106. Sitzung des Bundestages – LIVE — Transcript
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- 0:59Guten Tag.
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- 16:06Ich habe
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- 17:27Guten Morgen alle zusammen. Hiermit
- 17:29eröffne ich unsere Sitzung.
- 17:35Ich rufe auf den Tagesordnungspunkt 25.
- 17:39Es geht um die zweite und die dritte
- 17:41Beratung des von der Bundesregierung
- 17:43eingebrachten Gesetzentwurfes zur
- 17:44Änderung des Strafgesetzbuches, Stärkung
- 17:48des strafrechtlichen Schutzes vor
- 17:50sogenannten K.O.-Tropfen. Zu dem
- 17:53Gesetzentwurf der Bundesregierung liegen
- 17:55einen Änderungsantrag und ein
- 17:57Entschließungsantrag der Fraktion
- 17:58Bündnis 90/Die Grünen sowie ein
- 18:01Entschließungsantrag der Fraktion Die
- 18:03Linke vor. Und für die Aussprache, da
- 18:05haben wir uns geeinigt auf eine Dauer
- 18:07von 60 Minuten und ich eröffne nun die
- 18:10Aussprache und für die SPD-Fraktion hat
- 18:12Frau Abgeordnete Sonja Eichwede das
- 18:15Wort. Bitte sehr.
- 18:17[applaus]
- 18:23Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr
- 18:25geehrte Frau Bundesjustizministerin,
- 18:28Hubig, sehr geehrte Kolleginnen und
- 18:30Kollegen.
- 18:35Hier im Plenum des Deutschen Bundestages
- 18:37können wir problemlos einen Schluck
- 18:40Wasser aus einem offenen Getränk nehmen.
- 18:43Aber auf einer Party
- 18:45begegnen vielen Menschen, insbesondere
- 18:47Frauen, genau dann Sorgen. Es stellt
- 18:50eine Gefahr da, wir warnen uns
- 18:53gegenseitig unter Freundinnen und
- 18:55Freunden, pass auf dein Getränk auf.
- 18:58Fast jede von uns hat schon einmal die
- 19:01Situation erlebt, in der sie sich
- 19:03gefragt hat, wurde mir oder einer
- 19:05Freundin vielleicht etwas ins Getränk
- 19:07getan? War es womöglich das heiße
- 19:10Wetter, das dafür gesorgt hat, dass der
- 19:11Alkohol heute viel viel stärker wirkt
- 19:14als erwartet?
- 19:15Oder was wäre passiert, wenn ich nicht
- 19:18alleine gewesen wäre, wenn meine
- 19:21Freundinnen und Freunde nicht dafür
- 19:23gesorgt hätten, wenn ich sicher nach
- 19:25Hause komme? Warum gerade ich?
- 19:29Mit solchen Fragen müssen sich viele
- 19:30Menschen auseinandersetzen. Viel zu
- 19:33häufig sind Ziel Frauen, die mit
- 19:36Substanzen wie K.O.-Tropfen betäubt
- 19:38werden und ihnen sexuelle Gewalt angetan
- 19:42wird.
- 19:43Hierdurch werden Frauen in Todesgefahr
- 19:45gebracht. Sie werden verletzt, sie
- 19:47werden misshandelt und sie werden in
- 19:50ihrer sexuellen Selbstbestimmung
- 19:52verletzt und bedrängt. Das wollen wir
- 19:55und werden wir heute ändern, liebe
- 19:58Kolleginnen und Kollegen. [applaus]
- 20:04Ich bin erschrocken darüber, wie leicht
- 20:06es auch in Deutschland ist, an diese
- 20:08Substanzen zu kommen, wie sicher sich
- 20:10die Täter fühlen, wie gering die Strafen
- 20:13in der Vergangenheit ausgefallen sind,
- 20:15denn bisher werden K.O.-Tropfen
- 20:17rechtlich nicht als gefährliches
- 20:19Werkzeug eingestuft und behandelt. Hier
- 20:23gibt es eine Strafbarkeitslücke, die der
- 20:25Bundesgerichtshof selber festgestellt
- 20:27hat. Deshalb ist es nun unglaublich
- 20:30wichtig und auch überfällig, dass wir
- 20:32mit der heutigen Gesetzesänderung
- 20:34K.o.-Tropfen als das bewerten, was sie
- 20:37sind, ein gefährliches Mittel. Wir
- 20:39schließen diese Lücke. Wir sagen ein
- 20:41Tropfen fünf Jahre, liebe Kolleginnen
- 20:44und Kollegen.
- 20:45[applaus]
- 20:50[applaus]
- 20:51Ich sage ganz deutlich, wer K.o.-Tropfen
- 20:54einsetzt, um eine Frau zu vergewaltigen,
- 20:56überschreitet jede Grenze unseres
- 20:59Rechtsstaats. Solche Täter gehören auch
- 21:03mindestens fünf Jahre in Haft. Hier
- 21:05müssen wir als Gesetzgeber eine sehr
- 21:08deutliche Antwort darauf geben.
- 21:11Jede Frau in unserem Land hat das Recht,
- 21:14sicher, frei und ohne Angst zu leben.
- 21:18Hierfür kämpfen wir als
- 21:19SPD-Bundestagsfraktion
- 21:21seit vielen Jahren. Frauen müssen vor
- 21:24Gewalt geschützt werden. Es ist die
- 21:26elementare Pflicht des Rechtsstaats,
- 21:28hier Antworten darauf zu geben, auch
- 21:31bessere Antworten darauf zu geben, um
- 21:33diese strukturelle Gewalt, die wir in
- 21:35Deutschland haben, entsprechend zu
- 21:38bekämpfen. Wir tun das heute, indem wir
- 21:41diese Lücke schließen. Wir gehen heute
- 21:44hier einen entscheidenden Schritt für
- 21:46mehr Sicherheit für die Stärkung des
- 21:49Rechts der Opfer zusammen in einem
- 21:51großen Paket mit vielen Maßnahmen, die
- 21:54wir diese Legislatur angehen, um eben
- 21:57Frauen besser vor Gewalt zu schützen,
- 21:59liebe Kolleginnen und Kollegen.
- 22:01[applaus]
- 22:06Denn wie Gisela Pelizaeus sagte, die
- 22:09Scham muss die Seite wechseln.
- 22:12[applaus]
- 22:16Und wir müssen dafür sorgen, dass dieses
- 22:18Wasserglas wieder einfach nur ein
- 22:20Wasserglas ist, ein Glas ohne Angst,
- 22:24ohne eine Waffe gegen die sexuelle
- 22:26Selbstbestimmung, gegen die körperliche
- 22:28Unversehrtheit. Wenn wir das geschafft
- 22:31haben, haben wir Großes erreicht. Vielen
- 22:33lieben Dank.
- 22:35[applaus]
- 22:42Für die Fraktion der AfD hat nun Herr
- 22:44Abgeordneter Stephan Brandner das Wort.
- 22:47Bitte.
- 23:00Ja, Frau Präsidentin, meine Damen und
- 23:01Herren, äh guten Morgen. Ein wichtiges
- 23:03Thema zu dieser hervor herausgehobenen
- 23:05Stunde an diesem Freitag. Ein wichtiges
- 23:08Thema. Es geht um K.o.-Tropfen und im
- 23:10Gefolge der Verabreichung, der
- 23:11heimlichen Verabreichung der
- 23:12K.o.-Tropfen um Sexual- und Raubdelikte.
- 23:15Ist ein Thema, dem wir uns unideologisch
- 23:17nähern müssten. Das klappt auch ganz
- 23:19überwiegend bis auf die Grünen
- 23:20natürlich, die dann wieder versuchen,
- 23:21irgendwelche Anglizismen einzubringen,
- 23:23die versuchen, die politische
- 23:25ideologische der Instrumentalisierung
- 23:26der Opfer einzubringen über ihren
- 23:28Entschließungsantrag, über ihren
- 23:29Änderungsantrag. Das ist erbärmlich,
- 23:31deshalb brauche ich gar nicht drüber
- 23:32lange reden. Das lehnen wir schon mal
- 23:33ab, was die Grünen uns da angeboten
- 23:35haben. Aber wie Sie sehen, sie halt ist
- 23:36aber egal, was sie sind, die von den
- 23:37Grünen, das spielt in der Politik in
- 23:39Deutschland eh keine große Rolle mehr.
- 23:42Vorweg, meine Damen und Herren, zu den
- 23:43Ursachen äh der K.o.-Tropfen-Delikte.
- 23:45Das ist ja ein relativ neues
- 23:47Kriminalitätsfeld. Ich habe da eine
- 23:48kleine Anfrage zu gemacht, Ende 2025
- 23:52Drucksache äh 35 18 und siehe da, wir
- 23:55haben explosionsartige Zunahmen dieser
- 23:58ähm Kriminal- dieser Kriminalfälle äh
- 24:01seit dem Jahr 2016. Woran das wohl nur
- 24:03liegen mag. Also, wir reden hier wieder
- 24:05mal über ein Problem, dass wir natürlich
- 24:07aktuell lösen müssen. Das Problem gäbe
- 24:09es allerdings gar nicht, wenn die
- 24:10Alternative für Deutschland schon einige
- 24:12Jahre in Regierungsverantwortung wäre.
- 24:152015, wissen Sie alle, Öffnung der
- 24:17Grenzen, Scheunentor, große äh Löcher in
- 24:20den Grenzen, Zuwanderung nach
- 24:22Deutschland, illegale Zuwanderung nach
- 24:24Deutschland und die
- 24:26Ich soll nach Hause gehen?
- 24:28Ja.
- 24:28Ich bin doch gerade erst angekommen.
- 24:30Also, das müssen Sie schon ertragen, ja?
- 24:32Zuwanderung nach Deutschland,
- 24:34Kriminalität, Zuwanderung nach
- 24:35Deutschland, gerade diese Delikte, die
- 24:37im Umfeld der K.o.-Tropfen dann eine
- 24:38Rolle spielen, Raub und Sexualdelikte,
- 24:40Explosionsartig zugenommen. Wie gesagt,
- 24:42ein Versagen ihrer Politik. Man kann
- 24:43dazu auch sagen, sie alle von den
- 24:45Altparteien sind in einer Vielzahl von
- 24:47diesen Fällen zumindest politisch mit
- 24:49verantwortlich für die widerlichen
- 24:50Taten, die da begangen worden sind.
- 24:53Von daher der Umgang mit dem Thema
- 24:55K.o.-Tropfen in der Öffentlichkeit
- 24:57gleicht einer ihrer Wirkungsweise im
- 24:59Glas, nahezu unsichtbar und trotz der
- 25:02Grausamkeit kaum präsent und natürlich
- 25:04staatsmedial weitestgehend vertuscht und
- 25:06verschwiegen. Daher sind leider nur
- 25:08relativ wenig Fälle dokumentiert, aber
- 25:10es gibt eine Dunkelfeldstudie des
- 25:12Bundeskriminalamtes, die kommt
- 25:13tatsächlich zu einem alarmierenden
- 25:14Ergebnis. Von den befragten Frauen unter
- 25:1634 Jahren wurde mehr als jede 20. in den
- 25:19vergangenen fünf Jahren Opfer eines
- 25:21Angriffs mit K.o.-Tropfen, aber nicht
- 25:23nur Frauen. 6,7 % der weiblichen
- 25:25Befragten insgesamt in ihrem Leben gaben
- 25:27das zu an, aber auch 3,7 % der
- 25:30männlichen Befragten gaben an, dass
- 25:31ihnen schon mal K.o.-Tropfen
- 25:32untergemischt worden sind. Also ein
- 25:34Phänomen, was beide Geschlechter und es
- 25:36gibt ja bekanntlich nur zwei betrifft.
- 25:39Der Einsatz reicht von Schlaf- und
- 25:41Narkosemittel und über Felgenreiniger,
- 25:43wusste ich auch bisher nicht, und
- 25:44Drogen, mit denen das Opfer betäubt und
- 25:47willenlos gemacht wird. Auch werden
- 25:49Fallzahlen und Verdachtsfälle in keiner
- 25:51Statistik systematisch erfasst. Ich habe
- 25:53vorhin auf meine kleine Anfrage
- 25:54hingewiesen, das wird auch alles
- 25:55durcheinander gemischt, aber das kennen
- 25:56wir auch. Unangenehme Zahlen werden
- 25:58gerne vertuscht oder es wird so getan,
- 26:00als wenn es sie gar nicht gäbe, obwohl
- 26:02sie natürlich gibt. Aber die Zahlen
- 26:04sprechen für sich. Bisher konzentriert
- 26:06sich die öffentliche
- 26:08Debatte auf den Selbstschutz
- 26:10Selbstschutz. Es gibt so
- 26:14Anlässe, sage ich mal, der Weiße Ring
- 26:15sagt, lass dich nicht K.o.-Tropfen, das
- 26:17ist eine Präventivkampagne. Hingucker
- 26:19und Awareness-Teams sind unterwegs. Auf
- 26:22Volksfesten gab es früher auch nicht,
- 26:23also ich kenne die noch, Awareness-Teams
- 26:24von früher, also ich kenne das, mir sagt
- 26:26das nichts. Glasüberzieher zur
- 26:28Prävention werden verteilt, alles
- 26:30relativ hilflose Versuche, die, ich
- 26:32hab's erwähnt, relativ neue Form der
- 26:34Kriminalität zu bekämpfen. Und jetzt
- 26:37kommt der Gesetzentwurf der
- 26:38Bundesregierung ins Spiel, der schon vor
- 26:40der ersten Lesung für ziemliche Kritik
- 26:43gesorgt hat. Also wir sind uns glaube
- 26:45ich alle einig, dass die Verabreichung
- 26:48bewusstseinsverändernde Substanzen, also
- 26:50der K.o.-Tropfen zur Begehung von
- 26:52Sexual- und Raubdelikten zweifellos
- 26:54schweres Unrecht darstellt. Entscheidend
- 26:57ist aber nicht, ob dieses Unrecht
- 26:59politisch scharf verurteilt wird, das
- 27:00tun wir natürlich alle. Entscheidend
- 27:02ist, ob die vorgeschlagenen
- 27:04Strafverschärfungen, bei die wir ja
- 27:05heute hier debattieren, zur Verbesserung
- 27:08des Opferschutzes geeignet sind. Und da
- 27:10sind wir uns in der AfD einig, dass der
- 27:12vorliegende Gesetzentwurf der
- 27:14Bundesregierung das nicht tut, während
- 27:17der vorliegende, ehemals vorliegende
- 27:18Gesetzentwurf des Bundesrates das schon
- 27:20getan hätte. Es geht im Opferschutz ja
- 27:22darum, um die Erfassung der Straftaten,
- 27:25um die Nachweise der Straftaten und
- 27:26nichts anderes. Also wir glauben nicht,
- 27:28dass der Opferschutz dadurch gestärkt
- 27:30wird, dass die Mindest- äh Untergrenze,
- 27:33also die Mindeststrafe auf fünf Jahre
- 27:35angehoben wird, meine Damen und Herren.
- 27:37Es ist wichtig, die Polizei zu schulen,
- 27:39diejenigen zu schulen, die Erstkontakt
- 27:40mit den Kopf- äh mit den Opfern haben,
- 27:42also was die Nachweis- Nachweisbarkeit
- 27:45angeht und so weiter, das tun sie hier
- 27:47nicht. Gleichwohl sind wir natürlich
- 27:49ganz nett von der Alternative für
- 27:50Deutschland Problem erkannt, Gefahr
- 27:52nicht gebannt durch ihren Gesetzentwurf,
- 27:54aber wir stellen uns dem Gesetzentwurf
- 27:56der Regierungsfraktion nicht entgegen,
- 27:59diesen unsinnigen Anträgen der Grünen
- 28:00natürlich schon, ich hab's erwähnt, wir
- 28:02werden uns deshalb enthalten. Vielen
- 28:03Dank.
- 28:06[applaus]
- 28:10Für die Fraktion der CDU/CSU hat nun
- 28:13Frau Abgeordnete Susanne Hierl das Wort.
- 28:15Bitte.
- 28:17[applaus]
- 28:25Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und
- 28:28Kollegen, ich habe gehofft, dass ich das
- 28:29nicht tun muss, aber Herr Brandtner,
- 28:31wenn man Sie hörte, der Einstieg, den
- 28:32Sie hier ins Thema machen, es ist
- 28:34einfach nur beschämend,
- 28:35wie Sie
- 28:37in ein so wichtiges Thema einsteigen.
- 28:40Sie zeigen einfach, was ihre Auffassung
- 28:43von Politik machen ist, das ist
- 28:46frei von Empathie und nur Polemik.
- 28:50[applaus]
- 28:55[applaus]
- 28:56Und es ist heute so ein wichtiger Tag
- 28:58und es ist so ein wichtiges Gesetz. Wir
- 29:00beschließen viele Gesetze in einer
- 29:01Legislatur, aber es gibt Gesetze, die
- 29:03stechen einfach hervor und heute, das
- 29:06ist so ein Gesetz. Es ist ein Gesetz,
- 29:09das für die Opfer einen Unterschied
- 29:11macht.
- 29:12Der Einsatz von K.O.-Tropfen und
- 29:14vergleichbaren Substanzen, das ist eine
- 29:16besonders perfide Art, wie man Menschen
- 29:19zu einer Tatbegehung gezielt wehrlos
- 29:21macht.
- 29:22Grundsätzlich kann es jeden treffen,
- 29:25aber meistens sind es Frauen, die dann
- 29:27auch noch Opfer sexueller Gewalt werden.
- 29:32Lassen Sie mich zwei Fälle bilden, um
- 29:34das Ganze noch mal ein bisschen
- 29:35plastischer zu machen. Stellen wir uns
- 29:37vor, wir haben eine Frau, die wird von
- 29:38dem Täter angegriffen, der hat ein
- 29:39Messer dabei.
- 29:41Er bedroht sie damit und vergewaltigt
- 29:43sie. Diese Tat wird mit mindestens fünf
- 29:45Jahren Freiheitsstrafe
- 29:47äh bestraft.
- 29:49Wenn aber der Täter die Frau mit
- 29:51K.O.-Tropfen oder anderen Substanzen
- 29:53handlungsunfähig macht und sie dann
- 29:55vergewaltigt, dann sind es nur drei
- 29:57Jahre Mindeststrafe.
- 29:59Weil die höhere Freiheitsstrafe kann nur
- 30:01angewendet werden, wenn ich ein
- 30:03gefährliches Werkzeug habe und der
- 30:05Bundesgerichtshof hat entschieden, dass
- 30:06eben die K.O.-Tropfen kein gefährliches
- 30:09Werkzeug sind.
- 30:10Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn
- 30:13einem Menschen oder wer einem Menschen
- 30:15heimlich eine Substanz verabreicht, der
- 30:17nimmt ihm die Möglichkeit zu sich zu
- 30:19wehren. Er schaltet die Kontrolle über
- 30:20den eigenen Körper aus
- 30:23und schafft bewusst eine Situation, die
- 30:25für weitere Straftaten ausgenutzt werden
- 30:28kann. Das ist ein schwerwiegender
- 30:29Eingriff in die Selbstbestimmung und die
- 30:31körperliche Unversehrtheit des Opfers.
- 30:35[applaus]
- 30:39Und die Folgen für die Betroffenen sind
- 30:41gravierend. Es ist nicht nur die Tat
- 30:44selbst, um die es geht, mit der das
- 30:46Opfer kämpft, sondern es sind
- 30:47Erinnerungslücken und es ist die
- 30:49Quellen, die Ungewissheit, dass das
- 30:51Opfer eigentlich gar nicht weiß, was ist
- 30:52denn mit mir eigentlich passiert.
- 30:55Das Gefühl des völligen Kontrollverlusts
- 30:57und auch das beschreiben Opfer immer
- 30:59wieder ist was, was sie als sehr
- 31:01belastend empfinden.
- 31:03Liebe Kolleginnen und Kollegen, durch so
- 31:05eine Tat ändert sich für das Opfer
- 31:07alles, das ganze Leben und das auch oft
- 31:10lebenslang und das muss sich auch in der
- 31:12Strafandrohung widerspiegeln.
- 31:15[applaus]
- 31:19Genau diese Wertungslücke, die schließen
- 31:21wir heute mit dem vorliegenden
- 31:22Gesetzentwurf und im Ziel, ja, waren wir
- 31:24uns einig, wir haben darüber diskutiert,
- 31:26wie die konkrete Ausgestaltung sein soll
- 31:28und wir haben uns dann dafür entschieden
- 31:30für den Begriff des gefährlichen
- 31:32Mittels, für die benutzen Stoffe
- 31:34und damit, also für einen breiteren
- 31:37Ansatz. Ich halte es auch für den
- 31:39richtigen Weg, weil es wird Täter geben,
- 31:41die werden immer wieder neue Methoden
- 31:43finden und suchen,
- 31:44Opfer wehrlos zu machen und das
- 31:46Strafrecht darf da nicht
- 31:47hinterherhinken.
- 31:49Deshalb erfassen wir nicht nur die
- 31:50Stoffe, die heute bekannt sind, sondern
- 31:52eben auch weitere vergleichbare
- 31:54gefährliche Mittel, die vielleicht auch
- 31:56noch auftauchen.
- 31:58Und Herr Brandtner, wenn Sie sagen, da
- 31:59ist nichts Großes drin in diesem
- 32:01Gesetzesentwurf außer ähm der
- 32:04Strafandrohung, dann glaube ich, haben
- 32:06Sie den Gesetzentwurf nicht richtig
- 32:07gelesen. Wir machen keine weiteren
- 32:09subjektiven Tatbestandsvoraussetzungen,
- 32:11das heißt, es muss insbesondere nicht
- 32:13nachgewiesen werden, dass bereits bei
- 32:15Verabreichung der Substanz schon klar
- 32:18sein muss, dass ein Sexual- oder Raub-
- 32:20ähm Tat begeht begangen wird. Das
- 32:23erleichtert die praktische Anwenden
- 32:25werden Das erleichtert die praktische
- 32:27Anwendung und vermeidet erhebliche
- 32:29Beweisschwierigkeiten.
- 32:31Wir sorgen auch dafür, dass wenn
- 32:33zwischen Verabreichung der Mittel und
- 32:35der sexuellen Handlung eine gewisse Zeit
- 32:37verstrichen ist, dass diese Fälle mit
- 32:40erfasst sind.
- 32:42Meine Damen und Herren, wer Menschen
- 32:44gezielt wehrlos macht, um sie sexuell zu
- 32:46missbrauchen oder auszurauben, der
- 32:48handelt mit erheblicher krimineller
- 32:50Energie. Für die Betroffenen macht es
- 32:53keinen Unterschied, ob die Wehrlosigkeit
- 32:56herbeigeführt wird durch Einwirkung,
- 32:59durch Gewalt oder durch verabreichte
- 33:02Substanzen. Und deshalb ist es richtig,
- 33:04dass sich die besondere Gefährlichkeit
- 33:06künftig auch in der Strafandrohung
- 33:08niederschlägt. Mit dem Gesetz stärken
- 33:11wir den Schutz potentieller Opfer. Wir
- 33:15setzen ein klares Signal an die Täter
- 33:17und wir schließen eine Lücke, die
- 33:19die durch die Rechtsprechung sichtbar
- 33:21geworden ist. Ich bitte um Zustimmung zu
- 33:23diesem wichtigen Gesetz. Herzlichen
- 33:25Dank.
- 33:26[applaus]
- 33:30[applaus]
- 33:33Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
- 33:35hat nun Frau Abgeordnete Dr. Lena Bonse
- 33:38das Wort. Bitte.
- 33:40[applaus]
- 33:47Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe
- 33:48Demokratinnen und Demokraten, ich weiß
- 33:50noch, bevor ich das erste Mal auf eine
- 33:52Party gegangen bin, hat schon meine Oma
- 33:54zu mir gesagt, pass auf dein Glas auf.
- 33:57Frauen sollten am besten immer nur aus
- 34:00geschlossenen Wasserflaschen trinken,
- 34:02sonst können sich darin Pulver oder
- 34:04Flüssigkeiten wie Liquid Ecstasy,
- 34:06Ketamin oder auch eine große Menge
- 34:08Alkohol befinden. Und diese Achtsamkeit,
- 34:11die sollen wir am besten auch immer und
- 34:13überall mitbringen, denn Spiking findet
- 34:15nicht nur im Club statt. Theoretisch
- 34:17müssen wir an jedem Ort damit rechnen.
- 34:22Und in den letzten Monaten gab es
- 34:24vermehrt Berichterstattung über Frauen,
- 34:26die dachten, sie wären auf einem
- 34:27freundlichen Date oder mit einem netten
- 34:30Ehemann verheiratet, die aber dann
- 34:32herausfinden, dass sie betäubt,
- 34:34vergewaltigt und auch noch dabei gefilmt
- 34:36wurden. Und neben der Angst vor Spiking
- 34:39tritt dann die Angst, nicht zu wissen,
- 34:41dass der eigene Körper diese Erfahrung
- 34:43gemacht hat. Diese Angst, die kann uns
- 34:46auch der Gesetzentwurf nicht nehmen.
- 34:49Wir müssen nicht nur auf unsere Getränke
- 34:51aufpassen, wir müssen auch wissen, wie
- 34:52wenig Zeit nach einer möglichen Tat
- 34:55bleibt, um Spiking nachzuweisen. Aber
- 34:57was nützt dieses Wissen, wenn Betroffene
- 34:59innerhalb dieses kurzen Zeitfensters
- 35:01keinen Ort finden, an dem sie überhaupt
- 35:03getestet werden können?
- 35:05[applaus]
- 35:06Denn genau daran fehlt es an
- 35:08erreichbaren Anlaufstellen und
- 35:10verlässlichen Strukturen und auch daran
- 35:12ändert der vorliegende Entwurf nichts.
- 35:16Genau heute vor 39 Jahren, am 6.
- 35:18November 1987 sprach im Deutschen
- 35:21Bundestag eine meiner Vorgängerinnen,
- 35:23Waltraud Schoppe.
- 35:25Sie hielt eine wirklich bemerkenswerte
- 35:26Rede zur Strafbarkeit der Vergewaltigung
- 35:29in der Ehe und da sagte sie Folgendes.
- 35:32Wenn eine Frau Nein sagt, dann meint sie
- 35:33Nein und wenn dieses Nein gefallen ist,
- 35:36dann darf der Mann nicht irgendeine
- 35:37andere Wertung hineinbringen. Die
- 35:39Wertung, die dahinter steckt, ist immer
- 35:41so, dass man denkt, na Gott, die Frau
- 35:43hat Nein gesagt, aber im Gegenteil, sie
- 35:45meint es ja gar nicht so. Vielleicht
- 35:47will sie es ja doch. Das wollen die
- 35:49Frauen nicht. Wenn sie Nein sagen, dann
- 35:50meinen sie Nein. Ich denke, das müssen
- 35:52wir in unseren Gesetzen berücksichtigen.
- 35:56[applaus]
- 35:57Und dieser Grundsatz, den Waltraud
- 36:00Schoppe hier fordert, Nein heißt Nein,
- 36:01der wurde vor fast genau 10 Jahren, aber
- 36:04fast 30 Jahre nach ihrer Rede im
- 36:06Deutschen Bundestag erst umgesetzt und
- 36:08das zeigt doch, welchen Widerständen wir
- 36:10damals und wir auch heute
- 36:11gegenüberstehen und umso erschreckender
- 36:13ist es aber, wenn Expertinnen manchmal
- 36:16Interviews und heute auch noch Aussagen
- 36:18treffen wie die folgende und ich
- 36:19zitiere, im Notfall etwa einer
- 36:21versuchten Vergewaltigung wehren Sie
- 36:23sich mit allen zur Verfügung stehenden
- 36:25Mitteln. Auch das sich Erbrechen kann
- 36:27eine wirksame Möglichkeit sein, ein
- 36:28Sexualdelikt abzuwehren.
- 36:31Das sagte die Sprecherin des
- 36:33Präsidialstabs der Polizei Bremen noch
- 36:34Anfang des Monats im Interview mit der
- 36:36Kreiszeitung. Egal, ob es also um
- 36:38Spiking geht oder um Vergewaltigung, am
- 36:40Ende geht es doch irgendwie immer noch
- 36:41darum, dass die Betroffenen besonders
- 36:43achtsam sein müssen. Aber wer sagt den
- 36:45Tätern, dass sie endlich aufhören
- 36:47müssen?
- 36:50[applaus]
- 36:51Und in den Herzen derer, die von
- 36:53frauenfeindlichen Weltbildern geprägt
- 36:55sind, hat sich seit 1987 ehrlicherweise
- 36:57erstaunlich wenig geändert. Und ich
- 36:59spreche bewusst von Herzen und nicht von
- 37:01den Köpfen, denn es geht nicht einfach
- 37:02darum, dass es hier eine falsche
- 37:04Überzeugung gibt, die man mit einem
- 37:05anderen Gedanken korrigieren kann. Es
- 37:07geht um eine emotionale Verhärtung, um
- 37:09fehlendes Mitgefühl und darum, andere
- 37:11Menschen nicht als gleichwertig
- 37:12anzuerkennen. Und diese Haltung, die
- 37:15zeigt sich nämlich bereits im Alltag,
- 37:16wenn Kolleginnen nicht ernst genommen
- 37:18werden oder wenn Männer sich ihren
- 37:19Partnerinnen überlegen fühlen. Und sie
- 37:21kann dann in enthemmter Gewalt enden
- 37:23oder in einer Kultur, die Frauen seit
- 37:25Jahrhunderten unterdrückt, einer
- 37:27sogenannten Rape Culture.
- 37:31Und dieser Anspruch auf Macht und
- 37:33Kontrolle, der damit zusammenhängt, der
- 37:35zeigt sich auch außerhalb
- 37:36heterosexueller und
- 37:37binär-geschlechtlicher Dynamiken. Aber
- 37:39das prägende Vorbild bleibt eine
- 37:41Haltung, die wir seit Jahrhunderten
- 37:43kennen. Männer, die glauben, sich alles
- 37:45erlauben zu können, die glauben, sie
- 37:46könnten Frauen einfach in den
- 37:48Intimbereich fassen, die sagen, wenn du
- 37:50ein Star bist, dann lassen Frauen dich
- 37:52alles machen und die mit genau dieser
- 37:54Haltung zu den mächtigsten Männern
- 37:56dieser Welt werden.
- 37:57Und ein Gesetz allein, die wird diese
- 37:59Haltung nicht verändern und wir werden
- 38:01sie auch nicht überwinden, indem wir
- 38:02Frauen immer wieder erklären, wie sie
- 38:04sich eigentlich zu verhalten haben. Das
- 38:07eigentliche Problem ist die
- 38:08Selbstverständlichkeit dieser männlichen
- 38:10Macht, die steckt tief in unserer
- 38:12Gesellschaft und prägt so vieles, was
- 38:14wir täglich erleben.
- 38:16Und so stellte meine Kollegin Waltraud
- 38:17Schoppe vor fast 40 Jahren über Männer
- 38:20folgendes Treffen fest. Sie müssen
- 38:22lernen und erkennen, dass Frauen
- 38:24menschliche Wesen sind, die man nicht
- 38:26einfach unterwerfen kann und gegen die
- 38:28man nicht einfach Herrschaft und Gewalt
- 38:30ausüben kann.
- 38:33[applaus]
- 38:40Für die Fraktion Die Linke hat nun Herr
- 38:43Abgeordneter Lucassen das Wort, bitte.
- 38:46[applaus]
- 38:54Sehr geehrte Frau Präsidentin,
- 38:56Abgeordnete, vor etwa einer Woche ist
- 38:58Frank S. in Berlin zu einer
- 39:00Freiheitsstrafe von 12 Jahren verurteilt
- 39:02und seine Unterbringung in der
- 39:03Sicherungsverwahrung angeordnet worden.
- 39:06Er wurde verurteilt, weil er 14 Frauen
- 39:08in seiner Wohnung mit K.o.-Tropfen
- 39:10betäubt und dann vergewaltigt hat.
- 39:12Von diesen Taten hat er Aufnahmen
- 39:14gemacht. In der Presse wird dieser Fall
- 39:16mit dem des Dominik Pellicot verglichen.
- 39:18Aber es gibt nicht nur einen solchen
- 39:20Fall in Deutschland. Frank S. ist nicht
- 39:22der einzige Täter. In den letzten
- 39:24Monaten musste sich eine Vielzahl von
- 39:26Männern vor Gericht verantworten, die
- 39:27genau solche Taten begangen haben. In
- 39:29Deutschland werden derzeit sogar drei
- 39:31Verfahren gegen Täter-Netzwerke geführt.
- 39:33Dort tauschen sich Männer gezielt aus,
- 39:35welche Substanzen wirken, wie man sie
- 39:37unbemerkt verabreicht, wie man Spuren
- 39:39vermeidet. Sie filmen die Taten und
- 39:41schicken sich die Videos in Chatgruppen.
- 39:43Die Gewalt, sie endet nicht mit der Tat.
- 39:45Sie wird verbreitet, sie wird
- 39:46kommentiert und zur Schau gestellt. Der
- 39:48Begriff Vergewaltigung allein erfasst
- 39:51nicht, was hier passiert. Den Tätern
- 39:53geht es darum, Frauen vollständig über
- 39:55Frauen vollständig verfügen zu können.
- 39:57Wir müssen deshalb von chemischer
- 39:58Unterwerfung sprechen.
- 40:00Im Falle des Ex-Partners der Autorin und
- 40:02Literaturagentin Claudia Wuttke geht es
- 40:04um chemische Unterwerfung, die über
- 40:06einen Zeitraum von 16 Jahren
- 40:07stattgefunden hat.
- 40:09Auch hierbei wurden Videoaufnahmen
- 40:10gemacht. Weil die Betäubungsmittel, die
- 40:12dabei eingesetzt wurden,
- 40:13Erinnerungslücken hervorrufen, hat die
- 40:15Betroffene hiervon nur zufällig
- 40:17erfahren.
- 40:18Es sind Täter, die den Betroffenen so
- 40:19nahe stehen. Es sind Ehemänner, Freunde,
- 40:22Verwandte oder Kollegen. Die Betroffenen
- 40:24haben während der Tat möglicherweise in
- 40:25Lebensgefahr geschwebt. Betroffene
- 40:28können sich nie sicher sein, in welchem
- 40:29Ausmaß die Täter gehandelt und was genau
- 40:31ihnen angetan wurde. Dass die
- 40:33Betroffenen überhaupt Kenntnisse
- 40:34erlangen, liegt häufig nur an den
- 40:36Videos, die Täter angefertigt haben.
- 40:39Videos, die zu dem perfiden Zweck
- 40:41aufgenommen wurden, die Unterwerfung
- 40:43immer wieder durchleben zu können und
- 40:45sie Mittätern im Internet zur Verfügung
- 40:46zu stellen.
- 40:48Um dieses Leid anzuerkennen, ist es
- 40:50richtig, die Taten künftig als besonders
- 40:52schwere Vergewaltigung strafrechtlich zu
- 40:54erfassen.
- 40:55Aber dabei dürfen wir nicht stehen
- 40:57bleiben.
- 40:58Die Täter nutzen aus,
- 41:00dass K.o.-Tropfen Erinnerungslücken
- 41:02reißen und nur wenige Stunden
- 41:03nachweisbar sind. Wir müssen darüber
- 41:05aufklären, was Symptome einer Vergiftung
- 41:07mit K.o.-Tropfen und -Mittel sind. Wir
- 41:09müssen dafür sorgen, dass Betroffene
- 41:10schnell und kostenlos Spuren sichern
- 41:12lassen können, dass die Spurensicherung
- 41:14vertraulich erfolgen und ohne Anzeige zu
- 41:16machen. Und vor allem,
- 41:18wir müssen uns fragen, warum es so viele
- 41:20Männer gibt, die Frauen chemisch
- 41:22unterwerfen. Es sind Männer, die
- 41:24möglicherweise gerade hier im Plenarsaal
- 41:26sitzen, die wir heute morgen in der
- 41:28S-Bahn getroffen haben. Das macht mich
- 41:30fassungslos. Aber die Fassungslosigkeit,
- 41:32sie reicht nicht. Wir müssen alle Hebel
- 41:34in Bewegung setzen, damit nie wieder ein
- 41:37Mann denkt, er könne über Frauen
- 41:38verfügen, wie er will.
- 41:44[applaus]
- 41:47Dankeschön.
- 41:49War dann doch schneller zu Ende, als ich
- 41:51gerade dachte. Danke, dass Sie die Zeit
- 41:53eingehalten haben.
- 41:55Für die SPD-Fraktion hat nun Carmen
- 41:57Wegge das Wort. Bitte sehr.
- 41:59[applaus]
- 42:04Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr
- 42:06geehrte Demokratinnen und Demokraten,
- 42:08ein gemeinsamer Spielerabend. Draußen
- 42:11ist es bereits dunkel, im Hintergrund
- 42:13läuft leise Musik. Alte Bekannte sitzen
- 42:15zusammen am Küchentisch. Sie haben sich
- 42:17seit dem Schulabschluss nicht mehr
- 42:18gesehen. Es gibt Essen, sie reden,
- 42:20lachen, schenken sich nach. Eine junge
- 42:23Frau steht auf, geht kurz ins Bad, ihr
- 42:25Glas bleibt auf dem Tisch. Als sie
- 42:27zurückkommt, nimmt sie einen Schluck.
- 42:30Wenig später verschwimmen die Stimmen.
- 42:32Sie versucht aufzustehen, sie will etwas
- 42:34sagen.
- 42:50Sie wacht auf, sie kann sich ja nichts
- 42:52erinnern.
- 42:53Der Rechtsstaat aber schon. Und er darf
- 42:56nicht vergessen, was ihr angetan wurde.
- 42:59Liebe Kolleginnen und Kollegen, wer
- 43:00einem anderen Menschen heimlich
- 43:02K.o.-Tropfen verabreicht, um ihn sexuell
- 43:04zu missbrauchen oder auszurauben, nimmt
- 43:07ihm die Möglichkeit, sich zu wehren,
- 43:08sich Hilfe zu holen, sich in Sicherheit
- 43:11zu bringen. Der Täter schafft die
- 43:12Wehrlosigkeit, die er anschließend
- 43:14ausnutzt. Das ist heimtückisch und
- 43:16widerwärtig.
- 43:19[applaus]
- 43:20Genau dieser Widerwärtigkeit begegnen
- 43:23wir jetzt mit diesem Gesetz. Bisher
- 43:25nennt das Strafgesetzbuch bei den
- 43:26besonders schweren Formen von Sexual-
- 43:28und Raubdelikten Waffen und gefährliche
- 43:30Werkzeuge. Dies ändern wir. Wir ergänzen
- 43:33Paragraph 177 und Paragraph 250 nun
- 43:36ausdrücklich um die gefährlichen Mittel.
- 43:38Damit erfassen wir auch K.o.-Tropfen und
- 43:40stellen endlich ihren Einsatz bei diesen
- 43:42Taten der Verwendung einer Waffe oder
- 43:44eines gefährlichen Werkzeugs gleich.
- 43:46Künftig soll dafür grundsätzlich eine
- 43:49Mindestfreiheitsstrafe von fünf Jahren
- 43:51gelten. Das ist richtig so. Ein Tropfen,
- 43:53fünf Jahre.
- 43:55Aber [applaus]
- 43:57aber wir dürfen uns nicht einreden, mit
- 43:59einem höheren Strafrahmen sei unsere
- 44:01Arbeit getan. Ein Gesetz begleitet
- 44:03niemanden zur Untersuchung. Ein
- 44:06Strafrahmen nimmt niemanden die Angst
- 44:07vor einer Party und ein Urteil gibt die
- 44:10verlorene Sicherheit nicht einfach
- 44:12zurück. Deshalb reicht unser und mein
- 44:14persönliches Versprechen auch weiter.
- 44:16Wir lassen Betroffene nicht allein. Ich
- 44:19möchte hier ganz klar und deutlich
- 44:20sagen, Betroffene brauchen andere
- 44:22Menschen, die ihnen zuhören,
- 44:24medizinische Versorgung, Unterstützung
- 44:26bei der Beweissicherung, Beratung und
- 44:28Begleitung auch auf dem Weg durch ein
- 44:30Strafverfahren. Ein wichtiger Schritt
- 44:32ist daher der Ausbau der psychosozialen
- 44:34Prozessbegleitung, den wir hier vor drei
- 44:36Wochen bereits beschlossen haben. Und
- 44:38was Betroffene aber auch brauchen, ist
- 44:40eine Gesellschaft, die nicht fragt,
- 44:42warum hast du dein Glas stehen lassen?
- 44:44Hattest du denn keinen Verdacht und was
- 44:46hattest du überhaupt an? Sondern eine
- 44:49Gesellschaft muss fragen, warum hat ein
- 44:51Täter geglaubt, über deinen Körper
- 44:53verfügen zu dürfen. Und es steht nicht
- 44:56zu Diskussion. Die Schuld liegt beim
- 44:58Täter, niemals bei der Frau. [applaus]
- 45:11von Gewalt gegen Frauen steht. Unser
- 45:12Anspruch muss sein, dass Frauen sicher
- 45:15leben können, nicht nur, wenn sie
- 45:16vorsichtig sind, nicht nur, wenn eine
- 45:19Freundin sie begleitet, nicht nur, wenn
- 45:21sie rechtzeitig nach Hause gehen,
- 45:23sondern weil ein Leben ohne Gewalt ihr
- 45:25Recht ist. Dieses Recht ist niemals
- 45:27verhandelbar. Und ich bin so froh
- 45:29darüber, dass wir uns so einig sind
- 45:31innerhalb dieser Koalition, dass wir
- 45:33dieses Land für Frauen sicherer machen
- 45:35wollen und das werden wir nach dieser
- 45:36Legislatur auch getan haben. Ich bedanke
- 45:39mich bei Axel Müller, die mit dem ich
- 45:41gemeinsam dieses Gesetz verhandelt habe,
- 45:43für die gute Zusammenarbeit. Das ist ein
- 45:45Gesetz, dem Sie heute guten Gewissens
- 45:47zustimmen können. Vielen Dank.
- 45:49[applaus]
- 45:56Für die Fraktion der AFD hat nun Herr
- 45:58Abgeordneter Knut Meyer Soltau das Wort.
- 46:01Bitte.
- 46:02[applaus]
- 46:09Hohes Präsidium, meine Damen und Herren,
- 46:11der Einsatz von K.O.-Tropfen ist feige,
- 46:13hinterhältig und ebnet den Weg für
- 46:15schwere Verbrechen. Daran gibt es
- 46:17überhaupt keinen Zweifel.
- 46:19Ein abscheuliches Unrecht verlangt nach
- 46:21echten Lösungen, aber die sehe ich hier
- 46:22nicht. Der Bundesgerichtshof hat am
- 46:2408.10.2024
- 46:26daran festgehalten, dass ein
- 46:28gefährliches Werkzeug etwas Handfestes
- 46:30ist, mit dem man auf sein Opfer durch
- 46:31Schlagen oder Vergleichbarem einwirkt.
- 46:34Betäubende Stoffe seien demnach keine
- 46:36gefährlichen Werkzeuge. Der BGH kommt
- 46:39demnach nicht auf eine Mindeststrafe von
- 46:41fünf Jahren bei der Verwendung von etwa
- 46:42GHB in einem Vergewaltigungsverfahren.
- 46:45Nun erfolgt eine juristischer
- 46:47Verschiebebahnhof zwischen Bundesrat und
- 46:49Bundesregierung. Der Bundesrat spricht
- 46:51sich dafür aus, das Merkmal beibringen
- 46:54gesetzlich in Paragrafen 177 Absatz 8
- 46:57und 250 Absatz 1 Nummer 3 zu verankern.
- 47:01Die Bundesregierung schiebt dagegen
- 47:03Verwenden und gleich noch ein sonstiges
- 47:05gefährliches Mittel hinterher. Weder
- 47:08beibringen noch verwenden lösen aber das
- 47:10Problem. Beide Varianten lassen einen
- 47:12gewollten Aktionismus erkennen und beide
- 47:15verlagern die entscheidenden Fragen
- 47:17einfach auf die Richterbank, also wieder
- 47:19zum Bundesgerichtshof zurück und
- 47:22schaffen keine Lösung. Dass diese
- 47:24Entwürfe handwerklich und
- 47:25kriminalpolitisch verfehlt sind, sagen
- 47:27nicht nur wir, das sagt Ihnen die
- 47:29Bundesrechtsanwaltskammer sowie die
- 47:30Anwaltsvereine mit entwaffnender
- 47:32Klarheit. Es gibt überhaupt keine
- 47:35Strafbarkeitslücke.
- 47:37Schon heute können Gerichte bei
- 47:39Vergewaltigung, Raub oder
- 47:40lebensgefährlichen Vergiftung
- 47:42Freiheitsstrafen bis zu 15 Jahre
- 47:45verhängen. Die Behauptung, das Recht
- 47:47bilde das Unrecht nicht ab, kann schon
- 47:49über Paragraph 177 Absatz 7 Nummer 2
- 47:52widerlegt werden. Schon dort regelt das
- 47:55Strafgesetzbuch ein bei sich Führen von
- 47:57betäubenden Stoffen strafschärfend mit
- 48:00einer Freiheitsstrafe von 3 bis 15
- 48:03Jahren. Zweitens, eine starre
- 48:05Mindeststrafe von 5 Jahren ist nichts
- 48:07anderes als ein handfestes
- 48:09Misstrauensvotum gegenüber unseren
- 48:11Tatrichtern vor Ort. Vertrauen Sie doch
- 48:14einfach mal unseren Richtern in den
- 48:16Strafkammern und Senaten.
- 48:19Dieser Entwurf ist in erster Linie
- 48:21Symbolpolitische
- 48:23symbolische Kriminalpolitik, die nicht
- 48:25wirklich hilft, aber beruhigen soll,
- 48:27denn die Wahrheit ist doch,
- 48:29das Problem in der Praxis ist nicht das
- 48:31Strafmaß. Das Problem ist der Nachweis
- 48:34und das haben wir ja auch gerade hier
- 48:36schon gehört.
- 48:37KO-Substanzen etwa GHB bauen sich binnen
- 48:39weniger Stunden im Körper ab. Opfer
- 48:42wachen auf, haben Erinnerungslücken und
- 48:43wissen oft gar nicht, was mit ihnen
- 48:45geschehen ist. Wenn sie Anzeige
- 48:47erstatten, ist das Blut äh das Gift im
- 48:50Blut längst verflogen. Was nützt also
- 48:52der schärfste Paragraph auf dem Papier,
- 48:54wenn das Verfahren am Ende mangels
- 48:56Beweisen eingestellt werden muss? Wenn
- 48:59Sie den Opfern wirklich helfen wollen,
- 49:01dann setzen Sie an der Wurzel an.
- 49:03Trocknen Sie den Schwarzmarkt für diese
- 49:05Substanzen aus. Genau das fordert die
- 49:07Praxis. Sorgen Sie für flächendeckende
- 49:11toxikologische Schnelltests und schaffen
- 49:14Sie verlässliche Standards zur
- 49:16gerichtsverwertbaren Spurensicherung in
- 49:18den Kliniken. Und ist doch dasselbe, was
- 49:21Sie auch gesagt haben vorhin. Und
- 49:23schulen Sie die Polizei gezielt für
- 49:25diese Taten. Die Beamten müssen wissen,
- 49:28dass ihnen nur wenige Stunden zum
- 49:30Nachweis bleiben und äh dass sie und
- 49:34wann sie die angezeigten Symptome ernst
- 49:37nehmen müssen. All das vermisse ich
- 49:39hier.
- 49:40All das fehlt und weil dieser Entwurf
- 49:42das tatsächliche Problem nicht löst,
- 49:44sondern lediglich neue unklare
- 49:46Begrifflichkeiten wie etwa das sonstige
- 49:48Mittel einführt, können wir diesen
- 49:51Entwurf die Zustimmung nicht erteilen
- 49:53und eigentlich tun wir die Studenten der
- 49:55Rechtswissenschaft jetzt schon leid,
- 49:56dass sie sich dann zukünftig mit
- 49:58derartigen Begriffen rumschlagen müssen.
- 49:59Herzlichen Dank.
- 50:03[applaus]
- 50:06Für die CDU/CSU-Fraktion hat nun Herr
- 50:09Abgeordneter Axel Müller das Wort.
- 50:11Bitte.
- 50:12[applaus]
- 50:19Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr
- 50:21geehrte Frau Ministerin Hubig,
- 50:24werte Kolleginnen und Kollegen, meine
- 50:24sehr geehrten Damen und Herren, wir
- 50:26bringen heute den Gesetzesentwurf zur
- 50:28Stärkung des strafrechtlichen Schutzes
- 50:29vor sogenannten K.o.-Tropfen zum
- 50:31Abschluss.
- 50:33Dabei geht es um Gamma-Butyrolacton,
- 50:36kurz GBL, übrigens eine Substanz, die
- 50:39frei erhältlich ist, ein
- 50:41Industrieprodukt. Man muss sich nicht
- 50:43auf den Schwarzmarkt begeben, um es
- 50:44kaufen zu können.
- 50:47Kleinste Mengen der geschmacklosen
- 50:48Flüssigkeit können Übelkeit, vor allem
- 50:50aber Bewusstlosigkeit und
- 50:52Erinnerungsverlust auslösen. Anlass für
- 50:54dieses Gesetz war eine Entscheidung des
- 50:55Bundesgerichtshofs vom 8. Oktober 2024.
- 50:59Nach dieser ist GBL keine Waffe oder
- 51:02auch kein gefährliches Werkzeug, da es
- 51:04sich um eine Flüssigkeit handelt und
- 51:06nicht um einen verkörperten Gegenstand.
- 51:09Flüssigkeiten werden von der bisherigen
- 51:10Aufzählung des Paragraphen 177 Absatz 8
- 51:14Nummer 1 und des Paragraphen 250 Absatz
- 51:162 Nummer 1 nicht erfasst. Eine
- 51:19gefährliche Flüssigkeit wie GBL fällt
- 51:22daher auch nicht unter die erhöhte
- 51:24Strafdrohung der schweren Vergewaltigung
- 51:27und des schweren Raubes von mindestens 5
- 51:29Jahren,
- 51:30obwohl von dieser Flüssigkeit bei einer
- 51:32Vergewaltigung oder einem Raub eine
- 51:34genauso große Gefahr für Leib und Leben
- 51:36des Opfers ausgeht, wie bei der
- 51:38Verwendung einer Waffe. Daher wird die
- 51:41aktuelle Gesetzeslage dem Unrechtsgehalt
- 51:44nicht gerecht, also nicht eine
- 51:45Strafbarkeitslücke, sondern der
- 51:47Unrechtsgehalt wird nicht erfasst. Die
- 51:49Lösung sieht wie folgt aus. Wir ergänzen
- 51:51die beiden Tatbestände Vergewaltigung
- 51:53und schwerer Raub im 1877
- 51:56Absatz 8 Nummer 1 und 250 Absatz 2
- 51:59Nummer 1 und erfassen damit auch die
- 52:00Fälle, in denen der Täter bei der Tat
- 52:03statt einer Waffe oder eines
- 52:04gefährlichen Werkzeugs eben ein
- 52:06gefährliches Mittel verwendet. GBL ist
- 52:09ein solches Mittel, das in seiner
- 52:11Gefährlichkeit, was Leib und Gesundheit
- 52:14anbelangt, beim Opfer der Verwendung in
- 52:17der Verwendung einer Waffe in nichts
- 52:18nachsteht. Wir folgen damit, das ist
- 52:21bereits gesagt worden, dem Gesetzentwurf
- 52:23aus dem Haus des BMJV und nicht dem
- 52:25Vorschlag des Bundesrates und auch nicht
- 52:27dem Änderungsantrag der Fraktion Bündnis
- 52:3090/Die Grünen,
- 52:32die beide der Ansicht sind, dass die
- 52:34Formulierung bei der Tat zu ungenau sei
- 52:36und stattdessen die Worte zur Ausführung
- 52:39der Tat oder zur Begierde der Tat
- 52:40hinzuzufügen
- 52:42gewesen wären.
- 52:44Beide sehen hier die Gefahr einer
- 52:46erneuten Strafbarkeitslücke.
- 52:48Das sehe ich im Ergebnis nicht.
- 52:51Der Hintergrund ist, dass behauptet
- 52:53wird, es könne ja bei zeitlich
- 52:55verzögerten Tatabläufen zwischen dem
- 52:58Beibringen des Mittels und dem
- 53:00eigentlichen Taterfolg, der Durchführung
- 53:01einer Vergewaltigung oder des Raubes
- 53:03eine Strafbarkeitslücke entstehen, weil
- 53:05das Opfer beispielsweise davon dringt
- 53:08und erst später die Wirkung eintritt und
- 53:10es auch erst später aus dem geschützten
- 53:12Sozialraum durch den Täter verbracht
- 53:15wird und äh ihm willenlos ausgeliefert
- 53:17ist. Die Vorstellung, dass nur derjenige
- 53:21sich eines schweren
- 53:23einer schweren Vergewaltigung, eines
- 53:24schweren Raubes durch die Verwendung von
- 53:26K.o.-Tropfen strafbar macht, der ohne
- 53:29zeitliche Verzögerung mit der Ausführung
- 53:30der Vergewaltigung oder der gewaltsamen
- 53:33Wegnahme beginnt, entspricht allerdings
- 53:35nicht der Lebenswirklichkeit.
- 53:36Herr Abgeordneter, lassen Sie eine
- 53:38Zwischenfrage aus den Reihen der AfD zu?
- 53:40Nein.
- 53:42Das Strafgesetzbuch kennt zwar einen
- 53:44engeren materiellen Tatbegriff im Sinne
- 53:46der eigentlichen Tathandlung und die
- 53:48Strafprozessordnung einen weitergehenden
- 53:50im Sinne eines einheitlichen
- 53:51Lebenssachverhalts.
- 53:52Trotz der unterschiedlichen
- 53:53Betrachtungsweisen für dies hier aber
- 53:55nicht zu unterschiedlichen Ergebnissen,
- 53:57denn bereits beim Beibringen der
- 53:58K.o.-Tropfen hat der Täter eine konkrete
- 54:01Vorstellung, was sein eigentliches
- 54:02Tatziel, den sogenannten Erfolg
- 54:05anbelangt. Darauf richtet sich sein
- 54:06Vorsatz von Anfang an. Das heimliche
- 54:08Beibringen der Tropfen ist ein Teilakt
- 54:11einer einheitlichen Tat an Handlung.
- 54:13So hat das auch die ganz überwiegende
- 54:15Mehrheit der Sachverständigen gesehen.
- 54:16Es entspricht auch, wie ich schon gesagt
- 54:18habe, der Lebenswirklichkeit,
- 54:20die man bei allen juristischen
- 54:21Argumenten nicht aus dem Blick verlieren
- 54:23sollte. Wer beispielsweise in eine
- 54:25Diskothek geht und K.o.-Tropfen mit sich
- 54:27führt, hat von Anfang an vor, diese zum
- 54:29Einsatz zu bringen, wenn sich eine
- 54:31Gelegenheit dafür bietet und er tut
- 54:34dies, um ein von ihm ausgewähltes Opfer
- 54:36willenlos zu machen. Da hätte es für
- 54:38mich als Strafrichter keinen
- 54:39vernünftigen Zweifel gegeben. Liebe
- 54:41Kolleginnen und Kollegen, gleichzeitig
- 54:43haben wir, wie es die gute Übung ist, in
- 54:45der Anhörung entsprechend den
- 54:47Sachverstand uns dazu geholt. Die
- 54:49Sachverständigenanhörung
- 54:51sollten wir nicht als
- 54:52Alibi-Veranstaltung verstehen und
- 54:54entsprechend haben wir den Tatbestand
- 54:56des Paragraphen 177 Absatz 8 Nummer 1
- 54:59Strafgesetzbuch präzisiert. Wir stellen
- 55:01jetzt klar, dass sich das Beibringen des
- 55:03gefährlichen Mittels auf alle
- 55:05Tathandlungen des Delikts nach den
- 55:08Absätzen 1 bis 7 bezieht.
- 55:11Wir
- 55:13[applaus] setzen mit diesem Gesetz einen
- 55:14wichtigen Baustein zur Umsetzung unseres
- 55:16Koalitionsvertrages, wenn es um
- 55:18geschlechtsspezifische Gewalt geht. Ich
- 55:20freue mich auch, wenn wir das nordische
- 55:22Modell dabei noch aufnehmen könnten.
- 55:25Täter, die künftig K.o.-Tropfen
- 55:27verwenden, können nicht mehr davon
- 55:29ausgehen, dass sie strafrechtlich milder
- 55:30bewertet werden, als wenn sie eine Waffe
- 55:33zum Einsatz bringen oder ein
- 55:34gefährliches Werkzeug. Wer Menschen
- 55:36gezielt betäubt, um sie auszuliefern,
- 55:38muss künftig mit einer angemessenen
- 55:40Strafe rechnen. Ich bitte um Zustimmung
- 55:42und bedanke mich bei der Kollegin Wecke
- 55:43für die Zusammenarbeit.
- 55:46[applaus]
- 55:54Herr Kollege Tobias Peterka hat die
- 55:56Möglichkeit für eine Kurzintervention.
- 56:03Ja, Herr Müller, Sie haben ja gestern
- 56:04bei der Diskussion zur Strafmündigkeit
- 56:05zum Jugendstrafrecht äh gesagt, äh
- 56:08Strafandrohungen werden sinnlos, darauf
- 56:10achtet kein Täter, das könnte man gleich
- 56:12lassen. Hier bei der Diskussion kam es
- 56:15aus Ihrer Fraktion und auch von Ihnen,
- 56:17wenn auch ein bisschen systematisch
- 56:18verklärt, die Ansage, genau hier wäre
- 56:20eine Strafandrohung ja ein tolles
- 56:22Signal. Dadurch würde man ja Täter
- 56:24richtig ansprechen. Wie lösen Sie diesen
- 56:27äh Widerspruch auf, dass auf einmal hier
- 56:28die Täter ins Gesetz schauen, aber
- 56:30gestern das ganz anders war?
- 56:36[gelächter]
- 56:41Ich führe das jetzt nicht aus.
- 56:43[gelächter]
- 56:44Vielen Dank, Herr Kollege Peterka. Also
- 56:47zunächst mal, äh wenn Sie mich zitieren
- 56:49und sagen, ich hätte gestern gesagt, ähm
- 56:52Strafrecht sei sinnlos, darauf würde und
- 56:54auch höhere Strafen, darauf würde kein
- 56:56Täter achten und das könne man lassen,
- 56:58dann bitte ich Sie doch mal die das
- 57:00Protokoll der gestrigen Sitzung des
- 57:02Deutschen Bundestages nachzulesen. Diese
- 57:04Worte habe ich mit Sicherheit an keiner
- 57:06Stelle gewählt und es würde mir auch
- 57:08nicht gut zu Gesicht stehen als
- 57:09ehemaliger Strafrichter und
- 57:11Jugendrichter, wenn ich derartige
- 57:12Ausführungen machen würde. Also, das
- 57:14weiß ich von mir. Lesen Sie es einfach
- 57:15nach, das habe ich nicht gesagt.
- 57:18[applaus]
- 57:28dass sie
- 57:30bei Jugendlichen und Heranwachsenden
- 57:33beides wollen sie ja in dieser Form, wie
- 57:34es jetzt äh gesetzlich existiert, nicht
- 57:37akzeptieren. Sie wollen die
- 57:38Strafmündigkeit absenken und sie wollen
- 57:40grundsätzlich erwachsene Strafrecht
- 57:41anwenden. Das bei Jugendlichen
- 57:43Heranwachsenden,
- 57:45was die kriminologische Forschung
- 57:46anbelangt, ganz andere Dinge maßgeblich
- 57:49sind, jugendtypisches Fehlverhalten,
- 57:51Entwicklungsdefizite,
- 57:52gesellschaftliche Einflüsse, denen man
- 57:54sich nicht entziehen kann als junger
- 57:56Mensch, dass die dazu beitragen, dass
- 57:58diese jungen Menschen überhaupt
- 57:59straffällig werden
- 58:01und dass es deshalb eine Verbesserung
- 58:02der Prävention bedürfte. Das haben auch
- 58:04zahlreiche andere Redner gesagt und auf
- 58:06deren Ausführung beziehe ich mich. Danke
- 58:07schön.
- 58:09[applaus]
- 58:17Für die Fraktion Bündnis 90 Die Grünen
- 58:19hat nun Frau Abgeordnete Linda Heitmann
- 58:22das Wort. Bitte.
- 58:24[applaus]
- 58:33Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und
- 58:35Kollegen, ich kann mich ganz vielen
- 58:37Rednerinnen und Rednern der
- 58:39demokratischen Fraktionen hier
- 58:40anschließen. Es ist gut, dass dieses
- 58:43Gesetz heute kommt, denn es rückt
- 58:45Spiking und Opferschutz einmal mehr
- 58:48endlich in den Fokus unserer Debatten
- 58:50und eine Gesetzeslücke wird hier de
- 58:53facto geschlossen. Das ist lange
- 58:55überfällig.
- 58:57Aber ich muss auch sagen, diese Debatte
- 59:01zeigt leider einmal mehr, wir als
- 59:03Politik hinken viel zu oft den
- 59:05gesellschaftlichen Entwicklungen einfach
- 59:08nur hinterher und wir sind erst dann
- 59:12bereit zu reagieren, wenn ein
- 59:14gesellschaftliches Problem leider schon
- 59:16weit verbreitet ist.
- 59:19Deshalb möchte ich noch einmal an Sie
- 59:21appellieren, bitte nehmen Sie auch
- 59:24unseren Entschließungsantrag, der hier
- 59:25heute vorliegt, ernst.
- 59:28Investieren Sie in den nächsten Jahren
- 59:30auch in mehr Forschung und Aufklärung
- 59:33zum Thema Spiking, denn zum Thema
- 59:36Dunkelfeld, zum Thema Tatorte und
- 59:39Tatmittel muss viel mehr erforscht
- 59:42werden. Wir brauchen viel mehr Wissen
- 59:44darüber, wo die Taten wirklich
- 59:47stattfinden. Wir wissen aus den
- 59:49Presseberichterstattungen
- 59:51immer mehr, dass auch im persönlichen
- 59:53Nahfeld nämlich Taten stattfinden, dass
- 59:56nicht das klassische Party-Setting,
- 59:59wo die K.o.-Tropfen immer wieder
- 1:00:01verortet werden, der einzige Tatort ist,
- 1:00:04sondern dass das Problem viel breiter
- 1:00:07ist, als es häufig in der
- 1:00:08gesellschaftlichen Debatte dargestellt
- 1:00:11wird.
- 1:00:12Und äh Herr Müller, ja, wir haben im
- 1:00:14Gesundheitsausschuss im Rahmen des neue
- 1:00:17psychoaktive Stoffe Gesetzes ähm GBL und
- 1:00:21äh BDO auch strenger reguliert und da
- 1:00:24tatsächlich den Zugang erschwert. Ich
- 1:00:26finde das auch nach wie vor richtig,
- 1:00:28aber die Forschung sagt auch, das sind
- 1:00:31gar nicht unbedingt die verbreitetsten
- 1:00:33Substanzen. Es gibt ganz viele andere
- 1:00:36Substanzen, die eingesetzt werden beim
- 1:00:39Spiking, so dass wir hier wirklich immer
- 1:00:42wieder gucken müssen, was ist auf dem
- 1:00:43Markt, wie können wir schnell reagieren
- 1:00:46und vor allem braucht es
- 1:00:48niedrigschwellige Anlaufstellen und
- 1:00:50Beratung für die Betroffenen. Substanzen
- 1:00:53sind einfach unterschiedlich lange
- 1:00:55nachweisbar
- 1:00:57und da müssen Betroffene wirklich gut
- 1:01:00beraten werden.
- 1:01:02Was immer noch strafrechtlich besonders
- 1:01:04schwer greifbar ist, ist tatsächlich
- 1:01:06Spiking mit Alkohol, auch wenn jemand
- 1:01:08mir in ein Getränk Alkohol beimischt
- 1:01:11ohne mein Wissen und da am Ende ein
- 1:01:13höherer Alkoholgehalt drin ist, als ich
- 1:01:15es vielleicht denke, dann muss das
- 1:01:18wirklich strafrechtlich auch erfassbar
- 1:01:21sein und hier geahndet werden.
- 1:01:25Also noch mal der Appell, lassen Sie uns
- 1:01:27bitte konstruktiv an diesem Thema
- 1:01:29weiterarbeiten. Dieser Gesetzentwurf
- 1:01:31kann nur der Auftakt einer breiten
- 1:01:33Debatte sein. Nehmen Sie unseren
- 1:01:35Entschließungsantrag an, damit wir nicht
- 1:01:38in Zukunft weiterhin als Politik ständig
- 1:01:40den Entwicklungen hinterherhinken.
- 1:01:42Vielen [applaus] Dank.
- 1:01:49Für die Fraktion Die Linke hat nun Frau
- 1:01:51Abgeordnete Clara Bünger das Wort. Bitte
- 1:01:53sehr.
- 1:01:54[applaus]
- 1:02:02Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe
- 1:02:04Kolleginnen und Kollegen. Letzten
- 1:02:06Mittwoch hat das Landgericht Berlin
- 1:02:08Frank S. verurteilt. Er hat Frauen über
- 1:02:10Dating-Plattformen kennengelernt,
- 1:02:12betäubt, vergewaltigt und gefilmt.
- 1:02:15Wegen 14 Taten wurde er
- 1:02:17verurteilt. Die Ermittler gehen aber von
- 1:02:20über 40 weiteren betroffenen Frauen aus
- 1:02:24und viele haben erst durch die Polizei
- 1:02:26erfahren, was mit ihnen passiert ist.
- 1:02:29Sechs dieser Frauen sind als
- 1:02:31Nebenklägerinnen vor Gericht gegangen.
- 1:02:33Für diesen Mut haben sie unseren ganzen
- 1:02:36Respekt verdient.
- 1:02:38[applaus]
- 1:02:41Alle Frauen, alle Frauen hier im Saal
- 1:02:44kennen die Regeln. Lass dein Glas nie
- 1:02:47alleine.
- 1:02:48Nimm nichts von Fremden und schreib
- 1:02:51deinen Freunden, wenn du zu Hause bist.
- 1:02:53Vier von zehn Frauen haben schon auf
- 1:02:55einen Abend verzichtet, weil sie nicht
- 1:02:57wussten, wie sie sicher nach Hause
- 1:02:59kommen sollen.
- 1:03:00Das ist ein Leben im Alarmzustand und es
- 1:03:03schützt nicht einmal. Die Opfer von
- 1:03:05Frank S. haben nichts falsch gemacht.
- 1:03:08Der Täter war kein Fremder an der Bar.
- 1:03:11Er war das Date. Bei Giselle Pelicot war
- 1:03:13er der eigene Ehemann.
- 1:03:16Und danach müssen sich die Frauen
- 1:03:17anhören, du hast vielleicht zu viel
- 1:03:19getrunken. Das ist wirklich ein
- 1:03:21Riesenskandal in diesem Land. [applaus]
- 1:03:27Künftig gilt für Vergewaltigung mit
- 1:03:29K.O.-Tropfen dieselbe Mindeststrafe wie
- 1:03:32mit einer Waffe. Für mich als Juristin
- 1:03:33ist klar, das ist ein Schritt in die
- 1:03:36richtige Richtung, deshalb werden wir
- 1:03:38diesem Gesetzentwurf auch gerne
- 1:03:39zustimmen.
- 1:03:41[applaus]
- 1:03:43Aber höhere Strafen helfen keiner Frau,
- 1:03:45wenn der Beweis schon verschwunden ist.
- 1:03:47Im Blut ist GHB nach etwa 8 Stunden weg,
- 1:03:50im Urin nach 12, da sind viele Frauen
- 1:03:53gerade erst einmal wach geworden.
- 1:03:55In einer Kriminalstatistik tauchen diese
- 1:03:57Taten nicht auf. Dabei zeigt die
- 1:03:59Dunkelfeldstudie der Bundesregierung,
- 1:04:02jede 15. Frau hat schon einmal
- 1:04:04K.O.-Mittel untergemischt bekommen.
- 1:04:06Deshalb fordern wir auch toxikologische
- 1:04:08Untersuchungen und vertrauliche
- 1:04:10Spurensicherung schnell, kostenlos und
- 1:04:13auch ohne Anzeigezwang. Eine bundesweite
- 1:04:16Erfassung dieser Taten, Awareness-Teams
- 1:04:18in Clubs und Aufklärung in den
- 1:04:20Notaufnahmen.
- 1:04:22Gisèle Pelicot hat gesagt, die Scham
- 1:04:24muss die Seite wechseln. Ich sage, die
- 1:04:27Angst auch.
- 1:04:29Nicht die Frauen sollen ihr Glas
- 1:04:30bewachen müssen. Wir sollten alles dafür
- 1:04:33tun, um solche Straftaten zu verhindern.
- 1:04:36Und die Täter sollten Angst haben, dabei
- 1:04:38erwischt zu werden. Vielen Dank.
- 1:04:41[applaus]
- 1:04:46[applaus]
- 1:04:47Bevor wir in der Debatte fortfahren,
- 1:04:49möchte ich noch folgenden Hinweis geben.
- 1:04:51Der Abgeordnete Vincent Glaser hat
- 1:04:53fristgerecht Einspruch
- 1:04:54gegen den ihm in der 105. Sitzung
- 1:04:57erteilten Ordnungsruf äh eingelegt. Dem
- 1:05:00Einspruch wurde nicht abgeholfen. Der
- 1:05:02Einspruch wird als Unterrichtung
- 1:05:04verteilt und gemäß Paragraph 39 unserer
- 1:05:07Geschäftsordnung ist der Einspruch auf
- 1:05:09die Tagesordnung dann zu setzen und der
- 1:05:10Bundestag entscheidet dann über den
- 1:05:13Einspruch, aber ohne Aussprache. Die
- 1:05:15Entscheidung über den Einspruch wird als
- 1:05:17Zusatzpunkt nach Tagesordnungspunkt 27
- 1:05:20nach jetzigem Stand ist kurz vor 12 Uhr,
- 1:05:22also 11:55
- 1:05:24Uhr dann aufgerufen. Und wir fahren fort
- 1:05:27in der Debatte und für die SPD-Fraktion
- 1:05:29hat nun Herr Abgeordneter Dr. Johannes
- 1:05:31Fechner das Wort. Bitte.
- 1:05:33[applaus]
- 1:05:36Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und
- 1:05:38Kollegen, liebe Zuschauerinnen und
- 1:05:40Zuschauer, jede Vergewaltigung ist ein
- 1:05:43brutales Verbrechen. Aber wenn der Täter
- 1:05:45K.o.-Tropfen verwendet, um das Opfer zu
- 1:05:48betäuben und wehrlos zu machen, dann ist
- 1:05:49das besonders perfide und dann muss das
- 1:05:52härter bestraft werden, als es die
- 1:05:53heutige Rechtsordnung zulässt und
- 1:05:55deswegen machen wir dieses Gesetz, liebe
- 1:05:56Kolleginnen und Kollegen. [applaus]
- 1:05:59Die Verschärfung ist notwendig, weil der
- 1:06:02Bundesgerichtshof in der Tat 2024
- 1:06:04urteilte, dass K.o.-Tropfen kein
- 1:06:06gefährliches Werkzeug sind. Diese
- 1:06:09Entscheidung hat durchaus auch ein
- 1:06:11geteiltes Echo äh erfahren, denn äh man
- 1:06:13kann sich ja schon die Frage stellen, äh
- 1:06:15ob die Substanz nicht doch geeignet ist,
- 1:06:18erhebliche Gesundheitsfolgen beim Opfer
- 1:06:20herbeizuführen. Also, nichtsdestotrotz
- 1:06:22werden wir jetzt hier diese wichtige
- 1:06:24Klarstellung im Gesetz äh treffen. Wir
- 1:06:27sagen ganz klar, wenn ein Täter ein
- 1:06:29Opfer betäubt, um es wehrlos zu machen,
- 1:06:31dann ist das so perfide, dass mindestens
- 1:06:33fünf Jahre Haftstrafe angemessen sind
- 1:06:35und dafür schaffen wir heute die
- 1:06:36Rechtsgrundlage, liebe Kolleginnen und
- 1:06:38Kollegen. Aber lassen Sie mich auch
- 1:06:40gleich sagen,
- 1:06:41die besten und härtesten Gesetze mit den
- 1:06:45hohen Strafandrohungen bringen nichts,
- 1:06:47wenn wir vor Ort bei der Polizei oder
- 1:06:49auch in der Justiz zu wenig Personal
- 1:06:51haben und auch deswegen ist es hier ein
- 1:06:53Anlass, zu sagen, wie wichtig die
- 1:06:55schnelle Umsetzung des zweiten Paktes
- 1:06:56für den Rechtsstaat es ist, dass wir,
- 1:06:58obwohl wir nicht zuständig sind, fast
- 1:07:00eine Viertelmilliarde Euro den
- 1:07:01Bundesländern zur Verfügung stellen, um
- 1:07:04für mehr Personal zu sorgen. Es darf
- 1:07:06nicht sein, dass eine Vergewaltigung
- 1:07:07nicht geahndet wird wegen Personalnot,
- 1:07:09liebe Kolleginnen und Kollegen.
- 1:07:12Und
- 1:07:14[applaus]
- 1:07:16wenn die AFD hier fordert, wir müssen
- 1:07:18klare Zeichen setzen, sich dann aber
- 1:07:20hier bei diesem Gesetz äh enthält, bei
- 1:07:22dieser wichtigen gesetzlichen
- 1:07:23Klarstellung, dann ist das mehr als
- 1:07:25scheinheilig. Und ich will auch drauf
- 1:07:26verweisen, dass wir anderen Fraktionen
- 1:07:29immer ganz klar waren, dass wir gegen
- 1:07:31Vergewaltigung, dass wir gegen Attacken
- 1:07:33von Frauen vorgehen. Und ich halte es
- 1:07:35wirklich für unbegreiflich, dass ein
- 1:07:37AfD-Abgeordneter einen wegen mehrfacher
- 1:07:39Vergewaltigung äh
- 1:07:41rechtskräftig, weil er gestanden hat,
- 1:07:43vorbestraften Straftäter, einen
- 1:07:44Vergewaltiger, eine wichtige Position im
- 1:07:47Bayerischen Landtag gibt. Das ist
- 1:07:48scheinheilig und das widerspricht ganz
- 1:07:50klar dem, was wir hier wollen. Wir
- 1:07:51wollen Vergewaltiger hinter Gitter
- 1:07:53bringen. Sie bringen einen Vergewaltiger
- 1:07:55in wichtige Parlamentspositionen und das
- 1:07:57kann nicht sein.
- 1:07:58[applaus]
- 1:08:01Und
- 1:08:02in dem Zusammenhang will ich auch
- 1:08:04darauf hinweisen,
- 1:08:07das ist immer das Gegenbeispiel. Herr
- 1:08:08Edathy war gleich bei uns aus der
- 1:08:10Fraktion raus. Bei ihnen gibt es heute
- 1:08:12noch einen rechtskräftig verurteilten
- 1:08:13Betrüger in der Fraktion, den Sie sogar
- 1:08:15wieder aufgestellt haben bei der letzten
- 1:08:16Bundestagswahl. Das ist ihre
- 1:08:18Scheinheiligkeit. Sie fordern hier, wir
- 1:08:20sollten härter gegen Kriminelle
- 1:08:21vorgehen. Sie selber stellen die
- 1:08:23Kriminellen ein oder haben sie in den
- 1:08:25eigenen Reihen. Das ist scheinheilig und
- 1:08:26das lassen wir ihnen nicht durchgehen.
- 1:08:29[applaus] Ich will darauf hinweisen,
- 1:08:30dass dieses Gesetz heute nur ein
- 1:08:32Baustein ist von einer ganzen Reihe von
- 1:08:35Maßnahmen, die wir schon beschlossen
- 1:08:36haben und die wir noch beschließen
- 1:08:38werden, um Frauen besser vor Attacken zu
- 1:08:40schützen. Wir haben dafür gesorgt, dass
- 1:08:42gefährliche Männer Fußfesseln bekommen
- 1:08:44und die Frauen gewarnt werden, wenn sie
- 1:08:47sich nähern. Wir haben die psychosoziale
- 1:08:49Prozessbegleitung deutlich äh
- 1:08:50verbessert. Wir werden die äh
- 1:08:53Verjährungsfristen bei Vergewaltigungen
- 1:08:55deutlich äh verlängern und wir werden
- 1:08:57das sogenannte Catcalling, die verbale
- 1:08:59Belästigung, nach langen Jahren der
- 1:09:01Diskussion jetzt auch gesetzlich
- 1:09:03normieren. All das sind ganz wichtige
- 1:09:05Maßnahmen und Sie sehen, das ist ein
- 1:09:06Schwerpunkt dieser Koalition. Wir wollen
- 1:09:08Frauen besser vor Attacken schützen und
- 1:09:10dem dient auch dieses Gesetz. Stimmen
- 1:09:12wir ihm deshalb zu. Vielen Dank.
- 1:09:14[applaus]
- 1:09:21Für die AfD-Fraktion hat nun Frau
- 1:09:23Abgeordnete Martina Kempf das Wort.
- 1:09:25Bitte.
- 1:09:26[applaus]
- 1:09:32Sehr geehrtes Präsidium, liebe Kollegen
- 1:09:34und sehr geehrte Bürger. Heute sprechen
- 1:09:37wir über eine geplante Strafverschärfung
- 1:09:39für Vergewaltigung und Raub, bei der
- 1:09:41vorab sogenannte KO-Tropfen eingesetzt
- 1:09:44wurden, etwa in Getränke des Opfers oder
- 1:09:46mit Hilfe einer kleinen Nadel, die
- 1:09:49unbemerkt in das Opfer gestochen wird,
- 1:09:51um es wehrlos zu machen.
- 1:09:53Dies sind sehr gefährliche Substanzen,
- 1:09:55die von Überdosis auch schon zum
- 1:09:57schrecklichen Tod einer jungen Frau
- 1:09:59geführt haben.
- 1:10:01Unserer Fraktion ist es ist eine
- 1:10:03Strafverschärfung für den Einsatz von
- 1:10:05KO-Tropfen bei sexuellen Delikten und
- 1:10:07Raub sehr wichtig.
- 1:10:10Aber die neue Wortwahl gefährliches
- 1:10:12Mittel für KO-Tropfen im Entwurf der
- 1:10:15Regierung ist sehr unbestimmt.
- 1:10:17Es könnte dazu kommen, dass unter dem
- 1:10:20Begriff gefährliches Mittel die Gabe von
- 1:10:22Alkohol gefasst würde. Doch bei Alkohol
- 1:10:25besteht der große Unterschied, dass er
- 1:10:27freiwillig getrunken wird
- 1:10:29und das Opfer meist doch merkt, was es
- 1:10:31trinkt und wie viel und rechtzeitig
- 1:10:33aufhören kann.
- 1:10:34Anders als bei den heimtückisch
- 1:10:36beigebrachten KO-Tropfen.
- 1:10:39Besser und präziser wäre daher die
- 1:10:41Formulierung des Bundesrates gewesen,
- 1:10:44der den Ausdruck
- 1:10:46Gift oder gesundheitsgefährdende Stoffe
- 1:10:48für KO-Tropfen
- 1:10:51verwenden wollte. Dem hätten wir
- 1:10:53zugestimmt.
- 1:10:55Wegen der unpräzisen Formulierung des
- 1:10:57Gesetzesentwurfs der Regierung werden
- 1:10:59wir uns enthalten.
- 1:11:02Der Gesetzentwurf bezweckt die
- 1:11:03Erreichung des Ziels der Vereinten
- 1:11:05Nationen einer friedlichen Gesellschaft.
- 1:11:08Doch hiervon sind wir leider leider
- 1:11:10weiter denn je entfernt. Insbesondere
- 1:11:12das Leben von Frauen und Mädchen ist
- 1:11:14seit Beginn der unkontrollierten
- 1:11:16Masseneinwanderung im Jahr 2015
- 1:11:19erheblich gefährlicher geworden. Dies
- 1:11:21zeigen die Zahlen der Fälle von
- 1:11:24Vergewaltigung, die seit 2018
- 1:11:27um 71,7 % gestiegen sind.
- 1:11:31Junge Männer aus Syrien, Afghanistan und
- 1:11:33dem Irak sind als Täter überproportional
- 1:11:36vertreten.
- 1:11:39Bei den schweren Sexualstraftaten
- 1:11:41beträgt der Anteil nicht deutscher
- 1:11:42Tatverdächtiger im Jahr 2025
- 1:11:4638,5
- 1:11:47% der Täter, wobei der Ausländeranteil
- 1:11:50in der Bevölkerung mit 14,9 % insgesamt
- 1:11:54wesentlich niedriger ist.
- 1:11:55Ganz kurz, Entschuldigung. Die Kollegin
- 1:11:58ist gerade am Reden. Unabhängig davon,
- 1:12:00welche Position man selbst hat, bitte
- 1:12:02ich doch jetzt zu
- 1:12:05Das haben Sie gar nicht zu beurteilen
- 1:12:06jetzt gerade. Ich habe ganz klar gesagt,
- 1:12:08ich habe es
- 1:12:10Ich habe es Nein, mit mir wird hier
- 1:12:12nicht diskutiert. Ich habe hier die
- 1:12:14Sitzungsleitung. Und hier ist eines sehr
- 1:12:16klar. Wer am Rednerpult ist, darf reden.
- 1:12:19Und die nachfolgenden Redner können das
- 1:12:22dann kommentieren oder Sie können sich
- 1:12:23zu einer Zwischenfrage melden. Bitte
- 1:12:25sehr.
- 1:12:26Ja, vielen Dank, Frau Präsidentin. Das
- 1:12:28bedeutet eine mehr als doppelt so hohe
- 1:12:29Kriminalität der Ausländer, als es ihrem
- 1:12:31Bevölkerungsanteil entsprechen würde in
- 1:12:34diesen ähm Bereichen.
- 1:12:37Frau Kollegin, lassen Sie eine
- 1:12:38Zwischenfrage aus den Reihen der SPD zu?
- 1:12:40Ja.
- 1:12:41Bitte sehr.
- 1:12:42Bisschen leiser bitte.
- 1:12:48Dank ähm Frau Kämpf, dass Sie die
- 1:12:50Zwischenfrage zulassen.
- 1:12:52Ich habe jetzt äh aus den Reden Ihres
- 1:12:54ähm Kollegen und jetzt auch von Ihnen
- 1:12:56rausgehört, dass Ihnen die Sicherheit
- 1:12:58der Frauen nur dann wichtig ist, wenn
- 1:13:00Gewalt durch Migranten ähm ausgeübt
- 1:13:02wird. Nur dann ist es Ihnen wichtig.
- 1:13:04Darauf zielen Sie jetzt auch wieder in
- 1:13:05Ihrer Rede ab. Mich würde interessieren,
- 1:13:07von wo Frank S. eingewandert ist.
- 1:13:10Frank S., von wo ist er denn
- 1:13:12eingewandert? Wir haben gerade von ihm
- 1:13:13gehört, er hat mehrere Frauen
- 1:13:15vergewaltigt und betäubt. Er hat davon
- 1:13:16Videomaterial ins Internet gestellt. Es
- 1:13:19äh gerade wird das Gerichtsverfahren ähm
- 1:13:21durchgeführt. Von wo ist er denn
- 1:13:23eingewandert? Erklären Sie mir das
- 1:13:24bitte.
- 1:13:24Ähm das ähm betrifft meine Rede jetzt
- 1:13:27überhaupt nicht. Ich habe davon
- 1:13:29gesprochen, dass wir für ähm die
- 1:13:31Strafverschärfung von
- 1:13:33K.o.-Tropfen sind. So, jetzt möchte ich
- 1:13:35fortfahren.
- 1:13:36Die Herkunftsländer
- 1:13:39ja, genau, die Herkunftsländer der
- 1:13:40Einwanderer ab 2015 sind oft kulturell
- 1:13:44anders geprägt.
- 1:13:45Die Rechte von Frauen werden dort häufig
- 1:13:48weniger beachtet als
- 1:13:50im vom christlichen Menschenbild
- 1:13:52geprägten Deutschland.
- 1:13:54Vor 40 Jahren habe ich in Westberlin
- 1:13:56studiert und konnte mich zu jeder Tages-
- 1:13:58und Nachtzeit sicher durch die Stadt
- 1:14:00bewegen, auch in den U-Bahnen. Heute hat
- 1:14:02sich das völlig verändert. Frauen haben
- 1:14:04häufig Angst, in der Dunkelheit und in
- 1:14:06öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs
- 1:14:08zu sein. Immerhin finden die meisten
- 1:14:10Gewalttaten auf öffentlichen Straßen und
- 1:14:12Wegen statt.
- 1:14:14Eine Doch, das stimmt so. Eine Bekannte
- 1:14:16verlässt deshalb abends schon um 8:30
- 1:14:19Uhr Veranstaltungen in Berlin, weil sie
- 1:14:21sich sonst nicht mehr sicher auf dem
- 1:14:22Heimweg fühlt. Was für eine Veränderung
- 1:14:25der Situation der Frauen gegenüber
- 1:14:28früher! Das ist nicht normal. Frauen
- 1:14:31schränken sich also selbst ein und geben
- 1:14:33damit Errungenschaften auf, für die
- 1:14:35Sozialdemokraten einst gekämpft haben,
- 1:14:38Gleichberechtigung und Frauenrechte.
- 1:14:41Eine Änderung dieser negativen
- 1:14:42Entwicklung für Frauen gibt es nur mit
- 1:14:44der AfD. Wir wollen, dass ein sicheres
- 1:14:47Leben für Frauen und die gesamte
- 1:14:48Bevölkerung wieder normal wird. Die
- 1:14:51Einwanderungspolitik muss daher dringend
- 1:14:53überdacht werden.
- 1:14:55K.o.-Tropfen sind das extremste Mittel
- 1:14:57an Unfairness. Unfairer Umgang
- 1:15:00miteinander kann niederschwelliger
- 1:15:02beginnen.
- 1:15:03Immer wieder wird meine Fraktion unfair
- 1:15:05behandelt.
- 1:15:07Im Rechtsausschuss müssen wir einen
- 1:15:09halben Meter tiefer als alle anderen
- 1:15:11Abgeordneten sitzen. Zu einem
- 1:15:13Abgeordnetenrestaurant wird etwa 50
- 1:15:15AfD-Abgeordneten der Zutritt verwehrt,
- 1:15:18und schließlich erhalten die parteinahen
- 1:15:20Stiftungen der anderen Parteien in
- 1:15:22dieser Wahlperiode dreieinhalb
- 1:15:25Milliarden Euro, die der AfD-nahe
- 1:15:28Stiftung erhält, genau null Euro.
- 1:15:31Vielen Dank.
- 1:15:50Ich ähm das würde ich gerne untersuchen
- 1:15:53lassen, dass hier ein
- 1:15:54Abgeordnetenrestaurant
- 1:15:56Abgeordneten den Zugang verwehrt. Die
- 1:15:59Deutsche Parlamentarische Gesellschaft
- 1:16:00ist ein Verein und ich bitte hier dann
- 1:16:03auch wirklich bei den Fakten zu bleiben.
- 1:16:05Der Deutsche Bundestag verwehrt
- 1:16:07Abgeordneten des Restaurant, was hier
- 1:16:09ähm im Hause auch ist, nicht den Zugang.
- 1:16:11Da bitte ich wirklich auch
- 1:16:13[applaus] präzise zu bleiben.
- 1:16:17Für die
- 1:16:19für die CDU/CSU-Fraktion hat nun Herr
- 1:16:22Abgeordneter Sebastian Steineke das
- 1:16:24Wort.
- 1:16:26[applaus]
- 1:16:33Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und
- 1:16:35Kollegen, es ist ehrlich gesagt sehr
- 1:16:37schade, dass bei bei so einem Thema so
- 1:16:38eine Rede halten muss.
- 1:16:40Aber
- 1:16:42kommen wir dann trotzdem zu bei diesem
- 1:16:43wichtigen Thema zur Sache zurück. Ja,
- 1:16:46das schaffen wir in der Regel schon,
- 1:16:47Herr Brandt.
- 1:16:48[applaus]
- 1:16:50Junge Frau geht mit Freundinnen am
- 1:16:52Wochenende aus, ein ganz normaler Abend.
- 1:16:54Man lacht, unterhält sich,
- 1:16:55tanzt, bestellt,
- 1:16:57trinkt was, vielleicht lernt man auch
- 1:16:58neue Leute kennen. Irgendwann stellt sie
- 1:17:00ihr Glas kurz ab, nur für einen
- 1:17:02Augenblick.
- 1:17:03Einige Zeit später fühlt sie sich
- 1:17:05plötzlich merkwürdig. Wir haben es
- 1:17:06gehört, das Thema heute. Ihr wird
- 1:17:08schwindlig.
- 1:17:09Sie kann sich nicht mehr richtig
- 1:17:10konzentrieren, Beine werden schwer. Was
- 1:17:12zunächst wie Kreislaufprobleme oder ohne
- 1:17:14wird starke Wirkung vom Alkohol
- 1:17:16erscheint, wird innerhalb kürzester Zeit
- 1:17:18zum Kontrollverlust.
- 1:17:20Am nächsten Morgen wacht sie auf,
- 1:17:21vielleicht auch an einem ganz fremden
- 1:17:22Ort, vielleicht in ihrer eigenen
- 1:17:24Wohnung, aber sie kann sich an große
- 1:17:26Teile der vergangenen Nacht nicht
- 1:17:28erinnern. Sie weiß nicht, was passiert
- 1:17:30ist, sie weiß nicht, wer bei ihr war und
- 1:17:33vor allem weiß sie eben nicht, ob und
- 1:17:35was sie in dieser Zeit angetan wurde.
- 1:17:37Das Schlimmste ist für viele Betroffene
- 1:17:39nicht einmal das, woran sie sich
- 1:17:41erinnern, es ist das, woran sie sich
- 1:17:43nicht erinnern können.
- 1:17:45Das ist die besondere Niedertracht bei
- 1:17:47K.o.-Tropfen.
- 1:17:49Wir sprechen über einen gezielten
- 1:17:50Angriff auf die Selbstbestimmung eines
- 1:17:52Menschen, über die bewusste Ausschaltung
- 1:17:54des Willens, der Wahrnehmung und der
- 1:17:55Möglichkeit, sich zu wehren.
- 1:17:57Und wir sprechen über eine Tat, bei der
- 1:17:59das Opfer häufig erst im Nachhinein
- 1:18:01überhaupt begreift, dass es
- 1:18:03möglicherweise zum Opfer einer Straftat
- 1:18:05geworden ist.
- 1:18:07Ein weiterer Punkt ist wichtig. Wir
- 1:18:09müssen über die Taten sprechen, wir
- 1:18:10haben es gehört, auch wenn es gerade
- 1:18:12unbequem ist, auch für andere in unserer
- 1:18:14Gesellschaft, denn K.o.-Tropfen sind
- 1:18:17kein ausschließliches Phänomen großer
- 1:18:19Clubs oder irgendwelcher dunkler Ecken.
- 1:18:22Sie können auf privaten Feiern, bei
- 1:18:23Veranstaltungen in Bars und im ganz
- 1:18:25normalen gesellschaftlichen Leben zum
- 1:18:27Einsatz kommen.
- 1:18:29Der konkrete Fall, den der
- 1:18:30Bundesgerichtshof zu entscheiden hatte
- 1:18:32und der die Ursache für das
- 1:18:33Gesetzgebungsvorhaben ist, fand gerade
- 1:18:36in einem solchen Umfeld statt.
- 1:18:39Deshalb brauchen wir neben einem
- 1:18:40konsequenten Strafrecht auch mehr
- 1:18:42Aufklärung, Aufmerksamkeit und auch
- 1:18:44Prävention. Haben die Grünen auch
- 1:18:46vollkommen Recht.
- 1:18:49Das beginnt im persönlichen Umfeld, wenn
- 1:18:52jemand plötzlich auffällig benommen ist,
- 1:18:53nicht mehr richtig sprechen oder gehen
- 1:18:55kann, wenn die Reaktion nicht mehr zum
- 1:18:57vermeintlichen Alkoholkonsum passt, dann
- 1:19:00sollten Freunde und Bekannte das ernst
- 1:19:02nehmen und auch helfen.
- 1:19:05Auch Veranstalter, Gastronomie und Clubs
- 1:19:06haben hier eine Verantwortung.
- 1:19:08Mitarbeiter müssen weiter sensibilisiert
- 1:19:10werden, es muss selbstverständlich sein,
- 1:19:12dass jemand Hilfe bekommt, wenn er sich
- 1:19:15plötzlich nicht mehr wohl fühlt. Wir
- 1:19:17beraten heute deswegen die
- 1:19:18Gesetzesnovelle, die notwendig ist. In
- 1:19:20der Anhörung wurde das Vorhaben, dieses
- 1:19:23Delikt wegen des Unrechtsgehalts und der
- 1:19:26Gefährlichkeit der Tatbegehung in die
- 1:19:27Qualifikationstatbestände Raub und
- 1:19:30Sexualdelikte aufzunehmen, einhellig
- 1:19:32begrüßt.
- 1:19:34Aber ich möchte zum Schluss trotzdem
- 1:19:35noch einen Gedanken mitgeben. Wir können
- 1:19:37nicht jede Straftat verhindern, das
- 1:19:39wissen wir.
- 1:19:40Wir können nicht jeden jeden Tresen
- 1:19:42stehen und wir können auch leider nicht
- 1:19:43jedes Glas bewachen.
- 1:19:45Aber wir können mit diesem Gesetzentwurf
- 1:19:46sehr wohl deutlich machen, welche
- 1:19:48Grenzen in unserer Gesellschaft gelten
- 1:19:51und wie konsequent wir diejenigen zur
- 1:19:53Verantwortung ziehen, die diese Grenzen
- 1:19:55überschreiten.
- 1:19:57[applaus]
- 1:20:01Und genau das tun wir mit dem heutigen
- 1:20:03Entwurf. Wir machen deutlich, wer einen
- 1:20:05Menschen mit K.o.-Tropfen
- 1:20:06wehrlos macht, um ihn sexuell zu
- 1:20:08missbrauchen oder auszurauben, begeht
- 1:20:10keine Tat, die man irgendwie anders
- 1:20:12bewerten könnte, als den Einsatz einer
- 1:20:14Waffe oder eben eines gefährlichen
- 1:20:16Werkzeugs. Der Unrechtsgehalt ist
- 1:20:18mindestens genauso hoch, deswegen ist
- 1:20:21auch die höhere Mindeststrafe vollkommen
- 1:20:23angemessen.
- 1:20:26[applaus]
- 1:20:28Aber, und darüber haben wir auch
- 1:20:29gesprochen, unsere Verantwortung endet
- 1:20:31nicht mit der Verabschiedung des
- 1:20:32Gesetzes. Wir müssen dafür sorgen, dass
- 1:20:34Betroffene auch mehr gehört werden, dass
- 1:20:36sie Hilfe bekommen, dass Täter verfolgt
- 1:20:38und zur Verantwortung gezogen werden und
- 1:20:40dass junge Menschen wissen, welche
- 1:20:42Gefahren bestehen. Vielen Dank.
- 1:20:45[applaus]
- 1:20:50In dieser Debatte hat abschließend das
- 1:20:52Wort für die CDU/CSU-Fraktion Frau
- 1:20:54Abgeordnete Tijen Ataoğlu. Bitte.
- 1:20:58[applaus]
- 1:21:03Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr
- 1:21:04geehrte Kolleginnen und Kollegen, ich
- 1:21:06hoffe, die Bürgerinnen und Bürger haben
- 1:21:08heute sehr genau zugehört. Wir sprechen
- 1:21:10heute über den Einsatz von K.o.-Tropfen
- 1:21:12bei Vergewaltigung und Raub und eine
- 1:21:14weibliche Abgeordnete der AfD vergleicht
- 1:21:16dieses Unrecht mit dem Unrecht, was ihr
- 1:21:18in ihrer Fraktion getan wird, weil sie
- 1:21:20auf einer in einem Raum auf einer
- 1:21:22in einer Ebene unter den anderen
- 1:21:23Menschen sitzt oder weil sie zu einem
- 1:21:25Restaurant angeblich keinen Zugang hat.
- 1:21:28Sie verhöhnen hier Opfer von
- 1:21:29Vergewaltigung von Raub und glauben, sie
- 1:21:31seien die Stimme des Volkes, schämen Sie
- 1:21:32sich.
- 1:21:34[applaus]
- 1:21:40Wenn ich als junge Frau seiner Zeit mit
- 1:21:42meinen Freundinnen ausgegangen bin, sehr
- 1:21:44geehrte Kolleginnen und Kollegen, dann
- 1:21:45war der erste Satz meiner Mutter, nie
- 1:21:47viel Spaß heute Abend. Es war immer der
- 1:21:49Satz, pass auf dein Glas auf.
- 1:21:52Wie oft jede Frau diesen Satz
- 1:21:53wahrscheinlich schon aus ihrem Umfeld
- 1:21:54gehört hat.
- 1:21:55Und es folgen auch noch ganz andere
- 1:21:56Sätze. Bestelle nur ein Getränk, das vor
- 1:21:58deinen Augen geöffnet worden ist. Lass
- 1:22:00dein Glas nirgendwo unbeaufsichtigt
- 1:22:02stehen. Nimm kein Getränk von Fremden an
- 1:22:04oder lass deine Hand die ganze Zeit auf
- 1:22:05dem Getränk, auch wenn du auf der
- 1:22:07Tanzfläche bist.
- 1:22:08Wir haben immer versucht uns daran zu
- 1:22:09halten, aber das reicht offensichtlich
- 1:22:11nicht aus, um Opfer einer solchen
- 1:22:13Straftat zu werden. Aus einem
- 1:22:15unbeschwerten Abend wird für ganz viele
- 1:22:16Frauen ein Abend permanenter Kontrolle,
- 1:22:19aber auch ein Abend voller Vorsicht und
- 1:22:21gar Angst.
- 1:22:22Denn fast jeder von uns kennt einen
- 1:22:24Fall, wo eine Frau Opfer von
- 1:22:26K.o.-Tropfen geworden ist. Manche Fälle
- 1:22:28gehen in Anführungszeichen glimpflich
- 1:22:31aus, denn wenn die Betroffene noch
- 1:22:32merkt, dass ihr eine Substanz zugefüllt
- 1:22:34worden ist und sich vielleicht
- 1:22:35Freundinnen oder äh Bekannte dabei hat,
- 1:22:37die das auch merken, kann sie vielleicht
- 1:22:39noch nach Hause verbracht werden. Dann
- 1:22:41ist die immer noch schlimme Konsequenz
- 1:22:43Schwindel, Übelkeit, Erbrechen,
- 1:22:44Kopfschmerzen. Aber dann gibt es eben
- 1:22:47diese Fälle, wo das Opfer es gar nicht
- 1:22:49mehr bemerkt.
- 1:22:50Dann wird die Frau oft von mehreren
- 1:22:52Tätern auch irgendwohin gebracht, noch
- 1:22:54bevor sie unmächtig wird und dann werden
- 1:22:56schwerste Straftaten an ihr begangen.
- 1:22:59Und genau um diese Fälle geht es heute.
- 1:23:01Wir möchten heute diesen Unrechtsgehalt
- 1:23:03der Taten mit einer Mindeststrafe von
- 1:23:05fünf fünf Jahren auch wirklich
- 1:23:07angemessen behandeln. Man kann es als äh
- 1:23:09Schutzlücke im Gesetz sehen, man kann es
- 1:23:11aber auch nur als Strafverschärfung
- 1:23:12sehen. Ich glaube, das das ist ganz
- 1:23:14unbeachtlich, denn das Ergebnis ist
- 1:23:16wichtig, dass die Mindeststrafe bei fünf
- 1:23:17Jahren liegt. Und deshalb glaube ich,
- 1:23:19ist heute ein wichtiger Schritt für die
- 1:23:20Frauen [applaus] in diesem Land.
- 1:23:25Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
- 1:23:26K.o.-Tropfen sind keine Party-Legende.
- 1:23:29Sie sind Realität. Und K.o.-Tropfen sind
- 1:23:31auch kein harmloses Mittel, jemandem
- 1:23:33einen Streich zu spielen. Wir sehen,
- 1:23:35welch grausame Straftaten darauf folgen
- 1:23:37können.
- 1:23:38Und deshalb sagen wir heute, wie wir
- 1:23:40auch in den letzten Wochen schon getan
- 1:23:41haben, wir stehen an der Seite von
- 1:23:43Frauen. Und lassen Sie mich auch sagen,
- 1:23:45chaotische sind natürlich nicht nur ein
- 1:23:47Thema von Frauen, aber in der
- 1:23:48allergrößten Mehrheit sind Frauen und
- 1:23:50junge Mädchen davon betroffen.
- 1:23:52Und wer die Täter sind, muss ich Ihnen
- 1:23:54sagen, ist mir vollkommen gleichgültig.
- 1:23:56Denn egal, wer
- 1:23:59Gesetz und Recht bricht in diesem Land,
- 1:24:01muss in voller Härte bestraft werden und
- 1:24:03das ist jetzt möglich mit einer
- 1:24:05Mindeststrafe von fünf Jahren.
- 1:24:07[applaus]
- 1:24:11Gerade sollte ja mein Kollege Axel
- 1:24:14Müller auf einen vermeintlichen
- 1:24:15Wertungswiderspruch hingewiesen werden.
- 1:24:17Ich möchte mal gerne heute die Kollegen
- 1:24:19der AFD fragen, was ist denn jetzt
- 1:24:21eigentlich Ihre Meinung zur Justiz? Ist
- 1:24:23es die links versiffte, korrupte
- 1:24:25Gesinnungsjustiz von denen Sie manchmal
- 1:24:28sprechen oder sind es die Tatrichter,
- 1:24:29auf die wir jetzt eigentlich vertrauen
- 1:24:31dürfen in den Gerichten? Die Antwort
- 1:24:32würde mich mal interessieren.
- 1:24:35[applaus]
- 1:24:35Sie haben so oft in diesem Haus die
- 1:24:37Justiz verächtlich gemacht. Sie brauchen
- 1:24:39heute gar nicht mehr versuchen, über die
- 1:24:41ehrwürdigen Tatrichter zu sprechen.
- 1:24:45[applaus]
- 1:24:46Ich habe auch nach der Meinung Ihrer
- 1:24:47Fraktion gefragt und nicht nach Ihrer,
- 1:24:49aber erlauben Sie mir einen persönlichen
- 1:24:51Hinweis. Ich hoffe, dass ich niemals in
- 1:24:52meinem Leben Sie als Strafverteidiger
- 1:24:54bekommen werde, da würde mir Angst und
- 1:24:55Bange.
- 1:24:58[applaus]
- 1:25:00Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen.
- 1:25:05Weinerlich würde es, wenn wir jetzt eine
- 1:25:06Entschuldigung hören.
- 1:25:07Jetzt habe ich hier aber auch bald
- 1:25:09genug.
- 1:25:10Solche Sprüche Frauen gegenüber, jetzt
- 1:25:12wird's weinerlich, nur weil sie eine
- 1:25:13andere Meinung hat.
- 1:25:15Nein, ich rüge das. Das ist jetzt mal
- 1:25:17gut mit solchen Zwischenrufen.
- 1:25:20[applaus]
- 1:25:23Irgendwie [jubel] fällt der AFD-Fraktion
- 1:25:26ganz häufig sowas nur bei Frauen ein.
- 1:25:28Und ich will das jetzt hier wirklich
- 1:25:29festhalten. Es kann jemand hier eine
- 1:25:31andere Meinung haben und es ist nicht
- 1:25:33weinerlich. Bitte sehr.
- 1:25:35[applaus]
- 1:25:41Sehr geehrter Herr Kollege Petelka,
- 1:25:43seien Sie beruhigt, in Ihrer Fraktion
- 1:25:44existiert kein Mann, der mich zum
- 1:25:46bringen kann. Deshalb machen wir einfach
- 1:25:47weiter.
- 1:25:49[applaus]
- 1:25:58[applaus]
- 1:26:04Zurück zum Thema. [applaus]
- 1:26:05Die Sicherheit von Frauen ist kein
- 1:26:07Privileg, sondern eine rechtsstaatliche
- 1:26:09Verpflichtung. Wir haben gelernt, wie
- 1:26:11wir auf unsere Gläser aufpassen und
- 1:26:12jetzt werden die Täter lernen, wie die
- 1:26:14wie die Härte unseres Rechtsstaates
- 1:26:15funktioniert. Vielen Dank.
- 1:26:17[applaus]
- 1:26:27[applaus]
- 1:26:29Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich
- 1:26:31schließe hiermit jetzt die Aussprache
- 1:26:33und wir kommen zur Abstimmung über den
- 1:26:34von der Bundesregierung eingebrachten
- 1:26:36Gesetzentwurf zur Änderung des
- 1:26:38Strafgesetzbuches,
- 1:26:39Stärkung des strafrechtlichen Schutzes
- 1:26:42vor sogenannten K.o.-Tropfen. Der
- 1:26:44Ausschuss für Recht und
- 1:26:45Verbraucherschutz empfiehlt in seiner
- 1:26:46Beschlussempfehlung auf Drucksache 89/47
- 1:26:50den Gesetzentwurf der Bundesregierung
- 1:26:51auf Drucksache 75/60
- 1:26:54in der Ausschussfassung anzunehmen.
- 1:26:56Hierzu liegt ein Änderungsantrag der
- 1:26:58Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf
- 1:27:00Drucksache 89/71
- 1:27:03vor. Wer stimmt dafür?
- 1:27:07Nein, also ich wiederhole gerade noch
- 1:27:09mal.
- 1:27:13Es gibt jetzt gerade und
- 1:27:17Ja, es ist Freitag, ein bisschen
- 1:27:19Bewegung drin. Also, es liegt ein
- 1:27:21Änderungsantrag der Fraktion Bündnis
- 1:27:2490/Die Grünen
- 1:27:26auf Drucksache 89/71 vor. Wer stimmt für
- 1:27:29diesen Änderungsantrag?
- 1:27:34Wer stimmt dagegen?
- 1:27:37Wer enthält sich?
- 1:27:40Der Änderungsantrag ist abgelehnt worden
- 1:27:43mit den Stimmen von SPD, CDU, CSU und
- 1:27:45AfD bei Zustimmung der antragstellenden
- 1:27:49Fraktion Bündnis 90 Die Grünen und die
- 1:27:51Linke. Dann fahren wir fort. Ich bitte
- 1:27:53nun diejenigen, die dem Gesetzentwurf in
- 1:27:57der Ausschussfassung zustimmen wollen,
- 1:27:59um das Handzeichen. Wer stimmt dafür?
- 1:28:03Wer stimmt dagegen?
- 1:28:05Wer enthält sich?
- 1:28:08Der Gesetzentwurf ist damit in zweiter
- 1:28:10Beratung angenommen worden mit den
- 1:28:13Stimmen der Fraktionen Die Linke, SPD,
- 1:28:15Bündnis 90/Die Grünen, CDU, CSU bei
- 1:28:18Enthaltung der AfD-Fraktion. Die dritte
- 1:28:20Beratung und Schlussabstimmung nun. Ich
- 1:28:22bitte diejenigen, die dem Gesetzentwurf
- 1:28:24zustimmen wollen, sich zu erheben.
- 1:28:28Wer stimmt dagegen?
- 1:28:32Wer enthält sich?
- 1:28:34Ich bedanke mich. Der Gesetzentwurf ist
- 1:28:37angenommen worden mit den Stimmen von
- 1:28:38CDU, CSU, Bündnis 90/Die Grünen, SPD und
- 1:28:41Fraktion Die Linke bei Enthaltung der
- 1:28:44AfD-Fraktion.
- 1:28:47So,
- 1:28:48geschafft.
- 1:28:49Dann
- 1:28:51[applaus]
- 1:28:53ich rufe auf die Tagesordnungspunkte 26
- 1:28:56Es kommen noch zwei
- 1:28:57Entschließungsanträge.
- 1:29:00Lassen Sie mich mal gucken.
- 1:29:02Da habe ich sie. Genau, genau so haben
- 1:29:05wir es.
- 1:29:06Wir haben noch zwei
- 1:29:07Entschließungsanträge, die kommen nach
- 1:29:09dieser Abstimmung in der Tat. Das ist
- 1:29:12einmal ein Entschließungsantrag der
- 1:29:14Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf
- 1:29:16Drucksache 89/72.
- 1:29:19Wer stimmt dafür?
- 1:29:22Wer stimmt dagegen?
- 1:29:25Wer enthält sich?
- 1:29:27Damit ist der Entschließungsantrag
- 1:29:29abgelehnt mit den Stimmen CDU, CSU, SPD,
- 1:29:34AfD
- 1:29:37bei Zustimmung Bündnis 90/Die Grünen und
- 1:29:40Enthaltung
- 1:29:41Fraktion Die Linke. Jetzt kommen wir zur
- 1:29:42Fraktion Die Linke. Sie hat einen
- 1:29:44Entschließungsantrag mit der Drucksache
- 1:29:4689/73.
- 1:29:48Wer stimmt dafür?
- 1:29:51Wer stimmt dagegen?
- 1:29:53Wer enthält sich?
- 1:29:55Damit ist auch dieser
- 1:29:56Entschließungsantrag abgelehnt worden.
- 1:29:59Bei Ablehnung AfD-Fraktion, CDU,
- 1:30:02CSU-Fraktion, SPD-Fraktion, Enthaltung
- 1:30:05Bündnis 90/Die Grünen und Zustimmung
- 1:30:07Fraktion Die Linke.
- 1:30:09So, und jetzt kommen wir aber zu
- 1:30:11Tagesordnungspunkte 26a und 26b. Es geht
- 1:30:15um die Beratung
- 1:30:16von Anträgen der Fraktion der AfD mit
- 1:30:19den Titeln Verringerung des
- 1:30:20EU-Haushaltes zur Entlastung der
- 1:30:22deutschen Steuerzahler, Stellungnahme
- 1:30:24des Deutschen Bundestages gemäß Artikel
- 1:30:2633 Absatz 3 des Grundgesetzes,
- 1:30:29sowie Subsidiarität wahren,
- 1:30:31Zentralisierung stoppen, keine
- 1:30:34nationalen Partnerschaftspläne zu Lasten
- 1:30:36deutscher Kommunen, Stellungnahme
- 1:30:38gegenüber der Bundesregierung gemäß 23
- 1:30:40Absatz 3 des Grundgesetzes. Für die
- 1:30:42Aussprache wurde eine Dauer von 60
- 1:30:45Minuten vereinbart und die eröffne ich
- 1:30:48nun und das Wort hat die AfD-Fraktion,
- 1:30:51Herr Abgeordneter Peter Böhringer. Bitte
- 1:30:54sehr.
- 1:30:55[applaus]
- 1:31:01Frau Präsidentin,
- 1:31:03die Vorschläge zum EU-Finanzrahmen bis
- 1:31:052034 sehen eine gewaltige Ausweitung des
- 1:31:08Brüsseler Haushalts vor.
- 1:31:10Der Ratsgipfel dazu findet in drei
- 1:31:12Wochen statt, doch noch immer kennen wir
- 1:31:14in zentralen Punkten nicht die
- 1:31:16Positionen der Bundesregierung.
- 1:31:18Etwa zum Gesamtvolumen. Stand heute
- 1:31:20strebt die Regierung in den
- 1:31:21Verhandlungen keinerlei Kürzung an,
- 1:31:24allenfalls minimal gegenüber dem
- 1:31:26indiskutablen 2 Billionen Euro Vorschlag
- 1:31:29der Kommission.
- 1:31:31Offen sind auch die Positionen zu
- 1:31:33EU-Schuldenprogrammen, zu neuen
- 1:31:35EU-Abgaben und zur Finanzierung
- 1:31:37geplanter EU-Erweiterungen.
- 1:31:40Wie der aktuelle deutsche
- 1:31:42Haushaltsentwurf für 27 zeigt, ist schon
- 1:31:44die Finanzierung staatlicher
- 1:31:45Kernaufgaben für Bund, Länder und
- 1:31:48Gemeinden beinahe unlösbar. Ein volles
- 1:31:50Drittel des deutschen Haushaltes es noch
- 1:31:52über Neuverschuldung
- 1:31:54Eine Ausweitung des EU-Haushalts zu
- 1:31:56Lasten der deutschen Steuerzahler wäre
- 1:31:58darum verantwortungslos.
- 1:32:01[applaus]
- 1:32:05Die deutschen EU-Ausgaben im laufenden
- 1:32:07MFR, also im jetzigen Bereich, den
- 1:32:10letzten sieben Jahreszeitraum, lagen im
- 1:32:12jährlichen Schnitt bei 34 Milliarden
- 1:32:15Euro. Wenn die Bundesregierung nicht
- 1:32:17jetzt die Notbremse zieht, dann werden
- 1:32:20wir wird die deutsche Zahlung künftig
- 1:32:21über 70 Milliarden pro Jahr liegen.
- 1:32:25Kanzler und Vizekanzler hatten 2025
- 1:32:28pressewirksam einen Brief an die EU
- 1:32:30geschrieben, für eine Erhöhung des
- 1:32:32Volumens gibt es keine Grundlage. Herr
- 1:32:35Merz, Herr Klingbeil, wir messen Sie an
- 1:32:37Ihren Worten und fordern Sie auf, bei
- 1:32:38der anstehenden Sitzung des EU-Rats
- 1:32:41jeden Aufwuchs strikt zu verweigern. Wir
- 1:32:43sagen klar, unsere EU-Zahlungen müssen
- 1:32:45runter.
- 1:32:47[applaus]
- 1:32:50Wir fordern, dass keine Mittel für
- 1:32:52sinnlose ideologische Projekte
- 1:32:53bereitgestellt werden oder für solche,
- 1:32:56die besser in nationaler Zuständigkeit
- 1:32:58erfüllt werden können. CO2-Projekte,
- 1:33:00EU-Migrationsprogramme,
- 1:33:02EU-Entwicklungshilfe, Militärausgaben
- 1:33:04für EU-Partner, Beitrittshilfen oder
- 1:33:08NGO-Förderung.
- 1:33:10Echte europäische Aufgaben gibt es
- 1:33:12tatsächlich. Schon vor der EU erbrachte
- 1:33:14die EWG einen Mehrwert, da sie sich in
- 1:33:16ihrer Tätigkeit auf den gemeinsamen
- 1:33:18Markt konzentrierte, also Binnengrenze
- 1:33:20und Zölle abbaufte.
- 1:33:23Auch die Bekämpfung der organisierten
- 1:33:24Kriminalität und der Schutz der
- 1:33:26EU-Außengrenzen wären europäische
- 1:33:28Aufgaben, doch die EU hat sich davon in
- 1:33:30den letzten Jahren immer weiter
- 1:33:32entfernt.
- 1:33:34Völlig absurd war die Behauptung des
- 1:33:36Kanzlers hier an dieser Stelle am 14.
- 1:33:38Oktober, ich zitiere, kein Euro, der in
- 1:33:42die Ukraine fließt, fehlt bei den
- 1:33:43Sozial- und Bildungsausgaben in diesem
- 1:33:46Land.
- 1:33:47Denn natürlich fehlen
- 1:33:49EU-Ukraine-Unterstützung auch im
- 1:33:50Sozialbereich. Fakten dazu aus der
- 1:33:53Haushaltsplanung des Finanzministers,
- 1:33:55die Rüstungsausgaben steigen von 59
- 1:33:58Milliarden 2025 auf 183
- 1:34:01Milliarden im Jahre 2030. In der
- 1:34:04gleichen Zeit sinkt der Gesundheitsetat
- 1:34:06von 19 auf unter 15 Milliarden, sogar
- 1:34:09nominal eine Absenkung.
- 1:34:11Pistorius und Merz schröpfen den
- 1:34:13deutschen Steuerzahler und lassen kranke
- 1:34:15Bürger leiden.
- 1:34:19Das Verbot der Übernahme von
- 1:34:21Verbindlichkeiten anderer EU-Staaten
- 1:34:22nach Artikel 125 AEUV ist ein
- 1:34:25Grundpfeiler der europäischen
- 1:34:27Stabilitätsarchitektur.
- 1:34:28Die Kommissionsvorschläge für den neuen
- 1:34:30MFR sehen aber erneut
- 1:34:32Gemeinschaftsschulden vor, z.B. gegen
- 1:34:34Krisen in dieser unsäglichen
- 1:34:36Allgemeinheit.
- 1:34:37Diese eu-europäische Schuldenwirtschaft
- 1:34:39muss endlich beendet werden. Wir fordern
- 1:34:41schon seit 2013 die strikte Einhaltung
- 1:34:43des No-Bailout-Prinzips,
- 1:34:45keine Schuldenunion.
- 1:34:49[applaus]
- 1:34:50Zwar beteuert der Kanzler, die
- 1:34:52vorgeschlagenen schuldenfinanzierten
- 1:34:54Instrumente lehnen wir strikt ab. Das
- 1:34:56war ein Zitat. Doch es gibt bereits
- 1:34:58EU-Schuldenprogramme
- 1:35:00über hunderte Milliarden. Die EU macht
- 1:35:02seit 2021 die einmalige Ausnahme der
- 1:35:06Jahrhundert-Pandemie-Corona
- 1:35:08zu regeln. Zur Finanzierung von Corona,
- 1:35:11Klima, Krisen- und Ukraine-Programm
- 1:35:13werden explizit Eurobonds genutzt, somit
- 1:35:16Haftungsmasse der deutschen
- 1:35:18Steuerzahler. Wenn Friedrich Merz also
- 1:35:20rhetorisch Eurobonds ablehnt, ist das
- 1:35:23wie fast jedes Versprechen des Kanzlers
- 1:35:25unglaubwürdig.
- 1:35:27[applaus]
- 1:35:30Scharf verurteilen wir auch den Versuch
- 1:35:32der EU, über immer mehr sogenannte
- 1:35:34Eigenmittel faktisch eigene
- 1:35:35Steuerkompetenzen zuzuschanzen. Steuern
- 1:35:37dürfen in einer Demokratie nur von
- 1:35:40Parlamenten erhoben werden, die
- 1:35:41gegenüber dem Bürger unmittelbar
- 1:35:43rechenschaftspflichtig sind und das
- 1:35:44EU-Parlament besitzt darum keine
- 1:35:46Steuerhoheit. Durch neue EU-Abgaben
- 1:35:49würde das Budgetrecht aber schleichend
- 1:35:51faktisch der demokratischen Kontrolle
- 1:35:53des Bundestags entzogen. EU-Eigenmittel
- 1:35:56stellen darum ebenso wie
- 1:35:57EU-Schuldenprogramme einen Angriff auf
- 1:35:59die Demokratie und auch auf das Recht
- 1:36:01dar.
- 1:36:03Weiterhin will der Außenkanzler
- 1:36:05Deutschland auch noch in eine fatale
- 1:36:06EU-Erweiterung stürzen. So schnell wie
- 1:36:09möglich die neuen Aufnahmekandidaten
- 1:36:12werden jahrelang Kosten verursachen und
- 1:36:14entgegen den Sprüchen aus dem Kanzleramt
- 1:36:16gibt es auch kein Beitrittskriterium
- 1:36:20Geopolitik. Es gibt es nicht. Alle
- 1:36:22EU-Pläne hin zu einer geostrategisch
- 1:36:24militärischen Union sind darum
- 1:36:26vertragswidrig und untergraben die
- 1:36:28sinnvolle die sinnvolle europäische
- 1:36:30Friedens- und Wohlstands-Idee einer
- 1:36:32Handelsunion.
- 1:36:33Die
- 1:36:34[applaus]
- 1:36:36Die EU gerät sich entgegen der
- 1:36:38Verfassung mehr und mehr als Staat mit
- 1:36:40eigener EU-Souveränität. Das Wort wird
- 1:36:42leider hier immer wieder verwendet.
- 1:36:44Souveränität aber ist unteilbar und muss
- 1:36:47national bleiben. Nur die AfD will Recht
- 1:36:49und Vetorechte einhalten und die
- 1:36:51EU-Ausrichtung umkehren, um die deutsche
- 1:36:54Nation zu erhalten. Vielen Dank.
- 1:36:57[applaus]
- 1:37:04Für die Fraktion CDU/CSU hat nun Herr
- 1:37:07Abgeordneter Thilmann Kuban das Wort.
- 1:37:09Bitte.
- 1:37:10[applaus]
- 1:37:18Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe
- 1:37:20Kolleginnen und Kollegen.
- 1:37:22Und 43 Milliarden Euro, so viel Geld
- 1:37:25führt der Deutsche Bundeshaushalt an die
- 1:37:27Europäische Union ab. Nur mal zum
- 1:37:30Vergleich. Der Haushalt des Landes
- 1:37:32Niedersachsen hat ungefähr 48
- 1:37:35Milliarden, in Hessen sind es 40, selbst
- 1:37:38hier in Berlin sind es bereits 40
- 1:37:40Milliarden. Ja, auch das ist trotzdem
- 1:37:43immer noch sehr sehr viel Geld
- 1:37:45und deswegen ist es völlig richtig, dass
- 1:37:47dieses Geld, was die Bürgerinnen und
- 1:37:49Bürger und die Unternehmen in
- 1:37:51Deutschland hart erarbeitet haben, auch
- 1:37:53vernünftig in Brüssel eingesetzt wird
- 1:37:56und wir deswegen genau hinschauen, wo es
- 1:37:58ausgegeben wird.
- 1:38:00Aber Aber darüber spricht, dass wir nur
- 1:38:02Geld überweisen, der erzählt eben nur
- 1:38:05die halbe Geschichte. Entscheidend ist
- 1:38:07doch, was die Menschen in Deutschland
- 1:38:09dafür bekommen.
- 1:38:12Und deswegen
- 1:38:13ist es eben richtig, wir profitieren von
- 1:38:16dieser Europäischen Union. Es sind
- 1:38:18Frieden, Freiheit und Sicherheit, aber
- 1:38:21eben auch ganz handfeste Vorteile, die
- 1:38:23die Menschen und Unternehmen in
- 1:38:25Deutschland haben. Wenn ein
- 1:38:26mittelständischer Maschinenbauer seine
- 1:38:29Anlagen ohne Zölle und Grenzformalitäten
- 1:38:32in Frankreich, Italien und Polen
- 1:38:34verkaufen kann, dann sichert das
- 1:38:36Arbeitsplätze. Wenn ein Autohersteller,
- 1:38:39[applaus]
- 1:38:40wenn ein Autohersteller Zugang zum Markt
- 1:38:43von 450 Millionen Menschen hat und durch
- 1:38:46die neuen Handelsabkommen, die wir jetzt
- 1:38:48noch schaffen, neue Märkte eröffnet
- 1:38:50bekommt, dann ist das ein
- 1:38:51Standortvorteil. Wenn deutsche
- 1:38:53Wissenschaftler gemeinsam mit den
- 1:38:55Partnern in Europa neue Medikamente,
- 1:38:58Batterien oder KI-Forschung betreiben,
- 1:39:01dann entstehen Innovationen für uns
- 1:39:03alle. Und wenn ein deutscher Tourist im
- 1:39:05Ausland im Urlaub mit einer Währung
- 1:39:07bezahlen kann und dank des Roamings
- 1:39:10nicht nach Hause kommt mit einer ganz
- 1:39:11teuren Handy-Rechnung, dann ist es ein
- 1:39:13bezahlbarer und toller Urlaub gewesen.
- 1:39:16Und wenn am Ende deutsche, wenn am Ende
- 1:39:19Frontex-Polizisten
- 1:39:20unsere Außengrenzen schützen, dann ist
- 1:39:23das auch ein Beitrag zu Deutschlands
- 1:39:25Sicherheit. Deswegen ist Europa ein
- 1:39:28Garant für unsere Sicherheit und unseren
- 1:39:30wirtschaftlichen Erfolg.
- 1:39:33[applaus]
- 1:39:33Und ja,
- 1:39:35und ja, dabei fließt auch ein Teil
- 1:39:37unseres Geldes in andere Länder.
- 1:39:40Beispielsweise nach Griechenland, wo wir
- 1:39:43den Schutz unserer Außengrenzen
- 1:39:45finanzieren, indem wir Patrouillenboote,
- 1:39:47Wärmebildkameras und modernste
- 1:39:49Überwachungstechnik zur Verfügung
- 1:39:51stellen. Das schützt Europa, das liegt
- 1:39:54im deutschen Interesse, denn wir wollen
- 1:39:56nicht nur mit unserer deutschen
- 1:39:57Bundespolizei, sondern mit allen
- 1:39:59gemeinsam europäischen Partnern im
- 1:40:01Mittelmeer aktiv sein. Ja, es fließt
- 1:40:04auch ein Teil nach Österreich oder
- 1:40:06Italien, weil wir wichtige neue
- 1:40:08Verkehrsachsen aufbauen, wie den
- 1:40:10Brennerbasistunnel,
- 1:40:12was am Ende unsere deutsche
- 1:40:14Exportwirtschaft unterstützen wird. Ja,
- 1:40:16es fließt auch ein Teil des Geldes und
- 1:40:19wird dafür verwandt, um uns gegen
- 1:40:22unlautere Handelspraktiken zu wehren.
- 1:40:24Denn wenn beispielsweise Chinesen
- 1:40:26versuchen, unsere Unternehmen so unter
- 1:40:28Druck zu setzen, indem sie immer mehr
- 1:40:30Dinge auf den europäischen Markt
- 1:40:32schwemmen, die subventioniert sind, dann
- 1:40:34können wir uns als Deutsche alleine
- 1:40:36nicht wehren, dann braucht es ein
- 1:40:38starkes gemeinsam auftretendes Europa.
- 1:40:41Und ja, es fließt auch ein großer
- 1:40:43Geldteil in unsere gemeinsame Forschung.
- 1:40:46Denn wenn am Ende Forscher gemeinsam aus
- 1:40:48Amsterdam, aus Paris, aus Deutschland,
- 1:40:50aus anderen Teilen Europas an einem
- 1:40:53Krebsmedikament forschen, dann sichert
- 1:40:56das unsere Technologieführerschaft,
- 1:40:58dann sorgt das für Wertschöpfung und es
- 1:41:00macht unser Leben besser. Deswegen ist
- 1:41:03die Idee Europas am Ende nicht nur eine
- 1:41:06Frage, ob wir dafür Geld bezahlen,
- 1:41:08sondern sie ist ein Teil, das unser
- 1:41:10Leben besser macht und das sollten wir
- 1:41:11manches Mal viel mehr in den Vordergrund
- 1:41:13rücken. [applaus]
- 1:41:15Aber ja,
- 1:41:17wir wollen in Europa einen modernen
- 1:41:19Haushalt schaffen, der die Prioritäten
- 1:41:21neu setzt, der deutlich macht, es geht
- 1:41:23jetzt um die Verteidigungsfähigkeit, es
- 1:41:25geht um Wettbewerbsfähigkeit, es geht um
- 1:41:27Außengrenzschutz. Es geht zweitens
- 1:41:30darum, mit weniger Bürokratie und nicht
- 1:41:32ständig neuem Stellenaufwuchs den
- 1:41:34Apparat noch weiter zu vergrößern. Und
- 1:41:37ja, es geht auch darum, jeden Euro
- 1:41:39kritisch zu hinterfragen, denn es ist am
- 1:41:41Ende europäisches Steuergeld, mit dem
- 1:41:43wir alle verantwortungsbewusst umgehen
- 1:41:45sollten. Trotzdem noch mal, Europa ist
- 1:41:49da stark, wo Europa mehr kann, deswegen
- 1:41:51setzen wir uns ein für diesen Garant für
- 1:41:53unsere Sicherheit und unseren
- 1:41:55wirtschaftlichen Erfolg, das werden wir
- 1:41:56auch in Brüssel tun und die
- 1:41:57Bundesregierung dabei unterstützen.
- 1:41:59Vielen Dank.
- 1:42:01[applaus]
- 1:42:05Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
- 1:42:07hat nun Abgeordneter Julian Jöckswich
- 1:42:09das Wort. Bitte.
- 1:42:23Sehr verehrte Frau Präsidentin, liebe
- 1:42:25Kolleginnen und Kollegen. Die AfD hat
- 1:42:26nicht nur zwei Anträge zum mehrjährigen
- 1:42:28Finanzrahmen vorgelegt, sondern sie hat
- 1:42:29auch ein neues Europa-Positionspapier
- 1:42:31geschrieben. Also die Partei, die mal
- 1:42:32als Antieuropapartei gegründet wurde,
- 1:42:35die Partei, die seit Jahren den Dexxit
- 1:42:37fordert.
- 1:42:38Ausgerechnet die Partei will uns jetzt
- 1:42:39also erklären, wie ein starkes Europa
- 1:42:41aussehen soll.
- 1:42:42In dem Positionspapier steht zum
- 1:42:44Beispiel, Europa soll technologisch
- 1:42:45unabhängig, wirtschaftlich stark und
- 1:42:47wettbewerbsfähig sein.
- 1:42:49Soweit so gut. Und dann schaut man in
- 1:42:50die beiden Anträge, die sie heute
- 1:42:52vorlegen. Im ersten Antrag wollen sie
- 1:42:54EU-Ausgaben radikal zusammenstreichen.
- 1:42:56Sogar den Europäischen Sozialfonds
- 1:42:58wollen sie abschaffen.
- 1:42:59Allein Deutschland bekommt daraus rund
- 1:43:006,5 Milliarden Euro für Ausbildung,
- 1:43:03Weiterbildung und wieder Eingliederung
- 1:43:05in den Arbeitsmarkt. Im zweiten Antrag
- 1:43:08loben sie dann ausdrücklich die
- 1:43:09EU-Fördermittel für unsere Kommunen.
- 1:43:11Und zu diesen Fördermitteln gehört,
- 1:43:12Überraschung, genau dieser Europäische
- 1:43:15Sozialfonds. Also was denn jetzt? In
- 1:43:17einem Antrag abschaffen, im anderen dann
- 1:43:19feiern. Das ist keine Europapolitik,
- 1:43:21meine Damen und Herren, das ist
- 1:43:23widersprüchliche Symbolpolitik.
- 1:43:26[applaus]
- 1:43:28Und so geht es weiter.
- 1:43:29Sie wollen europäische Spitzenforschung
- 1:43:31und große Industrieprojekte, aber genau
- 1:43:33die Projekte, die das finanzieren,
- 1:43:34Horizon Europe, Invest Invest EU, die
- 1:43:37wollen sie streichen. Sie bestellen das
- 1:43:39ganze Menü, aber sobald die Rechnung
- 1:43:41kommt, sitzt keiner mehr von ihnen am
- 1:43:43Tisch. Die AfD will sich alles gönnen
- 1:43:45und dann die Zeche prellen. Statt
- 1:43:46gemeinsamer europäischer Investitionen
- 1:43:49setzen sie auf freiwillige nationale
- 1:43:50Beiträge. Die 27 EU-Mitgliedstaaten
- 1:43:53sollen also bei jedem Großprojekt
- 1:43:54erstmal gucken, ob sie dabei sind oder
- 1:43:56nicht. Ich glaube, Sie haben im Ernst
- 1:43:57die USA oder China warten darauf, dass
- 1:43:59auch das 27. EU-Land dann zugestimmt
- 1:44:01hat.
- 1:44:03Was schlagen Sie noch so in Ihrem
- 1:44:03Europapapier vor? Ja ja, Sie wollen den
- 1:44:06Europäischen Gerichtshof zu einem bloßen
- 1:44:07Schiedsgericht machen. Das ist dann wie
- 1:44:09ein Fußballspiel, wo jede Mannschaft
- 1:44:10ihren eigenen Schiedsrichter mitbringt.
- 1:44:11Das ist dann kein Spiel mehr. Das ist
- 1:44:13Chaos. Ein Markt ohne gemeinsame Regeln
- 1:44:16ist kein Binnenmarkt, meine Damen und
- 1:44:18Herren.
- 1:44:19Die Europapolitik der AfD passt vorne
- 1:44:21und hinten nicht und ich glaube, das
- 1:44:22wissen Sie auch selbst.
- 1:44:24Die entscheidende Frage dieser Zeit ist
- 1:44:26doch nicht, wie wir europäische
- 1:44:27Zusammenarbeit irgendwie abschaffen oder
- 1:44:28kleiner machen, sondern wie wir Europa
- 1:44:30in diesen Zeiten handlungsfähig machen.
- 1:44:33Und dafür ist der mehrjährige
- 1:44:34Finanzrahmen der entscheidende
- 1:44:36Schlüssel. Europa steht vor gewaltigen
- 1:44:39Herausforderungen. Der Angriffskrieg
- 1:44:40Russlands gegen die Ukraine, die Zölle
- 1:44:42von Trump, die Überkapazitäten aus China
- 1:44:45und viel zu viele Abhängigkeiten in
- 1:44:47unseren Lieferketten. Darauf muss der
- 1:44:49nächste EU-Haushalt Antworten geben. Er
- 1:44:51muss moderner, flexibler und stärker auf
- 1:44:54gemeinsame Zukunftsinvestitionen
- 1:44:55ausgerichtet werden. Aber neue Aufgaben
- 1:44:57brauchen auch entsprechende Mittel.
- 1:45:00Und deshalb muss ich auch die
- 1:45:00Bundesregierung bewegen, meine Damen und
- 1:45:02Herren. Der Bundeskanzler spricht zu
- 1:45:04Recht, er spricht zu Recht von
- 1:45:05europäischer Souveränität.
- 1:45:07Doch wenn es um den europäischen
- 1:45:08Haushalt geht, wenn es um den MFR geht,
- 1:45:10spricht er immer wieder nur von
- 1:45:11Kürzungen.
- 1:45:12Meine Damen und Herren, Souveränität
- 1:45:14gibt es nicht zum Nulltarif. Wir dürfen
- 1:45:17Europa nicht kaputtsparen. Wir müssen
- 1:45:19gemeinsam in unsere europäische Zukunft
- 1:45:21investieren, meine Damen und Herren.
- 1:45:24Für uns Grüne ist klar, der Europäische
- 1:45:26Wettbewerbsfähigkeitsfonds muss das
- 1:45:28Rückgrat des neuen MFR werden für
- 1:45:30Forschung, für Innovation und Industrie
- 1:45:33in Europa. Denn wir haben ein
- 1:45:35grundlegendes Problem. Europa forscht
- 1:45:37und erfindet und anderswo auf der Welt
- 1:45:40werden dann die Früchte geerntet.
- 1:45:42Zu oft werden aus großartigen
- 1:45:43europäischen Ideen Unternehmen in den
- 1:45:45USA oder in China.
- 1:45:46Das müssen wir ändern. Batterien, Chips,
- 1:45:50klimafreundlicher Stahl, all das muss
- 1:45:51hier bei uns möglich sein. Europa muss
- 1:45:54in die Skalierung von
- 1:45:55Schlüsseltechnologien investieren. Und
- 1:45:57deshalb gilt, wer die
- 1:45:58Wettbewerbsfähigkeit stärken will, darf
- 1:46:00beim Wettbewerbsfähigkeitsfonds nicht
- 1:46:01sparen, meine Damen und Herren.
- 1:46:04[applaus]
- 1:46:06Aber Europa ist eben nicht nur Hightech.
- 1:46:09Europa ist auch der Dorfladen oder der
- 1:46:10Jugendtreff bei uns in die Ecke. Wir
- 1:46:12kennen all die Beispiele aus unseren
- 1:46:13Wahlkreisen. Mit Leader entscheiden
- 1:46:15Menschen vor Ort seit über 30 Jahren
- 1:46:17selbst, welche Projekte ihre Region
- 1:46:19voranbringen. Das ist Europa zum
- 1:46:21Anfassen und das ist unglaublich wichtig
- 1:46:23für unsere ländlichen Regionen. Der neue
- 1:46:25Haushalt soll, ja, Programme bündeln, er
- 1:46:28soll Bürokratie abbauen, das ist
- 1:46:29richtig, aber dafür dürfen unsere
- 1:46:31Regionen, unsere ländlichen Regionen
- 1:46:33nicht unter die Räder kommen.
- 1:46:35Deshalb fordern wir, dass Leader fest im
- 1:46:37neuen EU-Haushalt verankert wird mit
- 1:46:38genug Geld und offen für die gesamte
- 1:46:40ländliche Entwicklung, liebe Kolleginnen
- 1:46:42und Kollegen.
- 1:46:44Die AfD legt heute eine Wunschliste ohne
- 1:46:46Preisschild vor, währenddessen will die
- 1:46:48Bundesregierung am Fundament des MFR
- 1:46:50sparen.
- 1:46:51Beides macht Europa nicht stärker, liebe
- 1:46:54Kolleginnen und Kollegen, sondern im
- 1:46:55Gegenteil.
- 1:46:56Wer Europa stark machen will, muss
- 1:46:57investieren in unsere
- 1:46:59Wettbewerbsfähigkeit, in unsere
- 1:47:01Souveränität und in den Zusammenhalt
- 1:47:04unserer Region. Herzlichen Dank.
- 1:47:08[applaus]
- 1:47:14Für die SPD-Fraktion hat nun Herr
- 1:47:16Abgeordneter Markus Trens das Wort.
- 1:47:18Bitte.
- 1:47:19[applaus]
- 1:47:29Verehrte Frau Präsidentin, liebe
- 1:47:30Kolleginnen und Kollegen,
- 1:47:32es war ja bei dem Thema und der
- 1:47:33Einbringung der Anträge schon zu
- 1:47:35befürchten, dass wir hier ähm
- 1:47:38von Seiten der AfD eine gewisses
- 1:47:41Bullshit-Bingo erleben, falsche
- 1:47:43Einordnung, keine Kenntnis übrigens der
- 1:47:46Verträge, keine Kenntnis der
- 1:47:47Haushaltsklarheit
- 1:47:49im europäischen Zusammenhang, kein
- 1:47:51Wissen darüber, was die deutsche Politik
- 1:47:54tut, was die Bundesregierung tut in
- 1:47:56diesem Zusammenhang und wie hier
- 1:47:57verhandelt wird. Das ist schon
- 1:47:58eigentlich erstaunlich. Ihr Antrag
- 1:48:00widerspricht sich übrigens auch, der
- 1:48:02Kollege Loske und Kollege Kurban haben
- 1:48:04das auch schon eben gesagt. Ich will das
- 1:48:06noch mal deutlich machen an einigen
- 1:48:08Stellen. Es ist schon so, dass Sie
- 1:48:10faktenfrei hier argumentieren. Ich habe
- 1:48:12Ihnen mal was mitgebracht. Ich darf das
- 1:48:13hoffentlich mal zeigen.
- 1:48:15Okay.
- 1:48:15Nein, nein, so nett es ist, aber wir
- 1:48:17sind das Parlament des Wortes und das
- 1:48:20kriegen Sie auch so hin.
- 1:48:21nur eine Buchempfehlung, Frau
- 1:48:22Präsidentin. Entschuldigen Sie.
- 1:48:23ganz tolle Bücher, aber gerne.
- 1:48:26Gut.
- 1:48:26So.
- 1:48:27Gut, aber vielleicht darf ich trotzdem
- 1:48:29verweisen auf den Vertrag von Lissabon.
- 1:48:31Das ist nämlich eigentlich nicht nur das
- 1:48:34Grundgesetz ist für uns wichtig und das
- 1:48:35ist die Maßgabe des Handelns und
- 1:48:37Arbeitens hier, sondern auch der Vertrag
- 1:48:40von Lissabon. Das ist sozusagen das
- 1:48:42Grundgesetz der Europäischen Union,
- 1:48:43dieser Souveränität und das sollten Sie
- 1:48:46mal lesen. Würde Ihnen helfen. Übrigens
- 1:48:48kommen wir dann zu einem Punkt, wo Sie
- 1:48:49dann sagen, Sie wollen zur EWG zurück.
- 1:48:52Also ich kann habe stelle mir schon ein
- 1:48:53bisschen die Frage an der Stelle, Herr
- 1:48:55Böhringer, EWG, dann sind wir 50 Jahre
- 1:48:58zurück. Fallen wir in die 70er Jahre und
- 1:49:00holen wir dann auch Hans Joachim
- 1:49:01Kulenkampff wieder aus dem Keller oder
- 1:49:03wie wie stellen Sie sich das eigentlich
- 1:49:04vor? Es ist doch vollkommen faktenfrei,
- 1:49:07Herr Böhringer. Ich will Ihnen das mal
- 1:49:08noch mal sagen. Die konkreten Zahlen für
- 1:49:1024, nur damit Sie die mal hören,
- 1:49:13Nettozahler Deutschland, 27 Milliarden
- 1:49:16haben wir nach Europa überwiesen, 24.
- 1:49:19Und 14 Milliarden sind zurück direkt
- 1:49:22zurückgeflossen. 13 Milliarden sind also
- 1:49:25wirklich die Summe der Nettozahler. Das
- 1:49:27macht 156
- 1:49:29Milliarden aus.
- 1:49:32Und jetzt sagen Sie, damit sind wir
- 1:49:33überfordert?
- 1:49:34Nein, eben nicht, weil viel Gutes
- 1:49:36passiert.
- 1:49:38Der EU Binnenhandel ist eine Goldgrube.
- 1:49:40Bilanz EU Binnenhandel 24 + 157
- 1:49:45Milliarden.
- 1:49:46Also ich meine, ich weiß nicht, ob Sie
- 1:49:48nicht rechnen können, aber irgendwie
- 1:49:49scheint ja bei Ihnen das nicht so
- 1:49:51richtig zu funktionieren.
- 1:49:52Herr Abgeordneter, lassen Sie eine
- 1:49:53Zwischenfrage aus den Reihen der AfD zu.
- 1:49:55Ja.
- 1:49:56Herr Böhringer, bitte.
- 1:50:01Danke, Herr Kollege, dass Sie die
- 1:50:02Zwischenfrage zulassen. Ja, ich würde,
- 1:50:04weil es ja nicht anders möglich ist
- 1:50:05wegen der Indemnität, muss man ja die
- 1:50:07Fakten gleich richtig stellen. 27
- 1:50:09Milliarden ist immer die Zahl, die
- 1:50:10tradiert wird. Das würde irgendwie
- 1:50:12zurückfließen Netto an uns. Also erstens
- 1:50:14wir
- 1:50:15und das habe ich auch in meiner Rede
- 1:50:16gesagt, es steht auch im Antrag, würden
- 1:50:18einige der Dinge nicht streichen,
- 1:50:19sondern national auszahlen. Also
- 1:50:21insofern sind auch Einwürfe, die eben
- 1:50:23schon gefallen sind, falsch. Aber ich
- 1:50:24würde jetzt nur gern die Fakten noch die
- 1:50:26die Zahlen korrigieren.
- 1:50:27Die offiziellen Zahlen der
- 1:50:29Bundesregierung, das können Sie
- 1:50:30nachlesen, zum laufenden MFR 2021 bis
- 1:50:332025, die 26er Zahlen haben wir noch
- 1:50:35nicht, bewegen sich zwischen
- 1:50:3830,6 und 36,9 Milliarden und das sind
- 1:50:43die Mehrwertsteuer und die Zolleinnahmen
- 1:50:44mit drin und das sollten Sie schon mit
- 1:50:45einrechnen, Herr Thönnes, äh sonst ist
- 1:50:47es nicht redlich. Das ist die
- 1:50:49Brutto-Rechnung und äh es ist auch die
- 1:50:50Brutto-Rechnung ist relevant, weil alles
- 1:50:52andere ist die Verfügungsmasse, die wir
- 1:50:54unter Umständen auch national verbreiten
- 1:50:56können. Das wollte ich dann nur noch äh
- 1:50:58bitten zur Kenntnis zu nehmen. Vielen
- 1:50:59Dank.
- 1:51:01[applaus]
- 1:51:01Also,
- 1:51:03vielleicht fangen wir doch noch mal mit
- 1:51:04dem Fakten an, Herr Büringer. Also,
- 1:51:08der Haushalt der Europäischen Union in
- 1:51:10dieser Phase der sieben Jahre, der bis
- 1:51:13Ende nächsten Jahres gilt, umfasst ca.
- 1:51:161,2 Billionen.
- 1:51:19Das sind
- 1:51:20173
- 1:51:22Millionen 173 Milliarden pro Jahr.
- 1:51:26Mal zum Vergleich, damit wir mal
- 1:51:28Größenordnung einschätzen. Ich will
- 1:51:30komme noch drauf zurück, nur damit Sie
- 1:51:32es wissen, das ist der anderthalbfache
- 1:51:35Haushalt des Landes Nordrhein-Westfalen
- 1:51:37mit 18 Millionen Einwohnern, so groß wie
- 1:51:39die Niederlande. Wir geben der
- 1:51:41Europäischen Union immer mehr Aufgaben
- 1:51:43auf, die sie erfüllen soll und sagen,
- 1:51:46das soll sie dann auch noch mit weniger
- 1:51:48Geld machen. Das ist schlecht
- 1:51:50und die Rückzahlung, die wir bekommen,
- 1:51:53sind de facto diese 14 Milliarden. Die
- 1:51:56können Sie auch nicht wegdiskutieren.
- 1:51:57Übrigens über Zolleinnahmen ehe Sie hier
- 1:51:59Nebelkerzen verbreiten.
- 1:52:01Das ist seit vielen Jahrzehnten ein
- 1:52:03gängiges Mittel, dass die Länder, die
- 1:52:06Zolleinnahmen erzielen, diese sich
- 1:52:08teilen mit der Europäischen Union.
- 1:52:11Das ist eine Einnahmequelle auch auf
- 1:52:13deutscher Seite, da, wo wir Häfen haben
- 1:52:15und Flughäfen und das wissen Sie auch.
- 1:52:18Also machen Sie doch keine Nebelkerzen
- 1:52:20und dann will ich Ihnen noch was sagen.
- 1:52:21Sie machen das Szenario auf, es gäbe
- 1:52:23keine EU und es geht konservativ ähm
- 1:52:28von 4 % Zöllen und weiteren 3 %
- 1:52:31Bürokratiekosten aus, haben wir mehr
- 1:52:34Kosten für Staat und Verbraucher über
- 1:52:35100 Milliarden pro Jahr, mehr als die
- 1:52:37deutsche Nettozahlung aus acht Jahren
- 1:52:39zusammen. Das sind irgendwie
- 1:52:40zusammengeschriebene Zahlen, die Sie
- 1:52:42nicht wirklich belegen können. Und ich
- 1:52:44will Ihnen das noch mal sagen. Sind Sie
- 1:52:46behaupten ja auch, wenn Sie sagen, mit
- 1:52:47den Fördermitteln, da passiert nicht.
- 1:52:49Sie sind der Anwalt des Ostens,
- 1:52:50behaupten Sie immer, für die Ostländer.
- 1:52:52Dann sage ich Ihnen das mal.
- 1:52:54In Sachsen 3,2 Milliarden für die
- 1:52:56bessere Versorgung Krebskrankheit Kinder
- 1:52:58kommt aus dem EU-Haushalt. In
- 1:53:00Mecklenburg-Vorpommern 1,2 Milliarden
- 1:53:02unter anderem für Kitas und Dorfläden
- 1:53:05in strukturschwachen Regionen. In
- 1:53:06Sachsen-Anhalt knapp 3 Milliarden
- 1:53:09unter anderem für Radwege, für
- 1:53:10Schulkinder und Krebsforschung. In
- 1:53:12Thüringen 1,5 Milliarden für den
- 1:53:14Hochwasserschutz und in Brandenburg 3,1
- 1:53:16Milliarden für Familientherapien. Das
- 1:53:19sind alles Gelder, die in den Osten
- 1:53:21führen. Und da sind Sie der Anwalt.
- 1:53:23Scheinbar sind die Ostländer nicht in
- 1:53:25ihrem Interesse. Zumindest ist das
- 1:53:27deutlich zu spüren an dieser Stelle.
- 1:53:30[applaus]
- 1:53:31Und
- 1:53:34an einem Punkt, da wird es dann wirklich
- 1:53:37vollkommen verrückt, weil Sie haben ja
- 1:53:38einmal einen Antrag nach Artikel 23 3
- 1:53:43Grundgesetz gestellt. Hier geht es
- 1:53:44darum, dass der Deutsche Bundestag, der
- 1:53:46übrigens für die Zuhörer hier auch weit
- 1:53:50reichende Rechte hat im der Befassung
- 1:53:53mit europäischen Themen.
- 1:53:54Kaum ein Parlament hat so viel
- 1:53:56Informationsmöglichkeiten
- 1:53:57und kann sich beteiligen. Ich halte von
- 1:53:59dem Artikel 23 3 übrigens sehr viel und
- 1:54:01der Bundestag könnte den auch häufiger
- 1:54:03einsetzen. Aber bitteschön, was tun wir
- 1:54:06damit? Wir geben der Bundesregierung
- 1:54:07einen deutlichen Hinweis, was der
- 1:54:09Bundestag inhaltlich denkt. Aber das,
- 1:54:12was Sie aufgeschrieben haben, das ist
- 1:54:14nicht das, was der Bundestag denkt. Ich
- 1:54:15will Ihnen Sie widersprechen sich
- 1:54:17übrigens mit Ihrem Antrag dazu. Ich will
- 1:54:19das noch mal sagen, weil Sie sagen ja,
- 1:54:21die Kohäsionsmittel in
- 1:54:23neuen Haushalt der Europäischen Union
- 1:54:25sollen frei sein von CO2-Auflagen.
- 1:54:28Green-Deal-Auflagen sollen geschreddert
- 1:54:30werden, Gleichstellungsauflagen sollen
- 1:54:32geschreddert werden, Migrationsauflagen
- 1:54:34sollen geschreddert werden, sachfremde
- 1:54:36Konditionalitäten, insbesondere
- 1:54:38Multilevel-Governance-Prinzip
- 1:54:40nach Artikel 6 und Konditionalitäten
- 1:54:42nach Artikel 8 und 9 des
- 1:54:44Verordnungsvorschlages für die
- 1:54:45nationalen
- 1:54:46Wissen Sie, was Sie eigentlich wollen?
- 1:54:48Sie wollen es ja vollkommen wertefrei
- 1:54:50haben. Sie wollen gar nicht, dass man
- 1:54:53Ländern, die einen Rückschritt machen,
- 1:54:55wie Ungarn, die unter Orbán einen
- 1:54:58erheblichen Rückschritt in der
- 1:54:59Demokratie gemacht hat, sie wollen ja
- 1:55:02nicht, dass man denen auf die Finger
- 1:55:03haut, weil das ihre Freunde sind. Sie
- 1:55:05würden ja am liebsten ähnliche Politik
- 1:55:07machen. Und das, kann ich Ihnen sagen,
- 1:55:10werden wir hier nicht zulassen. Das wird
- 1:55:12dieses Haus niemals zulassen, dass Sie
- 1:55:14dazu kommen.
- 1:55:15Und
- 1:55:17[applaus]
- 1:55:20aber lassen Sie uns doch mal über den
- 1:55:22MFR, den neuen Vorschlag reden. Die
- 1:55:25Kommission hat eine neue Struktur
- 1:55:27vorgeschlagen. Sie hat diese Struktur so
- 1:55:29gestellt, dass die Kohäsionsmittel alle
- 1:55:31in eine erste Säule kommen, also nichts
- 1:55:34mehr separat, sondern es muss verhandelt
- 1:55:36werden miteinander. Und sie hat daneben
- 1:55:38etwas gestellt, was wirklich gut ist,
- 1:55:40nämlich einen Wettbewerbsfonds. Und
- 1:55:42alle, die sich damit beschäftigen in
- 1:55:44Forschung und Wissenschaft, sagen,
- 1:55:47gerade die Bundesrepublik Deutschland
- 1:55:49wird aus diesem Wettbewerbsfonds
- 1:55:51besonders stark profitieren. Warum ist
- 1:55:53das so? Weil wir starke Regionen haben,
- 1:55:56weil wir starken Mittelstand und
- 1:55:58Unternehmen haben und weil wir eben
- 1:56:00Exzellenzen an den Universitäten haben.
- 1:56:02Da soll über Zusammenarbeit Zukunft
- 1:56:05generiert werden, Zukunftsarbeitsplätze
- 1:56:07in Europa und Deutschland. Deshalb ist
- 1:56:09dieser Wettbewerbsfonds von ganz
- 1:56:11entscheidender Bedeutung. Und dass Sie
- 1:56:13dann das kritisieren, dafür habe ich nur
- 1:56:15wirklich überhaupt kein Verständnis.
- 1:56:18Und ich will Ihnen das auch sagen, weil
- 1:56:19Sie sagen, die Bundesregierung reagiert
- 1:56:21nicht.
- 1:56:22Ich habe aus der Bundesregierung in den
- 1:56:24letzten Monaten, in dem letzten Jahr,
- 1:56:26seit dem Vorschlag der Kommission immer
- 1:56:28wieder gehört, was wir leisten können
- 1:56:31und was nicht. Ich weiß, Joschka hat das
- 1:56:33gerade kritisiert, dass das zu wenig
- 1:56:35ist, aber wir müssen schon auch auf den
- 1:56:37eigenen Haushalt hierbei gucken. Das tun
- 1:56:39wir auch verantwortungsvoll. Wir wollen
- 1:56:41mehr Europa, wir wollen ein ein
- 1:56:42souveränes Europa, aber wir können auch
- 1:56:45nicht endlos ausgeben. Deshalb komme ich
- 1:56:47zu einem Punkt, der aus meiner Sicht
- 1:56:49extrem wichtig ist, nämlich richtige
- 1:56:51Eigenmittel. Wir müssen über Eigenmittel
- 1:56:54reden und das wird die Bundesregierung
- 1:56:55auch. Wir werden über originäre
- 1:56:57Eigenmittel Das tut manchmal weh.
- 1:56:59Übrigens ist das nicht der Verlust der
- 1:57:01Souveränität,
- 1:57:03sondern wir haben europäische
- 1:57:04Souveränität und wir überlagern wir
- 1:57:07geben einen Chance, übrigens nationale
- 1:57:10Haushalte dabei zu entlasten. Ich könnte
- 1:57:12mir sehr gut vorstellen, dass wir
- 1:57:13beispielsweise
- 1:57:15den äh eine Digitalabgabe oder eine
- 1:57:18Digitalsteuer einführen. Warum nicht?
- 1:57:20Warum nicht die zu zur Kasse zu bitten,
- 1:57:23die sich nicht um diese Europäische
- 1:57:25Union kümmern und nicht um die Menschen
- 1:57:28in dieser Europäischen Union. Herzlichen
- 1:57:29Dank. Glück auf.
- 1:57:31[applaus]
- 1:57:35Für die Fraktion Die Linke hat Frau
- 1:57:37Abgeordnete Janina Boettge das Wort.
- 1:57:40Bitte.
- 1:57:42[applaus]
- 1:57:48Frau Präsidentin, sehr geehrte
- 1:57:50Kolleginnen und Kollegen, dass die AfD
- 1:57:52sich hier in Debatten äh gerne mal
- 1:57:54widerspricht in den eigenen äh sozusagen
- 1:57:56in den eigenen ähm Debatten, das ist nun
- 1:57:59keine Neuigkeit. Dass sie aber zwei
- 1:58:01grundsätzlich widersprüchliche Anträge
- 1:58:03hier vorstellt, das ist schon ein
- 1:58:04besonderes Kunstwerk.
- 1:58:07Denn der eine fordert weniger Geld für
- 1:58:08die EU oder gar keine Mittel für den
- 1:58:10Europäischen Sozialfonds und der andere
- 1:58:12fordert den Erhalt der Kohäsionspolitik.
- 1:58:15Moment mal, gehört der Europäische
- 1:58:17Sozialfonds nicht zur Kohäsionspolitik?
- 1:58:20Stimmt, da war ja was.
- 1:58:22Und dann ist er auch noch sachlich
- 1:58:23falsch, denn die Kompetenz für die
- 1:58:25Planung lag bisher nicht bei den
- 1:58:27Kommunen, sondern bei den Ländern. Aber
- 1:58:29was interessiert die AfD? Schon Fakten.
- 1:58:32Aber kommen wir zum EU-Haushalt an sich.
- 1:58:35Für eine Sekunde glaubten wir, die
- 1:58:37Zeiten sind vorbei, in denen
- 1:58:38Privatisierung und Kürzungen als
- 1:58:40Allheilmittel galten.
- 1:58:42Und heute
- 1:58:43wieder werden öffentliche Kassen
- 1:58:44angegriffen, nicht nur von rechtsaußen.
- 1:58:47Nein, diesen Punkt muss man äh muss man
- 1:58:49nicht der AfD überlassen, das macht die
- 1:58:51Bundesregierung schon selbst.
- 1:58:54Nicht nur mein Büro haben hunderte
- 1:58:55Zuschriften zum Kahlschlag im
- 1:58:56Gesundheitswesen erreicht. Jetzt wächst
- 1:58:59die Angst vor der Pflegereform. Das sind
- 1:59:01keine abstrakten Haushaltsfragen, denn
- 1:59:03es geht um die Sicherheit der Menschen
- 1:59:05im Alltag.
- 1:59:06Und um einen Angriff auf soziale
- 1:59:08Sicherungssysteme, wie wir ihn seit der
- 1:59:09Hartz IV Reform nicht mehr erlebt haben.
- 1:59:12Und dann kommt jetzt die zweite
- 1:59:14Kettensäge dazu, nämlich mit dem
- 1:59:15europäischen Haushalt.
- 1:59:17Der neue Haushalt ist keine
- 1:59:19Ausgabenexplosion. Er ist vielmehr ein
- 1:59:22tiefgreifender Strukturbruch bei der
- 1:59:23Förderung des sozialen und regionalen
- 1:59:26Zusammen äh halts.
- 1:59:28Aber schauen wir genauer hin.
- 1:59:29Die Kommission will zahlreiche
- 1:59:31Förderprogramme in großen nationalen
- 1:59:33Gesamtplänen bündeln.
- 1:59:35Das klingt nach Vereinfachung,
- 1:59:37tatsächlich drohen Kürzungen.
- 1:59:39Soziales, regionale Entwicklung,
- 1:59:42Landwirtschaft geraten in einen
- 1:59:43Verteilungskampf und am Ende ist klar,
- 1:59:46wer den kürzeren zieht.
- 1:59:47Nicht die Agrarlobby, nicht die großen
- 1:59:49Unternehmen, sondern die Beratungsstelle
- 1:59:51für Wohnungslose, das Projekt zur
- 1:59:53Integration von Geflüchteten und die
- 1:59:55Schulsozialarbeit, wie bei mir in
- 1:59:56Sachsen Anhalt.
- 1:59:58Die Wohlfahrtsverbände warnen vor
- 2:00:00erheblichen Kürzungen, die
- 2:00:01Gewerkschaften warnen, die Kommunen und
- 2:00:04die Bundesländer warnen. Und sie haben
- 2:00:06Recht.
- 2:00:07Das sind doch keine ideologischen
- 2:00:08Einwände, das sind Warnungen aus der
- 2:00:10Praxis. Sie kommen von Menschen, die
- 2:00:12wissen, was vor Ort gebraucht wird und
- 2:00:14die sehen, was auf dem Spiel steht.
- 2:00:16Denen müssen wir zuhören, nicht den
- 2:00:18Schreihälsen hier am rechten Rand.
- 2:00:21[applaus]
- 2:00:24Denn sozialer Zusammenhalt darf nicht
- 2:00:26gegen wirtschaftliche Interessen
- 2:00:27ausgespielt werden. Europa muss für alle
- 2:00:29da sein, nicht für die mit der stärksten
- 2:00:32Lobby.
- 2:00:34Schon jetzt wird vor erheblichen
- 2:00:35Einschnitten bei den sozialen und
- 2:00:37Fördermitteln gewarnt. In dem Stadtstaat
- 2:00:39Hamburg stehen alleine Kürzungen von bis
- 2:00:41zu 45 % im Raum. Und das ist kein
- 2:00:44Einzelfall, sondern ein Vorgeschmack auf
- 2:00:46das, was drohen kann. Besonders
- 2:00:48gefährdet sind Wohnungslose,
- 2:00:50Langzeitarbeitslose, Menschen mit
- 2:00:52Behinderung und eben auch Schülerinnen
- 2:00:55und Schüler, also Menschen, die ohnehin
- 2:00:57keine Lobby haben. Was für ein Skandal.
- 2:01:01[applaus]
- 2:01:03Und es geht nicht nur um das Geld, es
- 2:01:05geht um Einfluss und Mitsprache. Eine
- 2:01:07neue nationale Steuerungsebene wird
- 2:01:09eingebaut, also nicht weniger
- 2:01:11Bürokratie, sondern eine neue
- 2:01:13Verwaltungsebene in Berlin.
- 2:01:15Und wenn aber Bund und Kommission
- 2:01:17zentral nachsteuern, verlieren Länder,
- 2:01:19ich sagte bereits, bisher waren die
- 2:01:20Länder zuständig für die Planung und
- 2:01:22Kommuneneinfluss.
- 2:01:23Infolge droht eine Politik der Starken
- 2:01:25und der Leuchttürme. Wer schon viel hat,
- 2:01:28bekommt noch mehr. Exzellenz und
- 2:01:31Forschung und große Investitionen
- 2:01:32dorthin, wo ohnehin starke Unternehmen
- 2:01:34und Hochschulen sitzen und weniger
- 2:01:36Unterstützung dort, wo der
- 2:01:37Strukturwandel besonders viel
- 2:01:39abverlangt.
- 2:01:41Das trifft Ostdeutschland und
- 2:01:42strukturschwache Regionen besonders,
- 2:01:45auch mein Heimatland Sachsen-Anhalt.
- 2:01:47Und wer gleichwertig Lebensverhältnisse
- 2:01:49verspricht und ich ich erinnere, dass
- 2:01:51dieses Versprechen im Grundgesetz steht,
- 2:01:54darf nicht gleichzeitig die
- 2:01:55Förderstrukturen schwächen, auf die
- 2:01:56unsere Regionen angewiesen sind.
- 2:01:59Wir haben einen Bundeskanzler, der sich
- 2:02:02gern als Außenkanzler versteht, aber
- 2:02:04europäische Verantwortung erschöpft sich
- 2:02:06nicht in Gipfeln, Aufrüstung und
- 2:02:08geopolitischen Erklärungen. Sie zeigt
- 2:02:10sich darin, ob Menschen ein Dach über
- 2:02:11dem Kopf haben, ob Kinder gute Bildung
- 2:02:14bekommen, ob Beschäftigte den Wandel der
- 2:02:16Arbeitswelt bewältigen können. Und
- 2:02:19Europa geht gerade dafür auch auf die
- 2:02:21Straße, zurecht.
- 2:02:24[applaus]
- 2:02:28Und die AFD, sie entdeckt regelmäßig
- 2:02:30ihre Liebe zum Steuerzahler, sobald es
- 2:02:33gegen geht.
- 2:02:34Doch das ist durchschaubar, denn ein
- 2:02:36kaputt gesparter Staat spielt am Ende
- 2:02:38den Rechtsextremen die Hände. Die
- 2:02:40entscheidende Frage lautet nicht, äh ob
- 2:02:43Europa zu viel Geld ausgibt, sondern
- 2:02:44wofür und wem es zugute kommt.
- 2:02:47Denn die Ideologie vom schlanken Staat
- 2:02:49trifft eben nicht alle gleich. Sie
- 2:02:51trifft zuerst die Menschen mit wenig
- 2:02:53Geld, mit wenig Einfluss und kaum
- 2:02:55Möglichkeiten sich privat abzusichern.
- 2:02:58Sie verstärkt europaweit ein Klima der
- 2:02:59Angst und der sozialen Unsicherheit.
- 2:03:02Deshalb brauchen wir einen
- 2:03:03eigenständigen, verlässlich finanzierten
- 2:03:05Sozialfonds, verbindliche regionale
- 2:03:07Beteiligung und klare soziale
- 2:03:09Zweckbindung im europäischen
- 2:03:10Haushaltsrahmen.
- 2:03:11Öffentliche Gelder müssen den Menschen
- 2:03:13dienen und sie müssen Zusammenhalt
- 2:03:14schaffen und Zukunft ermöglichen.
- 2:03:16Deshalb braucht Europa eine andere
- 2:03:18Richtung.
- 2:03:19lassen Sie Das war jetzt kurz, Sie sind
- 2:03:21fertig.
- 2:03:22[applaus]
- 2:03:25War Nein, absolut richtig. Sie haben gar
- 2:03:27nichts falsch gemacht. Es war die
- 2:03:29Möglichkeit oder der Versuch noch eine
- 2:03:31Zwischenfrage zu stellen, aber die Rede
- 2:03:32war zu Ende und damit auch ihre
- 2:03:34Möglichkeit.
- 2:03:35Wir machen weiter mit der
- 2:03:37CDU/CSU-Fraktion
- 2:03:38und der Abgeordnete Herr Georg Günther
- 2:03:41hat das Wort. Bitte.
- 2:03:43[applaus]
- 2:03:48Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine
- 2:03:50sehr geehrten Damen und Herren, wenn man
- 2:03:51die beiden Anträge der AfD heute so
- 2:03:54liest, stellt sich eine grundsätzliche
- 2:03:56Frage, wie europäisch ist diese Partei
- 2:03:58eigentlich? Eine überzeugende Antwort
- 2:04:00habe ich in diesen beiden Anträgen nicht
- 2:04:03gefunden. Sie fordern pauschale
- 2:04:05Kürzungen, wollen zahlreiche
- 2:04:07Förderprogramme streichen und stellen
- 2:04:09damit die wesentlichen Bereiche der
- 2:04:12europäischen Zusammenarbeit in Frage.
- 2:04:14Dabei entsteht der Eindruck, dass sie
- 2:04:16die aktuelle Verhandlungslage gar nicht
- 2:04:19zur Kenntnis nehmen, denn Deutschland
- 2:04:21setzt sich bereits für einen
- 2:04:23verantwortungsvollen und finanzierbaren
- 2:04:25europäischen Haushalt ein.
- 2:04:27Gemeinsam mit fünf weiteren
- 2:04:29Nettozahlerstaaten hat Deutschland
- 2:04:31deutlich gemacht, dass der ursprüngliche
- 2:04:33Kommissionsvorschlag erheblich reduziert
- 2:04:36werden muss.
- 2:04:37Die irische Ratspräsidentschaft hat
- 2:04:39inzwischen nachgeschärft und eine
- 2:04:40Verhandlungsbox mit deutlichen
- 2:04:43Einsparungen vorgelegt und Bundeskanzler
- 2:04:45Friedrich Merz hat auch klargestellt,
- 2:04:47dieser Vorschlag reicht nicht aus und
- 2:04:50Ende November kommen die Staats- und
- 2:04:52Regierungschefs
- 2:04:53zu einem Sondergipfel zusammen. Wir
- 2:04:56verhandeln, wir setzen Prioritäten und
- 2:05:00wir übernehmen Verantwortung.
- 2:05:02Sie dagegen wollen ganze Bereiche
- 2:05:05pauschal aus dem europäischen Haushalt
- 2:05:07streichen und da fangen wir mal an. Sie
- 2:05:08wollen keine europäischen Mittelmeer für
- 2:05:11die gemeinsame Asyl- und
- 2:05:12Migrationspolitik. Meine Damen und
- 2:05:14Herren von der AfD, das müssen Sie den
- 2:05:15Menschen einmal erklären. Wir arbeiten
- 2:05:18daran, mit dem gemeinsamen europäischen
- 2:05:19Asylsystem die Außengrenzen besser zu
- 2:05:22schützen, Verfahren zu ordnen und
- 2:05:24Migration wirksamer zu steuern und in
- 2:05:27ihrer eigenen Begründung nennen Sie den
- 2:05:29Schutz der Außengrenzen eine echte
- 2:05:31europäische Aufgabe.
- 2:05:33Sie wollen außerdem die europäische
- 2:05:35Verteidigungsförderung streichen und in
- 2:05:37einer Zeit,
- 2:05:38in der sich unsere Sicherheitslage
- 2:05:40massiv verändert, müssen wir doch gerade
- 2:05:42unsere Verteidigungsfähigkeit stärken
- 2:05:44und enger europäisch zusammenarbeiten.
- 2:05:48[applaus]
- 2:05:49Wie wollen Sie Europa wirtschaftlich
- 2:05:52stärken,
- 2:05:53wenn Sie gleichzeitig die Instrumente
- 2:05:55für Forschung, Innovation und
- 2:05:57Investitionen abschaffen wollen?
- 2:05:59Horizont Europa fördert Forschung und
- 2:06:01technologische Entwicklung. InvestEU
- 2:06:02unterstützt Investitionen in Unternehmen
- 2:06:05und Infrastruktur und schließlich, ja,
- 2:06:08diesen Widerspruch, der wurde schon
- 2:06:09beleuchtet heute,
- 2:06:12sie wollen die Kohäsionsförderung
- 2:06:13streichen und ich komme aus
- 2:06:16Mecklenburg-Vorpommern. In der laufenden
- 2:06:17Förderperiode erhielt unser Bundesland
- 2:06:20fast 1,3 Milliarden Euro aus EFRE und
- 2:06:23ESF Plus.
- 2:06:25Hinzu kommen 653 Millionen Euro aus dem
- 2:06:27Europäischen Landwirtschaftsfonds für
- 2:06:29die Entwicklung des ländlichen
- 2:06:31Raumes und das sind keine abstrakten
- 2:06:33Zahlen. Das bedeutet Investitionen in
- 2:06:36Unternehmen, Bildung, Beschäftigung,
- 2:06:38Infrastruktur und die Entwicklung
- 2:06:40unserer ländlichen Räume. Nehmen wir
- 2:06:41beispielsweise das Leader-Programm. Hier
- 2:06:43entscheiden Menschen vor Ort, welche
- 2:06:45Projekte ihre Region voranbringen.
- 2:06:47Kommunen, Vereine, Unternehmen und
- 2:06:50engagierte Bürgerinnen und Bürger
- 2:06:51entwickeln gemeinsam Ideen und wer diese
- 2:06:53Förderstrukturen streichen will,
- 2:06:56der muss den Menschen vor Ort auch
- 2:06:57erklären, wer zukünftig diese Projekte
- 2:06:59finanziert, die Bundesländer, die
- 2:07:01Kommunen.
- 2:07:03Sie berufen sich in ihrer Begründung auf
- 2:07:04das Subsidiaritätsprinzip,
- 2:07:06aber das ist doch gelebte Subsidiarität,
- 2:07:09meine Damen und Herren.
- 2:07:10Und liebe Kolleginnen und Kollegen,
- 2:07:11natürlich müssen wir über die Höhe des
- 2:07:14europäischen Haushaltes sprechen.
- 2:07:16Deutschland trägt einen erheblichen Teil
- 2:07:18seiner Finanzierung bei und wir haben
- 2:07:20auch eine besondere Verantwortung
- 2:07:22gegenüber unseren Steuerzahlern. Auch
- 2:07:24neue Eigenmittel, wie sie Ratspräsident
- 2:07:26Costa ins Spiel bringt, müssen kritisch
- 2:07:28geprüft werden.
- 2:07:30Sie dürfen nicht zu unverhältnismäßigen
- 2:07:32zusätzlichen Belastung führen und wie
- 2:07:33der Bundeskanzler gesagt hat, neue
- 2:07:35europäische Schulden sind ebenfalls
- 2:07:38keine Lösung. Die Haushaltsrechte der
- 2:07:40Mitgliedstaaten müssen gewahrt bleiben.
- 2:07:43Aber Haushaltsdisziplin bedeutet nicht,
- 2:07:46alles konsequent zu streichen, was
- 2:07:48europäische Zusammenarbeit ermöglicht.
- 2:07:50Es gilt nicht darum, möglichst viel Geld
- 2:07:52auszugeben. Es geht darum, das
- 2:07:55vorhandene Geld dort einzusetzen, wo
- 2:07:57Europa gemeinsam mehr erreichen kann als
- 2:08:00jeder einzelne Mitgliedstaat allein. Und
- 2:08:03liebe Kolleginnen und Kollegen,
- 2:08:05[applaus]
- 2:08:06der AfD, Ihr Antrag enthält eine lange
- 2:08:09Liste oder Ihre Anträge auch
- 2:08:12dessen, was Europa nicht mehr tun soll.
- 2:08:14Aber eine überzeugende Antwort darauf,
- 2:08:16wie Europa stärker, sicherer,
- 2:08:18wettbewerbsfähiger werden soll, die
- 2:08:20bleiben Sie uns heute wirklich schuldig
- 2:08:23und deshalb lehnen wir diese beiden
- 2:08:24Anträge ab. Herzlichen Dank.
- 2:08:26[applaus]
- 2:08:31Für die AfD-Fraktion hat Herr
- 2:08:33Abgeordneter Michael Ferber das Wort.
- 2:08:35Bitte.
- 2:08:37[applaus]
- 2:08:47Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte
- 2:08:49Kolleginnen und Kollegen.
- 2:08:52Stellen Sie sich ein Europa vor mit
- 2:08:54souveränen, starken Nationalstaaten,
- 2:08:57die sich zusammenschließen, um ihren
- 2:09:00gemeinsamen Wohlstand zu mehren,
- 2:09:03um in der Entwicklung von
- 2:09:04Spitzentechnologie im Wettbewerb mit den
- 2:09:06anderen Großmächten die Nummer eins zu
- 2:09:08sein und vor allem mit dem kulturellen
- 2:09:11Anspruch unser christlich
- 2:09:13abendländisches Erbe zu bewahren.
- 2:09:17Für ein solches Europa der Vaterländer
- 2:09:19brauchen wir vor allem drei Dinge. Wir
- 2:09:21brauchen erstens einen starken
- 2:09:23Binnenmarkt, der unseren Unternehmern
- 2:09:26und Arbeitern dient.
- 2:09:28Frei von wirtschaftsfeindlichen Fesseln
- 2:09:31und bürokratischen Regulierungsexzessen.
- 2:09:34Wir brauchen zweitens effektiven
- 2:09:36Außengrenzschutz,
- 2:09:37um die kulturelle Identität unseres
- 2:09:40Kontinents zu garantieren. Und wir
- 2:09:42brauchen drittens Zusammenarbeit in
- 2:09:44denjenigen Bereichen, und zwar nur in
- 2:09:46diesen Bereichen, in welchen der
- 2:09:49Nationalstaat alleine im globalen
- 2:09:51Wettbewerb nicht gewinnen könnte.
- 2:09:55[applaus]
- 2:09:58Genau diese drei Punkte sind die
- 2:10:00maßgebliche Grundlage für ein starkes
- 2:10:04Europa. Und sie werden in der heutigen
- 2:10:07EU geradezu sträflich vernachlässigt,
- 2:10:10denn stattdessen dreht sich alles um
- 2:10:13Klima-Ideologie, um Migrations- und
- 2:10:15Integrationsfonds,
- 2:10:17um die Förderung von Verblödungs-NGOs
- 2:10:21und um schier grenzenlose
- 2:10:23Umverteilung.
- 2:10:25Die heutige EU ist damit zu einem
- 2:10:27sozialistisch-planwirtschaftlichen
- 2:10:29Beamtenbund
- 2:10:30verkommen und wer glaubt, dass diese
- 2:10:33schwächliche, durchbürokratisierte
- 2:10:36Regenbogen-EU das Einzige ist, was
- 2:10:38Europa kann, der kann seine wertvolle
- 2:10:42Wählerstimme ruhig weiterhin an eine der
- 2:10:44Altparteien vergeuden.
- 2:10:47[applaus]
- 2:10:50Wer hingegen bereit für den Aufbruch
- 2:10:53ist, wer überzeugt ist, dass Europa viel
- 2:10:55mehr kann als das, der gibt seine Stimme
- 2:10:58an die einzig wählbare Alternative an
- 2:11:01die AfD und stimmt damit für eine
- 2:11:03Festung Europa, geprägt von Stärke,
- 2:11:06geprägt von kulturellem
- 2:11:08Selbstbewusstsein und wirtschaftlicher
- 2:11:11Effizienz.
- 2:11:13Und damit und damit
- 2:11:16und damit schließe ich mit den Worten
- 2:11:18von Margaret Thatcher, die gesagt hat,
- 2:11:21das Problem am Sozialismus ist, dass
- 2:11:24einem irgendwann das Geld anderer Leute
- 2:11:27ausgeht.
- 2:11:28Und damit, meine Damen und Herren, sage
- 2:11:30ich Ihnen, unsere Steuerzahler haben
- 2:11:32fertig und die neue Volkspartei, die
- 2:11:35AfD, wird dafür sorgen, dass kein
- 2:11:38einziger Cent mehr an diese
- 2:11:40EU-Sozialisten
- 2:11:42zum Umverteilen ausbezahlt wird. Vielen
- 2:11:44Dank.
- 2:11:47[applaus]
- 2:11:52Für die SPD-Fraktion hat nun Herr
- 2:11:54Abgeordneter Dr. Karl Lauterbach das
- 2:11:56Wort. Bitte.
- 2:11:57[applaus]
- 2:12:00Meine sehr verehrteste Frau Präsidentin,
- 2:12:02meine sehr verehrten Damen und Herren,
- 2:12:04zunächst einmal muss man der Debatte
- 2:12:06zugute halten, hier werden die richtigen
- 2:12:08Fragen gestellt. Das ist eine wichtige
- 2:12:09Debatte und diese Fragen kann man also
- 2:12:13äh nicht wegdrängen, die drängen sich
- 2:12:14auf. Ich glaube, dass die AfD die
- 2:12:16falschen Antworten gibt, aber die Frage
- 2:12:18muss auf jeden Fall gestattet sein, ist
- 2:12:20der Finanzrahmen richtig, soll er sich
- 2:12:22weiterentwickeln und wo sollen die
- 2:12:23Schwerpunkte liegen?
- 2:12:25Wenn wir daran festhalten, dass die
- 2:12:27Agrarsubventionen unangetastet bleiben,
- 2:12:29die Kohäsionsmittel auch, dann wird das
- 2:12:31Sparschwein der EU-Mittel die Forschung
- 2:12:35und die Technologie sein und das würde
- 2:12:37uns allen massiv schaden. Ich will das
- 2:12:40mal ausführen.
- 2:12:43Wir haben
- 2:12:44eine Situation, wo wir international
- 2:12:47immer stärker unter Druck geraten. In
- 2:12:49der Biotechnologie, wo Europa in vielen
- 2:12:52Teilen noch
- 2:12:55führend ist, verlieren wir bei den
- 2:12:57Patenten, verlieren wir bei den
- 2:13:00internationalen Publikationen und bei
- 2:13:02der Geschwindigkeit, wo Forschung in
- 2:13:04Produkte geht, die Translation. Wir
- 2:13:07können Grundlagenforschung, wie der
- 2:13:09Nobelpreis von Herrn Hegemann und Herrn
- 2:13:11Nagel gezeigt hat, es gelingt uns aber
- 2:13:14nicht mehr schnell genug, dies in neue
- 2:13:17Entwicklungen zu geben. Woran liegt das?
- 2:13:19Naja, in den Vereinigten Staaten, wenn
- 2:13:21sie dort ein neues Biotechnologieprodukt
- 2:13:23entwickeln, dann haben sie einen
- 2:13:24riesigen Markt, um die Studie
- 2:13:26durchzuführen und das Produkt auf den
- 2:13:28Markt zu bringen. Die einzelnen
- 2:13:30europäischen Länder sind dafür zu klein.
- 2:13:33Das heißt, wenn der europäische Markt
- 2:13:35komplett integriert wäre und wir hätten
- 2:13:37die Forschungsmittel, dann wären die
- 2:13:39Produkte schneller erforschbar und wir
- 2:13:41hätten schneller einen großen Markt.
- 2:13:44Dann würden wir davon massiv
- 2:13:46profitieren. Das würde unsere Patienten
- 2:13:49besser stellen, das würde unsere
- 2:13:50Forschung besser stellen, das würde auch
- 2:13:52in in eine Industrie ausbauen und
- 2:13:55erhalten, die wir sonst verlieren. Dafür
- 2:13:57braucht man aber mehr EU-Mittel und eine
- 2:14:00bessere Nutzung dieser EU-Mittel im
- 2:14:03Rahmen der europäischen Gesetzgebung.
- 2:14:06[applaus]
- 2:14:08Die Situation ist ganz ähnlich in der
- 2:14:10Industrieproduktion. In China werden
- 2:14:12derzeit pro Jahr etwa 5 Millionen
- 2:14:15Naturwissenschaftler und Ingenieure
- 2:14:17ausgebildet. 5 Millionen.
- 2:14:19China gibt insgesamt fast 520 Millionen
- 2:14:23äh Milliarden Euro für Forschung und
- 2:14:26Technologie aus. Das ist fast unser
- 2:14:27gesamter Bundeshaushalt mit äh
- 2:14:30steigender Tendenz. Wenn wir hier
- 2:14:32mithalten wollen, dann können wir es uns
- 2:14:34in Europa nicht länger leisten, dass
- 2:14:37jedes Land das gleiche erforscht mit
- 2:14:39mittelmäßigen Ergebnissen, sondern dann
- 2:14:42müssen wir unsere Forschung integrieren.
- 2:14:44Das wird uns aber nur gelingen, wenn wir
- 2:14:47gemeinsame Forschungsprojekte auch
- 2:14:49EU-weit fördern, aufbauen. Dabei muss
- 2:14:52die Qualität im Vordergrund sein. Das
- 2:14:54darf nicht eine sozusagen Verteilung
- 2:14:57nach Schlüssel sein, sondern
- 2:14:59qualitätsorientiert. Aber wenn wir das
- 2:15:01machen, dann haben wir die Möglichkeit
- 2:15:03tatsächlich
- 2:15:04mit den Mitteln von künstlicher
- 2:15:06Intelligenz, Robotik, in der Technologie
- 2:15:09mitzuhalten, denn China zieht uns sonst
- 2:15:12schlicht und ergreifend davon. Die EU
- 2:15:14ist hier die Lösung und nicht die
- 2:15:16Gefahr. Und wenn wir hier die
- 2:15:18Forschungsmittel jetzt zurückfahren,
- 2:15:21dann werden wir der Aufgabe nicht
- 2:15:23gerecht und gleichen dem Bauer, der vor
- 2:15:26dem bevorstehenden Winter die Saat
- 2:15:29verfüttert. Das können wir uns nicht
- 2:15:31leisten.
- 2:15:33[applaus]
- 2:15:34Die
- 2:15:36Mittel müssen unbürokratischer vergeben
- 2:15:39werden und wir brauchen mehr Mittel auch
- 2:15:41für die Hochrisikoforschung.
- 2:15:43Es macht keinen Sinn, dass überall
- 2:15:46kleine Schritte gefördert werden, die
- 2:15:48Großrisikoforschung aber in den
- 2:15:51Vereinigten Staaten und in China und
- 2:15:52nicht bei uns stattfindet. Das heißt,
- 2:15:54eine andere Vermengung, eine andere
- 2:15:56Verwendung der Mittel, eine
- 2:15:58Entbürokratisierung der Prozesse, das
- 2:16:01ist durchaus strategisch auch notwendig.
- 2:16:04Wir müssen auch tatsächlich uns vor
- 2:16:05Augen führen, die oft gescholtenen
- 2:16:08Entwicklungsmittel, wenn diese
- 2:16:10sinnvoller eingesetzt würden, um hier
- 2:16:12neue Märkte und strategische
- 2:16:14Partnerschaften aufzubauen, dann würden
- 2:16:17wir Effizienz gewinnen und in die
- 2:16:20Zukunft investieren. Wenn wir aber
- 2:16:22hingehen und sagen, die Kürzung der
- 2:16:25Mittel ist der Weg in die Zukunft, dann
- 2:16:28versäumen wir die einmalige Chance, die
- 2:16:31wir jetzt haben in dieser Zeit, wo sich
- 2:16:34so viel verändert, aus dem großen
- 2:16:37Binnenmarkt und aus dieser großen
- 2:16:39möglichen Forschungskooperation Europa
- 2:16:42das herauszuholen, was wir herausholen
- 2:16:45könnten. Daran wird die Zukunft ganzer
- 2:16:47Generationen hängen. Ich danke für die
- 2:16:50Aufmerksamkeit.
- 2:16:51[applaus]
- 2:16:56Für die Fraktion der AfD hat nun Herr
- 2:16:58Abgeordneter Reiner Groß das Wort. Bitte
- 2:17:01sehr.
- 2:17:03Oder nein, Entschuldigung,
- 2:17:04Entschuldigung. Wir sind noch mal Liebe
- 2:17:06Frau Paus, Sie sind noch dran davor,
- 2:17:08gell? Wir [applaus] machen das. Ich bin
- 2:17:10eine Zeile schon weiter gerutscht, aber
- 2:17:12insofern Aufmerksamkeit ist da für
- 2:17:14Bündnis
- 2:17:15für Bündnis 90 Die Grünen hat nun Frau
- 2:17:18Abgeordnete Lisa Paus das Wort und
- 2:17:19danach darf der Kollege sich
- 2:17:21bereithalten, bitte.
- 2:17:30Herzlichen Dank, Frau Präsidentin, meine
- 2:17:31Damen und Herren.
- 2:17:33Der Wahlsieg der Demokraten in den USA,
- 2:17:35er hat gezeigt, Politik die eint statt
- 2:17:38spaltet, die kann Wahlen gewinnen.
- 2:17:41Autokraten lassen sich besiegt.
- 2:17:45Letzte Woche aber in Europa die
- 2:17:48beunruhigende Nachricht, die
- 2:17:50EZB-Präsidentin Christine Lagarde geht
- 2:17:52vorzeitig im Februar statt im Oktober
- 2:17:55nächsten Jahres. Der Grund dafür, sie
- 2:17:57will Schaden vom Euro abwenden, denn im
- 2:18:00April könnte die extreme Rechte um
- 2:18:02Marine Le Pen in Frankreich gewinnen und
- 2:18:04damit die Nachfolge an der EZB-Spitze
- 2:18:07blockieren.
- 2:18:08Ja, Europa steht unter Druck.
- 2:18:11Geopolitisch, wirtschaftlich, beim
- 2:18:13Klima, bei der Sicherheit.
- 2:18:16Die EU-Kommission hat deswegen einen
- 2:18:18Finanzrahmen für die nächsten Jahre
- 2:18:19vorgelegt, der darauf im Grundsatz eben
- 2:18:21auch angemessen antwortet mit
- 2:18:23Strukturreformen, mit weniger
- 2:18:25Bürokratie, mit einer klaren Quote für
- 2:18:28Klima und Biodiversität, mit einem neuen
- 2:18:30europäischen Wettbewerbsfonds.
- 2:18:33[applaus]
- 2:18:35Und was macht der Bundeskanzler?
- 2:18:38Friedrich Merz zahlt mit ganz ganz
- 2:18:40kleiner Münze. Und das ist verheerend,
- 2:18:42meine Damen und Herren, eine ernste
- 2:18:44Bedrohung für Europa hier aus
- 2:18:46Deutschland heraus. Denn so wichtig wie
- 2:18:48eine handlungsfähige europäische
- 2:18:49Zentralbank ist eben natürlich auch eine
- 2:18:52handlungsfähige Europäische Union.
- 2:18:54Aber einigen sich die Mitgliedstaaten
- 2:18:56nicht bis Ende diesen Jahres auf einen
- 2:18:59neuen europäischen Finanzrahmen und
- 2:19:01gewinnt dann Le Pen im April, dann wird
- 2:19:03es wohl für lange Zeit keinen neuen
- 2:19:06EU-Haushalt geben. Europa friert ein,
- 2:19:09Europa wird manövrierunfähig.
- 2:19:12Man sollte meinen, ein deutscher Kanzler
- 2:19:14ringt jetzt erkennbar um Europas
- 2:19:15Zukunft.
- 2:19:17Seine Parteikollegin Ursula von der
- 2:19:18Leyen ist sogar die Präsidentin der
- 2:19:20Europäischen Kommission. Was für
- 2:19:22Möglichkeiten.
- 2:19:24Aber stattdessen
- 2:19:25sein Verhältnis zu ihr und wichtigen
- 2:19:27Partnern abgekühlt.
- 2:19:30Sein Engagement für ein neues Budget
- 2:19:32Fehlanzeige.
- 2:19:33Stattdessen Anfang Oktober nannte der
- 2:19:35Kanzler es die finanziell mit Abstand
- 2:19:37günstigste Lösung für Deutschland, einen
- 2:19:39keinen neuen Finanzrahmen zu haben.
- 2:19:42Mir gäbe nichts
- 2:19:43und ansonsten nichts.
- 2:19:46So fährt man Europa mit Ansage vor die
- 2:19:49Wand, meine Damen und Herren.
- 2:19:53Wenn Merz nicht mehr Geld nach Brüssel
- 2:19:55überweisen müsste, dann könnte er doch
- 2:19:58zumindest Frankreich dabei unterstützen,
- 2:20:00dass es neue Eigenmittel für die
- 2:20:02Europäische Union gibt.
- 2:20:03Zum Beispiel endlich eine europäische
- 2:20:06Digitalsteuer für Konzerne ab 750
- 2:20:08Millionen Euro. Was würde das bringen?
- 2:20:11Die Tech-Oligarchen würden endlich fair
- 2:20:13besteuert. Es würde Einnahmen bringen
- 2:20:15und ihre Marktmacht würde auch begrenzt.
- 2:20:18Genauso gut wäre es, wenn wir eine
- 2:20:19Kryptosteuer europäisch einführen würden
- 2:20:21mit positiven Effekten oder auch die
- 2:20:23Glücksspiel, das Glücksspiel, anderen
- 2:20:25Glücksspiel anders besteuern würden.
- 2:20:27Also, Herr Merz, hören Sie auf zu
- 2:20:30bremsen, übernehmen Sie jetzt
- 2:20:31Verantwortung für Europa.
- 2:20:33Was er allerdings nicht braucht, das
- 2:20:34sind die Anträge der AfD hier heute, ein
- 2:20:36sehr sehr durchsichtiges Manöver, um
- 2:20:39sich an Marine Le Pen wieder
- 2:20:40heranzurobben, aber auch das wird nicht
- 2:20:42funktionieren, meine Damen und Herren.
- 2:20:45[applaus]
- 2:20:46Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich Tobias
- 2:20:49Winkler das Wort erteilen.
- 2:20:52[applaus]
- 2:21:00Sehr geehrter Herr Präsident, geschätzte
- 2:21:02Kolleginnen und Kollegen,
- 2:21:03wir haben bereits deutlich gemacht,
- 2:21:05worauf es uns beim nächsten europäischen
- 2:21:07Finanzrahmen ankommt, auf solide
- 2:21:09Finanzen, klare Prioritäten und eine
- 2:21:11Europäische Union, die einen
- 2:21:12europäischen Mehrwert schafft. Die AFD
- 2:21:15verfolgt mit den beiden heute mit den
- 2:21:17beiden heute diskutierten Anträgen
- 2:21:19andere Ziele.
- 2:21:21Dabei könnte man zunächst meinen, da hat
- 2:21:23jemand die Bedeutung der Subsidiarität
- 2:21:24entdeckt. Da macht sich jemand echte
- 2:21:26Sorgen um unsere Kommunen
- 2:21:28und da fordert jemand einen
- 2:21:30verantwortungsvollen Umgang mit
- 2:21:31Steuergeldern. Schön wär's, alles
- 2:21:33wichtige Anliegen. Aber wenn man
- 2:21:35weiterliest, merkt man sehr schnell,
- 2:21:37hier geht es nicht darum, die
- 2:21:39Europäische Union besser zu machen. Hier
- 2:21:41geht es darum, die Europäische Union
- 2:21:43möglichst klein, möglichst schwach und
- 2:21:45möglichst handlungsunfähig zu machen.
- 2:21:47Und das ist der entscheidende der
- 2:21:49entscheidende Unterschied zwischen ihrer
- 2:21:51Politik und unserer Politik.
- 2:21:53[applaus]
- 2:21:55Wir wollen ein starkes Europa, in dem
- 2:21:58wir unsere Interessen in der Welt Gehör
- 2:22:00verschaffen. Sie wollen ein schwaches
- 2:22:01Europa,
- 2:22:02da sie der Utopie verfallen sind. Der
- 2:22:04Nationalstaat könnte die Probleme des
- 2:22:0621. Jahrhunderts besser alleine lösen.
- 2:22:09Mit Blick auf Russland, China oder die
- 2:22:11USA ist dies doch völlig absurd und
- 2:22:14entweder merken sie nicht, dass sie
- 2:22:15längst zum Handlanger großer Mächte
- 2:22:17geworden sind oder sie spielen ganz
- 2:22:19bewusst nach deren Regeln, um uns um
- 2:22:21sich anzudienen und uns zu schaden.
- 2:22:25In beiden Fällen wäre es verheerend für
- 2:22:27unser Land. Sie sind nicht die
- 2:22:29Patrioten, als die sie sich gerne
- 2:22:30darstellen. Sie schaden Deutschland, sie
- 2:22:32schaden unseren Interessen, wenn sie die
- 2:22:34Europäische Union schwächen.
- 2:22:36Und um es ganz klar zu sagen,
- 2:22:38Deutschlands Stimme in der Welt ist
- 2:22:40deutlich stärker als Mitglied in einer
- 2:22:42starken Europäischen Union.
- 2:22:46[applaus]
- 2:22:47Aber lassen Sie mich das konkret anhand
- 2:22:49ihrer beiden Anträge aufzeigen. Hier
- 2:22:51finden sich ja die bemerkenswerten
- 2:22:53Widersprüche. In Ihrem ersten Antrag
- 2:22:55beklagen Sie die dramatische Finanzlage
- 2:22:56unserer Städte und Gemeinden. Sie
- 2:22:58sprechen von maroden und Brücken und
- 2:23:00warnen davor, dass die Kommunen ihren
- 2:23:02Einfluss auf europäische Fördermittel
- 2:23:04verlieren könnten. Und wissen Sie was?
- 2:23:06Die Sorge um unsere Kommunen, die teilen
- 2:23:08wir. Wir wollen starke Länder, wir
- 2:23:10wollen starke Regionen und starke
- 2:23:11Kommunen und deshalb haben wir die
- 2:23:13kommunale Daseinsvorsorge auch in den
- 2:23:15EU-Verträgen ausdrücklich geschützt. Wir
- 2:23:18wollen keine Förderpolitik, bei der nur
- 2:23:20in Brüssel oder in Berlin entschieden
- 2:23:21wird, was vor Ort gebraucht wird.
- 2:23:23Deshalb kritisieren wir auch die Pläne,
- 2:23:26die zu einer Zentralisierung der
- 2:23:27Entscheidungen führen könnten. Die
- 2:23:29bewährte regionale Verantwortung für die
- 2:23:30europäischen Strukturmittel muss
- 2:23:32erhalten bleiben.
- 2:23:34Aber es kommt ja dann ihr zweiter Antrag
- 2:23:36und darin fordern Sie die europäische
- 2:23:38Kohäsionspolitik, also ausgerechnet
- 2:23:40diese Regionalförderung vollständig aus
- 2:23:42dem europäischen Haushalt zu streichen.
- 2:23:45Herzlichen Glückwunsch.
- 2:23:47Sie beklagen den mangelnden Einsatz
- 2:23:50Wir können es auch sechs- und siebenmal
- 2:23:51sagen, bis Sie es begriffen haben, aber
- 2:23:53Sie beklagen den mangelnden einer
- 2:23:55regionalen Einfluss auf Fördergelder,
- 2:23:58die unzureichende Finanzierung von
- 2:23:59Kommunen oder marode Infrastruktur und
- 2:24:01wollen gleichzeitig ein wichtiges
- 2:24:02Investitionsinstrument
- 2:24:04zur Regionalförderung abschaffen. Doch
- 2:24:06es wird noch widersprüchlicher. Sie
- 2:24:08fordern, das europäische Fördermittel
- 2:24:10vom sogenannten
- 2:24:11Multilevel-Governance-Prinzip
- 2:24:13befreit werden sollen. Aber dieses
- 2:24:15Prinzip dient doch gerade dazu, dass
- 2:24:17Länder und Regionen an den
- 2:24:19Entscheidungen beteiligt werden. Sie
- 2:24:21wollen also die Regionen stärken, indem
- 2:24:22Sie die Beteiligungsrechte schwächen.
- 2:24:25Es geht so widersprüchlich weiter, wenn
- 2:24:27wir auf die europäische Sicherheit
- 2:24:29blicken.
- 2:24:30Wir leben in einer Zeit, in der Russland
- 2:24:31Krieg gegen die Ukraine führt und auch
- 2:24:33gegen die regelbasierte globale Ordnung
- 2:24:36und unsere Infrastruktur, unsere eigene
- 2:24:38Infrastruktur regelmäßig ins Fadenkreuz
- 2:24:39nimmt, in der China seine
- 2:24:41wirtschaftliche und politische Macht
- 2:24:42ausbaut und wir Europäer mehr
- 2:24:45Verantwortung für unsere eigene
- 2:24:46Sicherheit übernehmen müssen. Und was
- 2:24:47fordert die AfD ausgerechnet jetzt? Die
- 2:24:50europäische Verteidigungsförderung soll
- 2:24:51gestrichen werden. Die gemeinsame Außen-
- 2:24:53und Sicherheitspolitik soll keine Mittel
- 2:24:55mehr bekommen. Die europäische
- 2:24:56Investitionsförderung soll wegfallen.
- 2:24:59Das ist keine verantwortungsvolle
- 2:25:01Haushaltspolitik, das ist ein
- 2:25:02sicherheitspolitischer Kurs, wie er
- 2:25:03vielleicht im Kreml beklatscht würde. Im
- 2:25:05deutschen Interesse liegt das sicher
- 2:25:07nicht.
- 2:25:08[applaus]
- 2:25:10Wenn wir gemeinsam
- 2:25:12Verteidigungstechnologien entwickeln,
- 2:25:14unsere Rüstungsindustrie stärken und
- 2:25:16Forschung und Innovation fördern,
- 2:25:18dann sind das keine überflüssigen
- 2:25:20Ausgaben, sondern das ist ein klarer
- 2:25:22europäischer Mehrwert. Das sind
- 2:25:23Investitionen in unsere Sicherheit,
- 2:25:26unsere Wettbewerbsfähigkeit und in
- 2:25:28unsere Zukunft.
- 2:25:29Gerade Deutschland als Exportnation
- 2:25:31braucht einen starken europäischen
- 2:25:32Binnenmarkt und eine handlungsfähige
- 2:25:34Europäische Union. Wer Europa schwächt,
- 2:25:36schwächt auch unser Land. Wer Europa
- 2:25:38stärkt, stärkt auch unser Land. Und
- 2:25:40deshalb setzen wir uns für einen
- 2:25:42europäischen Haushalt ein, der solide
- 2:25:44finanziert ist, klare Prioritäten setzt
- 2:25:46und unsere Regionen stärkt und Europa
- 2:25:48dort handlungsfähig macht, wo wir
- 2:25:50gemeinsam stärker sind. Sie wollen diese
- 2:25:53Europäische Union zerstören und handeln
- 2:25:55damit gegen deutsches Interesse. Wir
- 2:25:56stehen für eine starke Europäische
- 2:25:58Union, die den Menschen Frieden,
- 2:26:00Sicherheit und Wohlstand garantiert,
- 2:26:02heute und in Zukunft. Herzlichen Dank.
- 2:26:05[applaus]
- 2:26:10Für die AfD-Fraktion darf ich Reiner
- 2:26:13Groß das Wort erteilen.
- 2:26:15[applaus]
- 2:26:22[applaus]
- 2:26:27Ja, sehr geehrter Herr Präsident, meine
- 2:26:29Damen und Herren, verehrte Bürger, seit
- 2:26:32einigen Wochen erleben wir in ganz
- 2:26:33Europa Krawalle und Proteste.
- 2:26:36Neben kriminellen, migrantischen
- 2:26:37Chaoten, welche die Lust am Plündern auf
- 2:26:39die Straße bringt, dubiosen
- 2:26:41Politextremisten, angefeuert durch
- 2:26:43linkslüne NGOs und anarchistische
- 2:26:45Politiker, gibt es aber auch viele junge
- 2:26:48Leute, die auf die Straße gehen. Aus
- 2:26:51ihnen spricht die Angst vor einer
- 2:26:53verbauten Zukunft, verspielt durch
- 2:26:56verantwortungslose Politik. Die Angst um
- 2:26:58Arbeitsplätze, die Angst um Frieden, die
- 2:27:00Angst um die Aussicht auf ein
- 2:27:02selbstbestimmtes Leben in Wohlstand. Das
- 2:27:05ist der Befund in der EU im Jahr 2026.
- 2:27:11Einer EU, deren Geschäftsmodell durch
- 2:27:13eine völlig verfehlte Politik in eine
- 2:27:16Sackgasse geraten ist.
- 2:27:18Ein ideologisch motivierter Green Deal,
- 2:27:20wirtschaftszerstörende Planbürokratie,
- 2:27:22weltfremde Energieabgaben, Lenkungen und
- 2:27:25Eingriffe, gigantische Fördertöpfe,
- 2:27:28Eingriffe in Budgethoheit und
- 2:27:29Souveränität, eine fast fetischhafte
- 2:27:32Manie. Und steigende Zinsen und
- 2:27:36schwacher Euro durch diese aus dem Ruder
- 2:27:38laufende Staats- und EU-Verschuldung
- 2:27:41drohen uns allen. Es macht derzeit
- 2:27:44wirklich keinen Spaß, als Nation in
- 2:27:46einem solchen Konstrukt namens EU
- 2:27:49festzustecken.
- 2:27:51Das alles hat mit Frieden und Wohlstand
- 2:27:53nichts zu tun und deswegen lassen Sie
- 2:27:55uns mal über unsere Anträge reden. Diese
- 2:27:58stellt Ihnen eine Alternative, ein
- 2:28:00alternatives Europa jenseits einer EU
- 2:28:04vor, die, und das ist der fundamentale
- 2:28:07Irrtum, durch Förderung und Subvention
- 2:28:10keinen wirtschaftlichen Erfolg
- 2:28:11herbeiführt. Bürokratie schafft keine
- 2:28:15Arbeitsplätze.
- 2:28:17[applaus]
- 2:28:18Und was die Verteilung der Steuermittel
- 2:28:20angeht, das können wir national eben
- 2:28:23besser. Und dafür brauchen wir nicht den
- 2:28:26Durchlauferhitzer einer EU, die immer
- 2:28:29teurer wird und die uns immer mehr
- 2:28:32zusätzliche Schulden aufbürdet. Dieses
- 2:28:35Geschäftsmodell macht uns jedes Jahr
- 2:28:38deutlich ärmer.
- 2:28:40Und frage ich Sie bei dieser Situation,
- 2:28:43wo sollen denn bei erhöhten
- 2:28:45Investitionsanforderungen durch KI, wo
- 2:28:47soll das Kapital dafür herkommen? Die
- 2:28:49internationalen Investoren machen einen
- 2:28:51riesen Bogen um Deutschland und die EU,
- 2:28:54denn dieser Verteilungs- äh Mechanismus
- 2:28:57ist eben kein erfolgreiches
- 2:28:59Geschäftsmodell. Konkret haben unsere
- 2:29:01Anträge drei Forderungen. Der deutsche
- 2:29:03Beitrag muss deutlich gedeckelt werden.
- 2:29:06Ein EU-Haushalt muss vorrangig die
- 2:29:08mitwirtschaftenden Mitgliedstaaten
- 2:29:10stärken. Der EU-Haushalt
- 2:29:14ähm daneben gelten uneingeschränkt die
- 2:29:15Budgethoheiten der nationalen
- 2:29:17Parlamente. Neue EU-Schulden sind
- 2:29:20unzulässig und sofern es keine Einigung
- 2:29:22gibt, muss ein europäischer
- 2:29:25Shutdown-Mechanismus nach amerikanischem
- 2:29:27Vorbild die laufenden EU-Ausgaben
- 2:29:30einbremsen. Das schuldet unsere
- 2:29:33Bundesregierung den Bürgern. Vielen
- 2:29:35Dank.
- 2:29:37Danke für die 9 Sekunden.
- 2:29:39[applaus]
- 2:29:42Für die CDU/CSU-Fraktion
- 2:29:44darf ich Dr. Jan Marco Buhbe das Wort
- 2:29:46erteilen.
- 2:29:48[applaus]
- 2:29:52Sehr geehrter Herr Präsident, liebe
- 2:29:54Kolleginnen und Kollegen, wenn diese
- 2:29:57Debatte bis hierhin eines gezeigt hat,
- 2:29:59dann dass die Bundesregierung, dass die
- 2:30:01sie tragende Koalition mit den
- 2:30:04handlungsprioritäten,
- 2:30:05mit der Verhandlungsstrategie nicht nur
- 2:30:08auf einem ausgewogenen, sondern vor
- 2:30:09allem auf einem vernünftigen Weg
- 2:30:11unterwegs ist.
- 2:30:13[applaus] Denn
- 2:30:14das Handlungsleitende
- 2:30:16für die Verhandlungsposition der
- 2:30:18Bundesregierung, für die Positionierung
- 2:30:20von uns als Koalition ist es, dass wir
- 2:30:22ein Europa schaffen, das angesichts der
- 2:30:25Herausforderung, vor dem wir steht,
- 2:30:27handlungsfähiger ist, als wir es in in
- 2:30:30Europa heute oft noch der Fall sind. Und
- 2:30:33ein handlungsfähiges, ein souveränes
- 2:30:35Europa in der Welt, das schafft man
- 2:30:38nicht zwingend nur mit größeren
- 2:30:40Haushalten, das schafft man auch nicht
- 2:30:41zwingend mit weiteren und zusätzlichen
- 2:30:44und höher dotierten Förderprogrammen,
- 2:30:46sondern es schafft man vor allen Dingen
- 2:30:48damit, dass man die richtigen
- 2:30:49Prioritäten setzt, die richtigen
- 2:30:51Prioritäten, um die sich Europa, um die
- 2:30:54wir uns gemeinsam in Europa kümmern
- 2:30:56wollen und kümmern müssen.
- 2:30:58Und deswegen ist es vollkommen richtig,
- 2:31:01dass die Bundesregierung bei den
- 2:31:02MFR-Verhandlungen eine Priorität darauf
- 2:31:05setzt, dass wir in den Feldern
- 2:31:07Innovation, Forschung europäisch stärker
- 2:31:10zusammenarbeiten und das in einem
- 2:31:11künftigen MFR relativ auch eine höhere
- 2:31:14Rolle spielen soll. Deswegen ist es
- 2:31:16richtig, dass die Bundesregierung sich
- 2:31:18in den MFR-Verhandlungen dafür einsetzt,
- 2:31:21dass das Kapitel Global Europe, die
- 2:31:23Frage, wie wir im Bereich der
- 2:31:24Außensicherheits- Verteidigungspolitik
- 2:31:26besser intensiver zusammenarbeiten, eine
- 2:31:29Priorität im künftigen MFR auch sein
- 2:31:31sollen. Deswegen ist es gleichzeitig
- 2:31:33auch wichtig, mit Blick auf den
- 2:31:35Binnenmarkt darauf zu achten, dass wir
- 2:31:37eine Verlässlichkeit oder eine
- 2:31:39Planungssicherheit auch im künftigen MFR
- 2:31:41haben mit Blick auf die Programme, die
- 2:31:43es bisher auch schon gibt.
- 2:31:44Handlungsfähiges Europa in all diesen
- 2:31:47Bereichen ist unsere Priorität. Und
- 2:31:50liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist
- 2:31:51das Gegenteil dessen, was in diesem
- 2:31:54AfD-Antrag zu lesen ist.
- 2:31:56In dem es darum geht, die Zusammenarbeit
- 2:31:58in der Verteidigung abzuschaffen, in dem
- 2:32:00es darum geht, eine verstärkte
- 2:32:02Zusammenarbeit bei Innovation, bei
- 2:32:04Forschungsförderung abzuschaffen, in dem
- 2:32:06es darum geht, im Bereich der
- 2:32:08Kohäsionsmittel, der Verlässlichkeit
- 2:32:10neue Unsicherheiten zu schaffen und
- 2:32:12damit den Binnenmarkt im Ergebnis zu
- 2:32:14schwächen. Es zielt eben genau darauf
- 2:32:16ab, die Handlungsfähigkeit Europas zu
- 2:32:18mindern und im Übrigen und im Übrigen
- 2:32:22führt es dazu, dass wenn man genau diese
- 2:32:25Bereiche streicht, die
- 2:32:27Nettozahlerposition Deutschlands sich
- 2:32:29zusätzlich verschlechtern würde, weil
- 2:32:31das die Bereiche sind, in denen die
- 2:32:33Rückflussquoten aus dem EU-Haushalt nach
- 2:32:35Deutschland am größten sind.
- 2:32:37Abgeordneter, würden Sie eine
- 2:32:39Zwischenfrage aus der AfD-Fraktion
- 2:32:41zulassen? [applaus]
- 2:32:50Vielen Dank, Herr Kollege, dass Sie die
- 2:32:51Zwischenfrage zulassen. Sie haben gerade
- 2:32:53davon gesprochen, dass Sie die richtigen
- 2:32:55Prioritäten in Europa setzen wollen.
- 2:32:58Ähm, ich habe Ihnen mal ein paar
- 2:32:59Beispiele mit gebracht, wofür diese EU
- 2:33:02Geld ausgibt. Zum Beispiel 25.000 Euro
- 2:33:05jedes Jahr für Fahrradkurse für
- 2:33:07EU-Beamte, 1 Million Euro für
- 2:33:09Weihnachts- äh Stern-Werbekampagnen,
- 2:33:12also Blumenwerbung mit Steuergeld. 2,75
- 2:33:15Millionen Fotografen und Visagisten für
- 2:33:17die EU-Kommission.
- 2:33:19Und nicht zu vergessen, dieser
- 2:33:21Wanderzirkus Brüssel-Straßburg alle vier
- 2:33:23Wochen kostet über 100 Millionen im
- 2:33:26Jahr. Kein Unternehmen, kein Bürger hat
- 2:33:29irgendetwas davon. Sind das Ihrer
- 2:33:30Meinung nach die richtigen Prioritäten
- 2:33:33oder denken Sie nicht auch so, wie wir
- 2:33:34das sehen, dass bei allem, was man dem
- 2:33:37Bürger auflaste, dass man sagt, der
- 2:33:38Bürger muss die Ärmel immer höher
- 2:33:39krempeln und den Gürtel enger und enger
- 2:33:41schnallen, dass nicht auch mal in
- 2:33:43Brüssel der Rotstift angesetzt werden
- 2:33:44sollte und Ursula von der Leyen und ihre
- 2:33:46Kommission den Gürtel enger schnallen
- 2:33:48sollten?
- 2:33:50[applaus]
- 2:33:52Herr Kollege, wenn es jetzt noch eines
- 2:33:54Beweises bedurft hätte,
- 2:33:57dass
- 2:33:59der Gegenstand dessen, über was wir hier
- 2:34:00heute diskutieren, nämlich der nächste
- 2:34:02MFR,
- 2:34:04überhaupt nichts mit dem zu tun haben
- 2:34:05hat, was Sie in dieser Debatte gerade
- 2:34:08ansprechen, dann ist es genau diese
- 2:34:11Zwischenfrage gewesen. Denn es ist doch
- 2:34:13unbestritten, es ist doch völlig
- 2:34:15unbestritten, dass der MFR, der die
- 2:34:17nächsten sieben Jahre in den Blick
- 2:34:19nimmt, andere Antworten geben muss,
- 2:34:21andere Prioritäten setzen muss, andere
- 2:34:23Fragen adressieren muss, als es der
- 2:34:25letzte MFR getan hat. Und es ist doch
- 2:34:28vollkommen unbestritten, dass dabei auch
- 2:34:30die Frage beispielsweise von
- 2:34:31Verwaltungsausgaben in der Europäischen
- 2:34:34Kommission und in anderen Behörden eine
- 2:34:36Rolle spielen müssen. Aber genau darum
- 2:34:38geht es doch, da geht es doch, die
- 2:34:40richtigen Prioritäten im nächsten MFR zu
- 2:34:43setzen und es geht darum, dass die
- 2:34:44Bundesregierung und wir als Parlament
- 2:34:46formulieren, was die Prioritäten in den
- 2:34:48nächsten sieben Jahren sein sollen. Und
- 2:34:51da kommt man nun mal nicht umhin
- 2:34:53festzustellen, dass die Bereiche, bei
- 2:34:55denen Sie in Ihrem Antrag vorschlagen,
- 2:34:57dass sich Europa hier gar nicht mehr
- 2:34:59engagieren soll, am Ende nicht nur mit
- 2:35:01Blick auf Handlungsfähigkeit und
- 2:35:03Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch ganz
- 2:35:05nüchtern mit dem Blick auf die
- 2:35:06Nettozahlung auf die finanzielle
- 2:35:08Situation und Position Deutschlands
- 2:35:10unseren Status verschlechtern würden und
- 2:35:14dass Sie die Debatten durcheinander
- 2:35:15bringen, dass nicht klar ist, und was es
- 2:35:17eigentlich geht, das haben Sie mit
- 2:35:18dieser Frage gerade noch mal sehr
- 2:35:19eindrücklich uns allen hier vor Augen
- 2:35:22geführt.
- 2:35:23[applaus]
- 2:35:25Aber meine Damen und Herren, ein
- 2:35:27handlungsfähiges Europa heißt eben auch,
- 2:35:30finanziell handlungsfähig zu sein und
- 2:35:32finanziell handlungsfähig zu sein heißt
- 2:35:34für Mitgliedstaaten und für die
- 2:35:36europäische Ebene, dass wir finanziell
- 2:35:38stabil sein und finanziell in Teilen
- 2:35:41auch wieder stabiler werden müssen, als
- 2:35:43wir es heute sind. Und deshalb muss der
- 2:35:45MFR natürlich auch und alle Prioritäten,
- 2:35:48die wir richtigerweise setzen, in
- 2:35:50Einklang gebracht werden mit dem, was
- 2:35:52finanziell auf europäischer Ebene, aber
- 2:35:55eben auch finanziell für die
- 2:35:56Mitgliedstaaten in ihren Haushalten und
- 2:35:58in ihrer angespannten Haushaltsituation
- 2:36:00möglich ist. Und deswegen ist es auch
- 2:36:02klar, und auch das ist die
- 2:36:03Verhandlungsposition der Bundesregierung
- 2:36:06und der sie tragenden Koalition, dass im
- 2:36:08Vergleich zum Kommissionsvorschlag
- 2:36:10natürlich noch Abstriche gemacht werden
- 2:36:12müssen, weil es ansonsten schlicht nicht
- 2:36:14finanzierbar sein wird. Und deswegen ist
- 2:36:16auch klar, dass der MFR und sein Rahmen
- 2:36:19damit in Einklang gebracht werden muss,
- 2:36:21was auch die wirtschaftliche
- 2:36:23Leistungsfähigkeit Europas und der
- 2:36:25Europäischen Union betrifft. Das gilt
- 2:36:27für die Diskussion um Eigenmittel, die
- 2:36:30die Bürger in Europa, die die
- 2:36:31Unternehmen in Europa und auch die mit
- 2:36:34die Haushalte der Mitgliedstaaten nicht
- 2:36:35noch stärker belasten dürfen, als das
- 2:36:38momentan ohnehin schon der Fall ist. Und
- 2:36:40es gilt mit Blick auf die Belastungen
- 2:36:41auch für die Diskussion um
- 2:36:43Verschuldungsinstrumente.
- 2:36:45Deswegen kann es nicht um neue
- 2:36:46Verschuldungsinstrumente gehen und
- 2:36:48deswegen muss das einmalige
- 2:36:49Verschuldungsinstrument, was wir haben,
- 2:36:51auch auslaufen und darf auch nicht
- 2:36:53weiter in die Zukunft verschoben werden.
- 2:36:55Auch das ist Verhandlungsposition, auch
- 2:36:57das ist Priorität der Bundesregierung.
- 2:37:00Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir
- 2:37:01wollen ein handlungsfähiges Europa. Das
- 2:37:04kriegen wir nicht mit einem immer
- 2:37:05größeren Haushalt, sondern mit einem,
- 2:37:07der die richtigen Prioritäten setzt, der
- 2:37:09auf die Leistungsfähigkeit der
- 2:37:11öffentlichen Finanzen und auf die
- 2:37:12wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in
- 2:37:14der EU achtet. Genau das ist der Kurs
- 2:37:16der Bundesregierung. Den unterstützen
- 2:37:18wir als Parlament. Den Antrag der AfD
- 2:37:20brauchen wir dafür nicht und lehnen ihn
- 2:37:22deshalb auch ab. Herzlichen Dank.
- 2:37:24[applaus]
- 2:37:26Als letzte Stimme in der Aussprache
- 2:37:28hören wir für die AfD-Fraktion Tobias
- 2:37:31Teich.
- 2:37:32[applaus]
- 2:37:45Sehr geehrter Herr Präsident, sehr
- 2:37:46geehrte Damen und Herren.
- 2:37:48Man hat den Bürgern stets vorgegaukelt,
- 2:37:49der mehrjährige Finanzrahmen der EU
- 2:37:51ziehe feste Obergrenzen ein. In Wahrheit
- 2:37:53dient dieser Siebenjahresplan der
- 2:37:55Kommission vor allem als Hebel zur
- 2:37:56schleichenden Entmachtung der
- 2:37:58Nationalstaaten.
- 2:37:59Was Brüssel für die nächste
- 2:38:00Finanzperiode vorbereitet, ist die
- 2:38:02endgültige Demontage jeglicher
- 2:38:04Haushaltsdisziplin. Das Zauberwort der
- 2:38:06Brüsseler Bürokratie dafür heißt
- 2:38:08Flexibilisierung. Was als moderne
- 2:38:10Krisenreaktion verkauft wird, ist in
- 2:38:12Wahrheit nichts anderes als ein billiger
- 2:38:14Taschenspielertrick.
- 2:38:17Die Kommission schafft neue Töpfe und
- 2:38:18Reserven und ungebundene Margen, um
- 2:38:20feste Programmbudgets aufzulösen und der
- 2:38:22parlamentarischen Kontrolle zu
- 2:38:24entziehen.
- 2:38:25Wozu also dienen diese Manöver? Sie sind
- 2:38:27Einfallstore für die ruinöse
- 2:38:29EU-Erweiterung.
- 2:38:31Die Expansion mit Hilfe von
- 2:38:32Nettoempfängern, inklusive des Fasses
- 2:38:34ohne Boden, die Ukraine, wird die
- 2:38:36finanziellen der Grenzen der EU
- 2:38:38sprengen. Da dieser Wahnsinn den Bürgern
- 2:38:41im regulären Budget nicht mehr zu
- 2:38:42vermitteln ist, soll eben nun der
- 2:38:44Schattenweg der Flexibilisierung
- 2:38:46durchgedrückt werden.
- 2:38:48Ein ernüchterndes Beispiel, die
- 2:38:49Ukraine-Reserve von bis zu 100
- 2:38:51Milliarden Euro wurde daher gezielt
- 2:38:53oberhalb der Obergrenzen des MFR
- 2:38:55platziert. Alleine der Beitritt der
- 2:38:57Ukraine würde das bestehende
- 2:38:59Fördersystem mit geschätzten 190
- 2:39:01Milliarden Euro pulverisieren.
- 2:39:04Die im Vertrag geforderte
- 2:39:05Aufnahmefähigkeit der EU ist längst
- 2:39:07hinfällig. Stattdessen baut die
- 2:39:09Brüsseler Krake eine gigantische
- 2:39:11Schulden- und Haftungsfalle, für die vor
- 2:39:13allem der deutsche Steuerzahler
- 2:39:14geradestehen soll.
- 2:39:15würden Sie eine Zwischenfrage aus der
- 2:39:17Union zulassen?
- 2:39:18Ja, gerne.
- 2:39:19Sehr gut. Das sind nur zwei Minuten.
- 2:39:24Ja, sehr geehrter Kollege, danke, dass
- 2:39:26Sie die Zwischenfrage zulassen. Sie
- 2:39:27haben gerade noch mal auf die
- 2:39:28Mittelverwendung, die sorgsame
- 2:39:30Mittelverwendung auch des Geldes der
- 2:39:32deutschen Steuerzahler hingewiesen.
- 2:39:33Ich wollte noch mal fragen, wie Sie es
- 2:39:35sehen, dass 2018 die NF-Fraktion
- 2:39:37Rückzahlung von 544.000
- 2:39:40Euro verklagt wurde durch das
- 2:39:42Europäische Parlament. Die
- 2:39:44anstandenen Ausgaben waren 234 Flaschen
- 2:39:47Champagner für das Jahr 2016,
- 2:39:51Luxusessen für über 400 Euro pro Person,
- 2:39:53110 Weihnachtsgeschenke im Wert von über
- 2:39:55100 Euro und weitere Ausgaben ohne
- 2:39:57Belege unter Verstoß von
- 2:39:58Vergabevorschriften.
- 2:40:00Das war die Fraktion, die von Steuer
- 2:40:02durch Steuermittel finanziert wird, die
- 2:40:04NF-Fraktion und sie sind doch für die
- 2:40:07gute Verwendung von Steuermitteln,
- 2:40:08deswegen würde mich ihre Position
- 2:40:10dadurch dazu noch mal interessieren.
- 2:40:13[applaus]
- 2:40:14Herr Kollege,
- 2:40:15Herr Kollege, danke für diese
- 2:40:17Zwischenfrage, danke für diese
- 2:40:19Zwischenfrage. Wie man unschwer erkennen
- 2:40:20kann, ich bin Abgeordneter des Deutschen
- 2:40:22Bundestages.
- 2:40:23Und wie man auch unschwer erkennen kann,
- 2:40:25in Kenntnis Ihrer Fraktion, Sie wissen,
- 2:40:28dass das Wort Amigos für Sie in Bayern
- 2:40:30erfunden wurde. Und werte Kollegen aus
- 2:40:32Bayern,
- 2:40:33ich könnte auch ein paar Geschichten
- 2:40:35erzählen über die Verwendung von
- 2:40:37Steuergeldern durch die Union in
- 2:40:39Deutschland. Schauen Sie sich doch an,
- 2:40:41was Sie hier gemacht haben, von den
- 2:40:43Maskendeals bis hin zu den Geschäften
- 2:40:45aus Bayern. Die Abgeordneten Nüßlein und
- 2:40:47Sauter haben in Bayern die Regeln
- 2:40:49beschlossen und waren gleichzeitig bei
- 2:40:51der Auftragsvergabe mit involviert. Und
- 2:40:53Sie wollen uns irgendwas vorwerfen von
- 2:40:55Steuermittelverschwendung. Eben haben
- 2:40:57wir was gehört, 100 Millionen Euro
- 2:40:59alleine für den Transfer zwischen
- 2:41:01Straßburg und Brüssel. Das wollen Sie
- 2:41:04nicht hören, ich weiß es. Sie sind ja
- 2:41:05Ihre Genossen, aber ich muss es Ihnen
- 2:41:07sagen. Also machen Sie uns hier nichts
- 2:41:10vor. Wir machen Politik für die Bürger
- 2:41:12und wir werden dieses Budget
- 2:41:14beschränken.
- 2:41:16Denn werte Kollegen, eines können Sie
- 2:41:18sich sicher sein, die Bürger, nicht nur
- 2:41:21Deutschlands, sondern Europas werden
- 2:41:23diesen Wahnsinn eines kurzen baldigen
- 2:41:25Tages satt haben.
- 2:41:35Nun weiter im Text. Das Budgetrecht ist
- 2:41:38das unantastbare Königsrecht dieses
- 2:41:39Hauses gemäß Artikel 23 Grundgesetz. Wir
- 2:41:42sagen daher nein zu Brüsseler
- 2:41:43Schattenhaushalten, zur Entkernung des
- 2:41:45MFR durch faule Flexibilisierungstricks
- 2:41:48und nein zu einer Erweiterungspolitik
- 2:41:50auf Kosten unserer Heimat, denn die EU
- 2:41:52ist nicht Europa, meine Damen und
- 2:41:54Herren, und die EU im gegenwärtigen
- 2:41:56Zustand ist nicht die Lösung, sondern
- 2:41:58das Problem.
- 2:41:59Herzlichen Dank.
- 2:42:00[applaus]
- 2:42:04Damit sind wir am Ende der Aussprache.
- 2:42:08Die Mittagsschlafsituation
- 2:42:11ist ja jetzt etwas aufgeheitert worden,
- 2:42:14dass alle wach sind. Interfraktionell
- 2:42:16wird die Überweisung der Vorlage auf der
- 2:42:18Drucksache 8906
- 2:42:20und 8907 an die in der Tagesordnung
- 2:42:23aufgeführten Ausschüsse vorgeschlagen.
- 2:42:25Gibt es weitere Überweisungsvorschläge?
- 2:42:28Das kann ich nicht erkennen. Dann
- 2:42:30verfahren wir wie vorgeschlagen. Ich
- 2:42:33rufe auf die Tagesordnungspunkte 27a
- 2:42:36bis 27c und 28c
- 2:42:39Beratung mehrerer Vorlagen zur
- 2:42:42Weltklimakonferenz.
- 2:42:43Vereinbart sind 30 Minuten. Ich darf die
- 2:42:47Aussprache öffnen mit der Wortmeldung
- 2:42:50der Bundesregierung und darf Carsten
- 2:42:52Schneider, Bundesminister für Umwelt,
- 2:42:54Klimaschutz, Naturschutz und nukleare
- 2:42:57Sicherheit das Wort erteilen.
- 2:42:59[applaus]
- 2:43:01Sehr geehrter Präsident, liebe
- 2:43:02Kolleginnen und Kollegen, am Montag
- 2:43:05beginnt in Antalya in der Türkei die
- 2:43:07Weltklimakonferenz.
- 2:43:09Dort wollen wir als Weltgemeinschaft das
- 2:43:111,5 Grad Ziel in Reichweite halten.
- 2:43:14Wir wollen beraten, wie wir besser,
- 2:43:15schneller und wirksamer handeln können,
- 2:43:18um Menschen, Natur und Wirtschaft zu
- 2:43:20schützen.
- 2:43:21Deutschland wird sich in Antalya als
- 2:43:23Teil der Europäischen Union engagiert
- 2:43:26einbringen.
- 2:43:27Wir werden uns dafür einsetzen, dass wir
- 2:43:29weltweit greifbare Fortschritte bei der
- 2:43:32Elektrifizierung machen.
- 2:43:34Deutschland hat das Thema beim
- 2:43:36Petersberger Klimadialog hier in
- 2:43:38Marbrill in Berlin gesetzt. Jetzt ist
- 2:43:40das das zentrale Thema der COP.
- 2:43:43Ich danke den Regierungsfraktionen für
- 2:43:45ihren klaren Auftrag zur
- 2:43:47Weltklimakonferenz. Sie fordern ein
- 2:43:49ehrgeiziges Ergebnis. Mir gibt das
- 2:43:52Rückenwind für die Verhandlungen in
- 2:43:53Antalya. Vielen Dank.
- 2:43:58Sie fordern ausdrücklich Unterstützung
- 2:44:00für das Ziel der türkischen
- 2:44:01COP-Präsidentschaft bis 2035
- 2:44:04einen weltweiten Elektrifizierungsgrad
- 2:44:07von mindestens 35 % zu erreichen.
- 2:44:11Gesagt, getan.
- 2:44:12Ich kann Ihnen heute mitteilen, dass die
- 2:44:13Bundesregierung diese Initiative
- 2:44:16offiziell unterstützen wird.
- 2:44:18Weitere Länder werden folgen.
- 2:44:20Weitere Länder werden folgen und ich bin
- 2:44:22zuversichtlich,
- 2:44:23dass die Weltklimakonferenz ein
- 2:44:25starkes Signal damit auch an die
- 2:44:27weltweiten Märkte geben wird. Die
- 2:44:29Zukunft, sie gehört modernen und
- 2:44:32effizienten elektrischen Technologien.
- 2:44:36Klimaschutz ist unsere Verantwortung als
- 2:44:38starkes Industrieland.
- 2:44:40Und es ist eine Voraussetzung dafür,
- 2:44:43dass wir auch in Zukunft ein starkes,
- 2:44:45wettbewerbsfähiges Industrieland
- 2:44:47bleiben.
- 2:44:48Jedes Zehntelgrad weniger Erwärmung
- 2:44:51zählt dabei, explizit auch für die
- 2:44:53Wirtschaft.
- 2:44:55Denn auch für sie war die extreme Hitze
- 2:44:57in diesem Sommer eine extreme Belastung.
- 2:44:59Das Forschungsinstitut Prognos hat
- 2:45:01errechnet, dass
- 2:45:03Temperaturen oder ein Tag mit
- 2:45:04Temperaturen über 30 Grad die deutsche
- 2:45:06Volkswirtschaft mehr als 400 Millionen
- 2:45:09Euro extra kostet.
- 2:45:11Allein deswegen ist Klimaschutz
- 2:45:13kein Kostenfaktor, sondern Klimaschutz
- 2:45:16ist eine Zukunftsinvestition,
- 2:45:19die wir uns und kommenden Generationen
- 2:45:21schuldig sind.
- 2:45:24Dazu kommen die enormen wirtschaftlichen
- 2:45:26Chancen des Klima- und Umweltschutzes.
- 2:45:28Ich will, dass wir sie nutzen und die
- 2:45:31entsprechenden Produkte in Deutschland
- 2:45:32entwickeln und herstellen. Es wird
- 2:45:34gelegentlich so getan, als sei
- 2:45:36Klimaschutz eine deutsche
- 2:45:37Sonderveranstaltung.
- 2:45:38Wer so redet, der kennt die Welt nicht.
- 2:45:41Es handelt sich um eine weltweite
- 2:45:43Bewegung. Und 90 % aller Investitionen
- 2:45:47im Stromsektor international gehen in
- 2:45:49erneuerbare Energien, sie gehen in
- 2:45:51Stromnetze, sie gehen in Speicher, weil
- 2:45:53erneuerbare nicht nur sauber sind,
- 2:45:56sondern uns auch unabhängiger machen von
- 2:45:58den volatilen Öl- und Gasmärkten.
- 2:46:01Fossile Energien sind und bleiben von
- 2:46:03gestern. Günstige, kostengünstige
- 2:46:06erneuerbare Energie sichert
- 2:46:07Wertschöpfung und Beschäftigung, nicht
- 2:46:09nur bei Herstellern weltweit.
- 2:46:11Herr Minister, die Redezeit.
- 2:46:14sondern auch im Handwerk um die Ecke und
- 2:46:17sie senkt mittel- und langfristig die
- 2:46:18Stromkosten. Ein guter Deal. Vielen
- 2:46:20Dank, Herr Präsident.
- 2:46:22[applaus]
- 2:46:23Für die AfD-Fraktion darf ich Karsten
- 2:46:25Hilse das Wort erteilen.
- 2:46:28[applaus]
- 2:46:43Herr Präsident, meine Damen und Herren,
- 2:46:45liebe Landsleute und selbstverständlich
- 2:46:47werte Zweifler am natürlichen
- 2:46:48Klimawandel.
- 2:46:50Die Klimakirche ruft mal wieder ihre
- 2:46:52Klimagläubigen und Missionare zum
- 2:46:54Kirchentag, um die Kohle der Staaten
- 2:46:55abzugreifen, die für diesen Firlefanz
- 2:46:57noch Geld ausgeben wollen. Es werden
- 2:46:59zwar immer weniger, aber Deutschland
- 2:47:01unter Führung von Merkels Wiedergänger
- 2:47:03am März gehört dazu, bis zum bitteren
- 2:47:05Ende, wie Hagen in der Nibelungen Sage,
- 2:47:08der seine Gefolgsleute wissentlich in
- 2:47:10den sicheren Untergang führte. Auch
- 2:47:12diesen Irrsinn wird die AfD beenden.
- 2:47:15Beim letzten Kirchentag in Betlehem
- 2:47:17durfte März seine Rede halten, drei
- 2:47:19Minuten, Auditorium fast leer, in der er
- 2:47:22einen namhaften Betrag zur Rettung des
- 2:47:24Regenwaldes versprach. Aus namhaft wurde
- 2:47:27später eine Milliarde, also 333
- 2:47:30Millionen
- 2:47:31Euro pro Minute Redezeit. Soweit so
- 2:47:33schlecht. Zurück in Deutschland
- 2:47:35beleidigte er dann in seiner gewohnt
- 2:47:37arroganten und abfälligen Art mal
- 2:47:38nebenbei
- 2:47:40das ganze brasilianische Volk. Zitat,
- 2:47:43ich habe einige Journalisten, die mit
- 2:47:44mir in Brasilien waren, letzte Woche
- 2:47:45gefragt, wer von euch würde denn gerne
- 2:47:47hier bleiben, da hat keiner die Hand
- 2:47:49gehoben. Und weiter, die waren alle
- 2:47:51froh, dass wir vor allen Dingen von
- 2:47:52diesem Ort, an dem wir da waren, in der
- 2:47:54Nacht von Freitag auf Samstag wieder
- 2:47:55nach Deutschland zurückgekehrt sind.
- 2:47:57Zitat Ende. Um es mit den Worten von
- 2:48:00Andrea Nahles nach der Wahl 2017 zu
- 2:48:02sagen, da kriegen die Brasilianer was in
- 2:48:04die Fresse. Daraufhin bezeichnete
- 2:48:07Eduardo Paes, Bürgermeister von Rio de
- 2:48:09Janeiro und sein allseits beliebten
- 2:48:11Kanzler auf X, unter anderem als Hitlers
- 2:48:13Sohn und Nazi.
- 2:48:15Fazit, eine Milliarde Euro in die
- 2:48:17klebrigen Hände eines Sozialisten und
- 2:48:19bei den Brasilianern unten durch. Reife
- 2:48:21Leistung, kann man da nur sagen.
- 2:48:23Die Mutter aller Klimapanik Frau Merkel
- 2:48:25organisierte schon als Umweltministerin
- 2:48:27unter Kohl 1995 die erste COP in Berlin
- 2:48:30und verteuerte die Energie konsequent.
- 2:48:33Ab 2005 auch als Bundeskanzlerin. 2011
- 2:48:36kam dann der Kernkraftausstieg. Sie
- 2:48:37versprach zwar auf der Pressekomponent
- 2:48:40Konferenz vom 30. Mai 2011 mehrfach,
- 2:48:44dass der Strom bei steigendem Anteil der
- 2:48:45sogenannten Erneuerbaren nicht
- 2:48:47importiert werden müsse,
- 2:48:48versorgungssicher und bezahlbar sein
- 2:48:51werde. Aber was wir von Versprechen
- 2:48:53halten können, die CDU-Kanzler geben,
- 2:48:55wissen wir in der Zwischenzeit nichts,
- 2:48:57rein gar nichts.
- 2:48:592015 kam der kam die Pariser
- 2:49:01Klimaübereinkunft und Deutschland unter
- 2:49:03Merkel ratifizierte sie in weniger als
- 2:49:06zwölf Monaten. Nun flossen nicht mehr
- 2:49:08die leppischen Milliarden, sondern
- 2:49:09gleich Billionen. Die internationale
- 2:49:12Beraterfirma PricewaterhouseCoopers &
- 2:49:13Company veröffentlichte 2024 den Bericht
- 2:49:17Kurswechsel, indem sie auflistet, was
- 2:49:19was Deutschland bis 2045 für
- 2:49:22Klima-Ideologie, Energiewende und andere
- 2:49:23Klimazumutungen zahlen soll.
- 2:49:265,3 Billionen für Investitionen, 7,9
- 2:49:29Billionen für laufende Kosten, 1,2
- 2:49:31Billionen von der EU aufgenötigt. Das
- 2:49:34sind 14,4 Billionen Euro. Und das alles
- 2:49:37sollte man an den Betrug von Menschen
- 2:49:39gemachten Klimawandel glauben für eine
- 2:49:41Absenkung bis zum Jahr 2100 von
- 2:49:43insgesamt 0,0004
- 2:49:47Grad Celsius. 14,4 Billionen Euro für
- 2:49:500,0004
- 2:49:52Euro 4 Grad Celsius. Was für eine
- 2:49:55Idiotie.
- 2:49:56All diese Kosten und Verwerfungen in der
- 2:50:00Vergangenheit und in der Zukunft für
- 2:50:02nichts, die unweigerlich in den
- 2:50:04Untergang Deutschland führen, hat die
- 2:50:05CDU unter den grünen Kanzlern Merkel und
- 2:50:08März zu verantworten und deshalb müssen
- 2:50:10wir der Empfehlung von Hans Werner Sinn
- 2:50:12folgen. Zitat:
- 2:50:14Wir müssen 15 Jahre Merkel Politik
- 2:50:16rückabwickeln. Die Energiewende basiert
- 2:50:19auf Annahmen und Versprechen, die sich
- 2:50:20allesamt als Humbug erwiesen haben.
- 2:50:23Zitat Ende. Liebe CDU, beenden Sie
- 2:50:25diesen Humbug, kommen Sie zurück zur
- 2:50:27konservativer und vernunftorientierter
- 2:50:29Politik, sonst sind Sie bald Geschichte.
- 2:50:31Vielen Dank.
- 2:50:32[applaus]
- 2:50:36Für die CDU CSU Fraktion darf ich Anna
- 2:50:39Aikens das Wort erteilen.
- 2:50:42[applaus]
- 2:50:47Sehr geehrter Herr Präsident, liebe
- 2:50:49Kolleginnen und Kollegen. In diesem
- 2:50:51Monat, in den letzten Wochen reden und
- 2:50:55hören wir immer mehr zum Thema
- 2:50:56Klimaschutz und das liegt nicht nur an
- 2:50:59den an den verheerenden Prognosen, die
- 2:51:01wir lesen können. Auch der Oktober, den
- 2:51:04wir ja gerade abgeschlossen haben, war
- 2:51:05der wärmste seit der Messung. Und der
- 2:51:09andere Grund, weswegen wir über
- 2:51:11internationalen Klimaschutz vermehrt
- 2:51:12reden, ist der Start der
- 2:51:14Weltklimakonferenz in wenigen Tagen, die
- 2:51:16COP 31 in Antalya.
- 2:51:19Seit 1995 gibt es dieses Format, diesen
- 2:51:22wichtigen Austausch, diese Art der
- 2:51:24internationalen Zusammenarbeit.
- 2:51:26Es geht darum, Erfahrungen
- 2:51:27auszutauschen, von anderen zu lernen und
- 2:51:30Entwicklungen gemeinsam zu besprechen.
- 2:51:33Es Es darum, sich einzubringen, Pläne zu
- 2:51:35schmieden, über Lösungen und über
- 2:51:37Handlungsschritte zu sprechen.
- 2:51:39Es geht ja hier nicht um irgendwas. Es
- 2:51:41geht um unsere Erde, unser Ökosystem,
- 2:51:44unsere Lebensgrundlage und all das
- 2:51:47befindet sich gerade im Stresstest.
- 2:51:50All das passiert auf der COP.
- 2:51:52Die unterschiedlichen Länder verhandeln
- 2:51:53selbst, diskutieren gemeinsam über
- 2:51:56Lösungen.
- 2:51:57Das machen sie nicht allein, das machen
- 2:51:58sie gemeinsam mit uns vorliegenden
- 2:52:00Vertretern aus der Zivilbevölkerung, von
- 2:52:03Verbänden und auch Vertretern aus der
- 2:52:05Wirtschaft. All diese Akteure kommen
- 2:52:07zusammen, um zu diskutieren, wie es
- 2:52:09weitergeht, denn alle betrifft es.
- 2:52:12Und darauf bezieht sich auch der Antrag
- 2:52:14der Union mit der SPD, Klimaschutz als
- 2:52:17Zukunftsinvestition und auch als
- 2:52:20Wettbewerbsfaktor.
- 2:52:22Denn genau das ist Klimaschutz und kann
- 2:52:23Klimaschutz sein. Es ist nicht nur eine
- 2:52:26Konferenz über Verhandlungen, sondern es
- 2:52:28geht auch um Technologien und es geht um
- 2:52:31Fortschritt.
- 2:52:32Und daher haben wir in dem Antrag einige
- 2:52:34Punkte aufgenommen. Wesentliche wurden
- 2:52:36vom Minister auch schon mitgenannt. Es
- 2:52:38geht unter anderem um das Thema
- 2:52:40weltweite Elektrifizierung. Es gibt in
- 2:52:43Europa unterschiedliche Vorreiter, aber
- 2:52:45auch andere Länder im internationalen
- 2:52:47Vergleich sind ambitioniert, Indien da
- 2:52:49als Beispiel zu nennen.
- 2:52:51Es ist eine Chance für Germany, denn wir
- 2:52:53haben Clean Tech Made in Germany.
- 2:52:56Es geht aber auch um Themen wie
- 2:52:58Netzausbau, diesen resilient Resilienz
- 2:53:00zu gestalten und zu beschleunigen.
- 2:53:03Es geht darum, weitere Geber zu finden,
- 2:53:06denn natürlich ist es auch eine Frage
- 2:53:08der Finanzierung in den ganz
- 2:53:10unterschiedlichsten Bereichen, wenn es
- 2:53:11beispielsweise um Waldschutz geht.
- 2:53:14Es geht auch um die Umsetzung der
- 2:53:16internationalen Klimaschutzzertifikate
- 2:53:18nach Artikel 6 des Pariser Abkommens
- 2:53:21ohne Doppelzählungen und mit
- 2:53:23tatsächlicher Minderungswirkung. Es geht
- 2:53:26um eine sozial ausgewogene Gestaltung
- 2:53:28und natürlich auch darum, große
- 2:53:30Emittenten wie China oder auch die
- 2:53:32Golfstaaten stärker zu beteiligen.
- 2:53:36Ganz besonders in diesem Jahr ist das
- 2:53:37Setting. Die Türkei richtet die
- 2:53:39Klimakonferenz nicht alleine aus,
- 2:53:42sondern Australien führt die
- 2:53:43Verhandlungen und die Türkei ist der
- 2:53:46Ausrichter. Es sind zwei ganz
- 2:53:47unterschiedliche Staaten, die an
- 2:53:49unterschiedlichen Punkten stehen und
- 2:53:50sich jetzt aber gemeinsam für den
- 2:53:53Klimaschutz einsetzen möchten. Und wir
- 2:53:55sehen ja an dem Beispiel, wie wichtig
- 2:53:57die Zusammenarbeit ist und vor allem,
- 2:53:59wie wichtig dann natürlich auch die
- 2:54:00Resultate sein werden.
- 2:54:03Denn
- 2:54:04[applaus]
- 2:54:06in Zeiten, wo auch hier in diesem Haus
- 2:54:09Klimaschutz kritisch diskutiert wird und
- 2:54:11auch schnell in den Hintergrund geraten
- 2:54:13kann, während Kriege geführt werden auf
- 2:54:15dieser Erde, deren Auswirkungen wir alle
- 2:54:18spüren, gerade zurzeit im Bereich der
- 2:54:20Energieversorgung, ist es doch ein
- 2:54:22wichtiges Signal.
- 2:54:23Denn ganz unabhängig davon, was weltweit
- 2:54:26passiert, bleibt der Klimawandel real
- 2:54:29und ein aktuelles Thema, ob wir das
- 2:54:31wahrhaben wollen oder nicht.
- 2:54:33Und ich freue mich sehr darauf,
- 2:54:36[applaus]
- 2:54:37ich persönlich freue mich sehr darauf,
- 2:54:39auch als junger Mensch, über die neuen
- 2:54:40Berichte, die nächsten Handlungsschritte
- 2:54:43und wie vor allem Diskussionen
- 2:54:45untereinander geführt werden und dann
- 2:54:47natürlich auch auf das Resultat und
- 2:54:48egal, wie es ausfällt, wir müssen dann
- 2:54:50damit arbeiten und weiterarbeiten.
- 2:54:53Ich freue mich darauf, von anderen
- 2:54:54Ländern zu lernen und gemeinsam zu
- 2:54:56schauen, wie wir vorankommen können,
- 2:54:59denn nicht nur Deutschland beschäftigt
- 2:55:00sich mit dem Thema.
- 2:55:02Und ich freue mich darauf, an den
- 2:55:04Zusammenhalt zu arbeiten, den wir in
- 2:55:06dieser Frage brauchen.
- 2:55:08Denn am Ende ist klar, kein Land alleine
- 2:55:11löst die Klimakrise und kein Land
- 2:55:13alleine wird die Lösung finden.
- 2:55:16Nur gemeinsam können wir langfristig an
- 2:55:18einer stabilen Lösung arbeiten und diese
- 2:55:21entwickeln. Und da muss auch Deutschland
- 2:55:23seinen Beitrag für leisten. Vielen Dank
- 2:55:25für eure Aufmerksamkeit.
- 2:55:27[applaus]
- 2:55:31Für Bündnis 90/Die Grünen darf ich Lisa
- 2:55:34Badum das Wort erteilen.
- 2:55:45Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr
- 2:55:47geehrten Damen und Herren.
- 2:55:48Diese Woche steht ganz im Zeichen der US
- 2:55:51Zwischenwahlen.
- 2:55:52Und eines ist klar, die progressive
- 2:55:54Welle rollt und das ist die Stunde der
- 2:55:57Demokraten.
- 2:56:02Ja, sie haben verloren.
- 2:56:04Diese Wahlen waren ein Denkzettel, diese
- 2:56:06Wahlen waren ein Denkzettel für Donald
- 2:56:08Trump und die Republikaner,
- 2:56:10aber sie waren auch ein Denkzettel für
- 2:56:11die fossile Politik der Bundesregierung.
- 2:56:14Denn Herr Merz hat von Tag eins
- 2:56:16versucht, Herrn Trump in der
- 2:56:17Energiepolitik nachzueifern. Mit
- 2:56:19fossilen Gasbohrungen im Inland, mit der
- 2:56:21Erlaubnis von mehr Öl- und Gasheizungen
- 2:56:23bis zum St. Nimmerleinstag und aktuell
- 2:56:26noch mit dem Ausbremsen der Wind- und
- 2:56:28Solarenergie. Währenddessen ist seine
- 2:56:30Ministerin Frau Raiche im März nach
- 2:56:32Texas zur großen Öl- und Gasmesse
- 2:56:35gefahren und anschließend kam sie zurück
- 2:56:38und hat auf EU-Ebene die Grenzwerte für
- 2:56:41den Klimakiller Methan aufgeweicht, so
- 2:56:43dass amerikanische Ölkonzerne ihre
- 2:56:46löchrigen Pipelines und Bohrtürme nicht
- 2:56:49reparieren müssen. Es kam kein
- 2:56:50Widerspruch von der Bundesregierung,
- 2:56:52folgerichtig fast kein Widerspruch,
- 2:56:54außer von Herrn Schneider, folgerichtig,
- 2:56:56weil es ja auch ein März-Kurs ist.
- 2:56:59Aber die Bundesregierung muss sehen,
- 2:57:00dass sich nun auch in den USA der Wind
- 2:57:02gedreht hat. In der Ölhochburg Texas hat
- 2:57:05seit vielen vielen Jahren wieder ein
- 2:57:07demokratischer Senator gewonnen und in
- 2:57:09vielen anderen Bundesstaaten haben die
- 2:57:11Kandidaten der fossilen Lobby eben auch
- 2:57:14nicht gewonnen. Obwohl die Öl- und
- 2:57:16Gaskonzerne 182
- 2:57:18Millionen Dollar in diesen Wahlkampf
- 2:57:20gesteckt haben, haben sie verloren. Und
- 2:57:23deswegen ist die Botschaft im Vorfeld
- 2:57:25der Weltklimakonferenz doch klar. Ja,
- 2:57:28die fossile Lobby verfügt noch über eine
- 2:57:30enorme finanzielle Macht, aber sie ist
- 2:57:32trotzdem besiegbar, meine sehr geehrten
- 2:57:34Damen und Herren.
- 2:57:36[applaus]
- 2:57:39Und sie ist auch in Europa besiegbar.
- 2:57:42Auch in Europa haben die Ölkonzerne ihre
- 2:57:44Profite in den letzten Monaten
- 2:57:46verdoppelt auf 90 Milliarden Dollar,
- 2:57:48während die Menschen unter hohen Preisen
- 2:57:50bei Energie und bei Lebensmittel leiden.
- 2:57:53Und deswegen ist die Konsequenz jetzt
- 2:57:54doch klar für die Bundesregierung.
- 2:57:57Herr Merz, Frau Reiche, SPD und CDU, Sie
- 2:58:00haben auf das falsche Pferd gesetzt. Die
- 2:58:01Öl- und Gaskonzerne in den USA haben
- 2:58:03verloren. Und deswegen ist die
- 2:58:05Entscheidung, die für Sie jetzt ansteht
- 2:58:07doch, werden Sie weiter die Fakten
- 2:58:09ignorieren und wie Audi-Chef Döhner,
- 2:58:11übrigens geboren im Ort namens
- 2:58:13Bückeburg, werden Sie sich auf die Seite
- 2:58:15der Menschen schlagen, die im Verlust
- 2:58:17der Macht sind, oder werden Sie sich auf
- 2:58:19die Seite Demokratie schlagen? Das ist
- 2:58:21die Entscheidung, die jetzt ansteht. Und
- 2:58:23falls Letzteres
- 2:58:26falls Letzteres, was ich doch annehme,
- 2:58:27dass Sie das möchten, beenden Sie das
- 2:58:29Gewürge um das Abwürgen der
- 2:58:31Energiewende, ziehen Sie die Gesetz von
- 2:58:33Katharina Reiche vor der nächsten Woche
- 2:58:35aus dem Verkehr, beenden Sie die
- 2:58:37Gasflation, führen Sie eine fossile
- 2:58:39Übergewinnsteuer ein, wie sie unsere
- 2:58:41europäischen Nachbarstaaten bereits
- 2:58:43haben. Und es ist traurig, es ist
- 2:58:45traurig, dass Herr Merz als Chef der
- 2:58:47drittgrößten Volkswirtschaft nicht zu
- 2:58:49dieser Klimakonferenz nach Antalya fährt
- 2:58:51und unsere Macht nicht nutzt, die wir
- 2:58:53haben für internationale Bündnisse, für
- 2:58:56Frieden und für Klimaschutz. Das wäre so
- 2:58:58ein Gewinn gewesen, wenn Sie da mal Ihr
- 2:59:00Gewicht in die Waagschale geworfen
- 2:59:01hätten. Jetzt
- 2:59:05Und wenn man den Antrag der Fraktionen
- 2:59:07liest, dann wirkt es ja so, als wäre das
- 2:59:09vielleicht sogar geplant gewesen, weil
- 2:59:12jetzt Überraschung, der Antrag ist gut.
- 2:59:15Der Antrag wirkt so, als würden Sie für
- 2:59:17internationale Bündnisse werben wollen.
- 2:59:19Sie wollen die 35 % Elektrifizierung bis
- 2:59:222035. Sie wollen, dass die Staaten
- 2:59:24Ausstiegspläne aus den fossilen Energien
- 2:59:27vorlegen und wir werden deswegen als
- 2:59:29Grüne diesem Antrag sogar zustimmen.
- 2:59:32Aber ja,
- 2:59:33so ist es. Das Problem ist nur, das
- 2:59:35Problem ist nur, dass die Realität ihrer
- 2:59:37Regierungspolitik nichts, aber auch gar
- 2:59:39nichts mit diesem Antrag zu tun hat. Sie
- 2:59:42müssen anfangen
- 2:59:44Sie müssen anfangen
- 2:59:45und deswegen nehmen Sie unsere
- 2:59:46Zustimmung als Appell, das endlich zu
- 2:59:48tun, ihn in die Realität umzusetzen.
- 2:59:51Elektrifizierung in Deutschland würde
- 2:59:53heißen, die Südkurve einzuführen, den
- 2:59:56Vorbehalten nicht anzubringen, die
- 2:59:57kleinen Solaranlagen zu erhalten. Das
- 2:59:59würde es bedeuten, drehen Sie um, bevor
- 3:00:01es zu spät ist und Ihnen das Gleiche
- 3:00:03blüht
- 3:00:04wie Herrn Trump in den USA.
- 3:00:05[applaus]
- 3:00:09Für die Fraktion Die Linke darf Violetta
- 3:00:12Bock das Wort erteilen.
- 3:00:14[applaus]
- 3:00:22Herr Präsident, verehrte Zuhörende.
- 3:00:24Dienstag hörten wir uns bei uns in der
- 3:00:26Fraktion Vertreterinnen der GenZ zu.
- 3:00:29Neben Geld für Schulen, einem
- 3:00:31bezahlbaren Leben, einer gerechten
- 3:00:32Lastenverteilung, dem klaren Nein zur
- 3:00:35Wehrpflicht und dem Schutz der
- 3:00:36Grundrechte statt mehr Überwachung gehen
- 3:00:38Sie am 20.11. auf die Straße für
- 3:00:40konsequenten Klimaschutz, damit Sie eine
- 3:00:43Zukunft haben.
- 3:00:44Die Union diffamiert diese Bewegung als
- 3:00:46Randalierer, damit sie bloß nicht
- 3:00:48darüber reden müssen, dass in
- 3:00:49Wirklichkeit die BlackRocks und das
- 3:00:51profitgetriebene Wirtschaftssystem
- 3:00:53unsere Zukunft gefährdet.
- 3:00:55Bei der COP werden Sie zeigen müssen, ob
- 3:00:57es auch nur einen Schritt weiter geht.
- 3:01:00Wir erwarten nicht viel, außer viele
- 3:01:02Lobbyisten.
- 3:01:03Und deswegen haben wir unseren Antrag
- 3:01:04vom letzten Jahr wieder eingebracht. Sie
- 3:01:06lehnen ihn ja sowieso ab.
- 3:01:08Tauschen Sie COP 30 durch COP 31, Belem
- 3:01:11durch Antalya. Die Forderungen sind umso
- 3:01:13drängender geworden. Wir brauchen eine
- 3:01:16internationale, gerechte
- 3:01:18Klimafinanzierung und das heißt
- 3:01:19Schuldenschnitt und Reparationen statt
- 3:01:21Kreditsystem.
- 3:01:23Wir brauchen eine Klimapolitik, die von
- 3:01:25den Betroffenen ausgeht und Verursacher
- 3:01:27zur Kasse bittet, statt neue Fonds mit
- 3:01:30Rendite anzubieten.
- 3:01:32[applaus]
- 3:01:32Wir brauchen den konsequenten Ausstieg
- 3:01:35aus der fossilen Energie, nicht die
- 3:01:37Simulation auf internationaler Bühne,
- 3:01:39sondern konsequent hier durch
- 3:01:41Emissionsminderung statt Greenwashing
- 3:01:43und koloniale Ausbeutung.
- 3:01:45Ein Jahr ist vergangen und seitdem
- 3:01:48neue Gaskraftwerke, Tankrabatt, die
- 3:01:50Agrardieselrückvergütung, das
- 3:01:51Heizungsgesetz als fossile Kostenfalle,
- 3:01:54eine Grüngasquote ohne Bezug zur
- 3:01:55Wirklichkeit, Wegfall der
- 3:01:57Einspeisevergütung bei der EEG-Novelle.
- 3:01:59Das ist ein Rollback, den Sie hier
- 3:02:01betreiben. Und verweisen Sie nicht auf
- 3:02:04das Klimaschutzprogramm. Das ist kein
- 3:02:06Plan für den Abbau klimaschädlicher
- 3:02:08Subventionen. Stattdessen treibt uns
- 3:02:10Frau Reiche tiefer in die fossile
- 3:02:12Abhängigkeit. Kein Wunder, dass die Wut
- 3:02:14so groß ist.
- 3:02:17Und
- 3:02:18mit was will die Koalition zur COP
- 3:02:20einreisen? Was trägt sie bei? Mit
- 3:02:23Friedrich Merz jedenfalls nicht. War
- 3:02:25letztes Jahr wohl schon zu peinlich.
- 3:02:27Ihr Antrag liest sich, als würden Sie zu
- 3:02:29einer Greentech-Messe fahren.
- 3:02:31Klimaschutz als Wettbewerbsfaktor und
- 3:02:33Zukunftsinvestition.
- 3:02:34Allerdings unter Finanzierungsvorbehalt.
- 3:02:37Es ist eine Schande, dass während
- 3:02:38Milliarden für Kriege beschlossen
- 3:02:40werden, Sie zu solch einer Konferenz
- 3:02:42fahren und den wirklich ärmsten Ländern
- 3:02:45mit knappen Haushaltsmitteln kommen.
- 3:02:48Die Grünen haben in dem Antrag einige
- 3:02:49gute Punkte. Wir teilen angesichts der
- 3:02:52angespannten Menschenrechtslage in der
- 3:02:53Türkei explizit, dass die
- 3:02:55Bundesregierung sich dafür einsetzen
- 3:02:57muss, dass die Teilnahme der
- 3:02:58Zivilgesellschaft und vulnerabler
- 3:03:00Gruppen gewährleistet wird.
- 3:03:03Aber Formmodelle
- 3:03:04und Zertifikate nach Artikel 6 sind
- 3:03:06nicht zu regulieren. Sie sind das
- 3:03:08Einfallstor für Klimaschäden mit
- 3:03:09sauberem Etikett.
- 3:03:11Die Klimakrise ist mit all den Extremen
- 3:03:13mit voller Wucht da. Sie ist eine
- 3:03:15Gerechtigkeitsfrage. Und wir sehen, Merz
- 3:03:18und Co. regeln nicht.
- 3:03:2020.11. auf die Straße.
- 3:03:23[applaus]
- 3:03:26Für die SPD-Fraktion darf ich Jakob
- 3:03:29Blankenburg das Wort erteilen.
- 3:03:37Herr Präsident, liebe Kolleginnen und
- 3:03:39Kollegen, im vergangenen Jahr sind
- 3:03:41weltweit rund 2,2 Billionen Dollar in
- 3:03:44saubere Energie geflossen. Das ist fast
- 3:03:47doppelt so viel wie in Öl, Gas und
- 3:03:49Kohle. Die Welt hat also ihre
- 3:03:52Entscheidung längst getroffen. Offen ist
- 3:03:54nur noch, wer bei diesem Wandel vorne
- 3:03:57mitspielt und wer am Ende abhängig
- 3:03:59bleibt. Wie gefährlich fossile
- 3:04:01Abhängigkeit ist, das erleben wir jeden
- 3:04:03Tag. Der russische Angriffskrieg und die
- 3:04:05Eskalation im Nahen Osten bringen
- 3:04:07unfassbares Leid und sie zeigen, wie
- 3:04:09erpressbar sich ein Land macht, das an
- 3:04:12fossilen Importen festhält.
- 3:04:15Und der Klimawandel wartet nicht auf
- 3:04:17ruhigere Zeiten. Diesen Sommer haben wir
- 3:04:19es alle gespürt an vertrockneten
- 3:04:21Feldern, an Niedrigwasser in unseren
- 3:04:23Flüssen und an den vielen Hitzetoten.
- 3:04:27Am Montag beginnt im türkischen Antalya
- 3:04:29die 31. Weltklimakonferenz
- 3:04:32und mit diesem Antrag geben wir der
- 3:04:34Bundesregierung einen klaren Auftrag für
- 3:04:36die Verhandlungen mit auf den Weg.
- 3:04:39Erstens, Elektrifizierung und genau hier
- 3:04:41liegt der Schlüssel. Wir haben es eben
- 3:04:42gerade schon von Kolleginnen und
- 3:04:44Kollegen gehört. Jede Wärmepumpe, jedes
- 3:04:46E-Auto und jede elektrifizierte Fabrik
- 3:04:48macht uns ein Stück unabhängiger von Öl-
- 3:04:51und Gasimporten. Und deshalb wird
- 3:04:53Deutschland in Antalya das Ziel
- 3:04:55unterstützen, bis 2035 mindestens 35 %
- 3:04:59des weltweiten Energieverbrauchs mit
- 3:05:01Strom zu decken und das Hand in Hand mit
- 3:05:03konsequenten Ausbau von von erneuerbaren
- 3:05:05Energien und von Stromnetzen. Die
- 3:05:07Wärmepumpen, den grünen Stahl und die
- 3:05:09Batterien, die wollen wir dafür hier
- 3:05:11bauen. Das ist Clean Tech Made in
- 3:05:14Germany und das müssen wir immer wieder
- 3:05:16vorausstellen. Es ist ein
- 3:05:17Wirtschaftsfaktor, den wir nicht
- 3:05:19unterschätzen dürfen.
- 3:05:21Zweitens,
- 3:05:22zweitens soll Deutschland verlässlich
- 3:05:24auftreten. Während die USA zum zweiten
- 3:05:26Mal aus dem Pariser Abkommen aussteigen
- 3:05:28und einige Ölstaaten blockieren, stehen
- 3:05:30wir mit unseren europäischen
- 3:05:32Partnerinnen und Partnern zu unserem
- 3:05:34Wort. Wir setzen uns dafür ein, dass
- 3:05:36jedes Land einen Fahrplan für den
- 3:05:38Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas vorlegt.
- 3:05:41Wir sind bereits vor wenigen Wochen als
- 3:05:43drittes Land der Welt vorangegangen.
- 3:05:46Bundesumweltminister Carsten Schneider
- 3:05:47hat in New York unsere Strategie
- 3:05:49vorgestellt und verbindlich bei den
- 3:05:51Vereinten Nationen hinterlegt. Und
- 3:05:53drittens, der Wandel muss gerecht sein,
- 3:05:55bei uns aber auch weltweit. Wer bei
- 3:05:58einem in der Kohleindustrie seinen
- 3:06:00Arbeitsplatz verliert, der braucht
- 3:06:01Perspektive und die Länder, die am
- 3:06:03härtesten von der Klimakrise getroffen
- 3:06:05werden, die brauchen unsere
- 3:06:07Unterstützung. Deshalb müssen wir als
- 3:06:08Deutschland als reiches Land unseren
- 3:06:10fairen Anteil in die internationale
- 3:06:12Klimafinanzierung einzahlen.
- 3:06:14Aber es kann auch nicht sein, dass sich
- 3:06:16China und andere Golfstaaten, die
- 3:06:17Jahrzehnte am Öl verdient haben, dabei
- 3:06:20weiter vornehm zurücknehmen.
- 3:06:22Herr Abgeordneter, würden Sie eine
- 3:06:23Zwischenfrage aus der AfD-Fraktion
- 3:06:25zulassen?
- 3:06:26Sie äh haben ja gleich im Anschluss noch
- 3:06:29die Möglichkeit, darauf zu reagieren.
- 3:06:30Sie sind, glaube ich, der nächste
- 3:06:31Redner, also von daher ähm nein.
- 3:06:34Aber was heißt das für Menschen bei uns?
- 3:06:36Strom statt Sprit im Tank, Wärmepumpe
- 3:06:39statt Gasheizung im Keller, das klingt
- 3:06:41nach Technik, aber es geht um etwas
- 3:06:42anderes. Wer so fährt, wer so heizt,
- 3:06:44dessen Nebenkostenabrechnung hängt nicht
- 3:06:46mehr davon ab, was im Kreml entschieden
- 3:06:48wird oder was am Golf passiert, dann
- 3:06:50bleibt das Geld bei uns, bei den
- 3:06:52Stadtwerken, Handwerksbetrieben, bei den
- 3:06:53Menschen, die hier arbeiten. Das ist
- 3:06:55Klimaschutz und vor allen Dingen das ist
- 3:06:57Freiheit. Liebe Kolleginnen und
- 3:06:59Kollegen, die Welt hat sich entschieden,
- 3:07:01jetzt entscheiden wir, ob Deutschland
- 3:07:02dabei vorne steht und da hinterherläuft.
- 3:07:04Ich will, dass wir vorne stehen und
- 3:07:06deshalb bitte ich um Ihre Zustimmung.
- 3:07:09[applaus]
- 3:07:11Für die AfD-Fraktion darf ich Dr. Ingo
- 3:07:13Hahn das Wort erteilen.
- 3:07:16[applaus]
- 3:07:26Ja, werter Herr Präsident, meine
- 3:07:27geschätzten Damen und Herren, alle Jahre
- 3:07:30wieder kommt bei Ihnen nicht mehr das
- 3:07:32Christuskind, werte Altparteiler,
- 3:07:34sondern Sie huldigen Ihrer neuen
- 3:07:36Klimareligion. Sie wollen nicht mehr
- 3:07:38unterm winterlichen Weihnachtsbaum
- 3:07:40sitzen, sondern lieber auf
- 3:07:42Steuerzahlerkosten in die Sonne fliegen,
- 3:07:45nach Antalya zur Weltklimakonferenz.
- 3:07:49Jetzt ist es wieder so weit, aber
- 3:07:52tausende Klimajünger jetten Kerosin
- 3:07:55verprasst in den Süden, um allen anderen
- 3:07:58das Energiesparen vorzu- vorzuschreiben.
- 3:08:01Was für eine Doppelmoral, was für eine
- 3:08:04Schizophrenie und was für ein
- 3:08:06wirtschaftlicher Wahnsinn, meine Damen
- 3:08:08und Herren.
- 3:08:09Hans Werner Sinn, Professor Hans Werner
- 3:08:12Sinn, hat es gerade treffend gesagt,
- 3:08:13wegen Energiewende und Klimawahn wird
- 3:08:16unser Lebensstandard massiv sinken. Die
- 3:08:18Energiebilanz der letzten Wochen hat
- 3:08:20erneut gezeigt, dass Wind und Sonne
- 3:08:22extrem unzuverlässig sind, obwohl unsere
- 3:08:26gesamte Natur durch ihre Anlagen bereits
- 3:08:29großflächig verschandelt ist, konnten
- 3:08:31sie nicht einmal die Hälfte der
- 3:08:33Stromlast decken. Die AfD wird den
- 3:08:36schwarz-roten Irrweg stoppen und Energie
- 3:08:39wieder unabhängig erzeugen. Eine Wende
- 3:08:41von der Energiewende, meine Damen und
- 3:08:43Herren.
- 3:08:46Für diese Wende von der Wende braucht es
- 3:08:48allerdings erstmal ein Abschwören von
- 3:08:50den Klimagötzen und von ihrem Tempel,
- 3:08:54dem IPCC. Daher fordern wir in unserem
- 3:08:56Antrag heute, erstens, verzichten Sie
- 3:08:59darauf, Delegationen zu entsenden, Herr
- 3:09:01Bundeskanzler Scholz. Beenden Sie
- 3:09:03jegliche Mitwirkung am Weltklimarat.
- 3:09:06Zweitens, wir brauchen unser Geld jetzt
- 3:09:09wieder für uns, Herr Finanzminister
- 3:09:11Lindner. Beenden Sie sämtliche Zahlungen
- 3:09:13deutschen Steuergelds an den IPCC.
- 3:09:18Und drittens, wir brauchen eine
- 3:09:20transparente und vor allen Dingen
- 3:09:22faktenbasierte Umweltpolitik. Beenden
- 3:09:24Sie die ideologische Klimapolitik fußend
- 3:09:27auf Wunschmodellen. Die Märchenstunde
- 3:09:30ist vorbei, auch wenn es Ihnen allen
- 3:09:33wehtut.
- 3:09:36[applaus] Sie reden von CO2-Einsparung
- 3:09:39als Zukunftsinvestition, Herr
- 3:09:41Umweltminister Schneider, aber Ihre
- 3:09:43Klimapolitik bewirkt genau das
- 3:09:45Gegenteil, Preisexplosion, soziale
- 3:09:47Kälte, Armut. Außerdem haben Sie
- 3:09:50Millionen Migranten in dieses Land
- 3:09:52reingelassen, die Ihren CO2-Ausstoß
- 3:09:55weiter in die Höhe treiben. Daran sieht
- 3:09:58man, es geht Ihnen nicht ums CO2. Es
- 3:10:01geht Ihnen nicht ums Klima und es geht
- 3:10:03Ihnen nicht um die Umwelt. Zum Schluss,
- 3:10:06[applaus]
- 3:10:07wenn Sie gerne
- 3:10:09Urlaub in der Türkei machen, Sie alle,
- 3:10:12dann bitte nicht als Dienstreise,
- 3:10:15sondern bezahlen Sie Ihren Klimatipp
- 3:10:17einfach selbst. Mit uns von der AfD wird
- 3:10:20es solche Steuerverschwendung in Zukunft
- 3:10:22nicht mehr geben.
- 3:10:25[applaus]
- 3:10:29Als letzte Stimme in der Aussprache
- 3:10:31hören wir für die CDU/CSU-Fraktion
- 3:10:34Hans Koller.
- 3:10:37[applaus]
- 3:10:42Herr Präsident, meine sehr verehrten
- 3:10:45Damen und Herren, ja, die Märchenstunde
- 3:10:47ist tatsächlich vorbei, weil Sie den
- 3:10:49Rednerpult verlassen haben, Herr
- 3:10:50Professor Dr. Hoffmann.
- 3:10:53[applaus]
- 3:10:54Die Weltklimakonferenz in Antalya steht
- 3:10:57bevor und sie findet in einer Zeit
- 3:11:00großer Herausforderungen statt. Kriege,
- 3:11:04Klimawandel, geopolitische Spannungen,
- 3:11:07Sicherung unserer Energieversorgung und
- 3:11:10den internationalen Wettbewerb um die
- 3:11:12Technologien von morgen.
- 3:11:15Unsere Klimaziele lassen sich nur mit
- 3:11:18wirtschaftlicher Stärke erreichen.
- 3:11:21Unsere Aufgabe ist es, den Unternehmen
- 3:11:23die Grundlage für Innovationen und
- 3:11:26Investitionen zu schaffen und zu
- 3:11:28schützen, mit Technologieoffenheit,
- 3:11:31mit bezahlbarer und zuverlässiger
- 3:11:33Energie in einem Energiemix und in dem
- 3:11:36Klimaschutz zu einem Wettbewerbsvorteil
- 3:11:39werden kann, meine Damen und Herren. Wir
- 3:11:41haben Verantwortung in diesem Lande. Wir
- 3:11:44haben Verantwortung, insbesondere auch
- 3:11:46als Bundesregierung,
- 3:11:49äh
- 3:11:50Synergien zu nutzen und vor allen Dingen
- 3:11:53auch nicht alles schlecht zu reden, wie
- 3:11:55sie es in ihrem Geschäftsmodell tun.
- 3:11:59Und genau diesen Anspruch verfolgen wir
- 3:12:01mit unserem Antrag zur
- 3:12:04Weltklimakonferenz. Klimaschutz als
- 3:12:06Zukunftsinvestition
- 3:12:08und als Wettbewerbsfaktor. Innovation
- 3:12:12statt Denkverbote, Planungssicherheit
- 3:12:15statt immer neuer Vorschriften und mehr
- 3:12:18Vertrauen in die Menschen und
- 3:12:19Unternehmen, die Lösungen entwickeln und
- 3:12:22umsetzen. Das ist unser Weg zum
- 3:12:25Erreichen unserer Klimaziele, meine
- 3:12:27Damen und Herren.
- 3:12:29[applaus]
- 3:12:31Mit der Roadmap haben wir einen
- 3:12:33konkreten Fahrplan für die
- 3:12:35Transformation auf den Weg gebracht.
- 3:12:37Jetzt müssen aus politischen Zielen
- 3:12:40praktische Fortschritte werden,
- 3:12:42insbesondere in den Bereichen der
- 3:12:45erneuerbaren Energien,
- 3:12:47in Netzen und Speichern, bei Wasserstoff
- 3:12:50und bei der Entwicklung
- 3:12:51klimafreundlicher
- 3:12:53industrieller Prozesse, meine Damen und
- 3:12:55Herren. Die Unabhängigkeit, die Vielfalt
- 3:13:00macht die Energiewende und macht die
- 3:13:03macht die Energiewende auch zu einem
- 3:13:06Geschäftsmodell,
- 3:13:08an denen wir festhalten. Und wer oft zu
- 3:13:11wenig Beachtung findet, ist auch ein
- 3:13:14Thema von mir, ist unsere Land- und
- 3:13:16Forstwirtschaft.
- 3:13:18Für wirksamen Klimaschutz brauchen wir
- 3:13:20gesunde Wälder, gesunde Böden und für
- 3:13:23deren nachhaltige Bewirtschaftung
- 3:13:26brauchen wir unsere Land- und Forstwirte
- 3:13:29und zwar als Partner, als Partner und
- 3:13:32auch nicht immer mit neuen Auflagen, die
- 3:13:35auf praxisfremd sind über deren Köpfe
- 3:13:38hinweg. Intensive und moderne
- 3:13:41Landwirtschaft sind kein Widerspruch zu
- 3:13:44Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz.
- 3:13:46Sie sind Partner. Schützen durch Nützen
- 3:13:49ist unser ist unser Maßstab.
- 3:13:52[applaus]
- 3:13:54Unsere Klimapolitik muss auf solider
- 3:13:56wissenschaftlicher Grundlage stehen.
- 3:13:59Deshalb lehnen wir den Antrag der AfD
- 3:14:01klar ab und der
- 3:14:04beschließt keine nationalen
- 3:14:06Klimaschutzmaßnahmen
- 3:14:07und schreibt keiner Regierung vor,
- 3:14:09welche politischen Instrumente
- 3:14:12sie einzusetzen hat. Seine Aufgabe ist
- 3:14:15es, den Stand der Welt der
- 3:14:17wissenschaftlichen Erkenntnisse
- 3:14:19zusammenzutragen und zu bewerten. Und
- 3:14:21unsere Aufgabe ist es, die richtigen
- 3:14:23Schlüsse zu ziehen.
- 3:14:24Das ist richtig.
- 3:14:26Meine Damen und Herren, die Grünen
- 3:14:29die Grünen setzen mit ihrem Antrag auf
- 3:14:31zusätzliche Forderungen und Belastungen.
- 3:14:34Damit würden wir Unternehmen neue Kosten
- 3:14:37aufbürden oder ihnen die
- 3:14:38Planungssicherheit nehmen, neue
- 3:14:40Bürokratie und der Klimaschutz,
- 3:14:44der wird dadurch nicht wirksamer. Die
- 3:14:47Energiewende muss für alle Bürgerinnen
- 3:14:49und Bürger, aber auch für unsere
- 3:14:51Wirtschaft bezahlbar sein. Und hier
- 3:14:54glaube ich, sind wir auf einem guten Weg
- 3:14:56in den Verhandlungen äh der erneuerbaren
- 3:14:59Energiegesetze. Weniger Bürokratie,
- 3:15:03schnellere Verfahren und verlässliche
- 3:15:05Rahmenbedingungen, das sind keine
- 3:15:07Hindernisse für Klimaschutz. Es sind
- 3:15:10Voraussetzungen dafür, dass
- 3:15:12Investitionen auch tatsächlich
- 3:15:14stattfinden.
- 3:15:17von Bündnis 90/Die Grünen zulassen?
- 3:15:25Ja, Herr Koller, äh vielen Dank, dass
- 3:15:27Sie den Antrag auf jeden Fall gelesen
- 3:15:29haben.
- 3:15:30Mich wundert nur ein bisschen die
- 3:15:31Schlussfolgerung, äh weil Sie ja sagen,
- 3:15:33das würde Unternehmen belasten.
- 3:15:36Denken Sie, ähm wenn die Öl- und
- 3:15:37Gaskonzerne Übergewinne von 90
- 3:15:39Milliarden Euro gemacht haben allein
- 3:15:41jetzt im Quartal ähm April bis Juni,
- 3:15:45also Shell, Chevron, Exxon und andere
- 3:15:47ungefähr die gleichen Übergewinne, wie
- 3:15:49sie zuletzt bei der Energiekrise 2022
- 3:15:51gemacht haben, wo CDU und SPD eine
- 3:15:53Übergewinnsteuer eingeführt haben, dass
- 3:15:55es dann fair wäre, auch jetzt wieder
- 3:15:57eine Klimaschadensabgabe einzuführen, um
- 3:15:59diese Konzerne an den Schäden zu
- 3:16:01beteiligen, die wir in Europa den ganzen
- 3:16:03Hitzesommer über gesehen haben?
- 3:16:10Frau
- 3:16:12Herzlichen Dank für Ihre Frage.
- 3:16:13Natürlich
- 3:16:15sehen wir und sehe ich ich insbesondere
- 3:16:18auch die immer wieder kritisch diese
- 3:16:19Geschäftsmodelle, die
- 3:16:22wir an den Tankstellen beobachten können
- 3:16:24und das regt die Menschen auch auf und
- 3:16:26natürlich werden wir das Ganze auch im
- 3:16:28Blick haben und das haben wir auch im
- 3:16:31Blick mit wirksamen, hoffentlich
- 3:16:34wirksamen Maßnahmen, um den Bürger auch
- 3:16:37wieder zu entlasten. Aber ich stimme
- 3:16:39Ihnen dahingehend zu
- 3:16:45ich stimme Ihnen dahingehend zu, dass es
- 3:16:48hier
- 3:16:50auch die eine oder andere unglückliche
- 3:16:51Entwicklung gibt, die wir im Auge
- 3:16:53behalten müssen und wo die Menschen
- 3:16:55zurecht auch erwarten, dass wir dazu
- 3:16:58handeln und ich glaube, das tut diese
- 3:17:00Bundesregierung. Wir
- 3:17:02sind insbesondere auch in intensiven
- 3:17:04Austausch mit einem Bundeskartellamt,
- 3:17:07mit verschiedenen Dingen und es gibt
- 3:17:09auch gesetzliche
- 3:17:12Planungen, wie wir dem entgegenwirken.
- 3:17:15Glauben Sie mir, ich komme und das
- 3:17:17wissen Sie auch aus einem ländlichen
- 3:17:19Wahlkreis, wo gerade diese Auswirkungen
- 3:17:24schmerzhaft zu verspüren sind, wo die
- 3:17:26Menschen auch drauf angewiesen sind und
- 3:17:28gerade deshalb ist es jetzt auch ein
- 3:17:30Anreiz, ohne irgendwelche gesetzlichen
- 3:17:34Regelungen, dass die Immobilität einen
- 3:17:37Boom erlebt, dass mehr in Immobilität
- 3:17:41auf die Straße kommt. Ich selber fahre
- 3:17:44seit drei Jahren einen und
- 3:17:47und das mit mit besten Erfahrungen. Also
- 3:17:51auch hier stimmen ihre Märchen, die sie
- 3:17:53da immer wieder an der Stelle erzählen,
- 3:17:55eben auch nicht. Also wie gesagt, wir
- 3:17:58haben das Ganze im Blick und wir wollen
- 3:18:01den Beitrag dazu leisten zur
- 3:18:03Defossilisierung dieses Landes. Meine
- 3:18:06Damen und Herren, der Antrag der Linken
- 3:18:08zur Weltklimakonferenz.
- 3:18:11Er enthält natürlich wichtige Anliegen,
- 3:18:13aber wir brauchen diese Regelungen, die
- 3:18:17Sie hier festgeschrieben haben, in
- 3:18:20keinster Weise. Deshalb ist dieser auch
- 3:18:22abzulehnen.
- 3:18:24Deutschland, meine Damen und Herren,
- 3:18:25trägt Verantwortung. Wir werden dieser
- 3:18:28Verantwortung auch gerecht. Nicht jene,
- 3:18:31die am lautesten Klimaschutz schreien,
- 3:18:35bringen auch die wirksamsten
- 3:18:37Maßnahmen auf den Weg. Wir sind die
- 3:18:40Koalition der Vernunft, die Koalition
- 3:18:42der Mitte und der Koalition derer, die
- 3:18:45das Volk, die Mitte dieses Landes im
- 3:18:47Blick hat. Herzlichen Dank.
- 3:18:51[applaus]
- 3:18:53Damit beende ich die Aussprache.
- 3:18:57Wir kommen zur Abstimmung beim
- 3:18:59Tagesordnungspunkt 27a. Wir kommen zur
- 3:19:01Abstimmung über den Antrag der Fraktion
- 3:19:05der Fraktionen der CDU/CSU und der SPD
- 3:19:07auf Drucksache 89/13
- 3:19:10mit dem Titel Weltklimakonferenz in
- 3:19:12Antalya, Klimaschutz als
- 3:19:14Zukunftsinvestition
- 3:19:16und Wettbewerbsfaktor.
- 3:19:18Wer stimmt dafür?
- 3:19:21Das sind die CDU/CSU, Bündnis 90/Die
- 3:19:23Grünen und die SPD. Wer stimmt dagegen?
- 3:19:26Das ist die Linke und die AfD. Wer
- 3:19:29möchte sich enthalten?
- 3:19:31Das ist niemand. Damit ist der Antrag
- 3:19:34angenommen.
- 3:19:35Ich rufe auf den Tagesordnungspunkt 27b.
- 3:19:39Interfraktionell wird die Überweisung
- 3:19:41der Vorlage auf der Drucksache 85/80
- 3:19:45an die in der Tagesordnung aufgeführten
- 3:19:47Ausschüsse vorgeschlagen. Gibt es
- 3:19:49weitere Vorschläge? Das kann ich nicht
- 3:19:52erkennen. Dann verfahren wir wie
- 3:19:54vorgeschlagen. Wir kommen zum
- 3:19:56Tagesordnungspunkt 27c.
- 3:19:59Abstimmung über die Beschlussempfehlung
- 3:20:00des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz,
- 3:20:03Naturschutz und nukleare Sicherheit zu
- 3:20:06dem Antrag der Fraktion der AfD mit dem
- 3:20:08Titel
- 3:20:09Beendigung der Mitwirkung der
- 3:20:11Bundesrepublik Deutschland am
- 3:20:13zwischenstaatlichen Ausschuss für
- 3:20:14Klimaänderungen und Neuausrichtung der
- 3:20:17nationalen wissenschaftlichen
- 3:20:19Politikberatung zur Umwelt und
- 3:20:21Klimathemen. Der Ausschuss empfiehlt in
- 3:20:24seiner Beschlussempfehlung auf der
- 3:20:25Drucksache 48 91 den Antrag der Fraktion
- 3:20:29der AfD auf der Drucksache 44 64
- 3:20:33abzulehnen. Wer stimmt für die
- 3:20:36Beschlussempfehlung?
- 3:20:38CDU, CSU, Bündnis 90/Die Grünen, SPD und
- 3:20:42die Linke. Die Gegenprobe.
- 3:20:45Das ist die AfD-Fraktion. Möchte sich
- 3:20:48jemand enthalten? Das ist nicht der
- 3:20:50Fall. Damit ist die Beschlussempfehlung
- 3:20:53angenommen.
- 3:20:54Ich komme zum Tagesordnungspunkt 28 C.
- 3:20:59Abstimmung über die Beschlussempfehlung
- 3:21:00des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz,
- 3:21:03Naturschutz und nukleare Sicherheit zu
- 3:21:05dem Antrag der Fraktion Die Linke mit
- 3:21:06dem Titel Globale Solidarität von Berlin
- 3:21:10bis Belém für das Menschenrecht auf
- 3:21:12Klimaschutz, Greenwashing in der
- 3:21:15UN-Klimakonferenz verhindern.
- 3:21:17Der Ausschuss empfiehlt in seiner
- 3:21:18Beschlussempfehlung auf der Drucksache
- 3:21:2032 15 den Antrag der Fraktion Die Linke
- 3:21:24auf Drucksache 25 35 abzulehnen. Wer
- 3:21:29stimmt für diese Beschlussempfehlung?
- 3:21:31Die AfD-Fraktion, CDU, CSU und die SPD.
- 3:21:36Die Gegenprobe.
- 3:21:38Das ist Die Linke. Stimmenthaltung,
- 3:21:41Bündnis 90/Die Grünen. Damit ist die
- 3:21:43Beschlussempfehlung angenommen.
- 3:21:48Ich rufe auf den Zusatzpunkt 14.
- 3:21:52Einspruch gemäß Paragraph 38 der
- 3:21:55Geschäftsordnung des Abgeordneten
- 3:21:56Vincent Glaser, gegen den gegen ihn in
- 3:22:00der 105. Sitzung erteilten Ordnungsruf.
- 3:22:02Der Einspruch wurde als Unterrichtung
- 3:22:04verteilt. Der Bundestag hat über den
- 3:22:06Einspruch ohne Aussprache zu
- 3:22:08entscheiden. Wir kommen daher gleich zur
- 3:22:10Abstimmung. Wer stimmt für den Einspruch
- 3:22:12des Abgeordneten Vincent Glaser?
- 3:22:15Das ist die Fraktion Die Linke.
- 3:22:18Wer stimmt dagegen?
- 3:22:20SPD, Bündnis 90/Die Grünen, CDU, CSU und
- 3:22:23AfD. Gibt es Enthaltungen?
- 3:22:26Kann ich nicht erkennen. Damit ist der
- 3:22:28Einspruch zurückgewiesen.
- 3:22:30Ich rufe auf den Tagesord die
- 3:22:32Tagesordnungspunkte 28a und 28b.
- 3:22:37Beratung der Anträge der Fraktion Die
- 3:22:39Linke mit den Titeln für globale
- 3:22:41Klimagerechtigkeit, Verpflichtungen
- 3:22:43einhalten, globale Finanzarchitektur
- 3:22:46reformieren und Reparaturen zahlen,
- 3:22:49sowie Klimaziele er einhalten,
- 3:22:51Militärmissionen
- 3:22:53vollständig erfassen und reduzieren. Für
- 3:22:56die Aussprache ist eine Dauer von 30
- 3:22:59Minuten vereinbart.
- 3:23:01Und für die Fraktion Die Linke eröffnet
- 3:23:04die Aussprache Dr. Fabian Fahl.
- 3:23:11[applaus]
- 3:23:17Herr Präsident, der Klimawandel ist das
- 3:23:19zentrale Sicherheitsproblem. Die Welt
- 3:23:22rast auf 2,8 Grad Erwärmung zu, obwohl
- 3:23:24nächste Woche die bereits 31.
- 3:23:26Weltklimakonferenz beginnt. Schon jetzt
- 3:23:29sterben Millionen Menschen durch
- 3:23:30verantwortungslose Politik.
- 3:23:33Und vieles, was jetzt an
- 3:23:33Kriegspropaganda läuft, ist genauso weit
- 3:23:35weg von der physikalischen Realität wie
- 3:23:37ihre Klimapolitik. Das heißt nicht, dass
- 3:23:39die Boshaftigkeit egomaner Politiker
- 3:23:41keine Rolle spielt. Gerade deshalb
- 3:23:43braucht die Welt weniger und nicht mehr
- 3:23:46Waffen.
- 3:23:48[applaus]
- 3:23:49Die Geschichtsschreibung wird ihre
- 3:23:50Verachtung gegenüber menschlichem Leben
- 3:23:51und den Fakten nicht vergessen. Die
- 3:23:53Militärausgaben der NATO sind mehr als
- 3:23:55das Achtfache Russlands.
- 3:23:57Gemeinsam mit der Gen Z und vielen
- 3:23:59anderen fordern wir eine gerechte,
- 3:24:00zukunftsfähige Politik. Sie füllen
- 3:24:03lieber die Kassen von Rheinmetall und
- 3:24:04RWE.
- 3:24:06Deutschland hat seinen Wohlstand mit
- 3:24:07Raubbau aufgebaut. Sie setzen auf
- 3:24:09Ausbeutung, ungerechte Lieferketten und
- 3:24:11Neokolonialismus. Noch immer zahlen
- 3:24:13andere, also für uns. Das Das nicht nur
- 3:24:16ehrenlos, das ist ein Verbrechen
- 3:24:17gegenüber der Menschheit. Irgendwann
- 3:24:20sollte man die eigene Zeche zahlen.
- 3:24:23[applaus]
- 3:24:23Wer etwas kaputt macht, muss es auch
- 3:24:25reparieren. Sie machen das Gegenteil.
- 3:24:28Was Sie machen, ist unwürdig für die
- 3:24:30drittgrößte Wirtschaft. Die
- 3:24:32Umweltschäden, die Deutschland weltweit
- 3:24:34verursacht, betragen 640 Milliarden
- 3:24:36jährlich. 640 Milliarden.
- 3:24:40Die internationale Klimafinanzierung ist
- 3:24:42nicht nur eine Frage des Anstands,
- 3:24:44sondern auch kann auch unheimlich
- 3:24:45effektiv Emissionen senken. Sie zahlen
- 3:24:48nicht mal die 6 Milliarden, die Sie
- 3:24:49zugesagt haben.
- 3:24:52Statt in Klimaschutz und Anpassung, also
- 3:24:54in echte Sicherheit zu investieren,
- 3:24:55investieren Sie in Zerstörungsmaschinen,
- 3:24:58befeuern die Aufrüstungsspirale.
- 3:25:00Milliarden teure Kampfjets schaffen
- 3:25:02keine Sicherheit. Resilienz und eine
- 3:25:04dezentrale Infrastruktur schaffen
- 3:25:06Sicherheit, nicht der Ausverkauf der
- 3:25:08Bevölkerung an Milliardäre.
- 3:25:10[applaus]
- 3:25:12Die Welt wird nicht sicherer, wenn
- 3:25:14Deutschland möglichst viele Waffen
- 3:25:15besitzt und liefert. Wir fordern heute
- 3:25:17also nicht viel. Wir fordern
- 3:25:19Reparationen, unendlich mit der
- 3:25:21Aufrüstung aufzuhören.
- 3:25:23Natürlich haben Menschen Angst, wenn
- 3:25:25ihnen permanent eingeredet wird, dass
- 3:25:26der Feind quasi vor der Tür steht.
- 3:25:29Berechtigt ist die Angst, dass noch mehr
- 3:25:31Menschen an Hitze sterben, dass der
- 3:25:32Planet immer weniger bewohnbar ist.
- 3:25:35Diese Angst beruht auf Fakten, nicht auf
- 3:25:37profitorientierter Angstmache. Ein
- 3:25:40Ablenkungsmanöver.
- 3:25:43Und liebe Grüne, ihr müsst euch
- 3:25:44entscheiden. Entweder Klimaschutz oder
- 3:25:46Kriegseuphorie. Das schließt sich aus.
- 3:25:48Den schätzungsweise verursacht der
- 3:25:49deutsche Kriegsetat nächstes Jahr
- 3:25:50mindestens 25 Millionen Tonnen CO2.
- 3:25:53Für 2021 berichteten sie nur 1,7
- 3:25:56Millionen Tonnen. Die Bundeswehr muss
- 3:25:58vollständig bei Klimazielen
- 3:26:00berücksichtigt werden. Alle Emissionen
- 3:26:02zählen. Lassen Sie uns ehrlich rechnen,
- 3:26:05mit Reparationszahlungen unsere Schulden
- 3:26:06begleichen und den Frieden statt den
- 3:26:08Krieg investieren. In Antalya braucht es
- 3:26:11Klimaschutz radikal sozial.
- 3:26:14[applaus]
- 3:26:17Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich Volker
- 3:26:20Meyer leider das Wort erteilen.
- 3:26:22[applaus]
- 3:26:27Ja, sehr geehrter Herr Präsident, liebe
- 3:26:29Kolleginnen und Kollegen. Als ich den
- 3:26:31Antrag der Linken, über den ich heute
- 3:26:33sprechen darf, gelesen habe, da muss ich
- 3:26:35schon zweimal hinsauen. Da steht nämlich
- 3:26:37drüber Klimaziele einhalten,
- 3:26:40Militäremissionen vollständig erfassen
- 3:26:42und reduzieren. Das klingt ja erstmal
- 3:26:44nach Klimaschutz. Dann liest man aber
- 3:26:46weiter und plötzlich geht's um die
- 3:26:48Senkung der Verteidigungsausgaben.
- 3:26:50Es geht um das Ende der Rüstungsexporte,
- 3:26:53es geht um die Beendigung sämtlicher
- 3:26:55Auslandseinsätze der Bundeswehr. Also
- 3:26:57meine Damen und Herren von der Linken,
- 3:26:58wie naiv halten Sie denn die Leute? Sie
- 3:27:00schreiben Klimaschutz drüber und packen
- 3:27:03ihre komplette Abrüstungsagenda in
- 3:27:07diesen Antrag. Das ist sicherlich keine
- 3:27:09neue Klimaschutzstrategie, das sind ihre
- 3:27:11alten sicherheitspolitischen sowjetroten
- 3:27:14Forderungen, diesmal nur mit dem grünen
- 3:27:16Anstrich, meine Damen und Herren.
- 3:27:20Gerade jetzt, wo Russland einen totalen
- 3:27:22Angriffskrieg gegen die Ukraine führt,
- 3:27:23jetzt wo Putin aufrüstet, jetzt wo die
- 3:27:27Sicherheit ganz Europas auf dem Spiel
- 3:27:29steht, wollen Sie die deutschen
- 3:27:31Rüstungsausgaben senken. Sie wollen die
- 3:27:34Ukraine im Stich lassen mit ihren
- 3:27:35Forderungen faktisch die NATO und unsere
- 3:27:38freiheitliche Werteordnung wehrlos
- 3:27:40machen. Mit so einem Antrag stehen Sie
- 3:27:42faktisch auf der falschen Seite der
- 3:27:44Realität und das müssen wir hier auch
- 3:27:46ganz klar benennen, liebe Kolleginnen
- 3:27:47und Kollegen.
- 3:27:49[applaus]
- 3:27:50Jetzt gehe ich mal jetzt gehe ich mal
- 3:27:51auf ihr grünes Deckmäntelchen in diesem
- 3:27:52Antrag ein.
- 3:27:54Natürlich ist ein effizienter Umgang mit
- 3:27:56Energie sinnvoll. Selbstverständlich
- 3:27:58müssen wir auch beim Militär Ressourcen
- 3:28:00schonen, energieeffizient einsetzen und
- 3:28:03neue Technologien entwickeln und eine
- 3:28:06Betrachtung der Emissionen in der
- 3:28:07Gesamtbilanz ist für sich auch keine
- 3:28:10völlig falsche Idee. Aber die Bundeswehr
- 3:28:13ist keine Einrichtung zur Optimierung
- 3:28:15unserer CO2 Statistik. Ein Eurofighter
- 3:28:19fliegt nicht mit guten Vorsätzen und ein
- 3:28:21Leo 2, der verteidigt unser Land nicht
- 3:28:23mit einer Klimabilanz. Die
- 3:28:25Einsatzfähigkeit unserer Streitkräfte
- 3:28:27steht einfach nicht zur Verfügung, meine
- 3:28:29Damen und Herren.
- 3:28:33Und eins möchte ich Ihnen zum Schluss
- 3:28:34auch noch sagen. Wenn Russland seine
- 3:28:36Panzer über die NATO-Grenze schickt,
- 3:28:39interessiert es Putin herzlich wenig,
- 3:28:41wie vorbildlich unsere CO2-Bilanz ist.
- 3:28:43Und Frieden sichern wir nicht mit einer
- 3:28:45Schwächung unserer Verteidigung und
- 3:28:47Freiheit schützen wir nicht, indem wir
- 3:28:49unserer Bundeswehr die Mittel entziehen,
- 3:28:51die sie für ihren Auftrag benötigt. Sie
- 3:28:53haben Ihren Antrag mit Klimaschutz
- 3:28:55überschrieben, aber wer ihn zu Ende
- 3:28:56liest, findet sich darin vor allem
- 3:28:58eines. Sie wollen sich in Wahrheit nicht
- 3:29:01gegen Bedrohungen von außen zur Wehr
- 3:29:03setzen. Sie stehen nicht zur
- 3:29:04Verteidigung unserer Werteordnung. Aber
- 3:29:06dann stehen Sie bitte wenigstens offen
- 3:29:08dazu, dass Sie auf der anderen Seite
- 3:29:10stehen. Vielen Dank.
- 3:29:13[applaus]
- 3:29:17Das Wort erhält für die AfD-Fraktion
- 3:29:19Marcel Queckmeier.
- 3:29:21[applaus]
- 3:29:28Sehr geehrter Herr Präsident, meine
- 3:29:31Damen und Herren.
- 3:29:32Wenn man sich diese beiden Anträge der
- 3:29:34Linksfraktion durchliest, könnte man
- 3:29:36meinen, wir befinden uns hier nicht im
- 3:29:37Deutschen Bundestag, sondern auf einem
- 3:29:39Parteitag der sozialistischen
- 3:29:40Klimafantasisten.
- 3:29:43Die Bundeswehr soll abrüsten, die Panzer
- 3:29:45sollen CO2 sparen und der deutsche
- 3:29:47Steuerzahler soll die Welt finanzieren.
- 3:29:49Meine Damen und Herren, willkommen im
- 3:29:51grünen Sozialismus der Linkspartei.
- 3:29:55Schauen wir uns den ersten Antrag an.
- 3:29:57Die Linke möchte die CO2-Emissionen des
- 3:29:59Militärs reduzieren bei Panzern,
- 3:30:01Kampfflugzeugen und Kriegsschiffen. Da
- 3:30:03muss man noch mal fragen, wollen Sie
- 3:30:05künftig Elektropanzer? Soll unser
- 3:30:07Leopard 2 demnächst mit Ladekabeln
- 3:30:09anstatt mit Munition ausgerüstet werden?
- 3:30:11Und wenn der Feind angreift, ruft der
- 3:30:13Kommandant über Funk, Genossen,
- 3:30:16Feuerpause. Unser Panzer hat nur noch 3
- 3:30:18% Akku, wir müssen erstmal an die
- 3:30:20Ladesäule.
- 3:30:22Vielleicht gibt es dann auch an der
- 3:30:23Front noch eine staatlich geförderte
- 3:30:25Schnellladestation selbstverständlich
- 3:30:27betrieben mit Ökostrom.
- 3:30:29Meine Damen und Herren, der Feind wird
- 3:30:31sich totlachen und sich vor Lachen
- 3:30:33ergeben. Das ist die Absurdität, die
- 3:30:36entsteht, wenn man Klimapolitik
- 3:30:37gedanklich über jede andere staatliche
- 3:30:39Aufgabe stellt und Linke versuchen zu
- 3:30:42denken.
- 3:30:43Ein Panzer ist keine Wärmepumpe auf
- 3:30:45Ketten, ein Eurofighter ist kein
- 3:30:47elektrisch betriebenes Lastenrad und
- 3:30:49unsere Soldaten sind keine
- 3:30:50Versuchskaninchen für sozialistische
- 3:30:52Klimaplanwirtschaft.
- 3:30:54[applaus] Die Bundeswehr muss im
- 3:30:56Ernstfall kämpfen können und nicht erst
- 3:30:58ihre CO2-Bilanz beim Klimabeauftragten
- 3:31:01genehmigen lassen.
- 3:31:02Und dann fordert die Linke auch noch die
- 3:31:03Verteidigungsausgaben erheblich zu
- 3:31:05senken. Das passt ins sozialistische
- 3:31:07Weltbild. Es wird in der Realität durch
- 3:31:09einen politischen Wunschzettel ersetzt
- 3:31:11und anschließend soll der Staat dafür
- 3:31:12sorgen, dass die Rechnung irgendwie
- 3:31:14aufgeht. Im Sozialismus war schon immer
- 3:31:17alles wunderbar geplant, nur
- 3:31:19funktioniert hat's am Ende noch nie.
- 3:31:21Kommen wir zum zweiten Antrag.
- 3:31:23[applaus]
- 3:31:24Hier wird es finanziell besonders
- 3:31:26interessant. Die Linke möchte die
- 3:31:28internationale Klimafinanzierung
- 3:31:30ausweiten, mehr Zuschüsse vergeben und
- 3:31:32Deutschland sogar die Möglichkeit
- 3:31:34gesetzlich eröffnen, jetzt hören Sie
- 3:31:35hin, Klimareparationen
- 3:31:37zu leisten.
- 3:31:39Das gemeinsame internationale Finanzier
- 3:31:41äh Finanzierungsziel soll bis 2035
- 3:31:44mindestens 300 Milliarden US-Dollar
- 3:31:45jährlich erreichen. Nicht allein von
- 3:31:47Deutschland, da muss man fairerweise
- 3:31:48sagen, aber Deutschland soll seine
- 3:31:50Beiträge deutlich erhöhen. Meine Damen
- 3:31:52und Herren, die Linke hat offenbar eine
- 3:31:53neue sozialistische Grundregel entdeckt,
- 3:31:56das Geld anderer Leute ist immer
- 3:31:58ausreichend vorhanden.
- 3:31:59Für unsere kaputten Straßen fehlt das
- 3:32:01Geld, für unsere Kommunen kämpfen mit
- 3:32:03Haushaltslöchern, bei Schulen und
- 3:32:05Infrastruktur wird jeder Euro umgedreht
- 3:32:07und rumgerungen. Aber wenn es darum
- 3:32:10geht, neue internationale
- 3:32:11Zahlungsverpflichtungen zu schaffen,
- 3:32:13dann wird aus der Sparsamkeit plötzlich
- 3:32:15sozialistische Großzügigkeit. Das ist
- 3:32:18der Sozialismus in seiner schönsten
- 3:32:19Form, verteilen, was andere
- 3:32:21erwirtschaftet haben, und wenn es nicht
- 3:32:23reicht, werden einfach neue Schulden
- 3:32:25gemacht. Und Und kommen auch noch
- 3:32:26Klimareparaturen hinzu.
- 3:32:28Ich frage Sie,
- 3:32:30soll der deutsche Steuerzahler künftig
- 3:32:31für jeden Sturm, jede Überschwemmung und
- 3:32:33jede Dürre irgendwo auf der Welt zur
- 3:32:35Kasse gebeten werden? Gibt es dann ein
- 3:32:37internationales Klimaschadensformular?
- 3:32:40Sehr geehrte Bundesrepublik Deutschland,
- 3:32:42bei uns hat es gestern geregnet, bitte
- 3:32:44überweisen Sie den entsprechenden
- 3:32:45Reparaturbetrag.
- 3:32:48Die Linke möchte offenbar den
- 3:32:49Sozialismus internationalisieren.
- 3:32:51Deutschland arbeitet, die Welt stellt
- 3:32:54die Rechnung.
- 3:32:55Dabei sollten wir uns aus der Geschichte
- 3:32:56eines gelernt haben. Wohlstand entsteht
- 3:32:58nicht dadurch, dass Politiker immer neue
- 3:33:00Verteilungsversprechen machen. Es
- 3:33:01entsteht durch Arbeit, Unternehmertum,
- 3:33:04Investitionen und wirtschaftliche
- 3:33:05Leistungsfähigkeit.
- 3:33:07Fassen wir beide Anträge zusammen.
- 3:33:10Die Linke will weniger Geld für unsere
- 3:33:11Verteidigung, aber mehr Geld für
- 3:33:12internationale Klimaverpflichtungen. Bei
- 3:33:14der Bundeswehr soll gespart werden, aber
- 3:33:16beim Verteilen gibt es offenbar kein
- 3:33:18Tempolimit.
- 3:33:19Für unsere Soldaten die Ladesäule an der
- 3:33:21Front für die internationale
- 3:33:22Klimafinanzierung, die Kreditkarte ohne
- 3:33:24Limit. Wir brauchen keine
- 3:33:26sozialistischen Experimente auf Kosten
- 3:33:27unserer Sicherheit und unserer
- 3:33:29Steuerzahler. Ihre Anträge sind ganz
- 3:33:31klar abzulehnen. Vielen Dank.
- 3:33:34[applaus]
- 3:33:37Für die SPD-Fraktion darf ich Katrin
- 3:33:39Michel das Wort erteilen.
- 3:33:41[applaus]
- 3:33:53Herr Präsident,
- 3:33:54liebe Kolleginnen und Kollegen, die
- 3:33:56Wissenschaft warnt uns seit Jahren. Die
- 3:33:59Erde erwärmt sich immer weiter. In
- 3:34:00einzelnen Jahren lag die globale
- 3:34:02Durchschnittstemperatur
- 3:34:04bereits mehr als 1,5 Grad über dem
- 3:34:06vorindustriellen Niveau. Das bedeutet
- 3:34:08nicht, dass das Pariser Klimaziel
- 3:34:10endgültig verfehlt ist, aber jedes
- 3:34:12Zehntelgrad zählt. Mit steigenden
- 3:34:14Temperaturen wächst die Gefahr,
- 3:34:15kritische Kipppunkte im Klimasystem zu
- 3:34:17überschreiten. Manche Veränderungen
- 3:34:19wären nicht mehr rückgängig zu machen.
- 3:34:21Hitzewellen, Dürren und Überschwemmungen
- 3:34:24erleben wir längst, ob Sturzfluten in
- 3:34:26Nepal, steigende Meeresspiegel auf den
- 3:34:29Fidschi-Inseln oder Niedrigwasser bei
- 3:34:30uns. Der Klimawandel trifft Menschen
- 3:34:33weltweit, aber nicht alle gleichermaßen.
- 3:34:36Und über die richtigen Maßnahmen können
- 3:34:37wir streiten, aber der Klimawandel hält
- 3:34:40nun mal sich nicht an Landesgrenzen und
- 3:34:43unsere Antworten dürfen es deshalb auch
- 3:34:45nicht.
- 3:34:46Mit dem Pariser Klimaabkommen haben sich
- 3:34:49die Industrieländer völkerrechtlich
- 3:34:51verpflichtet, Entwicklungsländer bei der
- 3:34:53Emissionsminderung
- 3:34:54und der Anpassung finanziell zu
- 3:34:56unterstützen. Gerade dort leiden viele
- 3:34:58Menschen besonders, obwohl sie wenig zur
- 3:35:01Erderwärmung beigetragen haben.
- 3:35:03Und dabei geht es um Schutz vor
- 3:35:05Katastrophen und um wirtschaftliche
- 3:35:07Entwicklung ohne neue fossile
- 3:35:09Abhängigkeiten, um erneuerbare Energien
- 3:35:12und klimafreundliche Industrie. Für
- 3:35:14Deutschland bedeutet das, unseren
- 3:35:16internationalen Verpflichtungen auch
- 3:35:18finanziell gerecht zu werden. Und da
- 3:35:20müssen wir selbstkritisch sein. Statt
- 3:35:21der zugesagten 6 Milliarden Euro
- 3:35:24haben wir 2025 nur 4,7 Milliarden Euro
- 3:35:27als aus Haushaltsmitteln bereitgestellt.
- 3:35:30Trotz angespannter Haushaltslage müssen
- 3:35:32wir hier unsere Zusagen einhalten.
- 3:35:35Private Investitionen
- 3:35:37können öffentliche Mittel ergänzen, aber
- 3:35:39nicht ersetzen. Für hochverschuldete
- 3:35:42Länder und die Anpassung an Klimafolgen
- 3:35:44brauchen wir vor allem Zuschüsse.
- 3:35:45Kredite sind dort sinnvoll, wo
- 3:35:47Investitionen wirtschaftlich tragfähig
- 3:35:49sind.
- 3:35:50Mit dem globalen Schutzschirm gegen
- 3:35:52Klimarisiken verbessern wir die
- 3:35:53finanzielle Vorsorge
- 3:35:55und der Fonds für Verluste und Schäden
- 3:35:58soll besonders verwundbare Ländern
- 3:36:00helfen. Ob Wasserversorgung,
- 3:36:02klimaresiliente Landwirtschaft oder
- 3:36:04Frühwarnsysteme, entscheidend ist doch,
- 3:36:07dass unsere Unterstützung die Menschen
- 3:36:09erreicht und ihre Lebensgrundlagen
- 3:36:11schützt. Sinken die Emissionen, sind die
- 3:36:13Menschen besser geschützt, entstehen
- 3:36:15neue wirtschaftliche Perspektiven.
- 3:36:17Genau daran müssen wir unsere
- 3:36:19Klimafinanzierung messen. Und dafür
- 3:36:21müssen wir sicherstellen, dass besonders
- 3:36:24betroffene Länder eben leichter den
- 3:36:26Zugang zu den Mitteln erhalten. Denn
- 3:36:28Geld, das in komplizierten Verfahren
- 3:36:30stecken bleibt, hilft niemanden.
- 3:36:33Meine Damen und Herren,
- 3:36:35unsere Enkel werden uns nicht daran
- 3:36:37messen, was wir heute versprochen haben,
- 3:36:39sondern daran, was wir tatsächlich getan
- 3:36:42haben.
- 3:36:43Glück auf.
- 3:36:46[applaus]
- 3:36:50Das Wort erhält für Bündnis 90/Die
- 3:36:52Grünen Lisa Badum.
- 3:36:55[applaus]
- 3:37:00Ja, vielen Dank an die Linke, dass wir
- 3:37:02noch mal weiter über Klimapolitik reden.
- 3:37:06Und ich stimme vollkommen zu, dass wir
- 3:37:08natürlich auch die Emissionen des
- 3:37:09Militärs erfassen müssen.
- 3:37:12So, was wir nicht aufschreiben, das wird
- 3:37:14kein Thema in der Diskussion sein, und
- 3:37:16deswegen schütze ich es voll und ganz.
- 3:37:18Was ich z.B.
- 3:37:20spannend fand, war waren auch die
- 3:37:22Bilanzen vom russischen Angriffskrieg in
- 3:37:24der Ukraine tatsächlich,
- 3:37:26wie das zusammengesetzt ist. Ein Drittel
- 3:37:29der des CO2 ist dort wird durch den
- 3:37:31Krieg selbst freigesetzt, etwa durch
- 3:37:33Panzer und Jets, die natürlich Diesel
- 3:37:35und Kerosin verbrennen. Weitere
- 3:37:36wichtiger Faktor sind vom Krieg
- 3:37:38entfachte Wald- und Buschbrände.
- 3:37:40Die abgebrannte Fläche war 2024
- 3:37:4420 mal größer als in normalen Jahren und
- 3:37:46der Beschuss großer Öllager und
- 3:37:48Raffinerien zur ukrainischen
- 3:37:50Energieinfrastruktur
- 3:37:52war allein für die Freisetzung von 17
- 3:37:54Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten
- 3:37:56verantwortlich. Ich fände es gut, wenn
- 3:37:59Sie z.B. bei diesem Punkt auch dem
- 3:38:01russischen Regime oder der russischen
- 3:38:02Botschaft schreiben würden, weil es ist
- 3:38:04nicht nur eine imminente Verschwendung
- 3:38:06von CO2,
- 3:38:08ein Verbrechen, sondern auch ein Ökozid,
- 3:38:10was Sie in dem anderen Antrag fordern.
- 3:38:12Das fände ich in diesem Zusammenhang
- 3:38:13auch sehr wichtig, wenn Sie das angehen
- 3:38:15würden und tun würden.
- 3:38:19Eines ist klar, wir würden uns alle
- 3:38:21wünschen, dass wir kein Militär mehr
- 3:38:23brauchen.
- 3:38:25Die traurige Realität ist aber in einer
- 3:38:27Welt mit Autokraten, die sich an
- 3:38:28internationale Regeln nicht halten,
- 3:38:31müssen wir auch auf unsere Sicherheit
- 3:38:33achten.
- 3:38:34Und
- 3:38:36was wir aber kontrollieren können,
- 3:38:38was wir aber kontrollieren können, das
- 3:38:39ist, wie sehr wir uns von diesen
- 3:38:41Autokraten abhängig machen. Wir haben in
- 3:38:44Deutschland unsere eigene Erfahrung
- 3:38:46bereits gemacht. Handel durch Wandel hat
- 3:38:49nicht funktioniert, was Russland
- 3:38:51betrifft.
- 3:38:52Und jetzt ist die Frage, was machen wir
- 3:38:53aus der derzeitigen Energiekrise und
- 3:38:55unseren Abhängigkeiten, die wir jetzt
- 3:38:57natürlich immer noch haben.
- 3:39:00Und dann wundert es mich, dann wundert
- 3:39:02es mich, dass wir nächste Woche
- 3:39:05möglicherweise Gesetze im Bundestag
- 3:39:06haben, die diese Abhängigkeit noch mal
- 3:39:09vergrößern werden.
- 3:39:11Ich möchte, dass wir wirklich sicher
- 3:39:12sind, dass wir eine Welt vorantreiben
- 3:39:15und das werden wir nicht übermorgen
- 3:39:16haben, das ist leider klar,
- 3:39:18eine Welt vorantreiben mit erneuerbarer
- 3:39:20Energieversorgung,
- 3:39:22die eben nicht durch Autokraten und
- 3:39:24Konzerne kontrolliert wird,
- 3:39:26sondern die wir in die Hand unserer
- 3:39:27Gemeinschaften, unserer Kommunen vor Ort
- 3:39:29geben.
- 3:39:30Das ist das, was wir jetzt ganz konkret
- 3:39:33im Deutschen Bundestag kontrollieren
- 3:39:34können, was nächste Woche ansteht.
- 3:39:36Und in dieser Situation finde ich es
- 3:39:38umso verantwortungsloser und da möchte
- 3:39:40ich aus dem Brief meiner Handwerkskammer
- 3:39:42vor Ort zitieren, aus Oberfranken, die
- 3:39:43mir letzte Woche einen Brief geschrieben
- 3:39:44haben. Die schreiben, wir
- 3:39:47oder auch Sie, sind dabei, die ab 2012
- 3:39:50schon einmal in der Solarindustrie eine
- 3:39:52funktionierende Wirtschaftsbranche durch
- 3:39:54widersprüchliche gesetzliche und
- 3:39:56regulatorische Vorgaben zum Erliegen zu
- 3:39:58bringen. Es geht hier um das Netzpaket.
- 3:40:01Frau Abgeordnete, würden Sie eine
- 3:40:02Zwischenfrage aus der Fraktion der AfD
- 3:40:05zulassen?
- 3:40:05Nein.
- 3:40:06Die wirtschaftlichen Folgen dieser nicht
- 3:40:08aufeinander abgestimmten und nicht
- 3:40:09ganzheitlich betrachteten Regelungen
- 3:40:11können für das Handwerk und die deutsche
- 3:40:13Wirtschaft erheblich sein. Sie reden
- 3:40:15auch von den 30 Gewerken im
- 3:40:17Klima-Handwerk, wo rund 490.000
- 3:40:20Beschäftigte sind.
- 3:40:22Ich würde mir wünschen, neben all den
- 3:40:24Maßnahmen zur Diplomatie, wo Sie
- 3:40:26natürlich absolut Recht haben,
- 3:40:28ich würde mir auch wünschen, neben dem,
- 3:40:30dass wir sicherlich nicht
- 3:40:32für die ganze Zukunft und auf die
- 3:40:34nächsten Jahrzehnte hinaus unseren
- 3:40:36Verteidigungshaushalt als ein
- 3:40:39aufstellen können.
- 3:40:40Auch dieses Thema müssen wir noch
- 3:40:41besprechen. Würde ich mir wünschen, dass
- 3:40:43wir darüber hinaus jetzt ganz konkret
- 3:40:45den Punkt angehen, der nächste Woche in
- 3:40:47unserer Hand liegt,
- 3:40:49ob wir zukünftig noch mehr Öl und Gas
- 3:40:51importieren werden oder ob wir diesen
- 3:40:53Import reduzieren werden und uns damit
- 3:40:55stärker machen, in der Außenpolitik
- 3:40:58unabhängiger machen und entsprechend
- 3:41:00auch unabhängiger von Autokraten und
- 3:41:02möglichen Konflikten. Vielen Dank.
- 3:41:06[applaus]
- 3:41:09Zu einer Kurzintervention darf ich dem
- 3:41:11Abgeordneten Karsten Hilse,
- 3:41:13AfD-Fraktion, das Wort erteilen.
- 3:41:17Vielen Dank, Herr Präsident, dass Sie
- 3:41:19die Kurzintervention zulassen. Ähm, sehr
- 3:41:22geschätzte Kollegin Bardum, äh Sie
- 3:41:24sprachen davon, dass also erneuerbare
- 3:41:27Energien weiter ausgebaut werden
- 3:41:28müssten. Äh, ich habe heute mal bei
- 3:41:30Energy Charts, die Seite kennen Sie
- 3:41:32wahrscheinlich, wo also die derzeitige
- 3:41:34Stromproduktion
- 3:41:36nach verschiedenen Energiequellen
- 3:41:38aufgeführt wird und heute früh um 6 Uhr
- 3:41:40hatten wir insgesamt äh 15.000 Megawatt
- 3:41:44aus sogenannten Erneuerbaren, also aus
- 3:41:46Wind
- 3:41:47und der Rest von den 68 äh 1000 Megawatt
- 3:41:52Megawatt, die wir brauchten, kam
- 3:41:54entweder aus konventionellen
- 3:41:56Kraftwerken, Gas, Öl und Kohle
- 3:41:59beziehungsweise dann auch noch mal, ich
- 3:42:01glaube, 14
- 3:42:03äh 14 Megawatt 14.000 Megawatt äh quasi
- 3:42:06importiert. Jetzt ist meine Frage, meine
- 3:42:08ganz konkrete Frage, wenn Sie sagen, äh
- 3:42:10wir wollen also unabhängig von äh
- 3:42:12fossilen Energieträgern werden, was
- 3:42:14denken Sie, wie weit müssten wir
- 3:42:17ausbauen? Im Moment haben wir 213.000
- 3:42:20Megawatt Nennleistung und heute früh
- 3:42:23sozusagen haben sieben waren 7,5 %
- 3:42:25dieser 213.000
- 3:42:27Megawatt haben also Strom produziert,
- 3:42:29haben äh Strom zur Verfügung gestellt,
- 3:42:31eingespeist. Also wie hoch müsste
- 3:42:33sozusagen die Ausbaurate an Nennleistung
- 3:42:35dann sein, um auf 100 % zu kommen?
- 3:42:43Sie waren ja so oft bei den
- 3:42:45Klimakonferenzen und deswegen wundert
- 3:42:46mich, dass einfach gar nichts bei Ihnen
- 3:42:48hängen geblieben ist. All die
- 3:42:49Expertinnen und Experten, all die
- 3:42:51Erklärungen, die es gab. Es ist
- 3:42:53spannend, dass Sie sich einen Tag
- 3:42:54raussuchen, einen Tag von 365 Tagen im
- 3:42:57Jahr und wenn wir auf das ganze Jahr
- 3:42:58schauen, dann haben wir 60 % im
- 3:43:00erneuerbaren Sektor im Strommix. Wir
- 3:43:02haben angefangen mit 3 %. Das ist der
- 3:43:04Aufbau einer kompletten Branche und
- 3:43:06dafür ist Rot-Grün mitverantwortlich
- 3:43:08größtenteils. Da könnten Sie uns danken,
- 3:43:10weil wir für eine sichere
- 3:43:11Energieversorgung sorgen in Zeiten, wo
- 3:43:14uns vor zwei Jahren Russland 50 %
- 3:43:16unseres Gases einfach abgedreht hat.
- 3:43:18Also danken Sie, danken Sie den
- 3:43:19Menschen, die neue Kapazitäten in diesem
- 3:43:21Land ausbauen. Außerdem
- 3:43:24außerdem haben wir auch Stromhandel mit
- 3:43:26unseren europäischen Nachbarn. Ich weiß,
- 3:43:27dass Ihnen das Thema Handel fremd ist.
- 3:43:29Sie wollen sich auf eine Insel setzen
- 3:43:30und dann mit niemanden mehr sprechen.
- 3:43:32Ja, wir importieren Strom und zwar nur
- 3:43:34ganz ganz wenige Prozent aus Frankreich,
- 3:43:36weil das Argument wird ja auch kommen,
- 3:43:38ganz viel aus Österreich, Dänemark,
- 3:43:39Norwegen, häufig Windstrom, Wasserstrom.
- 3:43:42Das ist die Europäische Union. Wir
- 3:43:44helfen uns gegenseitig aus, wenn
- 3:43:45woanders der Strom günstiger produziert
- 3:43:47wird und wir sind auf dem Weg zu 80 %
- 3:43:49erneuerbaren im Strommix 2030 und wenn
- 3:43:52diese Regierung ihre Energiewürge
- 3:43:55abwürge Gesetze nicht durchbringt, dann
- 3:43:58haben wir eine sehr gute Chance, das zu
- 3:43:59erreichen und ich finde es ein riesiger
- 3:44:01Erfolg und das und erneuerbare Energien
- 3:44:03Gesetz ist auf der ganzen Welt 40 Mal
- 3:44:05kopiert worden und auch alle diese
- 3:44:06Länder können nicht irren.
- 3:44:10[applaus]
- 3:44:11Für die CDU/CSU-Fraktion
- 3:44:13darf ich Alexander Engelhard das Wort
- 3:44:15erteilen.
- 3:44:18[applaus]
- 3:44:30Sehr geehrter Präsident, sehr geehrte
- 3:44:32Damen und Herren, liebe Kolleginnen und
- 3:44:33Kollegen.
- 3:44:35Der vorliegende Antrag der Fraktion Die
- 3:44:36Linke beschädigt ein Thema, was
- 3:44:38eigentlich wichtig wäre, wenn man denn
- 3:44:40seriös es behandeln würde, den
- 3:44:42Klimaschutz.
- 3:44:44Aber schon in der Überschrift sprechen
- 3:44:46Sie von Reparaturzahlungen
- 3:44:47und verwenden damit den Begriff, der
- 3:44:49Parallelen zu Krieg und Konfrontation
- 3:44:52zieht.
- 3:44:52Das ist nicht nur unseriös und
- 3:44:54geschmacklos, dafür sollten Sie sich
- 3:44:56schämen.
- 3:44:58Sie betragen einen Griff
- 3:45:01aus der historischen Auseinandersetzung
- 3:45:02mit Kriegsfolgen auf die internationale
- 3:45:04Klimapolitik. Das halte ich auch
- 3:45:06sachlich für falsch.
- 3:45:09Internationale Klimapolitik braucht
- 3:45:10keine politischen Schuldzuweisungen und
- 3:45:13emotionale Effekthascherei, sondern
- 3:45:15Partnerschaften auf Augenhöhe,
- 3:45:17Investitionen und gemeinsame Lösungen.
- 3:45:20Aber das bringt Ihnen keine Reichweite
- 3:45:22auf Social Media.
- 3:45:24Wenn man den Antrag dann liest, wird es
- 3:45:26leider nicht besser.
- 3:45:28Um der Wichtigkeit des Themas dennoch
- 3:45:29gerecht zu werden, möchte ich für die
- 3:45:31Zuhörer kurz erläutern, warum wir das
- 3:45:33auch aus sachlichen Gründen ablehnen.
- 3:45:36Erstens, im Antrag werden
- 3:45:38Milliardenversprechen gemacht, ohne eine
- 3:45:41solide Finanzierungsgrundlage zu
- 3:45:43liefern.
- 3:45:44Wir diskutieren in diesen Tagen den
- 3:45:46Haushalt und drehen jeden einzelnen Euro
- 3:45:48um. Woher soll das Geld kommen?
- 3:45:51Herr Abgeordneter, würden Sie eine
- 3:45:53Zwischenfrage des Abgeordneten Fabian
- 3:45:55Pfahl zulassen?
- 3:45:57Danke, bin nur mitten in der Rede.
- 3:45:58Vielleicht erledigt sich es ja noch
- 3:45:59während der Rede. Danke.
- 3:46:03Zu einer seriösen Politik gehört es, den
- 3:46:04Menschen zu sagen, wo man stattdessen
- 3:46:06weniger Geld ausgibt.
- 3:46:08Zweitens, in der Welt der Linken gibt es
- 3:46:11nur den Staat, der alles richten wird.
- 3:46:13Die Unternehmen sind die Bösen.
- 3:46:15Allein mit staatlichen Zuschüssen und
- 3:46:17öffentlichen Geldern werden wir jedoch
- 3:46:18nicht viel im internationalen
- 3:46:20Klimaschutz bewegen können.
- 3:46:22Der Hebel sind vor allem private
- 3:46:24Investitionen.
- 3:46:26Das zeigen beispielsweise Zahlen der
- 3:46:27Internationalen Energieagentur und drei
- 3:46:30Viertel der weltweiten
- 3:46:31Energieinvestitionen werden heute aus
- 3:46:33privaten und kommerziellen Quellen
- 3:46:35finanziert. Das ist die Realität der
- 3:46:38globalen Energiewende.
- 3:46:41Entgegen Ihres Antrages macht es
- 3:46:43durchaus Sinn, lediglich eine
- 3:46:44Anschubfinanzierung mit öffentlichen zu
- 3:46:47leisten,
- 3:46:48die dann ein Vielfaches an privaten
- 3:46:50Kapital mobilisiert. So geschieht es
- 3:46:52beispielsweise in Wasserkraftwerken in
- 3:46:55Kamerun, Solarnetzen im Kongo und
- 3:46:57Windenergie in Jordanien.
- 3:47:00Drittens, lassen Sie uns nach vorne
- 3:47:02schauen und diese Debatte ohne
- 3:47:04verblendete Ideologie ernsthaft führen.
- 3:47:06Sicher kommt uns eine besondere
- 3:47:07Verantwortung im internationalen
- 3:47:10Klimaschutz zu, aber eine positive.
- 3:47:13Sie ist in unserem eigenen Interesse und
- 3:47:15kann Innovationsziele entfalten.
- 3:47:19Zurück zur Logik des Linken Antrages.
- 3:47:21Dann hätten wir auch gegenrechnen
- 3:47:23müssen, dass Deutschland alleine die
- 3:47:25Marktfähigkeit von Solarenergie für die
- 3:47:27ganze Welt subventioniert hat.
- 3:47:29Wenn man das berücksichtigt, müsste
- 3:47:31früher oder später noch Geld an uns
- 3:47:33zurückfließen. Nicht zuletzt das zeigt,
- 3:47:35wie absurd ihre Argumentation ist.
- 3:47:39Statt ihres provozierenden Antrages
- 3:47:40stehen wir mit dieser Bundesregierung
- 3:47:42für eine seriöse, verantwortungsvolle
- 3:47:44Klimapolitik, der ein Anspruch es ist,
- 3:47:46jeden Euro Steuergeld so effizient
- 3:47:48einzusetzen, dass es möglichst viel
- 3:47:50zusätzliche Wirkung entfaltet. Vielen
- 3:47:53Dank.
- 3:47:55[applaus]
- 3:47:57Zu einer kurzen Intervention darf ich
- 3:47:59Dr. Fabian Pfeil das Wort erteilen.
- 3:48:05Vielen Dank, Herr Präsident. Zunächst
- 3:48:07mal, der Begriff Reparationen, der kommt
- 3:48:09jetzt nicht von uns.
- 3:48:11Der kommt von Stimmen aus dem
- 3:48:12sogenannten globalen Süden, von den
- 3:48:13Betroffenen, die nichts oder nur sehr
- 3:48:15wenig zum Klimawandel beigetragen haben,
- 3:48:17aber unter den Folgen leiden. Wir
- 3:48:18schämen uns ganz sicher nicht dafür,
- 3:48:20hier den Stimmen aus dem globalen Süden
- 3:48:22einen Raum zu geben. Das ist mal das
- 3:48:24Erste.
- 3:48:25[applaus]
- 3:48:26Und dann haben wir
- 3:48:27eben aus der SPD gehört, dass sie
- 3:48:29eigentlich schon gerne 6 Milliarden
- 3:48:31Klimafinanzierung leisten möchten. Das
- 3:48:33ist das Minimum, was gefordert wird.
- 3:48:35Deswegen möchte ich von Ihnen gerne ganz
- 3:48:36gezielt wissen, sind Sie dafür, dass
- 3:48:38Deutschland die zugesagten 6 Milliarden
- 3:48:40Euro leisten soll, so wie die SPD das
- 3:48:42gerade gefordert hat? Ja oder nein?
- 3:48:46[applaus]
- 3:48:54Kollege von den Linken, danke für Ihre
- 3:48:56Zwischenfrage.
- 3:48:59Ich glaube, ich habe es sehr schön
- 3:49:00erläutert, dass es mir darum ging, vor
- 3:49:02allem diese Wortwahl und die
- 3:49:03Argumentation und die den Populismus,
- 3:49:04den Sie in Ihrem Antrag vorbringen, der
- 3:49:07schädigt dem Thema insgesamt und der
- 3:49:09bringt Emotionalität und Konfrontation
- 3:49:11in diese Debatte, die wirklich sehr
- 3:49:14wichtig für uns ist, ja? Internationaler
- 3:49:16Klimaschutz hat eine hohe Bedeutung und
- 3:49:18unserer Bundesregierung liegt dem auch
- 3:49:20hohen Wert zu.
- 3:49:21Und im Rahmen des Haushalts werden wir
- 3:49:22tun, was wir tun können und Deutschland
- 3:49:24geht da mit gutem Beispiel voran und
- 3:49:26dabei wird es auch bleiben.
- 3:49:30[applaus]
- 3:49:30Für die AfD-Fraktion darf ich Andreas
- 3:49:33Bleck das Wort erteilen.
- 3:49:36[applaus]
- 3:49:44Werter Herr Präsident, werte Damen und
- 3:49:46Herren, in Deutschland fehlt Geld an
- 3:49:49allen Ecken und Kanten. Es fehlt für
- 3:49:52Kitas, Schulen, Universitäten, Straßen,
- 3:49:55Brücken, Renten und vieles mehr. Für ein
- 3:49:58angeblich reiches Land ist das ein
- 3:50:00Armutszeugnis.
- 3:50:02In einer solchen Situation sollte das
- 3:50:05Geld der eigenen Steuerzahler auch den
- 3:50:07eigenen Bürgern zugute kommen. Doch die
- 3:50:10Linken sehen das völlig anders. Als
- 3:50:13angeblich reiches Land hätten wir
- 3:50:15gegenüber dem Ausland eine angegebene
- 3:50:18Umweltschuld zu begleichen. Deshalb
- 3:50:21fordern die Linken deutsche
- 3:50:23Umweltreparationen
- 3:50:24für das Ausland sowie die klimaneutrale
- 3:50:27Ausrüstung der Bundeswehr. Das heißt,
- 3:50:29das Geld der deutschen Steuerzahler
- 3:50:31würde über die ganze Welt verteilt und
- 3:50:34deutsche Matrosen müssten mit
- 3:50:35Segelschiffen ausgerüstet werden. Ich
- 3:50:38frage die Damen und Herren der Linken,
- 3:50:40wie abgrundtief muss man eigentlich das
- 3:50:43eigene Land und Volk hassen, um es
- 3:50:46dergestalt auszuplündern und wehrlos zu
- 3:50:48machen?
- 3:50:50Wenn Sie mit historischer Verantwortung
- 3:50:52argumentieren, muss man vorsichtig sein.
- 3:50:54Es geht Ihnen nicht um historische
- 3:50:56Verantwortung, weder bei Umwelt, noch
- 3:50:58bei Völkermord. Die unheilige Allianz
- 3:51:01der Linken mit den Islamisten hat den
- 3:51:03Bürgern doch vor Augen geführt, dass sie
- 3:51:05die tatsächliche deutsche Schuld am
- 3:51:07Holocaust nicht aus Zuneigung zu den
- 3:51:10Juden, sondern aus Abneigung zu den
- 3:51:12Deutschen kultivieren. Schimpf und
- 3:51:13Schande.
- 3:51:15Mit der angeblichen Umweltschuld
- 3:51:17kollektivieren Sie eine neue deutsche
- 3:51:19Schuld, um sowohl ihren Antisemitismus
- 3:51:22zu frönen, als auch das eigene Land und
- 3:51:25Volk auszuplündern. Ihr politisches
- 3:51:27Leitmotiv ist die Verachtung
- 3:51:29Deutschlands und der Deutschen. Das ist
- 3:51:31schäbig, das ist widerwärtig.
- 3:51:33Die Behauptungen, die Sie in Ihren
- 3:51:36Anträgen aufstellen, sind Hanebüchener
- 3:51:38Unsinn. Deutschlands wirtschaftliche
- 3:51:41Entwicklung begann im 19. Jahrhundert
- 3:51:43mit der Nutzung von deutschen
- 3:51:45Kohlevorkommen, sowie deutschen
- 3:51:47technologischen Innovationen und
- 3:51:50deutschen wissenschaftlichen
- 3:51:51Entwicklungen. Es kam zum Ausbau von
- 3:51:54Bildung, Forschung und Infrastruktur.
- 3:51:57Diese wirtschaftliche Entwicklung holen
- 3:51:59die Schwellen- und Entwicklungsländer
- 3:52:01nach, indem sie auf diese erfolgreichen
- 3:52:04Rezepte setzen. Deutschland und andere
- 3:52:07westliche Industrieländer lieferten also
- 3:52:09eine Blaupause, eine Blaupause für
- 3:52:12Wohlstand und deswegen tut es uns nicht
- 3:52:14leid, dass wir diese Blaupause geliefert
- 3:52:16haben. Wir sind stolz darauf.
- 3:52:18Das 19. Jahrhundert war auch das
- 3:52:21Jahrhundert, in dem die
- 3:52:22Motorschifffahrt, die Segelschifffahrt
- 3:52:24und die Dampfmaschine wie die Windmühle
- 3:52:26ersetzte. Im Unterschied zu den
- 3:52:28geschichtsvergessenen Linken im 21.
- 3:52:30Jahrhundert haben die
- 3:52:31geschichtsbewussten Menschen im 19.
- 3:52:32Jahrhundert gewusst, dass Wind weder zur
- 3:52:35Land noch ähm noch zur See zuverlässig
- 3:52:38ist. Mit den Linken geht es leider
- 3:52:40zurück in das vorindustrielle Zeitalter.
- 3:52:42Die Linken machen Politik für
- 3:52:44wohlstandsverwahrloste Gören,
- 3:52:46gemeingefährliche Islamisten und
- 3:52:48staatsalimentierte Wirköpfe. Die AfD
- 3:52:50macht hingegen Politik für hart
- 3:52:52arbeitende Menschen und deswegen sind
- 3:52:54wir die stärkste politische Partei
- 3:52:56Deutschlands und sie nicht.
- 3:52:58[applaus]
- 3:53:01Als letzte Stimme in der Aussprache
- 3:53:04hören wir für die SPD-Fraktion Falko
- 3:53:06Droßmann.
- 3:53:09[applaus]
- 3:53:114 Minuten.
- 3:53:17Ja, Herr
- 3:53:18Präsident, meine sehr geehrten Damen und
- 3:53:19Herren,
- 3:53:20eigentlich möchte man dieser geistigen
- 3:53:22und rhetorischen Fehlleistung, die
- 3:53:24gerade aus der AfD kam,
- 3:53:25einfach mal ein bisschen Sachlichkeit
- 3:53:26entgegensetzen, aber liebe Linke, ihr
- 3:53:28Antrag erlaubt es mir leider nicht. Das
- 3:53:31ist leider ein echtes Problem. Dieser
- 3:53:33Antrag ist eine Farce und diese Farce
- 3:53:35erkennt man daran, dass keiner ihrer
- 3:53:37Verteidigungspolitiker
- 3:53:38Verteidigungspolitiker heute hier ist,
- 3:53:40weil die das wohl wissen, wie viel
- 3:53:41Falsches hier drinnen steht. Sie
- 3:53:43behaupten, die Bundeswehr verschweige
- 3:53:45ihre Emissionen. Das ist schlicht
- 3:53:47falsch. Seit Jahren legt das
- 3:53:48Bundesverteidigungsministerium seine
- 3:53:50Zahlen im Nachhaltigkeitsbericht offen.
- 3:53:52Wer diesen Bericht gelesen hat,
- 3:53:54ruhig, junger Mann, wer diesen Bericht
- 3:53:56gelesen hat, der kann diesen Antrag
- 3:53:58nicht so stellen und wer nicht gelesen
- 3:54:00hat, der sollte ihn doch so nicht
- 3:54:01stellen.
- 3:54:02Dieser Bericht erscheint alle zwei
- 3:54:04Jahre. Er enthält die Emissionen der
- 3:54:05Liegenschaften und inzwischen auch der
- 3:54:06militärischen Fahrzeuge, Flugzeuge und
- 3:54:09Schiffe und schon jetzt machen doch
- 3:54:10militärische Emissionen, alle
- 3:54:12militärischen Emissionen nur 0,57 %
- 3:54:14aller Verkehrsemissionen aus. Die
- 3:54:16Bundeswehr steht, wie alle anderen, auch
- 3:54:19zu ihrem Beitrag ähm zum deutschen Ziel,
- 3:54:21bis 2055 klimaneutral zu sein. Wir
- 3:54:23stehen auch zum Pariser Klimaabkommen,
- 3:54:25weil dieses überlässt den Staaten
- 3:54:27bewusst, wie sie mit militärischen
- 3:54:28Emissionen umgehen, wenn es um die
- 3:54:29nationale Sicherheit geht.
- 3:54:32Aber um Klimaschutz geht es ihnen doch
- 3:54:33tatsächlich gar nicht und deshalb ist
- 3:54:36dieser Antrag auch nicht mehr als eine
- 3:54:37Scharade. Schauen wir uns an, was sie
- 3:54:39tatsächlich fordern. Abrüstung durch
- 3:54:41Schließung der deutschen
- 3:54:42Rüstungsunternehmen, ein Ende aller
- 3:54:44Rüstungsexporte.
- 3:54:46Im Ausschuss stimmen Sie sogar gegen
- 3:54:48Sanitätseinrichtungen für unsere
- 3:54:49Soldaten und Soldaten und den Abzug der
- 3:54:51Bundeswehr aus allen Auslandseinsätzen,
- 3:54:53also auch den humanitären Einsätzen der
- 3:54:55Vereinten Nationen.
- 3:54:57Das Sie nutzen den Klimaschutz hier als
- 3:54:59Deckmantel für eine ideologische
- 3:55:01Abrüstungsdebatte und das in einer Zeit,
- 3:55:04in der Russland einen ganz furchtbaren
- 3:55:05Angriffskrieg mitten in Europa führt.
- 3:55:07Und das ist so schade, weil wir doch mit
- 3:55:08den Kolleginnen und Kollegen der Linken
- 3:55:10sonst so gut zusammenarbeiten im
- 3:55:11Ausschuss. Sie wissen es doch besser.
- 3:55:13Ihre Forderungen gefährden die
- 3:55:15Sicherheit der Bundesrepublik
- 3:55:16Deutschland, die Sicherheit der
- 3:55:17Europäischen Union und auch die
- 3:55:19Sicherheit der Ukraine. Wir hingegen
- 3:55:22würden Sie eine Zwischenfrage aus der
- 3:55:23AfD zulassen?
- 3:55:25nein, nein. Also, Sie nutzen den
- 3:55:26Klimaschutz doch nur als Deckmantel. Wir
- 3:55:28sorgen für Sicherheit, weil nur diese
- 3:55:30Sicherheit den Frieden bewahren kann.
- 3:55:32Und ehrlicherweise taktisch ist es doch
- 3:55:34so, dass wir ganz interessiert sind,
- 3:55:36dass Bundeswehreinrichtungen ihre eigene
- 3:55:38Energieversorgung bekommen, weil es uns
- 3:55:39unabhängiger macht von zentraler ist ein
- 3:55:41Thema der Resilienz. Also auch das ist
- 3:55:43falsch.
- 3:55:44Wir lassen uns von Ihnen nicht einreden,
- 3:55:45dass Klimaschutz und Sicherheit
- 3:55:47Gegensätze sind. Und bitte, liebe
- 3:55:48Kolleginnen, hören Sie auf, die Leute
- 3:55:50und unser Land wirklich für blöd zu
- 3:55:52verkaufen mit solchen Anträgen. Vielen
- 3:55:53Dank.
- 3:55:55[applaus]
- 3:55:56Damit schließe ich die Aussprache
- 3:56:02und rufe auf den Tagesordnungspunkt 28
- 3:56:06a. Interfraktionell wird die Überweisung
- 3:56:08der Vorlage auf Drucksache 88 76 an die
- 3:56:11in der Tagesordnung aufgeführten
- 3:56:13Ausschüsse vorgeschlagen. Gibt es
- 3:56:15weitere Überweisungsvorschläge?
- 3:56:17Das kann ich nicht erkennen. Dann
- 3:56:19verfahren wir wie vorgeschlagen.
- 3:56:20Tagesordnungspunkt 28 b.
- 3:56:23Interfraktionell wird Überweisung der
- 3:56:25Vorlage auf Drucksache 89 30 an die in
- 3:56:29der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse
- 3:56:31vorgeschlagen. Die Federführung ist
- 3:56:33jedoch strittig. Die Fraktionen der
- 3:56:36CDU/CSU und SPD wünschen Federführung
- 3:56:38beim Verteidigungsausschuss.
- 3:56:41Die Fraktion Die Linke wünscht
- 3:56:42federführend beim Ausschuss für Umwelt,
- 3:56:44Klimaschutz, Naturschutz und nukleare
- 3:56:47Sicherheit. Ich lasse zuerst abstimmen
- 3:56:49über den Überweisungsvorschlag
- 3:56:51der Fraktion Die Linke. Wer stimmt für
- 3:56:54diesen Überweisungsvorschlag?
- 3:56:56Das ist die
- 3:56:58Linke und ein wenig teilweise die
- 3:57:02Bündnis 90 Grünen. Jetzt werden es
- 3:57:05zunehmend mehr.
- 3:57:06Wer stimmt dagegen?
- 3:57:10AfD, CDU, CSU und SPD. Enthaltungen
- 3:57:15kann ich jetzt keine erkennen. Damit ist
- 3:57:16der Überweisungsvorschlag abgestimmt.
- 3:57:18Ich lasse nun abstimmen über den
- 3:57:20Überweisungsvorschlag der Fraktion der
- 3:57:23Fraktion CDU, CSU und SPD Federführung
- 3:57:26beim Verteidigungsausschuss.
- 3:57:28Wer stimmt für diesen
- 3:57:29Überweisungsvorschlag?
- 3:57:32AfD, CDU, CSU und SPD. Wer stimmt
- 3:57:35dagegen?
- 3:57:36Das ist die Linke.
- 3:57:38Zögerlich die Bündnis 90 Grünen.
- 3:57:41Wer möchte sich enthalten? Kann ich
- 3:57:44nicht erkennen. Damit ist der
- 3:57:45Überweisungsvorschlag angenommen. Ich
- 3:57:48rufe auf den Tagesordnungspunkt 29.
- 3:57:51Erste Beratung des von der
- 3:57:52Bundesregierung eingebrachten
- 3:57:54Gesetzentwurf zur Änderung der
- 3:57:56Finanzierung der
- 3:57:57Infrastrukturgesellschaft für Autobahnen
- 3:58:00und andere Bundesfernstraßen.
- 3:58:02Vereinbart sind 30 Minuten und die
- 3:58:05Aussprache eröffnet Stefan Bilger,
- 3:58:07Bundesminister für Verkehr für die
- 3:58:10Bundesregierung.
- 3:58:12[applaus]
- 3:58:18Herr Präsident, liebe Kolleginnen und
- 3:58:20Kollegen, mit dem heutigen Tag blicke
- 3:58:23ich auf 100 Tage im Amt zurück.
- 3:58:26100 intensive Tage voller
- 3:58:28Herausforderungen, aber auch Tage und
- 3:58:31Wochen, in denen wir viel vorangebracht
- 3:58:32haben in der Verkehrspolitik. Gestern
- 3:58:35Führerscheinreform und
- 3:58:36Elektromobilitätsgesetz, heute
- 3:58:38Kreditfähigkeit der
- 3:58:39Autobahngesellschaft.
- 3:58:41Nach meinen früheren politischen
- 3:58:42Funktionen in der Verkehrspolitik habe
- 3:58:44ich mich in den vergangenen fünf Jahren
- 3:58:45um andere Politikfelder gekümmert und
- 3:58:48nun nach diesen fünf Jahren zurück in
- 3:58:50der Verkehrspolitik stelle ich doch
- 3:58:52einige Unterschiede fest und zwar
- 3:58:53durchaus positive Entwicklungen.
- 3:58:56Dazu gehört, dass Debatten weniger
- 3:58:58ideologisch und pragmatischer geführt
- 3:59:00werden und mir scheint weitestgehend
- 3:59:03Konsens zu bestehen, dass wir unsere
- 3:59:05Infrastruktur auf Vordermann bringen
- 3:59:07müssen.
- 3:59:08[applaus]
- 3:59:13Ich bin dankbar für die bestehenden
- 3:59:15Voraussetzungen dafür, die Sie, liebe
- 3:59:18Kolleginnen und Kollegen im Deutschen
- 3:59:19Bundestag, maßgeblich mitgeschaffen
- 3:59:21haben.
- 3:59:21So viel Geld für Investitionen wie noch
- 3:59:23nie
- 3:59:24und Gesetzesänderungen, die Bürokratie
- 3:59:26abbauen und vieles einfacher, schneller
- 3:59:29und besser planbar machen als bisher.
- 3:59:31Mit diesen Möglichkeiten erreichen wir
- 3:59:33eine spürbare Verbesserung auf der
- 3:59:34Straße, im Luftverkehr, auf der
- 3:59:36Wasserstraße und genauso bei der
- 3:59:38Schiene.
- 3:59:40[applaus]
- 3:59:45Heute geht es um die Straße. Genauer
- 3:59:47gesagt, um ein Gesetz, mit dem wir die
- 3:59:49Finanzierung unserer Bundesautobahn
- 3:59:51langfristig absichern, denn der
- 3:59:54Investitionsbedarf ist und bleibt hoch.
- 3:59:56Brücken müssen ersetzt, Fahrbahnen
- 3:59:58erneuert, Engpässe beseitigt werden.
- 4:00:01Solche Projekte brauchen vor allem
- 4:00:02eines, Verlässlichkeit.
- 4:00:04Wer Infrastruktur für Jahrzehnte baut,
- 4:00:06darf nicht nur bis zum nächsten Haushalt
- 4:00:08denken. Und genau deshalb stellen wir
- 4:00:10die Finanzierung der
- 4:00:11Autobahngesellschaft des Bundes auf eine
- 4:00:12neue Grundlage.
- 4:00:14Künftig ruht sie auf drei Säulen, auf
- 4:00:16Haushaltsmitteln, auf
- 4:00:17Nutzerfinanzierung, also der LKW-Maut,
- 4:00:19und auf privaten Kapital.
- 4:00:21Die Autobahn GmbH bekommt erstmals
- 4:00:23eigene verlässliche Einnahmen. Der
- 4:00:26Infrastrukturanteil der LKW-Maut fließt
- 4:00:28ihr direkt zu.
- 4:00:30Auf dieser Grundlage kann die Autobahn
- 4:00:31GmbH künftig Kredite aufnehmen und
- 4:00:33zusätzliches privates Kapital für
- 4:00:35Investitionen mobilisieren.
- 4:00:37Wichtig, der Bund bleibt
- 4:00:39selbstverständlich alleiniger Eigentümer
- 4:00:41der Autobahn. Die Maut wird weiterhin
- 4:00:43vom Bund festgelegt und erhoben, aber
- 4:00:45die Autobahn GmbH erhält mehr
- 4:00:47Planungssicherheit für die Finanzierung
- 4:00:49ihrer Projekte. Und mit all dem schaffen
- 4:00:51wir die Voraussetzungen für zusätzliche
- 4:00:52Investitionen in den Erhalt und den
- 4:00:54Ausbau unserer Bundesfernstraßen.
- 4:00:57[applaus]
- 4:01:02Damit können Projekte verlässlicher
- 4:01:04geplant, finanziert h und umgesetzt
- 4:01:06werden. Das senkt Kosten und
- 4:01:07beschleunigt die Modernisierung. Kurzum,
- 4:01:10wir gewinnen mehr Flexibilität und mehr
- 4:01:12Spielraum für dringend notwendige
- 4:01:13Investitionen in unsere Straßen und
- 4:01:15Brücken.
- 4:01:16[applaus]
- 4:01:21Unser Ziel ist der Grundsatz, alles, was
- 4:01:23fertig geplant ist, wird auch gebaut.
- 4:01:25Dieses Ziel erreichen wir. Autofahrer,
- 4:01:28Bundesländer, Städte und Gemeinden,
- 4:01:30Bauunternehmen, sie alle können sich
- 4:01:31darauf verlassen, dass in den kommenden
- 4:01:33Jahren ausreichend Haushaltsmittel für
- 4:01:35die Straße zur Verfügung stehen.
- 4:01:37[applaus]
- 4:01:41Und auch für die Schiene arbeiten wir an
- 4:01:43einer Lösung, um die Finanzierung
- 4:01:45ebenfalls dauerhaft sicherzustellen. Wie
- 4:01:48im Koalitionsvertrag vereinbart, werden
- 4:01:49wir einen Vorschlag für einen
- 4:01:50Infrastrukturfonds für die Eisenbahn
- 4:01:52vorlegen. Damit beschäftigen wir uns
- 4:01:54derzeit intensiv.
- 4:01:56170 Milliarden Euro stehen bis 2030 für
- 4:01:59Investitionen in Straße, Schiene und
- 4:02:02Wasserstraße zur Verfügung. Eine
- 4:02:04Rekordsumme, mit der wir die
- 4:02:05erforderliche, spürbare Verbesserung der
- 4:02:07Verkehrsinfrastruktur in Deutschland
- 4:02:09erreichen werden.
- 4:02:13[applaus]
- 4:02:15Mit der Kreditfähigkeit der
- 4:02:16Autobahngesellschaft bekommen wir mehr
- 4:02:17Flexibilität, Verlässlichkeit der
- 4:02:19Finanzierung und Beschleunigung, weil
- 4:02:21wir noch mehr Projekte starten können.
- 4:02:22Ich freue mich auf die weiteren
- 4:02:24Beratungen und bitte um Ihre
- 4:02:25Unterstützung für dieses wichtige
- 4:02:27Vorhaben.
- 4:02:30[applaus]
- 4:02:32Für die AfD-Fraktion hören wir Stefan
- 4:02:34Henze.
- 4:02:36[applaus]
- 4:02:41[applaus]
- 4:02:50Ja, sehr geehrter Herr Präsident, meine
- 4:02:52Damen und Herren, liebe Bürger.
- 4:02:55Deutschland braucht funktionierende
- 4:02:56Autobahnen und sichere Brücken. Darüber
- 4:02:58sind wir uns hier im Hause hoffentlich
- 4:03:00alle einig. Gucke da die Grünen an. Aber
- 4:03:02was uns die Bundesregierung jetzt als
- 4:03:04Plan dazu vorlegt, ist kein Fortschritt
- 4:03:07für die Infrastruktur.
- 4:03:08Es ist die Verlagerung von Schulden und
- 4:03:10Risiken in eine bundeseigene
- 4:03:12Gesellschaft.
- 4:03:14Künftig soll die Autobahn GmbH
- 4:03:16eigenständig Kredite und Anleihen
- 4:03:18aufnehmen können.
- 4:03:19Eine konkrete Obergrenze für diese
- 4:03:21Verschuldung sucht man im Gesetzentwurf
- 4:03:24der Bundesregierung Regierung jedoch
- 4:03:26vergeblich.
- 4:03:28Da am Ende aber immer der Steuerzahler
- 4:03:30haftet, geht das aus meiner Sicht gar
- 4:03:32nicht.
- 4:03:33Das ganze Vorhaben ist somit nichts
- 4:03:36anderes als ein weiterer
- 4:03:37Schattenhaushalt, den Sie hier gerade
- 4:03:39aufbauen.
- 4:03:41[applaus]
- 4:03:42Auch die Antwort der Bundesregierung auf
- 4:03:44meine kleine Anfrage vom 21. Oktober
- 4:03:47bestätigt diese schlimmsten
- 4:03:48Befürchtungen. Ich wollte wissen, was
- 4:03:50kostet den Bund ein Kredit von einer
- 4:03:52Milliarde Euro über 10 Jahre? Und was
- 4:03:55würde derselbe Kredit die Autobahn GmbH
- 4:03:58kosten? Die Antwort, der Bund zahlt 3,45
- 4:04:02%, also mit den 34,5 Millionen Euro
- 4:04:06Zinsen im Jahr.
- 4:04:08Und die GmbH,
- 4:04:10die Bundesregierung weiß es nicht. Sie
- 4:04:12sagt ausdrücklich, ein möglicher
- 4:04:14Zinsaufschlag lasse sich derzeit nicht
- 4:04:17beziffern.
- 4:04:18Genau.
- 4:04:18Das stimmt aber nicht, denn die Zinsen
- 4:04:21für Investitionskredite für Unternehmen
- 4:04:23sind sehr wohl bekannt.
- 4:04:25Sie liegen derzeit zwischen 4 und 4,7 %.
- 4:04:29Bei schlechter Bonität gerne auch einmal
- 4:04:31höher.
- 4:04:32Nehmen wir also mal sehr vorsichtig an,
- 4:04:34die Autobahn GmbH bekommt relativ gute
- 4:04:37Konditionen von 4 %. Dann zahlt der
- 4:04:40Steuerzahler jedes Jahr mindestens 5
- 4:04:43Millionen Euro mehr Zinsen für eine
- 4:04:45Milliarde Euro Kredit, als wenn sich der
- 4:04:47Bund das Geld direkt leihen würde.
- 4:04:50Hinzu kommt die offensichtlich geplante
- 4:04:53Vernehmelung, hören Sie genau zu,
- 4:04:55künftiger Schulden, denn die
- 4:04:57Bundesregierung will den bisherigen
- 4:04:59Zustimmungsvorbehalt
- 4:05:01der zuständigen Bundestagsausschüsse
- 4:05:04sang- und klanglos streichen. Ein
- 4:05:06Finanzplan bräuchte dann nur noch die
- 4:05:08Billigung des Verkehrsministeriums.
- 4:05:11Wir hier im Bundestag bekommen ihn nur
- 4:05:12noch zur Kenntnis vorgelegt.
- 4:05:15Im Klartext, mehr willkürliche
- 4:05:17Verschuldung, weniger parlamentarische
- 4:05:19Kontrolle, das können und werden wir so
- 4:05:22nicht ohne Widerspruch hinnehmen.
- 4:05:25[applaus]
- 4:05:29Die AfD fordert die konsequente
- 4:05:30Einhaltung der Schuldenbremse,
- 4:05:33transparente Staatsfinanzen
- 4:05:35und eine effiziente Sanierung unserer
- 4:05:38Straßen und Brücken. Dafür brauchen wir
- 4:05:40schnellere Planungs- und
- 4:05:41Genehmigungsverfahren, klare
- 4:05:43Investitionspläne
- 4:05:44und einen verantwortungsvollen Umgang
- 4:05:47mit dem Geld der Bürger.
- 4:05:49Nicht neue Schuldentöpfe außerhalb des
- 4:05:51Haushaltes, meine Damen und Herren.
- 4:05:54[applaus]
- 4:05:57Die Bundesregierung muss zudem endlich
- 4:05:59Klarheit schaffen. Wie hoch sind die
- 4:06:02zusätzlichen Zinsrisiken wirklich?
- 4:06:05Wie soll die Verschuldung der GmbH
- 4:06:07begrenzt werden und mit welcher
- 4:06:09Berechtigung soll der Bundestag seine
- 4:06:11Kontrollrechte eigentlich verlieren,
- 4:06:12meine Damen und Herren? Wir und mit uns
- 4:06:15die Bürger erwarten funktionierende
- 4:06:17Straßen
- 4:06:18und wir erwarten, dass mit unserem Geld
- 4:06:20sorgsam umgegangen wird. Das leistet das
- 4:06:23neue Gesetz der Bundesregierung
- 4:06:25überhaupt nicht. Darum lehnen wir es ab.
- 4:06:27Vielen Dank.
- 4:06:31[applaus]
- 4:06:33Das Wort erhält für die SPD-Fraktion
- 4:06:35Isabelle Cademartori.
- 4:06:39[applaus]
- 4:06:51Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr
- 4:06:52verehrten Damen und Herren, mit diesem
- 4:06:54Gesetzentwurf gehen wir einen wichtigen
- 4:06:56Schritt hin zu einer modernen und
- 4:06:57verlässlichen Finanzierung unserer
- 4:06:59Verkehrsinfrastruktur.
- 4:07:01Der Kern des Entwurfs ist klar, die
- 4:07:02Autobahn GmbH des Bundes soll künftig
- 4:07:04ihre Investitionen nicht mehr
- 4:07:05ausschließlich aus den jährlichen
- 4:07:07Haushaltsansätzen finanzieren müssen.
- 4:07:10Stattdessen wird eine Finanzarchitektur
- 4:07:12geschaffen, die auf drei Säulen beruht:
- 4:07:14Bundesmittel, Anteil der Mauteinnahmen
- 4:07:17und eine begrenzte Kreditaufnahmen für
- 4:07:19Investitionen. Damit sollen dringend
- 4:07:21notwendige Sanierungen und
- 4:07:22Modernisierungen schneller, planbarer
- 4:07:24und effizienter umgesetzt werden.
- 4:07:27Warum ist dieser Ansatz richtig? Weil
- 4:07:29Infrastruktur nicht in Jahresscheiben
- 4:07:32denkt. Eine Brücke wird nicht für das
- 4:07:34nächste Jahr gebaut, sondern für die
- 4:07:35nächsten 50, 60 oder mehr Jahre.
- 4:07:38Gleiches gilt für Tunnel, Autobahnen und
- 4:07:39Bundesstraßen, aber eben auch für
- 4:07:42Schienenwege und Eisenbahnbrücken. Es
- 4:07:44ist deshalb sachgerecht, die
- 4:07:46Finanzierung stärker an den
- 4:07:48tatsächlichen Nutzungsdauern der
- 4:07:49Infrastruktur auszurichten, um
- 4:07:51Planungssicherheit über mehrere Jahre
- 4:07:53hinweg zu ermöglichen.
- 4:07:57[applaus]
- 4:07:59Als Sozialdemokratinnen und
- 4:08:01Sozialdemokraten unterstützen wir den
- 4:08:02Gedanken einer überjährigen
- 4:08:04Infrastrukturfinanzierung.
- 4:08:06Gleichzeitig müssen wir eine Frage
- 4:08:07stellen. Wenn dieser Ansatz für die
- 4:08:09Straße richtig ist, warum sollte er
- 4:08:12nicht auch für die Schiene gelten?
- 4:08:14Denn die Argumentation des
- 4:08:15Gesetzesentwurfs endet nicht an der
- 4:08:17Leitplanke Autobahn. Auch die
- 4:08:19Eisenbahninfrastruktur ist ein
- 4:08:21langlebiges öffentliches Vermögen. Auch
- 4:08:23bei der Schiene haben wir gewaltige
- 4:08:25Investitionsbedarfe
- 4:08:26und auch bei der Schiene sind
- 4:08:27langfristige Planungssicherheit und
- 4:08:29verlässliche
- 4:08:31entscheidende Voraussetzung für eine
- 4:08:33effiziente und erfolgreiche
- 4:08:35Modernisierung. [applaus]
- 4:08:39Mit einem Schienenfonds wollen wir eine
- 4:08:40verlässliche und überjährige
- 4:08:42Finanzierungsstruktur für das Bahnnetz
- 4:08:44schaffen. Ziel ist es, Erhalt, Ausbau
- 4:08:46und Digitalisierung der Schiene
- 4:08:47dauerhaft abzusichern und Investitionen
- 4:08:50unabhängiger von kurzfristigen
- 4:08:52Haushaltszyklen zu machen. Ein
- 4:08:54Schienenfonds nach österreichischem
- 4:08:55Vorbild kann sich aus Mindestzuführung
- 4:08:57im Haushalt, aus CO2-Anteil der LKW-Maut
- 4:09:00und langfristigen Krediten des Bundes
- 4:09:02speisen. Wenn wir uns einig sind, dass
- 4:09:05Rüstungsausgaben und Straßenbau auch
- 4:09:08über eine langfristige Kreditaufnahme
- 4:09:10finanziert werden sollten, dann muss das
- 4:09:12auch für die Schiene
- 4:09:14Denn Deutschland braucht für seine
- 4:09:16Verkehrsinfrastruktur insgesamt
- 4:09:17langfristige und planbare
- 4:09:19Finanzierungsinfrastrukturen.
- 4:09:21Die Straße macht heute den Anfang.
- 4:09:23Zugleich wollen wir dahinterstehende
- 4:09:25Logik künftig auch auf andere
- 4:09:26Verkehrsträger übertragen, denn
- 4:09:28leistungsfähige Straßen und
- 4:09:30leistungsfähige Schienen und
- 4:09:31Wasserstraßen sind keine Gegensätze. Sie
- 4:09:33funktionieren nur gemeinsam. Sie sind
- 4:09:35eine Voraussetzung für eine
- 4:09:37funktionierende Wirtschaft und eine
- 4:09:39bezahlbare Mobilität in unserem Land.
- 4:09:41Der vorliegende Gesetzentwurf ist
- 4:09:42deshalb mehr als eine Änderung der
- 4:09:44Finanzierungsregeln der Autobahn GmbH.
- 4:09:46Er kann der Beginn eines neuen
- 4:09:48Verständnis von
- 4:09:49Infrastrukturfinanzierung sein,
- 4:09:51langfristig, verlässlich und
- 4:09:53generationengerecht. Vielen Dank.
- 4:09:55[applaus]
- 4:09:59Wir hören für Bündnis 90/Die Grünen Dr.
- 4:10:02Paula Piechotta.
- 4:10:04[applaus]
- 4:10:12Sehr geehrter Präsident, liebe
- 4:10:13Kolleginnen und Kollegen, in der
- 4:10:15Geschichte der Bundesrepublik gab es
- 4:10:16immer wieder Phasen schwieriger
- 4:10:18Haushaltszeiten.
- 4:10:19Und in diesen Phasen wurden immer wieder
- 4:10:21gravierende Fehlentscheidungen
- 4:10:22getroffen, um die öffentlichen Haushalte
- 4:10:24zu entlasten, die wir bis heute
- 4:10:25ausbaden. Die Bahnreform in den
- 4:10:28Neunzigern, das Verschleudern von
- 4:10:29Tausenden kommunalen Wohnungen durch
- 4:10:32rot-rote Senate in Berlin, das sind
- 4:10:34alles damals Dinge gewesen, die passiert
- 4:10:36sind, um den Haushalt kurzfristig zu
- 4:10:37entlasten, aber die Kosten zahlen wir
- 4:10:40bis heute. Und auch wenn wir ins Ausland
- 4:10:42schauen, die Privatisierung der
- 4:10:43Trinkwasserversorgung in Großbritannien,
- 4:10:46am Ende kommt unterm Strich immer das
- 4:10:47Gleiche raus. Der Haushalt wird
- 4:10:49kurzfristig entlastet, ja.
- 4:10:51Aber die Investoren ziehen Milliarden
- 4:10:53aus dem öffentlichen Gut raus, die
- 4:10:54Qualität des öffentlichen Gutes sinkt,
- 4:10:57die Zinskosten gehen durch die Decke und
- 4:10:59am Ende muss die öffentliche Hand doch
- 4:11:00wieder eingreifen, egal ob in Berlin
- 4:11:02oder bei der Bahn oder bei der
- 4:11:03Trinkwasserversorgung im UK. Und wenn
- 4:11:06man von uns in diesem Bundestag
- 4:11:07irgendwas erwarten kann, dann dass wir
- 4:11:09aus den Fehlern unserer Vorgängerinnen
- 4:11:11und Vorgänger lernen, erst recht, wenn
- 4:11:13bis heute 85 Millionen Menschen in
- 4:11:15diesem Land jeden Tag zum Beispiel bei
- 4:11:18der Bahn unter diesen Fehlentscheidungen
- 4:11:20leisten, leiden.
- 4:11:21Und damals waren ja wenigstens noch
- 4:11:23Profis in den Ministerien am Werk,
- 4:11:25die sich, wo man annehmen konnte, dass
- 4:11:27die ihre Materie verstehen. Wir wollen
- 4:11:29jetzt eine Kreditfähigkeit der Autobahn
- 4:11:31GmbH machen mit einem Finanzministerium,
- 4:11:34was schon daran scheitert, einen
- 4:11:36Steuerentwurf so zu schreiben, dass man
- 4:11:38nicht aus Versehen die Besteuerung von
- 4:11:40E-Zigaretten für Monate aussetzt. Wir
- 4:11:42wollen das jetzt mit einem
- 4:11:43Finanzministerium machen, das jede Woche
- 4:11:45daran scheitert, inhaltlich korrekte
- 4:11:47Vorlagen an den Bundestag zu schicken,
- 4:11:49dass man eben Millionen mit Milliarden
- 4:11:51verwechselt und das schon beim
- 4:11:52Sondervermögen gezeigt hat, dass es
- 4:11:54nicht mit Geld umgehen kann.
- 4:11:56Deutschland hat noch ein
- 4:11:57Triple-A-Rating, aber handwerklich ist
- 4:11:59dieses BMF unter Lars Klingbeil auf
- 4:12:02Schrottaktienniveau angekommen. Und mit
- 4:12:04diesem Ministerium kann man sich nicht
- 4:12:05mehr drauf verlassen, dass wir nicht bei
- 4:12:07der Autobahn von den Investoren als
- 4:12:10Bundesrepublik mit unseren Bürgerinnen
- 4:12:11und Bürgern komplett über den Tisch
- 4:12:13gezogen werden.
- 4:12:15[applaus]
- 4:12:16Weil alle Experten und der
- 4:12:18Bundesrechnungshof wurde schon genannt,
- 4:12:19alle Experten, die bei diesem Thema
- 4:12:21selber nicht Cash machen können, warnen
- 4:12:24den Deutschen Bundestag davor, diesem
- 4:12:25Vorhaben zuzustimmen, weil die Gefahren
- 4:12:27riesig sind.
- 4:12:28Und egal nach welcher Gefahr man fragt
- 4:12:31als Abgeordnete, vom BMF keine einzige
- 4:12:34Antwort kommt. Gefahr Nummer eins, die
- 4:12:37Verzinsung. Anders als in Österreich
- 4:12:40bekommt die Autobahn hier eben keine
- 4:12:42Staatsgarantie, weil Lars Klingbeil die
- 4:12:43Schuldenbremse umgehen will.
- 4:12:45Und an der Stelle für die unehrliche
- 4:12:47Finanzpolitik dieser Bundesregierung,
- 4:12:49die sich bei der Schuldenbremse eben
- 4:12:50nicht einigen kann, dazu, dass das bares
- 4:12:53Geld für die Bürgerinnen und Bürger in
- 4:12:54diesem Land kostet.
- 4:12:56Der Bund zahlt auf zehnjährige
- 4:12:57Staatsanleihen gerade ungefähr 3,2 %
- 4:12:59Zinsen. Die Autobahn GmbH wird 4,5 % und
- 4:13:02mehr bezahlen.
- 4:13:03Jeder, der mal einen Kredit abbezahlt
- 4:13:05hat, weiß, wie viel Unterschied das
- 4:13:07macht. Das bedeutet, dass von den
- 4:13:09Mauteinnahmen, die heute noch zu 100 %
- 4:13:12in die Finanzierung von
- 4:13:13Straßeninfrastruktur fließen, dann auch
- 4:13:15noch die Zinseszinsen bezahlt werden
- 4:13:17muss und auch noch die Autobahn GmbH
- 4:13:19auch noch Umsatzsteuerpflichtig. Unterm
- 4:13:21Strich wird aus den gleichen
- 4:13:23Mauteinnahmen weniger Straße finanziert
- 4:13:25werden. Das heißt, entweder wird die
- 4:13:27Mautgebühr massiv in die Höhe getrieben
- 4:13:29werden müssen oder es wird am Ende
- 4:13:31weniger und nicht mehr gebaut aus diesem
- 4:13:33Geld. Ganz typischer Effekt von solchen
- 4:13:36Konstruktionen, wir haben bei der Bahn
- 4:13:38schon gesehen, wozu das führt. Nächste
- 4:13:40Gefahr, vor der auch alle Experten
- 4:13:41warnen, und auch das haben wir bei der
- 4:13:43Bahn gesehen, die Bahn ist überschuldet.
- 4:13:45Umso höher die Verschuldung wird, umso
- 4:13:47höher werden die Zinssätze. Bei der Bahn
- 4:13:49mussten wir dann in der letzten
- 4:13:50Legislatur mal eben DB Schenker
- 4:13:52verkaufen, um die Verschuldung wieder
- 4:13:53runterzubringen. Was verkaufen wir denn
- 4:13:55bei der Autobahn, wenn die dann
- 4:13:56überschuldet ist? Brücken, Raststätten?
- 4:13:59Wieder auf Kosten der Bürgerinnen und
- 4:14:00Bürger? Meine Damen und Herren,
- 4:14:03man kann kurzfristig den Haushalt
- 4:14:05entlasten, wenn man so wenig Fantasie
- 4:14:07hat wie Klingenbeil und Merz und nach
- 4:14:09der letzten Schuldenorgie nichts lernt
- 4:14:11und einfach nur nach dem nächsten
- 4:14:12Schuldentopf greift. Man kann aber auch
- 4:14:15Verantwortung für die Bürgerinnen und
- 4:14:16Bürger in diesem Land übernehmen und
- 4:14:18sich nicht daran beteiligen, noch mehr
- 4:14:19Geld von unten nach oben zu verteilen,
- 4:14:21von den Bürgerinnen und Bürgern weg hin
- 4:14:24zu den neuen Investoren bei der Autobahn
- 4:14:26GmbH. Dieser Gesetzentwurf muss
- 4:14:28verhindert werden.
- 4:14:32[applaus]
- 4:14:33Für die Fraktion Die Linke erteile ich
- 4:14:35Jörg Cezanne das Wort.
- 4:14:38[applaus]
- 4:14:44Sehr geehrter Herr Präsident, liebe
- 4:14:46Kolleginnen und Kollegen. Herr Minister
- 4:14:48Bilger, machen wir uns an der Stelle
- 4:14:50nichts vor. Dieses Gesetz trägt eine
- 4:14:52Handschrift, aber es ist nicht Ihre
- 4:14:54Handschrift. Es ist die Handschrift
- 4:14:56unseres Kanzlers Friedrich Merz und er
- 4:14:58ist derjenige, der unsere Infrastruktur
- 4:15:00für Investoren jetzt öffnen will. Dass
- 4:15:02Blackrock, Friedrich Merz, alter
- 4:15:04Arbeitgeber der zweitgrößte
- 4:15:06Infrastrukturinvestor der Welt ist,
- 4:15:08bestimmt nur ein Zufall. Und ich möchte
- 4:15:11klarmachen zu Beginn, und viele haben es
- 4:15:12gesagt, ich verstehe den Wunsch, die
- 4:15:14Autobahn GmbH überjährig handlungsfähig
- 4:15:17zu machen. Aber Ihr Entwurf hierfür ist
- 4:15:20teuer, er ist blind und er ist riskant.
- 4:15:23Teuer.
- 4:15:25[applaus] Teuer, weil die Autobahn GmbH
- 4:15:28zu Banken und wenn Investoren schicken,
- 4:15:29obwohl niemand in diesem Land günstiger
- 4:15:31Geld leiht als der Bund. Private
- 4:15:33Finanzierung macht unsere Infrastruktur
- 4:15:36nicht billiger, sie macht sie teurer,
- 4:15:38denn private Geldgeber und das möchte
- 4:15:39ich hier einmal feststellen, sind keine
- 4:15:41Samariter. Sie wollen am Ende immer
- 4:15:43Rendite und sie werden unseren Staat
- 4:15:45ausnehmen, wo sie nur können. Und jeder
- 4:15:47Euro, jeder Euro, der für Zinstilgung
- 4:15:49und Banken und Investoren geht, fehlt am
- 4:15:51Ende in unseren Brücken und unseren
- 4:15:53Straßen. Auch der Bundesrechnungshof
- 4:15:54warnt davor, das wurde schon oft gesagt,
- 4:15:56hören Sie auf den Bundesrechnungshof.
- 4:16:00Blind ist dieser Gesetzesentwurf, weil
- 4:16:01nichts, aber auch gar nichts geregelt
- 4:16:03ist. Sie schreiben begrenzt kreditfähig.
- 4:16:05Was heißt begrenzt? Steht da nicht drin.
- 4:16:07Wo liegt die Grenze? Steht da nicht
- 4:16:08drin. Wie hoch ist der Bedarf? Steht
- 4:16:10nicht drin. Zu welchem Zins? Steht
- 4:16:12ebenfalls nicht drin. Und dieses
- 4:16:13Parlament am Ende, bisher mussten wir ja
- 4:16:16dem Finanzplan der Autobahn immer
- 4:16:18zustimmen. Künftig bekommen wir ihn nur
- 4:16:19noch zur Kenntnis. Das ist ein
- 4:16:21Blankoscheck ohne jegliche
- 4:16:23parlamentarische Kontrolle und es ist
- 4:16:25komplett falsch.
- 4:16:26Und [applaus] letztlich, letztlich ist
- 4:16:27es riskant, weil das Geld aus LKW-Maut
- 4:16:30nicht reichen wird, um den laufenden
- 4:16:31Betrieb, Investitionen und Zinstilgung
- 4:16:34gemeinsam zu stemmen.
- 4:16:35Am Ende ist ihr Finanzkreislauf Straße,
- 4:16:38den sie hier einrichten wollen, einfach
- 4:16:39eine Sackgasse. Und was passiert dann am
- 4:16:42Ende, wenn die Rechnung nicht aufgeht?
- 4:16:44Dann bleiben am Ende nur drei Wege.
- 4:16:45Entweder springt am Ende der Bund doch
- 4:16:48ein, also die Steuerzahlerinnen und Zahl
- 4:16:50Steuerzahler, oder bei der Sanierung
- 4:16:52wird gestrichen und wir stehen noch
- 4:16:53länger vor gesperrten Brücken, oder, und
- 4:16:55das ist meine größte Sorge, Sie brauchen
- 4:16:57neue Einnahmequellen und klammheimlich
- 4:17:00kommt so die PKW-Maut, der sie mit
- 4:17:02diesem Gesetz bereits den Weg bereiten.
- 4:17:04Und egal, wie man es dreht und wendet,
- 4:17:06egal, wie man es dreht und wendet, am
- 4:17:08Ende zahlt die Allgemeinheit die Zeche
- 4:17:10für dieses schlechte Gesetz. Und nur
- 4:17:12eines, nur eines wird am Ende sicher
- 4:17:13sein und das ist die Rendite der
- 4:17:15Investorinnen und Investoren. Es ist
- 4:17:16doch absurd, Sie zahlen Milliarden
- 4:17:18extra, um die Schuldenbremse zu umgehen
- 4:17:20und am Ende werden diese Schulden
- 4:17:22vermeintlich trotz vermutlich trotzdem
- 4:17:23in den Bund zugerechnet. Ihr Vorschlag
- 4:17:25ist teuer, erst riskant und vermutlich
- 4:17:27nicht mal verfassungsfest. Überprüft
- 4:17:29werden soll das Ganze am Ende 2020 50
- 4:17:32meine Generation, ihre Kinder und Enkel
- 4:17:34sollen das dann bezahlen. Und wenn ihnen
- 4:17:35die Schuldenbremse im Weg steht, na dann
- 4:17:37schaffen Sie sie doch endlich ab. Das
- 4:17:39wäre doch mal eine Maßnahme.
- 4:17:41Und ich habe es satt, dass in diesem
- 4:17:42Land reichste Lobby diese Gesetze
- 4:17:44schreiben, sei es die Immobilienlobby,
- 4:17:46sei es die Gaslobby oder sei es wie hier
- 4:17:47die Finanzlobby. Ich habe es satt, dass
- 4:17:49Sie immer wieder Gesetze schreiben
- 4:17:51lassen von Leuten, die einfach nur
- 4:17:53diesen Staat ausnehmen wollen. Wir
- 4:17:54machen das nicht mit. Die Autobahn ist
- 4:17:56öffentliches Gut und kein Anlageprojekt.
- 4:17:58Vielen Dank.
- 4:17:59[applaus]
- 4:18:01Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich Harald
- 4:18:04Otter das Wort erteilen.
- 4:18:07[applaus]
- 4:18:18Sehr geehrter Präsident, sehr geehrte
- 4:18:19Kolleginnen und Kollegen. Was macht ein
- 4:18:22Straßenprojekt teuer?
- 4:18:23Das sind nicht alleine Beton, Stahl und
- 4:18:25Asphalt. Teuer wird es vor allem, wenn
- 4:18:28eine notwendige Sanierung Jahr für Jahr
- 4:18:29verschoben wird. Teuer wird es, wenn ein
- 4:18:32Projekt baureif ist, das Geld dafür aber
- 4:18:34im nächsten Haushalt wieder gesucht
- 4:18:36werden muss. Es wird teuer, wenn
- 4:18:38Bauunternehmen, Planer und die Autobahn
- 4:18:40GmbH nicht wissen, womit sie in den
- 4:18:42nächsten Jahren rechnen können.
- 4:18:44Diesen Kreislauf aus jährlicher
- 4:18:45Unsicherheit, immer neuen
- 4:18:47Verschiebungen, diesen Kreislauf wollen
- 4:18:49und werden wir durchbrechen.
- 4:18:51[applaus]
- 4:18:55Genau dort setzt der Gesetzentwurf an.
- 4:18:57Künftig ruht die Finanzierung auf drei
- 4:18:59Säulen, auf Mitteln aus dem
- 4:19:00Bundeshaushalt, auf einem eigenen festen
- 4:19:02Anteil aus der Lkw-Maut und ergänzend
- 4:19:05auf Krediten vom Kapitalmarkt. Damit
- 4:19:07kann die Autobahn GmbH über mehrere
- 4:19:09Jahre planen. Sie kann Bauaufträge
- 4:19:12verlässlich vergeben und baureife
- 4:19:14Projekte umsetzen, ohne bei jedem
- 4:19:16Haushaltsjahr wieder bei Null
- 4:19:17anzufangen.
- 4:19:18Herr Abgeordneter, würden Sie eine
- 4:19:20Zwischenfrage von Bündnis 90/Die Grünen
- 4:19:22zulassen?
- 4:19:23möchte ich nicht.
- 4:19:25Unsere Autobahn
- 4:19:26doch mehr Geld braucht klare Regeln.
- 4:19:28Deshalb steht eines fest. Unsere
- 4:19:30Autobahnen werden nicht verkauft. Sie
- 4:19:31gehören weiter in den Bund. Sie dienen
- 4:19:33nicht als Kreditsicherheit und der Bund
- 4:19:35gibt weder eine Garantie noch eine
- 4:19:37Bürgschaft. Das
- 4:19:39Das wirft die Frage auf, wie kann eine
- 4:19:42staatliche Gesellschaft mit eigenen
- 4:19:43Einnahmen und begrenzter Kreditfähigkeit
- 4:19:45funktionieren? Schauen wir nach
- 4:19:47Österreich.
- 4:19:48Österreich ist mit der ASFINAG bereits
- 4:19:501997 einen vergleichbaren Weg gegangen.
- 4:19:53Das Modell lässt nicht eins zu eins,
- 4:19:55lässt sich nicht eins zu eins auf
- 4:19:56Deutschland übertragen. Österreich
- 4:19:58finanziert seine Autobahnen teilweise
- 4:20:00anders. Aber die Erfahrung zeigt, eine
- 4:20:03staatliche Infrastrukturgesellschaft
- 4:20:05kann Investitionen langfristig planen
- 4:20:07und zugleich wirtschaftlich arbeiten.
- 4:20:09Und es zeigt auch, Kredite sind
- 4:20:11sinnvoll, wenn damit gebaut und saniert
- 4:20:13wird.
- 4:20:14Dafür brauchen wir drei Dinge. Erstens,
- 4:20:17die Autobahn und die GmbH bleiben
- 4:20:18vollständig in öffentlicher Hand.
- 4:20:20Nutzungsrecht darf nicht weitergegeben,
- 4:20:22belastet oder verkauft werden. Zweitens,
- 4:20:25Kredite dürfen nicht dürfen
- 4:20:26grundsätzlich nur für Investitionen und
- 4:20:28die dazugehörige Planung verwendet
- 4:20:30werden. Laufende Ausgaben bezahlen wir
- 4:20:32nicht auf Pump. Drittens, die
- 4:20:34Kreditaufnahme muss für den Bundestag
- 4:20:36vollständig transparent sein. Wir müssen
- 4:20:38wissen, für welche Projekte Kredite
- 4:20:40aufgenommen werden, welche Zinsen
- 4:20:42anfallen und wie wir den Schuldendienst
- 4:20:44finanzieren. Erfüllen wir diese
- 4:20:45Bedingung, dann geben wir der Autobahn
- 4:20:47GmbH den Rahmen, den sie braucht.
- 4:20:50Unser Ziel ist klar. Weniger Projekte
- 4:20:53auf dem Papier, mehr Bagger auf der
- 4:20:55Baustelle. Vielen Dank.
- 4:20:57[applaus]
- 4:21:00Zu einer Kurzintervention darf ich der
- 4:21:03Abgeordneten
- 4:21:05Swantje Michelsen das Wort erteilen.
- 4:21:10Vielen Dank, Herr Vorsitzender. Herr
- 4:21:12Kollege Ortheil, Sie haben gesagt, es
- 4:21:13sei ein Kreislauf der Unsicherheit, weil
- 4:21:15man immer wieder neue Haushaltsmittel
- 4:21:17finden muss. Genau für diesen Zweck
- 4:21:19haben wir vor anderthalb Jahren dazu
- 4:21:21beigetragen, Ihnen ein Sondervermögen
- 4:21:23von 500 Milliarden zur Verfügung zu
- 4:21:24stellen. Warum nutzen Sie das
- 4:21:26Sondervermögen nicht genau dafür und wie
- 4:21:28wollen Sie uns erklären, dass die
- 4:21:29Kreditfinanzierung dann dafür ernsthaft
- 4:21:31genutzt wird und nicht einfach nur um
- 4:21:33Lieblingsautobahnneubauprojekte
- 4:21:35voranzubringen.
- 4:21:37[applaus]
- 4:21:41Grüße an.
- 4:21:42Ja, also es ist ja keine Idee, die wir
- 4:21:43jetzt haben mit der Kreditfähigkeit der
- 4:21:45Autobahn GmbH, die gibt's ja länger und
- 4:21:47da möchte ich einfach mal zitieren aus
- 4:21:48dem Tagesspiegel Background.
- 4:21:50Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Paula
- 4:21:52Piechotta im Haushaltsausschuss für den
- 4:21:54Verkehrsetat zuständig kann sich eine
- 4:21:56Kreditfähigkeit der Autobahn GmbH gut
- 4:21:58vorstellen. Also folgen wir eigentlich
- 4:22:00ihrem guten Vortrag.
- 4:22:03Gerne.
- 4:22:04[applaus]
- 4:22:09Für die AfD-Fraktion darf ich Wolfgang
- 4:22:12Wiehle das Wort erteilen.
- 4:22:14[applaus]
- 4:22:26Sehr geehrter Herr Präsident, geschätzte
- 4:22:28Kolleginnen und Kollegen,
- 4:22:31die Straße ist mit Abstand der
- 4:22:33wichtigste Verkehrsträger. Autobahnen
- 4:22:36und Bundesstraßen sind das Rückgrat des
- 4:22:38überregionalen Verkehrs in Deutschland.
- 4:22:41Die Autobahn GmbH baut diese Straßen und
- 4:22:43hält sie instand und dafür muss sie gut
- 4:22:46finanziert sein.
- 4:22:48Der Bund ist verantwortlich und daher
- 4:22:49muss das Geld dafür durch seine Kasse
- 4:22:52fließen.
- 4:22:53Aber ihre finanzpolitischen
- 4:22:55Hütchenspiele, die am Ende dem
- 4:22:57Steuerzahler zur Last fallen, braucht
- 4:22:59niemand.
- 4:23:03Der Bundesrechnungshof kritisiert den
- 4:23:05Gesetzentwurf der Regierung auf 30
- 4:23:08Seiten harsch und rät von seiner
- 4:23:10Umsetzung ab.
- 4:23:12Er sagt klar, dass es durch ihre
- 4:23:14Trickserei langfristig nicht mehr Geld
- 4:23:17für die Bundesfernstraßen gibt.
- 4:23:20Wer sich auf kurze Sicht durch
- 4:23:22versteckte Schulden mehr Geld
- 4:23:24verschafft, den holt das später wieder
- 4:23:27ein.
- 4:23:29[applaus] Und eigentlich müssten Sie auf
- 4:23:31der Regierungsbank das Wissen, aber sie
- 4:23:34ignorieren es und zeigen damit einmal
- 4:23:36mehr, wie sie mit Steuergeldern umgehen.
- 4:23:39Offensichtlich lautet ihr Motto nach uns
- 4:23:41die Sintflut.
- 4:23:45Union und SPD
- 4:23:47finanzieren Infrastruktur fast nur noch
- 4:23:49über Schulden. Dafür werden in den
- 4:23:51kommenden Jahren immer höhere Zinsen
- 4:23:54fällig.
- 4:23:55Und wenn Sie mit Ihrem Gesetz Schulden
- 4:23:58in die Autobahn GmbH verschieben, müssen
- 4:24:01Sie auch noch höhere Zinssätze zahlen.
- 4:24:04Ich hoffe, Sie haben vorhin meinem
- 4:24:06Kollegen Henze gut zugehört.
- 4:24:08Dieses Hütchenspiel schadet am Ende den
- 4:24:11Steuerzahlern.
- 4:24:14[applaus]
- 4:24:15Zugleich setzt die Regierung die
- 4:24:18Verwaltungskosten der Autobahn GmbH im
- 4:24:20Haushalt viel zu niedrig an.
- 4:24:23Auch das kritisiert der Rechnungshof.
- 4:24:25Und jetzt kommt auch noch eine
- 4:24:26Kreditabteilung dazu.
- 4:24:29Wie werden diese Mitarbeiter dann
- 4:24:31bezahlt? Ich befürchte, dass sie ihre
- 4:24:34Finanztricks auf deren Rücken austragen
- 4:24:37werden.
- 4:24:40[applaus] Die AFD-Fraktion steht dazu,
- 4:24:42die Bundesfernstraßen und die
- 4:24:46Autobahn GmbH ordentlich zu finanzieren.
- 4:24:49Gute Infrastruktur ist eine Investition
- 4:24:52in die Zukunft. Wir kennen bessere Wege
- 4:24:55zu deren Finanzierung.
- 4:24:57Wir geben zum einen dem
- 4:24:58Hauptverkehrsträger Straße die
- 4:25:01Priorität, die ihm zusteht.
- 4:25:03Wir sparen zum anderen dort, wo alle
- 4:25:06anderen Fraktionen gar nicht sparen
- 4:25:07wollen, nämlich bei der ruinösen
- 4:25:10Energie- und Klimapolitik.
- 4:25:14Unser Konzept ist also ein ganz anderes
- 4:25:16als die finanzpolitischen Hütchenspiele
- 4:25:19der Regierung. Die Beratungen beginnen
- 4:25:21zwar erst, aber es ist klar, die
- 4:25:23AFD-Fraktion wird dieses Gesetz
- 4:25:25ablehnen.
- 4:25:29[applaus]
- 4:25:30Zu einer Kurzintervention, da sie
- 4:25:32angesprochen worden ist, wünscht Dr.
- 4:25:35Paula Pichel das Wort zu ergreifen, um
- 4:25:37noch mal klarzustellen oder aufzuklären,
- 4:25:40was die Herrschaften hier vorne
- 4:25:42austeilen oder verteilen.
- 4:25:45Äh, Frau Piechotta.
- 4:25:47Ich mach's kurz. Lieber Präsident,
- 4:25:48vielen herzlichen Dank. Ähm und äh
- 4:25:50lieber Kollege Ortteil, Sie haben ja
- 4:25:51gerade nicht vollständig vorgelesen,
- 4:25:52haben mir aber gleichzeitig dann äh das
- 4:25:54Blatt äh zur Verfügung gestellt äh von
- 4:25:56was ich äh vor zwei Jahren gesagt habe,
- 4:25:58deswegen möchte ich nur der
- 4:25:59Vollständigkeit halber vorlesen, dass
- 4:26:01ich das begrüßt habe ausschließlich zur
- 4:26:04Finanzierung von Sanierungsmaßnahmen
- 4:26:07und es muss so ausgestaltet sein, dass
- 4:26:08neue Finanzierungsinstrumente die
- 4:26:10Baupreisinflation nicht weiter anheizen
- 4:26:12und der enorme Investitionsstau auch im
- 4:26:14Bereich Schiene aufgelöst wird. Und ich
- 4:26:16glaube, an der Stelle können wir dann
- 4:26:17feststellen, dass es keinen Widerspruch
- 4:26:18zwischen dem damals Gesagten und dem
- 4:26:20heute Gesagten gibt. Vielen herzlichen
- 4:26:21Dank, schönes Wochenende.
- 4:26:26Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich
- 4:26:28lasse das jetzt stehen, weil es hin und
- 4:26:30her eine
- 4:26:31Kurzintervention war, die ich zugelassen
- 4:26:33habe und äh jetzt haben wir noch mal den
- 4:26:35etwas längeren Text gehört.
- 4:26:37Es führt zu keiner weiteren Erhellung zu
- 4:26:40unserem Thema, deswegen darf ich jetzt
- 4:26:41Dirk Vöpel für die SPD-Fraktion das Wort
- 4:26:44erteilen.
- 4:26:46[applaus]
- 4:26:56Herr Präsident, liebe Kolleginnen und
- 4:26:59Kollegen.
- 4:27:01Wir haben uns im Koalitionsvertrag ein
- 4:27:03klares Ziel gesetzt. Wir wollen eine
- 4:27:04überjährige, flexible und verlässliche
- 4:27:08Finanzierung unserer Autobahnen und
- 4:27:10Bundesfernstraßen.
- 4:27:12Wir brauchen mehr Planungssicherheit und
- 4:27:14die Möglichkeit, notwendige
- 4:27:16Investitionen langfristig vorzubereiten
- 4:27:18und umzusetzen.
- 4:27:20Dies stärkt die Autobahn GmbH und
- 4:27:23ermöglicht der Bauindustrie notwendige
- 4:27:25Kapazitäten zu schaffen.
- 4:27:29Die Autobahn GmbH soll zukünftig ein
- 4:27:31Teil der LKW-Maut direkt erhalten und
- 4:27:34Kredite aufnehmen können.
- 4:27:36Das ist der Ansatz aus dem
- 4:27:38Koalitionsvertrag.
- 4:27:39Aber wir müssen genau hinschauen, ob wir
- 4:27:41unsere selbstgesteckten Ziele mit dem
- 4:27:44vorliegenden Gesetzentwurf auch
- 4:27:45erreichen. Dabei stehen für mich zwei
- 4:27:48Fragen besonders im Mittelpunkt.
- 4:27:51Erstens, wie gehen wir mit der
- 4:27:53Verschuldung um?
- 4:27:55Wir haben im Koalitionsvertrag eine
- 4:27:57begrenzte Kreditfähigkeit vereinbart.
- 4:28:00Diese Begrenzung muss aber auch
- 4:28:01tatsächlich erkennbar sein.
- 4:28:03Im Gesetzentwurf
- 4:28:05Im Gesetzentwurf fehlt bisher eine
- 4:28:07konkrete Obergrenze für die
- 4:28:08Kreditaufnahme. Gleichzeitig soll die
- 4:28:10Autobahn GmbH ihre Schulden aus den
- 4:28:13Mauteinnahmen bedienen, ohne dass der
- 4:28:15Bund dafür Sicherheiten übernimmt.
- 4:28:18Das wirft Fragen auf.
- 4:28:21Erste Lesung.
- 4:28:23Wie hoch darf die Verschuldung werden?
- 4:28:24Was passiert, wenn die Mauteinnahmen
- 4:28:26geringer ausfallen oder die Zinsen
- 4:28:28steigen? Und wie stellen wir sicher,
- 4:28:31dass Zins- und Tilgungszahlungen nicht
- 4:28:33irgendwann die Mittel aufzehren, die wir
- 4:28:35dringend für die Sanierung unserer
- 4:28:37Infrastruktur brauchen?
- 4:28:39Im begrenzten Maße Kredite aufzunehmen,
- 4:28:41soll die Möglichkeit schaffen,
- 4:28:43langfristige Projekte besser und
- 4:28:45überjährig planen und umsetzen zu
- 4:28:47können. Eine zusätzliche Einnahmequelle
- 4:28:50sind sie nicht.
- 4:28:51Zweitens,
- 4:28:52wie sichern wir die parlamentarische
- 4:28:54Kontrolle?
- 4:28:56Auch hier ist unser Koalitionsvertrag
- 4:28:58eindeutig. Wir haben eine umfassende
- 4:29:00parlamentarische Kontrolle der Mittel
- 4:29:02vereinbart. Wir müssen sicherstellen,
- 4:29:04dass der Bundestag weiterhin
- 4:29:06nachvollziehen und mitbestimmen kann,
- 4:29:08wofür die Mittel eingesetzt werden und
- 4:29:11welche finanziellen Verpflichtungen
- 4:29:13entstehen.
- 4:29:14Und wir müssen die Wirtschaftlichkeit im
- 4:29:17Blick behalten.
- 4:29:18Bei einer eigenständigen Kreditaufnahme
- 4:29:20muss die Autobahn GmbH voraussichtlich
- 4:29:23höhere Zinsen zahlen als der Bund. Wir
- 4:29:25haben es schon mehrfach gehört. Deshalb
- 4:29:27ist zu prüfen, ob und unter welchen
- 4:29:29Bedingungen dies wirtschaftlich sinnvoll
- 4:29:32ist.
- 4:29:33Liebe Kolleginnen und Kollegen, der
- 4:29:34Bundesrechnungshof und andere wichtige
- 4:29:36Akteure haben zum Zu äh zum vorliegenden
- 4:29:39Gesetzentwurf
- 4:29:41ernstzunehmende Fragen aufgeworfen.
- 4:29:43Diese werden wir in den
- 4:29:45parlamentarischen Beratungen sorgfältig
- 4:29:46prüfen. Für mich ist klar, hinter die im
- 4:29:49Koalitionsvertrag formulierten Ansprüche
- 4:29:52dürfen wir nicht zurückfallen, denn
- 4:29:53unser Ziel ist eine dauerhaft stabile
- 4:29:55Finanzierung, mit der wir Brücken
- 4:29:57sanieren, Straßen erhalten und unsere
- 4:29:59Infrastruktur modernisieren können.
- 4:30:01Vielen Dank.
- 4:30:04[applaus]
- 4:30:06Ich darf unserem nördlichsten Nördlich
- 4:30:08das Wort erteilen, der Abgeordnete
- 4:30:11Stefan Seidler.
- 4:30:12[applaus]
- 4:30:17Moin, Herr Präsident, moin liebe
- 4:30:20Kolleginnen und Kollegen.
- 4:30:22Grundsätzlich finde ich sehr gut, dass
- 4:30:23mit diesem Gesetzentwurf endlich eine
- 4:30:25langfristige Finanzierung des
- 4:30:26Verkehrsträgers Straße geklärt wird,
- 4:30:29denn auch bei uns im Norden sind wir
- 4:30:31etwa bei der A 20 entlang der A 7 und
- 4:30:34ganz aktuell bei der Rader Hochbrücke
- 4:30:35auf verlässliche überjährige
- 4:30:37Finanzierung angewiesen.
- 4:30:39Aber ich denke, gerade uns Haushältern
- 4:30:41sollte klar sein, mit diesem Vorschlag
- 4:30:43kaufen wir die Katze im Sack.
- 4:30:45Denn
- 4:30:46völlig offen bleibt, wie hoch die
- 4:30:48begrenzte Kreditermächtigung der
- 4:30:50Autobahn GmbH ausfällt, welche
- 4:30:52Mauteinnahmen ihr zustehen und ob dieser
- 4:30:55Vorschlag wirklich wirtschaftlich
- 4:30:57überhaupt tragfähig ist. Und
- 4:31:00selbstverständlich braucht auch die
- 4:31:01Straße zuverlässige
- 4:31:02Finanzierungsperspektiven, aber diese
- 4:31:04müssen fair, transparent und bezahlbar
- 4:31:06sein. Wenn wir im Norden auf äh
- 4:31:08dringende benötigte Mittel für unsere
- 4:31:11marodes Schienennetz warten, darf die
- 4:31:13Finanzierung der Straße auf Pump nicht
- 4:31:15auf Kosten von Schienen, Schleusen und
- 4:31:17Wasserstraßen passieren. Und deshalb
- 4:31:19muss die Bundesregierung jetzt
- 4:31:20nachlegen. Wir brauchen endlich
- 4:31:22tragfähige Konzepte, die auch die
- 4:31:24Finanzierung unserer Schienen- und
- 4:31:25Wasserstraßen langfristig sichern.
- 4:31:27Und bevor wir also über die Schließung
- 4:31:29des Finanz- des Finanzierungskreises
- 4:31:31Straße sprechen, müssen wir alle
- 4:31:34unklaren Auswirkungen, insbesondere auf
- 4:31:36den Verkehrsträger Schiene, geklärt
- 4:31:38werden. Und darum denke ich, dass wir
- 4:31:40dies in dem weiteren parlamentarischen
- 4:31:42Verfahren unbedingt auch angehen
- 4:31:43sollten. Danke schön.
- 4:31:45[applaus]
- 4:31:48Als letzte Stimme in der Aussprache
- 4:31:50hören wir Stefan Stracke für die
- 4:31:51CDU/CSU-Fraktion.
- 4:31:54[applaus]
- 4:31:58Herr Präsident, meine sehr verehrten
- 4:32:01Kolleginnen und Kollegen,
- 4:32:02Bundesautobahnen und Bundesstraßen sind
- 4:32:04Lebensadern unserer Gesellschaft und
- 4:32:06Wirtschaft und ein entscheidendes
- 4:32:08Lebenselixier für diese Lebensadern. Für
- 4:32:12moderne und leistungsfähige Straßen sind
- 4:32:14ganz profan genug Geld für die Sanierung
- 4:32:17von Tunneln und Brücken, für den Erhalt
- 4:32:19der Bundesstraßen und natürlich auch für
- 4:32:21den notwendigen Aus- und Neubau. Wir
- 4:32:24wollen, dass baureife Projekte auch
- 4:32:26tatsächlich gebaut werden. Dafür braucht
- 4:32:29es eine solide Finanzierung und genau
- 4:32:32dafür sorgen wir, meine sehr verehrten
- 4:32:35Damen und Herren.
- 4:32:36[applaus]
- 4:32:37Wir machen die Autobahn GmbH
- 4:32:39kreditfähig. Das schafft mehr
- 4:32:40Flexibilität. Das ermöglicht, dass
- 4:32:43Investitionen früher, schneller und
- 4:32:45passgenauer von statten gehen können und
- 4:32:48sorgt vor allem für eins,
- 4:32:50Planungssicherheit bei den Projekten.
- 4:32:52Die Autobahn GmbH wird ein Stück weit
- 4:32:55unabhängiger von der Kassenlage des
- 4:32:58Bundes und damit läuten wir ein neues
- 4:33:00Zeitalter ein der Finanzierung weg vom
- 4:33:03Haushalt, weg von der Jährlichkeit des
- 4:33:06Haushaltes hin zu einer verlässlichen,
- 4:33:09überjährig planbaren Perspektive.
- 4:33:12Und Österreich
- 4:33:14macht es uns mit der ASFINAG vor und mit
- 4:33:17dem heutigen Gesetz machen wir einen
- 4:33:19großen Schritt dorthin und beginnen den
- 4:33:22Finanzierungskreislauf Straße zu
- 4:33:25schließen. Und anders wie der Kollege
- 4:33:27Bosch zu suggerieren versucht, handelt
- 4:33:30es sich bei der Kreditfähigkeit der
- 4:33:31Autobahn GmbH nicht um ein
- 4:33:33Privatisierungsvorhaben.
- 4:33:36Ähm, sowohl die Bundesfernstraßen als
- 4:33:39auch die Autobahn GmbH bleiben zu 100 %
- 4:33:43im Eigentum des Bundes und es wird auch
- 4:33:47keine unmittelbare oder mittelbare
- 4:33:49Beteiligung Dritter bei der Autobahn
- 4:33:52GmbH geben. Das schließen wir an dieser
- 4:33:55Stelle aus.
- 4:33:56Und ein Zweites. Es wird ja hier so
- 4:33:59getan, als würden wir hier in eine
- 4:34:01Überschuldung hineinlaufen. Auch das ist
- 4:34:03nicht der Fall. Denn dass die Obergrenze
- 4:34:06von jeglichen Krediten bildet immer die
- 4:34:08Mauteinnahmen. Und die Mauteinnahmen
- 4:34:11sind die natürliche Obergrenze dessen,
- 4:34:14wie man dann letztendlich auch Zins und
- 4:34:17Tilgung
- 4:34:19die die Zinsen bedienen kann an dieser
- 4:34:21Stelle und auch entsprechend tilgen
- 4:34:23kann. Und der Bund bleibt ein starker
- 4:34:27Stellung als Eigentümer. Er kann
- 4:34:29Weisungen erteilen. Er entscheidet in
- 4:34:32der Rahmen der Gesellschaft der
- 4:34:34Versammlung. Das gilt im Übrigen auch
- 4:34:36für uns
- 4:34:38wenn es beispielsweise um den
- 4:34:40Aufsichtsrat geht, ja.
- 4:34:41Herr Vorsitzender, gerne.
- 4:34:49Vielen Dank, Herr Stracke, dass Sie die
- 4:34:50Frage zulassen. Sie haben jetzt gerade
- 4:34:52gesagt, dass die Obergrenze der
- 4:34:54Kreditfinanzierungsmöglichkeiten
- 4:34:56die Höhe der Mauteinnahmen ist. Heißt
- 4:34:58es, dass eine steigende Maut von Ihnen
- 4:35:00an der Stelle nicht ausgeschlossen wird?
- 4:35:02Vielen Dank.
- 4:35:03Meine
- 4:35:04werte Kollegin, am Ende steigende
- 4:35:06Mauteinnahmen hängen auch von der
- 4:35:08wirtschaftlichen Entwicklung ab. Wir tun
- 4:35:10alles dafür, dass die wirtschaftliche
- 4:35:12Entwicklung in diesem Land eine gute
- 4:35:14ist. Und dann wird auch die LKW-Maut an
- 4:35:16dieser Stelle wieder steigen. Und dafür
- 4:35:18arbeiten wir. Und ich hoffe, Sie tun als
- 4:35:21Opposition an dieser Stelle auch mit,
- 4:35:23ja, dass wir [applaus]
- 4:35:25Und am Ende wird die Autobahn GmbH
- 4:35:28darüber bestimmen, wie schaut der Bedarf
- 4:35:31aus und auf der anderen Seite, wie ist
- 4:35:34die Höhe der Mauteinnahmen und danach
- 4:35:36richtet sich dann auch die Möglichkeit
- 4:35:39der Verschuldung an dieser Stelle. Und
- 4:35:41damit wird auch klar, wie sich die Höhe
- 4:35:44der Kreditaufnahme an dieser Stelle
- 4:35:46tatsächlich bestimmt.
- 4:35:48Und die gesetzlichen Regeln
- 4:35:51begrenzen natürlich auch die
- 4:35:53Kreditaufnahme. Die Autobahn GmbH wird
- 4:35:56in Zukunft ein Finanz- und Maßnahmenplan
- 4:35:59über fünf Jahre vorlegen. Da muss sie
- 4:36:01die Herkunft der Mittel deutlich machen.
- 4:36:03Das bedarf der Zustimmung des
- 4:36:06Bundesverkehrsministeriums,
- 4:36:07aber ich werbe auch dafür, auch unsere
- 4:36:10Zustimmung äh muss notwendig sein des
- 4:36:12Verkehrsausschusses. Darauf haben wir
- 4:36:14uns innerhalb der Koalition auch bereits
- 4:36:17geeinigt. Also ein gutes
- 4:36:18Gesetzgebungsverfahren, dass wir jetzt
- 4:36:21auf den Weg äh bringen wollen, dass
- 4:36:23Perspektiven gibt für die
- 4:36:24Verkehrsinfrastruktur.
- 4:36:27[applaus]
- 4:36:31Damit schließe ich die Aussprache.
- 4:36:32Interfraktionell wird die Überweisung
- 4:36:34des Gesetzentwurfes auf Drucksache 88/68
- 4:36:39an die in der Tagesordnung aufgeführten
- 4:36:41Ausschüsse vorgeschlagen. Gibt es
- 4:36:43weitere Vorschläge? Das kann ich nicht
- 4:36:46erkennen. Dann verfahren wir wie
- 4:36:49vorgeschlagen. Ich rufe auf den
- 4:36:51Tagesordnungspunkt 30. Beratung des
- 4:36:54Antrags der Fraktion Bündnis 90/Die
- 4:36:56Grünen mit dem Titel Buchhandel und
- 4:36:58Verlage in Deutschland stärken. Es sind
- 4:37:0130 Minuten vereinbart und
- 4:37:06Sven Lehmann eröffnet die Debatte für
- 4:37:08Bündnis 90/Die Grünen.
- 4:37:13[applaus]
- 4:37:16Vielen Dank, Herr Präsident. Liebe
- 4:37:17Kolleginnen und Kollegen, in dieser
- 4:37:18Woche ist die Woche der unabhängigen
- 4:37:20Buchhandlungen und wenn wir ein Buch
- 4:37:23lesen, dann ist das ja meistens ein sehr
- 4:37:25sehr stiller Akt und er beginnt trotzdem
- 4:37:27oft mit einer Begegnung, mit einer
- 4:37:29Buchhändlerin oder einem Buchhändler,
- 4:37:31mit der Frage nach einer Empfehlung oder
- 4:37:33im Gespräch über eine Autorin oder einen
- 4:37:36Autor. Das heißt, Buchhandlungen sind
- 4:37:38mehr als Verkaufsorte. Sie sind Orte der
- 4:37:41Begegnung, sie sind die Seele unserer
- 4:37:43Innenstädte und sie sind kulturell und
- 4:37:45gesellschaftlich unverzichtbar und sie
- 4:37:49leiden
- 4:37:50unter steigenden Gewerbemieten und
- 4:37:52Personalkosten und unter einer
- 4:37:54Machtkonzentration bei
- 4:37:55Online-Plattformen und das lässt leider
- 4:37:58immer mehr kleine Buchhändler Buchläden
- 4:38:00sterben und deswegen möchte ich heute zu
- 4:38:03Beginn allen Buchhändlerinnen und
- 4:38:04Buchhändlern danken für ihre
- 4:38:06Leidenschaft, für ihre Beratung, für ihr
- 4:38:09Engagement und ich möchte an alle
- 4:38:10appellieren, nicht nur an uns hier,
- 4:38:11sondern auch alle, die zuschauen, bitte
- 4:38:13kauft eure Bücher bei kleinen
- 4:38:15Buchhändlern.
- 4:38:17[applaus]
- 4:38:20Das ist aber nicht die einzige große
- 4:38:22Herausforderung, vor der die Buchbranche
- 4:38:24steht.
- 4:38:25Auch kleine Verlage schwinden.
- 4:38:28Bürokratie erschwert ihnen das Geschäft,
- 4:38:30unregulierte künstliche Intelligenz
- 4:38:32bedroht ganze Existenzen etwa in der
- 4:38:35Übersetzung, im Lektorat oder im Layout
- 4:38:38und um die Verlage nachhaltig zu stärken
- 4:38:40und ihre Vielfalt zu erhalten, müssen
- 4:38:42wir jetzt auch politisch handeln. Wir
- 4:38:45brauchen eine strukturelle und
- 4:38:47unabhängige Förderung kleiner,
- 4:38:49unabhängiger Verlage, denn die sichern
- 4:38:52die Vielfalt von Büchern und
- 4:38:54Perspektiven. Es ist toll, wenn es
- 4:38:55Preise für Buchhandlungen und Verlage
- 4:38:57gibt, aber das ersetzt nicht eine
- 4:38:59verlässliche Förderung. Die Schweiz hat
- 4:39:02das vor einigen Jahren
- 4:39:04Die Schweiz hat das vor einigen Jahren
- 4:39:06eingeführt und das mit großem Erfolg und
- 4:39:08daran sollten wir uns auch in
- 4:39:10Deutschland orientieren, liebe
- 4:39:12Kolleginnen und Kollegen.
- 4:39:13Zweitens, wir müssen sehr viel ernster
- 4:39:16nehmen, dass KI-Modelle großer
- 4:39:18Tech-Konzerne oft ohne Einverständnis
- 4:39:20und Vergütung eben mit den Werken von
- 4:39:22Autoren, Autoren trainiert werden. Wir
- 4:39:25brauchen hier europaweit ein robustes
- 4:39:27Urheberrecht, so wie die EU-Kommission
- 4:39:29das auch äh plant, mit wirksamen
- 4:39:31Rechtevorbehalten, mit fairen
- 4:39:33Vergütungsmodellen, mit Transparenz über
- 4:39:36Trainingsdaten. Es muss gelten, dein
- 4:39:38Wort, deine Arbeit, dein Geld, dein
- 4:39:42Recht und nur so wird künstliche
- 4:39:45Intelligenz eine Chance für die Kultur
- 4:39:47und kein Werkzeug zu ihrer Ausbeutung,
- 4:39:50liebe Kolleginnen und Kollegen.
- 4:39:51[applaus]
- 4:39:53Drittens, wir haben leider eine
- 4:39:56Lesekrise in Deutschland. Die jüngste
- 4:39:57PISA-Studie nicht zuletzt zeigt, dass
- 4:39:59rund ein Drittel der 15-Jährigen
- 4:40:01Schwierigkeiten hat beim Erfassen eines
- 4:40:03Textes.
- 4:40:05Ohne Lesen ist aber alles nichts und nur
- 4:40:08wer lesen kann, kann sich eine eigene
- 4:40:10Meinung bilden und etwas von der Welt
- 4:40:12erfahren und deswegen brauchen wir eine
- 4:40:14nationale Kraftanstrengung zur
- 4:40:16Leseförderung und vor allem ab dem
- 4:40:18frühen Kindesalter und deswegen muss
- 4:40:20auch das Programm Lesestart, bei dem
- 4:40:22über die Kinderärzte vielen Familien oft
- 4:40:24das erste Buch geschenkt wird, dass
- 4:40:26dieses Programm, dieses wichtige
- 4:40:27Programm darf nicht gestrichen werden
- 4:40:29und muss weiter geführt werden, liebe
- 4:40:31Kolleginnen und Kollegen. [applaus]
- 4:40:33Die Aufgaben sind also sehr groß, doch
- 4:40:36beim Kulturstaatsminister ist nicht
- 4:40:38erkennbar, ob und wie er die Buchbranche
- 4:40:40stärken will, obwohl der
- 4:40:42Koalitionsvertrag das verspricht.
- 4:40:45Folgenlose Ankündigungen oder das neue
- 4:40:47literarische Wort des Jahres werden
- 4:40:49jedenfalls nicht helfen und ehrlich
- 4:40:51gesagt auch nicht, dass Buchhandlungen
- 4:40:53und Verlage weiterhin jederzeit damit
- 4:40:55rechnen müssen, vom Verfassungsschutz
- 4:40:57durchleuchtet zu werden, wenn der
- 4:40:59Bundesregierung ihre politische
- 4:41:01Ausrichtung nicht passt. Diese Praxis
- 4:41:03des Haber-Verfahrens hat in der
- 4:41:05Kulturförderung nichts zu suchen, liebe
- 4:41:08Kolleginnen und Kollegen.
- 4:41:10Wenn wir die Stärke und die Vielfalt von
- 4:41:12Büchern, von Buchhandlungen, von
- 4:41:14Verlagen sichern wollen, dann müssen wir
- 4:41:16jetzt handeln. Unser Antrag ist ein
- 4:41:18Vorschlag, genau das zu tun und ich
- 4:41:20freue mich auf die Debatte. Vielen Dank.
- 4:41:22[applaus]
- 4:41:23Für die CDU/CSU-Fraktion
- 4:41:26darf ich Michael Frieser das Wort
- 4:41:27erteilen.
- 4:41:29[applaus]
- 4:41:34Herr Präsident, werte Kolleginnen und
- 4:41:36Kollegen,
- 4:41:37ich liefere zum Einstieg der Rede von
- 4:41:38Herrn Lehmann noch das Zitat dazu. Lest
- 4:41:42Bücher.
- 4:41:44Sie sind Inseln der Freiheit.
- 4:41:47Ignaz Robl 1931
- 4:41:49in der Weltbühne.
- 4:41:51Und am besten
- 4:41:53kauft ihr diese Bücher nicht online,
- 4:41:56sondern in der Buchhandlung um die Ecke.
- 4:41:59Dort, wo es Beratung gibt, dort, wo es
- 4:42:01Begegnung gibt, dort, wo man in der Lage
- 4:42:03ist, auch den Zusammenhalt von
- 4:42:06Buchhandlungen zu erleben.
- 4:42:10Wir haben
- 4:42:11am Mittwoch im Ausschuss tatsächlich
- 4:42:13eine dramatische Verschiebung dieses
- 4:42:16Marktes,
- 4:42:18nicht nur bei dem Thema Buchhandlungen,
- 4:42:19auch beim Thema Verlage hören müssen,
- 4:42:22darüber debattiert.
- 4:42:24Und ich stelle die Intention der Grünen
- 4:42:27überhaupt nicht in Frage, diese
- 4:42:30Strukturen zu stärken, zu fördern, weil
- 4:42:33man sie als eine lebendige
- 4:42:36Ansammlung von wirklichen Inseln zur
- 4:42:38Stärkung der Demokratie ansieht.
- 4:42:41Und man gibt sich ja auch poetisch zwei
- 4:42:44Seiten Mühe, das schön zu formulieren.
- 4:42:48Ignaz Wrobel ist natürlich Kurt
- 4:42:49Tucholsky in der Weltbühne. Der wäre
- 4:42:52ganz stolz auf die Grünen.
- 4:42:55Aber was weht dann daher, wenn man sich
- 4:42:58geriert als Ritter in strahlender
- 4:43:02Rüstung auf weißem Pferd,
- 4:43:04dann kommt eine strukturelle Förderung
- 4:43:07aus dem Bild der Schweiz daher.
- 4:43:10Das wär schön, wenn man es so einfach
- 4:43:13haben könnte.
- 4:43:15Es geht natürlich nicht, Buchhandlungen
- 4:43:18zu messen an der Frage einer
- 4:43:20Umsatzgröße. Ein Miss-Marple-Roman zu
- 4:43:23viel verkauft und schon war's das mit
- 4:43:26der Förderung. Das wird tatsächlich
- 4:43:29nicht weiterhelfen. Da sind mir dann
- 4:43:31tatsächlich Buchhandlungspreis und
- 4:43:33Verlagspreise wirklich lieber, weil sie
- 4:43:37aufmerksam machen können. Und schon sind
- 4:43:40wir beim Lieblingsthema
- 4:43:42der Grünen. Es war klar, dass auch
- 4:43:45dieser Antrag selbstverständlich zu
- 4:43:47einem erneuten Tribunalversuch
- 4:43:50über das Haber-Verfahren herhalten muss.
- 4:43:53Da stelle ich mir schon die Frage, Herr
- 4:43:55Lehmann, sagen Sie mal, lesen Sie die
- 4:43:57Antworten eigentlich, die Sie auf Ihre
- 4:43:59eigenen Fragen von der Bundesregierung
- 4:44:02wieder bekommen. Da steht in zig Seiten
- 4:44:06genaustens bezeichnet, was und worum es
- 4:44:09eigentlich geht. Und ich stelle mir die
- 4:44:12Frage,
- 4:44:14was haben die Grünen eigentlich gegen
- 4:44:16Extremismus-Schutz?
- 4:44:18Was ist die der eigentliche Beweggrund?
- 4:44:21Denn hier geht's ja nicht etwa darum,
- 4:44:24dass man in irgendeiner Art und Weise
- 4:44:26Zensur ausübt, dass man inhaltliche
- 4:44:28Prüfung vornimmt. Nein, das war nicht
- 4:44:30der Sinn. Und es hilft schon gar nicht,
- 4:44:32wenn man ein hundertfach erprobtes
- 4:44:35Verfahren diskreditiert,
- 4:44:37dessen Grundlage immerhin des
- 4:44:39Bundesverfassungsschutzgesetzes
- 4:44:41ist. Also man darf mal fragen, was man
- 4:44:43an dieser Stelle eigentlich an
- 4:44:46Vorbehalten hat. Natürlich kommt als
- 4:44:48Ergebnis aus Schutzgründen
- 4:44:51vor Verfahren und der Betroffenen und
- 4:44:53der Quellen eine etwas unbefriedigende
- 4:44:56Antwort heraus, nämlich dass
- 4:44:58Erkenntnisse vorliegen. Aber am Bitte
- 4:45:00vielleicht bis zum Schluss warten, aber
- 4:45:02am Ende des Ganzen muss man doch mal
- 4:45:05deutlich sagen können,
- 4:45:07selbstverständlich sind wir
- 4:45:09verpflichtet, auch an dieser Stelle den
- 4:45:11Schutz nicht nur der Betroffenen,
- 4:45:13sondern vor allem auch der Schutz des
- 4:45:15deutschen Steuerzahlers in den
- 4:45:17Vordergrund zu stellen und deutlich zu
- 4:45:19machen, Extremisten können keine
- 4:45:22Zuschüsse und Förderungen erhalten.
- 4:45:24[applaus]
- 4:45:25Und weil's am Ende des Tages doch so
- 4:45:26schön war, eine Alternative finden wir
- 4:45:29nicht. Also von wegen transparentes und
- 4:45:33rechtssicheres Verfahren, das hier
- 4:45:36vorgeschlagen wird. Ja, wie denn, wenn
- 4:45:38man keine Erkenntnisse hat? Gott sei
- 4:45:41Dank leben wir in einem Rechtsstaat, die
- 4:45:43uns Erkenntnisse an dieser Stelle
- 4:45:45liefern können.
- 4:45:46Herr Abgeordneter, jetzt frage ich von
- 4:45:48hinten.
- 4:45:49Das ist schön. [räuspern]
- 4:45:50Da ich ja Ihr
- 4:45:51Ihr Dialog äh zwar gefolgt bin, aber
- 4:45:54nicht einordnen konnte, würden Sie die
- 4:45:56Zwischenfrage als Zwischenfrage noch
- 4:45:58zulassen?
- 4:45:59Ich würde sie natürlich noch zulassen,
- 4:46:00um Gottes Willen.
- 4:46:01Dann
- 4:46:01würde ich Sie jetzt einordnen und würde
- 4:46:04Ihnen
- 4:46:05für die Sorge. Bitteschön.
- 4:46:09Herzlichen Dank, Herr Präsident, und
- 4:46:11lieber Herr Kollege Frieser, dass Sie
- 4:46:13die Frage zulassen. Sie haben ja
- 4:46:14wiederum uns als Grünen sehr sehr viele
- 4:46:16offene Fragen gestellt und ich freue
- 4:46:18mich davon auch was zu beantworten zu
- 4:46:19können, z.B.
- 4:46:20ob wir die Antworten aus der
- 4:46:22Bundesregierung zu diesen Fragen lesen.
- 4:46:24Ja, wir lesen sie. Das Problem ist nur,
- 4:46:26Sie geben leider keine gehaltvollen
- 4:46:27Antworten auf die Fragen, wann der
- 4:46:29Verfassungsschutz und aus welchen
- 4:46:31Gründen diese Buchhandlungen diese
- 4:46:33Buchhandlungen von der Liste genommen
- 4:46:35hat. Also bis heute ist erstens völlig
- 4:46:37unklar, was diesen drei Buchhandlungen
- 4:46:39eigentlich überhaupt vorgeworfen wird,
- 4:46:42weswegen sie von der Liste der Jury
- 4:46:44genommen wurden. Das ist das Erste. Das
- 4:46:46Zweite ist, es gab ein Urteil in erster
- 4:46:48Instanz, dass der Kulturstaatsminister
- 4:46:50diese Buchhandlungen eben nicht als
- 4:46:52extremistisch bezeichnen darf. Und der
- 4:46:54dritte Punkt, und das hat meine Frage an
- 4:46:56die Bundesregierung leider auch nicht
- 4:46:57beantwortet, wer eigentlich in dieser
- 4:46:59Behörde überhaupt das Haber-Verfahren
- 4:47:01beim Verfassungsschutz in Gang setzt.
- 4:47:03Ist das die Leitung? Ist das das
- 4:47:05Fachreferat? Ist das irgendwas
- 4:47:07dazwischen? Es gibt offen Es gibt
- 4:47:09offensichtlich klein klar geregeltes
- 4:47:11Instrument und das ist genau das, was
- 4:47:14das Verfassungsgericht aber verlangt für
- 4:47:16dieses Verfahren. Deswegen vielleicht
- 4:47:18lesen Sie auch die Antworten, wenn Sie
- 4:47:19dann schlauer sind, liegt's vielleicht
- 4:47:21an Ihnen, aber aus den Antworten des BKM
- 4:47:23kann ich keine Klarheit über dieses
- 4:47:25Haber-Verfahren
- 4:47:26entdecken.
- 4:47:28[applaus]
- 4:47:29Herr Präsident,
- 4:47:31mit Ihrer Erlaubnis die Antwort.
- 4:47:34Erstens haben Sie dieselbe Frage diese
- 4:47:36Woche im Ausschuss schon gestellt und
- 4:47:38eine nachhaltige Antwort erhalten.
- 4:47:41Zweitens gibt das BKM keine Auskunft
- 4:47:45darüber, sondern die
- 4:47:46Verfassungsschutzbehörden
- 4:47:48geben darüber Auskunft. Nochmals, es
- 4:47:51handelt sich auch das ist eindeutig aus
- 4:47:54der Antwort an Sie zu entnehmen, nicht
- 4:47:57um eine Form der inhaltlichen Bewertung
- 4:47:59der Zensur, z.B. bei unabhängigen Jury
- 4:48:03oder gar der Ersatz einer
- 4:48:04Auseinandersetzung mit den Inhalten,
- 4:48:06sondern es gibt lediglich darüber
- 4:48:08Erkenntnis zu sagen, bitte seid
- 4:48:10vorsichtig, hier liegen Erkenntnisse
- 4:48:12vor. Genau das steht in dieser Antwort
- 4:48:15und genau das erwarte ich von
- 4:48:17Nachrichtendiensten, dass sie darauf in
- 4:48:19dieser Art und Weise rechtssicher
- 4:48:22reagieren.
- 4:48:23[applaus]
- 4:48:24Ich lasse jetzt die Uhr weiterlaufen,
- 4:48:25Herr Fried.
- 4:48:26Und dann darf ich äh vielleicht noch
- 4:48:28anfügen, weil es natürlich dem Zeitgeist
- 4:48:30gemäß ist, muss im Antrag der Grünen
- 4:48:32auch noch die künstliche Intelligenz
- 4:48:34auftauchen. Wie kann es auch anders
- 4:48:36sein?
- 4:48:37Natürlich muss es Regeln geben.
- 4:48:40Natürlich muss es Vergütungsmodelle
- 4:48:42geben, die dem Urheberschutz genügen und
- 4:48:46die auch in der Lage sind, eine
- 4:48:48rechtliche belastbare Grenze zu ziehen.
- 4:48:51Genau daran arbeitet diese Regierung
- 4:48:54nämlich. Und dann ganz ehrlich, als
- 4:48:57Kirsche oben auf kommt auf den
- 4:48:59Sahnebecher noch ein differenziertes
- 4:49:02Gewerbe niedrig. Also, Herr Lehmann,
- 4:49:04jetzt einmal ganz ehrlich, glauben Sie
- 4:49:06allen Ernstes, dass damit eine wirkliche
- 4:49:09strukturelle Förderung von
- 4:49:10Buchhandlungen möglich sein sollte? Ich
- 4:49:13befürchte, Buchhandlungen sind wichtig.
- 4:49:15Lest Bücher, aber so geht's nicht.
- 4:49:18Vielen Dank.
- 4:49:21[applaus]
- 4:49:23Der nächste Redner ist Matthias
- 4:49:25Helferich für die AfD.
- 4:49:27[applaus]
- 4:49:31Sehr geehrter Herr Präsident, meine
- 4:49:32Damen und Herren, die Grünen fordern in
- 4:49:34ihrem Antrag, Buchhandel und Verlage in
- 4:49:36Deutschland zu stärken. Gegen dieses
- 4:49:38Anliegen kann eigentlich niemand etwas
- 4:49:40haben. Wer am Mittwoch im
- 4:49:41Kulturausschuss jedoch den Sorgen der
- 4:49:43Verlagsbranche folgte, weiß, dass es den
- 4:49:45Verlegern insbesondere
- 4:49:47EU-Bürokratie-Monster zu schaffen
- 4:49:49machen. Die Verleger beklagten die
- 4:49:51Entwaldungsverordnung, welche
- 4:49:52entwaldungsfreie Lieferketten vorsah.
- 4:49:55Druckerzeugnisse
- 4:49:57wurden dank rechter Mehrheiten im
- 4:49:59EU-Parlament von dieser Verordnung
- 4:50:01ausgenommen. Wer stimmte gegen die
- 4:50:03Privilegierung von Druckerzeugnissen?
- 4:50:05Die Grünen.
- 4:50:06Die
- 4:50:08die selbst bei Büchern irrsinnige
- 4:50:10Sicherheitsbewertungen verlangt. Wer
- 4:50:12stimmte für diese Verordnung? Die
- 4:50:14Grünen.
- 4:50:15Die Grünen stemmten sich auch gegen die
- 4:50:17Lockerung der EU-Lieferkettenrichtlinie,
- 4:50:19die insbesondere Ausnahmen für
- 4:50:21Kleinstunternehmen, wie eben
- 4:50:22Buchhandlungen und Verlage, vorsah. Wer
- 4:50:24stand an der Seite der
- 4:50:26Kleinstunternehmen? Die Rechtsparteien
- 4:50:28im EU-Parlament. Und die
- 4:50:29EU-Verpackungsverordnung fand ebenfalls
- 4:50:31die breite Zustimmung der Brüsseler
- 4:50:33Grünen. Auch dieses Bürokratie-Monster
- 4:50:35belastet den deutschen Buchhandel.
- 4:50:38Der grüne Antrag ist nicht mehr als ein
- 4:50:40Lippenbekenntnis. Ein echter Einsatz für
- 4:50:42die Verlags- und Buchhandlungsbranche
- 4:50:44hätte bereits in Brüssel begonnen. Dort
- 4:50:47erschufen die Grünen aber jenes
- 4:50:48Bürokratie-Monster, welches nun die
- 4:50:50deutschen Verlage und Buchhandlungen
- 4:50:52frisst. Wahrscheinlich geht es bei der
- 4:50:54strukturellen Verlagsförderung eher
- 4:50:56darum, dass man die eigene Klientel
- 4:50:58versorgen will.
- 4:51:00Die Verlegerin
- 4:51:02und Buchhändlerin Susanne Dagen stellte
- 4:51:04zu Recht im Deutschlandkurier-Interview
- 4:51:06die Vermutung auf, den Linken geht das
- 4:51:08Geld aus den NGOs aus.
- 4:51:11Sie haben mich aber an ihrer Seite, wenn
- 4:51:12sie das lästige Haber-Verfahren
- 4:51:14abschaffen wollen. Der
- 4:51:15Verfassungsschutz, und das weiß ja
- 4:51:17inzwischen jedes Kind in Deutschland,
- 4:51:19ist ein Instrument der Herrschenden, um
- 4:51:21Dissidenten und Oppositionelle
- 4:51:23willkürlich zu unterdrücken. Wir
- 4:51:25brauchen eben keine Herrschaft des
- 4:51:27Verdachts.
- 4:51:28Die
- 4:51:29Bewertung der sinisteren Schlapphüte
- 4:51:31haben in der Kulturförderung eben nichts
- 4:51:34verloren, damit endlich echte Vielfalt
- 4:51:36herrschen kann. Antaios, das Buchhaus
- 4:51:39Loschwitz und der junge Europa-Verlag
- 4:51:41warten verdient auf ihre Preise und
- 4:51:43Förderung. Und ja, das Programm
- 4:51:46Lesestart 1 2 3 muss natürlich
- 4:51:48fortgeführt werden. Die AfD-Fraktion hat
- 4:51:51dies bereits vor einem Monat hier im
- 4:51:53Hause gefordert. Schließen sich daher
- 4:51:56unserem Antrag an, Herr Lehmann,
- 4:51:58durchbrechen wir gemeinsam Hand in Hand
- 4:52:01die Brandmauer.
- 4:52:03Und wenn Sie echte verlegerische
- 4:52:05Vielfalt haben wollen, Herr Lehmann,
- 4:52:07dann kommen Sie morgen mit nach Halle
- 4:52:10zur Buchermesse Seitenwechsel. Ich habe
- 4:52:12noch ein Plätzchen frei im Auto und hole
- 4:52:15Sie gerne ab. Alle nach Halle. Vielen
- 4:52:17Dank.
- 4:52:19[applaus]
- 4:52:21Vielen Dank. Als nächster spricht Holger
- 4:52:22Mann für die SPD-Fraktion.
- 4:52:25[applaus]
- 4:52:31Sehr geehrter Herr Präsident, sehr
- 4:52:33geehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe
- 4:52:34Literaturfreunde. Unsere vielfältige
- 4:52:37Verlagslandschaft ist ein Schatz, ein
- 4:52:39Schatz, der unsere Kultur im Schriftgut
- 4:52:43bewahrt.
- 4:52:44Diese Kultur und auch uns selber prägt.
- 4:52:47Denn die Literatur in all ihren Formen
- 4:52:50hat die Macht, Perspektiven zu öffnen.
- 4:52:53Durch die Augen anderer zu sehen, die
- 4:52:55Welt von verschiedenen Standpunkten aus
- 4:52:57wahrzunehmen und damit auch den eigenen
- 4:53:00Standpunkt zu bereichern.
- 4:53:02Wir alle sind Teil dieser Wissens- und
- 4:53:04Wirklichkeitserweiterung vom ersten Buch
- 4:53:07an, das uns unsere Eltern an der
- 4:53:08Bettkante lesen, über das erste Buch,
- 4:53:10dass wir selber lesen und auch über das
- 4:53:14letzte Buch, das vielen von uns Trost
- 4:53:16gibt, bevor wir aus dieser Welt
- 4:53:17scheiden.
- 4:53:19Bücher berühren, Bücher bilden und
- 4:53:22bereichern.
- 4:53:23Und deshalb sei hier deutlich gesagt, es
- 4:53:25sind vor allem die Kleinen, es sind vor
- 4:53:26allem die unabhängigen Verlage, die für
- 4:53:28die Vielfalt des literarischen Angebots
- 4:53:31in Deutschland stehen.
- 4:53:33Sie
- 4:53:34veröffentlichen Stimmen aus aller Welt,
- 4:53:37entdecken neue und
- 4:53:39entdecken auch jene wieder, die sonst
- 4:53:41für immer verstummen würden. Mit ihren
- 4:53:43literarischen Impulsen bereichern und
- 4:53:46festigen sie, sie, die unabhängigen
- 4:53:48Verlage, eine Kultur der Demokratie.
- 4:53:52Doch genau dieser Grundpfeiler der
- 4:53:54demokratischen Kultur ist von vielen
- 4:53:56Krisen unserer Zeit bedroht.
- 4:53:58Kostensteigerungen,
- 4:53:59der zu verbreitete funktionale
- 4:54:03Analphabetismus, eine Lesekrise
- 4:54:05ausgerechnet im digitalen Wandel und
- 4:54:07nicht zuletzt, das kam schon zur
- 4:54:09Sprache, die großen KI-Systeme sorgen
- 4:54:11für eine prekäre Situation im
- 4:54:13Buchhandelsmarkt.
- 4:54:14Viele Verlage, insbesondere die
- 4:54:16Unabhängigkeit, unabhängigen kleinen
- 4:54:18kämpfen bereits jetzt um ihre Existenz
- 4:54:21und mit ihnen kämpfen eine Vielzahl von
- 4:54:24Autoren,
- 4:54:25Lektoren, Illustratorinnen oder
- 4:54:28Übersetzern um die Ehre.
- 4:54:31Die kulturelle Vielfalt, plurale
- 4:54:33Meinungsfreiheit und Demokratie des
- 4:54:35Artikel 5 unseres Grundgesetzes zu
- 4:54:38sichern, verlangt daher auch die
- 4:54:40Verlagslandschaft nachhaltig zu sichern.
- 4:54:43Damit unsere Literaturlandschaft mit
- 4:54:463000 Verlagen und über 30.000
- 4:54:48Beschäftigten weiterhin sowohl den
- 4:54:50leisen und nachdenklichen wie den lauten
- 4:54:52und vielleicht auch epischen Stimmen
- 4:54:54Gehör schaffen können.
- 4:54:56Und genau dies ist der Grund, weshalb
- 4:54:57wir im Koalitionsvertrag festgeschrieben
- 4:54:59haben, die Vielfalt auf dem Buchmarkt
- 4:55:02und die Leseförderung zu stärken.
- 4:55:06[applaus]
- 4:55:06Als SPD werden wir uns daher dafür
- 4:55:08einsetzen und hoffen hier viele an
- 4:55:10unsere Seite zu haben, dass diese
- 4:55:11Vorhaben in der Bundesregierung weitere
- 4:55:14konkrete Schritte folgen. Im
- 4:55:16Zusammenspiel mit den Bundesländern
- 4:55:18wollen wir prüfen, ob die Einführung
- 4:55:20einer strukturellen Verlagsförderung
- 4:55:22möglich ist.
- 4:55:23Erfahrungsberichte aus anderen Ländern
- 4:55:25schon genannt, Österreich oder der
- 4:55:27Schweiz zeigen bereits eine strukturelle
- 4:55:30Verlagsförderung schafft mehr
- 4:55:32finanziellen wie kreativen Freiraum für
- 4:55:34die Verlage, mehr Flexibilität und
- 4:55:36bessere Honorare zum Beispiel für
- 4:55:38Übersetzerinnen.
- 4:55:41In Deutschland hat gerade das
- 4:55:43SPD-geführte Hamburg dieses Jahr diese
- 4:55:45Verlagsförderung eingeführt und damit
- 4:55:47ein positives Beispiel gesetzt, an dem
- 4:55:49wir uns orientieren können. Diesen
- 4:55:51Impuls wollen wir nun auch auf
- 4:55:53Bundesebene aufgreifen.
- 4:55:55Als SPD-Fraktion halten wir es im
- 4:55:57Zeitalter der generativen KI zudem für
- 4:56:00unabdingbar, die Grundlage des
- 4:56:02Buchhandels, das geistige Eigentum
- 4:56:05besser zu schützen.
- 4:56:07[applaus] Ich habe es schon in vielen
- 4:56:09Debatten hier gesagt, aber das Urheber-
- 4:56:11und Nutzungsrechte
- 4:56:13bisher Opfer
- 4:56:16organisierten Diebstahls werden dürfen
- 4:56:18wir nicht akzeptieren. Kreativität darf
- 4:56:21nicht zu Gunsten der Profite großer
- 4:56:23KI-Unternehmen ausgenutzt werden.
- 4:56:26Deshalb fordern wir die nationale
- 4:56:29Digitalabgabe und eine europäische
- 4:56:31Digitalsteuer.
- 4:56:33Insbesondere große Suchmaschinen,
- 4:56:35soziale Netzwerke, Video- und
- 4:56:36Werbeplattformen sowie Anbieter
- 4:56:38generativer KI sollen ihren fairen
- 4:56:40Beitrag leisten. Die eingenommenen
- 4:56:42Mittel könnten direkt in die Förderung
- 4:56:44der Kulturbranche, gerade der
- 4:56:46Buchbranche fließen.
- 4:56:47Wir hoffen daher, dass der vom
- 4:56:49Kulturstaatsminister im Mai 2025
- 4:56:52angekündigte Entwurf zeitnah vorgelegt
- 4:56:55wird.
- 4:56:56Auch die Leseförderung, meine Damen und
- 4:56:57Herren, ist eine essenzielle Grundlage
- 4:56:59dafür, wie die Vielfalt der Buchbranche
- 4:57:02gestärkt werden kann. Mit Initiativen
- 4:57:04wie dem nationalen Lesepakt, dem
- 4:57:06Lesestadtprojekt oder auch dem Magazin
- 4:57:08Echt jetzt bietet der Bund eine breit
- 4:57:10gefächerte Leseförderung.
- 4:57:12Und ich will hier nur sagen, es lohnt
- 4:57:14sich dafür als Fraktion auch in den
- 4:57:16schwierigen Haushaltsverhandlungen zu
- 4:57:17kämpfen, denn Lesen darf keine
- 4:57:19Inselbegabung werden und es liegt auch
- 4:57:22an uns in der Politik,
- 4:57:24den Zugang zur Literatur zu weiten.
- 4:57:28Meine Damen und Herren, es braucht hier
- 4:57:30ein stärkeres staatliches Engagement,
- 4:57:32damit alle Kinder unabhängig von ihrer
- 4:57:33Herkunft Zugang zu Büchern, Literatur
- 4:57:36und damit nicht zuletzt Bildung
- 4:57:37erhalten. Liebe Kolleginnen und
- 4:57:38Kollegen, unsere vielfältige
- 4:57:40Verlagsbranche ist ein Schatz. Das sage
- 4:57:42ich nicht zuletzt als stolzer Bürger der
- 4:57:44Verlags- und Buchstadt Leipzig.
- 4:57:47Und ich danke den Antragstellern
- 4:57:48ausdrücklich dafür, dass die Debatte,
- 4:57:50die Verlags- und Buchbranchenförderung
- 4:57:52einmal mehr auf die politische Agenda
- 4:57:54des Deutschen Bundestages gesetzt hat.
- 4:57:56[räuspern] Lassen Sie uns daher
- 4:57:57gemeinsam dafür sorgen, dass die
- 4:57:58Literatur den Platz erhält, der ihr
- 4:58:00gebührt in unserer Gesellschaft und in
- 4:58:03unserer Politik.
- 4:58:04Denn Bücher öffnen Perspektiven, geben
- 4:58:07unterschiedlichen Stimmen Raum und
- 4:58:09halten unsere Demokratie lebendig. Wer
- 4:58:12diesen Schatz bewahren will, muss ihn
- 4:58:14auch schützen und in seine Zukunft
- 4:58:16investieren. Vielen herzlichen Dank.
- 4:58:18Vielen Dank.
- 4:58:20[applaus]
- 4:58:20Der nächster Redner ist David
- 4:58:22Schlesinger für die Fraktion Die Linke.
- 4:58:24[applaus]
- 4:58:29[applaus]
- 4:58:32Herr Präsident, sehr geehrte Damen und
- 4:58:34Herren, die wirtschaftliche Lage der
- 4:58:36Buchbranche ist ernst. Wir haben es
- 4:58:38gehört, steigende Herstellungsenergie
- 4:58:40und Vertriebskosten treffen auf eine
- 4:58:42sinkende Kaufkraft und auf ein sich
- 4:58:44veränderndes Leseverhalten. Aber der
- 4:58:46massive Druck trifft in der Branche
- 4:58:49nicht alle gleichermaßen. 2 % der
- 4:58:51Verlage erwirtschaften rund zwei Drittel
- 4:58:54des gesamten Verlagsumsatzes. Im
- 4:58:55Buchhandel entfallen drei Viertel des
- 4:58:58Umsatzes auf lediglich 5 % der
- 4:59:00Unternehmen und das kann so nicht
- 4:59:02bleiben.
- 4:59:03Wir haben eine erhebliche Konzentration
- 4:59:06von Marktmacht, während viele kleine
- 4:59:08unabhängige Verlage zunehmend prekär
- 4:59:10arbeiten und um ihre Existenz kämpfen
- 4:59:12müssen. Und dabei geht es aber nicht nur
- 4:59:14allein um die Frage der
- 4:59:15Wettbewerbsfähigkeit, sondern um die
- 4:59:17Frage, wer darüber entscheidet, welche
- 4:59:19Bücher herausgebracht, welche
- 4:59:20Autorinnenstimmen an die Öffentlichkeit
- 4:59:22dringen, welche gesellschaftlichen
- 4:59:24Perspektiven sichtbar werden. Und die
- 4:59:26Gewährleistung der Vielfalt übernehmen
- 4:59:28eben die unabhängigen Verlage. Abseits
- 4:59:31dominierender Trends entdecken sie neue
- 4:59:33Stimmen, pflegen anspruchsvolle
- 4:59:34Programme jenseits kurzfristig
- 4:59:36renditeorientierter Logiken und
- 4:59:38ermöglichen so andere gesellschaftliche
- 4:59:41Debatten. Verlieren wir also diese
- 4:59:43Verlage, verschwinden nicht einfach nur
- 4:59:45schwer zurückholbare Marktteilnehmer, es
- 4:59:48verschwindet ein Teil der kulturellen
- 4:59:49und demokratischen Infrastruktur unseres
- 4:59:52Landes. Wir müssen also handeln.
- 4:59:55Die Kurt-Wolff-Stiftung bezifferte im
- 4:59:57Jahr 2019 den jährlichen Mindestbedarf
- 5:00:00für eine strukturelle Verlagsförderung
- 5:00:02auf eine Höhe von 10 Millionen Euro. Die
- 5:00:04Linke stellt seit Jahren entsprechende
- 5:00:06Haushaltsanträge, die immer und in der
- 5:00:08Ampelzeit auch von den Grünen abgelehnt
- 5:00:10worden. Und im aktuellen
- 5:00:12Koalitionsvertrag steht, eine
- 5:00:13strukturelle Verlagsförderung solle im
- 5:00:16Einklang mit den Ländern geprüft werden.
- 5:00:17Hamburg ging in diesem Jahr mit seinem
- 5:00:19Verlagspakt einen ersten Schritt. Auf
- 5:00:21der Bundessebene dagegen hat es noch
- 5:00:23nicht einmal für eine Ankündigung
- 5:00:25gereicht.
- 5:00:26Die Grünen haben einen Antrag vorgelegt.
- 5:00:28Er ist gut, er könnte von uns sein. Man
- 5:00:30orientiert sich darin an der seit 2016
- 5:00:32praktizierten Verlagsförderung in der
- 5:00:34kommunistisch regierten Schweiz. Und was
- 5:00:37ich nicht verstehe, warum beschränkt ihr
- 5:00:39euch auf eine programmbezogene Förderung
- 5:00:41und bleibt damit hinter dem Schweizer
- 5:00:42Modell zurück?
- 5:00:44Und dann aus unserer Sicht muss
- 5:00:46natürlich die Anwendung des
- 5:00:47rechtswidrigen Haberverfahrens in der
- 5:00:50Kulturförderung generell eingestellt
- 5:00:52werden. Der Einsatz des
- 5:00:54Inlandsgeheimdienstes im Kulturbereich
- 5:00:56ist weder ein totaler Standard- und
- 5:00:57routinemäßiger noch zulässiger Vorgang,
- 5:01:00auch wenn die Union das so gerne hätte.
- 5:01:02Es ist und bleibt ein Schnüffel- und
- 5:01:04Drohinstrument, mit welchem die
- 5:01:06Kulturszene unter Generalverdacht
- 5:01:08gestellt wird, bei dem Betroffene keine
- 5:01:10Rechtsweggarantie besitzen. Das ist ein
- 5:01:13unhaltbarer Zustand.
- 5:01:15Die weiteren im Antrag geforderten
- 5:01:16Maßnahmen wie der Schutz der Kreativen
- 5:01:18vor KI- Piraterie und der Ausbau der
- 5:01:21Leseförderung sind notwendiger denn je.
- 5:01:23Darüber hinaus benötigen wir aber auch
- 5:01:24eine Bibliotheksförderung. Dabei könnten
- 5:01:26wir uns gerne an Finnland orientieren.
- 5:01:28Dort herrscht der Goldstandard
- 5:01:29Bibliothek. Einer Buchhandel- sowie
- 5:01:31einer gestärkten Übersetzungsförderung
- 5:01:33bedarf es im Übrigen ebenfalls. Vielen
- 5:01:35Dank.
- 5:01:36Vielen Dank.
- 5:01:37[applaus]
- 5:01:39Der nächste Redner ist Johannes Volkmann
- 5:01:41für die CDU/CSU-Fraktion.
- 5:01:44[applaus]
- 5:01:58Herr Präsident, meine sehr geehrten
- 5:02:00Damen und Herren, wir haben es heute
- 5:02:02vielfach gehört. Pluralismus und
- 5:02:04Themenvielfalt sind für eine lebendige
- 5:02:06Kulturlandschaft von großer Bedeutung.
- 5:02:08Wir wollen eine starke und finanziell
- 5:02:10zukunftsfähige Buchbranche in
- 5:02:12Deutschland. Hier geht es nicht nur um
- 5:02:13den Erhalt und den Ausbau unseres
- 5:02:15Kulturerbes. Hier geht es auch um
- 5:02:17wichtige politische Debattenräume, ohne
- 5:02:19die keine liberale Demokratie bestehen
- 5:02:23Und deshalb,
- 5:02:25[applaus] meine Damen und Herren,
- 5:02:25deshalb haben wir den Frankfurter Appell
- 5:02:27des Börsenvereins des Deutschen
- 5:02:28Buchhandels zu Fragen von KI in der
- 5:02:30Buchbranche mit großer Aufmerksamkeit
- 5:02:32verfolgt. Wir sind getragen von dem
- 5:02:34Gedanken, wer urheberrechtlich
- 5:02:36geschütztes geistiges Eigentum nutzt,
- 5:02:39der muss für diese Nutzung auch zahlen.
- 5:02:41Das ist ein ordnungspolitisches
- 5:02:42Grundprinzip in der sozialen
- 5:02:43Marktwirtschaft und ist eine Frage der
- 5:02:45Marktordnung, das auch gegenüber
- 5:02:47außereuropäischen Tech-Konzernen
- 5:02:49durchzusetzen. Insofern sehen wir auch
- 5:02:51hier Handlungsbedarf.
- 5:02:53[applaus]
- 5:02:54In diesem Bereich
- 5:02:56hat der vorliegende Antrag der Grünen
- 5:02:57durchaus Aspekte, die unterstützenswert
- 5:02:59sind. Das Problem ist aber, dass er in
- 5:03:01vielen anderen Bereichen darüber
- 5:03:03deutlich hinausgeht. Ein Stichwort, das
- 5:03:05sogenannte differenzierte
- 5:03:06Gewerbemietrecht für Buchhandlung. Die
- 5:03:09wissenschaftliche Studienlage zu
- 5:03:10dirigistischen Eingriffen in die
- 5:03:11Vertragsfreiheit im Mietrecht ist
- 5:03:13umfangreich und sie ist eindeutig. Sie
- 5:03:15führen regelmäßig langfristig zu
- 5:03:18Angebotsverknappung und sind nicht
- 5:03:20geeignet, von Leerstand bedrohte
- 5:03:22Innenstädte zu beleben. Das, meine Damen
- 5:03:24und Herren, ist ein Irrweg, den Sie hier
- 5:03:26vorschlagen.
- 5:03:28In Ihrem Antrag schlagen Sie zudem neue
- 5:03:30Subventionsprogramme vor. Wir leisten
- 5:03:32bereits heute mit der Buchpreisbindung
- 5:03:34und dem vergünstigten Mehrwertsteuersatz
- 5:03:36für die Buchbranche einen erheblichen
- 5:03:38Beitrag zur Unterstützung der
- 5:03:39Buchproduktion in unserem Land. Damit
- 5:03:41tragen wir dem wichtigen kulturellen
- 5:03:43Stellenwert des Buchmarkts für unsere
- 5:03:44Gesellschaft Rechnung. Gleichzeitig sind
- 5:03:47wir aber der Überzeugung, dass sich
- 5:03:48echter Pluralismus nicht durch immer
- 5:03:51neue Programme herbeisubventionieren
- 5:03:53lässt. Nur durch die Nachfrage der
- 5:03:55Leserschaft und nicht durch den
- 5:03:57Steuerzahler kann eine vielfältige und
- 5:03:59dauerhaft beständige Buchlandschaft in
- 5:04:01Deutschland erhalten bleiben. Und
- 5:04:03deswegen müssen wir mehr für die
- 5:04:04Entlastung von kleinen Verlagen im
- 5:04:07Unternehmerischen tun. Dazu gehört,
- 5:04:08bürokratische Hemmnisse abzubauen, die
- 5:04:11Kleingewerben im Verlagswesen das Leben
- 5:04:13schwer machen. Von der
- 5:04:14Verpackungsverordnung angefangen, wir
- 5:04:16haben heute einige Beispiele gehört,
- 5:04:19brauchen wir eine Ausschöpfung der
- 5:04:20europäischen De-minimis-Regeln und wo
- 5:04:22notwendig eine Überarbeitung des
- 5:04:24europäischen Rechtsrahmens. Gänzlich,
- 5:04:27meine Damen und Herren, gänzlich in die
- 5:04:29falsche Richtung geht dann Ihr Antrag
- 5:04:31bei der Ablehnung des Haberverfahrens
- 5:04:33zur Überprüfung von Empfängern von
- 5:04:34Steuergeld bei Extremismusverdacht. Beim
- 5:04:37Haberverfahren erfolgt eine Abfrage beim
- 5:04:39Verfassungsschutz, ob entsprechende
- 5:04:41Hinweise auf Extremismus vorliegen.
- 5:04:44Dieses Verfahren hat sich bewährt und es
- 5:04:45wurde von Bundesregierungen aller
- 5:04:48Konstellationen angewandt. Ich möchte
- 5:04:50hier die Grünen erinnern, dass unter der
- 5:04:52Ampel in den Jahren 2022, 2023 und 2024
- 5:04:56584
- 5:04:58Haberverfahren durchgeführt worden.
- 5:05:00Deswegen, trotz ihrer
- 5:05:01Skandalisierungsversuche, bleibt die
- 5:05:03Entscheidung des Kulturstaatsministers,
- 5:05:05dieses Verfahren anzuwenden, richtig.
- 5:05:08Sie skandalisieren hier etwas, was in
- 5:05:09einer wehrhaften Demokratie Normalität
- 5:05:11sein sollte.
- 5:05:14[applaus] Und Sie zeigen hier durch
- 5:05:15eigenes Regierungshandeln, dass Sie es
- 5:05:17ja im Prinzip für richtig halten,
- 5:05:19Extremismus nicht durch Steuergeld zu
- 5:05:21subventionieren. Ich finde es umso
- 5:05:23bedauerlicher, dass Sie aus Angst vor
- 5:05:25der Linken in der Kulturpolitik hier Ihr
- 5:05:27Rückgrat vergessen. Da finden sich die
- 5:05:29angehenden Juniorpartner von Vanessa
- 5:05:31Emde und Ferat Kocak in der Hauptstadt
- 5:05:34schon mal in ihre neuen Rollen zurecht.
- 5:05:36Ich finde das ausdrücklich bedauerlich,
- 5:05:37meine Damen und Herren.
- 5:05:41Ich weiß gar nicht, warum Sie sich
- 5:05:42darüber so aufregen. Ich meine, Sie
- 5:05:43wollen ja ein ehemaliges Mitglied der
- 5:05:45Roten Hilfen zur Ministerpräsidentin in
- 5:05:46dieser Stadt wählen. Das ausgerechnet in
- 5:05:49der Woche nach den linksradikalen
- 5:05:51Krawallen in deutschen Innenstädten Sie
- 5:05:53den Verzicht auf die Überprüfung von
- 5:05:55Steuergeldempfängern fordern, zeigt,
- 5:05:57dass mit Teilen der Grünen im Kampf
- 5:05:59gegen Linksextremismus nicht zu rechnen
- 5:06:01ist. Und ich finde es vielsagend über
- 5:06:04den geistigen Zustand mancher
- 5:06:05Krawall-Linker in Deutschland, dass
- 5:06:07Schuläden geplündert werden und
- 5:06:09Buchhandlungen gänzlich unangetastet
- 5:06:11bleiben. Früher konnte die Revolution
- 5:06:13wenigstens noch lesen und schreiben,
- 5:06:14liebe Genossen. Bei der Leseförderung
- 5:06:16sollten wir auch in Ihrem Milieu
- 5:06:17dringend nachbessern.
- 5:06:19Meine Damen und Herren,
- 5:06:21unsere Position ist eindeutig. Wer sich
- 5:06:23extremistisch betätigt, hat keinen
- 5:06:25Anspruch auf Subvention durch deutsches
- 5:06:27deutsches
- 5:06:28Ich weiß auch nicht, warum Frau Rechenik
- 5:06:30sie sich da angesprochen fühlen und
- 5:06:32natürlich muss dieser Grundsatz auch
- 5:06:34durch unsere Sicherheitsbehörden
- 5:06:35überprüfbar bleiben. Deswegen lehnen wir
- 5:06:37ab. Vielen Dank.
- 5:06:39Vielen Dank. Der letzte Redner in dieser
- 5:06:42Aussprache ist
- 5:06:44Sven Wende für die AfD-Fraktion.
- 5:06:50[applaus]
- 5:06:54Ja.
- 5:06:55Sehr geehrter Präsident, sehr geehrte
- 5:06:57Abgeordnete, liebe Gäste und Zuschauer.
- 5:06:59Wer wie ich in den 70er Jahren des
- 5:07:01letzten Jahrtausends auf dem Land
- 5:07:03aufgewachsen ist, kennt es.
- 5:07:05Drei Fernsehsender, kein Kino am Ort,
- 5:07:06kein Internet, wenig andere Arten der
- 5:07:08Freizeitgestaltung. Wenn es damals
- 5:07:10schlechtes Wetter gab, blieben einem nur
- 5:07:12Bücher als Unterhaltungsmöglichkeit.
- 5:07:14Doch selbst im Bereich der Belletristik
- 5:07:16konnte man sich fast schon versehentlich
- 5:07:17weiterbilden.
- 5:07:19Bücher erweitern den Horizont, zeigen
- 5:07:21einem fremde Welten und vermitteln
- 5:07:23andere Denkweisen.
- 5:07:24Bücher sind ein wichtiger Teil unserer
- 5:07:26Kulturlandschaft. Grundsätzlich leisten
- 5:07:28Verlage und Buchhandlung mit ihrer
- 5:07:30Tätigkeit zweifellos einen großen
- 5:07:32Beitrag zum Wohle der Gesellschaft.
- 5:07:34Aber gerade weil uns diese Branche am
- 5:07:36Herzen liegt, sehen wir diesen Antrag
- 5:07:38kritisch.
- 5:07:39An entscheidender Stelle setzt er, man
- 5:07:41möchte fast sagen wie immer, auf das
- 5:07:43falsche Instrument, auf mehr Regulierung
- 5:07:46statt auf Innovation und
- 5:07:47unternehmerische Freiheit.
- 5:07:49Besonders deutlich wird das bei den
- 5:07:50Forderungen zur künstlichen Intelligenz.
- 5:07:53KI verändert die Literaturbranche, aber
- 5:07:55eben nicht nur im negativen Sinne.
- 5:07:58Sie kann Übersetzungen erleichtern,
- 5:08:00Lektorate unterstützen und
- 5:08:01Produktionsprozesse effizienter machen.
- 5:08:04Gerade für kleine Verlage kann KI eine
- 5:08:06Chance sein, mit begrenzten Mitteln mehr
- 5:08:08zu erreichen und international
- 5:08:10wettbewerbsfähig zu werden.
- 5:08:12Literatur- und Verlagswesen und
- 5:08:14künstliche Intelligenz können Hand in
- 5:08:16Hand arbeiten und Synergien entfalten.
- 5:08:19Was schlagen die Grünen stattdessen vor?
- 5:08:21Neue umfassende Dokumentationspflichten,
- 5:08:23verbindliche maschinenlesbare
- 5:08:25Rechtevorbehalte, neue Lizenzierungs-
- 5:08:27und Vergütungsmodelle und zusätzliche
- 5:08:29Beweislastregeln.
- 5:08:31Was als Verbraucher und
- 5:08:32Urheberrechtsschutz-verkleidet
- 5:08:33daherkommt, entpuppt sich sehr schnell
- 5:08:35als erheblicher zusätzlicher
- 5:08:37Verwaltungsaufwand.
- 5:08:38Und das in einer Zeit, in der wir
- 5:08:40eigentlich alles daran setzen müssten,
- 5:08:42Innovationskraft zu stärken, statt sie
- 5:08:44durch immer neue regulatorische Hürden
- 5:08:45zu schwächen.
- 5:08:47[applaus]
- 5:08:51Natürlich müssen Urheber angemessen
- 5:08:53geschützt und an der wirtschaftlichen
- 5:08:54Nutzung ihrer Werke beteiligt werden.
- 5:08:57Aber dafür brauchen wir praktikable,
- 5:08:58technologieoffene Lösungen, nicht immer
- 5:09:00neue staatliche Eingriffe, deren
- 5:09:02Auswirkungen auf den Wettbewerb kaum
- 5:09:04absehbar sind. Das, meine Damen und
- 5:09:06Herren, ist der falsche Weg.
- 5:09:08Insbesondere die Forderung nach einer
- 5:09:10Kennzeichnung von KI-Nutzung im
- 5:09:11Entstehungs- und Vermarktungsprozess von
- 5:09:13Büchern wirft Fragen auf. Wo soll die
- 5:09:15Grenze verlaufen? Ist bereits eine
- 5:09:18KI-gestützte Rechtschreibprüfung
- 5:09:19kennzeichnungspflichtig?
- 5:09:21Was gilt bei Übersetzung oder Recherche?
- 5:09:23Oder nehmen wir die Bildbearbeitung.
- 5:09:25Viele der gängigen Programme beinhalten
- 5:09:27bereits KI-Elemente. Da kann man gar
- 5:09:29keine klare Grenze mehr ziehen.
- 5:09:31All das ist ganz offensichtlich nicht zu
- 5:09:33Ende gedacht. In der Expertenanhörung im
- 5:09:35Ausschuss wurde klar, was die Branche
- 5:09:37braucht, ist weniger Bürokratie, nicht
- 5:09:39mehr.
- 5:09:40Dieser Antrag
- 5:09:42[applaus] Dieser Antrag geht da in die
- 5:09:44falsche Richtung.
- 5:09:45Schützen wir Buchhandel und Verlage auch
- 5:09:48vor dem regulatorischen Wahn der Grünen.
- 5:09:50Vielen Dank.
- 5:09:51[applaus]
- 5:09:53Vielen Dank. Weitere Wortmeldungen
- 5:09:55liegen mir nicht vor.
- 5:09:57Ich schließe die Aussprache
- 5:09:58interfraktionell mit Überweisung der
- 5:10:00Vorlage auf Drucksache 8399
- 5:10:03an die in der Tagesordnung aufgeführten
- 5:10:05Ausschüsse vorgeschlagen. Weitere
- 5:10:07Überweisungsvorschläge gibt es nicht.
- 5:10:09Dann verfahren wir so. Ich rufe auf den
- 5:10:11Tagesordnungspunkt 31 Erste Beratung des
- 5:10:14von der Bundesregierung eingebrachten
- 5:10:16Gesetzentwurfs zur Fortentwicklung von
- 5:10:18Kassenaufzeichnungen und zur Bekämpfung
- 5:10:21von Steuerhinterziehung sowie zur
- 5:10:22weiteren Digitalisierung handels- und
- 5:10:25steuerrechtlicher Aufzeichnungen. Für
- 5:10:27die Aussprache wurde eine Dauer von 30
- 5:10:30Minuten vereinbart und ich eröffne Sie
- 5:10:33als bald hier
- 5:10:35gebotene Ruhe eingekehrt ist und möchte
- 5:10:38mich von allen verabschieden,
- 5:10:41die jetzt ins Büro gehen, um zu arbeiten
- 5:10:44und
- 5:10:45danke allen, die jetzt sich schnell
- 5:10:46platzieren, damit wir jetzt anfangen
- 5:10:48können.
- 5:10:49Vielen Dank. Ich eröffne die Aussprache
- 5:10:51und erteile das Wort dem
- 5:10:52Parlamentarischen Staatssekretär beim
- 5:10:53Bundesminister der Finanzen, Michael
- 5:10:55Schrodi.
- 5:11:01Sehr geehrter Präsident, liebe
- 5:11:02Kolleginnen und Kollegen, die Bekämpfung
- 5:11:05von Steuerhinterziehung, insbesondere in
- 5:11:08Bargeld intensiven Bereichen ist ein
- 5:11:09wichtiges Anliegen des
- 5:11:11Bundesministeriums der Finanzen.
- 5:11:13Der Betrug bei Barzahlungen macht den
- 5:11:16fairen Wettbewerb kaputt,
- 5:11:21denn die wenigen, die betrügen, die
- 5:11:23schaden denjenigen, die ehrlich ihre
- 5:11:25Steuern zahlen. Das gilt für die
- 5:11:26Privaten wie für die
- 5:11:28Unternehmen. Möge es im Einzelfall
- 5:11:31Bagatellsummen sein. Insgesamt führt die
- 5:11:33Praxis zu massiven Steuerausfällen.
- 5:11:36Bundesfinanzminister Klingbeil hat
- 5:11:38gemeinsam mit seiner Kollegin, der
- 5:11:40Bundesjustizministerin
- 5:11:42Dr. Marco Buschmann, im Juli Juli 2026
- 5:11:45den Aktionsplan Steuer- und
- 5:11:46Finanzkriminalität
- 5:11:48entschlossen bekämpfen vorgestellt.
- 5:11:49Dieser enthält 26
- 5:11:51Maßnahmen. Eine Maßnahme ist die
- 5:11:53Einführung
- 5:11:55der Kassenpflicht. Zur Umsetzung dieser
- 5:11:57Maßnahme soll mit dem vorliegenden
- 5:12:01kurz gesagt im zweiten Kassengesetz zum
- 5:12:031. Januar 2028 eine Kassenpflicht
- 5:12:06für Unternehmen mit Umsätzen über
- 5:12:07100.000 Euro eingeführt werden.
- 5:12:09Ausgenommen
- 5:12:10von der Kassenpflicht Unternehmen mit
- 5:12:12geringen Bargeldumsätzen unter 12.000
- 5:12:15Euro. Wir werden dabei Ausnahmen auch
- 5:12:16für Unternehmen schaffen,
- 5:12:18wie die Kassenpflicht zu einem
- 5:12:19unverhältnismäßigen Aufwand für z.B.
- 5:12:22Marktstände, Volksfeste, mobile
- 5:12:23Verkaufsstände, Vertrauenskassen
- 5:12:26und direkt vom Markter in der
- 5:12:28Landwirtschaft.
- 5:12:29Ich glaube, Sie können sich alle noch
- 5:12:30daran erinnern,
- 5:12:32als eine große Aufregung gab über die
- 5:12:35Belegausgabepflicht der Kassenbon, der
- 5:12:37Papierkassenbon.
- 5:12:40Mit diesem Gesetz schaffen wir
- 5:12:43zugleich eben diesen Papierbon
- 5:12:45ab und wir ersetzen ihn durch einen
- 5:12:48digitalen Beleg. Das bedeutet
- 5:12:50Bürokratieabbau,
- 5:12:52effektive Steuerbetrugsbekämpfung und
- 5:12:54Modernisierung, meine sehr geehrten
- 5:12:56Damen und Herren.
- 5:12:57Der digitale Bon ist wichtig, weil nur
- 5:13:00dadurch der Bezahlvorgang auch
- 5:13:02betrugssicher in der Kasse eingebucht
- 5:13:04wird
- 5:13:05und damit nachvollziehbar ist bei
- 5:13:06Kontrollen, den sogenannten
- 5:13:07Kassennachschauen. Bereits jetzt
- 5:13:09bestehende technische Lösungen, die Sie
- 5:13:11vielleicht auch im
- 5:13:12Alltag schon erlebt haben und
- 5:13:14wahrgenommen haben, wie z.B. die Anzeige
- 5:13:17des Belegs als QR-Code auf einem
- 5:13:18Kundendisplay oder
- 5:13:20Bereitstellung der Belege durch Nutzung
- 5:13:22von Apps können weiterhin genutzt
- 5:13:24werden. Das Ganze soll technologieoffen
- 5:13:27umgesetzt werden. Es gibt keine
- 5:13:28Formvorschrift
- 5:13:30und das Gute ist, es führt auch noch zu
- 5:13:32jährlichen Entlastungen der Wirtschaft
- 5:13:34aufgrund der Umstellung von knapp 145
- 5:13:36Millionen Euro. Insgesamt also ein gutes
- 5:13:37Gesetz auch für die Wirtschaft, meine
- 5:13:39sehr geehrten Damen und Herren.
- 5:13:41Flankierend
- 5:13:42flankierend soll der Vorstoß gegen die
- 5:13:45Kassen- oder Belegpflicht eine
- 5:13:47Ordnungswidrigkeit darstellen. Der
- 5:13:48Einsatz und das in Verkehr bringen von
- 5:13:51Manipulationsprogrammen für
- 5:13:53Kassensysteme ist eine und soll eine
- 5:13:56Steuerstraftat sein. Weil all dem gilt,
- 5:13:58Kassenmanipulation
- 5:14:00und Steuerhinterziehung schaden dem
- 5:14:02fairen Wettbewerb und der Gemeinschaft
- 5:14:03durch massive Steuerausfälle, das muss
- 5:14:06konsequent bekämpft werden. Wir gehen
- 5:14:08das jetzt an.
- 5:14:11Vielen Dank.
- 5:14:12Der nächste Redner ist Kay Gottschalk
- 5:14:14für die AfD-Fraktion.
- 5:14:16[applaus]
- 5:14:22[applaus]
- 5:14:27Ja, sehr geehrter Präsident, verehrte
- 5:14:29Zuschauer, vor allen Dingen in dem Fall,
- 5:14:31liebe mittelständische Unternehmer.
- 5:14:32Eines muss man der Bundesregierung, Herr
- 5:14:34Schrodi, wirklich lassen, wenn es darum
- 5:14:36geht, dem hart arbeitenden Mittelstand
- 5:14:38Bürokratie und damit verbundene Kosten
- 5:14:40aufzuoktroyieren, zeigt dieser Berliner
- 5:14:42Beamtenapparat wie immer ganz
- 5:14:44bemerkenswerten Einsatz. Lächerliche
- 5:14:46100.000 Euro Gesamtumsatz sollen
- 5:14:49entscheidend sein, ob ein Betrieb in den
- 5:14:51Anwendungsbereich des Gesetzes gerät und
- 5:14:54dann bereits die allgemeine Pflicht zur
- 5:14:56Führung von TSE-Kassensystem greifen
- 5:14:59soll. Kann ich nur als schlechten Scherz
- 5:15:01bezeichnen, Herr Schrodi. Aber immerhin,
- 5:15:03Sie sind lehrfähig fähig. Auf Druck der
- 5:15:05Verbände haben Sie im Gesetz wenigstens
- 5:15:07die Rückausnahme bei tatsächlichen
- 5:15:10Bareinnahmen unter 12.000 Euro
- 5:15:12etabliert.
- 5:15:13Aber welcher Geist im Hause Klingenbeil
- 5:15:15herrscht, wobei wenn wir denn über
- 5:15:16Steuerhinterziehung und ihre
- 5:15:17Aufforderung nach ihrem missglückten
- 5:15:19Gesetzesvorhaben zur Tabaksteuer reden,
- 5:15:21will ich mal lieber nicht reden, zeigt
- 5:15:23der erste ministerielle
- 5:15:25Referentenentwurf. Da steht nämlich nur
- 5:15:27die 100.000 Euro Grenze im Raum. Ich
- 5:15:30vermute, man hat sie dann doch mal auf
- 5:15:31Artikel 12 Absatz 1 des Grundgesetzes
- 5:15:33hingewiesen.
- 5:15:35Diese Umsatzgrenze überschreitet selbst
- 5:15:36der Bäcker um die Ecke nach ein paar
- 5:15:38Monaten. Das ist einer übrigens, Herr
- 5:15:40Schrodi, auch bei Ihnen in Bayern, der
- 5:15:42heute am Monatsende kaum noch weiß, wie
- 5:15:44er sich als anständiger Unternehmer
- 5:15:46einen Lohn am Ende des Monats auszahlen
- 5:15:49soll. Und genau diese Leute sorgen jetzt
- 5:15:51Tausende von Euro verheizt Kassen,
- 5:15:54Wartungsverträge, Cloud-Lizenzen und
- 5:15:57ständige Software-Updates hinblättern.
- 5:15:59Der Tenor der Betroffenen ist eindeutig,
- 5:16:01dieser Grenzwert ist zu niedrig und
- 5:16:04bürokratisch und tragbar, Herr Schrodi.
- 5:16:09Sie postulieren wie immer, es gebe zu
- 5:16:11dieser Regelung keine Alternative. Für
- 5:16:13Sie ist jede Gängelung, jede Enteignung
- 5:16:16und jede Freiheitsbeschränkung immer
- 5:16:17sofort alternativlos, was ein
- 5:16:20naturgesetzlichen Sachzwang suggeriert,
- 5:16:22wo in Wahrheit eine bewusste politische
- 5:16:24Werteentscheidung und das ist der Punkt
- 5:16:25getroffen wird. In einem freien
- 5:16:27demokratischen Rechtsstaat gibt es zu
- 5:16:30jedem Gesetz, zu jedem Steuersatz und
- 5:16:32jedem Verbot denkbare, vertretbare
- 5:16:35Alternativen. Das ist schlichte
- 5:16:37Diskussionsverweigerung, Herr Schrodi.
- 5:16:39Hinter Ihrem Denker oder Denker steckt
- 5:16:41das fundamentale Misstrauen der
- 5:16:43Sozialisten gegenüber jedem, der nicht
- 5:16:45jeden Monat die Steuer gleich vom Lohn
- 5:16:47abgezogen bekommt. Sie stellen den
- 5:16:49gesamten Mittelstand unter
- 5:16:51Generalverdacht der Steuerhinterziehung
- 5:16:53und da sollten Sie sich was schämen,
- 5:16:54Herr Schrodi.
- 5:16:58[applaus]
- 5:16:59Gleichzeitig versagen Sie bei schwerer
- 5:17:01Grenzkriminalität, wie den
- 5:17:02Umsatzsteuerkarussellen, den Panama- und
- 5:17:04Pandora-Papers, den gigantischen
- 5:17:06Cum-Ex-Geschäften. Wo bleibt denn da die
- 5:17:08Rückführung der Milliarden aus den
- 5:17:09dubiosen Geschäften der sogenannten
- 5:17:11besseren Gesellschaft? Und dann geben
- 5:17:13Sie sich vollends der Lächerlichkeit
- 5:17:14preis, um dieses Bürokratie-Monster
- 5:17:16wirklich zu rechtfertigen. Ist Ihnen
- 5:17:18nichts fremd? Sie ziehen tatsächlich die
- 5:17:21UN-Agenda 2030 in ihrer Begründung und
- 5:17:24die globalen Nachhaltigkeitsziele auch
- 5:17:26noch mit heran. Da möchte man wahrlich
- 5:17:28meinen, geht's noch, meine Damen und
- 5:17:29Herren? Sie rechnen uns in dem Entwurf
- 5:17:31vor,
- 5:17:33dass die Wirtschaft künftig
- 5:17:35den Wegfall von Papierbons um rund 106
- 5:17:38Millionen Euro jährlich entlastet werden
- 5:17:40soll bei einmaligen Erfüllungskosten von
- 5:17:42knapp 99, meine Damen und Herren. Das
- 5:17:44erinnert mich wirklich an die Bonpflicht
- 5:17:46für Bäcker. Ich kann mich hier noch
- 5:17:47erinnern, Grüße übrigens an Olli Welke,
- 5:17:49der meine Rede verföhnt hat und wer
- 5:17:51hatte am Ende recht? Der Gottschalk und
- 5:17:53die AFD hatten recht. Die Bonpflicht für
- 5:17:54Bäcker war ein riesengroßer Flop und wir
- 5:17:56haben da auch gewarnt.
- 5:17:59Das Ganze runden Sie mit dem Ausbau der
- 5:18:01staatliche Schnüffelbefugnis ab. Künftig
- 5:18:03darf jede Finanzbehörde, in deren Bezirk
- 5:18:06eine solche Kasse verwendet wird, zur
- 5:18:07Razzia anrücken. Ich sehe schon dann
- 5:18:09wieder den Gemüsehändler am Wochenmarkt,
- 5:18:11wo sie dann vielleicht mit der
- 5:18:12Hundertschaft schaffen, entsprechend
- 5:18:13Verordnung zu sorgen. Meine Damen und
- 5:18:15Herren, es ist lächerlich, was Sie hier
- 5:18:17machen. Klar ist, wer gewerbsmäßige
- 5:18:19Betrugssoftware entwickelt und
- 5:18:20vertreibt, um das Steuersystem zu
- 5:18:22plündern, gehört bestraft. Den neuen
- 5:18:24Straftatbestand nach Paragraph 374
- 5:18:28AO tragen wir an dieser Stelle also mit.
- 5:18:30Aber dieses Schikanegesetz, dieses neue,
- 5:18:33wie die Bonpflicht für Bäcker und auch
- 5:18:34da hatten wir Recht, schreiben Sie sich
- 5:18:35hinter die Ohren, lehnen wir ab, meine
- 5:18:37Damen und Herren.
- 5:18:37Vielen Dank.
- 5:18:40Als Nächste spricht Anja Karliczek für
- 5:18:44die CDU/CSU-Fraktion.
- 5:18:46[applaus]
- 5:18:50Sehr geehrter Herr Präsident, liebe
- 5:18:52Kolleginnen und Kollegen, wer seine
- 5:18:54Steuern ehrlich zahlt, darf nicht der
- 5:18:55Dumme sein und deshalb ist es richtig,
- 5:18:57dass wir über Maßnahmen sprechen, die
- 5:18:59Steuerhinterziehung erschweren und für
- 5:19:02mehr Steuergerechtigkeit sorgen.
- 5:19:04Wer Einnahmen bewusst verschweigt,
- 5:19:06schadet nicht nur der
- 5:19:07Solidargemeinschaft der Steuerzahler, er
- 5:19:10schadet vor allem den vielen
- 5:19:12Unternehmerinnen und Unternehmern, die
- 5:19:13sich jeden Tag an Recht und Gesetz
- 5:19:15halten.
- 5:19:17Aber genauso gilt, wer neue Pflichten
- 5:19:20schafft,
- 5:19:21muss darauf achten, dass sie in der
- 5:19:23Praxis auch funktionieren.
- 5:19:25Und mit dem vorliegenden Entwurf sollen
- 5:19:27jetzt künftig Unternehmen mit einem
- 5:19:29Jahresumsatz von mehr als 100.000 Euro
- 5:19:31sowie Barumsätzen von mindestens 12.000
- 5:19:34Euro eine Registrierkasse nutzen müssen.
- 5:19:37Dass im Laufe des Verfahrens
- 5:19:38nachgebessert wurde, begrüßen wir
- 5:19:40ausdrücklich,
- 5:19:42denn die entscheidende Frage ist nicht
- 5:19:44allein die Höhe des Umsatzes,
- 5:19:45entscheidend ist vielmehr, ob überhaupt
- 5:19:48in relevantem Umfang Bargeld vereinnahmt
- 5:19:51wird.
- 5:19:52Und gerade die zusätzliche Bargeld-
- 5:19:54Barumsatzgrenze sorgt dafür, dass
- 5:19:57kleinere Betriebe nicht automatisch
- 5:19:59unter die neue Regelung fallen und das
- 5:20:01ist sinnvoll und ein Schritt in die
- 5:20:03richtige Richtung. Und trotzdem sind
- 5:20:05noch viele Fragen offen.
- 5:20:07Und das beginnt bei den Ausnahmen.
- 5:20:10Sie sollen in einer Verordnung geregelt
- 5:20:11werden.
- 5:20:12Für viele Betriebe entscheidet sich aber
- 5:20:14erst anhand dieser Ausnahmen, ob sie
- 5:20:16tatsächlich von der Kassenpflicht
- 5:20:18betroffen sind oder nicht.
- 5:20:20Und wenn wir ein Gesetz beschließen,
- 5:20:22dann möchte ich hinterher detailliert
- 5:20:24beantworten können, für wen es am Ende
- 5:20:26gelten soll.
- 5:20:28Entscheidend
- 5:20:29Entscheidend ist aus meiner Sicht
- 5:20:32[applaus]
- 5:20:33Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass
- 5:20:34die Veränderungen für alle wirklich auch
- 5:20:37umsetzbar sind. Die Realität im
- 5:20:38Wirtschaftsleben ist vielfältig. Denken
- 5:20:41wir an Schausteller auf Volksfesten,
- 5:20:43denken denken Marktstände, denken wir an
- 5:20:45Verkaufsstände in einem Fußballstadion.
- 5:20:47Wenn in der Halbzeitpause mehrere
- 5:20:49tausend Menschen gleichzeitig mit einer
- 5:20:51Bratwurst und einem Getränk verkaufen
- 5:20:53möchte, dann muss es schneller gehen als
- 5:20:55im stationären Einzelhandel und
- 5:20:57natürlich brauchen wir auch dort
- 5:20:59Transparenz und nachvollziehbare
- 5:21:01Aufzeichnungen.
- 5:21:02Aber wir brauchen Lösungen, die zum
- 5:21:04Alltag passen und zwar in jeder
- 5:21:06Situation. Praxisnähe ist kein
- 5:21:08Sonderwunsch. Praxisnähe ist
- 5:21:10entscheidend darüber, ob Regelungen am
- 5:21:12Ende akzeptiert werden.
- 5:21:14Das gleiche gilt für Vereine und
- 5:21:16ehrenamtliche Organisationen. Wer einmal
- 5:21:18im Jahr ein Sommerfest veranstaltet,
- 5:21:20einen Kuchenverkauf organisiert oder
- 5:21:22auch gelegentlich einen Weihnachtsmarkt
- 5:21:24mit einem Weihnachtsmarktstand betreibt,
- 5:21:27der muss das weiterhin mit kleinem
- 5:21:28Aufwand tun können.
- 5:21:31[applaus]
- 5:21:33Wir alle und ich glaube, das gilt
- 5:21:34wirklich für uns alle, betonen
- 5:21:36regelmäßig die Bedeutung des Ehrenamtes
- 5:21:38für den gesellschaftlichen Zusammenhalt
- 5:21:40und genau deshalb werden wir darauf
- 5:21:42achten, dieses Ehrenamt nicht mit
- 5:21:44unnötigen Regeln zu überfordern.
- 5:21:47Genauso müssen wir uns noch mal über die
- 5:21:48digitale Belegbereitstellung beugen. Wir
- 5:21:51haben vor nicht langer Zeit die
- 5:21:53Verpflichtung zu einer technischen
- 5:21:54Sicherheitseinrichtung für Kassen
- 5:21:55beschlossen
- 5:21:57und wir haben versprochen, unnötige
- 5:21:58Verpflichtungen abzuschaffen.
- 5:22:00Die eigentliche Frage ist für mich
- 5:22:02daher, reden wir nicht genau an dieser
- 5:22:04Stelle über Sicherheitsmechanismen
- 5:22:07wie an der Hose, Gürtel und Hosenträger.
- 5:22:11Schließlich werden sämtliche
- 5:22:12Geschäftsvorfälle bereits über die
- 5:22:14technische Sicherheitseinrichtung
- 5:22:15dokumentiert und für die
- 5:22:17Finanzverwaltung nachvollziehbar
- 5:22:19erfasst. Es hört sich halt gut an,
- 5:22:21digitale Belegbereitstellung, aber nicht
- 5:22:23alles, was digital ist, bedeutet
- 5:22:25automatisch weniger Bürokratie.
- 5:22:28Und liebe Kolleginnen und Kollegen, ich
- 5:22:30glaube, unser gemeinsames Ziel ist klar,
- 5:22:31wir wollen Steuerhinterziehung
- 5:22:33erschweren. Und jetzt kommt es drauf an,
- 5:22:35es gut zu machen.
- 5:22:36Ein gutes Gesetz erkennt man daran, dass
- 5:22:39es sein Ziel erreicht und gleichzeitig
- 5:22:42praxistauglich bleibt. Und genau darüber
- 5:22:45werden wir in den kommenden Tagen reden.
- 5:22:47Wirksamkeit und Praxistauglichkeit
- 5:22:50ohne ehrliche Betriebe für eine und
- 5:22:52Ehrenamtliche unnötig zu belasten.
- 5:22:56Vielen Dank.
- 5:22:58Der nächste Redner ist Sascha Müller für
- 5:23:00die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.
- 5:23:02[applaus]
- 5:23:07[applaus]
- 5:23:11Herr Präsident, meine Damen und Herren,
- 5:23:13wir diskutieren heute ein Gesetz, das
- 5:23:15ein Teil der Strategie der
- 5:23:16Bundesregierung zur Bekämpfung von
- 5:23:18Finanzkriminalität ist.
- 5:23:20Diese Strategie haben wir ausdrücklich
- 5:23:21begrüßt und wir erwarten aber natürlich
- 5:23:23auch, dass die noch fehlenden Bausteine
- 5:23:25zeitnah in Gesetzesform gegossen werden.
- 5:23:28Der vorliegende Entwurf für ein zweites
- 5:23:30Kassengesetz findet grundsätzlich unsere
- 5:23:31Unterstützung. Er verbindet die
- 5:23:33Bekämpfung von Steuerhinterziehung mit
- 5:23:35den modernen Möglichkeiten der
- 5:23:36Digitalisierung und bringt Vorteile für
- 5:23:38Betriebe wie für die Kundinnen und
- 5:23:40Kunden und nicht zuletzt für die
- 5:23:41Steuerverwaltung.
- 5:23:42Ich kann mich noch erinnern, als die
- 5:23:44Belegpflicht vor einigen Jahren
- 5:23:45eingeführt wurde, da wurde vor der
- 5:23:47Zettelwirtschaft gewarnt und tatsächlich
- 5:23:49gab es anfangs beim Bäcker und in der
- 5:23:51Eckkneipe genau dieses Phänomen und
- 5:23:53schnell wurden Stimmen laut, die
- 5:23:55Belegpflicht wieder zurückzudrehen, auch
- 5:23:57während unserer Regierungszeit.
- 5:23:59Und ich bin froh, dass wir dem
- 5:24:00widerstanden haben.
- 5:24:01Eine papierlose Belegübermittlung ist
- 5:24:04inzwischen vielerorts möglich, übrigens
- 5:24:05beispielsweise auch hier in der
- 5:24:06Reichstagskareteria.
- 5:24:08Und es ist gut, dass diese Entwicklung
- 5:24:10nun auch im Gesetz aufgenommen wird.
- 5:24:12Natürlich stecken auch in dem
- 5:24:14Gesetzentwurf Details, die wir noch
- 5:24:15abklopfen sollten. Dazu gehört die
- 5:24:17Umsatzgrenze von 100.000 Euro
- 5:24:19Jahresumsatz, die aus unserer Sicht
- 5:24:21gerne auch noch etwas niedriger sein
- 5:24:23kann, damit die Zahl von prognostiziert
- 5:24:25weiterhin 114.000 offenen Ladenklassen
- 5:24:28Ladenkassen reduziert wird.
- 5:24:31Warum nähern wir uns nicht schrittweise
- 5:24:32den Regeln an, die schon heute in
- 5:24:34Österreich gelten? Da beträgt die Grenze
- 5:24:36bereits 15.000 Euro Jahresumsatz mit
- 5:24:38Sonderregeln für Verkaufsstände im
- 5:24:40Freien.
- 5:24:41Auf der anderen Seite ist die Grenze für
- 5:24:43Bargeldumsätze von 12.000 Euro
- 5:24:46vielleicht zu starr.
- 5:24:47Es mag Betriebe etwa im Handwerk geben,
- 5:24:49die diese Grenze reißen, wo aber dennoch
- 5:24:51Umsätze mit Bargeld nur einen geringen
- 5:24:52Teil ausmachen. Hier wäre eine
- 5:24:55dynamische Grenze vielleicht
- 5:24:56praxisnäher.
- 5:24:58Und angesichts der gestiegenen
- 5:24:59Anforderungen auch für kleine und
- 5:25:00mittlere Betriebe ist die Umsetzung mit
- 5:25:02anderen neuen Vorschriften abgestimmt,
- 5:25:04wie der digitalen Kassenschnittstelle,
- 5:25:06die nur ein Jahr später verpflichtend
- 5:25:07wird. Ist sichergestellt, dass dadurch
- 5:25:09keine doppelten Umstellungskosten
- 5:25:11entstehen?
- 5:25:12Sind die prognostizierten Kosten für die
- 5:25:13Unternehmen im Gesetzentwurf realistisch
- 5:25:15oder müssen wir gegebenenfalls Betriebe
- 5:25:17bei der Umstellung unterstützen?
- 5:25:19Und natürlich müssen wir darüber reden,
- 5:25:21was in diesem Gesetzentwurf noch fehlt.
- 5:25:24Beispielsweise die Pflicht zum Anbieten
- 5:25:25einer digitalen Zahlungsoption. Ich
- 5:25:27glaube, aus Verbrauchersicht wäre das
- 5:25:29eine sinnvolle Sache.
- 5:25:31Sie kennen die Situation. Sie waren
- 5:25:33nicht mehr beim Geldautomaten im
- 5:25:34Vertrauen drauf, bargeldlos zahlen zu
- 5:25:36können und dann festzustellen, dass der
- 5:25:38Wirt noch auf Bargeld besteht. Dabei ist
- 5:25:40der Umgang mit Bargeld unter dem Strich
- 5:25:42meist nicht teurer oder sogar billiger
- 5:25:43als die Infrastruktur für das Bargeld,
- 5:25:45wo sie bezahlen. Es wäre also absolut
- 5:25:47zumutbar, eine solche Regel einzuführen.
- 5:25:52Und perspektivisch könnte dann auch beim
- 5:25:54digitalen Bezahlen, wenn das vom Kunden
- 5:25:56gewünscht wird, gleich der Beleg über
- 5:25:57das Smartphone übermittelt werden.
- 5:25:59Einzelne Marktteilnehmer haben diese
- 5:26:01Funktion in ihrer jeweiligen App schon
- 5:26:02integriert. Aber warum sollte es nicht
- 5:26:04möglich sein, eine allgemeine
- 5:26:05Schnittstelle zu programmieren? Keine
- 5:26:08umständliche Belegsammlung für die
- 5:26:09Steuererklärung mehr, alle notwendigen
- 5:26:11Belege jederzeit digital verfügbar am
- 5:26:13gleichen Ort und einfach in die
- 5:26:14Steuererklärung integrierbar.
- 5:26:16Ich weiß, man wird ja noch träumen
- 5:26:18dürfen, aber technisch ist das
- 5:26:20sicherlich schnell umsetzbar.
- 5:26:22Noch einmal zusammengefasst, das Ziel
- 5:26:24dieses Gesetzes findet unsere
- 5:26:26Unterstützung. Bitte bleiben Sie auf dem
- 5:26:28Weg, lassen Sie sich nicht beirren.
- 5:26:29Achten Sie natürlich gleichwohl auf die
- 5:26:31Praktikabilität in der Umsetzung. Wir
- 5:26:34werden das Gesetzgebungsverfahren wie
- 5:26:35gewohnt konstruktiv-kritisch begleiten.
- 5:26:38Ich danke für die Aufmerksamkeit.
- 5:26:39Vielen Dank.
- 5:26:43Als Nächstes spricht Isabelle Vandré für
- 5:26:44die Fraktion Die Linke.
- 5:26:47[applaus]
- 5:26:52Sehr geehrter Herr Vizepräsident,
- 5:26:54Abgeordnete, liebe Zuschauende. Während
- 5:26:56der Pressekonferenz mit Minister
- 5:26:58Klingenbeil auf der im Sommer der
- 5:27:00Aktionsplan gegen Steuer und
- 5:27:01Finanzkriminalität vorgestellt wurde,
- 5:27:03sagte Ministerin Hubig und ich zitiere,
- 5:27:05Steuerkriminalität ist keine
- 5:27:07Kriminalität der kleinen Leute. Der
- 5:27:09Verkäufer an der Kasse kann seine
- 5:27:11Lohnsteuer nicht einfach in eine
- 5:27:12Briefkastenfirma verlagern und die
- 5:27:14selbstständige Physiotherapeutin erzielt
- 5:27:16nie genug Einnahmen für illegale
- 5:27:18Finanzgeschäfte und genau deshalb ist es
- 5:27:20so fatal, wenn Steuerkriminalität im
- 5:27:23großen Stil ohne spüre spürbare
- 5:27:25Konsequenzen bleibt. Zitat Ende. Ja,
- 5:27:27liebe Frau Hubig, Sie haben zu 100%
- 5:27:30Recht. Ich kann jedes Wort dieser
- 5:27:31Aussage unterschreiben. Aber wissen Sie,
- 5:27:34was das Problem Ihrer Politik ist? Wenn
- 5:27:36es darum geht, ins Handeln zu kommen,
- 5:27:37tun Sie genau das Gegenteil von dem, was
- 5:27:39Sie angekündigt haben. Statt sich
- 5:27:41endlich mal um die großen Fische
- 5:27:44zu kümmern, schauen Sie doch wieder
- 5:27:45zuallererst auf die Kleinstbetriebe und
- 5:27:48Spät die Besitzer. Und das ist eine
- 5:27:50völlig falsche, fatale
- 5:27:51Prioritätensetzung.
- 5:27:53Denn natürlich [applaus]
- 5:27:54ist die Einführung der Kassenpflicht
- 5:27:56richtig und lange überfällig. Schon vor
- 5:27:5810 Jahren haben die Abgeordneten der der
- 5:28:00Linksfraktion bei der Reform des
- 5:28:01Kassengesetzes die Einführung einer
- 5:28:03allgemeinen Kassenpflicht für alle
- 5:28:05Einnahmen gefördert und für uns ist
- 5:28:07vollkommen klar, dass es uns gelingen
- 5:28:09muss, dass einerseits keine Lücke für
- 5:28:11Betrug bleibt, gleichzeitig aber
- 5:28:13Kleinstgewerbebetreibende
- 5:28:15nicht mit unüberwindbaren Hürden
- 5:28:17konfrontiert werden. Und deswegen wollen
- 5:28:19wir im Ausschuss noch einmal über einen
- 5:28:20Abbau Fahrt der Umsatzgrenze von 100.000
- 5:28:23Euro bei gleichzeitiger Aufnahme eines
- 5:28:25sozial flankierten Förderprogramms für
- 5:28:27Kleinstgewerbebetreibende diskutieren.
- 5:28:30Aber das Problem ihrer Gesetzgebung sind
- 5:28:32Reihenfolge und Prioritätensetzung. Erst
- 5:28:35der Spät die Besitzer, die organisierte
- 5:28:37Steuerkriminalität in Nadelstreifen
- 5:28:38vielleicht irgendwann später. Wo bleibt
- 5:28:40denn die Verlängerung der
- 5:28:41Aufbewahrungsfristen von Belegen auf 15
- 5:28:44Jahre, wie in Punkt 19 des Aktionsplans
- 5:28:46angekündigt? Wo bleiben denn
- 5:28:47Gesetzentwurf, Zeitplan und
- 5:28:49Haushaltstitel zum Aufbau des
- 5:28:51Datenanalysezentrums, das gemeinsam mit
- 5:28:53den Ländern auf den Weg gebracht werden
- 5:28:54sollte? Wann kommt das öffentliche
- 5:28:57Register für wegen schwerer
- 5:28:58Steuerstraftaten sanktionierte
- 5:29:00Unternehmen? Selbst die werben in ihrem
- 5:29:03Aktionsplan verraten ihre Prioritäten.
- 5:29:05Die die Kassenpflicht führen wir ein.
- 5:29:08Bei den großen Fällen wollen sie und
- 5:29:10müssen erstmal prüfen. Dabei gibt es
- 5:29:13enorm viele Maßnahmen, die sie schon vor
- 5:29:15Monaten hätten einbringen können. Sie
- 5:29:17könnten den Verbrechens-Tatbestand für
- 5:29:18besonders schwere Steuerhinterziehung,
- 5:29:21um sie rechtlich den Betrug
- 5:29:22gleichzusetzen, wieder einführen. Sie
- 5:29:24könnten die Unternehmen inklusive
- 5:29:25Finanzinstitute dazu verpflichten,
- 5:29:28digitale Daten auch in Deutschland
- 5:29:29vorzuhalten, damit Finanz- und
- 5:29:31Ermittlungsbehörden auf wesentliche
- 5:29:33Informationen direkt zugreifen können.
- 5:29:35Sie könnten die Vermögensabschöpfung auf
- 5:29:37Fälle von Kapitalertragssteuerbetrug
- 5:29:39erweitern, damit auch bei Cum-Cum- und
- 5:29:41Cum-Ex-Fällen eine selbstständige
- 5:29:43Einziehung möglich wird. Übrigens alles
- 5:29:45Vorschläge, die wir schon eingebracht
- 5:29:47haben. Kurzum, es gibt viele Maßnahmen,
- 5:29:49mit denen sie mit denen sie der
- 5:29:50organisierten Steuerhinterziehung
- 5:29:52endlich im großen Stil habhaft werden
- 5:29:54könnten. Deswegen stimmen wir der
- 5:29:56Kassenpflicht zwar im Grundsatz zu, aber
- 5:29:58sagen deutlich, wer an die Kasse im
- 5:30:01Späti möchte, muss auch an die
- 5:30:02Dividendentricks ran. Genau daran messen
- 5:30:05wir Sie.
- 5:30:05Vielen Dank.
- 5:30:07[applaus]
- 5:30:08Der nächste Redner ist Jens Behrens für
- 5:30:09die SPD-Fraktion.
- 5:30:12[applaus]
- 5:30:20[applaus]
- 5:30:21Sehr geehrter Herr Präsident, sehr
- 5:30:22geehrte Kolleginnen und Kollegen, die
- 5:30:24Deutsche Steuergewerkschaft schätzt den
- 5:30:27jährlichen Steuerausfall durch
- 5:30:29sogenannte schwarze Kassen auf 16
- 5:30:31Milliarden Euro.
- 5:30:33Wenn wir uns nun die aktuelle Reform der
- 5:30:34Einkommenssteuerreform Einkommenssteuer
- 5:30:37anschauen, die jährlich 10 Milliarden
- 5:30:38Euro Steuermindereinnahmen bedeuten
- 5:30:40würden, dann könnten wir diese nicht nur
- 5:30:42daraus finanzieren, sondern sogar
- 5:30:44erhöhen.
- 5:30:45Es können schlichtweg ohne
- 5:30:46Steuererhöhung nur durch eine
- 5:30:48ordnungsgemäße Steuereintreibung
- 5:30:50noch mehr Bürgerinnen und Bürger
- 5:30:52entlastet werden.
- 5:30:56[applaus]
- 5:30:57Ich möchte aber auch ganz klar stellen,
- 5:30:59wir wollen mit dem vorliegenden
- 5:31:00Gesetzesentwurf niemand unter
- 5:31:02Generalverdacht stellen, denn ich weiß,
- 5:31:04die meisten hier sind ehrlich.
- 5:31:06Aber wir wollen diejenigen, die es eben
- 5:31:08nicht sind, stoppen und konsequent
- 5:31:09bestrafen, denn sie schaden nicht nur
- 5:31:11dem Fiskus und damit der
- 5:31:13Gesamtbevölkerung, sondern auch dem
- 5:31:15Wettbewerb.
- 5:31:16Ein Restaurant, das einen Teil seiner
- 5:31:18Einnahmen schwarz erwirtschaftet,
- 5:31:19benötigt zu den gleichen Gewinnen
- 5:31:21geringere Einnahmen als ein Restaurant,
- 5:31:23das steuerehrlich arbeitet und hier
- 5:31:25setzt der vorliegende Entwurf an.
- 5:31:27Denn dieser sieht die verpflichtende
- 5:31:29Einführung von Registrierkassen ab einem
- 5:31:31Jahresumsatz von 100.000 Euro vor.
- 5:31:33Bereits verbuchte Einnahmen können somit
- 5:31:36nicht mehr ohne weiteres manipuliert und
- 5:31:38durch die Finanzbehörden sogar
- 5:31:39vollumfänglich nachverfolgt werden.
- 5:31:42Offene Ladenkassen, die derzeit noch
- 5:31:43genutzt werden dürfen, sollen künftig
- 5:31:45nicht mehr geduldet werden.
- 5:31:47Und mir selbst ist es schon häufiger
- 5:31:48passiert, dass ich keinen Beleg erhalten
- 5:31:51konnte oder lediglich eine
- 5:31:52Zwischenrechnung bekommen habe. Ob der
- 5:31:54Umsatz ordnungsgemäß verbucht wurde,
- 5:31:57kann ich dadurch nicht nachvollziehen.
- 5:31:59Genau das soll sich ändern und das freut
- 5:32:01mich.
- 5:32:03Denn in dem Kaufpreis
- 5:32:05denn in den denn in den Kaufpreisen sind
- 5:32:08die abzuführenden Steuern bereits
- 5:32:09enthalten. Wenn diese dann nicht
- 5:32:11abgeführt werden, ist das nicht nur für
- 5:32:13mich als Kunden unfair, da sie bereits
- 5:32:15bezahlt habe, sondern auch gegenüber dem
- 5:32:18Staat und den ehrlichen Mitbewerbern.
- 5:32:20Und wir gehen noch weiter. Bewusster
- 5:32:21Steuerbetrug muss wehtun. Deshalb
- 5:32:24verschärfen wir die Strafen und führen
- 5:32:25unter anderem auch Bußgelder für die
- 5:32:27Nichtnutzung elektronischer Kassen ein.
- 5:32:30Ein weiterer Bestandteil des Entwurfes
- 5:32:32ist die Abschaffung der beleghaften
- 5:32:34Bonpflicht. Stattdessen führen wir eine
- 5:32:36digitale Belegbereithaltungspflicht
- 5:32:39ein. Diese ist nicht nur zeitgemäß,
- 5:32:41sondern auch umweltfreundlicher.
- 5:32:43Zum Abschluss möchte ich noch mal kurz
- 5:32:45für die Umsetzung der echten
- 5:32:46Wahlfreiheit werben, denn besonders
- 5:32:48auffällig ist, viele dieser schwarzen
- 5:32:51Schafe setzen ausschließlich auf
- 5:32:52Barzahlung.
- 5:32:53Wir als Koalition wollen daher Händler
- 5:32:55verpflichten, sowohl Barzahlung als auch
- 5:32:58mindestens eine digitale Bezahloption
- 5:33:01anzunehmen. Das ist zwar nicht Teil der
- 5:33:03hier diskutierten Entwurf, für uns aber
- 5:33:05der nächste wichtige Schritt, den den
- 5:33:08wir in im Anschluss angehen sollten.
- 5:33:10Lassen Sie uns diesen ersten Schritt
- 5:33:11heute gemeinsam beginnen und weiter für
- 5:33:14mehr Steuergerechtigkeit gemeinsam
- 5:33:16kämpfen. Herzlichen Dank und Glück auf.
- 5:33:19Vielen Dank.
- 5:33:20[applaus]
- 5:33:22Als nächster spricht Hauke Finger für
- 5:33:23die AfD-Fraktion.
- 5:33:25[applaus]
- 5:33:34Herr Präsident, meine Damen und Herren,
- 5:33:35wieder einmal greift die Bundesregierung
- 5:33:37tief in die Mottenkiste des staatlichen
- 5:33:40Misstrauens. Was Sie hier als Gesetz
- 5:33:42gegen Steuerhinterziehung verkaufen, ist
- 5:33:44in Wahrheit nichts anderes als ein
- 5:33:46staatlicher Angriff auf den deutschen
- 5:33:48Mittelstand. Sie schaffen eben kein
- 5:33:50Vertrauen. Sie betreiben ein
- 5:33:51Generalverdacht gegen jeden Bäcker an
- 5:33:53der Ecke, den Friseursalon, zu dem man
- 5:33:55seit 20 Jahren geht, Fleischer,
- 5:33:57Markthändler, die kleinen Läden, die
- 5:33:59ihren Ort lebendig machen.
- 5:34:01Dahinter stehen Menschen, die früh
- 5:34:03aufstehen, Mitarbeiter bezahlen und auch
- 5:34:05oft selbst als Letzte nach Hause gehen.
- 5:34:08Wer abends den Laden schließt, dann ist
- 5:34:10noch lange nicht Feierabend, dann warten
- 5:34:12noch Rechnungen, Formulare und die
- 5:34:14Buchhaltung. Und genau diesen Menschen
- 5:34:16wollen Sie noch mehr aufbürden. Ihre
- 5:34:19Botschaft an die Leistungsträger lautet,
- 5:34:21wer morgens um 4 Uhr aufsteht und
- 5:34:23ehrlich arbeitet, ist für diese
- 5:34:25Regierung erst einmal ein potenzieller
- 5:34:28Krimineller.
- 5:34:29Schauen wir auf diese bürokratische
- 5:34:31Farce. Sie beerdigen de facto die offene
- 5:34:33Ladenkasse. Sie verordnen eine
- 5:34:35Kassenpflicht ab 100.000 Euro
- 5:34:38Jahresumsatz. Das erreicht heute jeder
- 5:34:41kleine Friseursalon mit zwei
- 5:34:42Angestellten oder jede Dorfbäckerei. Und
- 5:34:45diese Betriebe leben nun mal auch vom
- 5:34:48Bargeld. Die Folge, selbst der kleine
- 5:34:50Familienbetrieb wird gezwungen, tausende
- 5:34:53Euro in neue Kassensysteme zu
- 5:34:55investieren. Und das ist die Zerstörung
- 5:34:57des unbürokratischen Kleinhandels und
- 5:35:00ein weiterer Angriff auf die Wirtschaft
- 5:35:02und auf die Arbeitsplätze in
- 5:35:03Deutschland, meine Damen und Herren.
- 5:35:06[applaus] Statt Abschaffung des
- 5:35:07Bon-Wahnsinns kommt jetzt der digitale
- 5:35:09Bon-Terror mit Cloud-Zwang,
- 5:35:11Display-Nachrüstung und
- 5:35:13QR-Code-Schikane.
- 5:35:15Und wer keinen digitalen Beleg vorweisen
- 5:35:17kann, wird mit bis zu 5000 Euro Bußgeld
- 5:35:20belangt. Ein Bon für ein Brötchen, den
- 5:35:22niemand will, jetzt eben mit digitalem
- 5:35:25Bußgeldhammer.
- 5:35:26Eine neue Kasse verkauft kein einziges
- 5:35:29Brötchen mehr, sie muss aber durch viele
- 5:35:31zusätzliche Brötchen erst einmal bezahlt
- 5:35:34werden.
- 5:35:36So treiben Sie die Betriebe in
- 5:35:38astronomische Software- und
- 5:35:39Nachrüstungskosten, während unsere
- 5:35:41Wirtschaft ohnehin am Boden liegt und
- 5:35:43Milliarden für illegale Migration, für
- 5:35:45Klima und Gender-Gaga verbrannt werden.
- 5:35:49Doch wer sucht dann die Technik aus? Wer
- 5:35:50kümmert sich um die Einrichtung? Wer
- 5:35:52schult die Mitarbeiter? Wer bezahlt das
- 5:35:54alles? Natürlich der Unternehmer. Und so
- 5:35:57bleibt die steuerliche
- 5:35:58Sofortabschreibung für den Betroffenen
- 5:36:01Fehlanzeige. Die Regierung kennt nur
- 5:36:03Verbote, Pflichten und Strafen.
- 5:36:06Herr Klingbeil, Hände weg von der
- 5:36:07offenen Ladenkasse, Hände weg vom
- 5:36:09Bargeld, Freiheit für alle stadt
- 5:36:11gläsernen Bürger und digitalen
- 5:36:14Kontrollwahn.
- 5:36:15Hören Sie auf, die Kleinen zu
- 5:36:16drangsalieren, während Sie bei den
- 5:36:18großen Steueroasen und Cum-Ex-Skandalen
- 5:36:20wegschauen.
- 5:36:21Ziehen Sie diesen bürokratischen
- 5:36:23Kassenknebel zurück.
- 5:36:25Vielen Dank.
- 5:36:27Vielen Dank.
- 5:36:29[applaus]
- 5:36:30Die letzte Rede in dieser Aussprache
- 5:36:33hält Miltiadis Wittmann für die
- 5:36:34CDU/CSU-Fraktion.
- 5:36:36[applaus]
- 5:36:41Herr Präsident, Kolleginnen und
- 5:36:43Kollegen, mit dem Gesetz, dass wir heute
- 5:36:46auf den Weg bringen, wollen wir vor
- 5:36:48allen Dingen eines fortsetzen, nämlich
- 5:36:50die bisher schon erfolgten
- 5:36:51gesetzgeberischen Maßnahmen gegen
- 5:36:53Geldwäsche, gegen Steuerhinterziehung
- 5:36:54und gegen Finanzmarktkriminalität,
- 5:36:57denn wir wissen alle, das Geld, das da
- 5:36:59in in äh irregulärer Art und Weise am
- 5:37:03Steuerzahler vorbei geht, das ist das
- 5:37:04Geld, das den Bürgerinnen und Bürgern
- 5:37:06schadet und deswegen machen wir hier
- 5:37:07erneut ein Gesetz für die Bürgerinnen
- 5:37:09und Bürger für die ehrlichen
- 5:37:10Steuerzahler in diesem Land.
- 5:37:13Steuerhinterziehung,
- 5:37:15meine sehr verehrten Damen und Herren,
- 5:37:16schaden dem Staat, sie schaden uns allen
- 5:37:19und sie schaden vor allen Dingen den
- 5:37:21Ehrlichen, die auf einmal die Dummen
- 5:37:22sein sollen. Wir haben es schon gehört,
- 5:37:24der geschätzte Schaden beläuft sich auf
- 5:37:26etwa 100 Milliarden Euro. 100 Milliarden
- 5:37:29Euro, die wir den ehrlichen
- 5:37:30Steuerzahlern zumuten müssen, weil wir
- 5:37:33sie von den Unehrlichen nicht bekommen.
- 5:37:35Und deswegen ist derjenige, der seine
- 5:37:37Einnahmen nicht vollständig angibt,
- 5:37:40einer, der einen unfairen
- 5:37:41Wettbewerbsvorteil sich selbst
- 5:37:43verschafft, aber eben zu Lasten anderer
- 5:37:45und das wollen wir unterbinden.
- 5:37:47Unser Ziel ist es, die
- 5:37:48Steuerhinterziehung eben wirksamer zu
- 5:37:49bekämpfen und auch die Manipulationen
- 5:37:51Kassensystemen zu erschweren und damit
- 5:37:54können wir die Steuergerechtigkeit
- 5:37:55stärken, aber und das ist diesem Gesetz
- 5:37:58eben auch immanent, wir entlasten auch
- 5:38:00bei der Bürokratie. Die prognostizierte
- 5:38:02wirtschaftliche Entlastung allein durch
- 5:38:04den Bürokratieabbau sollen bei über 100
- 5:38:07Millionen Euro liegen. Das geht direkt
- 5:38:10in die Zeit und auch in den Geldbeutel
- 5:38:12der Bürgerinnen und Bürger und so soll
- 5:38:13es sein.
- 5:38:14Durch dieses Gesetz können wir also den
- 5:38:16Schaden zurückholen, den die Unehrlichen
- 5:38:18diesem Staat zufügen und nicht
- 5:38:20diejenigen, die in unserem Staat die
- 5:38:22Leistung tatsächlich erbringen. Und wir
- 5:38:24haben schon gehört, es gibt ja auch
- 5:38:26Ausnahmen, nämlich neben dem 100.000
- 5:38:29Euro Jahresgesamtumsatz haben wir
- 5:38:31ausgenommen diejenigen, der bargeldlosen
- 5:38:34oder bargeldarmen Unternehmen mit
- 5:38:35jährlich weniger als 12.000 Umsatz. Und
- 5:38:38wen meinen wir damit? Natürlich die
- 5:38:39kleineren Betriebe, die die auch im
- 5:38:41Nebenerwerb vieles noch sicher
- 5:38:43wirtschaften, aber vor allen Dingen
- 5:38:44wollen wir auch die befreien, die
- 5:38:46unmittelbar im im im Austausch mit den
- 5:38:48Bürgerinnen und Bürger sind. Wer sind es
- 5:38:50denn die klassischen Marktbestücker?
- 5:38:51Denken Sie an unsere und ich sag's mit
- 5:38:53Absicht Christkindlmärkte, die wir jetzt
- 5:38:56dann wieder haben werden. Denken Sie an
- 5:38:57die Schausteller, aber denken Sie auch
- 5:38:59an die landwirtschaftliche
- 5:39:00Direktvermarktung, die im selten mit
- 5:39:02einem Kassenbon einhergeht, aber wo wir
- 5:39:03vielleicht gerne unsere Eier und unsere
- 5:39:05Milch direkt bei uns bekannten Landwirt
- 5:39:07holen und das soll auch so bleiben.
- 5:39:09Ja, und wir haben auch die
- 5:39:10Bon-Bon-Ausgabe-Pflicht an diesem Punkt
- 5:39:12abgeschafft, aber ganz entscheidend ist
- 5:39:14uns, sie soll bleiben. Wir alle wissen,
- 5:39:16im Regelfall haben wir jetzt die
- 5:39:17Abrechnungen über das Handy, aber wer so
- 5:39:19eben nicht unterwegs ist, sein möchte
- 5:39:21oder es nicht mehr wird, der soll auch
- 5:39:23in Zukunft einen Bon erhalten können und
- 5:39:25das ist gut so.
- 5:39:26Denn, meine sehr verehrten Damen und
- 5:39:28Herren, Steuerhinterziehung ist eben
- 5:39:30kein Kavaliersdelikt. Es ist nichts, was
- 5:39:32der ach so Clevere macht, während
- 5:39:34derjenige, der ehrlich ist, es nicht
- 5:39:36macht und deswegen wird die
- 5:39:37Freiheitsstrafe in Zukunft auch bis zu
- 5:39:39fünf Jahre betragen und auch das ist gut
- 5:39:41so. Derjenige muss es lernen, der es
- 5:39:43anders nicht lernen will. Was ist uns
- 5:39:45noch wichtig? Dass auch die Manipulation
- 5:39:47am Kassengerät und das hat auch der ein
- 5:39:48oder andere, wie ich vorhin in den Reden
- 5:39:50vernehmen konnte, schon erlebt, mit
- 5:39:52einem Strafmaß von bis zu drei Jahren
- 5:39:54hier äh belegt wird und auf diese Art
- 5:39:56und Weise glauben wir, dass wir uns
- 5:39:58insgesamt dahin bewegen, dass den
- 5:40:00Menschen etwas mehr an Steuerehrlichkeit
- 5:40:02bleibt. Und lassen Sie mich an der
- 5:40:04Stelle noch eines sagen,
- 5:40:05selbstverständlich hindern wir
- 5:40:07diejenigen, für die Ausnahmen gelten,
- 5:40:09nicht daran, sich auch unbedingt
- 5:40:10gesetzestreu zu verhalten und diese
- 5:40:13vollumfänglich auszuleben. Und deswegen,
- 5:40:15meine Damen und Herren, wollen wir auf
- 5:40:17diese Art und Weise die Einnahmen auch
- 5:40:19zuverlässiger erfassen können. Wir
- 5:40:22möchten ein höheres Entdeckungsrisiko,
- 5:40:23wir wollen aber auch, dass die
- 5:40:24Kontrollen des Finanzamts effektiver
- 5:40:26werden, aber die Kehrseite, die gute
- 5:40:28Kehrseite dieser Medaille ist eben, dass
- 5:40:30durch das fortgesetzte Digitalisieren,
- 5:40:32das damit auch erfasst wird, wir
- 5:40:34Geldströme und Zahlungsströme anders
- 5:40:36erfassen können und unter Umständen
- 5:40:37daraus einen Mehrwert leisten können,
- 5:40:39den wir teilweise schon in der
- 5:40:40Erprobungsphase haben, nämlich z.B. die
- 5:40:43digitale Einkommensteuererklärung, die
- 5:40:45vom Staat erstmal angeboten wird anhand
- 5:40:47der bekannten und erfassten Geldströme.
- 5:40:49Auch das kann ein Vorteil sein, wenn wir
- 5:40:51über diese elektronischen Kassensysteme
- 5:40:54hier die Informationen eigentlich, wenn
- 5:40:56sie korrekt genutzt werden, richtig
- 5:40:58erfassen können, umfassen und
- 5:40:59vollständig erfassen können. Und dazu
- 5:41:01ist natürlich auch wichtig, dass sie
- 5:41:03kryptographisch abgesichert werden
- 5:41:05können, damit sie dort weniger äh
- 5:41:08manipulierbar sind. Wir wollen für die
- 5:41:10zum Bürokratieabbau entsprechenden
- 5:41:12Schnittstellen bereitstellen, die
- 5:41:13Übertragungswege und auch die digitalen
- 5:41:17Auswertungsmöglichkeiten. Und diese
- 5:41:19digitalen Aufzeichnungen werden auch die
- 5:41:21Dokumentation und die Aufbewahrung
- 5:41:23vereinfachen und somit kommt es eben zu
- 5:41:25dem Fazit und auch zu dem langfristigen
- 5:41:28Ziel, dass wir die ehrlichen
- 5:41:30Unternehmerinnen und Unternehmen in
- 5:41:31jeder Hinsicht entlasten, weil die
- 5:41:33Dokumentation bei ihnen eine ganz
- 5:41:35einfache wird und damit ist es nicht nur
- 5:41:36kein Generalverdacht, es ist ein
- 5:41:38Fortschritt in eine digitale Welt, die
- 5:41:40uns das Leben weiter erleichtert macht
- 5:41:41und den Steuerzahler ehrlicher. Ich
- 5:41:43danke Ihnen.
- 5:41:44Vielen Dank.
- 5:41:46[applaus] Weitere Wortmeldungen liegen
- 5:41:48nicht vor. Ich schließe die Aussprache.
- 5:41:50Interfraktionell wird die Überweisung
- 5:41:52des Gesetzentwurfs auf Drucksache 8867
- 5:41:55an die in der Tagesordnung aufgeführten
- 5:41:57Ausschüsse vorgeschlagen. Gibt's weitere
- 5:41:59Überweisungsvorschläge? Ist nicht der
- 5:42:01Fall, dann machen wir es so.
- 5:42:02Ich rufe auf den Zusatzpunkt aktuelle
- 5:42:04Stunde. Die Fraktion Die Linke hat eine
- 5:42:06aktuelle Stunde verlangt zu dem Thema
- 5:42:08die Forderungen der Protestbewegung
- 5:42:10Generation Z, Generation Sie, ernst
- 5:42:13nehmen, keine Kriminalisierung der
- 5:42:15Jugendlichen, mögliche Polizeiübergriffe
- 5:42:18aufklären. Bevor ich die Aussprache
- 5:42:20eröffne,
- 5:42:21möchte ich auf zwei Interessenlagen
- 5:42:23hinweisen. Sie alle haben Interesse
- 5:42:26daran, dass hier eine gute, fruchtbare,
- 5:42:28lebendige und irgendwann mal auch zu
- 5:42:31Ende gegangene Debatte geführt wird,
- 5:42:33damit Sie auch in Ihre Wahlkreise kehren
- 5:42:35können. Ich habe ein Interesse daran,
- 5:42:37dass die Debatte die Aufmerksamkeit hat,
- 5:42:39die nur möglich ist, wenn es einen
- 5:42:41Lärmpegel gibt, der hier beherrschbar
- 5:42:43ist. Diese beiden Interessen bedingen
- 5:42:45einander und dementsprechend werden wir
- 5:42:47sie miteinander vereinbaren. Ich eröffne
- 5:42:50die Aussprache und erteile das Wort Lisa
- 5:42:52Schubert für die Fraktion Die Linke.
- 5:42:56[applaus]
- 5:43:00[applaus]
- 5:43:03Sehr geehrter Herr Präsident, sehr
- 5:43:05geehrte Zuhörende.
- 5:43:07Ich bin Teil der Gen Z und ich bin
- 5:43:09wütend.
- 5:43:10Seit fast 10 Jahren gehe ich gemeinsam
- 5:43:12mit vielen anderen auf die Straße. Wir
- 5:43:15mussten erkennen, dass egal, wie oft wir
- 5:43:18freitags für unsere Zukunft kämpfen, die
- 5:43:20Politik am Ende immer im Interesse der
- 5:43:23Konzerne entscheidet.
- 5:43:25Dass der Staat und die Polizei die
- 5:43:27Proteste gegen Faschismus mehr bekämpft
- 5:43:30als den erstarkenden Faschismus selbst.
- 5:43:33Dass während wir in maroden Schulen
- 5:43:36unseren Abschluss machen,
- 5:43:37nichts als ein unbezahlbarer
- 5:43:39Wohnungsmarkt und der Dienst an der
- 5:43:41Waffe auf uns warten.
- 5:43:43Mal für mal mussten wir feststellen,
- 5:43:46dass die Politik in diesem Land nichts
- 5:43:49für uns im Angebot hat.
- 5:43:51Die Enttäuschung meiner Generation sitzt
- 5:43:53tief.
- 5:43:54Und aus Enttäuschung wird früher oder
- 5:43:56später Wut.
- 5:43:58Das Fass ist voll.
- 5:44:00[applaus]
- 5:44:03Sie sitzen seit Jahren in diesen
- 5:44:05Parlamenten, weit weg von den kaputten
- 5:44:08Schulen und asbestverseuchten Campussen,
- 5:44:11während wir seit Jahren auf die Straßen
- 5:44:13gehen, ohne von ihnen gehört zu werden.
- 5:44:16Was ich vergangenen Samstag in meinem
- 5:44:18Wahlkreis in Düsseldorf gesehen habe,
- 5:44:21verstärkt meine Erfahrung einmal mehr.
- 5:44:23Reiterstaffel, Wasserwerfer,
- 5:44:25Räumungspanzer. Noch bevor die Proteste
- 5:44:27überhaupt losgingen, war klar, hier
- 5:44:30greift der Staat hart durch.
- 5:44:32Was sich im Nachgang herausgestellt hat,
- 5:44:34völlig übertrieben.
- 5:44:36Auf der anderen Seite des Rheins aber
- 5:44:38flogen die Knüppel.
- 5:44:41Mein Instagram-Feed war danach geflutet
- 5:44:42von Videos, die explizit Polizeigewalt
- 5:44:44zeigen. Da gibt es nichts schön zu
- 5:44:47reden.
- 5:44:49[applaus]
- 5:44:49Da ist die Gewalt, über die wir
- 5:44:52eigentlich sprechen sollten. Denn Gewalt
- 5:44:55hat viele Formen und in diesem Land hat
- 5:44:57Gewalt System. In der Sprache, in der
- 5:45:00Exekutive und in der Ignoranz von
- 5:45:02Menschenrechtsverletzungen manifestiert
- 5:45:04sich strukturelle Gewalt. Doch statt,
- 5:45:07dass der Innenminister zugibt, dass die
- 5:45:09Polizei hier Grenzen überschritten hat,
- 5:45:11waren wieder die jungen Wilden, die
- 5:45:13Migrantinnen schuld. Da sind sie wieder,
- 5:45:15die rassistischen Narrative. Und ja,
- 5:45:18auch genau das ist eine Form von Gewalt.
- 5:45:22Aber wir lassen uns davon nicht spalten
- 5:45:24und erst recht nicht einschüchtern.
- 5:45:27[applaus]
- 5:45:30Ich sage Ihnen jetzt mal was in aller
- 5:45:31Klarheit. Wir, die da auf die Straße
- 5:45:34gehen, sind keine Kriminellen. Wir sind
- 5:45:36die Gen Z, eine Generation, die
- 5:45:39zusammensteht.
- 5:45:40Niemals alleine, immer gemeinsam.
- 5:45:44[applaus]
- 5:45:45Wir geben aufeinander Acht. Statt die
- 5:45:48Ellbogen auszufahren und nur an sich
- 5:45:49selbst zu denken, leben wir Solidarität.
- 5:45:52Wir sind nicht politikverdrossen. Wir
- 5:45:54machen den Mund auf, wenn uns was nicht
- 5:45:56passt und schauen dorthin, wo andere
- 5:45:58wegsehen.
- 5:46:00Und wir sind wütend. Wir sind wütend,
- 5:46:02weil nur der darum der Unterricht
- 5:46:04ausfällt. Wir sind wütend, weil nur
- 5:46:07Kohle für Aufrüstung da ist. Und wir
- 5:46:09sind wütend, weil es wieder nur Nudeln
- 5:46:11mit Pesto gibt. Hier in diesem Haus wird
- 5:46:14keine Politik für uns gemacht, sondern
- 5:46:16eine Politik für die Reichen. Sie
- 5:46:19stellen sich noch immer gegen eine
- 5:46:20Erbschaftssteuer, gegen eine
- 5:46:22Vermögenssteuer. Diese Regierung und
- 5:46:24ihre reichen Freunde haben kein
- 5:46:26Interesse, dass sich eine Ungleichheit
- 5:46:28in diesem Land was verändert.
- 5:46:31[applaus]
- 5:46:33Sie wollen ihre Privilegien behalten,
- 5:46:36aber jetzt ernten sie, was sie durch
- 5:46:38ihre Politik über die Jahre gesät haben
- 5:46:41und besitzen jetzt die Dreistigkeit,
- 5:46:43sich darüber aufzuregen. Wer junge
- 5:46:44Menschen nur dann ernst nimmt, wenn sie
- 5:46:46brav, angepasst und bequem sind, hat
- 5:46:49Demokratie nicht verstanden. Demokratie
- 5:46:52bedeutet Widerspruch, Protest, dass
- 5:46:55Menschen ihre Stimme erheben dürfen,
- 5:46:57wenn sie mit den politischen
- 5:46:58Verhältnissen nicht einverstanden sind.
- 5:47:01Liebe Bundesregierung,
- 5:47:03wenn Sie schon nicht den Forderungen
- 5:47:05dieser jungen Menschen zuhören, dann
- 5:47:07hören Sie wenigstens jetzt mir zu als
- 5:47:08jüngstes Mitglied dieses Parlaments,
- 5:47:10wenn ich die Forderungen meiner
- 5:47:11Generation wiederhole.
- 5:47:15[applaus] Erstens,
- 5:47:16der Staat muss dafür sorgen, dass wir in
- 5:47:18den Schulen und Unis lernen können. Wir
- 5:47:21brauchen ein funktionierendes
- 5:47:22Bildungssystem. Zweitens, wir wehren uns
- 5:47:25gegen die Pflicht, Waffen in die Hand zu
- 5:47:27nehmen. Wir wollen und werden nicht auf
- 5:47:30andere Menschen schießen.
- 5:47:31Drittens,
- 5:47:33[applaus] es geht uns darum, sich den
- 5:47:35Einkauf und die Stromrechnung leisten zu
- 5:47:38können. Wir verdienen ein bezahlbares
- 5:47:40Leben. Und viertens, wir fordern eine
- 5:47:43gute medizinische Versorgung, eine
- 5:47:45sichere Rente, eine soziale Absicherung.
- 5:47:48Wir verdienen eine Zukunft. Und ja,
- 5:47:50Überraschung, für eine Zukunft braucht
- 5:47:52es eine Welt, in der wir leben können,
- 5:47:55indem wir uns gegen den Klimawandel
- 5:47:56stellen. Was sind das für Forderungen?
- 5:47:58Das ist nicht weit hergeholt, das ist
- 5:48:00nicht radikal. Nein, es ist höchste
- 5:48:02Zeit, diese Forderungen endlich
- 5:48:04umzusetzen.
- 5:48:06[applaus]
- 5:48:07Und als letztes möchte ich an meine
- 5:48:09Generation sagen, wir haben jedes Recht,
- 5:48:12wütend zu sein, wir haben jedes Recht,
- 5:48:14Veränderungen einzufordern. Wir sind
- 5:48:16nicht das Problem, die Politik ist es.
- 5:48:18Lassen wir uns nicht einschüchtern,
- 5:48:20nehmen wir uns die Straßen.
- 5:48:21Vielen Dank.
- 5:48:22[applaus]
- 5:48:26Ich erteile das Wort für die nächste
- 5:48:28Rede der Bundesministerin für Bildung,
- 5:48:29Familie, Senioren, Frauen und Jugend,
- 5:48:31Karin Prien.
- 5:48:35[applaus]
- 5:48:39[applaus]
- 5:48:45Sehr geehrter Herr Präsident, meine
- 5:48:47Damen und Herren Abgeordnete, ich will
- 5:48:49heute ganz bewusst diese Rede beginnen
- 5:48:52mit einem Dank an unsere Polizistinnen
- 5:48:55und Polizisten. Sie setzen sich täglich
- 5:48:58für den Schutz unserer Demokratie ein
- 5:49:01und zwar übrigens auch für den Schutz
- 5:49:03des Demonstrationsrechts. Und auch am
- 5:49:05vergangenen Wochenende, meine Damen und
- 5:49:08Herren, war es nicht zuletzt eine
- 5:49:10bewusst deeskalierende Strategie unserer
- 5:49:12Polizei, übrigens auch einer
- 5:49:14einer ähm in weiten Teilen des Landes
- 5:49:18selbstverständlich geworden Jugendarbeit
- 5:49:19der Polizei geschuldet, dass die
- 5:49:22weitestgehend friedlich geblieben sind.
- 5:49:26[applaus]
- 5:49:30Gleichermaßen, meine Damen und Herren,
- 5:49:32gleichermaßen will ich auch den jungen
- 5:49:34Menschen danken, die überwiegend
- 5:49:36friedlich ihr Demonstrationsrecht
- 5:49:37wahrgenommen haben und das dürfen sie
- 5:49:40und das sollen sie und das ist ein
- 5:49:41selbstverständlicher Teil unserer
- 5:49:43Demokratie, meine Damen und Herren.
- 5:49:45Und
- 5:49:46und ich bin außerordentlich froh, ich
- 5:49:48bin außerordentlich froh, dass die
- 5:49:50Jugendproteste bei uns im Land eben
- 5:49:52nicht im Wesentlichen von Wut geprägt
- 5:49:54sind, sondern von Engagement und von
- 5:49:56sachlichen Argumenten, die junge
- 5:49:58Menschen zu Recht vorbringen.
- 5:50:00Und
- 5:50:02ich will auch
- 5:50:03will auch von auf einen anderen Umstand
- 5:50:05hinweisen. Wenn Sie sich die
- 5:50:07Shell-Studie einmal anze anschauen, dann
- 5:50:11ist es eben nicht so, dann ist es eben
- 5:50:13nicht so, dass die Polizei bei
- 5:50:15Jugendlichen kein Vertrauen genießen
- 5:50:18würde. Ganz im Gegenteil, Jugendliche
- 5:50:20haben traditionell hohes Vertrauen in
- 5:50:22unsere Polizei und das ist auch gut so,
- 5:50:23meine Damen und Herren.
- 5:50:26Und das
- 5:50:28Spannungsverhältnis, was Sie hier
- 5:50:30darstellen, ehrlicherweise in einer
- 5:50:33Verkennung der Realität aus meiner
- 5:50:35Sicht, dieses Spannungsverhältnis
- 5:50:37existiert ebenso nicht bei der Jugend,
- 5:50:40genauso wie es im Übrigen die Jugend gar
- 5:50:42nicht gibt, sondern es gibt sehr
- 5:50:43vielfältige
- 5:50:44äh vielfältige Strömungen, Meinungen,
- 5:50:47Auffassungen, Empfindungen in unserer
- 5:50:49Jugend. Das sage ich auch als Mutter von
- 5:50:51drei Söhnen, die nun wirklich viel mit
- 5:50:52jungen Menschen äh unterwegs ist, nicht
- 5:50:54nur beruflich, sondern auch in meinem
- 5:50:56privaten Umfeld. Und ich finde, wir
- 5:50:58müssen die jungen Menschen auch in
- 5:50:59dieser Vielfalt wahrnehmen, meine Damen
- 5:51:01und Herren.
- 5:51:02Frau Ministerin, erlauben Sie eine
- 5:51:04Zwischenfrage des Abgeordneten Eddis von
- 5:51:06der Fraktion Die Linke?
- 5:51:07Ja.
- 5:51:08Herr Eddis, bitte.
- 5:51:15Herr
- 5:51:16Präsident, vielen Dank, Frau Prien.
- 5:51:19Wissen Sie, Sie haben eben die Polizei
- 5:51:21gelobt. Ähm ich habe permanent ein Video
- 5:51:24ähm
- 5:51:25im Kopf, wo ich sehe,
- 5:51:27wo ein Gewalttäter
- 5:51:29minutenlang versucht,
- 5:51:31Scheiben zusammenzubrechen, kaputt zu
- 5:51:34machen, irgendwie einen Weg zu finden,
- 5:51:36in diesen Laden reinzukommen.
- 5:51:39Und davor stehen hunderte Polizisten und
- 5:51:41gucken einfach nur zu
- 5:51:43und greifen nach Minuten erst dann ein,
- 5:51:48wenn eine Frau sich einschaltet und
- 5:51:50versucht, diesen Gewalttäter irgendwie
- 5:51:52davon wegzubekommen, seine Akten
- 5:51:54weiterzuführen.
- 5:51:56Wie erklären Sie sich denn
- 5:51:58diese Reaktion der Polizei, dass sie
- 5:52:01erstmal minutenlang nichts dabei
- 5:52:04unternimmt? Danke sehr.
- 5:52:07Frau Ministerin.
- 5:52:07Herr Abgeordneter, ich kenne dieses
- 5:52:09Video nicht. Ich kann deshalb zu dem
- 5:52:11Einzelfall nicht sagen. Ich will aber
- 5:52:13folgendes sagen. Wir leben in einem
- 5:52:15Rechtsstaat und wenn Dinge passieren,
- 5:52:17auch im durch die Polizei, die nicht in
- 5:52:19Ordnung sind, dann ist es eben in
- 5:52:20Deutschland so, dass solche Dinge
- 5:52:22aufgeklärt werden über die Medien. Auch
- 5:52:24sie berichten darüber und dann gibt es
- 5:52:26Rechtsgerichte, die in diesem Land
- 5:52:27diesen solchen Dingen nachgehen und
- 5:52:29insofern finde ich,
- 5:52:30mag das so sein, aber es ist in Ordnung,
- 5:52:33dass Sie das hier auch so äußern. Meine
- 5:52:36Damen und Herren, was mir wichtig ist,
- 5:52:37dieser Bundesregierung, dieser
- 5:52:39Bundesregierung ist es wichtig, mit der
- 5:52:42breiten Vielfalt junger Menschen in
- 5:52:44einer alternden Gesellschaft in einen
- 5:52:46intensiven Dialog zu gehen, denn es ist
- 5:52:47ja wahr,
- 5:52:49Sie haben ja einen Punkt, Frau Schubert.
- 5:52:51Sie haben einen Punkt da, wo wir sehr
- 5:52:53darauf achten müssen, dass wir aufgrund
- 5:52:55der demografischen Entwicklung in
- 5:52:56unserem Land im Blick behalten, dass die
- 5:52:58Interessen von jungen Menschen
- 5:53:00tatsächlich auch hinreichend nicht nur
- 5:53:02gehört werden, sondern auch
- 5:53:03berücksichtigt werden in der Politik.
- 5:53:05Das ist unsere gemeinsame Aufgabe, meine
- 5:53:07Damen und Herren, und deshalb werbe ich
- 5:53:09auch sehr dafür, dass wir im Kontext der
- 5:53:11Ereignisse vom vergangenen Wochenende
- 5:53:13nicht nur so und nicht so stark nur über
- 5:53:16Gewaltexzesse, sondern dass wir vor
- 5:53:18allem auch über die Anliegen der jungen
- 5:53:19Menschen reden, dieser jungen Menschen
- 5:53:21und auch anderer junger Menschen in
- 5:53:23diesem Land.
- 5:53:25[applaus] Und
- 5:53:26ich bin sehr froh, dass wir in den
- 5:53:28letzten Monaten diverse Formate
- 5:53:31entwickelt haben, neben den regelmäßigen
- 5:53:33Gesprächen, die wir ohnehin mit über 80
- 5:53:35Jugendverbänden ständig und laufend in
- 5:53:37meinem Ministerium führen, dass wir
- 5:53:39ohnehin schon ähm Gespräche mit der
- 5:53:41Bundesschülerkonferenz nicht nur geplant
- 5:53:43haben, sondern jetzt auch durchgeführt
- 5:53:44haben und diesen Dialog auch fortsetzen
- 5:53:46werden. Ich will mich auch ausdrücklich
- 5:53:47bei der Bundesschülerkonferenz bedanken,
- 5:53:49dass sie sehr besonnen reagiert haben
- 5:53:51auf die Proteste und auch klar gesagt
- 5:53:53haben, da wo die Organisationschaft
- 5:53:56nicht klar ist und da wo nicht klar ist,
- 5:53:58ob Gewalt angewendet wird, sind wir
- 5:53:59einfach auch nicht dabei. Das ist
- 5:54:00vernünftig, das ist rational und das ist
- 5:54:03auch ein sehr kluger Umgang ähm mit
- 5:54:05diesen berechtigten Anliegen. Wir werden
- 5:54:07am dritten
- 5:54:09[applaus]
- 5:54:10Wir
- 5:54:11Wir werden am dritten vierten Dezember
- 5:54:14einen großen Kinder- und Jugendgipfel
- 5:54:16mit ähm weit mehr als 500 jungen
- 5:54:19Menschen aus ganz Deutschland in Bonn
- 5:54:20durchführen, 50 Dialogformate zu nahezu
- 5:54:23allen Themen und vielen mehr, die die äh
- 5:54:25Gen Z auch aufruft und wir werden ab
- 5:54:29nächster Woche die Kick
- 5:54:30Kick-off-Veranstaltung findet statt.
- 5:54:33Bundesweit beginnen Generationendialoge
- 5:54:35in ganz Deutschland zu organisieren und
- 5:54:37ich glaube, das ist ein richtiger Weg,
- 5:54:39mit jungen Menschen hier ähm auch in in
- 5:54:41einer strukturierten Form äh in den
- 5:54:44Dialog zu kommen. Ich will aber auch
- 5:54:45noch eines sagen.
- 5:54:49Man kann übrigens auch mit Menschen,
- 5:54:51jungen Menschen diskutieren und die
- 5:54:52Frage, ist es richtig, Wehrdienst zu
- 5:54:54leisten und dieses Land zu verteidigen,
- 5:54:56in einer sachlichen Form diskutieren.
- 5:54:58Man kann übrigens auch junger Mensch
- 5:54:59sein und für eine Dienstpflicht und für
- 5:55:00den Wehrdienst sein. Auch das ist
- 5:55:02möglich in diesem Land und das ist auch
- 5:55:03gut so, meine Damen und Herren. Es ist
- 5:55:05keineswegs gesagt, dass man bei
- 5:55:07Diskursen, die man dringend führen muss
- 5:55:09in diesem Land, auch tatsächlich zu den
- 5:55:11Ergebnissen kommt, die Sie hier als
- 5:55:13quasi zwingend die Sie hier als quasi
- 5:55:15zwingend darstellen.
- 5:55:17Und
- 5:55:18[applaus]
- 5:55:22Meine Damen und Herren, ich meine, meine
- 5:55:23Zeit geht zu Ende, aber so viel will ich
- 5:55:25schon noch sagen. Ihre Art der
- 5:55:26Darstellung, dass in diesem Land nichts
- 5:55:28für junge Menschen passiert, ist einfach
- 5:55:30schlicht und ergreifend absurd. Das ist
- 5:55:33schlicht und ergreifend absurd, meine
- 5:55:34Damen und Herren, und ich freue mich
- 5:55:37wirklich sehr darüber, dass wir jetzt
- 5:55:39sehen, dass auch in der letzten
- 5:55:41Legislatur und der vorletzten Legislatur
- 5:55:43beschlossene Veränderungen in unserem
- 5:55:45Land, die Einführung des Rechtsanspruch
- 5:55:46auf den Ganztag, dass der wirklich jetzt
- 5:55:48beginnt, Früchte zu tragen, dass wir
- 5:55:50inzwischen eine neue Qualität in den
- 5:55:52Ganztag hineinkriegen und damit
- 5:55:54Bildungschancen für junge Menschen ganz
- 5:55:55konkret verbessern, dass wir mit der mit
- 5:55:58der Einführung des
- 5:55:59Startchancenprogramms, mit der Umsetzung
- 5:56:00inzwischen 20 % der Kinder in der
- 5:56:02Grundschule in einer Schule haben, die
- 5:56:04besonders gefördert werden. Das sind
- 5:56:06ganz konkrete Fortschritte, meine Damen
- 5:56:07und Herren. Ich könnte darüber noch drei
- 5:56:09Stunden reden, aber der Präsident mahnt
- 5:56:10mich und ich komme zum Ende und danke
- 5:56:12Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
- 5:56:14[applaus]
- 5:56:17Als nächster spricht Herr Bastian Mark
- 5:56:19für die AfD.
- 5:56:20[applaus]
- 5:56:25[applaus]
- 5:56:34Hohes Präsidium, verehrte Kolleginnen
- 5:56:36und Kollegen, liebe Zuschauer,
- 5:56:38die Forderung, die Jugend ernst zu
- 5:56:40nehmen, ist ungefähr genauso wie die
- 5:56:42Forderung, gute Politik zu machen oder
- 5:56:44dafür zu sorgen, dass alles besser wird.
- 5:56:46Man wird keinen finden, der eine andere
- 5:56:49Forderung aufstellt.
- 5:56:50Ähm, spannend wird es dann, wenn man
- 5:56:52sich anguckt, wer diese Forderung
- 5:56:54aufstellt. Ausgerechnet die Linkspartei
- 5:56:57möchte das machen und man ähm reibt sich
- 5:57:00da schon verwundert die Augen. Ich will
- 5:57:01an eigentlich zwei Beispiele, ich habe
- 5:57:03jetzt noch ein drittes Beispiel gerade
- 5:57:05dazu gekommen, warum das absurd ist,
- 5:57:07dass die Linkspartei das macht. Das
- 5:57:08erste Beispiel ist, wenn Frau Schubert,
- 5:57:11die im äh, wenn ich richtig gerechnet
- 5:57:13habe, neunten Semester im Studium ohne
- 5:57:15Abschluss mit einem monatlichen
- 5:57:17Geldeingang von 17.500 Euro sich hier
- 5:57:20hinstellt und behauptet, sie würde für
- 5:57:22eine ganze Generation von Schülern
- 5:57:24reden. Das ist absurd und das ist auch
- 5:57:26dreist.
- 5:57:28[applaus]
- 5:57:29Das zweite Beispiel ist die Frage des
- 5:57:32Wohnraums. Das das, was junge Menschen
- 5:57:33wollen, endlich raus von den Eltern,
- 5:57:36eigene Wohnung in den eigenen vier
- 5:57:38Wänden sich selbst verwirklichen. Das
- 5:57:40muss auch nichts Tolles sein, da reicht
- 5:57:41ein WG-Zimmer oder eine einfache
- 5:57:43Einzimmerwohnung, aber selbst das ist in
- 5:57:45Großstädten schon zu teuer.
- 5:57:47Und die Linkspartei hat genau dieses
- 5:57:48Thema in Berlin aufgegriffen und hat
- 5:57:51damit auch gute Erfolge erzielt. Und was
- 5:57:52war das Erste, was nach der Wahl
- 5:57:54passiert ist? Die großen Bauträger haben
- 5:57:56gesagt, wir machen keine Projekte mehr.
- 5:57:58Es wird also in Berlin nach diesem
- 5:58:00fulminanten Wahlsieg der Linkspartei
- 5:58:02nicht mehr Wohnraum geben, sondern
- 5:58:04weniger. Und gleichzeitig, gleichzeitig
- 5:58:08möchte die Linkspartei in Berlin mehr
- 5:58:10Flüchtlinge holen. Und die Flüchtlinge
- 5:58:12haben im Gegensatz zu den Jugendlichen,
- 5:58:14und das haben sie dir nicht gesagt,
- 5:58:16haben die einen Rechtsanspruch auf einen
- 5:58:17Wohnraum. Das heißt, die wenigen
- 5:58:19Wohnungen, die es dann in Berlin noch
- 5:58:21gibt, die wollen sie an Flüchtlinge
- 5:58:22vergeben und nicht an die junge Jugend.
- 5:58:24Und die
- 5:58:26diejenigen, die dann definitiv keinen
- 5:58:28keinen Wohnraum mehr finden, das sind
- 5:58:30die Jugendlichen, die Sie in diese
- 5:58:31Position in Berlin gewählt haben. Das
- 5:58:34ist ein Zeichen dafür, wie ernst Sie die
- 5:58:35nehmen, dass sie genau das Gegenteil
- 5:58:37dessen machen, was sie vorher
- 5:58:38versprochen haben. Die AFD [applaus] ist
- 5:58:41da ganz anders. Wir wollen die
- 5:58:42Bürokratie abbauen, damit Bauverfahren
- 5:58:44beschleunigen. Wir wollen Bauauflagen
- 5:58:46reduzieren und damit das Bauen günstiger
- 5:58:48machen. Wir wollen schnell günstigen
- 5:58:50Wohnraum schaffen und gleichzeitig
- 5:58:52werden wir die Remigration von
- 5:58:54Kriminellen und illegalen äh
- 5:58:56Flüchtlingen voranbringen und damit äh
- 5:58:58zusätzlichen Wohnraum frei machen. Das
- 5:59:00heißt, wer in Berlin oder in Großstädten
- 5:59:03Wohnraum haben will, wer bezahlbaren
- 5:59:05günstigen Wohnraum haben möchte, der
- 5:59:07muss die AFD wählen.
- 5:59:09Das zweite Beispiel ist Ausbildung und
- 5:59:12Arbeit, das auch das, was
- 5:59:14glücklicherweise viele junge Menschen
- 5:59:15noch wollen. Die wollen nicht neun
- 5:59:17Semester studieren, sondern die wollen
- 5:59:19schnellen Abschluss machen, die wollen
- 5:59:20sich selbst verwirklichen, die wollen
- 5:59:22etwas machen, was sie voranbringt. Und
- 5:59:24dazu brauchen sie Arbeitsplätze und
- 5:59:26Ausbildungsplätze.
- 5:59:28Und was wir hier erleben, ist, dass wir
- 5:59:30bereits schon viele planwirtschaftliche
- 5:59:32Elemente von der aktuellen und den
- 5:59:33Vorgängerregierungen haben. Und die
- 5:59:35Linkspartei möchte zusätzliche
- 5:59:37Planwirtschaft einbringen, wenn man sich
- 5:59:38die die Anträge mal durchliest, also
- 5:59:42genau dessen machen, das Gegenteil
- 5:59:43machen, was man möchte. Wir haben jetzt
- 5:59:45schon eine Abwanderung von Fachkräften,
- 5:59:47von Unternehmen aus Deutschland. Als Sie
- 5:59:49das letzte Mal in Deutschland an der
- 5:59:51Regierung waren, haben Sie irgendwann
- 5:59:52eine Mauer gebaut, um zu verhindern,
- 5:59:53dass noch einer rausgeht und jeden
- 5:59:54erschossen, der das Land verlassen
- 5:59:56wollte. Das werden Sie hoffentlich nicht
- 5:59:58machen, aber das bedeutet auch, dass es
- 6:00:00ein Exodus gibt. Bereits jetzt gehen
- 6:00:01viele Startups verlassen Deutschland,
- 6:00:04sobald sie die zweite Finanzierungsrunde
- 6:00:07machen. Und das,
- 6:00:08was Sie hier machen,
- 6:00:10das hat auch ein ein Begriff, das nennt
- 6:00:13man politische Trittbrettfahrerei.
- 6:00:16Sie versuchen,
- 6:00:18Sie versuchen eine Gruppierung und eine
- 6:00:21Bewegung zu kapern. Sie versuchen sich
- 6:00:24da die zu infiltrieren und dann nach und
- 6:00:26nach die berechtigten und vernünftigen
- 6:00:28Forderungen dieser Generation über Bord
- 6:00:30zu schmeißen und mit ihren eigenen
- 6:00:31sozialistischen Inhalten zu ersetzen.
- 6:00:34Sie werden damit genau das Gegenteil
- 6:00:36dessen erreichen, was sie ursprünglich
- 6:00:38versprochen haben. Das habe ich an zwei
- 6:00:40Beispielen verdeutlicht. Ich glaube,
- 6:00:43mehr Verachtung gegenüber der jüngeren
- 6:00:45jungen Generation kann man nicht zum
- 6:00:47Ausdruck bringen, als sie vor den
- 6:00:49eigenen Karren zu spannen und
- 6:00:51auszunutzen schamlos. Die AfD ist da
- 6:00:54anders zum Glück. Wir sind die Partei
- 6:00:56der Zukunft, wir sind die Partei des des
- 6:00:59Wohlstandes, wir sind die Partei der
- 6:01:01Jugend.
- 6:01:03[applaus]
- 6:01:04Vielen Dank.
- 6:01:06Als nächster spricht David Mandrella für
- 6:01:08die SPD-Fraktion.
- 6:01:21Herr Präsident, meine sehr verehrten
- 6:01:22Damen und Herren, lieber Kollege von der
- 6:01:24AfD, Sie stellen sich hier nach vorne
- 6:01:25hin, Sie erwähnen nicht einmal die
- 6:01:26Forderung, gehen gar nicht darauf ein,
- 6:01:28versuchen junge Menschen zu diffamieren.
- 6:01:30Sie zeigen, dass Sie von Demokratie, von
- 6:01:31Anstand gar nichts verstanden haben.
- 6:01:34[applaus]
- 6:01:36Und ich bin selbst Teil der Gen Gen-Z,
- 6:01:39und wir wollen einfach nur danach
- 6:01:41beurteilt werden, was wir für Argumente
- 6:01:42haben und für Inhalte, und nicht danach,
- 6:01:43wo wir herkommen, welche Abschlüsse wir
- 6:01:45haben oder sonst irgendwo. Und ich will
- 6:01:47mich gleichzeitig aber auch nicht
- 6:01:48hinstellen und behaupten, ich könnte für
- 6:01:50eine ganze Generation sprechen. Es gibt
- 6:01:52nicht die eine Gen-Z, es gibt
- 6:01:53Zwölfjährige und Neunundzwanzigjährige
- 6:01:55aus Stadt und Land, die wie in jeder
- 6:01:57anderen Generation auch ganz
- 6:01:58unterschiedliche Ansichten haben. Aber
- 6:02:00was uns verbindet, ist ein Vorurteil,
- 6:02:02was immer wieder auch von Ihrer Seite
- 6:02:03kommt, nämlich da heißt es immer, wir
- 6:02:05sind faul, wir sind verwöhnt, wir sind
- 6:02:06desinteressiert an Demokratie. Und wenn
- 6:02:08dann Zehntausende auf die Straße gehen
- 6:02:10und damit Demokratie mal machen, statt
- 6:02:12nur darüber zu reden, dann ist es auch
- 6:02:13wieder nicht recht. Meine Damen und
- 6:02:15Herren, diese Schülerinnen und Schüler
- 6:02:16machen mit ihrer Demonstration genau
- 6:02:17das, was wir ihnen doch vermittelt
- 6:02:19haben, was einen mündigen demokratischen
- 6:02:21Staatsbürger ausmacht, und genau deshalb
- 6:02:22verdient das Anliegen unsere
- 6:02:23Unterstützung.
- 6:02:26[applaus]
- 6:02:26Und was fordert die Initiative? Mehr
- 6:02:28Investitionen in Bildung, bessere
- 6:02:30Suchthilfe, mehr Psychotherapieplätze,
- 6:02:31mehr Klimaschutz, Maßnahmen gegen
- 6:02:33steigende Lebenshaltungskosten, eine
- 6:02:34gerechtere
- 6:02:35Lastenverteilung, mehr Mitsprache bei
- 6:02:37Zukunftsfragen und sie lehnen die
- 6:02:38Wehrpflicht ab.
- 6:02:39Ich sage ganz offen, wir werden nicht
- 6:02:41jede dieser Forderungen eins zu eins
- 6:02:43umsetzen können, aber jede verdient eine
- 6:02:45Antwort und nicht den Satz und hat es ja
- 6:02:47irgendwie auch nicht geschadet. Das ist
- 6:02:49ja kein Argument, wenn man eine Debatte
- 6:02:51beendet, ein Problem, bevor man es
- 6:02:52erfasst hat. Und es gibt im Übrigen, es
- 6:02:55ist im Übrigen keine Schande, dass man
- 6:02:57für mehr Bildung demonstriert. Es ist
- 6:02:58eine Schande, dass man angesichts der
- 6:03:00Pisa-Ergebnisse es überhaupt machen muss
- 6:03:01in diesem Land. Denn eine Gesellschaft,
- 6:03:04die nicht mehr das Ziel hat, für ihre
- 6:03:05Nachkommen eine bessere Zukunft zu
- 6:03:07schaffen, ist eine gescheiterte
- 6:03:09Gesellschaft. Und meine Damen und
- 6:03:10Herren, zu den Geschehnissen rund um die
- 6:03:12Demonstration gehören auch klare Worte.
- 6:03:14Wer Einsatzkräfte angreift, wer Läden
- 6:03:16plündert, begeht Straftaten, das muss
- 6:03:18verfolgt werden, so einfach ist es.
- 6:03:20Unsere Rettungskräfte und Einsatzkräfte
- 6:03:21verdienen unseren Dank und unsere volle
- 6:03:23Solidarität, weil sie am Ende diejenigen
- 6:03:26sind, die unser Grundgesetz hochhalten,
- 6:03:28für Sicherheit sorgen und überhaupt
- 6:03:29solche Demonstrationen erst ermöglichen.
- 6:03:32Und egal, wer im Zuge solcher
- 6:03:33Demonstrationen Straftaten begeht,
- 6:03:35gehört klar wie Straftat dort nicht zu
- 6:03:36suchen. Das ist selbstverständlich, um
- 6:03:38die Bevölkerung zu schützen, um die
- 6:03:40Polizisten zu schützen, aber auch um die
- 6:03:42Anliegen dieser großen friedlichen
- 6:03:44Mehrheit zu schützen.
- 6:03:46Und
- 6:03:47als ehemaliger Lehrer möchte ich auch
- 6:03:48mal betonen,
- 6:03:50wenn einer in der Klasse sich daneben
- 6:03:51benimmt, gebe ich doch nicht der ganzen
- 6:03:53Klasse einen Verweis oder sorgt dafür,
- 6:03:54dass für alle die Klassenfahrt ausfällt.
- 6:03:55Das würde niemals einer in der Realität
- 6:03:57machen und deswegen haben wir und auch
- 6:04:00die Medien eine Verantwortung.
- 6:04:02Und da habe ich bei so mancher
- 6:04:03Berichterstattung mich schon gefragt,
- 6:04:05will man bewusst dafür sorgen, dass
- 6:04:06solche Chaoten gefördert werden, dass
- 6:04:08jegliche Forderung, jeglicher Protest,
- 6:04:10jegliches Engagement im Sande verlaufen.
- 6:04:12Meine Damen und Herren, es ist an uns
- 6:04:13diejenigen, die von ihrem demokratischen
- 6:04:15Grundrecht friedlich Gebrauch machen, zu
- 6:04:17stärken.
- 6:04:18Und jetzt zu einem Kern der wichtigsten
- 6:04:20Forderungen auch aus meiner Sicht,
- 6:04:21nämlich das Thema Bildung. Darüber muss
- 6:04:23man reden. Und deswegen kann ich mich
- 6:04:24der Forderung unserer stellvertretenden
- 6:04:26Fraktionsvorsitzenden Dagmar Schmidt nur
- 6:04:27anschließen. Wir brauchen einen
- 6:04:28Bildungsgipfel und wir brauchen ihn so
- 6:04:30schnell wie möglich. Und auf dem Gipfel
- 6:04:32muss es um konkrete Projekte und
- 6:04:34Visionen gehen. Dafür brauchen wir alle,
- 6:04:35Bund, Länder, Kommunen und auch
- 6:04:37diejenigen, die gerade auf der Straße
- 6:04:38sind. Wir als SPD-Bundestagsfraktion
- 6:04:40werden diese Leute auch einladen, mit
- 6:04:42ihnen ins Gespräch kommen. Und um mal
- 6:04:43ein wenig aufzuzeigen, wie so eine
- 6:04:45Vision aussehen kann, Frau Prien, im
- 6:04:46Vergleich zu Schülern, dürfen Sie jetzt
- 6:04:48gerne mitschreiben.
- 6:04:49Um mal aufzuzeigen, will ich eine
- 6:04:51Erfahrung teilen aus meiner Schulzeit.
- 6:04:53Wir haben in meinem Referendariat
- 6:04:54Klassen an dem Hauptfach geteilt, also
- 6:04:56halbiert, weil wir genug Klassen
- 6:04:57brauchten für die Ausbildung. Und fast
- 6:04:59alle Schülerinnen und Schüler wurden
- 6:05:01besser. Nicht, weil meine Kollegin und
- 6:05:02ich damals schon so tolle Lehrkräfte
- 6:05:04waren, sondern weil wir endlich den
- 6:05:05Schülerinnen und Schülern gerecht werden
- 6:05:07konnten, insbesondere die unterstützen
- 6:05:09konnten, die es am meisten brauchen.
- 6:05:10Warum können wir nicht allen Kindern
- 6:05:12ermöglichen, tun wir doch alles dafür,
- 6:05:14dass wir in 10 Jahren jede Klasse
- 6:05:16zumindest in Hauptfächern teilen können.
- 6:05:18Das wäre ein echter Booster für
- 6:05:20Bildungsgerechtigkeit, meine sehr
- 6:05:21verehrten Damen und Herren.
- 6:05:24Und das schafft man
- 6:05:25und das schafft man nicht nur vormittags
- 6:05:27und in Verbindung damit, die Ministerin
- 6:05:28hat es richtig erwähnt, haben wir diesen
- 6:05:30Rechtsanspruch für Ganztag geschaffen.
- 6:05:32Dieser Ganztag ist dafür da, um
- 6:05:33Gerechtigkeiten abzubauen. Und ich bin
- 6:05:35viel bei mir daheim unterwegs und ich
- 6:05:37weiß, es ist für viele Kommunen eine
- 6:05:38eine Herausforderung. Aber er ist so
- 6:05:40wichtig, weil er private Ungleichheit in
- 6:05:42unseren öffentlichen holt, in die
- 6:05:44Schule. Nur dort können die ungleichen
- 6:05:46Elternhäuser ausgeglichen werden, indem
- 6:05:48die Schülerinnen und Schüler beim Üben
- 6:05:49und Lernen Unterstützung erhalten.
- 6:05:51Deshalb brauchen wir den ganzen Tag
- 6:05:52massiv und wir brauchen ihn
- 6:05:53perspektivisch für alle, meine sehr
- 6:05:55verehrten Damen und Herren.
- 6:05:57Zum Schluss, meine
- 6:05:59Generation hat gezeigt, was der Kern
- 6:06:01unserer Demokratie ist.
- 6:06:03Sie mischen sich ein, sie formulieren
- 6:06:05Forderungen und sie suchen jetzt dafür
- 6:06:07Mehrheiten. Jetzt liegt es an uns.
- 6:06:09Wollen wir diese hochpolitisierten
- 6:06:11jungen Menschen
- 6:06:12ernst nehmen oder abwiegeln? Wollen wir
- 6:06:14sie ermutigen oder abschrecken? Wollen
- 6:06:16wir sie für unsere Demokratie gewinnen
- 6:06:18oder verlieren? Um es mit den Worten der
- 6:06:19Gen Z zu sagen, wir haben eine große
- 6:06:21Verantwortung, wir dürfen das nicht
- 6:06:22fällen, also müssen wir es dürfen wir es
- 6:06:24nicht tun. Vielen Dank.
- 6:06:27Vielen Dank.
- 6:06:28[applaus]
- 6:06:29Die nächste Rednerin ist Maike Reschke
- 6:06:31für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.
- 6:06:34[applaus]
- 6:06:40Sehr geehrter Herr Präsident, meine
- 6:06:42Damen und Herren, ich kann mir
- 6:06:44vorstellen, dass Herr Merz jetzt ganz
- 6:06:46schön enttäuscht ist. Tagelang hat er
- 6:06:48vor den Ausschreitungen gewarnt, doch
- 6:06:50was wir am Samstag erlebt haben in über
- 6:06:5230 Städten in Deutschland, sind über
- 6:06:54120.000 Jugendliche, die friedlich
- 6:06:57demonstriert haben. Die Jugend ist
- 6:06:59eingestanden für Bildung, für
- 6:07:01Klimaschutz und für ein bezahlbares
- 6:07:02Leben. Doch vor den Protesten und auch
- 6:07:05jetzt hier in der Runde wird kaum über
- 6:07:06ihre Forderungen gesprochen, sondern
- 6:07:08vielmehr darüber, ob der Protest
- 6:07:09überhaupt legitim ist. Und ich kann
- 6:07:11Ihnen sagen, er ist legitim. Und wer
- 6:07:14jetzt noch über Holzpaletten vor
- 6:07:16Scheiben redet, der hat nicht
- 6:07:18verstanden, worum es eigentlich geht.
- 6:07:20Rechtsextremismus, Unbezahlbarkeit,
- 6:07:22Klimakrise, das erschwert jungen Leuten
- 6:07:25gerade eine lebenswerte Zukunft zu
- 6:07:27sehen. Und diese Bundesregierung, die
- 6:07:28hat mehr Angst vor brennenden Mülltonnen
- 6:07:31und zündet aber gleichzeitig unseren
- 6:07:32Planeten an. Das kann doch nicht sein.
- 6:07:36Meiner Generation wurde lange erzählt,
- 6:07:38wir seien politikverdrossen, wir seien
- 6:07:40desinteressiert, wir seien viel zu viel
- 6:07:42mit dem Handy beschäftigt. Aber die
- 6:07:44Jugend, die beweist Ihnen gerade das
- 6:07:46Gegenteil. Sie ist nicht das Problem in
- 6:07:48unser Demokratie.
- 6:07:50Viele sitzen in Schulen, in denen es von
- 6:07:52der Decke tropft, der Unterricht fällt
- 6:07:54aus, weil keine Lehrkräfte vorhanden
- 6:07:56sind. Viele ackern in zwei Minijobs
- 6:07:59neben dem Studium, obwohl die Miete die
- 6:08:01ganze Zeit teurer wird. Es bleibt ihnen
- 6:08:02nichts anderes übrig. Viele kämpfen mit
- 6:08:05psychischen Belastungen und warten dann
- 6:08:0712 Monate auf einen Therapieplatz. Und
- 6:08:10ihnen fällt nichts Besseres ein, als die
- 6:08:12psychosoziale Versorgung zu kürzen, das
- 6:08:14Wohngeld zu kürzen und beim Klimaschutz
- 6:08:17Rückschritte zu machen. Sie erhöhen das
- 6:08:19Deutschlandticket, sie werfen
- 6:08:20Fluggesellschaften Steuergeldern
- 6:08:22hinterher. Und die Kanzleramtschefin hat
- 6:08:25gesagt, die Bundesregierung würde auf
- 6:08:28dem Wohnungsmarkt äh die Probleme lösen,
- 6:08:31die die jungen Leute haben. Sie führt
- 6:08:32dabei den Gebäudetyp E an oder den
- 6:08:34Bauturbo. Aber das regiert nicht die
- 6:08:37Problemleute äh die Probleme der jungen
- 6:08:39Menschen auf dem Wohnungsmarkt. Die Wohn
- 6:08:41äh die Wahrheit ist doch, dass mehr
- 6:08:42Wohnungen und Geschenke an die
- 6:08:43Immobilienlobby nicht automatisch dazu
- 6:08:45führen, dass es auch bezahlbare
- 6:08:47Wohnungen für junge Leute gibt. Dafür
- 6:08:48müssten Sie richtige Mietensregulierung
- 6:08:50auf den Weg bringen und da sind Sie
- 6:08:52blank.
- 6:08:54Die [applaus][jubel] Gen Z, die wünscht
- 6:08:56sich das, was für viele Boomer auch in
- 6:08:59diesem Raum lange selbstverständlich
- 6:09:00war. Sichere Arbeitsplätze, ausreichend
- 6:09:03Jugendklubs,
- 6:09:05mehr Geld für auch mal Urlaub und die
- 6:09:07Möglichkeit, an Kultur teilzunehmen. Wir
- 6:09:10müssen allerdings ernüchternd
- 6:09:12feststellen, diese Bundesregierung, die
- 6:09:14regiert nicht.
- 6:09:16Und vielleicht liegt auch genau da das
- 6:09:17Problem. Die unter 30-Jährigen, ich
- 6:09:20zähle dazu, ist eine Wählergruppe, die
- 6:09:21nicht mal 13 % ausmacht. Die über
- 6:09:2460-Jährigen hingegen sind eine Gruppe
- 6:09:26von über 40 %. Und da ist es natürlich
- 6:09:28bequem, Politik für die eigenen Leute zu
- 6:09:31machen, für die Wählerschaft, um
- 6:09:32wiedergewählt zu werden. Aber diese
- 6:09:34Regierung, und ich finde, die Aufgabe
- 6:09:35einer Regierung ist es, Politik für alle
- 6:09:37Menschen zu machen. Und das meint eben
- 6:09:39junge Menschen auch mit. Wir sind die
- 6:09:41jenigen, die am längsten [applaus] mit
- 6:09:43den Entscheidungen leben müssen, die
- 6:09:44diese Regierung trifft. Und Und sagen
- 6:09:46wir Grüne auch klar, wir sind für ein
- 6:09:48Wahlalter 16 auch bei Bundestagswahlen.
- 6:09:52[applaus]
- 6:09:53Und wenn Parteien und Parlamente die
- 6:09:55Anliegen einer ganzen Renagration nicht
- 6:09:57ernst nehmen, dann haben wir ein
- 6:09:58Problem. Diese Generation sucht sich
- 6:10:00dann andere Wege und das haben wir am
- 6:10:01Samstag gesehen. Die Verantwortung liegt
- 6:10:03dafür auch in diesem Haus und deswegen
- 6:10:06müssen wir endlich anfangen, die Türen
- 6:10:08zu öffnen, statt die Fenster zu
- 6:10:09verschanzen.
- 6:10:11Wie man mit einer Generation allerdings
- 6:10:12nicht umgeht, das hat unser
- 6:10:14Innenminister vorgeführt, bestens
- 6:10:16vorgeführt. Herr Innenminister Dobrindt
- 6:10:18hat sich nicht mit den Forderungen der
- 6:10:20Generation auseinandergesetzt, aber
- 6:10:22direkt von einem vermeintlich
- 6:10:24migrantischen Milieu gesprochen, von
- 6:10:26Chaoten aus dem migrantischen Milieu.
- 6:10:28Aber ich frage mich wirklich, was ist
- 6:10:30denn das migrantische Milieu? Fast ein
- 6:10:32Drittel der Menschen in Deutschland hat
- 6:10:34eine Migrationsgeschichte und ich finde,
- 6:10:36es ist einem deutschen Innenminister
- 6:10:38schlicht und ergreifend ganz unwürdig,
- 6:10:40Menschen einfach rassistisch zu
- 6:10:41pauschalisieren und das ist es, was wir
- 6:10:43von ihm gehört haben. Sie urteilen über
- 6:10:46Menschen einfach nach dem Aussehen, sie
- 6:10:48bedienen sich einer Sprache, die vor
- 6:10:50allen Dingen von den Rechtsextremen
- 6:10:51verwendet wird und ich finde, das sollte
- 6:10:53Ihnen zu denken geben. Sie sind ein
- 6:10:55erfahrener Politiker. Worte sind Ihr
- 6:10:58Werkzeug und auch Ihr Handwerk und ich
- 6:11:00finde, da können wir als Parlament, als
- 6:11:02Gesellschaft erwarten, dass Sie verdammt
- 6:11:03noch mal behutsam mit Ihren Worten
- 6:11:05umgehen.
- 6:11:06Und an die jungen Menschen da draußen
- 6:11:09will ich sagen,
- 6:11:11bitte bleibt laut, bleibt dran und lasst
- 6:11:13euch von diesen Worten nicht
- 6:11:15einschüchtern. Wenn die verdrehte
- 6:11:17Debatte im Vorfeld der Proteste eins
- 6:11:19gezeigt hat, dann ist es, dass Ihr
- 6:11:22richtig liegt mit Ihren Forderungen. Die
- 6:11:23Bundesregierung hat erkannt, dass Ihr
- 6:11:25gemerkt habt, dass Sie keinerlei
- 6:11:27Antworten auf die Fragen der jungen
- 6:11:28Generation bietet, auf die Zukunft
- 6:11:30bietet und ich finde, die Ausführungen
- 6:11:32von Frau Prien, die haben auch bestens
- 6:11:33bewiesen, dass auf diese Forderungen
- 6:11:35nicht ausreichend eingegangen werden.
- 6:11:37Wir brauchen euch weiterhin auf der
- 6:11:38Straße. Am 20.11. sehen wir uns und ich
- 6:11:42muss auch sagen, dass ich das nicht in
- 6:11:44Ordnung finde, wenn man im Vorfeld aus
- 6:11:45Hessen heraus davor warnt, ob diese
- 6:11:47Proteste überhaupt stattfinden können.
- 6:11:48Das geht gar nicht. Vielen Dank.
- 6:11:50Vielen Dank.
- 6:11:52[applaus]
- 6:11:52Als nächste
- 6:11:53spricht Wolfgang Daler für die
- 6:11:55Unionsfraktion.
- 6:11:57[applaus]
- 6:12:03Sehr geehrter Herr Präsident, sehr
- 6:12:05geehrte Frau Ministerin, sehr geehrte
- 6:12:07Kolleginnen und Kollegen.
- 6:12:10Zwei Reden
- 6:12:11von Linken und Grünen, die auf die
- 6:12:14entsprechenden Parteitage der der der
- 6:12:16Jugend der Parteien gepasst haben. Aber
- 6:12:19so richtig gesagt haben sie nichts.
- 6:12:22Junge Menschen sollen kritisch sein, sie
- 6:12:24sollen hinterfragen, Forderungen
- 6:12:25stellen, auch unbequem sein dürfen. Und
- 6:12:28wenn die Jugendlichen, die Gen Z auf die
- 6:12:30Straße geht, dann ist das einfach ein
- 6:12:32Ausdruck einer unserer Demokratie,
- 6:12:34unserer lebendigen Demokratie. Denn eine
- 6:12:36Jugend, die sich einmischt, ist mir
- 6:12:38deutlich lieber als eine,
- 6:12:41der ihre Zukunft komplett egal ist.
- 6:12:44Den Titel der aktuellen Stunde möchte
- 6:12:46ich einmal von hinten nach vorne
- 6:12:47durchgehen. Erstens, mögliche
- 6:12:50Polizeiübergriffe aufklären. Und hier
- 6:12:52zeigt sich, was Union und Linke und ich
- 6:12:54nach der Rede von den Grünen vielleicht
- 6:12:56auch die Grünen unterscheidet, deutlich
- 6:12:58im Denken trennt. Wir wir stehen hinter
- 6:13:01unserer Polizei. Wir zollen den
- 6:13:03Polizistinnen und Polizisten Respekt da
- 6:13:05dafür, dass sie Menschen und Eigentum
- 6:13:07schützen und dafür sorgen, dass
- 6:13:09friedliche Demonstranten einfach
- 6:13:11demonstrieren können.
- 6:13:14Und
- 6:13:15das sind übrigens selbst häufig junge
- 6:13:17Frauen und Männer unter 30.
- 6:13:20Die Polizisten sind auch Gen Z.
- 6:13:23Und wir schwarz trainieren nicht in
- 6:13:25Überschriften von möglichem
- 6:13:26Fehlverhalten. Natürlich gilt, wenn es
- 6:13:29zu Fehlverhalten bei der Polizei kommt,
- 6:13:31muss das aufgeklärt werden. Dafür gibt
- 6:13:32es einen Rechtsstaat.
- 6:13:34Aber ich finde es bemerkenswert, dass
- 6:13:36die Linke mögliche Polizeiübergriffe in
- 6:13:39den Mittelpunkt stellt und nicht die
- 6:13:41Polizisten, die eingegriffen und
- 6:13:43verletzt wurden.
- 6:13:44Unsere Polizisten machen die
- 6:13:45Demonstration erst möglich und schützen
- 6:13:48die Demonstranten.
- 6:13:49Zweitens,
- 6:13:51keine Kriminalisierung von Jugendlichen.
- 6:13:54[applaus] Da frage ich mich schon, wer
- 6:13:55kriminalisiert denn hier Jugendliche,
- 6:13:57die friedlich demonstrieren? Auch hier
- 6:13:59wird wieder alles in einen Topf
- 6:14:00geworfen. Wer friedlich demonstriert und
- 6:14:03für seine Zukunft auf die Straße geht,
- 6:14:05nimmt seine Rechte wahr, gesichert im
- 6:14:06Grundgesetz, und das ist gut so.
- 6:14:09Aber wer Scheiben einschlägt, Geschäfte
- 6:14:11plündert oder Polizisten Flaschen oder
- 6:14:13Böllern beworfen und verletzt, der wird
- 6:14:15nicht kriminalisiert.
- 6:14:16Der begeht schlicht Straftaten und ist
- 6:14:19im normalen Straf Sprachgebrauch ein
- 6:14:21Krimineller.
- 6:14:22Und dafür müssen die Personen zur
- 6:14:23Verantwortung gezogen werden. Dafür gibt
- 6:14:26es einen Rechtsstaat.
- 6:14:27Wir sollten friedlich demonstrierende
- 6:14:29Jugendliche nicht mit denen in einen
- 6:14:31Topf werfen, die Gewalt ausüben.
- 6:14:33Und drittens, die Forderungen der GenZ
- 6:14:35ernst nehmen. Ein eindeutiges Ja dazu.
- 6:14:38Die Forderungen müssen wir ernst nehmen.
- 6:14:41Genau mit dieser Altersgruppe führe ich
- 6:14:43und viele von uns im Wahlkreis mit
- 6:14:45Schülerinnen und Schülern, mit der
- 6:14:46Landjugend, mit unseren Vereinen, mit
- 6:14:48Jugendverbänden und vielen mehr
- 6:14:49Gespräche.
- 6:14:50Hier in Berlin sind wir ständig im
- 6:14:52Austausch mit Schulklassen
- 6:14:54oder beispielsweise mit der
- 6:14:55Jugend-Enquete-Kommission.
- 6:14:57Und ja, es bleibt eine andauernde
- 6:15:00Aufgabe, Jugendlichen, die auch übrigens
- 6:15:02sehr vielfältig sind und sehr
- 6:15:04vielfältige Ideen haben, noch mehr
- 6:15:06zuzuhören und noch besser zu verstehen,
- 6:15:08was junge Menschen beschäftigt.
- 6:15:11Denn uns allen ist doch bewusst, dass
- 6:15:12die Herausforderungen groß sind.
- 6:15:14Bildung, bezahlbares Wohnen, Mobilität,
- 6:15:17der Einstieg ins Berufsleben,
- 6:15:19Klimawandel, die Veränderung durch
- 6:15:20künstliche Intelligenz, die Frage nach
- 6:15:22Krieg und Frieden.
- 6:15:24Alles richtig.
- 6:15:26Und wir haben eine Zeit, in der wir sehr
- 6:15:29viele hintereinander folgende Krisen
- 6:15:31haben. Auch das belastet.
- 6:15:33Und aufgrund der demografischen
- 6:15:35Entwicklung müssen weniger junge
- 6:15:36Menschen für immer mehr ältere Menschen
- 6:15:38Verantwortung mittragen bei der Rente,
- 6:15:40der Pflege und Gesundheitssystem.
- 6:15:42Deshalb müssen wir jetzt diese Systeme
- 6:15:44reformieren für die Jugend.
- 6:15:46Und wir müssen dafür sorgen, dass junge
- 6:15:48Menschen eine Perspektive für ihr Leben
- 6:15:50haben.
- 6:15:51Dazu gehört besonders die Bildung.
- 6:15:53Und natürlich müssen wir dort
- 6:15:55weiterdenken. Wir machen das im Moment
- 6:15:58ganz aktuell mit dem
- 6:15:59Startchancen-Qualitätsentwicklungsgesetz.
- 6:16:01Und ja, wir müssen auch überlegen, wie
- 6:16:03wir den Rechtsanspruch weiterentwickeln
- 6:16:05können. Aber hören Sie doch bitte mit
- 6:16:07dem Narrativ auf, dass es in allen
- 6:16:09Schulen ganz schlecht ist, dass es
- 6:16:10überall durch die Decke tropft. Das
- 6:16:12stimmt einfach nicht. Unsere Kommunen
- 6:16:14leisten hier großartige Arbeit und
- 6:16:16halten die Schulen instand.
- 6:16:18Und wir brauchen, auch wenn es der
- 6:16:19Linken wehtut, wir brauchen eine starke
- 6:16:21Wirtschaft, damit junge Menschen gute
- 6:16:23Ausbildungs- und Arbeitsplätze finden,
- 6:16:25denn das ist einer der besten
- 6:16:27Zukunftsperspektiven für junge Menschen.
- 6:16:30Aber eines eines gehört zum Schluss auch
- 6:16:31dazu. Zuhören, miteinander sprechen und
- 6:16:34diskutieren bedeutet nicht, dass wir
- 6:16:36jede Forderung erfüllen können und
- 6:16:39erfüllen werden. Aber wir müssen wir
- 6:16:41müssen diese Anliegen ernst nehmen und
- 6:16:43immer wieder auch uns überprüfen, ob
- 6:16:45unsere Antworten die richtigen Antworten
- 6:16:47sind.
- 6:16:48Eine Jugend, die sich einmischt, ist mir
- 6:16:50lieber als eine, der ihre Zukunft egal
- 6:16:52ist. Deswegen, Chance Z, tretet für eure
- 6:16:55Anliegen ein, geht dafür auch auf die
- 6:16:58Straße, gern laut, aber friedlich,
- 6:17:00respektvoll und lasst euch in eure
- 6:17:02Demonstrationen nicht von Chaoten,
- 6:17:04Gewalttätern oder Straftätern kapern.
- 6:17:07Vielen Dank.
- 6:17:07Vielen Dank.
- 6:17:10Als Nächstes spricht
- 6:17:12Dr. Anna Ratat für die AfD-Fraktion.
- 6:17:15[applaus]
- 6:17:20[applaus]
- 6:17:42Herr Präsident, meine sehr geehrten
- 6:17:44Damen und Herren,
- 6:17:45die Linke möchte heute mit uns über die
- 6:17:47Forderungen der Generation Z sprechen,
- 6:17:49über bessere Bildung, bezahlbares Wohnen
- 6:17:52und mögliche Polizeieinsätze.
- 6:17:54Meine Damen und Herren von den Linken,
- 6:17:56Sie haben offenbar ein ganz anderes
- 6:17:58Wochenende erlebt als der Rest der
- 6:18:00Republik.
- 6:18:01Es gab brennende Barrikaden, geplünderte
- 6:18:03Geschäfte, zertrümmerte Schaufenster und
- 6:18:05massive Angriffe auf unsere Polizei.
- 6:18:09Die berechtigten Forderungen der jungen
- 6:18:10Generation traten dahinter völlig
- 6:18:13zurück.
- 6:18:14Das ist auch kein jugendlicher Übermut
- 6:18:15gewesen, das waren Szenen des
- 6:18:18Straßenterrors.
- 6:18:20Und die Linke
- 6:18:22und die Linke möchte heute vor allem
- 6:18:25über die Polizei sprechen.
- 6:18:27Dabei hatte der Verfassungsschutz, jetzt
- 6:18:29war er ausnahmsweise mal da, wenn man
- 6:18:31ihn tatsächlich brauchte, bereits im
- 6:18:33Vorfeld vor der Mobilisierung durch
- 6:18:35linksextremistische Organisationen und
- 6:18:38extremistische Gruppen mit Auslandsbezug
- 6:18:40gewarnt.
- 6:18:41Und der hessische CDU-Innenminister
- 6:18:44berichtete von Linksextremisten und
- 6:18:46gewaltorientierten Jugendlichen,
- 6:18:48größtenteils mit Migrationshintergrund.
- 6:18:51So wie letztes Wochenende in Frankfurt
- 6:18:53sieht also Sicherheit aus, wenn die CDU
- 6:18:55Verantwortung trägt.
- 6:18:59Meine Damen und Herren, seit 2015 haben
- 6:19:02wir als AfD vor den Folgen einer
- 6:19:04unkontrollierten Masseneinwanderung ohne
- 6:19:07ausreichende Integration und
- 6:19:08Identifikation mit Deutschland gewarnt.
- 6:19:11Unsere Warnungen wurden ignoriert.
- 6:19:15Unsere Kritik wurde diffamiert. Seit
- 6:19:17Jahren sehen wir in Frankreich die
- 6:19:19gescheiterte Integration und
- 6:19:21gewaltbereite extremistische Milieus
- 6:19:23schwere gesellschaftliche Konflikte
- 6:19:25hervorbringen. Und jetzt erleben wir
- 6:19:28ähnliche Gewaltszenen in deutschen
- 6:19:30Innenstädten. Die linksextremistische
- 6:19:32Szene fusioniert geradezu mit
- 6:19:34migrantischen Milieus,
- 6:19:36um den Umbau der Gesellschaft
- 6:19:38voranzutreiben nach ihren Vorstellungen.
- 6:19:41Und wer hat diese Einwanderungspolitik
- 6:19:43zu verantworten? Die CDU unter Angela
- 6:19:46Merkel fortgeführt von Friedrich Merz.
- 6:19:49Wenn ich heute
- 6:19:51wenn ich heute in ihre Reihen schaue,
- 6:19:54sehe ich die politisch Verantwortlichen
- 6:19:56für eine gesellschaftliche und
- 6:19:58sicherheitspolitische Katastrophe.
- 6:20:01Und die Linke versucht die Gewalt des
- 6:20:04vergangenen Wochenendes hinter den
- 6:20:06berechtigten Forderungen friedlicher
- 6:20:08Demonstranten der jungen Generation
- 6:20:10verschwinden zu lassen, aber das ist ein
- 6:20:13politisches Ablenkungsmanöver.
- 6:20:16Verehrte Bürger, ich möchte mich heute
- 6:20:18mal an Sie persönlich wenden.
- 6:20:21Viele von ihnen haben der CDU ihre
- 6:20:23Stimme gegeben und ich bin überzeugt,
- 6:20:25dass dass Sie das nicht getan haben,
- 6:20:27weil sie wollten,
- 6:20:29dass gewalttätige Gruppen deutsche
- 6:20:31Innenstädte verwüsten.
- 6:20:33Sie haben die CDU gewählt, weil sie eine
- 6:20:35konservative bürgerliche Politik
- 6:20:36wollten, weil sie darauf vertraut haben,
- 6:20:38dass die Partei, die sie schon so lange
- 6:20:41zu kennen glaubten, für ihre Sicherheit,
- 6:20:43für Ordnung und für die Zukunft ihrer
- 6:20:46Kinder einsteht.
- 6:20:47Sie konnten sich vermutlich nicht
- 6:20:49vorstellen, dass die CDU sich über
- 6:20:51Jahrzehnte immer weiter
- 6:20:54linker Politik anpassen und ihnen
- 6:20:57schließlich die Politik verweigern
- 6:20:59würde, für die sie sie gewählt haben.
- 6:21:03Und mit Friedrich Merz an der Spitze
- 6:21:05wird sich daran nichts ändern.
- 6:21:07Die CDU hat sich hinter ihrer Brandmauer
- 6:21:09eingemauert und davon könnte am Ende das
- 6:21:12linke Lager profitieren.
- 6:21:15Deshalb möchte ich Ihnen etwas Wichtiges
- 6:21:16sagen.
- 6:21:18Deutschland steht vor einer
- 6:21:19grundlegenden Richtungsentscheidung
- 6:21:21zwischen einem linken politischen Lager,
- 6:21:25dessen Politik die CDU immer wieder
- 6:21:26ermöglicht, und einem bürgerlich
- 6:21:28konservativen Lager,
- 6:21:30das allein von der Alternative für
- 6:21:33Deutschland vertreten wird.
- 6:21:36Verehrte Bürger, das
- 6:21:38vergangene Wochenende hat uns gezeigt,
- 6:21:40dass die Zeit für parteipolitischen
- 6:21:42Popanz und individuellen individuelle
- 6:21:45Eitelkeiten einzelner Politiker vorbei
- 6:21:47ist. Es geht jetzt um die echte Sorge um
- 6:21:50unser Vaterland
- 6:21:52und um Sie.
- 6:21:54Um ihre Sicherheit,
- 6:21:56um gute Bildung,
- 6:21:58um [applaus] Entlastung von Familien,
- 6:21:59bezahlbare Energie und bezahlbaren
- 6:22:01Wohnraum, vielleicht sogar um den Erwerb
- 6:22:03von Eigenheim
- 6:22:05und um eine gesunde, starke Wirtschaft.
- 6:22:08Um all das, wofür bürgerliche Politik
- 6:22:10einmal stand und wofür wir heute als AfD
- 6:22:14ganz alleine eintreten.
- 6:22:18Erlauben Sie Frau Frau Dr. Rater,
- 6:22:20erlauben Sie eine Zwischenfrage des
- 6:22:22Abgeordneten Chrupalla von der
- 6:22:23Sozialdemokratie.
- 6:22:25Jetzt nicht. Nicht die Regierung, nicht
- 6:22:27die Parteien, Sie sind der Souverän.
- 6:22:30Und Sie entscheiden, in welchem
- 6:22:31Deutschland Sie selbst und Ihre Kinder
- 6:22:33künftig leben wollen, wer Deutschland
- 6:22:36zukünftig führen soll.
- 6:22:38Der linke Block hier von Linker, SPD,
- 6:22:41Grüner,
- 6:22:43der Deutschland hasst nach eigenem
- 6:22:45Bekunden und der sich die Mehrheiten
- 6:22:47dadurch verschaffen wird, dass die CDU
- 6:22:49ihnen einfach nicht die Stirn bietet
- 6:22:51oder das konservativ-bürgerliche Lager
- 6:22:53allein vertreten von der Alternative für
- 6:22:56Deutschland, die unser deutsches
- 6:22:58Vaterland liebt.
- 6:22:59Ähnlich wie in den USA gibt es nun auch
- 6:23:02in Deutschland nur noch zwei
- 6:23:03Möglichkeiten. Wer
- 6:23:05bürgerlich-konservativ will, also ein
- 6:23:06stabiles Deutschland, hat nur die AfD.
- 6:23:09Vielen Dank.
- 6:23:09Frau Rater.
- 6:23:13Für eine kurze Intervention erteile ich
- 6:23:14das Wort dem Abgeordneten Amon
- 6:23:16Chrupalla.
- 6:23:20Ja, herzlichen Dank, Herr Präsident,
- 6:23:21dass Sie die Kurze Intervention
- 6:23:23zulassen. Frau Kollegin,
- 6:23:26ich will Ihnen die Chance geben,
- 6:23:27durchaus vielleicht auch inhaltlich auch
- 6:23:29etwas zur Debatte beizutragen. Wir haben
- 6:23:31alle die Proteste erlebt. Die meisten
- 6:23:34jungen Menschen sind auf der Straße
- 6:23:35gegangen, hatten unterschiedliche
- 6:23:36Forderungen. Ich will vielleicht mal
- 6:23:37drei hier in dem Raum stellen und
- 6:23:40vielleicht kriegen Sie dann noch mal die
- 6:23:41Gelegenheit, konkret darauf anzuworten.
- 6:23:44Die meisten jungen Menschen machen sich
- 6:23:45Sorgen, dass der menschengemachte
- 6:23:48Klimawandel ihre Lebensgrundlage
- 6:23:50zerstören wird und dass wir ihnen eine
- 6:23:52Welt hinterlassen, in dem sie nicht mehr
- 6:23:54in Frieden, in Sicherheit und in
- 6:23:55Wohlstand leben können. In Ihrer Rede
- 6:23:58haben Sie kein einzigen Wort dazu
- 6:23:59gesagt, deswegen würde ich Sie bitten,
- 6:24:01gerne dazu Stellung zu nehmen, wie die
- 6:24:03AfD bedenkt, auf diese Themen
- 6:24:04einzugehen. Zweitens,
- 6:24:06die meisten Menschen machen sich
- 6:24:08Gedanken um das Thema Bezahlbarkeit,
- 6:24:09unter anderem bezahlbaren Wohnraum. Sie
- 6:24:11haben Frankfurt, meine Stadt, unsere
- 6:24:13Stadt angesprochen. Wenn Sie sich mal
- 6:24:15mit der Thematik auseinandergesetzt
- 6:24:17hätten, dann hätten Sie mitbekommen,
- 6:24:18dass die meisten Demonstrationen, die an
- 6:24:21dem Tag stattgefunden haben, friedlich
- 6:24:22waren, friedlich waren, bis dann abends
- 6:24:25eine ganz andere Gruppe aktiv geworden
- 6:24:27ist, was nichts mehr mit der
- 6:24:29Gen-Z-Demonstration zu tun hatte.
- 6:24:31Deswegen meine Frage konkret, was
- 6:24:33schlagen Sie vor für bezahlbaren
- 6:24:35Wohnraum in Großstädte wie Frankfurt am
- 6:24:37Main? Und drittens,
- 6:24:39das ist ein bisschen billig, ein
- 6:24:41bisschen zu billig, wenn man für alle
- 6:24:43möglichen Probleme der Welt immer wieder
- 6:24:45Menschen mit Migrationshintergrund
- 6:24:47verantwortlich macht. Das machen Sie
- 6:24:48seit Jahrzehnten. Einmal kann man damit
- 6:24:50durchkommen, zweimal kann man damit
- 6:24:52durchkommen, aber das ist langsam auch
- 6:24:54viel zu billig und vielleicht geben Sie
- 6:24:55ihm mal einfach nur den Hinweis.
- 6:24:58Wir haben, Sie haben Frankreich
- 6:24:59angesprochen, das gilt auch für
- 6:25:01Deutschland, inzwischen Menschen, die in
- 6:25:03zweiter, die in dritter, die in vierter
- 6:25:05Generation hier in Deutschland leben,
- 6:25:07die hier geboren sind, die hier
- 6:25:08aufgewachsen sind, die hier zur
- 6:25:10Gesellschaft gehören. Diese Menschen
- 6:25:12sind Teil der deutschen Gesellschaft und
- 6:25:14sie sollten endlich mal dafür auf damit
- 6:25:16aufhören, sie unter einen
- 6:25:17Generalverdacht zu stellen. Auch das
- 6:25:19sollten Sie sofort unterstellen, aber
- 6:25:21ich bin gespannt auf Ihre Antworten.
- 6:25:23Frau Roth, dann möchten Sie ja wieder.
- 6:25:26[applaus]
- 6:25:28Ja, ich möchte sehr gerne antworten.
- 6:25:30Ja, das waren also drei Fragen. Sie
- 6:25:32fragen nach Klima, nach Wohnraum, nach
- 6:25:34Migration. Klima.
- 6:25:36Aus meiner Sicht nehmen Sie das falsch
- 6:25:38wahr. Die junge Generation hat keine
- 6:25:40Angst vom Klimawandel. Die junge
- 6:25:42Generation hat Angst davor, abends
- 6:25:44alleine auf die Straße zu gehen. Die
- 6:25:46junge Generation hat Angst davor, in
- 6:25:48Deutschland keine wirtschaftliche
- 6:25:49Sicherheit mehr zu haben, in Deutschland
- 6:25:51keine gesicherten Arbeitsplätze mehr zu
- 6:25:53haben, in Deutschland keine Familie
- 6:25:54gründen zu können, in Deutschland keine
- 6:25:56vernünftige Bildung zu bekommen. Das ist
- 6:25:58richtig. Davor hat die junge Generation
- 6:26:00Angst. Sie hat Angst vor teurer Energie,
- 6:26:02die dadurch hervorgerufen wird, dass sie
- 6:26:04alle in einem Klima wahnsinnig und die
- 6:26:06Nuklearenergie abgeschafft haben in
- 6:26:08Deutschland, die stets für günstige und
- 6:26:11immer verfügbare Energie gesorgt hat.
- 6:26:13Davor hat die junge Generation Angst. So
- 6:26:16viel zum Thema Klima.
- 6:26:19Thema Wohnraum.
- 6:26:20Thema Wohnraum, sehr schöne Frage.
- 6:26:23Erstens, der Wohnraum wird vor allem
- 6:26:25deshalb reduziert, weil wir eine
- 6:26:26Massenmigration haben, eine ungeregelte
- 6:26:28Massenmigration seit 2015
- 6:26:32seit 2015 erstens. Zweitens, wenn die
- 6:26:35Linke tatsächlich damit durchkommt mit
- 6:26:37ihren Plänen, Berlin zu enteignen, in
- 6:26:39Berlin Wohnungen zu enteignen, dann wird
- 6:26:42es noch weniger Wohnraum geben. Sie
- 6:26:44haben es in der DDR, vielleicht können
- 6:26:45Sie sich noch gut daran erinnern, haben
- 6:26:46Sie gesehen, wie Wohnungen verfallen,
- 6:26:48wenn sie verstaatlicht werden.
- 6:26:50Wenn die Wohnung jetzt enteignet werden,
- 6:26:52müssen sie so viel so viel Geld zahlen,
- 6:26:55dass jährlich 670 Millionen Euro nur an
- 6:26:58Zinsen Zinszahlungen dazu kommen, die
- 6:27:01alle fehlen, Wohnraum zu bauen. Das ist
- 6:27:04das Problem, was den Wohnraum betrifft.
- 6:27:07Und was die Migration angeht und was die
- 6:27:10Herr Kollege, was die Migration angeht,
- 6:27:13Sie haben vollkommen Recht. Wir haben
- 6:27:14wunderbare Migranten. Ich komme aus
- 6:27:16Recklinghausen aus dem Ruhrgebiet. Viele
- 6:27:18dieser Migranten kommen zu uns, strömen
- 6:27:20in unsere Parteien, unseren in meinen
- 6:27:22Kreisverband, in unseren Landesverband,
- 6:27:24weil sie die Politik, die sie seit
- 6:27:26Jahrzehnten angerichtet haben, einfach
- 6:27:28nicht mehr ertragen können. Die wollen
- 6:27:31nicht, dass Sie unser schönes Land, das
- 6:27:34auch das Land der Migranten geworden
- 6:27:36ist, zerstören und nicht Sie Sie wollen
- 6:27:40nicht, dass Sie ihnen das Land
- 6:27:41wegnehmen, für das ihre Eltern
- 6:27:42eingewandert sind und deshalb sie
- 6:27:44überhaupt nach Deutschland gekommen
- 6:27:45sind. So so sieht's nämlich aus, das ist
- 6:27:47die Wahrheit.
- 6:27:48Vielen Dank. Wir setzen die Aussprache
- 6:27:50fort und der nächste Redner ist Holger
- 6:27:53Mann für die SPD-Fraktion.
- 6:27:56[applaus]
- 6:28:03Sehr geehrter Präsident, sehr geehrte
- 6:28:05Kolleginnen und Kollegen und lieber
- 6:28:07gerade junge Zuhörerinnen und Zuhörer.
- 6:28:10Was ist denn passiert? Ich wundere mich
- 6:28:12ein bisschen über die Debatte. Ich kenn
- 6:28:13hier inzwischen Rituale, dass
- 6:28:14insbesondere aus der AfD viele Vorwürfe
- 6:28:17gemacht werden in Richtung insbesondere
- 6:28:18der Linken und Grünen.
- 6:28:20Und ich muss aber auch sagen, ich hätte
- 6:28:21mir gehofft, dass wir stärker zu den
- 6:28:23Themen dieser Jugendlichen reden und vor
- 6:28:25allen Dingen zu Lösungsansätzen. Darüber
- 6:28:27habe ich von der AfD gar nichts gehört.
- 6:28:28Deswegen, was ist wirklich passiert?
- 6:28:31Am Samstag sind in mehr, in mehr als 30
- 6:28:33Städten zehntausende junge Menschen auf
- 6:28:36die Straße gegangen. Sie haben gegen
- 6:28:37marode Schulen demonstriert, gegen
- 6:28:39steigende Mieten, für eine sichere,
- 6:28:41lebenswerte Zukunft, ja, auch für
- 6:28:43Klimaschutz.
- 6:28:45Und die allerallermeisten, der ist ja
- 6:28:46über 100.000, haben dafür friedlich
- 6:28:48demonstriert. Das ist die erste und
- 6:28:50wichtigste Botschaft dieses Wochenendes.
- 6:28:54Eine andere, das will ich hier nicht
- 6:28:55verschweigen, es kam in einigen Städten
- 6:28:58zu Gewalt und das ist durch nichts zu
- 6:29:00rechtfertigen. Wer raubt oder
- 6:29:02Einsatzkräfte angreift, demonstriert
- 6:29:03nicht. Er begeht Straftaten, die mit
- 6:29:05allen rechtsstaatlichen Mitteln zu
- 6:29:07verfolgen sind. Wir stehen hinter
- 6:29:09unseren Polizisten und Polizisten, die
- 6:29:11auch ein Garant der Sicherung unserer
- 6:29:13freiheitlich demokratischen
- 6:29:14Rechtsordnung sind.
- 6:29:17Aber wichtig ist mir hier, das
- 6:29:18Versammlungsrecht gilt für alle, auch
- 6:29:21für Jugendliche, die Proteste machen,
- 6:29:24die einige nicht opportun finden. Ein
- 6:29:26pauschales Verbot von Demonstrationen am
- 6:29:29z.B. 20. November, wie sie jetzt in
- 6:29:32einzelnen Ländern erwogen werden,
- 6:29:35widerspricht unserer Verfassung.
- 6:29:38Und noch eins sei gesagt, und das
- 6:29:40abschließend zu der gerade erlebten
- 6:29:41Debatte, wer Täter benennt,
- 6:29:43soll nach ihren Verhalten fragen und
- 6:29:46nicht als erstes reflexhaft ihre
- 6:29:47Herkunft thematisieren. Die absolute
- 6:29:50Mehrheit auch der Festgenommenen in
- 6:29:52Frankfurt hat die deutsche
- 6:29:53Staatsbürgerschaft. Das sind junge
- 6:29:55Menschen aus unserem Land, Staatsbürger
- 6:29:57mit gleichen Rechten wie auch Pflichten.
- 6:30:00Und deshalb lassen Sie mich jetzt zum
- 6:30:02Wichtigsten der Proteste kommen, die
- 6:30:03Forderungen dieser Generation.
- 6:30:05Sie sind konkret, denn sie fußen auf
- 6:30:08realen Problemen. Die
- 6:30:09Lebenshaltungskosten steigen,
- 6:30:10bezahlbarer Wohnraum wird knapp, junge
- 6:30:12Menschen fragen sich, ob sie denn mit
- 6:30:13einer Ausbildung und Arbeit sich noch
- 6:30:15ein gutes und sicheres Leben leisten
- 6:30:17können.
- 6:30:18Und die Initiative GenZ regelt, fordert
- 6:30:21genau das, ein bezahlbares Leben. Sie
- 6:30:23fordert mehr Geld für Schulen, für
- 6:30:25Suchthilfe, für Psychotherapie statt
- 6:30:27weiterer Kürzungen. Und sie fordern auch
- 6:30:29konsequenten Klimaschutz und sorgen sich
- 6:30:32darum, dass eine Wehrpflicht kommt. Das
- 6:30:34sind alles legitime Anliegen und damit
- 6:30:36Fragen, denen wir uns stellen müssen.
- 6:30:39Meine Damen und Herren, wir haben hier
- 6:30:42gerade eine Debatte gehört, wo ich mir
- 6:30:43auch ein bisschen Sorge machte um unsere
- 6:30:45Kultur hier im Parlament, weil entgegen
- 6:30:46der Aussagen auch aus der Fraktion die
- 6:30:48Grünen habe ich unsere Bundesbildungs-
- 6:30:50und Jugendministerin gehört, wie sie zu
- 6:30:52diesen Forderungen Stellung nahm. Und
- 6:30:54auch der Redner, der zweitjüngste des
- 6:30:56Parlamentes aus meiner Fraktion, hat
- 6:30:58genau das thematisiert.
- 6:31:00Und ich glaube, wir müssen hier als
- 6:31:01Demokraten auch uns ernst nehmen in
- 6:31:03diesen Debatten und nicht nur Clips für
- 6:31:06Social Media produzieren.
- 6:31:07Frau Brien, ich erkenne ausdrücklich an,
- 6:31:10dass Sie darüber gesprochen haben und
- 6:31:11auch, dass Sie einen Dialog, einen
- 6:31:13Kinder- und Jugenddialog angekündigt
- 6:31:15haben. Unsere stellvertretende
- 6:31:16Fraktionsvorsitzende hat als eine
- 6:31:18Konsequenz der Proteste einen
- 6:31:19Bildungsgipfel von Bund, Ländern und
- 6:31:21Kommunen gefordert. Ich weiß, dass Sie
- 6:31:23in dieser Vergangenheit in Ihrer
- 6:31:24Vergangenheit
- 6:31:25in diesem Bereich gearbeitet haben. Sie
- 6:31:27könnten diesen als
- 6:31:28Bundesbildungsministerin einberufen.
- 6:31:31Unsere Unterstützung hätten Sie.
- 6:31:33Und wir können auch einiges als Bund
- 6:31:34tun. Ich will nur mal eins sagen, was
- 6:31:36wir gerade in Angriff nehmen. Wir
- 6:31:37brauchen eine Bafög-Novelle, die dazu
- 6:31:40führt, dass Azubis und Studierende sich
- 6:31:42mehr als ein WG-Zimmer leisten können.
- 6:31:44Das wollen wir und das wird dieses Jahr
- 6:31:46auch noch kommen.
- 6:31:48Aber wer Bildungschancen will, und wir
- 6:31:51wissen, dass die zumeist in den Ländern
- 6:31:53organisiert werden müssen, der muss sie
- 6:31:54auch finanzieren können. Und das sind
- 6:31:56Fragen, die meistens die
- 6:31:57Regierungsfraktionen zu klären haben.
- 6:31:59Deswegen, meine Damen und Herren, wollen
- 6:32:01wir eine Erbschaftssteuer, die reiche
- 6:32:04Erbschaften und Schenkungen stärker
- 6:32:07besteuert.
- 6:32:08Ich hoffe, dass wir hier einen Konsens
- 6:32:10finden. Appelliere auch an unseren
- 6:32:12Koalitionspartner, sich das nach dem
- 6:32:13Urteil des Bundesverfassungsgerichtes
- 6:32:15anzugucken. Das wäre aus Sicht ein
- 6:32:17fairer Generationenvertrag, diese Gelder
- 6:32:20in die Länder für Bildung zu
- 6:32:21investieren.
- 6:32:24Aber Bildung ist nur ein Teil, das hatte
- 6:32:25ich schon gesagt. Es geht um bezahlbaren
- 6:32:27Wohnraum, Stichwort junges Wohnen, wo
- 6:32:29wir auf dem Weg sind. Es geht um gute
- 6:32:31Arbeit, Stichwort, wir müssen mehr
- 6:32:32Ausbildungsplätze schaffen. Wir haben
- 6:32:34hier gerade Probleme und es geht um neue
- 6:32:37und lohnwerte Perspektiven für junge
- 6:32:39Menschen.
- 6:32:40Hier ist einiges zu tun und das ist in
- 6:32:42Tagen von knappen Finanzmitteln nicht
- 6:32:45einfach.
- 6:32:46Und ich glaube auch, wir haben uns als
- 6:32:47Koalition ein paar Chancen vergeben, zu
- 6:32:49erklären, was wir schon auf dem Weg
- 6:32:51gebracht haben, z.B. eine Frühstartrente
- 6:32:54statt der immer wieder diskutierten
- 6:32:55Rentenkürzung.
- 6:32:57Oder aber einen freiwilligen Wehrdienst
- 6:32:59statt der angeblich vorhandenen
- 6:33:00Wehrpflicht.
- 6:33:02Am 20. November soll wieder demonstriert
- 6:33:04werden. Meine Damen und Herren und wir
- 6:33:05Politikerinnen haben die Wahl. Wir
- 6:33:07können weiter über die Gewaltexzesse
- 6:33:09einzelner in dieser Nacht reden oder wir
- 6:33:11zeigen, dass wir die Interessen der
- 6:33:12Jugend gehört haben und ernst nehmen.
- 6:33:15Vielen Dank.
- 6:33:15Vielen Dank.
- 6:33:17[applaus]
- 6:33:18Niema Movassat spricht als Nächste für
- 6:33:20die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.
- 6:33:27Sehr geehrter Herr Präsident, sehr
- 6:33:29geehrte Kolleginnen, über 100.000 junge
- 6:33:32Menschen gehen auf die Straße, um für
- 6:33:34ihre Zukunft zu protestieren. Womit
- 6:33:37dominiert die Bundesregierung die
- 6:33:39Nachrichten? Es wird gesprochen von
- 6:33:41Chaoten aus dem Migrant äh migrantischen
- 6:33:44Milieu. Es wird von Gewaltexzessen
- 6:33:46linksradikaler Gruppen gesprochen. Dabei
- 6:33:49protestieren 99 % friedlich und wir
- 6:33:51müssen uns hier minutenlang irgendwelche
- 6:33:54äh Vorträge über die Polizei anhören,
- 6:33:57aber es wird nicht über die Inhalte und
- 6:33:59die Forderungen der Jugend gesprochen
- 6:34:01und das geht gar nicht. Das ist
- 6:34:03rassistisch, das sind Ablenkungsdebatten
- 6:34:06und es kann doch nicht sein, dass wir
- 6:34:08immer hier in diesem Haus darüber reden,
- 6:34:10was läuft falsch bei der Jugend, was
- 6:34:13läuft denn eigentlich bei uns
- 6:34:14Erwachsenen falsch, dass wir der Jugend
- 6:34:17eine solche Welt hinterlassen, dass
- 6:34:19nicht nur in Deutschland, sondern
- 6:34:21weltweit gerade diese Generation auf die
- 6:34:24Straße geht und teilweise ganze
- 6:34:25Regierung zu Fall bringt. So, Bildung.
- 6:34:28Die Ausgaben in Deutschland für Bildung
- 6:34:30im Vergleich zu vielen anderen
- 6:34:32Industrienationen viel zu gering. Die
- 6:34:35soziale Herkunft entscheidet in
- 6:34:37Deutschland wie in kaum einem anderen
- 6:34:39Land über den Bildungserfolg. So, das
- 6:34:41geht nicht. Wir haben viel zu viele
- 6:34:44Schülerinnen und Schüler in überfüllten
- 6:34:46Klassen und wir müssen doch jetzt mal
- 6:34:47wirklich dazu kommen, die Schulen zu
- 6:34:49sanieren, mehr Lehrkräfte einzustellen,
- 6:34:51mehr gemeinsames Lernen, statt schon
- 6:34:54ganz früh Kinder zu einzusortieren in
- 6:34:57ein Dreiklassensystem in den Schulen.
- 6:35:00So, und
- 6:35:01wie kann es sein, dass viele Kinder aus
- 6:35:03armutsbetroffenen Familien in Schulen
- 6:35:06sitzen mit Hunger? Mit Hunger kann man
- 6:35:08nicht vernünftig lernen. Es sollte doch
- 6:35:10eigentlich eine Selbstverständlichkeit
- 6:35:12Selbstverständlichkeit sein, dass es
- 6:35:14Standard wird, dass Kinder in
- 6:35:16Deutschland ein kostenloses Mittagessen
- 6:35:19in Bildungseinrichtungen bekommen.
- 6:35:22Dann kommen wir zum Klima. Ja, 2,8 Grad
- 6:35:26laut Vereinte Nationen, 3 Grad laut
- 6:35:28EU-Kommission bis 2100. Wissen Sie
- 6:35:31eigentlich, was das heißt? Das bedeutet
- 6:35:34katastrophale Extremwetter, Flut und
- 6:35:37Dürre, Ernteausfälle, massive
- 6:35:39Fluchtbewegung und
- 6:35:42und etliche bewaffnete Konflikte. Und
- 6:35:45wenn ich wüsste, dass das meine Zukunft
- 6:35:46ist, dann würde ich auch auf die Straße
- 6:35:48gehen. So.
- 6:35:50Eine Bundeswirtschaftsministerin,
- 6:35:52Katharina Reiche, die
- 6:35:55reagiert darauf wie? Der Ausbau der
- 6:35:57erneuerbaren Energien wird ausgebremst.
- 6:35:59Man baut klimaschädliche Gaskraftwerke
- 6:36:02aus. Man hat einen Verkehrsminister, der
- 6:36:05das Deutschlandticket immer teurer
- 6:36:06werden lässt und damit die Verkehrswende
- 6:36:09ausbremst. Und es ist doch wirklich
- 6:36:11schockierend, dass die CDU hier Stück
- 6:36:13für Stück die Erfolge der letzten Jahre
- 6:36:15in der Klimapolitik schreddert, die so
- 6:36:18hart von Fridays for Future und
- 6:36:20eigentlich meiner jungen Millenial
- 6:36:22Generation erkämpft wurde, dass und ein
- 6:36:25Kanzler Merz nichtmals mehr zur
- 6:36:27Weltklimakonferenz fährt.
- 6:36:30So kann es nicht weitergehen. So, jetzt
- 6:36:33kommen wir mal zum Thema faire Mieten.
- 6:36:36Der SPD Kollege hat gerade gesagt, es
- 6:36:38wäre schön, wenn man sich vom Bafög mehr
- 6:36:40als ein WG-Zimmer leisten könnte. Wissen
- 6:36:42Sie was, ganz ehrlich, in den meisten
- 6:36:44deutschen Großstädten kann man sich von
- 6:36:45der Wohnpauschale im Bafög nichtmals
- 6:36:48mehr ein WG-Zimmer leisten. Versuchen
- 6:36:49Sie das mal in Berlin oder Köln. Das
- 6:36:52geht nicht und viele junge Berlinerinnen
- 6:36:54und Berliner hatten die Schnauze voll
- 6:36:56bei der letzten Wahl in Berlin und was
- 6:36:58ist ihre Reaktion seitens der
- 6:37:00Bundesregierung? Wir hören uns die immer
- 6:37:02gleichen Inhalte der letzten Jahre an
- 6:37:04und die Berliner sagen, na ja, wir
- 6:37:06machen jetzt mal ein bisschen was
- 6:37:07Radikaleres und ihre Reaktion ist, dann
- 6:37:09machen wir halt jetzt ein Bundesgesetz,
- 6:37:11um dem einen Riegel vorzuschieben. Das
- 6:37:13ist doch keine demokratische Politik, so
- 6:37:15mit einem Ergebnis einer Landtagswahl
- 6:37:17umzugehen.
- 6:37:20So.
- 6:37:21Und dann
- 6:37:22viele junge Menschen sehen das, dass man
- 6:37:26in der aktuellen wirtschaftlichen Lage
- 6:37:28schwierige Aufstiegsmöglichkeiten hat
- 6:37:32und die sehen, dass es Tech-Konzerne
- 6:37:34gibt und Leute, denen diese Konzerne
- 6:37:36gehören, wie Elon Musk, die Geld haben,
- 6:37:39eine halbe Milliarde, hunderte Millionen
- 6:37:42in irgendwelche Wahlkämpfe zu stecken
- 6:37:45und Sie als AFD kriegen auch regelmäßig
- 6:37:48Spenden von reichen Eliten und es ist
- 6:37:50doch nachvollziehbar, dass jetzt junge
- 6:37:52Menschen fragen, warum müssen wir denn
- 6:37:55immer ran? Warum verlangt die Politik
- 6:37:57die ganze Zeit von uns? Was tun denn
- 6:37:59diese reichen Eliten eigentlich für
- 6:38:00unsere Gesellschaft und wann werden die
- 6:38:02endlich mal fair besteuert?
- 6:38:05Stattdessen, was macht diese Koalition?
- 6:38:08Ein Sparexzess nach dem nächsten im
- 6:38:11Jugend- und Familienetat,
- 6:38:14Einsparungen in Milliardenhöhe. Dem
- 6:38:17Jugendverband Lambda wird einfach mal
- 6:38:20die Förderung von heute auf morgen
- 6:38:22komplett gekürzt. Wofür haben sie aber
- 6:38:24Geld? Für ein Tankrabatt, für eine
- 6:38:26Flugsteuersenkung.
- 6:38:2880% der Deutschen stimmen der GenZ zu,
- 6:38:31dass sie Gründe haben, auf die Straße zu
- 6:38:33gehen. 80%
- 6:38:35der Deutschen und dem müssen sie sich
- 6:38:39stellen. Menschen, junge Menschen haben
- 6:38:41Angst um ihre Zukunft. Bitte finden Sie
- 6:38:44eine Antwort darauf. Das ist ihr
- 6:38:46verdammter Job. Danke.
- 6:38:48[applaus]
- 6:38:48Die nächste Rednerin ist Heidi
- 6:38:50Reichinnek für die Fraktion Die Linke.
- 6:38:53[applaus]
- 6:38:58[applaus]
- 6:39:01Sehr geehrter Herr Präsident, liebe
- 6:39:02Kolleginnen, GenZ regiert und
- 6:39:04rechtskonservative drehen frei. Junge
- 6:39:06Menschen gehen auf die Straße für
- 6:39:08Bezahlbarkeit, Klimaschutz, Frieden. Und
- 6:39:09was passiert? Anstatt die Sorgen, Ängste
- 6:39:11und die berechtigte Wut dieser jungen
- 6:39:13Menschen ernst zu nehmen, anstatt
- 6:39:14Inhalte und Forderungen zu diskutieren,
- 6:39:15anstatt wenigstens mal zuzuhören, wird
- 6:39:18der Protest kriminalisiert, noch bevor
- 6:39:19der erste Demonstrant überhaupt die
- 6:39:21Chance hatte, einen Fuß auf die
- 6:39:22Demoroute zu setzen. Das ist schäbig. Da
- 6:39:25wurde Gewalt herbeigeredet
- 6:39:27und nahezu herbeigesehnt, gerade von
- 6:39:29rechtsaußen. Da wurde von Unterwanderung
- 6:39:31fantasiert, ein hartes Vorgehen der
- 6:39:33Polizei gefordert oder direkt der
- 6:39:35Einsatz der Bundeswehr im Inneren. Das
- 6:39:37ist wirklich ein Überbietungswettbewerb
- 6:39:38der Repression. Ich frage mich, ob sie
- 6:39:40sich selber eigentlich noch spüren. Denn
- 6:39:41was war denn am Wochenende?
- 6:39:43Was war denn los? In über 30 Städten
- 6:39:46haben mehr als 100.000 Menschen
- 6:39:47friedlich demonstriert, weil sie es
- 6:39:50einfach nicht mehr ertragen. Man kann
- 6:39:52einer Generation nicht erst ihre Zukunft
- 6:39:54rauben und sich dann darüber empören,
- 6:39:55dass sie dagegen auf die Straße geht.
- 6:39:58[applaus]
- 6:39:59Nach Schätzungen und die sind sogar
- 6:40:01schön gerechnet, fallen 5 bis 10 % des
- 6:40:03Unterrichts ersatzlos aus, weil 10.000
- 6:40:04Lehrkräfte fehlen. Gleichzeitig
- 6:40:06vergammeln die Schulgebäude, weil in den
- 6:40:07Kommunen ein Sanierungsstau von über 70
- 6:40:09Milliarden besteht. 20 % der
- 6:40:11Jugendlichen sind psychisch stark
- 6:40:12belastet und jeder von diesen jungen
- 6:40:13Menschen wartet im Durchschnitt 32
- 6:40:15Wochen auf einen Therapieplatz. Mieten
- 6:40:17und Lebensmittelpreise steigen, das
- 6:40:18Leben ist für die meisten kaum noch
- 6:40:19bezahlbar. Gleichzeitig brennt der
- 6:40:21Planet. Mittlerweile wird von einer
- 6:40:22Erderwärmung von 2,8 Grad ausgegangen.
- 6:40:25Früher hieß es ja immer, die nächste
- 6:40:26Generation, die soll es mal besser haben
- 6:40:28und heute wissen junge Menschen nicht
- 6:40:29einmal, ob es überhaupt noch eine
- 6:40:31Zukunft für sie gibt. Aber das Gute ist,
- 6:40:33die Jugend kämpft für genau diese
- 6:40:34Zukunft, für ein gutes Leben, für die
- 6:40:36Erfüllung ihrer Träume und die Jugend
- 6:40:38weiß genau, dass diese Politik, dass
- 6:40:40ihre Politik nicht alternativlos ist,
- 6:40:42dass es besser werden kann.
- 6:40:44Dass es keine Naturgesetze sind, die zur
- 6:40:46jetzigen Situation geführt haben,
- 6:40:47sondern politische Entscheidungen. Denn
- 6:40:49es ist eine politische Entscheidung,
- 6:40:51dass das Bildungssystem kaputt gespart
- 6:40:52wird, weil Sie sich an die
- 6:40:53Schuldenbremse ketten. Es ist eine
- 6:40:55politische Entscheidung, dass die Schere
- 6:40:56zwischen Arm und Reich immer weiter
- 6:40:57auseinander geht, weil Sie riesige
- 6:40:59Vermögen und Erbschaften einfach nicht
- 6:41:00fair besteuern wollen. Und es ist eine
- 6:41:02politische Entscheidung, dass die
- 6:41:03Klimakatastrophe über uns hereinbricht,
- 6:41:05weil für Sie die Profite fossiler
- 6:41:06Großkonzerne über allem stehen. Und
- 6:41:08politische Entscheidungen, die kann man
- 6:41:09ändern und davor haben Sie Angst.
- 6:41:12[applaus]
- 6:41:13Wir
- 6:41:14stehen an der Seite der jungen Menschen,
- 6:41:16die um ihre Zukunft kämpfen und wir
- 6:41:17tragen ihre Stimmen in dieses Parlament
- 6:41:19und ich weiß, meistens hört man mir
- 6:41:20nicht zu, das ist okay, aber an dem
- 6:41:22Punkt würde ich Sie bitten, wirklich mal
- 6:41:23die Ohren zu spitzen, dann können Sie
- 6:41:24mir wirklich sagen, ob diese Forderungen
- 6:41:26ein Problem sind. Ja, oder Frau von
- 6:41:28Storch, Sie denken einfach ein bisschen
- 6:41:30schneller, aber das ist ja jetzt hier
- 6:41:31auch eine Sache, da reden wir dann mal
- 6:41:33drüber. Also,
- 6:41:35diese jungen Menschen haben mich
- 6:41:36gebeten, Ihnen Folgendes vorzulesen.
- 6:41:38Müssen wir erst an unseren Tiefpunkt
- 6:41:39gelangen, um gehört zu werden? Besonders
- 6:41:42im Bildungs- und Gesundheitssystem
- 6:41:43herrscht Personalmangel und alle leiden
- 6:41:45darunter. Schüler*innen kommen im
- 6:41:46Lehrstoff nicht hinterher und
- 6:41:47Bürger*innen bekommen keinen
- 6:41:48Therapieplatz, nicht mal einen simplen
- 6:41:50Arzttermin. Es ist kein Geld da, um das
- 6:41:52vorhandene Personal zu entlasten oder
- 6:41:53bedürftige Bürger*innen zu unterstützen,
- 6:41:54aber für Waffenhandel reicht das Geld
- 6:41:56immer. Wir lernen jahrelang, nur um nach
- 6:41:58unserem Abschluss in die Bundeswehr
- 6:42:00geschickt zu werden. Wir wollen in euren
- 6:42:01Kriegen nicht kämpfen. Unser
- 6:42:03Rechtssystem ist auf dem rechten Auge
- 6:42:04blind, Frauen zu ihrer körperliche
- 6:42:05Selbstbestimmung genommen werden und
- 6:42:06unseren Freunden ihr Zuhause. Das machen
- 6:42:08wir nicht mit.
- 6:42:10Was daran ist radikal?
- 6:42:12Was daran muss man bekämpfen, frage ich
- 6:42:14Sie. Ich sage es Ihnen ganz deutlich,
- 6:42:15nicht die Jugend ist das Problem,
- 6:42:16sondern die Politik. Doch das wollen Sie
- 6:42:18nicht zugeben. Stattdessen wird es
- 6:42:19gebetsmühlenartig versucht, gewalttätige
- 6:42:21Ausschreitungen, die nichts mit dem
- 6:42:22Demos zu tun hatten, auf diese
- 6:42:24Veranstaltung zurückzuführen. Egal wie
- 6:42:25oft sich die Organisatoren und die
- 6:42:26Teilnehmenden davon distanzieren, ihr
- 6:42:28Urteil steht doch schon lange fest. Aber
- 6:42:30wenn mit Fackeln oder Galgen
- 6:42:31aufmarschiert wird, dann reden Sie von
- 6:42:32besorgten Bürgern. Dann muss man diese
- 6:42:34Sorgen ernst nehmen. Aber wenn junge
- 6:42:35Menschen für Ihre Zukunft kämpfen, dann
- 6:42:37ist für sie die Grenze überschritten. Da
- 6:42:39sind sich auch die ersten
- 6:42:39Unionsinnenminister nicht zu dumm, ein
- 6:42:42Versammlungsverbot zu fordern und das
- 6:42:43Versammlungsrecht aushebeln zu wollen.
- 6:42:45Wie erbärmlich ist das denn? Das
- 6:42:46Grundgesetz ist keine Empfehlung. Es ist
- 6:42:49das Fundament, auf dem diese
- 6:42:50Gesellschaft steht. Ich wünsche mir von
- 6:42:52Ihnen einmal so viel Engagement gegen
- 6:42:54eine gesichert rechtsextreme Partei wie
- 6:42:56gegen diese jungen Menschen. Wenn Sie
- 6:42:57unbedingt was verbieten wollen, dann
- 6:42:58fangen Sie doch bei den Nazis an. Dann
- 6:42:59würden Sie der Demokratie wirklich mal
- 6:43:00einen Gefallen tun.
- 6:43:02[applaus]
- 6:43:05Und nicht nur in Deutschland geht die
- 6:43:07Jugend auf die Straße, auch in
- 6:43:08Frankreich, Italien und Spanien und mehr
- 6:43:10noch. In Brasilien hat Lula den
- 6:43:12Rechtsextrem Bolsonaro geschlagen. In
- 6:43:14Serbien hat eine von jungen Menschen
- 6:43:15getragene Bewegung den Autokraten Vucic
- 6:43:17aus dem Amt gejagt und in den USA haben
- 6:43:19Trump und seine Republikaner eine
- 6:43:21krachende Niederlage eingesteckt. Die
- 6:43:22Menschen stehen auf gegen Ausbeutung,
- 6:43:24Kriegstreiberei, Hass und Hetze, denn
- 6:43:26hier geht es um alles. Diese Bewegung in
- 6:43:27Deutschland ist nur ein Teil des großen
- 6:43:29Ganzen. Und wissen Sie, was mich
- 6:43:30hoffnungsvoll stimmt? Trotz der massiven
- 6:43:32Hetzkampagne, die auch aus Teilen dieses
- 6:43:34Plenums und vor allem dieser Regierung
- 6:43:35mitgetragen wird, sagen über 80 % der
- 6:43:37Bevölkerung, dass die Proteste der GenZ
- 6:43:39berechtigt und richtig sind. Denn
- 6:43:40Bezahlbarkeit, Frieden, Klimaschutz,
- 6:43:42eine gute Gesundheitsversorgung, das
- 6:43:43geht jede Generation an. Denn die Grenze
- 6:43:45verläuft nicht zwischen jung und alt,
- 6:43:47sie verläuft zwischen oben und unten.
- 6:43:49Denn auch die Eltern und Großeltern
- 6:43:50wollen, dass es ihren Kindern und Enkeln
- 6:43:52endlich besser geht.
- 6:43:54Und deswegen kann ich euch eins sagen,
- 6:43:55liebe GenZ, Mama ist stolz. Macht
- 6:43:57weiter. Wir sehen uns am 20.11.
- 6:44:01[applaus]
- 6:44:04Vielen Dank.
- 6:44:06Als Nächster spricht Dr. Konrad Körner
- 6:44:08für die Unionsfraktion.
- 6:44:09[applaus]
- 6:44:18Sehr geehrter Präsident, liebe
- 6:44:20Kolleginnen und Kollegen, Frau Reginke,
- 6:44:22es ist Zeit für einen kleinen
- 6:44:23Faktencheck.
- 6:44:25Am vergangenen Samstag haben in
- 6:44:26Deutschland mehr als 100.000 Menschen
- 6:44:28demonstriert, vor allem junge Menschen.
- 6:44:30Und das ist wunderbar und das eine
- 6:44:32Ausübung ihrer demokratischen Rechte.
- 6:44:35Und im Anschluss kam es in einigen
- 6:44:37Städten zu Ausschreitungen, Plünderungen
- 6:44:39und auch Angriffen auf Polizeibeamte.
- 6:44:42Und das differenziert jeder Redner aus
- 6:44:45dieser Regierung, jeder Redner hier im
- 6:44:47Parlament durchaus. Nur Sie, Sie wollen
- 6:44:49das alles vermischen. Sie leben von dem
- 6:44:51Populismus und Sie leben davon, dass Sie
- 6:44:54junge Menschen für ihre politische
- 6:44:56Agenda instrumentalisieren.
- 6:44:59Wer aber nur über das Eine sprechen will
- 6:45:01und das Andere ausblendet, der ist auf
- 6:45:03einem Auge blind. Wir als Union, wir
- 6:45:05haben beide Augen weit offen. Und wenn
- 6:45:08sich wie in Frankfurt
- 6:45:10Polizeibeamte 1500 Randalierern
- 6:45:13entgegenstellen und dabei mehr als 100
- 6:45:15Einsatzkräfte verletzt werden, dann
- 6:45:16verdienen diese Polizistinnen und
- 6:45:18Polizisten unseren Respekt und unsere
- 6:45:20Solidarität. Davon von Ihnen kein Wort.
- 6:45:23Im Gegenteil, Sie schreiben in den Titel
- 6:45:25dieser aktuellen Stunde
- 6:45:26Polizeiübergriffe aufklären und zeigen,
- 6:45:29auf welcher Seite Sie stehen, auf der
- 6:45:30Seite der Verbrecher, der Plünderer und
- 6:45:32der Enteigner.
- 6:45:35Nicht auf der Seite der jungen Menschen.
- 6:45:37Abgeordneter Körner, erlauben Sie eine
- 6:45:38Zwischenfrage vom Abgeordneten Boetius
- 6:45:40von der Fraktion Die Linke.
- 6:45:42Ja.
- 6:45:43Herr Boetius bitte.
- 6:45:46Ja, danke, dass Sie die Frage zulassen.
- 6:45:49Sie haben uns Ihren Populismus
- 6:45:50vorgeworfen und dann im Umkehrschluss
- 6:45:52frage ich Sie, ein Boris Rhein hat
- 6:45:55einen hessischen Ministerpräsident hat
- 6:45:57im Vorfeld der Proteste bereits
- 6:46:00versucht, sie zu kriminalisieren.
- 6:46:02Eine junge Union, eine viel zu früh
- 6:46:05vergreiste Jungorganisation der CDU, hat
- 6:46:09im Vorfeld den Einsatz der Bundeswehr
- 6:46:11gegen die Schülerinnen und Schüler
- 6:46:13gefordert. Und im Nachhinein hat ein
- 6:46:16Minister Dorbrint rassistisch gehetzt,
- 6:46:19ohne und das hat das Ministerium
- 6:46:21zugegeben, ohne eine Faktenbasis zu
- 6:46:23haben über die Täter in Gruppen und hat
- 6:46:24von einem migrantischen Milieu
- 6:46:26gesprochen und zwar in Generationen von
- 6:46:29Menschen, die hier leben. Das spaltet
- 6:46:30unsere Gesellschaft. So ein Populismus,
- 6:46:33so ein rechter Populismus aus den der
- 6:46:35Union. Und ich kann Ihnen etwas sagen.
- 6:46:38Die Menschen gehen auf die Straße gegen
- 6:46:40ihre Politik, weil sie Ihnen das Leben
- 6:46:42unbezahlbar machen, weil sie
- 6:46:44Unterhaltsvorschuss kürzen, weil sie bei
- 6:46:46Kindern in Armut kürzen und weil sie den
- 6:46:49Reichen und den Konzernen immer mehr
- 6:46:51Geld zuschustern. Und ich darf Ihnen
- 6:46:54zwei Zahlen nennen. Die erste Zahl, die
- 6:46:56Zufriedenheit mit dem Bundeskanzler Merz
- 6:46:58ist auf einem historischen Tiefstand.
- 6:47:01Sie liegt bei 11 % und 83 % der
- 6:47:05deutschen Bevölkerung sagen, die
- 6:47:07Anliegen der Gen-Z-Regelproteste
- 6:47:10sind korrekt und richtig. Sehen Sie
- 6:47:12einen Zusammenhang zwischen diesen
- 6:47:13beiden Zahlen?
- 6:47:15Herr Chrupalla, bitte.
- 6:47:17[applaus]
- 6:47:17Ja, Herr Präsident, ich wollte gerade
- 6:47:19sowieso drauf eingehen. Insofern kann
- 6:47:20ich auf die Frage auch in meiner Rede
- 6:47:22antworten, weil Sie stehen nicht auf der
- 6:47:24Seite junger Menschen. Junge Menschen
- 6:47:26vertrauen in diesem Land
- 6:47:27überproportional der Polizei und sie
- 6:47:29wollen in Sicherheit leben.
- 6:47:31Und Herr Merz steht an der Seite der
- 6:47:33Polizei und an der Seite der jungen
- 6:47:36Menschen. Und im Übrigen eine
- 6:47:38ein ein Populismus, wenn man sieht,
- 6:47:40woher das jetzt kam. Natürlich waren
- 6:47:42dort Menschen mit Migrationshintergrund
- 6:47:44in den als Randalierer unterwegs. Das
- 6:47:46ist ja offensichtlich. Und die Warnungen
- 6:47:48davor, sie kamen von den sie kamen von
- 6:47:50den Verfassungsschutzbehörden, wurde
- 6:47:52hier gerade sogar gelobt.
- 6:47:55Das ist keine rassistische Hetze, wenn
- 6:47:56es so ist, wie es ist. Nein, Sie
- 6:47:59instrumentalisieren Rassismus als
- 6:48:02Argument, überhaupt nicht über Themen
- 6:48:04und Probleme zu sprechen. Deswegen
- 6:48:06nehmen Sie die Sorgen junger Menschen
- 6:48:07überhaupt nicht ernst und deswegen geht
- 6:48:09es darum, was junge Menschen an
- 6:48:11eigentlich für Anliegen haben.
- 6:48:15Und deswegen stehen wir zu unserer
- 6:48:17Polizei und sagen erstmal danke, dass
- 6:48:19ihr durchgreift, danke, dass ihr uns vor
- 6:48:21Schlimmerem bewahrt und danke, dass ihr
- 6:48:24den Kopf für uns alle hinhaltet. Aber
- 6:48:26besser wär's, wenn wir mal ernsthaft
- 6:48:30darauf hören würden, was eine junge
- 6:48:31Generation möchte. Schauen wir z.B. in
- 6:48:34die Shell-Jugendstudie. 91 % der jungen
- 6:48:37Menschen sagen, ja, ein sicherer
- 6:48:38Arbeitsplatz, der ist mir verdammt
- 6:48:40wichtig. Die Antwort der Linken, vier
- 6:48:42Tage Woche, Steuern auf das Ersparte,
- 6:48:44immer mehr Umverteilung, diffuse Angst
- 6:48:46vor dem Kapitalmarkt, Hetze gegen die
- 6:48:48Wirtschaft und natürlich Enteignungen.
- 6:48:51Die Jugend, die Jugend zeigt, wie es
- 6:48:53geht. Zwei Drittel der jungen Menschen
- 6:48:55sind bereit, mehr zu arbeiten, wenn sie
- 6:48:57dafür auch mehr verdienen. Deswegen
- 6:49:00kämpfen wir für stabile
- 6:49:01Sozialversicherungsbeiträge
- 6:49:03und Steuerreformen, damit sich deine
- 6:49:05Leistung für dich wieder lohnt. Was
- 6:49:07sagen Sie eigentlich der jungen
- 6:49:09Generation, wenn sie bei Rente und
- 6:49:11Gesundheit dauernd fordern, die
- 6:49:12Versäumnisse einer Generation als
- 6:49:14Rechnung an die nächste zu schicken? Wir
- 6:49:16setzen uns deswegen so sehr für
- 6:49:18Veränderung ein, damit jede Generation
- 6:49:20und vor allem die nächste eine faire
- 6:49:22Chance auf die Zukunft hat.
- 6:49:26Gleichzeitig, gleichzeitig gibt es eine
- 6:49:29Angst vor Wohlstandsverlust. Und am
- 6:49:31besten bekämpfen wir die mit dem Traum
- 6:49:33vom Eigenheim. Während junge Menschen
- 6:49:36vor allem von den eigenen vier Wänden
- 6:49:37träumen, träumt die Linke von
- 6:49:40Enteignungen. Sie wollen in Berlin 16
- 6:49:43Milliarden Euro auf Kosten der nächsten
- 6:49:45Generation ausgeben, ohne eine einzige
- 6:49:47Wohnung dafür zu schaffen. Ich frage
- 6:49:50Sie, was sagen Sie den jungen Leuten
- 6:49:52eigentlich mit dieser Rechnung? Wir
- 6:49:54hingegen, wir wollen schneller,
- 6:49:57günstiger bauen, mit einem
- 6:49:58Wohnungsbauturbo 3 Milliarden
- 6:50:00Planungskosten einsparen, mit dem
- 6:50:02Gebäudetyp E Frau Friesma, ja, Baukosten
- 6:50:05einsparen, mehr Geld lassen für die
- 6:50:07eigene Wohnung. Und ich will verdammt
- 6:50:09noch mal, dass meine Generation und alle
- 6:50:11nachfolgenden Generationen die
- 6:50:12Freiheiten und die Möglichkeiten, die
- 6:50:14unsere Eltern hatten, eben auch haben.
- 6:50:16Deswegen haben wir ein
- 6:50:17Altersvorsorgedepot geschaffen. Ja, sie
- 6:50:19bekämpfen den Kapitalmarkt. Unsere junge
- 6:50:22Generation, die hat Bock auf Depot und
- 6:50:24Bock auf Trading und Bock auf Wohlstand.
- 6:50:27Und die junge Generation, ja, die will
- 6:50:29Chancen.
- 6:50:31Die junge Generation will Chancen auf
- 6:50:33Bildung in intakten Schulen. Und ich
- 6:50:35sage Ihnen auch, wenn man Kommunen nicht
- 6:50:38dauernd noch mehr Aufgaben aufbürdet und
- 6:50:40nicht die 350. Sozialleistung noch
- 6:50:42erfindet. Ja, dann haben Sie auch
- 6:50:44Kapazitäten, sich endlich um den
- 6:50:46Schulbau zu kümmern. Bei mir wird eine
- 6:50:49Schule aus den Mitteln des
- 6:50:50Sondervermögens saniert. Mein Landkreis
- 6:50:52baut gerade ein neues Gymnasium und das
- 6:50:55wird ein Palast für die Bildung. Völlig
- 6:50:57zurecht. Schulen, sie sollten Paläste
- 6:51:00sein. Und wenn wir uns endlich einig
- 6:51:02werden,
- 6:51:02Herr Körner, erlauben Sie eine
- 6:51:03Zwischenfrage der Abgeordneten Frisema
- 6:51:05von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.
- 6:51:07Ja.
- 6:51:08Frau Frisema, bitte.
- 6:51:10Präsident, vielen Dank für das Zulassen
- 6:51:12der Zwischenfrage. Sie haben
- 6:51:13angesprochen, Herr Körner, dass Sie
- 6:51:15wollen, dass die Kommunen entlastet
- 6:51:17werden.
- 6:51:18Ich mache Wohnungspolitik. Ihre
- 6:51:20Bundesregierung will gerade das Wohngeld
- 6:51:22kürzen. Da ähm fallen 300.000 Menschen
- 6:51:24aus dem Anspruch auf Wohngeldleistung,
- 6:51:26eine Leistung, die vor allen Dingen
- 6:51:27Menschen zugute kommt, die arbeiten oder
- 6:51:30die Rentnerinnen sind, aber auch viele
- 6:51:31junge Familien ähm kriegen das Wohngeld.
- 6:51:34Menschen, die jetzt aus dem
- 6:51:34Wohngeldanspruch fallen, also 300.000
- 6:51:36Leute, die fallen mit großer
- 6:51:38Wahrscheinlichkeit, so sieht es auch im
- 6:51:39Gesetzentwurf äh geschrieben, steht
- 6:51:41drin, dass viele Menschen ins SGB II
- 6:51:44fallen, also in die Grundsicherung. Das
- 6:51:45ist eine Leistung, die von den Kommunen
- 6:51:47bezahlt werden muss. Wie steht das im
- 6:51:48Zusammenhang mit der Aussage, die Sie
- 6:51:50gerade getroffen haben, dass Sie die
- 6:51:51Kommunen finanziell entlasten wollen?
- 6:51:54[applaus]
- 6:51:54Herr Körner, bitte.
- 6:51:55Frau Kollegin, wir entlasten Kommunen
- 6:51:58z.B. indem wir bei der Gewerbesteuer
- 6:52:00neue Wege gehen. Wir entlasten Kommunen
- 6:52:02z.B. indem wir bei der Kinder- und
- 6:52:04Jugendhilfe durchaus schauen, welche
- 6:52:06Leistungen man anpacken kann. Ja, und
- 6:52:08wir müssen auch darüber reden, welche
- 6:52:11Sozialleistungen in dem Sinne
- 6:52:13finanzierbar sind. Und deswegen haben
- 6:52:15wir z.B. die Grundsicherungsreform
- 6:52:17durchgebracht, weil wir sehr wohl sehen,
- 6:52:19dass da auch Einsparpotenziale sind und
- 6:52:20da müssen wir genau noch mehr heben,
- 6:52:22weil am Ende sind die Kosten von heute
- 6:52:25die Kosten, die die junge Generation
- 6:52:26morgen zahlen muss. Und deswegen ist es
- 6:52:28durchaus so, dass wir darüber sehr wohl
- 6:52:30sprechen müssen.
- 6:52:32Und wenn wir uns auch endlich einig
- 6:52:34werden, dass wir in deutschen Schulen
- 6:52:37gute Verhältnisse brauchen und ja, dass
- 6:52:39wir Kommunen da unterstützen, z.B. beim
- 6:52:42Bau. Und wenn wir uns aber auch einig
- 6:52:44wären, dass in deutschen Schulen
- 6:52:45möglichst kein Kind in diese Schule
- 6:52:47gehen sollte, ohne Deutsch zu sprechen
- 6:52:49und deswegen auch jedes Kind getestet
- 6:52:51und gefördert wird, dass es bis zur
- 6:52:53Einschulung Deutsch kann, dann würden
- 6:52:55sich Jugendliche auch endlich wieder
- 6:52:56ernst genommen fühlen, anstatt als
- 6:52:58Experiment für falsche Linke Toleranz.
- 6:53:01Und zuletzt, ja, diese Generation will
- 6:53:03in Frieden aufwachsen, das wollen wir
- 6:53:05alle. Aber Frieden gibt's nicht zum
- 6:53:07Nulltarif, Frieden gibt es nur, wenn wir
- 6:53:09ihn jeden Tag erarbeiten und sichern.
- 6:53:11Die Linkspartei, die will am liebsten
- 6:53:13natürlich kein Deutschland, macht jungen
- 6:53:15Menschen vor, die Welt da draußen, die
- 6:53:17würde uns schon in Ruhe lassen. Aber ich
- 6:53:18sage Ihnen, die Jugend, die ist klüger.
- 6:53:2075 % der Jugendlichen fänden eine
- 6:53:23allgemeine Dienstpflicht richtig. Warum
- 6:53:25liegen liebe Linkspartei, warum
- 6:53:26blockieren Sie sowas eigentlich? Junge
- 6:53:29Menschen in dem Land wissen, jeder muss
- 6:53:30seinen Teil beitragen und wenn es fair
- 6:53:33zugeht, dann tragen sie ihren Teil auch
- 6:53:35dazu bei. Veralbern Sie die Generation
- 6:53:37nicht, indem Sie Alerta Alerta singen.
- 6:53:39Ich kann jedem jungen Menschen sagen,
- 6:53:41deine Sorgen sind unsere Sorgen. Die
- 6:53:43Bundesregierung, sie muss sich
- 6:53:44anstrengen, aber die Linke braucht ja
- 6:53:46ein anderes Weltbild. Herzlichen Dank.
- 6:53:48Vielen Dank. Die nächste Rednerin ist
- 6:53:50Birgit Bessin für die Fraktion AfD.
- 6:54:00Sehr geehrter Herr Präsident, anwesende
- 6:54:01Kollegen, liebe Gäste. Es war gerade
- 6:54:04nicht die die Generation Z, die an
- 6:54:06Halloween auf der Straße unterwegs war,
- 6:54:08sondern lediglich ein gescheiterter
- 6:54:10Versuch der politischen Linken in
- 6:54:11Deutschland, diese Generation für sich
- 6:54:13zu vereinnahmen.
- 6:54:15Aber die Masse der jungen Leute lässt
- 6:54:16sich eben nicht von linken Versagern,
- 6:54:18Anarchisten, radikalen Migranten oder
- 6:54:20kriminellen Clans instrumentalisieren,
- 6:54:23denn diese werden niemals unseren
- 6:54:25Sozialstaat sichern oder auch nur ein
- 6:54:27stabiles Staatswesen erhalten.
- 6:54:29Denn wer mittels brennender Barrikaden,
- 6:54:31Plünderungen von Geschäften,
- 6:54:33Molotowcocktails, gezielten Angriffen
- 6:54:35auf Polizisten agiert, der will den
- 6:54:38Zusammenbruch von Ordnung und Recht, der
- 6:54:40will zerstören statt mitgestalten. Und
- 6:54:42ein sehr großer Teil der jungen
- 6:54:43Generation weiß ganz genau, Wir, unsere
- 6:54:46AfD, ist das letzte Bollwerk in
- 6:54:48Deutschland gegen diese radikale Szene
- 6:54:50und den aufkommenden Islamo-Sozialismus,
- 6:54:54gegen Verrottung Deutschlands zu einem
- 6:54:56Slum, meine Damen und Herren.
- 6:54:58Denn wir sind es, die die richtigen
- 6:54:59Maßnahmen für eine bessere Zukunft in
- 6:55:01den Erhalt unserer Maßnahmen unserer
- 6:55:04Heimat haben und die heißen ganz klar
- 6:55:06dem deutschen Volke und Deutschland
- 6:55:08zuerst, meine Damen und Herren. Es wird
- 6:55:10übrigens schon lange Zeit, dass Gewalt
- 6:55:13nicht länger zu relativiert wird,
- 6:55:15sondern das Strafbarkeitsalter
- 6:55:17herabgesetzt und insgesamt die linke
- 6:55:19kriminelle Migrantenszene nicht länger
- 6:55:21mitsamt Handschuhen angefasst wird.
- 6:55:24Von Unionsfraktionschef Friedrich konnte
- 6:55:26man gestern ja den Offenbarungseid für
- 6:55:28nächstes Jahr schon mal hören. Alle
- 6:55:30sollen den Gürtel noch enger schnallen.
- 6:55:32Die Frustration nicht nur junger
- 6:55:34Menschen über teures Leben, schlechte
- 6:55:35Bildung und Zukunftsängste ist real und
- 6:55:38folgt genau aus dieser Politik, die Ihr,
- 6:55:41Herr Frei, verteidigt. Gespart wird
- 6:55:43nämlich wieder beim Bürger, während der
- 6:55:44Staat weiter wächst, Milliarden für
- 6:55:46Asyl, Migration, Ukraine-Hilfe,
- 6:55:48Klima-Ideologie, Bürokratie und NGOs
- 6:55:50ausgibt, statt an sich selbst, an uns
- 6:55:53Abgeordneten, am Regierungsapparat und
- 6:55:55den Ministern zu sparen. Die Sorgen
- 6:55:58vieler junger Leute sind aber gerade
- 6:56:00nicht erst jetzt vom Himmel gefallen und
- 6:56:03die Zustände haben sich extrem
- 6:56:04verschärft, seitdem die Merkel-Regierung
- 6:56:07die Abrissbirne über Deutschland
- 6:56:09gezündet hat. Kernenergie wurde über
- 6:56:11Nacht verteufelt und durch die
- 6:56:12Industrialisierung die Grundlage einer
- 6:56:14bezahlbaren, sicheren Energieversorgung
- 6:56:16zerstört. Und die tatverdächtigen
- 6:56:19Belastungszahlen bei Gewaltkriminalität
- 6:56:21zeigen deutlich die Wahrheit, die Sie
- 6:56:24alle hier im Haus nicht hören wollen.
- 6:56:26Bei den deutschen Staatsangehörigen sind
- 6:56:28lediglich 163 von 100.000 Einwohnern
- 6:56:32das. Bei Syrern sind es allerdings
- 6:56:341.740, bei Afghanen 1.722.
- 6:56:38Die Sicherheit, der Freiheit der jungen
- 6:56:40Generation, unserer aller Generation
- 6:56:43steht auf dem Spiel. Marode Schulen,
- 6:56:46Deutschland im Bildungsranking tief nach
- 6:56:48unten gerutscht, da tatsächlich ja
- 6:56:49Bildung verkommen, manche Schulen
- 6:56:51mittlerweile zu Verwahranstalten. Kinder
- 6:56:54langweilen sich heutzutage.
- 6:56:56Bekleidungsvorschriften werden gemacht
- 6:56:58statt freier Entfaltung. Mobbing,
- 6:57:00Konformitätsdruck auf extrem von extrem
- 6:57:02muslimischen Schülern auf liberale
- 6:57:04Muslime und auf Deutsche ist der Alltag.
- 6:57:07Wir haben extrem Gewaltanstieg an
- 6:57:09Schulen. 2019 gab es knapp 19.000
- 6:57:11Gewaltdelikte an Schulen. 2024 waren es
- 6:57:15doppelt so viele, davon 743
- 6:57:17Messerangriffe. Es sind die hohen
- 6:57:19Lebenshaltungskosten, das Gefühl von
- 6:57:21Regierungsparteien nicht ernst genommen
- 6:57:23zu werden. Das kann ich durchaus
- 6:57:25verstehen. Unsere AFD will das
- 6:57:27allerdings ändern. Wir wollen mehr
- 6:57:29direkte Demokratie, mehr
- 6:57:30Volksabstimmung, echte Mitbestimmung des
- 6:57:32Volkes und schlussendlich mit diesem
- 6:57:35Parteienstaat, der sich den Staat zur
- 6:57:37Beute macht, meine Damen und Herren.
- 6:57:39Frau Bessin, erlauben Sie eine
- 6:57:40Zwischenfrage vom Abgeordneten Eddis von
- 6:57:42der Fraktion Die Linke.
- 6:57:44Selbstverständlich.
- 6:57:45Eddis, bitte.
- 6:57:48Ja, wir wollen Schluss machen mit dem
- 6:57:50Parteienstaat.
- 6:57:51ich hätte da
- 6:57:52Frau Bessin,
- 6:57:53dass Sie die Frage zulassen.
- 6:57:56Ich habe mir eben die aktuellen
- 6:57:57Statistiken, Kriminalstatistiken
- 6:57:59angeschaut. Seit 1990
- 6:58:01gibt es exakt 244
- 6:58:06tödliche Straftaten von
- 6:58:08Rechtsextremisten und lediglich nur
- 6:58:11sechs, was ja auch zu viel ist, von
- 6:58:13Linksextremisten. Wie erklären Sie sich
- 6:58:16das und wieso hetzen Sie eigentlich
- 6:58:19permanent nur gegen Linksextremisten?
- 6:58:22Sind Sie blind auf der rechten Auge,
- 6:58:24dass Sie diesen rechten Terror nicht
- 6:58:26sehen?
- 6:58:27Frau Bessin, bitte.
- 6:58:28Also, sehr geehrter Kollege, das heißt
- 6:58:30zum einen sind Sie nicht link sind Sie
- 6:58:32nicht taub auf der auf der rechten Auge,
- 6:58:34sondern auf dem rechten Auge. Das
- 6:58:36sollten Sie vielleicht auch mal lernen.
- 6:58:38Und ihre ständige ihre ständ
- 6:58:41Ihre ständige ihre ständige Laberei mit
- 6:58:45Rechtsextremismus. Sie wissen doch
- 6:58:46selbst, was alles dem Rechtsextremismus
- 6:58:48zugeschrieben wird. Dem
- 6:58:50Rechtsextremismus wird alles
- 6:58:51zugeschrieben, bei dem der Täter nicht
- 6:58:53eindeutig identifizierbar ist. Ob das
- 6:58:55ein Palästinenser ist oder irgendein
- 6:58:58arabischer Extremist, der einfach nur
- 6:59:02ein Antifa-Zeichen gemalt hat, wird
- 6:59:03alles immer erstmal der rechten Szene
- 6:59:05zugeordnet, bis man den Täter kennt. Und
- 6:59:07am Ende wissen Sie selbst, dass es
- 6:59:09völliger Blödsinn ist. Der
- 6:59:11Linksextremismus ist in Deutschland so
- 6:59:13massiv gestiegen. Sie leugnen das, sie
- 6:59:16leugnen das, sie leugnen es und sie
- 6:59:18wollen es auch nicht wahrhaben. Das ist
- 6:59:19das Problem, dass wir auf den Straßen
- 6:59:22Palästinenser haben, die demonstrieren,
- 6:59:24die diesen Staat abschaffen wollen. Wir
- 6:59:26haben hier Leute auf den Straßen, die
- 6:59:28unser komplettes Rechtssystem abschaffen
- 6:59:30wollen. Davon hört man von ihnen gar
- 6:59:32nichts, das wird von ihnen völlig
- 6:59:33verharmlost, Herr Kollege.
- 6:59:34lass jetzt die Uhr weiterlaufen noch ein
- 6:59:35bisschen.
- 6:59:36So, Herr Präsident, ich würde gerne
- 6:59:38weitermachen. Es sind die hohen
- 6:59:40Lebenshaltungskosten, ist das Gefühl
- 6:59:42eben von den Regierungsparteien seit
- 6:59:43Jahren nicht ernst genommen zu werden.
- 6:59:45Ich habe Ihnen erklärt, wie wir das
- 6:59:47ändern wollen. Ich komme noch zu der
- 6:59:48Thematik der Wehrpflicht. Ich kann
- 6:59:52durchaus verstehen, dass bei der
- 6:59:53Einführung und dem Ausbau der
- 6:59:55Wehrpflicht durch die März-Regierung
- 6:59:57unsere Kinder und deren Kinder und
- 7:00:00unsere Enkel
- 7:00:01das absolut ablehnen, denn wir wollen
- 7:00:04nicht, dass unsere Kinder und Enkel zum
- 7:00:06Kanonenfutter für einen Konflikt gemacht
- 7:00:08werden, der Deutschlands Interessen
- 7:00:10nicht verteidigt, sondern Fremde. Das
- 7:00:12hat nicht mit Verteidigungspolitik zu
- 7:00:14tun, das ist Kriegstreiberei auf dem
- 7:00:17Rücken der Jungen und sollte es eine
- 7:00:19AfD-Regierung bald geben, wird es so
- 7:00:21eine Kriegstreiberei in Deutschland auch
- 7:00:23nicht mehr geben.
- 7:00:24Zum Schluss ein Appell an die jungen
- 7:00:26Leute draußen.
- 7:00:27Es ist [räuspern] eure Zukunft, die hier
- 7:00:29in Deutschland mittlerweile auf dem
- 7:00:31Spiel steht. Die Sicherheit in euren
- 7:00:34Schulen, die Freiheit eurer Meinung, die
- 7:00:36wirtschaftliche Perspektive unseres
- 7:00:38Landes und das Erbe, das ihr einmal an
- 7:00:41eure Kinder und Enkelkinder weitergeben
- 7:00:43wollt.
- 7:00:44Setzt euch deshalb ein für den Erhalt
- 7:00:47Deutschlands, für ein freies, ein
- 7:00:49sicheres, ein selbstbewusstes Land.
- 7:00:52Engagiert euch gerne bei unserer
- 7:00:54Alternative für Deutschland, das ist
- 7:00:57eure Zukunft und vor allem gestaltet sie
- 7:01:01selbst, bevor andere sie euch wegnehmen.
- 7:01:05Vielen Dank.
- 7:01:06Vielen Dank. Die nächste Rede hält Dr.
- 7:01:09Katja Strauß-Köster für die
- 7:01:11Unionsfraktion.
- 7:01:12[applaus]
- 7:01:18[applaus]
- 7:01:18Herr Präsident, liebe Kolleginnen und
- 7:01:20Kollegen, meine sehr geehrten Damen und
- 7:01:22Herren, mein Sohn ist 23 Jahre alt.
- 7:01:25Ich stelle mir vor, er wäre Polizist
- 7:01:27gewählt worden.
- 7:01:29Er hätte sich für diesen Beruf
- 7:01:30entschieden, weil er unsere Sicherheit,
- 7:01:32unsere Freiheit, unsere Demokratie und
- 7:01:34das Recht auf freie Meinungsäußerung
- 7:01:36schützen wollte.
- 7:01:38Und dann kommen die Tage vor diesen
- 7:01:39angekündigten Demonstrationen.
- 7:01:41Tagelang wird berichtet über
- 7:01:43Ausschreitungen in Frankreich, über
- 7:01:45Gewaltandrohungen, über die Gefahr, dass
- 7:01:47Extremisten die Proteste unterwandern.
- 7:01:51Als Mutter machen Sie sich Sorgen, Sie
- 7:01:53schlafen schlecht, Sie hoffen, dass
- 7:01:55alles friedlich bleibt.
- 7:01:57Und schließlich ist der Tag gekommen.
- 7:01:58Ihr Sohn geht zum Dienst und Sie hoffen,
- 7:02:00dass er am Abend gesund nach Hause
- 7:02:02kommt.
- 7:02:04Dann klingelt das Telefon. Ihr Sohn
- 7:02:06liegt schwer verletzt im Krankenhaus.
- 7:02:07Ein Pflasterstein hat ihn im Gesicht
- 7:02:09getroffen.
- 7:02:11Mehrere Zähne sind ausgeschlagen.
- 7:02:13Ihre schlimmen Befürchtungen sind wahr
- 7:02:15geworden.
- 7:02:16Liebe Kolleginnen und Kollegen, für mich
- 7:02:18ist das nur eine Vorstellung,
- 7:02:21aber für die Familie eines
- 7:02:22Polizeibeamten in Frankfurt ist genau
- 7:02:24diese schreckliche Vorstellung Realität
- 7:02:26geworden.
- 7:02:28225 Polizisten wurden an diesem Tag
- 7:02:31verletzt.
- 7:02:3219 davon so schwer, dass ihren Dienst
- 7:02:34nicht mehr antreten konnten.
- 7:02:36Und jetzt stellen Sie sich einmal vor,
- 7:02:38diese verletzten Polizisten und ihre
- 7:02:40Familien
- 7:02:41verfolgen in diesem Moment diese
- 7:02:43Debatte. Eine aktuelle Stunde beantragt
- 7:02:45von den Linken mit dem Titel mögliche
- 7:02:48Polizeieingriffe aufklären.
- 7:02:51Haben Sie eigentlich nur einen Moment
- 7:02:52lang versucht, sich in die diese
- 7:02:54Polizisten und ihre vielen Familien
- 7:02:56hineinzuversetzen.
- 7:02:59[applaus]
- 7:03:01Haben Sie auch nur ein Mindestmaß an
- 7:03:03Empathie für die Verletzten Beamten
- 7:03:06übrig? In Berlin wurde im Chor gerufen,
- 7:03:09ganz Berlin hasst die Polizei.
- 7:03:12Wissen Sie eigentlich, wen diese
- 7:03:14Menschen da beschimpfen?
- 7:03:16Viele der Polizistinnen und Polizisten
- 7:03:18gehören selbst zu der Generation, die
- 7:03:20dort auf die Straße gegangen ist.
- 7:03:23Gerade hier in Berlin leisten großartige
- 7:03:25Polizeibeamte, viele mit
- 7:03:27Migrationsgeschichte,
- 7:03:29jeden Tag ihren Dienst für unsere
- 7:03:31Gesellschaft.
- 7:03:33Und dann kommen Sie mit einer aktuellen
- 7:03:34Stunde, in der Sie ausgerechnet mögliche
- 7:03:37Polizeiübergriffe in den Mittelpunkt
- 7:03:39stellen wollen.
- 7:03:40Dabei haben wir noch die ihre
- 7:03:42Forderungen aus dem Berliner Wahlkampf
- 7:03:44im Ohr, polizeiliche Befugnisse
- 7:03:46einschränken, die Polizei entwaffnen,
- 7:03:48ihre Handlungsmöglichkeiten
- 7:03:50beschneiden.
- 7:03:51Das sind übrigens dieselben
- 7:03:53Polizistinnen und Polizisten, die auch
- 7:03:55ihre Parteitage schützen, dieselben
- 7:03:58Beamten, auf deren Schutz sich auch ihre
- 7:04:00Berliner Spitzenkandidatin verlassen
- 7:04:02kann,
- 7:04:03wenn sie Angst hat, weil sie bedroht
- 7:04:05wird.
- 7:04:06Ihre politische Schwerpunktsetzung halte
- 7:04:08ich angesichts dieser Umstände für
- 7:04:10unglaublich und für eine
- 7:04:12Unverschämtheit.
- 7:04:14[applaus]
- 7:04:17Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich
- 7:04:18nehme für mich ausdrücklich in Anspruch,
- 7:04:20Politik für die junge Generation zu
- 7:04:22machen. Ich habe dabei tagtäglich auch
- 7:04:25meine eigenen Kinder vor Augen. Ihnen
- 7:04:28eine sichere und gute Zukunft zu
- 7:04:30ermöglichen,
- 7:04:31ist die Leitlinie meines Handelns.
- 7:04:34Und ich glaube, das ist einer der
- 7:04:35wichtigsten Gründe, warum wir alle hier
- 7:04:37sitzen sollten, weil wir Verantwortung
- 7:04:39tragen, nicht nur für das Hier und
- 7:04:41Jetzt,
- 7:04:42sondern auch für diejenigen, die morgen
- 7:04:44und übermorgen in unserem Land leben
- 7:04:46werden.
- 7:04:47Und ich sage auch, wir haben noch viel
- 7:04:49zu tun. Aber vergessen wir nicht, wir
- 7:04:51sind bereits dabei, zentrale Vorhaben
- 7:04:53umzusetzen. Mit dem Startchancenprogramm
- 7:04:56investieren Bund und Länder 20
- 7:04:58Milliarden Euro in bessere Bildung an
- 7:05:00rund 4000 Schulen.
- 7:05:02Mit der Ausbildungsgarantie verbessern
- 7:05:04wir die Chancen junger Menschen auf
- 7:05:06einen guten Start ins Berufsleben.
- 7:05:09Mit dem Programm Junges Wohnen stellen
- 7:05:11wir allein in diesem Jahr 500 Millionen
- 7:05:14Euro für bezahlbaren Wohnraum für
- 7:05:16Studierende und Auszubildende bereit.
- 7:05:19Mit unserem Bafög-Reform wollen wir die
- 7:05:21Wohnkostenpauschale erhöhen und die
- 7:05:22finanzielle Unterstützung für
- 7:05:24Studierende verbessern.
- 7:05:26Und mit der Frühstartrente gehen wir mit
- 7:05:28einen neuen Weg. Der Staat legt künftig
- 7:05:30für Kinder monatliches Geld am
- 7:05:32Kapitalmarkt an, damit sie schon früh
- 7:05:35ein eigenes Vorsorgevermögen aufbauen
- 7:05:37können. Wir tragen Verantwortung für
- 7:05:39Jung und Alt.
- 7:05:41Für diejenigen, die ihre Zukunft noch
- 7:05:42vor sich haben und für diejenigen, die
- 7:05:44dieses Land über Jahrzehnte aufgebaut
- 7:05:46haben.
- 7:05:48Für den türkischstämmigen Ladenbesitzer,
- 7:05:50dessen Geschäft geplündert wurde und den
- 7:05:52Polizisten, der mit Steinen beworfen
- 7:05:54wurde. Denn gute Politik darf wirklich
- 7:05:57niemanden aus dem Blick verlieren.
- 7:05:59Herzlichen Dank.
- 7:06:01Vielen Dank.
- 7:06:02[applaus]
- 7:06:03Die letzte Rede in dieser aktuellen
- 7:06:05Stunde hält Ellen Demuth für die CDU
- 7:06:07C-Suche.
- 7:06:10[applaus]
- 7:06:18Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr
- 7:06:20geehrten Damen und Herren. Zu Beginn
- 7:06:22meiner Rede möchte ich ausdrücklich
- 7:06:23feststellen, die Gen C hat jedes Recht
- 7:06:27und auch jede Legitimation zu
- 7:06:30protestieren und auf die Straße zu
- 7:06:32gehen.
- 7:06:33Junge Menschen,
- 7:06:34die in Deutschland leben, sind durch den
- 7:06:36demografischen Wandel heutzutage leider
- 7:06:39in der Minderheit. Und deshalb ist es
- 7:06:41wichtig, dass vor allen Dingen diese
- 7:06:42Menschen die Möglichkeit haben, ihre
- 7:06:44Interessen auch lautstark zu vertreten.
- 7:06:47Jedoch möchte ich auch als
- 7:06:49Außenpolitikerin einmal sagen, ich bin
- 7:06:51viel in der Welt unterwegs und diese
- 7:06:53Proteste haben ja auch ihre Ursache in
- 7:06:55Frankreich und in vielen anderen Ländern
- 7:06:57gefunden und sind hier dann auch genutzt
- 7:06:59worden, um auch hier mal die Interessen
- 7:07:02der jungen Menschen zu kanalisieren und
- 7:07:04auch laut darzustellen. Und das ist gut.
- 7:07:06Aber auf der anderen Seite sind das
- 7:07:08nicht die Interessen aller jungen
- 7:07:10Menschen, sondern meine Kollegin Katja
- 7:07:12Straub-Kösler hat es bereits ausgeführt.
- 7:07:14Es gibt auch viele junge Menschen, die
- 7:07:15vielleicht eine andere Meinung haben,
- 7:07:17die auf der anderen Seite standen. Ich
- 7:07:19war als Landtagsabgeordnete oft bei den
- 7:07:22Hundertschaften der Polizei zu Gast und
- 7:07:23habe dort mit vielen jungen
- 7:07:25Polizeibeamten auch im Gespräch erlebt,
- 7:07:28was auch die in ihrem Alltag umtreibt.
- 7:07:30Und auch die konnten an den vergangenen
- 7:07:31Wochenenden eben nicht ihren Hobbies
- 7:07:33nachgehen, mit ihren jungen Familien
- 7:07:35Zeit verbringen, sondern haben auf der
- 7:07:37Straße gestanden, um den ganzen Tag die
- 7:07:40Demonstrationen auch zu sichern und ein
- 7:07:42friedliches Demonstrieren möglich zu
- 7:07:44machen. Und dann
- 7:07:46in den Abendstunden
- 7:07:48kam es zu den Ausschreitungen durch die
- 7:07:51Radikalen und Linksextremisten. Und
- 7:07:53meine Damen und Herren, das war ja hier
- 7:07:54heute großes Thema, deshalb habe ich mir
- 7:07:56die Zahlen für Frankfurt angeschaut. In
- 7:07:58Frankfurt gab es von der Polizei 54
- 7:08:01Festnahmen. Davon hatten die Hälfte
- 7:08:04einen deutschen Pass und die andere
- 7:08:06Hälfte hatte noch mal einen
- 7:08:07migrantischen Pass. Das waren unter
- 7:08:09anderem
- 7:08:10Tunesier, Marokkaner, Syrer und
- 7:08:12Afghanen, die festgenommen worden sind.
- 7:08:15Und die waren alle zwischen 13 und 29
- 7:08:17Jahren alt. Und das, meine Damen und
- 7:08:19Herren, waren nicht die jungen Menschen,
- 7:08:20die nachmittags auf der Straße standen,
- 7:08:22aber es waren abends diejenigen, die die
- 7:08:24friedlichen Prozesse gekapert haben und
- 7:08:27gegen die Polizei ohne jegliche
- 7:08:29Hemmschwelle vorgegangen sind, die
- 7:08:31Polizei mit Steinen beworfen haben, die
- 7:08:33Polizei versucht haben zu treten und den
- 7:08:35Rechtsstaat zu stören und gegen unser
- 7:08:37Land und gegen unseren Staat gearbeitet
- 7:08:39haben. Und dagegen sprechen wir uns hier
- 7:08:42ausdrücklich aus und auch das haben alle
- 7:08:44meine Kollegen hier sehr deutlich
- 7:08:45gemacht.
- 7:08:47[applaus]
- 7:08:50Ich möchte
- 7:08:52Ich möchte die Debatte auch noch mal
- 7:08:54nutzen, um auf Sie einzugehen, Frau
- 7:08:57Schubert. Denn Sie haben hier deutlich
- 7:08:59gemacht, dass Demokratie bedeutet für
- 7:09:01Sie Protest.
- 7:09:02Ich möchte deutlich sagen, Protest ist
- 7:09:04ein Teil der Debatte, aber auch ein
- 7:09:06weiterer schöner Teil der Demokratie ist
- 7:09:09der Dialog. In den Dialog zu treten
- 7:09:11bringt nämlich im Gegensatz zum Protest
- 7:09:13wirkliche Lösungen und deshalb ist es
- 7:09:15richtig, was der Kollege von der SPD
- 7:09:17vorgeschlagen hat und auch unsere
- 7:09:19Ministerin Karin Prien, dass wir in
- 7:09:21diesen Dialog eintreten und mit den
- 7:09:23jungen Menschen gemeinsam Lösungen
- 7:09:25erarbeiten und auf deren Forderungen
- 7:09:27auch eingehen. Und ich kann Sie nur
- 7:09:29auffordern, davon Abstand zu nehmen,
- 7:09:31junge Menschen zu weiteren Protesten äh
- 7:09:33Protesten anzuheizen, die hier eine
- 7:09:36richtige Art von Straßenkampf
- 7:09:38hervorrufen, weil es wird wieder
- 7:09:39unterwandert werden und das ist
- 7:09:41überhaupt nicht zielführend, um
- 7:09:43gemeinsam in einer Demokratie Lösung zu
- 7:09:45erarbeiten. Deshalb ist es viel
- 7:09:46wichtiger, gemeinsam an einem
- 7:09:48Gesprächstisch zu kommen und gemeinsam
- 7:09:50miteinander darauf hinzuwirken, dass wir
- 7:09:51wirklich nach vorne kommen. Zum Schluss
- 7:09:53möchte ich noch zu Ihnen sagen,
- 7:09:56[applaus]
- 7:09:57Sie haben hier unter anderem auch
- 7:09:59gesagt, Sie seien wütend und ähm auch
- 7:10:01Sie, Frau Reichelt, haben gesagt, Sie
- 7:10:02seien an äh friedlichen Protesten
- 7:10:04Protesten interessiert gewesen. Fakt ist
- 7:10:06aber, Frau Schubert, Sie sind Teil der
- 7:10:09Roten Hilfe und Sie sind nicht irgendein
- 7:10:11stilles Mitglied in der Roten Hilfe,
- 7:10:13sondern Anfang des Jahres haben Sie noch
- 7:10:15lautstark in einer Pressemitteilung
- 7:10:16deutlich gemacht, dass Sie dagegen sind,
- 7:10:18dass z.B. die Sparkasse Göttingen der
- 7:10:20Roten Hilfe endlich das Konto kündigt
- 7:10:23und Sie sind doch diejenige, die bestens
- 7:10:25mit den Linksextremisten vertraut ist,
- 7:10:27die die Strafverfahren und die
- 7:10:28Haftverfahren dieser Leute
- 7:10:30mitfinanziert, dafür Spenden sammelt und
- 7:10:33das zeigt nur, dass Sie diese Debatte
- 7:10:35auch heute nutzen, um einfach diesen
- 7:10:37Kampf voranzutreiben, die Gesellschaft
- 7:10:39zu spalten und ihre linksextremen
- 7:10:41Freunde ja wahrscheinlich noch
- 7:10:42ermutigen, abends in diese Proteste
- 7:10:44einzusteigen. Das verurteile ich
- 7:10:46ausdrücklich und Sie sollten diese
- 7:10:48Debatte für ganz andere Dinge nutzen als
- 7:10:50diese Art von Hetze in der Gesellschaft
- 7:10:53und dieses Thema so voranzutreiben und
- 7:10:55die jungen Leute zu instrumentalisieren
- 7:10:57für ihre Zwecke.
- 7:10:59Vielen Dank.
- 7:11:00Weitere Wortmeldungen in dieser
- 7:11:02aktuellen Stunde liegen mir nicht vor.
- 7:11:05Ich möchte noch einmal hier anmelden,
- 7:11:07ich werde mir Vorbehalte nach Durchsicht
- 7:11:10des Protokolls Ordnungsmaßnahmen zu
- 7:11:12ergreifen. Gab so einer oder andere, was
- 7:11:15nicht ganz so deutlich war, aber doch so
- 7:11:18klang, als müsste man sich das genau
- 7:11:19angucken. Ich danke, ich schließe die
- 7:11:21aktuelle Stunde. Wir sind dann am Ende
- 7:11:24am Schluss unserer heutigen Tagesordnung
- 7:11:25angekommen. Ich danke allen, die uns
- 7:11:27unsere ihre Aufmerksamkeit geschenkt
- 7:11:28haben. Ich danke allen Mitarbeiterinnen
- 7:11:30und Mitarbeitern des Hohen Hauses, die
- 7:11:31uns das Tagen ermöglicht haben. Ich
- 7:11:34berufe die nächste Sitzung des Deutschen
- 7:11:36Bundestages ein auf Mittwoch, den 11.
- 7:11:38November 2026
- 7:11:4014 Uhr. Kommen Sie gut weg, kommen Sie
- 7:11:43schnell wieder. Die Sitzung ist
- 7:11:44geschlossen.
- 7:13:13[musik]
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- 7:14:03[musik]
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