit, was Herr Dufi hier meint, ist
- 20:56eigentlich einfach nur ein Vier
- 20:58Augenprinzip bei Bilanzprüfungen.
- 21:00Mehrere Wirtschaftsprüfer prüfen ein
- 21:02Unternehmen unabhängig voneinander. Und
- 21:05man fragt sich ja schon, wenn das jeder
- 21:06Kegelverein mit der Vereinskasse
- 21:08hinkriegt, warum sollte das dann in
- 21:10Börsennotierten Großunternehmen nicht
- 21:12gehen?
- 21:15Wirtschaftsprüfer und
- 21:16Unternehmensberatungen sind super
- 21:18wichtig, aber sie werden ihren Aufgaben
- 21:20oft nicht gerecht, auch wenn man
- 21:22natürlich von Einzelfällen nicht auf
- 21:23alle Unternehmensberatungen schließen
- 21:25kann. Im Prinzip stehen aber alle großen
- 21:27Prüfungs und Beratungsunternehmen vor
- 21:29den Interessenkonflikten, die wir gerade
- 21:31beschrieben haben. Helfen könnte da mehr
- 21:33Transparenz und eine strengere Trennung
- 21:36von Beratung und Prüfung. Öffentliche
- 21:38Institutionen sollten genau abwägen, ob
- 21:40externe Berater mehr nutzen oder
- 21:42langfristig mehr Schaden bringen. Das
- 21:44bedeutet im Zweifel natürlich auch, dass
- 21:46man Ministerien und Behörden finanziell
- 21:48besser ausstatten muss, damit sie
- 21:50überhaupt selbständig arbeiten können.
- 21:53Der Trend geht aber leider eher in die
- 21:54andere Richtung. Die Konsolidierung im
- 21:57Markt nimmt immer weiter zu. Wir haben
- 21:59ja schon gehört, wie nach dem Enron
- 22:01Skandal aus den Big F, die Big 4 wurden.
- 22:04Gut möglich, dass nach Wirecard bald nur
- 22:06noch drei große Prüfer übrig bleiben. EY
- 22:09darf auf jeden Fall zumindest in
- 22:11Deutschland 2 Jahre lang keine
- 22:13börsennierten Unternehmen mehr prüfen.
- 22:15Und jetzt wollen wir von euch hören.
- 22:17Habt ihr schon mal drüber nachgedacht,
- 22:18bei einer Unternehmensberatung
- 22:20anzufangen? Haltet ihr die Skandale in
- 22:22der Beratung eher für Ausnahmen oder
- 22:24seht ihr ein grundlegendes Problem? Wir
- 22:26freuen uns auf jeden Fall auf eure
- 22:27Kommentare und natürlich ganz besonders,
- 22:30wenn ihr uns ein Abo da lasst. Hier
- 22:31findet ihr übrigens unser letztes Video
- 22:33und hier findet ihr noch das Video zu
- 22:35Enronun von Hyperformer Hening.
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